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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1!
Besonderer Hinweis für dieses Kapitel: Es wird ein sexueller Übergriff erwähnt. Glücklicherweise war es nur ein Versuchter, obwohl ich zugebe, dass auch dies traumatisch sein kann. Eure Meinung ist sehr willkommen. Teilt mir einfach mit was Ihr denkt, in Ordnung? Eure E-Mail könnt Ihr an loisk@hotmail.com schicken. Danke.
The Reef - Kapitel 2 |
| The Reef Kapitel 2
Jody war gerade friedlich eingeschlafen, als das Klingeln ihres Telefons ihr Bild von einer blauäugigen, blonden Frau die sie anlächelte und ihren Kopf beugte um ihr etwas ins Ohr zu flüstern, unterbrach. "Oh komm schon. Es kann noch nicht morgens sein," rief sie frustriert aus und steckte ihren Kopf unter ihr Kissen um das Klingeln nicht zu hören. "Hab Mitleid mit mir!! Bitte!!" Das Telefon kümmerte sich nicht darum und klingelte mitleidlos weiter. Ein grünes Auge spähte unter dem Kissen hervor und blinzelte mehrmals als sie schließlich realisierte, dass sie das Telefon und nicht den Wecker hörte. "Dies sollte besser etwas wichtiges sein," brummte Jody schläfrig. "Hallo," krächzte sie heiser vom Schlaf, oder vielmehr dem Mangel davon, ins Telefon. "Miss McDonnell. Es tut mir leid sie mitten in der Nacht stören zu müssen. Mein Name ist Carol Wong und ich bin vom Polizeidezernat. Ich fürchte das im The Reef etwas vorgefallen ist." Diese Aussage hatte den gleichen Effekt auf Jody wie ein Eimer mit kaltem Wasser. Sie sprang nun hellwach fast aus dem Bett. "Was für eine Art von Vorfall?" "Ähm... anscheinend kann der Manager... William... Jensen... nicht erreicht werden, also..." "Was für ein Vorfall?" Wiederholte Jody schärfer als beabsichtig. "Es hat ein Feuer gegeben. Es war ein kleines Feuer und alles ist unter Kontrolle, aber wir müssen mit jemanden von der Geschäftsleitung sprechen. Einige Gäste sind recht aufgebracht, also..." Jody strich ihr zerzaustes Haar von ihrer Stirn und seufzte schwer. "Ich werde gleich da sein. Geben Sie mir fünf Minuten," versprach sie. "Ähm... Miss Wong, gibt es... irgendwelche..." "Machen Sie sich keine Sorgen," unterbrach sie Carol Wong. "Es gibt keine Verletzten, obwohl die Feuerwehr jemanden vom Dach holen musste." "Ich werde in einigen Minuten da sein," versprach Jody.
Sam saß, die Umgebung mit lebhaftem Interesse beobachtend, auf einer Holzbank vorm The Reef. Einige Feuerwehrmänner sammelten ihre Ausrüstung zusammen und packten alles wieder in die Trucks, die ordentlich aufgereiht an der Seite standen. Sie hatten nur fünfzehn Minuten gebraucht um das Feuer zu löschen und das Zeichen für Entwarnung zu geben. Genauso lange hatte Sam auf dem Dach zugebracht, bevor die Feuerwehrleute über die Nottreppe heraufkamen um sie vom Dach zu holen. Vom fünften Stock auf das Dach zu klettern war nicht so schwer gewesen. Sie hatte einen der Stühle, die dort herumstanden, als eine Art Leiter benutzt. Auf einer Armlehne stehend konnte sie das Dach erreichen und hatte sich einfach hochgezogen. Die Feuerleiter auf der einen Seite des Gebäudes reichte nur bis zum fünften Stock und Sam saß in der Falle. Vom Dach zu springen um die Eisenstufen der Feuerleiter zu erreichen kam nicht in Frage, da Sam's Arme und Beine von der Anstrengung und dem Blutzuckermangel zitterten. Also hatte sie sich auf eine Abdeckhaube der Klimaanlage gesetzt und wartete geduldig, dass jemand kommen und ihr herunterhelfen würde. Sam war über die Menge der Leute erstaunt, die mitten in der Nacht von dem Feuer und die möglichen Opfer fasziniert waren. "Katastrophen-Touristen," dachte sie empört. "Wie ein Schwarm Geier." Eine Handvoll Polizisten war fleißig damit beschäftigt die Zuschauer in sicherer Entfernung zu halten und sie stellten sicher, dass niemand dem Rettungsteam im Weg stand. Ihre Augen erblickten einen Mann der in vorderster Reihe stand. Auf Sam machte er den Eindruck sehr nervös zu sein. Er schien jedes Mal zusammenzuzucken wenn einer der Polizisten zu nahe kam und schlich sich fast davon. Sam war zu müde um sich darüber Gedanken zu machen, aber sie machte sich eine geistige Notiz dem später nachzugehen. Sam war gut in Form und sehr gesund, aber auf den vierten und fünften Stock zu klettern hatte ihr viel Kraft ihrer Arme und Beine gekostet und sie wusste, dass ihr Körper am nächsten Morgen ganz schön schmerzen würde. Während sie die Feuerleiter hinuntergegangen waren fingen ihre Beine so stark zu zittern an, dass ihr einer der Feuerwehrleute herunter helfen musste. Sie hatten sie sofort in einen Krankenwagen gebracht, aber sie verweigerte jegliche Hilfe und sagte ihnen, dass sie in Ordnung und nur ein wenig müde sei. Was die Untertreibung des Jahres war. Sam zitterte als die Nachtbrise ihr Haar kräuselte und ihre überhitzte Haut abkühlte. Sie konnte den hämmernden Schmerz in ihrem rechten Bein fühlen und wusste, dass sie aufstehen und herumgehen musste um ihre Muskeln warm zu halten. Seufzend stand sie auf und streckte vorsichtig ihr Bein wobei sie die Muskeln in ihrer Wade anspannte. Sie zuckte zusammen als sie den Krampf spürte, und liess sich frustriert brummend schnell wieder auf die Bank fallen. "Ich weiß nicht was schlimmer ist," seufzte sie. "Tatsächlich zwei Stockwerke hinaufzuklettern oder die Nachwirkungen davon. Ich denke es ist das Letztere." "Sind sie in Ordnung, Mädchen?" Ein älterer Polizist warf ihr einen besorgten Blick zu und Sam schaffte es ihn anzulächeln. "Mir geht's gut, es ist nur ein Krampf, das ist alles." "Mitten in der Nacht barfuss herumzulaufen macht die Sache nicht besser," ermahnte er sie und zeigte auf ihre nackten Füße. "Ich habe vergessen meine Schuhe anzuziehen," antwortete Sam leicht betreten. "Sie müssen wissen, ich hatte es eilig. Ich wollte nicht gebraten werden." Polizist Tierny erwiderte, langsam seinen Kopf schüttelnd, das Lächeln. "Wie sind sie überhaupt da rauf gekommen?" "Mit einer Menge Gymnastik, ein wenig Glück und recht viel Hilfe von Oben," grinste Sam während sie seinen verwirrten Gesichtsausdruck genoss. "Ich bin hochgeklettert," erklärte sie. "Indem ich von einem Balkon auf den anderen gesprungen bin. Ganz ähnlich wie eines eurer sehr geschätzten Kängurus." "Sie machen Witze," rief er entsetzt. "Nein, ich fürchte das dem nicht so ist." Aus ihrem Augenwinkel konnte Sam sehen wie sich ein bekannter roter Kopf annäherte. "Erzählen sie es bitte nur nicht meiner Freundin. Sie würde überschnappen. Es ist besser, wenn ich es ihr selber sage." Jody hatte sehr besorgt über die Gäste des The Reef mit Carol Wong gesprochen. Keiner war verletzt worden, obwohl Jody nur glaubte was sie mit eigenen Augen sehen konnte. "Sie erwähnten jemanden, der auf dem Dach war?" Fragte Jody die zierliche, asiatisch-australische Polizistin, die ihre Aussage aufgenommen hatte. Carol Wong nickte während sie etwas in ihr Notizbuch schrieb. Jody wartete geduldig bis sie fertig war und ein Paar dunkelbraune Augen aufblickten. "Anscheinend einer ihrer Gäste, der im dritten Stock neben den Büros wohnte. Obwohl es keine großen Flammen gab, war dort eine Menge Rauch und..." "Warten sie eine Sekunde," unterbrach sie Jody, die plötzlich sehr bleich geworden war. "Ein Gast vom dritten Stock? Neben den Büros? Meinen sie die Geschäftsführer Suite?" Carol Wong blickte auf ihren Notizblock und nickte. "Ähm... ja das ist richtig, die Geschäftsführer Suite, sind sie...?" "Ist sie in Ordnung?" Keuchte Jody mit hämmerndem Herzen. "Ich meine..." Sie hielt inne und warf der Polizistin einen verwirrten Blick zu während sie die Information langsam verarbeitete. "Sie war auf dem Dach?" Ihre Augen starrten auf das Gebäude, suchten den dritten Stock und wanderten langsam nach oben. "Wie?" War das einzige Wort das ihr in den Sinn kam. Carol Wong war seit beinahe einem Jahrzehnt bei Polizei und es gab nicht viel was sie überraschen konnte. "Sie kletterte über die Balkone," informierte sie Jody beiläufig. "Sie muss einen höllischen Körperbau haben. Sie sieht tatsächlich gut aus. Und groß zu sein hat bestimmt seine Vorteile." Sie kicherte. "Ich sollte es wissen." Jody konnte nicht antworten. Ihre Augen klebten noch am Dach, während ihr Gehirn krampfhaft versuchte zu begreifen was die Frau ihr erzählte. "Wo ist sie?" Schaffte sie schließlich zu fragen. Carol Wong zeigte zum Eingang, wo eine kleine Gruppe Feuerwehrleute und Mitglieder der Polizei offensichtlich scherzten, weil es eine Menge Gelächter gab. Einige Schritte hinter ihnen konnte Jody eine bekannte Gestalt sehen und Erleichterung breitete sich in ihr aus. "Brauchen sie noch mehr Informationen?" Fragte sie. "Oder kann ich..." "Wenn ich welche brauche, dann melde ich mich bei