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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1!
Für die Korrekturlesung danke ich dir Janna. Ich fühle mich nun wie eine wirkliche Schriftstellerin. Und danke dir T., du warst solch eine Inspiration!!
The Reef - Kapitel 3 |
| The Reef Kapitel 3
Die Stille war betäubend. Sam erschien es, als wenn die Welt ihren Atem anhielt und bewegungslos auf etwas oder jemanden wartete, der als Erster diese Stille beendete und Leben in die Szene zurückbrachte. Die Kohlen des nun vergessenen Barbecues waren jetzt fast heruntergebrannt, obwohl eine leichte Brise es manchmal zu etwas Leben erweckte indem sie Funken und Asche in der gusseisernen Form herumwirbelte. Jody's Gesicht kam dem ihrer Schwester in Farbe und Ausdruck gleich, sie sah sehr blass und schockiert aus. Sam sah, wie sich ihre Lippen bewegten, aber es kam kein Ton heraus. Der Kampf sich von dieser lähmenden Wirkung zu befreien, die Lucy's Nachricht auf sie hatte, war eindeutig zu sehen. Ein Wasserfall von Gefühlen lief über ihr Gesicht, variierte von Zweifel zu Realisierung und von Angst zu Schmerz und machte sie so benommen, dass sie Schwierigkeiten hatte klar zu denken. Sam's Herz schmerzte für die Frau, die ihre Augen noch fixierten, sie wusste was Jody und ihre Schwester durchmachten, da ihr Vater vor nicht zu langer Zeit die gleiche schrecklicher Zerreisprobe durchlitten hatte. Aber es gab einen großen Unterschied. Sam und ihr Vater hatten sich nicht entfremdet, und Sam konnte nur versuchen zu verstehen, welchen Effekt die Entfremdung, in dieser Situation, auf ihre Freundin hatte. In einer flüssigen Bewegung verließ Sam ihren Platz, kniete sich neben Jody's Stuhl und bedeckte ihre Hände mit ihren eigenen. Sie waren kalt als sie sie berührte und automatisch fing Sam an sie zu reiben, um etwas Wärme zurückzubringen. Ihre Augen suchten Jody's, aber sie starrten noch ihre Schwester an, und bettelten fast darum, ihre Worte zurückzunehmen, damit sie von dem Alptraum aufwachte in dem sie gefangen zu sein schien. "Jody," drängte Sam mit weicher aber bestimmter Stimme. "Jody, sieh mich an. Du musst versuchen klar zu denken, Honey bitte." Die letzten zwei Worte bekamen ihre Aufmerksamkeit und langsam fanden Jody's Augen den Weg zu Sam's. Die Leere verschwand und wurde von einem unendlich, traurigen Blick ersetzt. "Sam, ich weiß nicht was ich tun soll," gab sie mit einer verletzt und verwirrt klingenden Stimme zu. Sam's beruhigender Griff festigte sich und ohne Jody's Hand loszulassen, wandte sie sich an Lucy. "Was ist passiert, Lucy?" Lucy rieb sich mit beiden Händen ihr Gesicht und während sie an das gerade geführte Gespräch mit ihrer Mutter zurückdachte, versuchte sie das Chaos in ihrem Gehirn zu ordnen. "Ähm... Mom hat angerufen, und... ähm... Dad, nun," tief Luft holend beschloss Lucy sich zusammenzunehmen. "Mom rief vom Krankenhaus an," fuhr sie fort. "Anscheinend hatte Dad einige Arbeiten am Haus erledigt als er plötzlich zusammenbrach. Jeff Wilkins, ein