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Copyrighthinweise:
Die Charaktere von Xena und Gabrielle sind Eigentum von Universal und Renaissance Pictures. Es wurde nicht beabsichtigt, die Urheberrechte zu verletzen.

Warnung:
Diese Geschichte ist alternativer Art. Bitte lies diese Geschichte nicht, wenn du noch nicht volljährig bist, oder wenn es in deiner Ecke der Welt nicht erlaubt ist.

Anmerkung:
Sämtliche Flora und Fauna in dieser Geschichte gibt es wirklich, genau so wie die Indianerstämme und die natürliche Topografie. Es ist eine Sammlung von Beschreibungen und Erfahrungen aus eigenen Aufzeichnungen während meines Aufenthaltes in dieser Gegend. Katzenpfötchen (Antennaria) wird als ein mögliches Heilmittel gegen Krebs untersucht.

 

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Anmerkung der Webmistress:
Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Story komplett von Nini übersetzt worden ist, und meine Wenigkeit hier nur die Korrekturlesung durchgeführt hat.

Vielen Dank Nini... Du bist Spitze. Smilie

 

   

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Amazon Entounter
by Anne Azel

Kapitel 1

 

Morgan Andrews spähte mit vor Aufregung funkelnden Augen aus dem Fenster der Cessna. Unter ihr breitete sich die hügelige Graslandschaft der großen Savanne in alle Richtungen aus, nur hier und da wurde sie von weiten schlammigen Flüssen und Baumregionen unterbrochen. Graue, bauschige Wolken blockierten zu Weilen die Sicht nach unten und so wanderten Morgan's Augen voll Interesse zu den Mitreisenden, um sie zu beobachten. Ganz hinten, im letzten Abschnitt saß ein pensioniertes Pärchen aus Florida. Sie hatten gerade erst ihre Zitronenplantage verkauft und verbrachten nun die Jahre ihres Ruhestands auf Reisen. Morgan mochte sie. Sie waren bestimmt gute Eltern, sorgsam und voller Leichtigkeit. Morgan hatte Betty und Joe Harris erst an diesem Morgen im Tourbus kennengelernt, der sie von ihrem Hotel abholte, um sie zu dem kleinen Flugfeld zu bringen.

Sie war ebenfalls auf Arthur Berkler getroffen, ein Geschäftsmann der auf dem Weg war für eine Ladung Holz aus dem Regenwald mitzubieten. Er saß neben ihr in der der mittleren Sitzreihe. Seine Aktentasche lag geöffnet auf seinem Schoss. Morgan hatte während des zwei Stunden dauernden Fluges in Abständen über seiner Schulter mitgelesen, und wusste jetzt so einiges über Berkler's Angebot. Sie lächelte. Berkler hatte Glück, dass er für eine Firma arbeitete, die Holzprodukte herstellte und keine Medikamente. Morgan's Mission in dieser Gegend war viel geheimnisvoller. Berkler war stark übergewichtig und nahm viel mehr Platz ein, als für ihn vorgesehen war. Zum Glück war in dieser Höhe die Luft in der Cessna kühl und frisch. Morgan war froh, denn er war ziemlich aufgedunsen und verschwitzt als sie ihre Plätze in der "fliegenden Blechbüchse", wie Betty es nannte, zugeteilt bekamen. Berkler schien sie alle zu ignorieren, was Morgan gerade recht kam, da sie für Firmen, die den Regenwald abholzten, nicht gerade viel übrig hatte.

Das kleine Flugzeug hüpfte durch die unruhige Luft und Morgan schluckte. Bitte erspare mir die Peinlichkeit mich hier übergeben zu müssen, betete sie. Das Flugzeug war alt und vollgestopft, und roch nach verstaubten Ledersitzen und Schweiß. Die Plastikfenster waren zerkratzt und das Funkgerät des Piloten war mit dünnen roten und grünen Drähten am Armaturenbrett befestigt. Ein gähnendes Loch auf dem Kontrollbrett wies an, wo man das eigentliche Funkgerät herausgeholt hatte. Normalerweise störte das Fliegen Morgan nicht, aber in einem Flugzeug, das allem Anschein nach nur noch durch Kreativität und Glück zusammengehalten wurde, fühlte sie sich unsicher.

Die Wolken hatten sie jetzt komplett umschlossen und sie flogen blindlinks durch das Grau. Feuchtigkeit perlte von der Windschutzscheibe und rollte an den Seitenfenstern entlang. Der Pilot, ein großer stämmiger Brasilianer, schien sich zu langweilen. Ab und an fummelte er an den Knöpfen des Funkgeräts herum. Seine Haut war kupferfarben und seine Bartstoppeln waren schon deutlich zu sehen, obwohl es erst kurz nach Mittag war. Sein Gesicht war fleckig und fleischig wie das eines Alkoholikers, bemerkte Morgan etwas besorgt. Er sah ziemlich alt aus, oder vielleicht auch nicht beschloss sie auf den zweiten Blick, denn sein Haar war nicht grau, und wellten sich dicht und lockig um den großen schwarzen Kopfhörer, den er trug. Morgan wünschte, sie hätte auch so ein Ding. Der Motor des Sechssitzers brummte geräuschvoll und machte jegliche Unterhaltung schwer, außer man schrie.

Die Person, die sie jedoch am meisten interessierte, war die große Frau, die neben dem Piloten saß. Sie war in letzter Minute hinaus zu dem Flugfeld geschlendert und hatte in raschem portugiesisch auf den Piloten eingeredet, sich dann umgedreht und war mit großen Schritten schnell den Weg bis zum Haupthangar zurückgelaufen. Der Pilot hatte Morgan höflich gebeten den Vordersitz, der ihr zugewiesen worden war, frei zu machen und im mittleren Sitz Platz zu nehmen, wo sie sich neben einem aufgedunsenen und schweißnassen Berkler zwängen musste. Ein paar Minuten später kam die große Frau wieder zurück und schwang sich in den Sitz des Copiloten, in dem Morgan zuvor gesessen hatte.

Sie war erschreckend gut aussehend. Mit schlanken, klassisch ebenmäßigen Gesichtszügen und einem großen, gertenschlanken Körper, der es schaffte in seiner Bewegung die Geschmeidigkeit eines Leoparden und die Kraft eines Ochsen in einem zu vermitteln. Ihre hellblauen Augen, die nicht wirklich menschlich zu sein schienen, standen im Kontrast zu ihrem dunklen Haar und Teint. Sie waren eiskalt und schienen von innen heraus zu glühen. Für eine Sekunde trafen sie auf Morgan's und hielten ihre Augen gefangen, bis die Frau sie wieder frei ließ, indem sie sich von ihr abwandte. Der kurze Augenkontakt reichte, um Morgan schaudern zu lassen.

Die fremdartige Frau war in raue Kaki-Shorts und ein ärmelloses Baumwollshirt mit durchgehender Knopfleiste gekleidet. Sie trug knöchelhohe Wanderschuhe aus hochglanzpoliertem braunen Leder und einen breiten geprägten Ledergürtel. Sie sah aus, als wäre sie aus einer Ralf Lauren Safari Reklameanzeige gefallen. Ja klar, schnaubte Morgan in sich hinein, ein Blick auf die ausdrucksstarke Selbstsicherheit dieser Dame ließ keinen Zweifel, dass sie Real war. Nicht, dass daran überhaupt noch Zweifel aufkommen konnten, als sie sich herumdrehte und die Sicht auf einen braunen Lederköcher freigab, der an einer Halterung über ihrem Rücken hing, und eine Machete beherbergte.

Die Frau streifte die Waffe ab, als sie sich in den Sitz schwang, die Tür schloss und dem Piloten zunickte, dass sie bereit waren zum Abheben. Jegliche Konversation im Sechssitzer verstummte als sie ankam. Alle Augen richteten sich auf sie. Auch wenn die Frau es bemerkt hatte, ließ sie es sich nicht anmerken, sondern ignorierte die anderen einfach. Alles was Morgan jetzt von dieser fremden Frau sehen konnte, waren ihre Schultern und der obere Teil ihres dunklen Kopfes. Sie erwischte sich dabei, wie sie sich wünschte in Berkler's Sitz sitzen zu können, sodass sie das Profil der Frau hätte beobachten können während sie flogen. Morgan bemerkte, wie Berkler aufsah und seine Augen hungrig an der Frau auf dem Sitz des Copiloten auf und ab wanderten. Vergiss es Berkler, sie würde dich lebend verspeisen, dachte Morgan und kicherte im Geiste. Das heißt, wenn sie dich überhaupt bemerken würde!

Morgan schreckte aus ihren Gedanken auf. Ihr kleines Flugzeug war noch immer von grauen, nassen Wolken umgeben. Ich nehme mal an, darum nennen sie es den Regenwald, begründete Morgan und versuchte hart sich nicht ihren panischen Gedanken hinzugeben, dass sie einen Berg oder ein anderes Flugzeugen rammen würden, oder der Motor bei dem Regen blockieren könnte!

Sie blickte auf und zog beinahe hörbar die Luft ein, als sie sah, wie diese blauen Augen sie durch den Spiegel anstarrten, der an der Rückseite des Fenstervisiers angebracht war, und den die fremde Frau gerade heruntergeklappt hatte. "Sie sind Andrews?" Fragte eine tiefe, melodische Stimme, die das "r" in ihrem Namen auf eine Weise rollte, die Morgan als sehr angenehm empfand.

"Ja," erwiderte sie genau so geheimnisvoll, eher aus dem Schock heraus denn beabsichtigt.

Die Augen nickten kurz. "Ich werde sie in die Dörfer begleiten," erklärte die Frau, das Visier klappte nach oben und endete somit effektiv das Gespräch. Morgan merkte, dass sie den Atem anhielt und als sie wieder freier atmete, klopfte ihr Herz wild. Das ist meine Führerin? Oh Mann!