ihnen," antwortete Carol Wong lächelnd. "Sie können gehen und sich selbst davon überzeugen, dass ihre Gäste noch in einem Stück sind. Danke, dass sie gekommen sind, Miss McDonnell." Jody erwiderte das freundliche Lächeln und ging zum Eingang, wobei ihre Augen niemals Sam's große Gestalt verließen. Sam's Augen hatten Jody von dem Augenblick an verfolgt als sie eingetroffen war und sie sprach sich selbst Mut zu als ihre alte Freundin schließlich bei ihr ankam. Zuerst sagte sie kein Wort, aber Sam konnte beinahe fühlen, wie die grünen Augen bei der Suche nach Verletzungen ihre Haut durchdrangen. Sam wartete geduldig bis Jody ihre gründliche Inspektion beendet hatte. Ihre blauen Augen waren auf die Grünen gerichtet und eine Augenbraue hob sich als sie den besorgten Blick auf dem Gesicht der anderen Frau sah. "Sam, wo sind deine Schuhe?" Brachte Jody als einziges heraus und bemerkte das sie wie ein Elternteil klingen musste und bereute sofort ihre Worte. Sam sah aus wie ein kleines Mädchen, das mit in ihrer Hand in der Keksdose erwischt worden war. Ihr Gesicht verfärbte sich leicht rosa und sie senkte ihre Augen, sie fühlte sich unsicher wie seit Jahren nicht mehr. "Ähm... in meinem Zimmer?" Antwortete sie schließlich wobei sie vollkommen das Blinzeln in Jody's Augen übersah. Ein Kichern ließ sie aufblicken und zu ihrer großen Erleichterung sah sie wie ihr ein strahlendes Lächeln zugeworfen wurde. Sie grinste zurück und zuckte wie zur einer schweigenden Entschuldigung mit ihren Schultern. Jody setzte sich neben sie und Sam konnte fühlen wie ihre kleine Hand sanft über den Stoff ihrer Trainingshose rieb. Sie saßen so für eine lange Zeit ohne zu reden da und beobachteten nur die Aktivitäten um sie herum, sie genossen beide die gegenseitige Wärme, die sie seit einer solch langen Zeit vermisst hatten. Schließlich seufzte Jody und warf einen Blick zu ihrer Begleiterin, die offensichtlich sehr müde, ohne viel zu sehen in die Entfernung blickte. "Sie haben mir erzählt, dass du heute Abend etwas herumgeklettert bist," erwähnte sie mit vor Emotionen leicht heiserer Stimme. "Nun, seit ich ein Kind war erzählten sie mir immer ich wäre ein Affe," scherzte Sam. "Ich war beim Klettern auf Bäume immer besser als Tom und..." "Du hättest zu Tode stürzen können, Sam." Sanfte blaue Augen suchten nach ihren Grünen und eine starke Hand bedeckte Jody's um ihre Finger mit ihren zu verschränken. Jody konnte den Blick fühlen, weigerte sich aber aufzublicken, da sie Angst hatte ihre Fassung zu verlieren und anfing zu weinen. Die Vorstellung wie Sam vom Geländer rutschte und herunterfiel hatte sich in ihrem Verstand eingenistet. "Ich bin nicht abgestürzt. Ich bin nach wie vor in einem Stück hier," antwortete Sam leise. "Denk nicht weiter darüber nach. Bitte." Jody starrte noch auf den Boden vor ihr um diese faszinierenden blauen Augen nicht ansehen zu müssen, bis Sam mit ihrer anderen Hand unter ihr Kinn griff und ihr Gesicht anhob. Sie nahmen ihre Umgebung nicht wahr und ließen sich durch die wenigen neugierigen Blicke nicht stören. "Sieh mich an, Jody." Jody gab schließlich nach und Sam fühlte einen Schmerzensstich, als sie die unvergossenen Tränen in den Augen ihrer Freundin sah. Mit ihrem Daumen verfolgte sie zärtlich die Konturen ihres Wangennknochens und streichelte die seidene Haut. Mit einem herzergreifenden Seufzer lehnte sich Jody in die Berührung und schloss ihre Augen, während sie sich verzweifelt wünschte, dass die Zeit zurückgedreht werden könnte. In diesem Augenblick realisierte sie, dass die gegenseitige Verbindung, die sie all diese Jahre geteilt hatten, immer noch da war. Sie war niemals gebrochen, sie war nur verblasst. Diese verlorenen Jahre und die Realisation wie die Dinge hätten sein können schlug sie mit voller Kraft und plötzlich brachen ihre Tränen hervor. Sam versuchte nicht sie davon abzuhalten. Sie legte einfach ihren Arm um die still weinende Frau, zog sie nah an sich und legte ihre Wange auf das duftende, rotblonde Haar. Sie versuchte sämtlichen Trost in die Wärme ihrer Gegenwart und dem zärtlichen Streicheln ihrer Hand zu legen, während sie die der kleineren Frau schweigend hielt. Nach einer langen Zeit ließ das Zittern langsam nach und Sam bemerkte wie Jody ihre Augen trocknete. "Es tut mir leid Sam." Entschuldigte sie sich. "Ich wollte mich nicht wie ein Baby benehmen. Es ist nur, dass..." "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Jody," unterbrach sie Sam. "Ich weiß, dass ich einen gefährlichen Stunt abgezogen habe, aber es war das einzige was ich tun konnte. Der Flur war voller Rauch und ich konnte es nicht riskieren mich zu verlaufen um das Treppenhaus zu suchen. Dreißig Sekunden den Rauch einatmen kann einen Menschen tatsächlich töten, und ich wollte mit Sicherheit nicht darauf warten, dass mich jemand aus meinem Zimmer herausholt. Die Kletterei hat mir zumindest eine Chance geben. Und es hat recht gut funktioniert." "Ich weiß," seufzte Jody. Deswegen habe ich nicht geweint, Sam. Falls ich die Möglichkeit dazu bekomme werde ich dir den wahren Grund später erzählen. Falls ich den nötigen Mut dazu aufbringe. "Diese Polizistin Carol Wong, hat mir erzählt, dass das Feuer in meinem Büro angefangen hatte. Sie sagte es ist ein Chaos. Es gab dort zwei Computer die einfach zerschmolzen sind. Daher kam wahrscheinlich der ganze Rauch." Sam dachte für eine Weile über diese Information nach wobei sie sich unbewusst auf die Innenseite ihrer Lippe biss. Ihre Hand hielt noch immer Jody's und drückte die kleineren Finger ohne, dass sie es bemerkte. Jody erwiderte den Druck mit einem kleinen, sehnsüchtigen Lächeln auf ihrem Gesicht. "Du weißt was das bedeutet, Jody," sagte Sam nachdenklich. "Diese ganzen Informationen, die auf der Festplatte deines Computers waren, sind verloren. Verdammt," fuhr sie etwas kraftvoller fort. "Nun gibt es keine Möglichkeit, dass ich herausfinden kann was vor sich geht. Das ist wirklich schei.... frustrierend," endete sie seufzend und fuhr sich mit ihrer Hand nervös durchs Haar. "Mmmm..." war der einzige Kommentar ihrer Begleiterin und Sam warf ihr einen verwirrten Blick zu. Jody sah in ein paar Augen, die durch die schwache Beleuchtung der ein paar Meter entfernten Straßenlaternen, beinahe durchsichtig waren. Ein Lächeln überquerte ihr Gesicht und Sam schaute sie verwundert an. "Was hast du?" Fragte sie schnell. "Was hat das Grinsen zu bedeuten?" Das Grinsen veränderte sich zu einem überaus strahlenden Lächeln und trotz der kürzlich vergossenen Tränen fühlte sich Jody plötzlich sehr zufrieden mit sich. Und es war zu sehen. "Sag's mir, du kleine Schlange," drängte Sam, aber ihr Lächeln nahm den Biss aus ihren Worten. "Ich habe Kopien," antwortete Jody. "Ich habe alles kopiert und die Disketten sind in meiner Wohnung." "Das hast du nicht," keuchte Sam, aber ein helles Lächeln breitete sich über ihr Gesicht aus und sie strahlte einfach. "Doch, dass habe ich," bestätigte Jody. "Willst du sie sehen?" "Oh, ja." Antwortete Sam. "Weißt du, ich glaube nicht, dass dieses Feuer ein Unfall war. Irgendjemand muss sehr stark unter Druck stehen und ich werde versuchen herauszufinden wer derjenige ist und warum er oder sie versucht die Dinge zu vertuschen. Du nicht auch?" "Zweifellos," antwortete Jody während sie gegen den Drang ankämpfte Sam in ihre Arme zu nehmen, ihr Gesicht in ihrer Brust zu vergraben und sie nie wieder los zu lassen. Ihre Gefühle müssen sichtbar gewesen sein, da Sam's Gesichtsausdruck weicher wurde und die Finger, die Jody's vor nur einer Minute noch gedrückt hatten fingen an, ihre Hand wieder zu streicheln und fuhren langsam ihren Arm hinauf. Ihre Augen verschmolzen wortlos und blickten tief in die Seele der anderen. Sie brauchten keine Worte. Ihre Augen sagten alles und sie fühlten sich beide durch das gegenseitige Versprechen gestärkt. "Ich geh besser und sehe, ob es ein anderes Zimmer für mich gibt," brach Sam schließlich den Zauber. "Ich brauch eine Dusche und ein warmes Bett." "Bist du verrückt?" Entgegnete Jody heftig. "Du bleibst nicht hier. Du kommst mit mir... und ich will keine Einwände von dir hören, Sam. Ich meine es ernst." "Ich kann dir das nicht zumuten, Jo, ich..." "Kein Einwand, Sam. Oder willst du mit mir streiten?" "Was ist mit Jennifer DeWitt?" Versuchte es Sam. Sie wusste, dass sobald Jody sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, war sie schwer davon abzubringen. Jody musste über diese Frage einige Minuten nachdenken. Während sie sich konzentrierte, schielte sie und eine Falte zog ihre Stirn kraus. "Zum Teufel mit Jennifer DeWitt," sagte sie schließlich entschlossen. "Du kommst mit zu mir nach Hause. Und dabei bleibst."