Freund von ihm, hatte ihm geholfen," erklärte Lucy, "und er hat ihn wiederbelebt während Mom die Ambulanz angerufen hat. Sie haben ihn nach Tweed Heads geflogen und im Moment ist er in der kardiologischen Intensivabteilung." "Ist... wird er es... schaffen?" Fragte Jody ängstlich. "Mom konnte noch nichts sagen," antwortete Lucy zögernd, nur um dann langsam zu begreifen was das bedeuten könnte. Sich plötzlich sehr kalt fühlend fing sie an zu zittern und begrüßte die warme Berührung von Megan's Hand auf ihrer Schulter. "Mom will, dass wir hinkommen," fügte sie hinzu und wich zurück als sie den Schmerz in den Augen ihrer Schwester sah. "Ich weiß nicht, was ich tun soll," flüsterte Jody. "Ich kann im Augenblick nicht klar denken. Ich brauche etwas... ich muss zu..." Völlig überraschend für Sam, sprang sie plötzlich auf und rannte zur Rückseite des Hauses. Sam sah wie Lucy hinter ihrer Schwester hergehen wollte, doch sie hielt sie mitten in ihrer Bewegung auf. "Nein, lass mich mit ihr reden." Während sie an Lucy vorbeiging berührte sie kurz ihre Schulter und ging in die Richtung, in die Jody verschwunden war, durch den Einsatz ihrer langen Beine, hatte sie schnell die Entfernung überbrückt. Sie war über ihre Freundin besorgt, da sie sehr genau die komplizierte Situation verstand, in der sie sich befand. Sam spürte einen Schmerzensstich als ihre Augen Jody erblickten, die mit hängenden Schultern auf der Veranda stand, ihre Hände waren zu Fäusten geballt und sie sah sehr zerbrechlich und verwundbar aus. Sie war tief in Gedanken versunken und bemerkte Sam's Gegenwart erst, als die andere Frau hinter ihr stand, ohne ein Wort zu sagen ihre Arme um sie legte und sie in eine tröstende Umarmung zog. Seufzend lehnte sich Jody zurück, legte ihren Kopf gegen Sam's Schulter, schloss ihre Augen und wünschte sich verzweifelt sie könnte die Welt außen vor lassen, so dass nur sie beide sich eng festhaltend übrig blieben. Sam spürte wie sich Jody's Körper in ihren Armen entspannte und zog sie noch näher an sich, legte, immer noch nichts sagend, ihre Wange auf dem Kopf der kleineren Frau und ließ ihren Körper für sie sprechen. Als Jody ihren Kopf leicht neigte, streiften Sam's Lippen eine weiche Stirn und sie inhalierte den Duft von Shampoo und Eternity. Es war eine Süße, die nur Jody eigen war, und trotz der dramatischen Situation konnte Sam spüren wie ihr Herz schneller schlug als sich ihr Körper an die Nähe erinnerte, die sie einmal geteilt hatten. Jody muss den gleichen Gedanken gehabt haben, da sie zufrieden seufzte und es schaffte sich sogar noch näher an sie zu kuscheln, woraufhin ein kleines Lächeln auf Sam's Gesicht erschien. "Bequem?" Dröhnte ihre Stimme in Jody's Ohr. Als Antwort bedeckte die andere Frau mit ihrer kleineren Hand Sam's und rieb mit ihrem Daumen über die Haut. Wie könnte es das nicht sein? Mein Gott, Sam, noch vor einer Woche war ich mit meinem Leben, so wie ich es führte, zufrieden. Natürlich habe ich nie vergessen, dass mein Vater mich verleugnete, aber die