Warte nur bis meine Familie erfährt, dass ich im Dschungel mit einer Amazone verschwunden bin!

Zu Morgan's Erleichterung begannen die Wolken aufzubrechen, und als sie aus ihrem Fenster wieder nach unten sehen konnte, erblickte sie den grünen Baldachin des Regenwaldes am Rande der großen Savanne. Es überraschte Morgan, dass es keinen gleichmäßigeren Übergang gab, sondern das der Regenwald am Rand des riesigen Amazonasbeckens auf die Grasebene traf, wie eine solide Wand. Innerhalb weniger Minuten lag das Grasland hinter ihnen, und Morgan blickte jetzt auf das dichte Dach des Regenwaldes hinunter. Hier und da durchzog ein ausgetrockneter Fluss den üppigen Wildwuchs, der noch nicht wieder vom Dschungel zurückerobert wurde, oder ein stiller runder See. Das Laub war an einigen Stellen mit hellroten Blättern irgendwelcher Kletterpflanzen durchzogen, oder blauer Rauch eines Indianerfeuers war Meilen unter ihnen zu sehen. Morgan wand sich vor Freude. Ihre Träume vom großen Abenteuer würden endlich Wirklichkeit werden!

Der Pilot drosselte den Motor des kleinen Flugzeuges und ging in Schräglage in die Kurve. Über Berkler's Körper hinweg konnte Morgan durch das gegenüberliegende Fenster auf eine mit Gras bewachsene Lichtung und eine Landebahn schauen, die aus dem Regenwald geschlagen war. Das Flugzeug pegelte sich ein, sank langsam und setzte mit den Hinterrädern zuerst auf, bevor es auf dem Vorderrad abfederte. Der metallene Vogel war wieder zu einem schwerfälligen Erdenwesen geworden. Morgan's Gesicht war gegen das Fenster gedrückt, als das Flugzeug über die lehmige Landebahn holperte, um 90° wendete und weiterrollte, um noch einmal zu wenden und endlich, nahe den Gebäuden der Lichtung, zum Halt kam.

Die dunkelhaarige Frau öffnete sofort die Tür, als ob der eingeschränkte Platz des Flugzeuges zu viel für sie wäre, es auch nur eine Sekunde länger aushalten zu können. Noch bevor der Pilot den Motor abgeschaltet hatte, schritt die Fremde auch schon davon. Der Pilot klappte den Sitz des Copiloten zurück und ließ zu, dass Morgan sich herauspressen und auf die Lichtung hinunter springen konnte. Sofort machte die kühle, frische Luft im Inneren des kleinen Flugzeugs der intensiven Hitze und Feuchtigkeit des Amazonas Platz. Die Luft war zur Mittagszeit drückend und feucht beim Atmen und schien irgendwie weniger Sauerstoff zu beinhalten.

Betty zwängte sich heraus und Morgan bot ihr ihre Hand an, als sie aus dem Flugzeug stieg. "Danke," Betty lächelte, "Mein Gott, hätte Joe mir, bevor wir losfuhren, gesagt das wir 3 Stunden lang in diesem winzigen Ding fliegen würden, wären wir heute noch in Florida! Ich hatte solche Angst!"

Morgan lachte und drückte die Frau beruhigend an sich. "Sie hatten auch allen Grund sich zu fürchten. Bei dem Hin- und Hergeschüttel können sie von Glück reden, dass ihnen mein Mittagessen nicht in den Schoss gefallen ist!"

Betty's Mann Joe kam von der anderen Seite des Flugzeuges herüber, "also mal ehrlich, Mädels, und ich dachte, Frauen wären heutzutage das stärkere Geschlecht. Himmel noch mal, das war doch gar nicht so schlimm," meinte er gedehnt. Morgan mochte die Art und Weise, wie Joe die Wörter aussprach und ihnen viel mehr Silben gab, als sie eigentlich hätten haben sollen.

Betty gab ihrem Mann einen liebevollen Stoß in die Rippen und drehte sich wieder zu Morgan, die dem Piloten gerade ihre Tasche abnahm. "Er flog Helikopter in Vietnam und ist es daher gewohnt," erklärte sie. Sie lachte, während sie sich zu ihrem Mann herumdrehte, "und ich bin ziemlich taff, wenn ich es schon über dreißig Jahre mit dir aushalte!"

Morgan folgte den anderen und amüsierte sich über die Neckereien der Harris's, als ihre Augen mit großem Interesse über das Gebiet des Los Amazonos schweiften. Sie war sehr daran interessiert erste Eindrücke über ihre neue Umgebung zu bekommen, aber sie musste sich auch eingestehen, dass sie nach der großen, dunklen Frau Ausschau hielt, die ihre Führerin werden sollte.

Von Carlos' Hütte aus, beobachtete Kris die Gruppe mit ausdruckslosem Gesicht. Ihre Augen verweilten bei der zierlichen Frau mit den erdbeerblonden Haaren. Sie wirkt vom Flug etwas steif aber trotzdem relativ fit, entschied sie als sie ihre Augen über die Form des Neuankömmlings gleiten ließ. Nett. Sie scheint zu jung für eine Wissenschaftlerin in der Forschung zu sein. Natürlich würde jeder, mit welchen Fähigkeiten und Erfahrungen auch immer, lieber zu Hause bleiben und dort Karriere machen wollen, und nicht hier herkommen um Feldforschung zu betreiben. Diese Art von Aktivität war höchstens etwas für Studenten. Kris seufzte, Mist, ich hoffe, sie ist nicht so eine von den Fanatikern, die Bäume über alles lieben und die Welt retten wollen indem sie sich dem Studium von Erdwürmern hingeben.

Carlos legte sich eine Decke über die Schultern und schlenderte hinüber zu Kris um sich an ihre Seite zu stellen. "Die Kleine da, hmmm, sie ist süß," er grinste anzüglich.

Kris schnaubte, sie wusste sehr gut, dass der gut aussehende, flirtende Carlos glücklich verheiratet und ein loyaler Mann war. Er hatte nur das Gefühl sein Latino-Blut zu verraten, wenn er nicht mitspielen würde. Kris beschloss ebenfalls mitzuspielen. Mit einer Bewegung so schnell wie der Blitz schoss ihr Arm hoch und ihre Hand griff hart nach seinem Unterkiefer. Sie drehte sein Gesicht, sodass seine überraschten Augen sie ansahen, und gab ihm ihren einschüchterndsten Blick, "Sie gehört mir," flüsterte sie sanft mit leichtem Ärger in der Stimme, "Fass sie... nicht an." Carlos schluckte schwer und Kris hielt ihn noch eine Sekunde länger fest, bevor sie ihm ein strahlendes Lächeln gab und ihm freundschaftlich die Wange tätschelte.

"Mutter Gottes! Kristinia Thanasis, tu das nie wieder! Du hast mich fast zu Tode erschreckt!"

Kris zuckte die Schulter, hob die Hände und wich spielerisch zurück, "Was denn?!" Fragte sie unschuldig. Sie drehte sich um und überließ Carlos das Vergnügen, sich ihren großen, schlanken Körper anzuschauen, während sie ihre Machete holte und umlegte. Sie rief über ihre Schulter, "Ich muss gehen und mit Fernando reden." Und weg war sie. Carlos schüttelte den Kopf. Er war froh darüber, dass Kris in ihm einen Freund sah. Er hasste den Gedanken sie zur Feindin zu haben, denn er vermutete, dass all die Gerüchte über sie wahr waren.

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Morgan sah die dunkelhaarige Frau von ihrer Hütte aus, wie sie zum Hauptgebäude hinüber lief, wo sich der Speisesaal und die Küche befanden. Sie bemerkte, wie sie den kleinen, rundlichen Besitzer namens Fernando umarmte, und sich dann neben ihn an die Open-Air Bar auf die Veranda setzte. Mit Sicherheit war er nicht ihr Ehemann! Aus Gründen, die sie sich nicht erklären konnte, drehte sich Morgan verärgert über die Freundlichkeit, die sie diesem Mann gegenüber zeigte, um.

Die Hitze war schrecklich. Ihre Sachen klebten an ihr und rieben unangenehm. Sie nahm Shorts heraus und zog ihre Jeans aus. Es war sowieso Zeit ihr wahres Selbst zu zeigen, dachte sie, und zog das Hosenbein über die Schiene an ihrem rechten Unterschenkel. Es war nicht so das ihr die Schiene noch etwas ausmachte. Nach sieben Jahren hatte sie es akzeptiert, aber sie hasste es, wenn Leute einfach zu höflich waren, um sie danach zu fragen. Sie seufzte, zog ihre Shorts über ihre muskulösen Beine und schob das Baumwollshirt über ihren flachen, harten Bauch. Die Sachen waren leicht und trotzdem konservativ genug, um die meisten ihrer Narben zu bedecken.

Sie hörte, wie die Harris' aus dem Bungalow neben ihr kamen. Sie waren alle von Fernando eingeladen worden, um einen Nachmittagsdrink auf der Veranda einzunehmen. Morgan sah sich um, um sicher zu gehen, dass alles gut verstaut war, so wie Fernando es ihnen nach der Begrüßung und Zuteilung der Bungalows geraten hatte. Er hatte erklärt, dass die Affen sich sonst so frei fühlten und sich der Dinge annahmen. Was war das noch, worüber Fernando scherzte? Irgendetwas über Affen, die um fünf Uhr hier sein würden... Morgan lächelte und machte sich in Gedanken eine Notiz, um für die Leute zu Hause ein Foto von der Hütte zu machen. Sie bestand aus einem Strohach auf 1m hohen Pfosten. Es gab eine kleine überdeckte Veranda mit einer Hängematte, und der Raum dahinter beinhaltete zwei Einzelbetten unter Moskitonetzen, einem hölzernen Waschbecken und hinter einer Strohtrennwand befand sich eine Dusche mit kaltem, braunem Wasser und eine Toilette von zweifelhafter Herkunft. Beim Waschbecken standen drei alte Whiskey-Flaschen, die mit frischem Wasser gefüllt waren. Die Wände des Bungalows reichten gerade mal anderthalb Meter hoch. Der Rest, bis auf die Pfosten die das Strohdach stützten, war offen um Luftzirkulation zuzulassen.