Seit Stunden war er tief in Gedanken versunken herumgegangen ohne zu sehen wohin er lief. Er nahm Schritt für Schritt, bis am Horizont der Rand des dunklen Nachthimmels seine Farbe änderte und die Geburt eines neuen Tages ankündigte. Er bemerkte die Schönheit der tieforangenen Sonne, die an der Skyline hervorlugte nicht, noch wie das sich verändernde Licht den majestätischen Ozean zu einem Teppich von tanzenden Wellen verwandelte. Sein Sehvermögen war verdunkelt. Mit hängenden Schultern und seinen Händen tief in den Hosentaschen vergraben folgte er unbewusst seinen eigenen Fußabdrücken im Sand. Auch wenn seine Seele verloren war, so kannte sein Körper noch immer den Weg nach Hause. Es war Samstagmorgen und er hatte noch vier Tage. Sechsundneunzig Stunden. Vielleicht verschaffte ihm das Feuer etwas Zeit. Er wusste, dass seine Korruption aufgeflogen war. Er hatte es geschafft die Dinge für ein paar Monate hinauszuzögern, aber die Ankunft von jemandem aus dem Hauptbüro konnte kein Zufall sein. Oder doch? Als anonymer Schaulustiger hatte er beobachtet wie die Feuerwehreinheit beim The Reef ankam. Er wusste, dass es kein großer Schaden sein würde, weil das nicht die Absicht war. Das einzige was er wollte, war seine Spuren zu beseitigen. Durch die Zerstörung des Computers und hoffentlich der Bürodateien, sollte er zumindest dies erreicht haben. Zu sehen wie die große holländische Frau vom Dach heruntergebracht wurde hatte ihn erschrocken, und ließ ihn sogar schuldig fühlen. Aber eine kleine Stimme in seinem Kopf hatte ihn schnell beruhigt. Sie war in Ordnung. Ihr wurde kein Schaden zugefügt. Vielleicht war sie ein wenig erschüttert, aber sie würde darüber hinweg kommen. Als seine Assistenzmanagerin angekommen war, hatte die Angst ihn beinahe überwältigt. Er war zurückgewichen als er sah wie sie mit der Frau von der Polizei sprach, und fragte sich ob sie über ihn sprach. Wieder kam die kleine Stimme zu seiner Hilfe. Sie kann über bestimmte Dinge einen Verdacht haben, aber sie kann sie nicht beweisen. Jetzt nicht. Nun nicht mehr. Die Interaktion zwischen seiner Assistenzmanagerin und der Frau vom Hauptbüro hatte ihn erschrocken. Ganz eindeutig kannten sie sich sehr gut. Sie beide zusammen zu sehen hatte seine Vermutung gestärkt, dass die Blonde hergeschickt wurde, um Untersuchungen anzustellen. Die Angst, die seine Brust zusammenschnürte, lockerte sich, als er realisierte, dass er sich etwas Zeit verschafft hatte. Was er getan hatte war richtig. Keiner wurde verletzt, doch seine Spuren waren beseitigt. Er schaute auf seine Uhr. Fünfundneunzig Stunden.
Jody schloss die Tür ihres Apartments hinter sich und warf ihre Schlüssel auf den Couchtisch. Ihr Handy folgte gleich danach. Sie ging zur Küche und schlug blind auf den Lichtschalter während sie daran vorbei ging. "Setz dich Sam, ich werde uns eine Tasse machen." "Eine Tasse was?" Fragte Sam frotzelnd. "Eine Tasse was auch immer du willst," antwortete Jody trocken, aber Sam konnte das Lächeln in ihrer Stimme hören. "Schlaumeier," fügte sie leise hinzu. "Das habe ich gehört," erklang Sam's Stimme plötzlich von der Küchentür. "Und ja, ich würde eine Tasse Tee lieben." Sie blickte sich anerkennend um. Das Apartment war recht klein, aber es war sehr geschmackvoll eingerichtet und dekoriert. Es hatte einen Holzfußboden und im Sitzbereich war ein großer, dunkelblauer Teppich ausgebreitet. Die Couch aus hellgelbem Leder sah sehr weich aus und schien bequem zu sein. An einer Wand stand ein riesiges Bücherregal, das bis an die Grenze mit Büchern vollgestopft war. Gegenüber der Couch befand sich die Unterhaltungselektronik, und Sam konnte sich beinahe vorstellen, wie Jody mit ihren Füssen auf dem Tisch und einem Glas Wein in der Hand auf der Couch saß und sich vollkommen entspannt einen guten Film ansah. "Also, wie ist dein Urteil?" Unterbrach Jody's Stimme ihre Träumereien. "Es ist gemütlich," lächelte Sam. "Ich liebe das Bücherregal. Ich nehme an, dass du immer noch eine Menge liest, wie?" "Wann immer ich die Zeit dazu habe," antwortete Jody während sie zwei Tassen aus einem der Küchenschränke nahm. "Was in den letzten Tagen nicht mehr so oft vorkommt." "Mmmm, ich weiß was du meinst," erwiderte Sam während ihre Augen die Titel überflogen. "Wie ich sehe liebst du gute Kriminalromane. Aha, Patricia Cornwell, gute Wahl, ich mag sie auch." "Verteilst du ein paar Punkte?" Lächelte Jody, stellte die dampfenden Tassen auf den Couchtisch und setzte sich hin. "Ohne Zweifel," grinste Sam und warf einen Blick zu ihrer Freundin. "Nicht das du welche bräuchtest, aber ein kleines zusätzliches Lob schadet niemandem, oder doch?" "Setz dich hin und trink deinen Tee solange er noch heiß ist, Miss Schlagfertig. Ich möchte einen Blick auf deinen Fuß werfen. Als du diese Turnschuhe, die Brian dir gegeben hat, angezogen hast, habe ich etwas Blut gesehen. Du musst ihn irgendwo aufgeschürft haben." "Sicher, ich frage mich wie," ulkte Sam, setzte sich gehorsam hin und zog die übergroßen Schuhe aus. "Leg sie hoch, Spiderwoman." Jody klopfte verlockend auf ihren Schoss und bekam als Antwort eine hochgezogene Augenbraue. "Ach komm, Sam. Ich will sehen wo das Blut herkommt, ich werde dich nicht beißen." "Meine Füße sind schmutzig, Jo," wandte Sam ein und wackelte mit ihren Zehen um ihren Hinweis zu untermauern. "Und wo ist dabei das Problem?" Lachte Jody. "Du solltest es besser wissen, du Einfaltspinsel! Erinnerst du dich nicht an die Schlammschlachten, die wir hatten? Oder wie wir ausgesehen hatten als wir während es regnete in den Busch gegangen waren? Deine Füße sehen im Gegensatz dazu sauber aus. Leg sie hoch und lass mich einen Blick darauf werfen." Mit einem übertriebenen Seufzer willigte Sam ein, lehnte sich auf die Armlehnen der Couch zurück und legte ihre Füße in Jody's Schoss, die sofort mit ihrer Untersuchung anfing. "Du hast hier rechts einen Schnitt," erklärte sie während sie mit ihrem Finger den Spann von Sam's rechtem Fuß entlang fuhr. "Er blutet nicht mehr, aber ich denke du solltest ihn reinigen." "Er wird in der Dusche sauber werden," antwortete Sam unbekümmert. "Du hast eine Dusche, oder nicht?" Jody antwortete nicht, sondern schnaufte bloß und nippte an ihrem Tee während ihre Hand immer noch auf Sam's Fuß lag. Sam war sehr zufrieden wo sie war und wollte sich keinen Zentimeter bewegen. Auf der Couch entspannen, ihre Füße auf Jody's Schoss liegend und eine Tasse süßen, heißen Tee zu trinken war mehr womit sie noch vor einigen Stunden gerechnet hätte. So könnte ich ohne Probleme einschlafen, Gott fühlt sich das gut an. Das heiße Getränk wärmte ihr Innerstes auf und sie konnte fühlen wie ihr Körper anfing sich zu entspannen, als plötzlich ein Krampf in ihrem rechten Bein sie beinahe aufschreien ließ. Ihr Körper zuckte als Antwort zusammen und Sam, die wollte das der Schmerz aufhörte biss ihre Zähne zusammen. Jody konnte fühlen wie sich Sam's Körper verspannte, stellte schnell ihre Tasse ab, und ergriff die langen Beine mit beiden Händen. Mit besorgten Augen blickte sie zu Sam's schmerzverzerrtem Gesicht. "Sam? Was ist los?" "Ein Krampf," schaffte Sam zu zischen während sie schweigend ihr lädiertes Bein verfluchte. "Mein rechtes... Bein... es..." "Gibt es etwas, das ich tun kann?" "Es wird in einer Minute vorbei sein," grollte Sam frustriert. "So ist es immer." Jody beschloss nicht darauf zu warten. Sie legte ihre Hand auf Sam's rechte Wade und fing an die verspannten Muskeln, die sie durch den Stoff der Trainingshose fühlen konnte, zu massieren. Während der ganzen Zeit blickte sie unverwandt in Sam's Gesicht um zu sehen ob ihre Handlung irgendeinen Effekt hatte. Nach einer Weile konnte sie fühlen wie die Muskeln langsam entspannten, genauso wie es Sam's Gesicht tat und ihre eigene Anspannung wurde geringer. "Besser?" Fragte sie liebevoll. Sam konnte als Erwiderung nur nicken. Sie biss sich auf ihre Lippe und Jody sah Tränen in ihren Augen und wusste, dass ihre Freundin sie mit aller Kraft zurückkämpfte. "Das war ein ganz schön schlimmer Anfall," erklärte Sam