Jahre hatten etwas von der Schärfe genommen. Aber nun bist du in mein Leben zurückgekommen, und ich weiß, dass ich einfach nicht mehr so leben kann wie vor einigen Tagen. Sam, ich brauch dich in meinem Leben. Nun, da ich dich wieder gesehen, mit dir gesprochen und deine Berührung gespürt habe, kann ich dich nicht einfach wieder gehen lassen. Ich habe solche Angst davor. Was wird geschehen wenn du gehst? Wer wird mir die Kraft geben? Wer wird mich trösten? Mich halten? Ich will dich, Sam, nur dich. Oh Gott, warum tut das so weh? Eine kleine Träne entfloh Jody's Auge und lief an ihrer Wange herunter, bevor sie, Sam alarmierend, auf Sam's Handrücken fiel. Sie löste ihren Griff, weil sie die andere Frau herumdrehen wollte, aber Jody schüttelte ihren Kopf, da sie den Kontakt noch nicht brechen wollte. "Halt mich einfach, Sam," flüsterte sie. Es fühlt sich so warm und geborgen an. Schweigend willigte Sam ein, wenn Jody zu halten, das Einzige war mit dem sie ihrer Freundin helfen konnte, dann würde sie es mit Freuden, solange tun wie sie es brauchte. Nach einer langen Zeit in der sie Kraft aus Sam's warmer Gegenwart zog, fing Jody schließlich an zu reden. "Das Leben ist seltsam, oder nicht?" Grübelte sie. "Als ich klein war, war ich Daddy's kleines Mädchen. Er gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Und wann immer er zu Hause war, folgte ich ihm wie ein Welpe. Daddy wusste einfach alles. In meinen Augen war er allmächtig, es gab nichts was er nicht konnte und ich verehrte ihn einfach. Das alles änderte sich, als Matthew geboren wurde. Es war kein Geheimnis, das Dad immer einen Sohn haben wollte. Ich war drei Jahre alt, als Matt kam, und ab da fing er an seine Aufmerksamkeit größtenteils auf ihn zu richten. Aber das war in Ordnung für mich, Matt war ein solch niedliches Baby und ich betete ihn an. Meinen kleinen Bruder gut zu versorgen brachte mir Dad's Anerkennung, und ich war wirklich sehr stolz, als er mir sagte, wie großartig ich mich um den Familienerben kümmern würde. Auf eine Art gab mir dies, das Gefühl immer noch Daddy's kleines Mädchen zu sein." Gedankenverloren hielt Jody einige Augenblicke inne und Sam wartete geduldig das sie fortfuhr. "Vor fast neun Jahren änderte sich meine ganze Anschauung. Ich sah meinen gottesfürchtigen Vater nicht mehr wie ich ihn mein ganzes Leben gesehen hatte, er war so aufbrausend und schroff." Seufzte Jody in ihren Gedanken verloren. "Es ist gut, dass du nicht da warst, Sam. Das zu erleben war keine schöne Sache." Sam gab darauf keine Antwort, sonder schweifte mit ihren Gedanken zu dem kleinen Krankenzimmer zurück, indem sie für drei Wochen bleiben musste und dort an die Decke starrte während ihr Leben zum Stillstand gekommen war. Jeder Morgen brachte einen neuen Tag voller Hoffnung und endete am Abend mit Enttäuschung. Das endlose Warten nagte an ihrer Stärke, fraß schließlich jeden Glauben auf und verlassen und mit gebrochenem Herzen realisierte sie, dass David McDonell recht behalten hatte. Jody würde nicht kommen.