Zufrieden, dass alles ordentlich verstaut war, schloss Morgan die Tür und schritt die Stufen der Veranda hinunter. Sie wusste ohne aufzusehen, dass diese blassen, kalten Augen auf sie fixiert waren. Sie konnte fühlen wie er wie ein eisiger Schauer über ihren Rücken rann. Sie zwang sich dazu aufzublicken und den Augenkontakt zu halten, als sie sich zu den anderen hinüber begab.

Berkler saß an einer Ecke der Bar und redete mit Fernando und Betty und Joe bestellten ihre Getränke bei der einheimischen Bedienung. Die dunkelhaarige Frau sprang über die Umzäunung der Veranda und traf sie auf halbem Wege. Aus dieser Nähe musste Morgan in diese Augen schauen. Die Frau war mindestens einen Kopf größer als sie selbst. "Wir müssen reden," erklärte die größere Frau und sah mit einem bösen Ausdruck im Gesicht auf Morgan hinunter.

Jetzt wo sie diese Frau zum ersten Mal aus der Nähe betrachten konnte, bemerkte Morgan, dass sie um einige Jahre älter war als sie selbst. "Okay," Morgan willigte ein und drehte sich der Figur, die sich bereits entfernte, zu, um ihr zu folgen. Die Frau schritt zu einem großen runden Strohgebäude mit einem kegelförmigen Strohdach hinüber. Sie hielt die Tür mit einem Arm und wartete, dass Morgan zuerst hindurchging. Im Inneren befand sich eine Art unebener Konferenzraum mit hölzernen Bänken und einem rustikalen Labor. Wie in allen Gebäuden war der Geruch von modrigem Gras und dem feuchten Zementboden stark ausgeprägt.

"Die Universität benutzt diese Unterkunft als Feldlabor. Sie dürfen die begrenzten Ressourcen gerne benutzen, solange sie hier sind. Setzen," kommandierte die Frau.

"Bin ich vielleicht ein Hund?" Erkundigte sich Morgan, ihr Gesicht verfärbte sich und ihre grünen Augen glitzerten mit plötzlichem Feuer.

Die Frau verzog einen Mundwinkel zu etwas, was ein Lächeln hätte sein können und intensive blaue Augen wanderten langsam an hier hoch und wieder hinab. Morgan blieb standhaft, "nein, das sind sie nicht," sagte die ältere Frau mit einer sanften aber gefährlichen Stimme. "Bitte setzen sie sich, Ms. Andrews. Ich bin Thanasis, Kris Thanasis." Die ältere Frau ließ sich auf eine Bank nieder und platzierte ein langes Bein angewinkelt auf die nächste Reihe. Sie zog eine dunkle Augenbraue hoch und Morgan legte ihren Ärger auf Eis und setzte sich.

Morgan's Augen trafen auf die der Frau und sie sagte sehr bestimmt, "Sie brauchen gar nicht erst damit anzufangen."

Die ältere Frau schaute verwirrt und dann überrascht, "womit denn?"

"Sie wollten doch sagen, dass ein Krüppel im Regenwald nichts zu suchen hat. Und wenn sie das tun, werde ich ihnen sagen, dass sie zur Hölle fahren können," bemerkte Morgan, während der aufkommende Ärger ihr Gesicht verfärbte.

Die Augenbraue schoss wieder nach oben. "Nein. Nein, eigentlich hatte ich nicht vor das zu sagen," reagierte Kris mit ruhiger Kontrolle. "Wenn sie mit dieser Schiene versuchen wollen zu laufen, dann ist das ihre Entscheidung und sie müssen mit den Konsequenzen leben. Für mich bedeutet es nur eine weitere Komplikation, das ist alles."

"Ich bin keine Komplikation, Ms. Thanasis," knurrte Morgan.

"Das werden wir noch sehen. Nach welcher Pflanzenart suchen sie eigentlich da draußen?" Fragte die dunkelhaarige Frau, während ihre eisblauen Augen Morgan's fest hielten.

Morgan zögerte. "Das werden wir bereden, wenn wir im entsprechenden Gebiet sind."

Die Augen verengten sich. "Ich bin nicht daran interessiert, ihre Geduldsspielchen mitzuspielen, Ms. Andrews. Ich will einfach nur nicht meine Zeit damit verschwenden, in die falsche Richtung zu laufen. Was denken sie, was diese Pflanze für die Menschheit bedeuten könnte?"

Morgan hob eine Hand und strich ihr Haar zurück, "ich kann es nicht wissen, bevor ich sie gefunden und untersucht habe. Keine Sorge Ms. Thanasis, alles was ich brauche ist eine Führung. Um den Rest kümmere ich mich selbst."

Das eckige Gesicht verhärtete sich zu Stein und die Augen blitzten vor Ärger, "dann lassen sie uns diese Theorie doch testen, wollen wir?" Schnurrte sie bösartig, erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung und begab sich zur Tür. Kris stieß sie auf und hielt sie auf, für die zierliche Frau, die immer noch überrascht auf der Bank saß. Kris starrte absichtlich auf Morgan's Bein, als diese sich ungeschickt auf ihre Füße stellte und mit grimmiger Entschlossenheit im Gesicht an der großen Frau vorbeiflog. Kris lächelte grausam. Diesen Blick werde ich dir schon bald von deinem Gesicht wischen, du stures kleines Miststück, dachte sie.

Kris machte sich über einen engen Buschpfad auf in den Dschungel. Der Pfad wand sich einen zerfurchten, schlammigen Berg zum Flussufer hinunter und endete dort. Unten drehte sie sich um und sah zu, wie Morgan sich vorsichtig den Weg hinunter arbeitete. Was für ein Glück, dachte Morgan. Ein steiler, unebener Hügel ist genau das, was für mich am schwierigsten zu bewältigen ist! Sie schritt seitlich an einer tiefen Furche vorbei und legte das Gewicht auf ihr geschientes Bein. Genau in diesem Moment rutschte ihr Fuß über die schlammige Oberfläche und sie stürzte nach vorn.

Starke, warme Arme fingen sie in der Luft auf und hielten sie fest an Kris. Die größere Frau hatte den Abstand zurück zum Damm im Bruchteil einer Sekunde zurückgelegt, um Morgan's Fall zu abzufangen.

"Halten sie sich gut fest," wies sie die überraschte Ärztin an, und sprang in einem Salto mit Morgan in den Armen hinunter auf den Kiesstrand. Dort setzte sie die kleine Frau mit den Füssen wieder auf die Erde.

Morgan stand ganz steif. Sie ärgerte sich über sich selbst und fühlte sich schwindelig von dem Salto. Ein vergessener Arm klammerte sich zur Unterstützung immer noch an den muskulösen Unterarm der großen Frau. Stille. Schließlich nahm Kris die kleine Frau bei den Schultern und drehte sie sanft herum, sodass diese sich gegen den Körper der größeren Frau lehnen konnte. Mit einem langen Arm wies sie über Morgan's Schulter auf das schlammige Wasser des Flusses. "Dort. Siehst du sie? Stachelrochen. Gefleckte. Einfarbige kann man hier auch finden."

Morgan drehte sich herum und sah Kris lange in die Augen. Hier draußen, nur ein paar Meter in den Dschungel hinein, waren diese Augen zu einem weichen, blassen Himmelblau geworden. "Ich fiel," stellte sie bitter fest.

"Ich habe dich aufgefangen," reagierte Kris nüchtern. "Das ist eine weitere Komplikation. Aber wie du gesehen hast, kann ich damit umgehen. Kannst du es auch? Kannst du es zulassen, dass ich dir helfe, oder wirst du weiterhin starrköpfig sein und hinfallen, wenn ich nicht in deiner Nähe bin?" Forderte sie sie heraus.

Morgan drehte sich um und sah den schlammbedeckten Körpern der Fluss-Stachelrochen zu, wie sie würdevoll durch das flache Wasser glitten. Plötzlich schoss einer nach vorn und ließ eine Wolke aus Schlamm hinter sich. "Wenn sie wollen, können sie sich sehr schnell bewegen," beobachtete sie.

"Ja," antwortete Kris, die hinter ihr stand. Stille. Dann eine überraschende Entscheidung, "möchtest du den Drink nicht ausfallen lassen, und stattdessen mit dem Kanu ein bisschen den Fluss hinunter paddeln?"

Morgan wand sich mit neugierigen grünen Augen um, und suchte in den blauen Tiefen, "Das würde ich sehr gerne," antwortete sie sanft.

Kris nickte ernsthaft und machte sich daran das 6 Meter lange Boot vom Kiesstrand aus hinein ins teefarbene Wasser zu lassen. Sie hob ein handgefertigtes Paddel aus dunklem Holz auf, dessen Blatt wie das "Pik" in einem Kartenspiel geformt war. Sie drehte sich herum und, während sie in Morgan's Augen sah, reichte sie ihr eine Hand um der kleinen Ärztin beim Einsteigen behilflich zu sein und sie entlang des sechzig Zentimeter breiten Rumpfes zu einem Brett zu führen, das als Sitzgelegenheit diente. Morgan zögerte einen kurzen Moment, lächelte dann aber und legte ihre Hand in die der starken Frau und erlaubte ihr, ihr zu helfen das Gleichgewicht zu bewahren, als sie sich zu ihrem Sitzplatz bewegte. "Du hast mit mir in deinen Armen einen Salto hinunter zum Strand gemacht," bemerkte Morgan und schüttelte ungläubig den Kopf während sie zusah, wie ihre Führerin das Kanu ins tiefere Wasser schob, und rasch entlang des Dollbords an Morgan vorbei lief um am Heck platz zu nehmen.