schließlich mit leicht heiserer Stimme. Sie wusste, dass Jody bemerkt hatte wie sie die Tränen unterdrückte. Der Krampf war nicht die Ursache dafür. Es war das Gefühl von diesen warmen, starken Händen gewesen, die selbstlos versuchten den Schmerz zu erleichtern. Dies hatte ein Gefühl von Verlust wachgerufen, den sie so vorher noch nicht erlebt hatte. Sie wusste, dass alles so anders hätte sein können, wenn nur... "Ich denke, du solltest eine heiße Dusche nehmen und dann schlafen gehen," durchbrach Jody's leise Stimme die Stille. "Es ist bereits beinahe Morgen und du bist eindeutig erschöpft. Genauso wie ich, wirklich. Auf geht's Sam, denkst du, dass du aufstehen kannst?" Jody stand, ihre Hand auffordernd ausstreckend, auf und Sam nahm sie dankbar an. Sie lächelten sich an, als Jody die Tür zum Badezimmer öffnete. "Handtücher sind im obersten Regal dieses Schrankes," erklärte sie. "Ein paar Zahnbürsten und Zahnpasta sind in der Schublade. Nimm dir was du brauchst. Ich werde dir ein Shirt und eine Shorts, die Vogel hier gelassen hat, bringen. Ich nehme an, das sie dir passen sollten." "Oh Mann, du bist gut vorbereitet," reagierte Sam überrascht und fühlte plötzlich einen kleinen Stich von Eifersucht. "Du bekommst öfters unerwartete Gäste, wie?" Es klang nicht so beiläufig wie sie dachte, und Jody hatte es sofort bemerkt. "Nun, Lucy und Vogel haben die Angewohnheit hier unerwartet einzufallen," lächelte sie, im geheimen gefiel ihr Sam's Unsicherheit. "Sie können manchmal wirklich ausgelassen sein, somit sorge ich dafür, dass sie zumindest gut zu essen haben und sauber sind." "Oh... kluge Frau," grinste Sam schüchtern. "Immer noch die große Schwester, wie?" "Das werde ich immer sein, Sam. Es ist ein Geburtsrecht." Jody winkte, schloss die Tür hinter sich und ließ Sam in einem Aufruhr von Gefühlen zurück. "Wo kam das nun her, Stevens?" Schalt Sam ihr Spiegelbild aus. "Ich habe dich niemals für den eifersüchtigen Typ gehalten." Ich hatte niemals einen Grund eifersüchtig zu sein. Ich glaube, dass ich niemals für jemanden genug empfunden habe, außer in dieser Zeit... vor ungefähr acht Jahren... Geh da besser nicht hin. Was ist mit dieser berühmten holländischen Realitätssache geworden? Hast du sie auf dem Dach gelassen, hast du das? Es muss noch da oben neben dem Rest von deinen guten Vorsätzen sein. Bereit in den Wind zerstreut und an die vier Ecken der Erde geweht zu werden. Jody hatte Sam im Gästezimmer untergebracht und sichergestellt, dass sie es bequem hatte. Danach nahm sie selbst eine schnelle Dusche, sah nach Sam, die bereits zu schlafen schien und ging schließlich zu Bett während der Himmel bereits die Farben änderte. Bevor sie in dieser Nacht das The Reef verließ hatte sie Brian erzählt, sie würde am Montag zurück sein, überließ ihm die Verantwortung und sagte ihm, dass sie nur im äußersten Notfall benachrichtigt werden wollte. "Welche Art Notfall?" Hatte er gefragt. "Bei so was wie einem Tsunami," hatte Jody, sehr zu Sam's Vergnügen, geantwortet. "Nicht das ich es verhindern könnte, aber zumindest würde ich dann wissen, dass ich am Montag nicht zu kommen brauche, okay?" Anerkennend, dass Jody im vertraute, hatte Brian nur gelacht. Er mochte seine Chefin und es gab nicht viel, dass er nicht für sie tun würde. Er wusste, dass sie hart arbeitete, zu hart manchmal und am Wochenende zu Hause zu bleiben war sehr weise von ihr. "Okay Boss. Ich werde sie dann am Montag sehen. Stellen sie sicher, dass sie etwas Ruhe bekommen. Machen sie einen Trip in den Busch, lesen sie ein Buch, entspannen sie am Strand... was auch immer. Bleiben sie nur weg von hier." Sam war die erste, die aufstand. Zuerst war sie ein wenig desorientiert, aber sie erinnerte sich schnell wo sie war. Träge streckte sie ihre lange Gestalt und bemerkte erfreut, dass ihre Muskeln zwar etwas schmerzten, aber der klopfende Schmerz in ihrem rechten Bein, dank einer guten Nachtruhe, verschwunden war. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr und als sie sah das es viertel vor Zwei war beschloss sie aufzustehen und zu sehen ob sie etwas Frühstück machen konnte. Sie machte einen dringend benötigten Halt im Badezimmer, und ging danach weiter in die Küche auf die Suche nach zumindest etwas Kaffee. Sie hatte das dunkelbraune Zeug am Brodeln und war gerade dabei sich etwas Toast zu machen als sie hörte wie es an der Tür klingelte. Sie beeilte sich die Tür zu öffnen, weil sie nicht wollte, dass Jody schon aufwachte und stand vor Lucy. Für einige Augenblicke sprach keine von beiden, aber Lucy überwand ihre anfängliche Überraschung schnell und resigniert sah Sam, wie das Gesicht ihres Gegenübers einen schelmischen Ausdruck annahm. "Hey Luce," grüßte sie, bange vor dem was zweifellos kam. "Ich vermute, dass du hereinkommen darfst." Lucy grinste nur und schritt an Sam vorbei ins Wohnzimmer. Sie ließ sich auf die Couch fallen und blickte mit einem teuflischen Glanz in ihren Augen auf. "Nun... Sam... ich muss sagen, dass ich nicht erwartet hatte dich hier zu sehen. Das Essen lief gut gestern Abend, wie?" "Das tat es," stimmte Sam zu. "Aber nicht so wie du annimmst. Ich habe hier geschlafen, ja, aber wir haben nicht zusammen geschlafen. Kapiert?" "Nun, es ist ein Anfang," antwortete Lucy grinsend. "Ich denke auch, dass es ein guter Anfang ist." "Was ist?" Erklang plötzlich eine schläfrige Stimme als Jody den Raum betrat. Sie ging barfuss, trug einen dunkelblauen Schlafanzug, ihr langes Haar war vom Schlaf zerzaust und mit ihrem Handrücken rieb sie sich über ihre Augen und Sam dachte, dass sie einfach anbetungswürdig aussah. "Was gibt's, Schwesterherz?" Wiederholte Jody sich neben ihre Schwester setzend. "Ich habe Sam gerade erzählt, dass ihr zwei eine gute Nacht gehabt haben müsst. Du verstehst, mit Sam die hier übernachtet und all..." "Oh Gott," stöhnte Jody. "Ich weiß was du damit andeuten willst, Schwesterchen, aber ich nehme an, dass Sam dich bereits informiert hat, also lass mich zuerst wach werden, okay. Du bist hier im Vorteil." Lucy lachte nur und sprang auf ihre Füße. "Ich kann Kaffee riechen," sie grinste. "Lasst mich in euch zwei Schlafmützen etwas Koffein bekommen. Vertraut mir, ihr werdet es brauchen." Sie verschwand in die Küche und ließ Sam und Jody sich anstarrend zurück. "Du wirst sie entschuldigen müssen, Sam, sie ist ein hoffnungsloser Fall." Sam zuckte mit ihren Schultern und lächelte die noch schläfrige Frau, die ihre Augen rieb, einfach an. Ihre Augen wurden weicher und sie konnte nicht anders und fragte sich wie es wohl sein würde, Jody jeden morgen für den Rest ihres Lebens so zu sehen. Himmlisch, dachte sie während ihr Herz schneller schlug. Jody muss ihren Blick gefühlt haben, weil sie aufblickte und ihre Augen verschmolzen miteinander, sich nur gegenseitig, schweigend und fragend anstarrend waren sie nicht fähig wegzublicken. Es war wie eine geheimnisvolle Kraft die sie zusammenzog, und obwohl sie ihre Position nicht veränderten und sich immer noch gegenübersaßen, war es, als ob die Entfernung irgendwie überwunden wurde. Sam war davon überzeugt, dass sie die Wärme von Jody's Haut gegen ihre fühlen konnte und Jody hätte schwören können, dass Sam's Atem ihre Wange streichelte. Es war wie das Verschmelzen von zwei Seelen und der magische Augenblick wurde gebrochen als Lucy mit dem Kaffee zurückkehrte. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie von Jody zu Sam und wieder zurück, und sah wie sie widerwillig den Augenkontakt brachen. Die Spannung in der Luft war beinahe fühlbar und ungewöhnlicherweise schwieg sie. Sie vermutete das irgendetwas intimes gerade stattgefunden hatte. Trotz allen Scherzen liebte Lucy sowohl ihre Schwester als auch Sam sehr, und sie würde alles tun um sie wieder zusammen zu bringen. Sie würde sogar ihren Mund halten, wenn es nötig war. So wie jetzt. "Also, große Schwester," brach Lucy schließlich das Schweigen. "Ich habe irgendwie das Gefühl, das du völlig unsere Verabredung zum Essen vergessen hast." Jody nahm gerade einen Schluck von ihrem Kaffee und blickte unangenehm überrascht auf. "Was für eine Verabredung zum Essen... Oh mein Gott!" Sie schlug sich ihre Hand vor den Mund und starrte ihre Schwester mit großen Augen an. "Ich nehme an, das ich richtig lag," grinste Lucy. "Das ist wirklich blöd von mir," seufzte Jody ungläubig ihren Kopf schüttelnd. "Lucy und ich sollen Freundinnen von uns besuchen. Sie machen ein Barbecue und..." "Ich bin sicher, sie würden sich freuen Sam kennenzulernen," unterbrach Lucy. "Warum rufen wir sie nicht an?" "Nein, ich kann nicht," wandte Sam sofort ein. "Lucy, ich bin für sie vollkommen fremd, außerdem muss ich noch eine Menge Dinge erledigen, also..." "Darf ich dein Telefon benutzen, Jo?" Fragte Lucy, Sam völlig ignorierend und wählte bereits die Nummer. Jody blickte zu Sam und zuckte mit ihren Schultern. Sie wusste, dass ihre eigensinnige Schwester nicht zuhören würde, das tat sie selten. Sie kannte auch Megan und Sarah würde es nicht stören wenn Sam kam, aber tief in ihrem Innersten fühlte sie eine kleine Anspannung, da ihre ehemalige Geliebte und Sam sich früher treffen würden als angenommen. Es war nicht so, dass sie irgendetwas vor ihrer holländischen Freundin verbergen wollte, aber es gab bestimmte Dinge die sie ihr noch nicht erzählt hatte und mit Lucy in der Nähe wurde sie die Gelegenheit wahrscheinlich nicht so bald bekommen. Sie vermied es Sam in die Augen zu sehen, starrte auf ihre Füße und versuchte krampfhaft einen Weg zu finden um mit ihr privat zu reden. Eins wusste sie mit Sicherheit, sie wollte nicht, dass ihre Schwester dabei war, wenn sie Sam bestimmte Teile ihrer Vergangenheit erzählte. Lucy kannte das meiste davon, aber nicht alles und sie wollte, dass es auch so blieb. "Hey Sarah," begrüßte Lucy ihre Freundin fröhlich. "Ich bin's, Lucy." Die Person am anderen Ende muss etwas lustiges gesagt haben, weil Lucy kicherte. "Nein, ich will nicht absagen, also lege diese Steaks nicht in die Tiefkühltruhe. Und nein, wir kommen nicht später. Wir wollten einfach wissen, ob ihr Burschen etwas dagegen habt, wenn wir eine Freundin mitbringen?" "Jawohl, diejenige. Wie hast du das geraten?" "Feuer? Was für ein Feuer?" Wiederholte Lucy ihre Schwester mit erstauntem Blick anstarrend. "Natürlich lese ich Zeitungen... gewöhnlich," fügte sie hinzu. "Warte eine Sekunde, Sez." Sie bedeckte den Hörer des Telefons und warf einen drohenden Blick zu Jody, die den Blick mit einem siegreichen Lächeln erwiderte. "Warum hast du mir das nicht erzählt?" Fauchte sie vorwurfsvoll. "Als ob ich die Möglichkeit dazu bekommen hätte," antwortete Jody süß lächelnd. "Du bist hier herein gekommen und hast über allerlei Sachen geschwärmt. Genaugenommen hatte ich bis jetzt noch keine Gelegenheit dazu, oder doch?" "Sarah, wir werden um Fünf da sein... klar, wir alle drei... in Ordnung, wir sehn uns." Sie legte auf und wandte sich an Sam, die das Gespräch mit einem amüsierten Lächeln auf ihrem Gesicht verfolgt hatte. "Du bist eingeladen," erklärte Lucy. "Was man so Einladung nennt," schnaufte Sam. "Du hast ihr keine andere Möglichkeit gelassen, oder?" "Nein, das hat sie nicht," entgegnete Jody mit einem aufrichtigen Seufzer. "Aber ich weiß Sam, dass es sie nicht stören wird. Sie sind sehr nett. Ich bin mir sicher, dass du sie mögen wirst." "Nun erzähl mir von diesem Feuer," drängte Lucy. "Wieso weiß ich nichts davon? Was ist passiert?" "Oh Mann, Samantha Stevens, du bist wirklich eine," hauchte Lucy, nachdem sie die Geschichte über das Feuer gehört hatte, die ihr in einer sehr realistischen Art und Weise dargebracht wurde. "Und ich glaube wirklich, dass du es absichtlich so hinstellst, als ob es etwas ganz gewöhnliches gewesen wäre, oder nicht. Warte bis ich Megan und Sarah darüber erzähle." Lucy starrte Sam ehrfürchtig an während sie versuchte sich vorzustellen, wie sie, um sich zu retten, zwei Balkone hinaufgeklettert war. Überraschenderweise war es nicht so schwer. Sam sah stark aus und hatte einen sehr athletischen Körperbau. Und außerdem konnte sich Lucy noch an einige spielerische Kämpfe zwischen Sam und Matthew erinnern, bei welchen die Freundin ihrer Schwester einen ganz schönen Eindruck gemacht hatte. "Luce, kann ich kurz mit dir reden?" Jody war aufgesprungen und ging ohne zurückzusehen zu ihrem Schlafzimmer, sie war sich sicher, dass ihre Schwester ihr folgen würde. Lucy tat es. Sie warf einen verwirrten Blick zu Sam, aber die blonde Frau zuckte nur mit ihren Schultern und schnitt ein Gesicht, was Lucy zum Kichern brachte. Als sie den Raum betrat, saß Jody auf der Bettkante und klopfte auf den leeren Platz neben sich. "Setzt dich. Ich möchte dich um einen Gefallen bitten." "Was gibt's?" "Ich hasse es dich darum zu bitten," fing Jody seufzend an. "Ich will nicht, dass du dich... ausgeschlossen fühlst, oder so was, aber ich habe Sam noch nichts über Megan erzählt, und... nun..." "Du willst, dass ich mich für eine Weile verdrücke," beendete Lucy mit einem Hauch von Humor in ihrer Stimme. "Komm schon Erbse, du brauchst deswegen keinen Schweißausbruch zu bekommen. Ich verstehe es, hörst du. Ich bin nicht so dickköpfig wie ich aussehe. Mein Gott, schließlich bin ich ein Mensch," scherzte sie. Jody warf ihr einen vollkommen erleichterten und dankbaren Blick zu und Lucy drückte warmherzig die Hand die sie immer noch hielt. "Sie bedeutet dir sehr viel, wie?" Sagte sie. "Das hat sie immer, oder nicht?" Jody konnte nur nicken während sie versuchte den Kloß in ihrer Kehle herunter zu schlucken. "Das freut mich," bekannte Lucy und strich eine rotblonde Strähne auf die Seite. "Ich weiß, dass ich es nicht sehr oft sage, aber ich liebe dich über alles Schwesterherz, und ich möchte dich wirklich glücklich sehen. Ich weiß einfach das du und Sam... nun... ihr zwei solltet einfach zusammen sein. Begreifend was Dad dir angetan hat bricht mir einfach mein Herz. Es ist so ungerecht und ich bin immer noch so sauer, ich könnte einfach... beachte es nicht. Wir werden hier besser nicht blutdurstig, Sam könnte denken, dass ich dich verprügle. Und sie ist eine Frau mit der ich nicht in den Ring steigen möchte. Sie würde mich zum Frühstück verspeisen." "Danke, Lucy." Jody gab ihrer Schwester einen Kuss auf die Wange und sprang auf ihre Füße. "Klar, wir kommen besser in Gang, bevor wir zu rührselig werden," stimmte Lucy grinsend zu. Sie ging ins Wohnzimmer zurück, schnappte sich ihre Handtasche vom Couchtisch und bemerkte, dass Sam ihren Kaffee trinkend sehr entspannt und gut ausgeruht aussah. "Ich werde dich in Kürze sehen, Sam," winkte Lucy. "Ich muss einige Dinge erledigen, bevor wir zum Barbecue gehen. Ich werde euch Burschen später auflesen. Bis dann." Bevor Sam überhaupt fragen konnte wohin sie ging, war die Tür geschlossen und ein paar sehr verwirrte Augen reisten von der Haustür zu Jody, die gerade das Wohnzimmer betrat. "Habt ihr zwei euch gestritten?" Fragte sie besorgt. Sie wusste, dass Lucy manchmal eine Plage sein konnte, aber gewöhnlich ließ Jody ihre Schwester nicht an sie herankommen. Ihre Schwester zu ignorieren war immer der beste Weg gewesen mit einem potentiellen Konflikt fertig zu werden. Jody setzte hin und nahm ihren Kaffee. Nicht das sie, obwohl ihr Mund plötzlich trocken wurde, an dem lauwarmen Getränk interessiert war. Sie brauchte nur etwas woran sie sich festhalten konnte, weil sie Angst hatte, dass ihre Finger wieder anfangen würden zu zittern und sie Sam damit zeigen würde wie nervös sie war. "Nein, wir haben uns nicht gestritten," antwortete sie. "Ich... vielleicht... Sam, bevor wir Megan und Sarah besuchen muss ich dir etwas erzählen." Sie blickte über den Rand ihrer Tasse und sah wie Sam leicht ihre Augenbrauen hob und sich ohne ein Wort zu sagen leicht nach vorne lehnte, aber schweigend Jody einlud fortzufahren. Sie hatte ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht, das gab Jody Mut. "Megan und ich waren einmal Geliebte," bekannte sie mit leicht heiserer Stimme. Sam sah nicht überrascht aus. Sie hielt Jody's Blick und nickte. "Es scheint, dass ihr immer noch gute Freundinnen seid," folgerte sie. "Was ist geschehen?"