Sam schluckte den Kloß in ihrer Kehle herunter, als sie sich an den ganzen erlittenen Schmerz erinnerte und realisierte, dass alles nur Lug und Trug gewesen war. Schaden und Angst. Sie spürte wie die Wut in ihrer Brust aufwallte, als sie sich vorstellte, wie David McDonnell seine Familie angelogen hatte als er Sam's plötzliches Verschwinden erklärte. Dem Gram, den er seiner ältesten Tochter bereitet hatte. Diejenige, die sie, solange sie lebte nicht mehr sehen sollte. Diejenige, die sie jetzt tröstend an ihren Körper gekuschelt hielt und zufrieden seufzte. Auf Jody herunterblickend, fühlte Sam, wie die Wut verrauchte und ihr Körper entspannte. Sie ist hier David, bei mir. Es gibt nichts was du tun kannst, um uns wieder zu trennen. Niemals. Das schwöre ich. Warum kannst du uns nicht akzeptieren wie wir sind? Oder glaubst du wirklich, dass wir solche Monster sind? Ich würde gerne mit dir reden, Mr. McDonnell. Dir etwas über Liebe und Akzeptanz erzählen. Über Ignoranz und Hass. Und ich habe eine sehr wichtige Frage an dich: Warum? "Du bist furchtbar ruhig," unterbrach Jody's Stimme ihre Grübeleien. "Einen Penny für deine Gedanken." "Pfennigfuchser," antwortete Sam flachsend. "Mehr konntest du nicht auf die Seite legen? Du verstehst, mit der Inflation und all dem dachte ich..." "Halt die Klappe, Sam," lächelte Jody liebevoll. Sie hatte sich umgedreht und ihre Arme umschlangen fest den großen Körper ihrer Freundin, ihr Kopf lag bequem auf der Anschwellung ihrer festen Brüste, während ihr Ohr einen starken, regelmäßigen Herzschlag wahrnahm. Es war der besänftigenste Ton, den sie jemals gehört hatte. "Ich habe an deinen Vater gedacht," erklärte Sam während sie abwesend mit ihren Fingern durch lange, rote Locken fuhr und sie um ihre Finger wickelte. "Das muss für dich alles sehr schwierig sein." "Mm, das ist es," antwortete Jody, ihre Augen schließend. "Aber ich glaube, ich weiß was ich tun muss. Wenn ich hier bleibe, würde ich wahrscheinlich Mom enttäuschen, aber wenn ich dort hingehe und Dad findet es heraus, wird er wirklich wahnsinnig, also denke ich, dass im Moment keins von beidem eine gute Entscheidung ist, aber ich vermute, dass uns Mom braucht. Ich weiß, dass sie sich nie gegen Dad erhoben hat, aber du kennst ihn, er hätte das niemals akzeptiert. Und Mom ist auch sehr religiös, sie glaubt, dass Frauen ihren Ehemännern unterworfen sind. Sie würde ihn in der Öffentlichkeit nie in Frage stellen." Jody atmete frustriert aus. "Aber sie hat mich nie aufgegeben. Wir sehn uns nicht sehr oft, aber sie nahm eine Menge Mühe in Kauf um mich zu finden, als ich an die Küste gegangen bin. Sie hatte das alles hinter dem Rücken meines Vaters gemacht. Sie braucht mich nun, Sam, deswegen möchte ich für sie da sein. Ich tu' das nicht für meinen Vater, nur für Mom." "Das verstehe ich," antwortete Sam. "Aber was ist mit deinem Vater? Wenn jemand erwähnt, dass du da bist, könnte er wirklich ausrasten." "Wir müssen einfach sicherstellen, dass es ihm niemand sagen wird, oder nicht?" Antwortete Jody mit einem Vertrauen, dass sie nicht empfand. "Deine große Klappe spricht da aus dir," erkannte Sam sofort. "Aber das geht für mich klar." Damit sie ihr in die Augen sehen konnte, legte ihre Finger unter Jody's Kinn und hob ihr Gesicht an. "Sei nur ehrlich mit dir selbst, Jody," forderte sie und