"Es ist eine Fähigkeit, die heutzutage nicht mehr so gefragt ist," antwortete die Führerin trocken. Morgan blickte über die Schulter zu der starken Frau und sah das Glitzern in ihren Augen. Sie lachte. Dann wandte sie sich ab und ließ Kris sie mit ruhigen, starken Zügen den Fluss hinunter treiben.

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Kris beobachtete das Ufer, während sie mit ruhigen, langen Zügen durch das Wasser ruderte. Warum, zur Hölle, hatte sie das getan?! Sie hatte sich über Morgan's Haltung ihr gegenüber geärgert und hatte sich vorgenommen sie zu erniedrigen, und dann mit dem erstbesten Flugzeug wieder nach Hause zu schicken. Stattdessen hatte sie ihre Haut gerettet, ihr geholfen das Gesicht zu bewahren und ihr auch noch eine Besichtigungstour auf dem Fluss angeboten. Mist! Was ist los mit dir, Thanasis?! Die Wahrheit war, sie mochte die Art der kleinen Ärztin irgendwie. Sie ließ sich nicht durch die Schiene von ihrem Vorhaben abhalten, und als etwas nicht funktionierte, hatte sie ihren Fehler ohne Ausreden zugegeben. Kris musste sich eingestehen, dass sie widerstrebend anfing, Morgan zu mögen. Vielleicht wird es gar nicht so schlimm sein, sie zu führen.

"Siehst du die Löcher entlang der Sandbank, die Grünen-Eisvögel brüten dort in dieser Jahreszeit, wenn das Wasser flach ist. Doch wenn die Regenzeit beginnt, sind die Löcher unter Wasser und die Zitteraale benutzen sie als Nester," erklärte Kris.

"Untermieter, was? Da, wo ich herkomme, macht man das auch," bemerkte Morgan fröhlich und wurde mit einem Schnauben von hinten belohnt.

"Dieser kahle Baum mit den schwarzen Früchten, die in Trauben herab hängen, nennt man Fledermaus-Baum. Die Frucht sieht aus wie Fledermäuse, die an den Ästen eines toten Baumes hängen. So lassen die Vögel die Frucht in Ruhe," unterrichtete Kris sie in einer kurzen Erklärung. Sie bewegten sich weiter flussabwärts, meist in einvernehmlichem Schweigen, außer wenn Morgan eine Frage stellte oder Kris sie in ihrer mysteriösen Art des Redens mit Informationen versorgte. Es dämmerte schon beinahe, als sie wieder am Strand anlegten und Kris auf der schmalen Seite des Kanus an Morgan vorbei glitt. Sie zog das schwere Boot weiter auf den Strand und reichte anschließend Morgan die Hand, als diese sich über das schmale Gefährt bewegte und ausstieg. Dann ließ sie Morgan los, und machte sich daran das Boot zu befestigen und das Ruder zu verstauen.

"Danke, das war großartig! Ich habe so viel gelernt!" Begeisterte sich Morgan, ihre Augen waren groß vor lauter Aufregung über die wundervollen Dinge, die sie in so kurzer Zeit gesehen hatte.

"Gut," bemerkte Kris mit einem geschäftlichen Ton, "der Grund, warum ich mit dir reden wollte, ist nämlich der, dass ich dich in den nächsten Tagen nicht in die Dörfer führen kann. Fernandos regulärer Führer erholt sich gerade von Malaria, weshalb ich ihm helfen werde die Touristen zu führen," beendete Kris mit finsterer Mine.

"Dann können die Harris' ja einiges erwarten," erwiderte Morgan mit Überzeugung und Kris sah überrascht auf. "Ahh... ich meinte... wäre es okay, wenn ich auch mitkäme? Nur um die Zeit zu überbrücken, bis du frei bist?"

Kris hob überrascht eine Augenbraue, nickte dann aber, drehte sich und machte sich auf in Richtung der Böschung. Sie blickte sich zu Morgan um und bot ihr ihre Hand. Dieses mal gab es kein Zögern. Morgan kam herüber und ließ sich von der starken Frau die Böschung hinauf ziehen. Oben angelangt gab Kris sie schnell wieder frei und überließ es Morgan den restlichen Weg allein zu bewältigen. Nach der Hälfte des Pfades stoppte Kris, und legte ihre langen, schmalen Finger um Morgan's Schultern. Sich dicht an sie lehnend flüsterte sie, "Schau langsam hoch. Siehst du den großen Schnabel, der aus dem Baumloch herausragt. Das ist ein Tukan-Nest."

"Tukans!" Flüsterte Morgan mit einem unterdrückten Kichern, "wie die auf der Fruitloops-Packung?"

Kris nickte mit dem Anflug eines Lächelns, "ja, außer dass sie im richtigen Leben nicht gerade besonders nette Vögel sind. Sie stehlen die Eier anderer Vögel. Dafür haben sie diesen langen Schnabel, um damit in die Nester ragen zu können. Es ist nicht besonders praktisch beim Fliegen. Sie taumeln im Flug auf und ab," erklärte die große Frau es mit der Hand demonstrierend. "Der Schnabel zieht sie immer nach unten."

Morgan nickte und die beiden setzten ihren Weg entlang des Pfades fort. Kris war eine unglaubliche Quelle an Informationen, erkannte Morgan. Sie sprach Englisch ohne Akzent und war doch auch genauso gewandt in der portugiesischen und der spanischen Sprache. Wer war sie? Sie war auch noch unglaublich stark! Morgan wusste aus ihrem Medizinstudium, dass nur wenige Athleten diese Flexibilität und Stärke gehabt hätten, um in der Lage zu sein einen Rückwärtssalto zu machen, während sie dabei noch jemanden fest hielten.

Sie traten aus dem Regenwald heraus auf die Lichtung, als gerade ein riesiger Lärm ausbrach. Instinktiv trat Morgan einen Schritt näher an die große Frau heran. "Was ist das?" Fragte sie.

Kris zuckte die Schultern, "Die Fünf-Uhr-Affen," bemerkte sie nüchtern. "Die Spinnenaffen haben gelernt, dass die Lichtung ein sicheres Gebiet ist. Also kommen sie in der Dämmerung, so gegen fünf Uhr, aus den Wäldern in der Umgebung und schlafen nachts in den Bäumen auf der Lichtung, wo sie vor nächtlichen Raubtieren wie dem Jaguar sicher sind."

Morgan hörte sich Kris' Erklärung an und beobachtete die kleinen Affen mit ihren langen Armen, Schwänzen und Beinen, wie sie durch die Bäume hüpften. Sie schrien laut, als sie sich von Stamm zu Stamm hangelten, daneben griffen oder ineinander stießen. "Herr im Himmel! In den Tarzan-Filmen haben sie nie solche Probleme!" Lachte Morgan.

Kris lachte kurz und bitter. "Tja, im richtigen Leben gibt es manchmal Überraschungen. Besonders, wenn man durch die Bäume schwingt!"

"Ist das auch einer deiner selten genutzten Talente, Ms. Thanasis?" Hänselte Morgan sie.

"Ich bin Kris," gab die große Frau an und ging davon. Morgan sah zu, wie die Frau in einen Laufschritt verfiel und über den Boden dahinjagte, um hinter einer Biegung auf der Lichtung zu verschwinden. Sie schüttelte den Kopf. Sie hatten beide einen ziemlich holprigen Anfang gemacht, was Kris Thanasis mysteriöser Art und ihrer eigenen Dünnhäutigkeit zu verdanken war. Und doch fühlte sie sich in so kurzer Zeit von dieser starken, geheimnisvollen Frau sehr angezogen. Seltsam. Sie seufzte und ging hinüber, wo die anderen immer noch auf der Veranda saßen.

Als sie die Veranda betrat, spürte sie mehr als das sie es sah, wie die dort Sitzenden kurze Blicke auf ihr Bein warfen. Sie seufzte innerlich. Da wären wir also wieder. Vielleicht sollte ich mir ein Schild aus Pappe mit einer Erklärung darauf um den Hals hängen! "Morgan! Wo sind sie gewesen?! Kommen sie und setzen sie sich doch hierher," sagte Betty und klopfte auf den Platz neben sich auf der Couch.

Joe jedoch lehnte sich auf seinem Bambus-Sessel nach vorn und berührte die Schiene an Morgan's rechtem Bein. "Himmel, Liebes, was ist ihnen denn passiert?!" erkundigte er sich in seiner gedehnten Art, in der Neugier aber auch Besorgnis mitschwang.

"Joe!" rief Betty mit schockierter Verlegenheit, "vielleicht möchte Morgan lieber nicht..."

Morgan lachte und sah Joe mit Zuneigung in den Augen an. Ich danke ihnen Joe, dann bringen wir es doch gleich hinter uns, sinnierte sie. "Eigentlich war es so, während meines Studiums wurde ich von einem Auto überfahren, dabei wurde mein Bein zerschmettert," erklärte Morgan. "Der Schaden war so groß, dass ich diese Plastik-Stütze hinter meinem Bein brauche, um einigermaßen stabil stehen und laufen zu können." Morgan drehte ihr Bein ein wenig um Joe die Plastik-Schiene zeigen zu können, die sich bis zum Knie an den hinteren Teil ihres Beines schmiegte. Klettverschlüsse an Lederriemen waren um das Bein gewickelt und hielten die Schiene an seinem Platz.

"Nun, Liebes, ich hoffe, sie haben sich seine Autonummer gemerkt!" Rief Joe Morgan mit ehrlicher Aufregung zu.