"Es scheint mir so, als ob sie sich wirklich gut um dich gekümmert hat," lächelte Sam. "Sie muss eine unschätzbare Freundin sein." "Das ist sie," gab Jody mit offensichtlicher Wärme in ihrer Stimme zu. Mitten in der Geschichte hatte Sam ihren Platz auf dem Stuhl mit einem auf der Couch neben Jody getauscht und sie sahen sich aus kurzer Entfernung an. "Du hast wahrscheinlich niemals erwartet, das ich mich so verhalte, oder?" Fragte Jody und Sam konnte die Unsicherheit in ihren Augen sehen. "Sam, ich war damals wirklich für eine Weile verloren, ich..." "Mach das nicht, Jody." Unterbrach sie Sam. "Du brauchst dich nicht für das was du getan hast zu entschuldigen. Du warst verletzt, verloren... und vollkommen allein. Gott weiß was ich in einer Situation wie dieser getan hätte. Du bist in einem Stück da herausgekommen, und das ist alles was von Bedeutung ist. Du bist jetzt hier, vollkommen vernünftig und nüchtern." Diese letzte Bemerkung setzte ein Lächeln auf Jody's Gesicht und sie ergriff dankbar Sam's Hand und hielt sie fest. "Ich wusste wirklich nicht wie ich dir all das erzählen sollte, aber ich hätte wissen sollen, dass du mich nicht verurteilst. Das hast du niemals getan." "Nun, ich bin nicht gerade diejenige die gern redet. Du hättest mich sehen sollen als ich vor acht Jahren nach Hause kam. Ich war unausstehlich. Mit all den Brüchen und Verbänden konnte ich für eine ganze Weile nicht aufs College gehen, und musste somit zu Hause bleiben. Ich ließ meine Laune an jedem um mich herum aus, besonders an meiner Familie. Ich kam lange nicht mit meiner Frustration zurecht, und anstatt darüber zu reden, versuchte ich, dass sich jeder so miserabel fühlte wie ich." "Du?" Flüsterte Jody ungläubig. "Ja, ich," lächelte Sam. "Ich kam eines Tages wieder zu Sinnen, als Tom, der nur versucht hatte mir zu helfen, schließlich aufgab und anfing zu weinen. Ich habe ihn böse mit mir gesehen, wie er mich angeschrieen hat, sogar wie er gedroht hat mich zu schlagen, aber zu sehen wie er tatsächlich zusammenbrach und weinte... nun, das hatte meine Aufmerksamkeit geweckt." "Ich kann mir dich einfach nicht so vorstellen, Sam. Du schienst immer so... unter Kontrolle zu sein." "Ich war auch verletzt, Jody. Ich konnte nicht verstehen was geschehen war. Konnte nicht herausfinden warum du mich weggeworfen hattest, weil ich mich so fühlte, als ich zurück war. Ich hatte erwartet, dass unsere Freundschaft stärker gewesen war. Unsere Verbindung unzerbrechlich." Sam's Stimme war leise und melancholisch, enthielt aber keine Spur von Vorwurf. Jody starrte auf den Daumen, der abwesend ihren Handrücken streichelte und ein kleines sehnsüchtiges Lächeln erschien. "Vielleicht haben wir jetzt eine zweite Chance." Ihre Augen trafen sich und wieder blieb die Zeit stehen. Sie waren sich so nah, dass ihr Atem sich vermischte, und tief in diesen klaren, blauen Augen konnte Jody etwas sehen, von dem sie gedacht hatte, dass sie es für immer verloren hätte. "Vielleicht," lächelte Sam und quälend langsam kamen ihre Gesichter näher. Jody hielt ihren Atem an, als sie fühlte das ihr Herz so laut schlug, dass sie sich fragte, ob Sam es hören konnte. Ein warmer Fluss wallte durch ihr System und sie konnte fühlen wie sich ihr Körper gegen Sam's lehnte. Der verzweifelt den Kontakt verlangte. Ihre Nervenenden traten fast heraus um zu fühlen wie die andere Frau sie berührte. Erwartungsvoll trennten sich leicht ihre Lippen. "Jody," flüsterte Sam. "Ich..." Die Türklingel läutete und der Klang ließ sie mitten in ihrer Bewegung erstarren. Völlig frustriert fluchte Jody kaum hörbar und war bereit die Person zu verschlagen, die den Nerv hatte einen Augenblick zu zerstören, der beinahe perfekt war. Sie sprang auf und riss die Tür auf um in ein Paar funkelnde, dunkelgrüne Augen zu starren. "Hey, Schwesterherz," begrüßte Lucy sie. "Hast du alles erzählen können?"
Obwohl es Samstagnachmittag war, waren nicht viele Leute am Strand. Verstreut über den gelblichen Sand waren kleine Gruppen die entspannten und es sich gut gehen ließen. Eine Strandwache hielt ein wachsames Auge auf den Ozean, um zu sehen ob irgendwelche Unregelmäßigkeiten auftraten, und war bereit aufzuspringen und ins Meer zu tauchen um jemanden zu helfen, der seine Hilfe brauchte. Irgendwo neben einigen großen Felsen, die schon lange vorher angespült wurden, bevor James Cook seinen Fuß auf die Ostküste setzte, saß eine einsame Gestalt im Sand und starrte zu den sich endlos wogenden Wellen, die an das Ufer krachten, bevor sie sich langsam zurückzogen. Seine Finger klammerten sich um einen Gegenstand der klein genug war um in seiner Handfläche zu verschwinden. Von Zeit zu Zeit sah er mit einem flehenden Blick darauf. Schließlich fing der Gegenstand an zu vibrieren und er führte ihn hektisch an sein Ohr. "Hallo." "Guten Tag, Billie Boy. Ich las heute die Zeitung und ich bin stolz auf dich, Partner. Bist du ganz allein auf diesen Plan gekommen?" William Jensen nickte mit seinem Kopf und bemerkte plötzlich wie trocken sein Mund war. Er versuchte seine Lippen zu befeuchten, die ein wenig salzig waren, nachdem er solange am gleichen Fleck gesessen hatte, und schluckte hörbar. Trotz den Worten der Person, die mit ihm sprach, ließ der Ton der Stimme die Haare auf seinen Armen aufrichten. "Wa... was meinst du Joe?" Stotterte er. "Ich habe meine Spuren, so wie du es von mir verlangt hast, vernichtet." "Bist du dir sicher, Genie?" "Der Computer ist zerschmolzen, beide sind es, sie sind vollkommen nutzlos. Außerdem habe ich, bevor ich ihn verbrannte habe, nur für den Fall das es nicht funktioniert hätte, einige Dateien zerstört. Es gibt dort nichts mehr zu finden, Joe." Ein raues Kichern war die Antwort und sein Magen zog sich zusammen. Er fühlte wie Galle aufstieg und schluckte sie krampfhaft runter. "Sag mir Einstein, bist du sicher, dass das Mädchen keine Kopien hat?" "Ich... ich... ich habe nie... ich denke nicht, das sie das hat, Joe," wandte er ein. "Sie arbeitet immer im Büro, ich glaube nicht, dass sie etwas mit nach Hause genommen hat." "Du denkst, du DENKST? Weshalb bist du da so sicher, du Idiot? Falls sie schlau genug ist zu bemerken wie du die Bücher manipuliert hast, dann wird sie klug genug sein einige Kopien zu machen um das Beweismaterial zu sichern. GLAUBST DU NICHT?" "Ich werde... ich werde... zusehen, ob ich ihr Apartment durchsuchen kann und..." "Nein, das wirst du nicht. Nun werde ich nach dir aufräumen müssen, oder nicht? Du könntest erkannt werden und das würde mich eine Menge Geld kosten. Du hältst dich einfach zurück und wartest still, bis du wieder von mir hörst. Hast du das verstanden?" "Ja, Joe, das werde ich tun," flüsterte er beinahe. "Joe, du wirst nicht...? Ich meine, du wirst sie nicht... verletzen, oder?" "Das hängst von meiner Laune ab, du kleines Stück Scheiße. Halt dich da raus." Ein leiser Summton sagte ihm, dass die Verbindung getrennt worden war und er biss, auf den Ozean starrend, nervös auf seinen Fingernägeln. Er fragte sich, ob es weh tun würde, wenn er in diese sanft aussehenden Wellen steigen und sich von ihnen verschlucken lassen würde. Er schüttelte langsam seinen Kopf. Nein, es gab da noch eine Möglichkeit all dies zu lösen. Er hatte noch etwas Zeit.