Jody konnte die Besorgnis in ihrer Stimme hören. "Du brauchst dort nicht in voller Rüstung zu erscheinen, aber eine kleine Vorsichtsmassnahme würde nichts schaden." Jody versuchte nicht Sam's Augen auszuweichen, die in dem Licht des aufsteigenden Mondes beinahe durchsichtig waren. Sie standen mit dem Bewusstsein, das dieser wiedererlangte, zerbrechliche Frieden, in wenigen Stunden wieder zerstört sein konnte, einfach nur da. Sie hatten das Bedürfnis die Harmonie des Augenblicks in sich aufzusaugen und in ihrem Gedächtnis zu verankern, damit ihre Seelen davon zehren konnten, wenn sie es brauchten. "Ich möchte, dass du mit mir gehst," erklärte Jody schließlich ein wenig zögernd. Es überraschte Sam nicht. Sie hatte diese Frage erwartet. Wenn die Dinge umgekehrt wären, hätte sie sie in der Tat um das Gleiche gebeten. "Das werde ich," antwortete sie. "Aber ich werde Draußen bleiben. Ich verspreche, dass ich da sein werde, wenn du mich brauchst, aber ich kann die Autorität deines Vaters nicht vollkommen missachten. Das wäre nicht richtig. Mit zu deiner Familie hineinzukommen, würde das bedeuten." "Wenn er dich jemals so gesehen hätte wie du wirklich bist, Sam," flüsterte Jody dankbar. "Du bist so unglaublich ehrlich und anständig." "Er hat, genau wie ich auch seine Überzeugungen," erklärte Sam. "Ich kann nicht erwarten das er mich respektiert, wenn ich ihm nicht den gleichen Respekt zeige." Jody beugte ihren Hals nach hinten und schaute in Sam's nachdenkliches Gesicht. Ihre Augen wurden weicher als sie Jody's warmenherzigen Blick fing. Jody's Augen spiegelten die Zuneigung wieder, und sie beide fühlten eine so starke Verbindung zueinander, als ob sie durch reißfeste Fäden gesponnen war, die sich bei jedem Herzschlag enger zusammenzogen. Lächelnd senkte Sam ihren Kopf und streifte Jody's Lippen mit einem flüchtigen Kuss, worauf beide durch den unerwartet elektrisierenden Kontakt keuchten. Jody's Hand glitt hinter Sam's Genick um sie für eine festere Liebkosung näher zu ziehen, als sie hörte wie sich jemand hinter ihr räusperte. "Verdammt," murmelte sie, durch die Störung leicht verärgert. Sie drehte sich um und sah ihre Schwester, die sich eindeutig unbehaglich fühlend, einige Ringelblumen im Blumenbeet neben ihren Füssen studierte. "Lucy, bist du in Ordnung?" Fragte Jody, die nicht gewohnt war ihre Schwester so bescheiden zu sehen. "Ähm... klar... es ist alles in Ordnung. Ich... ähm... bin gekommen um nach dir zu sehen, aber wie ich sehe... bist du irgendwie... beschäftigt." Sam's extrem gutes Gehör überhörte den leichten Humor in ihrer Stimme nicht und sie kicherte leise. "Es ist okay, Luce," antwortete sie und rieb dabei zärtlich über Jody's Rücken. "Wir wollten sowieso gerade zurückkommen. Oder nicht?" Sicher, genau! Ich wollte dich gerade besinnungslos küssen. Jody nickte und machte sich bereit zurückzugehen, aber ein fester Griff stoppte sie. Mit einem verdutzten Blick schaute sie auf um zu sehen, dass Sam lächelte. "Das war jetzt das zweite Mal," sagte sie ironisch. "Beim dritten Mal haben wir Glück, in Ordnung?" "Darauf kannst du wetten," antwortete Jody entschlossen und sah nicht wie Sam's Lächeln breiter wurde. Sie folgten Lucy zu Megan und Sarah zurück, Sam hatte ihren Arm um Jody gelegt und beide versuchten den körperlichen Kontakt so lang als möglich zu halten.