"Oh ja," erwiderte Morgan einfach, als sie verbittert daran dachte, ja, dazu hatte ich genügend Zeit, als sie drei mal über uns hinwegfuhren! Möglicherweise gab ihr Gesicht zu viel von ihren Gedanken preis, denn Betty griff herüber und drückte ihre Hand und Joe setzte sich zurück und änderte rasch das Thema. Den Rest der Zeit vor dem Abendessen verbrachten sie in angenehmer Konversation von Morgan ausgehend, die die Harris' dazu bewegte, über deren Plantagen-Geschäft zu erzählen, das jetzt von einem der Söhne geführt wurde, und über die wachsende Anzahl der Enkel. Morgan fühlte sich, als befände sie sich in einem Humphrey Bogart Film, wie sie so auf der Couch aus Bambus und Korbgeflecht saß, und über die grasbewachsene Lichtung zum dunkler werdenden Regenwald hinüber sah. Der Himmel war schwarz wie Tinte und von glitzernden Sternen überzogen. Mit Freude sah Morgan zum ersten mal das Kreuz des Südens, das die australische Flagge ziert. Die Nachtluft war kühl und durchzogen von einem erdigen Duft, dem Summen der Grillen und tausende anderer Insekten deren Heimat der Amazonas war.

Julio, der Kellner, rief sie in den Speisesaal, einen großen Raum mit bespannten Wänden und einem Holzdach. Drinnen dienten Picknickbänke als Esstische. Mit sorgfältiger Konzentration servierte Julio die Speisen von Hühnchen, Bohnen und mehligen Kartoffeln, die die Farbe von blassem Lila hatten. Feuerameisen-Soße war ebenfalls als Beilage zu haben, und die ganze Gruppe lachte über Berkler's Gesicht, als dieser einen großen Bissen von seinem, mit der hellroten Soße bedeckten Hühnchen nahm und meinte, er liebe mexikanisches Essen! Morgan probierte ein wenig davon, empfand es aber als sehr scharf und ätzend. Sie nahm an, sie könnte sich an den Geschmack gewöhnen, aber sie war sich nicht sicher, ob das auch bei den kleinen Körperstückchen in der Mixtur der Fall sein würde.

Es wurde still im Raum. Morgan sah auf und erblickte die dunkelhaarige Frau hinter sich. Mit einer graziösen Bewegung nahm sie ruhig den Platz neben Morgan ein, und Julio beeilte sich, um ihr Essen zu bringen. "Fernando," grüßte sie ihn.

Fernando, der dabei war sein Brot zu zerkleinern, sah mit einem erfreuten Lächeln auf, "Ah, meine wunderschöne Kriegerin erweist mir die Ehre!" Kris Augenbraue schoss in gespieltem Ärger nach oben, dann wandt sie sich ihrem Essen zu.

Morgan mochte den Duft dieser Frau. Es war deutlich, dass sie nach ihrem Lauf geduscht hatte, und roch jetzt nach Seife und von der Sonne getrocknete Kräuter. Der Körper der Frau strahlte eine angenehme Hitze aus, während sie nur einige Zentimeter von der zierlichen Ärztin entfernt saß. "Morgan," Joe's Stimme unterbrach ihre Gedanken, "welche medizinische Tätigkeit üben sie eigentlich aus?"

Morgan senkte ihre Gabel, "nun, nach meinem Auto... Unfall war klar, dass ich nicht mehr lang genug stehen konnte, um längere Operationen durchführen zu können, und das war eigentlich mein Hauptinteressengebiet. So bin ich also auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung untergekommen. Ich arbeite für eine pharmazeutische Firma. Ich bin sozusagen die verrückte Wissenschaftlerin, wie man sie in den Filmen sehen kann, in ihrem Labor voller brodelnder Reagenzgläser sitzend! Normalerweise mache ich keine Feldforschung aber, naja... diese Aufgabe kam mir gelegen und.... nun ja... ich musste einfach mal raus," erklärte sie. Ein Klumpen formte sich in ihrer Brust und es viel ihr schwer, die Leichtigkeit in der Stimme zu bewahren. Es schien niemandem aufzufallen. Betty nutzte die Gelegenheit und begann eine Geschichte über eine ihrer Freundinnen zum Besten zu geben, die sich auf Schönheitsoperationen einließ, und so auf diese Weise in alarmierender Schnellheit das Vermögen ihres verstorbenen Mannes verprasste. Als Morgan so dasaß und die Wut und der Schrecken wieder in ihr hoch kamen, griff eine starke Hand hinter sie und rieb ihr eine Sekunde lang über den Rücken. Morgan sah zu der stillen Frau neben sich auf, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass sie sie berührt hatte. Morgan gab dem Arm neben ihr zum Dank einen sanften Stoß, und wurde mit einem kurzen Blick und einem Lächeln von Kris belohnt. Am Ende des Tisches beobachtete Fernando die beiden mit traurigen, jedoch interessierten Augen.

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Nach dem Essen wünschte Kris Gute Nacht und verschwand. Die übrigen Fünf saßen noch eine Weile mit ihren Kaffees auf der Veranda und redeten. Berkler erläuterte die Notwendigkeit von Holz und wie Firmen, wie die seinige, Arbeitsplätze schufen und den unterentwickelten Ländern Perspektiven boten. Morgan verbrachte ihre Zeit damit krampfhaft zu versuchen sich nicht einzumischen.

Nachdem Carlos in der Küche gegessen hatte, kehrte er träge in das Gebäude zurück, dass als zentraler Schlafplatz diente, und fand dort Kris, die damit beschäftigt war, Sachen in einen Rucksack zu füllen. "Ich dachte, du bleibst und hilfst mir?" Fragte er überrascht.

"Das tue ich auch," murmelte Kris beschäftigt. "Ich habe mich entschlossen bei Morgan einzuziehen."

Carlos' Augen wurden riesig. "Mein Gott! Kris, ich hatte ja keine Ahnung das du und sie... dann hätte ich nie..." prustete er bis Kris ihm das Wort abschnitt.

"Ich kenne sie nicht Carlos, und ich habe auch nicht vor sie zu bespringen. Es macht einfach nur Sinn bei diesem unvorhergesehen zeitlichen Aufschub mit ihr eine gute Zusammenarbeit aufzubauen, solange wir hier noch relativ komfortabel leben. Es ist immer ziemlicher Mist, wenn man erst im Busch herausfindet, dass man nicht in der Lage ist zusammenzuarbeiten," erklärte Kris wenig interessiert aus dem Badezimmer, wo sie ihre persönlichen Sachen vom Regal sammelte.

Carlos nickte zustimmend. Er war selbst auf einigen Exkursionen gewesen, wo die Kombination gewisser Charaktere ihm den Trip versaut hatte. "Ich bin traurig. Ich hatte gehofft, du verbringst die Nacht hier mit mir in der Hängematte neben meiner. Ahhh!" Endete er überrascht, als Kris ihm beim Vorbeigehen in den Hintern kniff.

Kris sah ihn über die Schulter hinweg an, während sie den Rucksack über die andere Schulter warf, "genau, wie ich dachte," blinzelte sie und musterte ihn langsam von oben bis unten, "große Klappe, aber nichts dahinter. Arme Maria!" Und damit schlenderte sie zur Tür hinaus.

Carlos lachte und schüttelte den Kopf, "Das ist mir eine, ohhh so böse!"

Als Morgan ihren Bungalow erreichte, fand sie eine flackernde Öllampe auf dem Tisch gleich hinter der Tür vor. Sie lächelte über diesen gut durchdachten Service und löschte die Fackel, die sie auf dem Weg zurück zu den Hütten mit den Harris' geteilt hatten. An diesem abgelegenen Ort gab es keine Elektrizität, und der Generator, der das Hauptgebäude mit Strom versorgte, wurde jeden Abend nur für vier Stunden eingeschaltet. Sie trat ein und fuhr beinahe aus der Haut, ihr Herz raste bis ihr bewusst wurde, dass es Kris war, die ausgestreckt auf einem der Feldbetten unter einem Moskitonetz lag. Sie trug nur ihre Unterwäsche und las in ihrer Fliegerzeitschrift. "Du hast mich beinahe zu Tode erschreckt! Ich wusste nicht, dass wir eine Hütte teilen würden."

Kris schaute über ihre Zeitschrift hinweg. "Ja, ich bleibe hier. Das gibt uns die Chance eine gewisse Routine zu entwickeln," erklärte sie und wandte sich wieder ihrer Lektüre zu.

Morgan nickte und drehte sich zu ihrer Tasche um, sie zögerte. Dann seufzte sie. Dort draußen im Gelände würde Kris ihre Narben sowieso sehen. Dann kann sie es auch gleich hinter sich bringen, beschloss sie, und zog sich das T-Shirt über den Kopf. Dann drehte sie sich um und setzte sich auf die Bettkante, um so ihre Shorts leichter über die Schiene ausziehen zu können. Sie blickte auf, ein paar erschrockene blaue Augen schauten sie an. "Nicht besonders schön, was?" Sagte sie und sah auf die Narben hinunter, die sich über ihren Körper zogen, als sie sich nach vorn beugte, um die Schiene von ihrem Bein zu entfernen.

"Du bist in glänzender Form," beobachtete die Führerin, "damit wird es im Gelände einfacher sein. Hast du irgendwelche inneren Verletzungen, über die ich Bescheid wissen sollte?" Erkundigte sich Kris, während sie versuchte die Situation auf einer geschäftlichen Ebene zu halten, da sie Morgan's Unbehagen spürte.

Morgan schüttelte den Kopf. "Nein, es ist alles weitestgehend geheilt," erwiderte sie, froh über Kris' Objektivität und Offenheit. Sie stand auf, und ging zu dem grob ausgehöhlten Baumstamm hinüber, der als Waschbecken diente. Sie goss Wasser aus der Whiskey-Flasche, wusch sich und putzte die Zähne. Nachdem sie die Toilette aufgesucht und sich noch mal die Hände gewaschen hatte, ging sie zu ihrem Feldbett.