"Gott, hast du dir Zeit gelassen," Begrüßte Lucy Sam, die im The Reef gewesen war um sich etwas zum Anziehen und einige andere Habseligkeiten zu holen. "Ich musste einen Inspektor von der Feuerwehr davon überzeugen, dass ich mit einer Trainingshose und T-Shirt bekleidet nicht zum Essen gehen kann." "Hat er den Ort untersucht?" Fragte Lucy, schloss die Tür und folgte Sam ins Wohnzimmer. "Sicher, das hat er." "Und, hat er schon etwas herausgefunden? Ach komm Sam, du kannst es mir sagen." Sam ließ ihre Tasche auf den Boden fallen und zuckte mit ihren Schultern. "Er sagte mir nur, dass es kein Unfall war, aber das wusste ich bereits. Ich möchte wissen, wer es getan hat und wie und warum er es getan hat. Du solltest den Ort sehen Luce, es ist ein Chaos. Es gab sogar Russ in meinem Zimmer. Die Laken von meinem Bett haben sich von weiß zu grau verfärbt, und die Tür könntest du benutzen um Holzkohlezeichnungen anzufertigen." "Das ist schlimm, wie?" Sam nickte und starrte aus dem Fenster, sie war noch sehr beeindruck davon, wie der Ort ausgesehen hatte. Sie hatte vorher noch nie die Effekte eines Feuers gesehen und war unangenehm überrascht. Daran zu denken was passiert sein könnte, wenn sie schnell eingeschlafen wäre, ließ es ihr eiskalt den Rücken herunterlaufen. Sie hätte durch das Einatmen von dem Rauch leicht sterben können. Sam zitterte, ihr war plötzlich kalt und als sie sich umdrehte erschrak sie, als sie abrupt in zwei Paar grüne Augen blickte, die sie gespannt ansahen. "Bist du in Ordnung, Sam?" Fragte Jody. "Du siehst ein wenig blass aus." "Das ist nur mein holländisches Markenzeichen," scherzte Sam und blinzelte zu Lucy, die daraufhin kicherte. "Zu viel Sonne passt nicht zu mir." "Ich wage es dir zu wiedersprechen," entgegnete Lucy zwinkernd. "Ich kann mich noch erinnern wie eine gebräunte Sam aussah, und glaub mir, du sahst...." Sie warf einen kurzen Blick zu Jody um ihr Grinsen zu verbergen. "....absolut heiß aus." Jody ignorierte die letzte Bemerkung und ging zu Sam hinüber, berührte ihren Rücken mit der flachen Hand und machte langsame, kreisende Bewegungen. "Bist du okay?" Wiederholte sie sich, während sie spürte wie der muskulöse Rücken unter ihren Berührungen entspannte. Sam lächelte warmherzig, was kleine Funken in ihren Augen hervorbrachte und ein loderndes Feuer in Jody's Brust anzündete, was sie beinahe hätte keuchen lassen. Für einige Augenblicke standen sie so da, bis Jody ihre Hand wegzog und ein schwaches Lächeln fertigbrachte. "Ich werde eine Dusche nehmen und mich anziehen." Seufzte sie. "Verbrauch nicht das ganze Wasser," flüsterte Sam spielerisch. "Ich hasse kalte Duschen." Jody wusste genau auf was sie sich bezog und sie konnte fühlen wie ein warmes Erröten ihren Hals hinaufschlich und schnell ihre Wangen bedeckte. Dennoch war sie nicht fähig ihre Augen von diesen bezaubernden Blauen zu abzuwenden. "Du bist schlimm," sprach sie, drehte sich herum und fing an zu gehen. Eine starke Hand auf ihrer Schulter ließ sie anhalten. "Kann ich einen kurzen Blick auf diese Dateien werfen?" Fragte Sam. "Es könnte die Mühe wert sein, sie zu Tom zu schicken." Jody sah ein wenig verwirrt aus. "Ähm... ich habe keinen Computer hier, Sam, also ich..." "Das geht in Ordnung," unterbrach sie Sam. "Wie willst du dann einen Blick darauf werfen?" Schnaufte Lucy. "Willst du sie gegen das Licht halten?" "Keineswegs. Ich werde meinen Computer benutzen." Zwei Paar Augen fuhren gleichzeitig zu der Tasche auf dem Boden. "Du hast da drin einen Computer?" Fragte Lucy. "Nee. Ich habe einen Laptop und der ist in meinem Rucksack." Mit einem schockierten Gesichtsausdruck blickte Jody zu Sam. "Du hast in deinem Rucksack ein Laptop? Derjenige mit dem du letzte Nacht die Balkone hinaufgeklettert bist?" "Was glaubst du? Du musst wissen, dass Tom mir bei lebendigem Leib die Haut abgezogen hätte, wenn ich das verdammte Ding ruiniert hätte. Es ist Eigentum von der Gesellschaft und es kostete ihn ein Vermögen. Ich habe ewig auf ihn einreden müssen, damit er ihn mir gegeben hat." Ihr ansteckendes Lachen brachte ein Lächeln auf Jody's Gesicht und kopfschüttelnd ging sie zu ihrem Schlafzimmer. "Eine solche Einstellung verdient einige Disketten, glaubst du nicht?"
"Megan, würdest du dich bitte hinsetzen!! Du machst mich seekrank." Mit einem resignierten Blick auf ihrem Gesicht beobachtete eine Frau mit kastanienbraunem Haar geduldig wie ihre Geliebte in der geräumigen Küche auf und ab lief. "Du wirst den Boden verschleißen," fügte Sarah mit einem süßsaueren Lächeln hinzu und beobachtet wie die andere Frau sich auf einen Stuhl fallen ließ. "Das ist nicht komisch," brummte Megan während sie sich ihr dunkles Haar aus ihren Augen strich. "Honey, wegen was bist du so nervös? Ist es wegen Sam? Von dem was Lucy uns neulich gesagt hat, scheint sie ganz nett zu sein. Oder hast du deine Schützerfunktion eingenommen?" "Was meinst du?" Ein Paar dunkle Augen sahen zu ihr und Sarah bemerkte die Anspannung darin. "Du bist immer sehr schützend gewesen wenn es zu Jody kam. Stört es dich das sie und Sam... nun, was sind sie eigentlich... wieder Freundinnen sind?" "Vielleicht," antwortete Megan vollkommen ehrlich. "Sie bedeutet mir etwas, Sarah. Ich will nicht sehen wie sie wieder verletzt wird. Ich glaube ernsthaft, dass sie nicht noch ein weiteres Mal damit zurechtkommt." Mit einem liebevollen Blick studierte Sarah die Frau, der sie gelobt hatte den Rest ihres Lebens mit ihr zu teilen. Ihre Megan, die immer Schutzbedürftigen half und niemals ihren Rücken kehrte wenn sie wusste, das jemand Hilfe brauchte. Sie war eine sehr warmherzige Seele, aber manchmal missverstanden die Leute ihre Güte. Sie hatte einen sehr starken Willen und konnte so stur wie ein Maulesel sein. Sie kämpfte für das an was sie glaubte mit solch einer Leidenschaft, die eindrucksvoll und manchmal für Freund und Feind überraschend war. "Was?" Den nachdenklichen Blick auf Sarahs Gesicht sehend fragte sie sich an was sie dachte. "Ich liebe dich," antwortete Sarah einfach, wobei ihre grauen Augen ihre Gefühle wiederspiegelten. Megan konnte spüren, wie die Anspannung ihren Körper verließ und sie stand auf, um ihre Arme um die etwas kleinere Frau zu legen. "Ich weiß," flüsterte sie, vergrub ihr Gesicht in Sarah's Hals und inhalierte ihren Duft und einen Hauch von Truth. "Du bist mein Anker, weißt du das? Du sorgst dafür, dass ich normal bleibe. Ich liebe dich auch." Ihre Lippen liebkosten die weiche Haut ihres Halses, fanden langsam ihren Weg zu ihrem Puls, hoch zu ihrem Kinn und legten sich schließlich auf ebenso weiche Lippen, die sie etwas trennte um das Innere ihres Mundes zu kosten. "Megan," keuchte Sarah, leise stöhnend und schnell die Kontrolle verlierend. "Megan... wenn... du... damit... weiter machst, werden wir... unsere Gäste... wegschicken... müssen." Ihr Körper handelte selbständig, presste sich gegen Megan's und sie stöhnte als sie ein paar weiche Erhebungen fühlte, die unter dem dünnen Stoff Verbindung mit ihren aufnahmen. "Wieviel Zeit haben wir noch?" Flüsterte Megan mit vor Verlangen heiserer Stimme. "Keine," schaffte Sarah zu antworten, sie fühlte wie ihre Knie nachgaben als eine feuchte Zunge zu ihrer Brustspalte reiste, spielerisch zwischen ihre Brüste eintauchte und wieder zurück fuhr, während ein Paar beharrliche Hände anfingen das feste Fleisch ihres Hinterteils zu kneten und langsam ihr Kleid hochschoben. Sie brauchte ihre ganze Kontrolle um Megan wegzudrücken und betrachtete sie mit offensichtlichem Verlangen. "Wir müssen damit aufhören, Honey," drängte sie leicht außer Atem und gestattete ihrem Körper auf ihren Verstand zu hören. "Und ich meine sofort. Wenn Lucy uns so erwischt, werden wir es ein Leben lang zu hören bekommen. Und das weißt du." Megan atmete aus und rieb über ihr erhitztes Gesicht. "Du hast recht," gab sie wiederwillig zu. "Gott, das ist zum Heulen!! Stell sicher, dass du nicht vergisst wo wir waren, obwohl," fügte sie mit einem Seitenblick hinzu. "Es war perfekt." Sarah schluckte heftig und schritt schnell zurück als Megan eine Hand ausstreckte. "Ich werde nichts tun," kicherte Megan. "Es ist nur, dass einer von diesen winzig, kleinen Knöpfen offen steht und ich auf eine Stelle sehen kann, auf der ich es nicht erwarten kann meine Hände zu legen." Sarah schaute sofort herab, bemerkte das sie mehr Brustspalte zeigte als beabsichtig und machte schnell den Knopf zu. "Du bist unverbesserlich." "Nee, nur unbefriedigt," schnurrte Megan mit wackelnden Augenbrauen. "Bis jetzt."