"Ich hab dir gesagt, dass niemand zu Hause ist." "Aber, wie kannst du das wissen? Sie könnten... ich weiß nicht, schlafen oder so." "Hör mir zu Fred," der große Mann drehte seinen Kopf, um sein Begleiter anzusehen, es war ein jüngerer Mann, Anfang zwanzig, der nicht versuchte seine Ungeduld zu verbergen. "Sie ist nicht zu Hause. Hast du das kapiert?" "Was ist mit der Holländerin? Joe glaubt, dass sie sich kennen. Sie könnte vorbeikommen. Woher willst du wissen, dass sie es nicht tut? Heh?" "Weil ich mein Gehirn benutze, du Drongo. Du solltest es auch manchmal versuchen und diese Kängurus in deiner oberen Pferdekoppel loswerden. Ich werde es dir noch mal erklären: Sie ist aus dem Hotel ausgezogen und übernachtet hier, heute abend sind sie zusammen fortgegangen. Sie sind noch nicht zurückgekommen, also, werde ich in dieses Apartment gehen und du bleibst hier, halt deine Augen offen und lass mich wissen, wenn sie zurückkommen. Drück die Kurzwahltaste auf dem Telefon, lass es zweimal klingeln und leg dann auf. Glaubst du, dass du das hinkriegst?" "Natürlich kann ich das," antwortete der jüngere Mann sichtlich beleidigt. Klein Steven verließ den Wagen und überquerte die Strasse. Es war beinahe drei Uhr morgens, aber es gab noch ein wenig Verkehr. Er wusste, dass er vorsichtig sein musste. Das Schloss vom Haupteingang musste schnell aufgebrochen werden, so dass ihn niemand mit seinen Werkzeugen bemerkte. Er hatte über seine Fähigkeiten ein großes Selbstbewusstsein. Seit er ein junger Bursche war, hatte er Einbrüche begangen. Er war über die Leichtigkeit in der er in Gebäude hereinkam immer noch erstaunt, weswegen er auch der Öffner genannt wurde. Der Haupteingang von Jody's Apartment machte keine Ausnahme. Er brauchte fünfundzwanzig Sekunden um die Tür zu öffnen. Ohne ein Geräusch zu machen ging er seinen Weg zu der Tür die er suchte. Innerhalb weniger Sekunden war er Drinnen, nahm eine Taschenlampe aus seiner Tasche, und sorgfältig das Fenster meidend durchsuchte er gründlich den Ort.
Es war fast 22.00 Uhr als sie Megan und Sarah mit dem Versprechen verließen, dass sie am nächsten Tag anrufen würden. Lucy wollte fahren und Sam war dabei auf dem Rücksitz des Wagens zu klettern als Megan sie stoppte. Ein Paar dunkle Augen hatten sie flehend angeblickt und Sam hatte nur genickt. "Ich werde mich um sie kümmern. Ich verspreche es," hatte sie gelächelt, was ihr eine herzliche Umarmung von der anderen Frau einbrachte. "Wir rufen euch morgen an und teilen euch mit, wie die Dinge stehen." Weniger als eine Stunde später parkte Lucy den Wagen neben dem Eingang vom Tweed Heads Hospital. Sich plötzlich sehr unsicher fühlend wandte sie sich hilfesuchend an ihre Schwester. Sie streckte eine Hand aus und ergriff Jody's, die als Erwiderung ihre Hand drückte. "Bist du bereit dafür?" "Ich glaube, dass ich das nie sein werde," antwortete sie nervös. "Aber wir gehen jetzt besser. Bist du sicher das du zurechtkommst, Sam?" Sam lächelte beruhigend, während sie mit ihrem Kopf nickte. "Mach dir wegen mir keine Sorgen, es wird mir gut gehen, wirklich. Ich bleibe einfach hier und werde nirgendwo hingehen. Wenn du mich brauchst, dann weißt du, wo du mich finden kannst." "Es könnte sein, dass wir länger wegbleiben," wandte Jody ein, die gar nicht glücklich darüber war, Sam