Kris tauchte unter ihrem Moskitonetz hervor und ging hinüber. "Leg dich rein, ich werde das Moskitonetz um dich herum befestigen. Die kleinste Öffnung reicht für die Biester aus, um dich auszusaugen." Morgan schlüpfte unter das weiße Laken, und Kris ließ das Netz herab, das in der Mitte über dem Feldbett an einem Nagel hing. Sorgfältig steckte sie den Rand an allen Seiten unter die Matratze. Dann löschte sie die Öllampe und tapste zu ihrem eigenen Feldbett hinüber. Morgan konnte die Metallfedern knarren hören als sie hinein hüpfte und das Moskitonetz unter ihr eigenes Bett befestigte.

Stille. "Diese Narben auf deinem Bauch, sind das Schusslöcher?" Fragte Morgan.

"Ja," entgegnete Kris offen.

"Waren es schwere Verletzungen?" Fragte sie.

"Ich heile schnell. Da gibt es keine Probleme," kam als Antwort.

"Kris?..."

"Ich habe einige Feinde," kam die erschreckende Antwort.

Morgan wurde still. Diese Frau wurde für sie mehr und mehr zu einem Mysterium. Fernando hatte sie zur Seite genommen, bevor sie sich an dem Abend zurückzog. Kleines, hatte er gesagt, du kannst dieser Kriegerin dein Leben anvertrauen, aber denke stets daran sie ist gefährlich. Sei vorsichtig.

War es das, was er meinte? Das Kris Thanasis eine dunkle Vergangenheit hatte? Oder gab es da noch mehr?

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Das Frühstück war eine heitere Angelegenheit mit Gespött und gegenseitigen kleinen Scherzen innerhalb dieser Gruppe aus Fremden, die nun in der Isolation anfingen gute Freunde zu werden. Sogar der geschäftsorientierte Berkler hatte sich ein wenig entspannt und von seinen Erfahrungen mit der Grenzkontrolle berichtet. Für heute hatte Fernando ein Treffen zwischen Berkler und einigen Abgesandten der örtlichen Regierung, in einem Holzabbaugebiet etwa 240 Kilometer östlich von hier, arrangiert. Das Gedröhn der Piper Cub, die sich auf dem Flugfeld aufwärmte, war schon zu hören als sie ihr Frühstück beendeten.

Kris hatte nicht mit ihnen gefrühstückt. Als Morgan noch verschlafen aus einer heißen und stickigen Nacht unter dem Moskitonetz erwachte, bemerkte sie, dass Kris fort war. Ihr Rucksack lag ordentlich in der Mitte des gemachten Bettes. Morgan hatte sich den Schlaf aus den Augen gerieben und versuchte die dumpfen Kopfschmerzen und die Übelkeit vom Jetlag und der drückenden Hitze abzuschütteln. War sie erst vor zwei Tagen in Südamerika angekommen? Sie zwang sich, sich am Rand des Bettes aufzusetzen und griff automatisch nach ihrer Schiene. Ihre Hand stoppte auf halbem Wege. Die Plastikschiene war mit einer Lage aus Baumwollstoff ausgekleidet. Ärger stieg rasch in ihr auf und ließ eben so rasch wieder nach. Kris war die Expertin. Wenn sie der Meinung war, die Schiene bräuchte eine Auspolsterung, dann sollte sie sie besser benutzen. Eigentlich machte es einen Sinn. Das Material würde die Feuchtigkeit absorbieren. Gestern war ihr aufgefallen, dass die normalerweise komfortable Schiene feucht war und ihr in der Mittagszeit schon gegen die Haut rieb.

Dann bemerkte sie das zusammengefaltete Stück Papier zwischen den Riemen der Schiene. Morgan zog es heraus und faltete es auseinander.

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Morgan folgte Kris Anweisungen. Zum Ersten, weil es seinen Wert hatte auf Kris zu hören, und Zweitens, weil sie annahm, dass es die mysteriöse Frau, die von den Einheimischen "Kriegerin" genannt wurde, nicht besonders beeindrucken würde, wenn sie ihre Befehle nicht befolgte. Bevor sie zum Frühstück ging, machte sie ihr Bett und stellte ihre Taschen ordentlich in die Mitte. Sie wollte ihre Führerin wissen lassen, dass sie schnell lernte, und man darauf vertrauen konnte das sie in der Lage war sich anzupassen. War das nicht letzten Endes der Grund, warum Kris bei ihr einzogen, war?

Kris beendete ihre Laufrunde und trottete durch die Küche, um sich einen dieser flachen Kuchen zu nehmen, die Fernando's Frau zum Frühstück gebacken hatte. Sie kaute zufrieden, während sie zu Morgan's Hütte zurücklief. Morgan war natürlich schon gegangen. Kris hatte ihr Lachen aus dem Speisesaal gehört, als sie daran vorbei ging. Ihre Augen glitten über Morgan's Bett und sie nickte zufrieden. Morgan hatte alles sauber und ordentlich hinterlassen, und das Baumwollmaterial wurde offenbar benutzt. Als sie sich zu ihrem eigenen Bett umdrehte, fand sie eine Nachricht geschrieben auf der Rückseite des Papiers, welches sie Morgan hinterlassen hatte.

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Kris lächelte und wühlte in ihrem Rucksack nach der Kulturtasche und ging in die Dusche. Hinter der Abgrenzung drehte sie das Wasser an und zog sich aus. Der Duft von Morgan's morgendlichen Ritualen hing noch in der kleinen Kabine. Ein leichter Duft nach süßem Gras und Kräutern der der Führerin zusagte. So weit liefen die Dinge ganz okay. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob Morgan eine Gefahr oder eine Hilfe während der Exkursion sein würde. Bis jetzt, abgesehen von der Überraschung mit der Schiene, lief es mit der Kleinen ganz gut. Aber Kris machte sich Sorgen über den Schmerz und die Verwirrung, die sich in den Augen des Mädchens widerspiegelten. Emotionale Probleme waren das Letzte, was sie da draußen im Regenwald gebrauchen konnte, und die Art und Weise wie Morgan im Speisesaal reagierte und die Albträume, die sie nachts zu plagen schienen, machten deutlich, dass sie vor jemandem oder etwas davon lief.

Kris trocknete sich mit finsterer Miene ab. Sie hasste es mit etwas umgehen zu müssen, was sie noch nicht kannte. Und sie hasste Gefühle. Dann muss ich es eben nehmen wie es kommt, dachte sie. Zumindest mochte sie Morgan. Das war doch ein guter Anfang, fand sie, steckte ihr Shirt in die Shorts und zog den Reißverschluss hoch. Danach setzte sie sich auf ihr Feldbett und zog sich Socken und ihre Wanderstiefel an. Sie kontrollierte, ob alles ordentlich war, und ging anschließend nach draußen um Kindermädchen für drei unerfahrene Touristen zu spielen! Himmel, wie mein Leben sich verändert hat! Sann sie dunkel nach.

Die nächsten Tage stellten sich für Kris als überraschend angenehm heraus. Die Harris waren ein fröhliches und wohlwollendes Pärchen, und alle vier verbrachten jeden Tag damit Neues unter Kris' Leitung zu entdecken. Am ersten Tag nahm sie sie mit dem Kanu den Fluss hinunter. Auf ihrem Weg zeigte sie ihnen die vielen exotischen Vögel in diesem Gebiet oder einen faulen Kaiman, der in der Sonne lag. Sie beugten sich über den Rand des Kanus, um majestätisch vorbei schwimmende Stachelrochen zu beobachten, oder sie sahen nach oben, um Papagei-Schwärmen nach zu schauen. Kris fühlte sich, als würde sie dieses Land durch die freudvollen Augen derer, für die sie verantwortlich war, ganz neu erleben.

Okay, sie musste zugeben, dass sie auch ein wenig angab. Zum Erstaunen der Harris's lief sie am Bootsrand entlang und sprang in das gelbe Wasser, nur um ein paar Sekunden später mit einer Servierteller großen Fransenschildkröte in der Hand wieder aufzutauchen. Vorsichtig legte sie sie in das Kanu und schwang sich anschließend mit kräftigen Armen selbst hinein. Dann erklärte sie der entzückten kleinen Gruppe, dass diese seltsam grob aussehenden Schildkröten zu den ältesten noch unveränderten Spezies auf der Erde gehörten. Sie zeigte ihnen den lederartigen Panzer und die süße kleine Spitznase, und ließ sie dann sanft wieder zurück ins Wasser gleiten. Mit Bewunderung in den Augen, die Kris das Gefühl gaben zehn Meter größer zu sein, reichte Morgan ihr ein Handtuch. Es war wirklich lächerlich, wie sie sich in ihrer kleinen Gruppe benahm!

Betty nannte sie zudem eine Heldin! Mein Gott! Wenn diese Frau nur wüsste, wer sie da führte! Es passierte später am ersten Tag, als sie am Strand pausierten, um schwimmen zu gehen. Nach dem Mittagessen wollte Joe ein wenig Angeln gehen. Kris gab ihm eine Angelschnur aus dem Kanu und fing einen Grashüpfer als Köder. Nachdem er die Schnur ein paar Mal geworfen hatte, zog Joe einen zappelnden Fisch an Land. Doch als er danach greifen wollte, tauchte Kris plötzlich aus dem Nichts auf und kam dazwischen. Der zappelnde, orangefarbene Piranha biss Kris in den Finger, und sie musste seine Kiefer aufstemmen, um die scharfen Zähne aus ihrem Fleisch zu ziehen. Sie nahm ihn vom Haken und tötete ihn rasch. Blut tropfte ununterbrochen von ihrer Hand. Unversehens stand Morgan mit einem Verbandskasten neben ihr, hielt sanft ihre Hand und drückte die Blutung ab. "Hey, ist schon okay. Ich werde einfach etwas Benzin darüber schütten, um eine eventuelle Infektion abzutöten," bemerkte sie schulterzuckend.