Lucy fuhr den vollklimatisierten Wagen von der Hauptstrasse auf einen sandigen Weg voller Staub und Schlaglöchern. Sich auf die Strasse konzentrierend hatte sie keine Augen für die Schönheit die sie umgab. Die riesigen Bäume, die den Weg säumten gaben viel Schatten und ihre Kronen wogten langsam in der immer gegenwärtigen Brise des Ozeans. Sie ließen den Ozean hinter sich und erklommen den Hügel der sie zu ihrem Bestimmungsort führen würde. Ein bellender Hund folgte dem Wagen für fast einen halben Kilometer, aber gab schließlich keuchend auf. Seine Zunge tropfte und seine Brust hob sich. "Zu heiß dafür, Fifi," schimpfte ihn Lucy aus. "Pass auf Sam, es ist gleich um die Kurve. Du wirst den Ort lieben. Er ist bildschön." Diesmal hatte Lucy nicht übertrieben. Als sie um die Kurve kamen, erblickte Sam eine gewaltigen Lichtung, die von Bäumen und Büschen umgeben war, was dem Ort eine ausgezeichnete Privatsphäre verlieh. Das Haus fast oben auf dem Hügel war aus grauem Flussfelsgestein gebaut, wodurch es mit der Umgebung verschmolz. Es sah, mit seiner, um das Haus verlaufenden Holzveranda, solide und sehr gemütlich aus, und Sam mochte es bereits. "Sieh hinter dich, Sam," riet ihr Jody. Sam drehte sich um und der Anblick war atemberaubend. In der Entfernung konnte sie den Ozean als blauen Fleck sehen, der sich klar von den grünen Schatten abhob. Sie konnten die Baumkronen überblicken, die das Tal unten verbargen, so dass man die Schnellstrasse oder das überfüllte Touristenzentrum nicht sehen konnte. Das einzige was man erblicken konnte war ein Teil herrlicher Schöpfung. "Es ist grandios," hauchte sie. "Was für ein Ort um dort zu leben!" "Nun, hier sind die Eigentümer," kicherte Lucy als sie sah, wie ihre Freundinnen aus der Küchentür herauskamen. Sie winkte ihnen und parkte den Wagen im Schatten eines großen Baumes. "Sie sind reizend," fügte sie hinzu und blinzelte Sam an, bevor sie ausstieg. "Hey, Mädchen," begrüßte sie sie, bevor sie in einer doppelten Umarmung verschwand. Sam betrachtete mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht schweigend die Szene, das sich verstärkte als die dunkelhaarige Frau mit ausgestreckter Hand auf sie zukam. Sam nahm die Hand und war über den festen Griff angenehm überrascht. "Du musst Sam sein," lächelte Megan. Sam bemerkte die Wärme ihres Lächelns und erwiderte es sofort. "Es ist schön dich kennenzulernen, Megan," sagte sie. "Was macht dich so sicher, dass ich nicht Sarah bin?" Frotzelte Megan. "Jody hat mir eine Menge über dich erzählt. Ich erkenne dich aus ihren Geschichten," antwortete Sam mit nüchternem Ernst. "Versuch sie einfach zu ignorieren, Sam," unterbrach sie eine Frau mit kastanienbraunem Haar und schüttelte ihre Hand. "Gott weiß, das ich es tue. Danke das du gekommen bist, je mehr desto fröhlicher." "Ich sollte mich bei euch für die Einladung bedanken, aber ich fürchte das dies nicht der Fall war," bemerkte Sam mit ausdruckslosem Gesicht und einem Funkeln in ihren Augen. "Also sollte ich mich bei euch vielleicht für das geduldige Nachgeben von Lucy's Launen bedanken." Sie fingen alle an zu lachen, aber Lucy zuckte, mit einem schelmischen Glanz in ihren Augen, nur mit ihren Schultern. "Was soll ich dazu sagen? Es war nur eine weitere brillante Idee," grinste sie. Während Sarah und Lucy mit dem Barbecue anfingen, führten Megan und Jody Sam im Haus herum. Die letztere war sehr beeindruckt. Dadurch, das das Haus aus Felsgestein gebaut war, war es in dem Haus angenehm kühl. Solid aussehende Möbel strahlten Natürlichkeit aus und nett gefärbte Teppiche und Accessoires fügten ein Gefühl von Wärme hinzu. Sam beobachtete die Wechselwirkung zwischen Jody und Megan, und wenn Jody ihr nichts über ihre geteilte Vergangenheit erzählt hätte, dann hätte sie niemals vermutet, dass sie einmal Geliebte waren. Ihre Zuneigung zueinander war offensichtlich. Und die Art wie sie miteinander umgingen war sehr angenehm und freundschaftlich. Eindeutig waren sie beste Freundinnen. Jody verbarg ein Lächeln, als sie den nachdenklichen Blick in den Augen ihrer holländischen Freundin sah, sie wusste, dass ihr fleißiges Gehirn die ganzen Eindrücke und Informationen verarbeitete, die ihre Augen zu der Masse ihrer grauen Zellen sandte. Sam fing ihren Blick und ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. Ohne nachzudenken streckte sie ihre Hand aus und streichelte zärtlich Jody's Wange. Für einen kurzen Augenblick war Megan vergessen, die dunkelhaarige Frau senkte ihre Augen und realisierte, dass sie sich ohne Grund Sorgen gemacht hatte. Es war deutlich zu sehen, dass Sam tief für Jody empfand. Sie brauchte nur in das Gesicht der größeren Frau zu sehen. Jedes Mal, wenn sie ihre Freundin anblickte wurden ihre Gesichtszüge weicher und ihre Augen verwandelten sich in glühende Kristallstücke, die Zärtlichkeit ausstrahlten. Gewahr, dass Megan geduldig auf sie wartete, erwiderte Jody das Lächeln. Sie nahm die Hand, die auf ihrer Wange lag und verflocht ihre Finger mit ihr, wobei ihre Augen nie Sam's verließen. "Lass uns der Führerin folgen," lächelte sie, drückte die größere Hand die sie hielt und fühlte wie sich die Finger strafften. Ihre Augen brachen den Kontakt, aber sie hielten weiter ihre Hände als sie ihre Tour fortsetzten. "Megan, Sarah, ich bin vollgestopft," seufzte Lucy während sie schamlos den obersten Knopf ihrer Jeans aufmachte. "Das muss das beste Barbecue gewesen sein, dass ich je hatte. Diese Kebabs mit dieser Erdnusssoße waren einfach... göttlich." Sie hatte sich mit überkreuzten Knöcheln auf ihrem Stuhl ausgestreckt und sah vollkommen entspannt aus. Sarah schoss einen Blick zu der jüngeren Frau und schüttelte ungläubig ihren Kopf. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass du das alles gegessen hast." "Und es war noch mehr," fügte Jody hinzu, als sie sich erinnerte wie ihre Schwester all den Salat und das Brot gegessen hatte. "Ich kann nichts dafür," gähnte Lucy. "Zumindest brauch ich mir keine Sorgen darüber zu machen was ich esse." Jody beschloss auf diese Bemerkung nicht zu reagieren, weil sie wusste, dass ihre Schwester nur versuchte sie aufzuziehen. Sie reagierte nicht auf den Köder sondern lächelte sie nur süß an, ohne die kleinen Lichter in diesen dunkelgrünen Augen zu übersehen. Der Abend war sehr angenehm gewesen. Jody hatte erwartet, dass Sam mit Sarah und Megan auskam, aber sie schienen sich wirklich zu mögen, hatten belebte Diskussionen über Reisen durch Europa, etwas das beide, Sarah wie auch Megan getan hatten und sie tauschten Erfahrungen aus und teilten Anekdoten. Sam hatte sich zu einer guten Geschichtenerzählerin entwickelt. Oft benutzte sie beide Hände um ihre Worte zu betonen und ihr Gesicht wechselte ständig den Ausdruck. Sie hatte sie alle regelmäßig in ein heftiges Gelächter versetzt. Jody genoss es sehr, Sam einfach zu beobachten. Und jedes Mal, wenn ihre Augen sich trafen, fühlte sie, wie ihr Herz einen Takt aussetzte und ihr Magen zu flattern begann. Es geschieht wirklich. Grübelte sie, während Megan sich auf eine Geschichte bezog, in die ein alter griechischen Landwirt, ein Esel, Wassermangel und eine Straßenkarte die keinen Sinn ergab, verwickelt war. Ich bin mit Sam hier. Wir sind nach all diesen Jahren hier und wir sind immer noch Freundinnen, gute Freundinnen. Und wieder habe ich mich in sie verliebt. Ich glaube nicht, dass ich jemals aufgehört habe sie zu lieben. Vielleicht hat es deswegen nicht mit Megan funktioniert, mein Herz konnte Sam einfach nicht vergessen. Fühlt es sich so an, wenn man eine Seelenverwandte hat? Nicht fähig zu sein sich jemanden anderem völlig hinzugeben, sogar wenn man nicht mehr zusammen ist? Ist Sam meine Seelenverwandte? Bin ich ihre andere Hälfte? Falls das so ist, bedeutet das, dass wir nicht vollständig ohne die andere sein können? Brauche ich sie? Kann ich ohne sie leben? Nein, das kann ich nicht. Oder, ist es nicht so? Jody spürte wie ein Paar Augen auf ihrem Gesicht ruhten und ließ ihren Blick langsam zu der Quelle wandern. Sam's Augen waren nachdenklich, aber mit einem sehnsüchtigen Lächeln auf ihrem Gesicht erhellten sie sich als ihre Augen sich trafen. Eine Augenbraue war hochgezogen und Jody verstand die unausgesprochene Frage. Kaum merklich schüttelte sie ihren Kopf während sie das Lächeln erwiderte. Nein, ich kann es nicht. Ihre Grübeleien wurden unterbrochen als der Klang eines summenden Handys durch die warme Abendluft hallte. Lucy stand, eindeutig ohne es eilig zu haben, auf und schlenderte zur Küche, wo sie das laute Gerät liegengelassen hatte. "Lass dir Zeit, Schwesterchen," höhnte Jody. "Du willst dich doch nicht überanstrengen." Lucy antwortete nicht, sondern streckte einfach ihre Zunge raus als sie das Haus betrat. Sam grinste und dachte, dass das Leben nie langweilig war, wenn Lucy McDonnell in der Nähe war. Sie unterschied sich so vollkommen von ihrer Schwester, das es sie manchmal noch erstaunte. Sie liebte Lucy und dachte, das es Spaß machte mit der jüngeren Frau zusammen zu sein, aber sie war froh, dass Jody die weichherzigere und liebevollere war. Wenn Jody recht damit hatte, dass ihre jüngste Schwester Fiona so sehr Lucy ähnelte, dann bemitleidete sie ihre Mutter. Lucy war nur für ein paar Minuten im Haus gewesen und als sie wieder herauskam wollte Jody dazu eine Bemerkung machen, aber schluckte sie wieder herunter als sie ihr Gesicht sah. Sämtliche Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen, was ihre dunklen Augen noch stärker betonte. Es war nicht der Kontrast der Farben, was Jody beunruhigte, es war die Leere in ihren Augen, die ihr einen gepeinigten Blick verlieh. Jody fühlte wie ihr Mund trocken wurde, als sie bemerkte das etwas fürchterliches geschehen sein musste. Sie schluckte hart und feuchtete ihre Lippen an. "Lucy, was ist los?" Fragte sie flüsternd. Lucy blickte zu ihrer Schwester und versuchte Worte zu finden, um ihr zu erzählen was geschehen war. Es gab keinen leichten Weg. "Dad hatte gerade einen Herzanfall."
~~~ ENDE - Kapitel 2 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 3 lesen.
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