in der Dunkelheit ganz allein im Wagen zurückzulassen. "Ich bin ein großes Mädchen, Jody. Falls ich müde werde, kann ich schlafen, aber ich denke nicht das das geschieht. Vergiss nicht, dass ich mein Laptop mitgenommen habe. Ich werde ein paar Nachforschungen anstellen, also, mach dir keine Sorgen um mich." "Klar, lass sie mit ihrem Spielzeug allein, Schwesterherz," blödelte Lucy warmherzig. "Lass uns zu unserer Familie gehen." "Viel Glück." Sam lächelte Jody an, legte eine Hand auf ihre Schulter und drückte sie liebevoll. Augenblicklich legte Jody ihre Hand auf ihre und erwiderte den Druck. "Denk daran, ich werde hier warten." "Ich werde es nicht vergessen," versprach Jody während sie mit ihren Lippen Sam's Knöchel streifte. Sie öffnete die Tür und stieg aus. Ihre Augen verschmolzen für einen weiteren Augenblick, bevor sie sich zu ihrer Schwester gesellte, die geduldig auf sie wartete. Arm in Arm gingen sie langsam zum Eingang. "Jody!" Ein hagerer, rothaariger Teenager kam den langen Flur entlanggerannt und warf sich in die Arme ihrer älteren Schwester. "Hallo, Rote," begrüßte Jody sie warmherzig während sie sie eng an sich drückte. "Wie geht's dir?" Ihre jüngste Schwester antwortete nicht, doch Jody konnte spüren wie sie mit ihren Schultern zuckte, also hielt sie sie einfach und strich ihr das zerzauste Haar von der Stirn. "Mom wartet auf euch beide," erzählte sie ihnen schließlich und grinste Lucy dabei an, die gutherzig zurückgrinste. Außer der Haarfarbe, den Sommersprossen und dem Altersunterschied hätten sie Zwillinge sein können. Beide hatten die gleichen dunkelgrünen Augen und die gleichen Gesichtsmerkmale, aber gegenüber Lucy's dunklen Haaren und ihrer makellosen Haut, waren Fiona's Haare rot und ihr Gesicht gesprenkelt. Die Ähnlichkeit war jedoch frappierend. "Dann gehen wir besser zu Mom, wie?" Schlug Jody vor und legte ihre Arme um die Schultern ihrer Schwestern. "Sind Matt und Vogel schon da?" "Matt ist schon seit einer Ewigkeit hier, Vogel ist vor ungefähr fünfzehn Minuten angekommen," erzählte ihnen Fiona während sie ihre Wange an Jody's Oberarm rieb. "Grosse Zusammenkunft, wie?" Das war etwas, was Lucy gesagt haben könnte und Jody konnte hören wie Lucy trotz der Umstände ein Kichern unterdrückte. Sie schoss einen warnenden Blick zu ihr, dass sie Fiona nicht bestärken sollte. Lucy biss sich auf ihre Lippe und versuchte reuevoll auszusehen, sie scheiterte aber jämmerlich. "Ihr Zwei seid euch so furchtbar ähnlich," seufzte Jody während sie die Tür zur kardiologischen Intensivstation öffnete. Sie stärkte sich mental auf die bevorstehende Konfrontation mit ihrer Familie, ohne zu wissen, ob sie über Sam's Gegenwart schweigen konnte. Ihre Familie hatte, seit Sam vor acht Jahren gegangen war, nicht mehr über ihre Freundin gesprochen. Jody erspähte ihre Mutter und ihre drei Brüder in einem Wartebereich, sie sahen besorgt und unbehaglich aus. Sobald Joan McDonnell ihre Töchter sah, sprang sie auf. "Jody, Lucy, ich bin so froh, dass ihr hier seid," schniefte sie mit Tränen in ihren Augen. Ein näherer Blick sagte Jody, dass ihre Mutter geweint haben musste, weil ihre Augen geschwollen waren, und der Prozess durch den sie die ganze Nacht gegangen war, hatte seine Spuren hinterlassen, er hatte Furchen und Falten auf ihr ansonsten jungendlich