Morgan sah sie ungläubig an. "Sehe ich etwa wie eine Ärztin aus, die es zulässt, dass ihre Patienten ihre Wunden mit Chemikalien verätzen?!" Letzten Endes war Kris dazu gezwungen gewesen, sich auf den Rand des gestrandeten Kanus zu setzen so das Morgan indes die Wunde ordnungsgemäß desinfizieren und verbinden konnte. "Falls es, wenn wir wieder zurück sind, immer noch bluten sollte, werde ich es nähen," warnte sie und Kris hob ungläubig eine Augenbraue.

Daraufhin erklärte Betty die Führerin zu ihrer Heldin, obwohl die sehr verlegene Führerin versuchte zu erklären, das der Täter dieses Anschlags ein solitär lebender, orangener Piranha war, der nur selten angriff, außer man provozierte ihn, und dass er nicht zu den gefährlichen grauen Piranhas gehörte, die in Schwärmen schwammen und ein großes Tier innerhalb von Minuten bis auf die Knochen verschwinden lassen konnten. Sie erläuterte, dass sie, bevor sie geschwommen waren, das Wasser getestet hatte, indem sie ein Stück Wurst hineinwarf und beobachtet hatte, ob es so einen Schwarm anlocken würde. "Ich wusste, dass es hier Solitäre im Wasser gab, aber es war nicht gefährlich, bis sie einen gefangen hatten," erklärte sie.

Bevor sie an diesem Tag den Strand verlassen hatten, hatte sie den Fisch vorsichtig in die Kühlbox gelegt, in der sich zuvor das Mittagessen befand. Sehr zur Freude von Kris' Gruppe, servierte der stolze Koch am Abend zum Abendessen Joe seinen Piranha als Vorspeise. Nacheinander probierten alle von dem dunklen, öligen Fisch, und waren sehr erfreut über ihr Abenteuer, bei dem sie mit den Piranhas geschwommen waren und auch noch einen gegessen hatten.

"Es war wirklich nett von dir den Piranha von Joe mit zurückzubringen," hatte Morgan später am Abend kommentiert, nachdem sie die zurückhaltende Kris erwischt und nach ihrem Finger gesehen hatte. Dieses Lob ließ Kris erröten. Sie war es nicht gewöhnt das jemand sie als "nett" bezeichnete. "Mein Gott! Sie dir das an!" Rief Morgan und fuhr mit ihrem Finger über die bereits geschlossene Haut, wo sich der Biss befand. "Junge, du heilst wirklich schnell!" Kris hatte breit gegrinst und ihre Hand weggezogen mit einem Ausdruck im Gesicht, der sagen wollte: "Ich hab's dir doch gesagt."

Am zweiten Tag hatte Kris sie auf eine 9 Kilometer lange Wanderung durch den Dschungel mitgenommen. Während der Wanderung machte sie Halt und erklärte ihnen die Verwendung bestimmter Pflanzen, oder wies sie auf Vögel hoch oben im Blätterdach hin. Sie fing Insekten um sie ihnen zu zeigen inklusive eines Elefantenkäfers, der so hieß, weil er einen kleinen Rüssel hatte, den er hin und her schwang. Sie blieben auf einem massiven Ameisenhaufen stehen, und beobachteten wie die Ameisen in langen Straßen kleine Blätter wie Segel auf ihren Rücken zu ihrer riesigen Kolonie zurücktrugen. Kris erklärte, dass die Ameisen die Blätter zerkauen würden, um einen Dünger daraus zu machen, aus dem anschließend ein Pilz wuchs, der ihnen als einzige Nahrung diente. Müde und vollgestopft mit Informationen zog die kleine Gruppe sich früh zurück. Kris hatte Morgan gefragt sich ihr Bein ansehen zu dürfen, und war erfreut, dass das Baumwollfutter der Schiene offensichtlich eine Reibung verhindert hatte. Zumindest auf dieser leichten Wanderung. "Habe ich die Musterung bestanden?" Hatte Morgan etwas verärgert gefragt.

"Ja," hatte Kris unverblümt geantwortet.

"Hättest du dich geweigert mich mitzunehmen, wenn die Schiene gescheuert hätte?" Fragte Morgan.

"Ja," antwortete Kris und sah Morgan in die Augen. "Warum hast du Albträume?" Fragte Kris.

Morgan's Gesicht verschloss sich. Ohne ein Wort stand sie auf und verschwand hinter der Trennwand. Eine Sekunde später hörte Kris das Wasser der Dusche laufen. Ich befürchte, die Antwort auf diese Frage werde ich wohl nicht so schnell herausfinden, seufzte sie.

Am letzten Tag der Harris auf ihrer Tour, nahm Kris sie mit dem Kanu flussaufwärts. Sie zeigte ihnen wie die Schmetterlinge sich in Massen auf den Sandbänken niederließen, um sich dort zu paaren, und wie die Kormorane nach ihrem Fischfang die Flügel zum Wärmen in der Sonne ausbreiteten. Zur Freude ihrer Gruppe, nahm sie sie mit zu einem Wasserfall, der in Kaskaden über die Felsen hinab schoss. Dort verbrachten sie den größten Teil des Nachmittags damit, über die glatten Felsen in die tiefen Becken unterhalb der kleinen Wasserfälle zu rutschen.

Zuerst hatte Morgan am Rand des untersten Beckens gesessen und war damit zufrieden, die anderen zu beobachten. Ab und zu tauchte sie in den Pool um sich abzukühlen. Die Schiene lag sicher an Land. Plötzlich war der große Körper der Kriegerin neben ihr. "Hast du Lust auf eine Rutschpartie?" Hatte sie gefragt. Morgan hatte ihr erklärt, dass sie ohne die Schiene die Felsen nicht hochklettern konnte, und Kris hatte ihr spielerisch ins Ohr geflüstert, "ich weiß." Dann hatte sie die überraschte Morgan wie eine Puppe hoch gehoben, und war vergnügt auf die Felsen gelaufen, wo die Harris's warteten. Sobald sie oben angelangt war, stellte sie Morgan wieder auf die Füße und blieb hinter ihr stehen, um ihr Halt zu geben. Die Harris's rutschten mit viel Gelächter von einem Pool in den nächsten hinunter. Dann setzte Kris sich in den Wasserstrom und deutete auf den Platz zwischen ihre Beine. "Setz dich hier rein und ich nehme dich in meinen Armen mit hinunter," hatte Kris der nervösen Morgan erklärt, und Morgan hatte sich, geschützt durch den Körper der großen Frau, auf den Platz gesetzt. Mit einem kräftigen Stoß jagten sie den Wasserfall hinunter bis sie spritzend über den letzten Rand in den untersten Pool glitten. Dieser Tag war richtig gut gelaufen, dachte Kris. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zum letzten mal... nun, ja... einfach nur gespielt hatte. Es hatte sich so gut angefühlt. Es war eine überraschende Offenbarung für Kris, dass sie Freude am Spielen haben konnte.

In dieser Nacht, nachdem sie den Harris nach dem Abendessen eine Gute Nacht gewünscht hatte, bemerkte sie, dass Joe ihr nach draußen gefolgt war. "Ah, hören sie mal, Kris," sagte er und griff nach ihrer Hand, "das ist nur eine Kleinigkeit von Betty und mir für diese fantastische Tour. Sie haben uns wirklich viel gegeben und wir wissen das sehr zu schätzen," Joe lächelte und tätschelte der fassungslosen Kriegerin tatsächlich die Wange. Das Blut raste durch ihren Körper und ihre Hand ballte sich um das Geld zu einer Faust.

Auf einmal war Morgan da und stieß ihr vor die Brust, "hey Kris, bevor du gehst, kannst du mir eben zur Hand gehen?" Fragte sie, und ließ ihr Lächeln zwischen Joe und Kris hin und her wandern.

Kris gab ihr ein schwaches Lächeln, "natürlich Morgan," würgte sie heraus und hob ihre Hand, um Joe das Geld zurückzuwerfen. Zu ihrer Verwunderung bemerkte sie, dass Morgan's Hand um ihre zitternde Faust geschlungen war.

"Schön! Dann komm!" Plapperte Morgan fröhlich und zog Kris mit sich mit in die Dunkelheit, "ich werde mich morgen früh verabschieden, Joe," rief sie über Kris' Schulter, während sie die Frau weiterhin mit sich mitzog.

"Sicher, Liebes," rief Joe, der sich in keinster Weise bewusst war, wie nahe davor er gewesen war, von einer beleidigten Kriegerin niedergeschlagen zu werden.

Sobald sie einige Entfernung zwischen sich und dem Speisesaal hatten und außer Sichtweite waren, drehte Morgan sich herum und nahm Kris sanft beim Arm. "Kris, was ist los? Ich konnte dich im Speisesaal spüren. Diese schreckliche Wut... was ist passiert?" Fragte sie besorgt.

Kris war noch immer starr vor Zorn. Mit zusammengebissenen Zähnen zischte sie, "er gab mir ein Trinkgeld," sie öffnete die Hand und ließ die Geldscheine zu Boden fallen. Morgan versteckte ein hervorschießendes Lachen mit ihrer Hand. "Das... ist... nicht... lustig!" Betonte Kris mit einem strengen Flüstern.

"Kris, es ist okay. Er wollte dich nicht beleidigen. Es ist ihm nicht bewusst, dass du nicht so bist, wie es den Anschein hat," erklärte Morgan sanft und schüttelte sie dabei. "Schau mal, nimm das Geld," sie beugte sich hinunter um es aufzuheben und an Kris zurück zu geben, "und sage Fernando, dass Joe es dir gegeben hat, damit ihr es unter euch teilen könnt." Kris zögerte einen längeren Moment und nahm dann zaudernd das Geld. "Bist du jetzt okay?" Fragte Morgan. Kris nickte schmollend. "Na komm, du kannst mir zeigen was ich einpacken soll und wie," sagte Morgan, nahm Kris wieder beim Arm und hielt bis zu ihrer Hütte eine einseitige Konversation mit ihrer Führerin aufrecht.

Mit steifen abrupten Worten, gab Kris Morgan die Anweisungen, die für eine solche Expedition erforderlich waren. Und während Morgan packte und dann noch einmal aus und wieder einpackte, um alles gut zu verstauen, saß Kris auf ihrem Bett und nahm erst eine Handwaffe auseinander und anschließend ein Gewehr, um es zu reinigen. Morgan war sich bewusst, dass Kris ihren Zorn nur mit Mühe unter Kontrolle halten konnte. Sie versuchte ihren Mund zu halten, aber es gelang ihr nicht. "Kris, die nehmen wir doch nicht etwa mit, oder?" Fragte sie, ohne zu missbilligend zu klingen.

Blaue Augen sahen scharf zu ihr auf. Ein inneres Feuer brannte in ihnen, das Morgan veranlasste, vor Überraschung einen Schritt zurückzumachen. Lange, starke Finger rieben hungrig über die dunkle, metallene Oberfläche. "Doch, das tun wir," kam die entschlossene Antwort.

Morgan sank auf ihr Bett und versuchte ihr Herzrasen unter Kontrolle zu bekommen, bevor sie weiter machen konnte. Sie schluckte, ihre Augen glitten widerwillig zu Kris Hand zurück, wie sie das Metall der Waffe streichelte. "Ich... ich... mag keine Waffen," bemerkte sie.

"Aber ich," kam die provokative Erwiderung.

"Sind die notwendig? Ich meine, die letzten drei Tage hast du doch auch keine Waffen getragen," diskutierte Morgan und strich sich mit zitternder Hand eine Haarsträhne hinter das Ohr.

Kris schnaubte und stand auf, ihr Körper glühte vor gewaltbereiter Energie. "Wir gehen hier nicht auf eine Besichtigungstour für Touristen, Kleine. Wir werden durch richtig gefährliches Gelände gehen. Und wir werden dort draußen eine ziemlich lange Zeit alleine sein. Wenn du Angst vor Waffen hast, dann bist du vielleicht nicht bereit für diese Feldforschung," knurrte sie.

Innerhalb einer Sekunde stand Morgan ihr gegenüber. Zu ihrer Überraschung jedoch wurde ihre Vorwärtsbewegung beschleunigt und sie landete mit dem Rücken auf Kris' Bett. Kris drückte ihr ein Knie auf die Brust und hielt sie fest, "Mach... das... nicht noch einmal!" Knurrte die Kriegerin über der zierlichen Blonden. Morgan's Welt stürzte ein und taumelte zurück in die Nacht vor sieben Jahren. Der Bürgersteig war nass vom Schnee und vom Blut. Ihr Blut und das von Rick. Das Gewicht seines toten Körpers drückte sie auf den kalten Boden. "Morgan! Morgan!" Hörte sie jemanden rufen, aber sie konnte nicht entkommen. Ihr Körper war zu sehr gebrochen und Rick lag tot auf ihr.

Einige Zeit später bemerkte Morgan, wie sie von warmen, starken Armen gehalten wurde. Eine wunderschöne, tiefe Stimme sang sanft in spanisch nahe an ihrem Ohr. Mit Mühe versuchte sie die Augen zu öffnen.

"Hey, bist du okay?" Fragte Kris sanft und sah Morgan mit besorgten Augen an.

Morgan nickte, und fuhr mit zitternder Hand über ihr feuchtes Gesicht. "Ich glaube, du hattest eine Panikattacke oder so. Bist du sicher, dass du okay bist. Es war nicht meine Absicht dich so sehr zu erschrecken. Ich habe einfach nur reagiert. Ich hatte nicht vor dir weh zu tun," versuchte Kris zu erklären, und tätschelte Morgan schüchtern die Schulter.

Morgan nickte und merkte, dass sie auf ihrer Führerin lag, die die kleinere Frau vorsichtig in den Armen hielt, sie löste sich von ihr und setzte sich auf den Rand des Bettes. "Ich bin okay, Kris. Es war nicht wirklich deinetwegen. Nicht, dass du nicht furchterregend bist, wenn du wütend bist!" Fügte sie mit einem nervösen Kichern hinzu. "Es war nur, ich hatte einen kurzen Flashback... ich..." stotterte Morgan und verstummte.

"Es war kein gewöhnlicher Autounfall. Hab ich recht?" Bohrte Kris frei heraus. Sie streckte ihren Arm aus und legte ihre Hand auf Morgan's Arm.

Morgan griff abwesend nach Kris' langen Fingern und spielte mit ihnen sehr zur Überraschung der dunkelhaarigen Frau. "Nein, ich kannte diesen spanischen Mann an der Uni. Wir waren einfach nur gute Freunde, weißt du." Erklärte Morgan und blickte Kris um Verständnis bittend an. Kris nickte. "Er war Mitglied in einer Straßengang, aber er bekam sich wieder unter Kontrolle und ging sogar wieder zur Schule. Egal, um es kurz zu machen, eine andere Gang sah ihn, als er mit mir spazieren ging. Sie erschossen ihn, als sie an uns vorbei fuhren, dann machten sie kehrt und fuhren über uns hinweg... einige Male. Es hatte geschneit, und Rick lag auf mir. So habe ich überlebt," beendete sie. Als sie nach unten sah bemerkte sie, dass sie mit Kris' Hand gespielt hatte. Sie ließ sie fallen, "Entschuldige!" Schnell stand sie auf und durchquerte den Raum bis zu ihren Taschen, "ich packe besser fertig," murmelte sie. Kris nickte, stand auf und ging.

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Kris stand schlecht gelaunt im frühen Morgengrauen. Eine Gruppe heulender Affen befand sich in der Nähe, deren Rufe durch die Berge des nebligen Regenwaldes hallten, wie ein unheimlicher Wind durch eine Schlucht. Sie war in verdammt schlechter Stimmung. Der Ärger über das Trinkgeld war immer noch da, und sie war bestürzt über das was zwischen Morgan und ihr in der letzten Nacht vorgefallen war. Es würde mit Sicherheit ihre professionelle Beziehung beeinträchtigen. Morgan würde jetzt Angst vor ihr haben. Sie hatte einen guten Vorgeschmack davon bekommen, wie brutal ich sein kann, dachte sie. Vielleicht war es auch besser so. Und dann war da noch all der andere Mist, mit dem sich Kris' pragmatischer Verstand auseinandersetzen musste, zum Beispiel wie Morgan ihre Wut auf Joe spüren konnte; und ihre Rage gegen jene, die versucht hatten Morgan zu töten, als hätte es etwas mit ihr zu tun! Und da war diese nervöse Unruhe in ihr, die sie fühlte wenn sie Morgan zu sehr verwirrte. Sie schüttelte den Kopf um dieses Durcheinander loszuwerden und fiel in einen leichten Laufschritt.

Morgan winkte dem Flugzeug hinterher, das die Harris auf eine Tour durch die Anden brachte. Nun waren nur noch Kris und sie übrig. Zumindest hoffte sie, dass das der Fall war. Sie hatte Kris seit der letzten Nacht nicht mehr gesehen. Sie seufzte leise, wandte sich zum Gehen um und prallte gegen die Brust der besagten Kriegerin. Mit einem schwarzen T-Shirt und enger Jogginghose über dem muskulösen Körper bekleidet, und vom Lauf mit einer glitzernden Schweißschicht bedeckt, hatte sie die Ausstrahlung eines tödlichen schwarzen Panthers. Morgan quietschte überrascht auf und Kris wich sofort einen Schritt zurück, ihre blauen Augen dunkel und misstrauisch. "Du hast mich halb zu Tode erschreckt!" Keuchte Morgan mit einer Hand über ihre Brust gebreitet.

Kris' Gesicht war wie in Stein gemeißelt, "und wann genau?" Fragte sie kalt.

Morgan sah schockiert auf und fragte sich, ob sie dieser Konfrontation ausweichen sollte. Nein. Sag ihr die Wahrheit. "Du machtest mir Angst, als du mir sagtest, dass du Feinde hast. Welche, die dich so sehr hassen, dass sie dich abknallen würden. Es beängstigte mich, als man mir erzählte, dass ich dir mein Leben anvertrauen könnte aber niemals vergessen sollte, dass du gefährlich bist. Es machte mir Angst, als du mich durch die Luft warfst und anschließend niederdrücktest, als wäre ich nichts weiter als eine Stoffpuppe. Und es beängstigt mich wahnsinnig, dass du diese Waffen mitnimmst." Blaue Augen verengten sich. Kaltes Feuer flammte in ihnen auf. "Aber weißt du wovor ich mich am meisten fürchte, Kris?" Die blauen Augen sahen in ihre mit scharfem Interesse. "Was ich am meisten befürchte ist, dass ich nicht mit dir mithalten könnte und du dich weigerst mich zu führen." Die blauen Augen wurden groß vor Verwirrung. Für eine Sekunde wurden sie fast sanft als es still zwischen ihnen wurde.

"Ich bin der einzige Führer, der sich in diesem Gebiet auskennt, du wirst mich also nicht los. Wir brechen in zwanzig Minuten auf," kam endlich die Antwort, und die große Frau drehte sich um und ging, um sich umzuziehen und ihre Ausrüstung holen.

Morgan brachte ein schwaches Lächeln zustande, "das... war ziemlich knapp."

 

~~~ ENDE - Kapitel 1 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 2 lesen.

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