aussehendes Gesicht hinzugefügt. "Ich konnte nicht fortbleiben, Mom," flüsterte Jody in ihr Ohr und ihr Herz wurde schwer als sie den Schmerz ihrer Mutter sah. "Gibt es irgendwas das ich für dich tun kann?" "Du bist hier." Lächelte ihre Mutter mit verweinten Augen. "Das ist mehr als ich von dir erbitten konnte." Joan McDonnell wandte sich an Lucy während Jody zu ihren Brüdern blickte. Sie waren alle groß, genau wie ihr Vater. Matthew und Michael sahen sich mit ihrem dunkelblonden Haar und den hellblauen Augen ähnlich. Sie hatten einen verdrießlichen Gesichtsausdruck, aber Gerald strahlte als er seine Schwester erblickte. "Hey, Jo," begrüßte er sie warmherzig und nahm sie in eine Bärenumarmung. "Gut, dass du gekommen bist. Es muss hart für dich gewesen sein." Ohne zu antworten nickte Jody einfach und schluckte heftig, um den Kloß in ihrer Kehle loszuwerden. Ihr Bruder muss ihre Traurigkeit gespürt haben, da er sie eng an sich hielt und langsam vor und zurück wiegte, um ihr soviel Trost zu geben wie ihm möglich war. "Besser?" Fragte er nach einer kleinen Weile. Jody lächelte ihn dankbar an und klopfte ihm auf die Schulter. "Danke, Ger," flüsterte sie heiser. "Wie geht es Dad?" "Du hast den Herzspezialisten gerade verpasst, Jo. Sie haben alle Arten von Tests gemacht und er wartet auf die Resultate des Letzten. Er sagt, dass Dad wieder gesund wird. Und das Gute ist, dass er wahrscheinlich nicht operiert werden muss. Sein Kaliumspiegel war wirklich niedrig. Du musst wissen, dass Kalium ein wesentliches Mineral für das Herz ist. Ein Mangel daran kann wirklich Probleme verursachen. Außerdem weicht sein Cholesterinwert von den üblichen Werten ab, somit sollte er einige Dinge reduzieren, einschließlich den köstlichen Lamingtons und den bevorzugten Fisch und Chips." "Das ist nicht komisch, Ger," bemerkte Matthew seinem Bruder einen düsteren Blick zuwerfend. "Ich weiß das," antwortete Gerald unbeeindruckt. "Aber er wird es überleben, oder nicht? Ich weiß, dass dies hier eine nicht gerade fröhliche Situation ist, aber es ist nicht so schlimm wie es aussieht. Du hast gehört wie Dr. Parks gesagt hat, dass er wieder gesund wird." "Essen ist nicht das einzige was er reduzieren soll," höhnte Matthew zu Jody blickend, die innerlich seufzte. Sie wollte ihm gerade antworten, aber Lucy kam ihr zuvor. "Was soll das heißen?" Matthew trommelte nervös mit seinen Fingern auf die Armlehne seines Stuhls. "Dad wird einen Anfall kriegen, wenn er herausbekommt, dass Jo hier ist," sagte er, unfähig in die traurigen Augen seiner Mutter zu blicken. "Er soll Stress vermeiden, also..." "Also, wird es ihm niemand sagen, richtig?" Unterbrach ihn Lucy. "Sie ist in erster Linie nicht wegen Dad gekommen, kleiner Bruder, sie ist wegen Mom gekommen, und komischerweise auch für dich. Du könntest ein wenig mehr Anerkennung zeigen, verstehst du. Ich glaube..." "Lucy, es ist in Ordnung," mischte sich Jody ein. "Matthew hat recht, das Letzte was Dad jetzt braucht ist Stress." Sie schaute zu ihrem Bruder. "Matt, ich hoffe du verstehst, das ich ihm keinen Stress geben wollte. Er will mich nicht sehen und ich respektiere das." "Es geht nicht gegen dich, Jo, es ist dein Lebensstil," versuchte der sechzehnjährige Michael seinen Vater zu verteidigen. "Ich bin sicher, dass er dich nicht... ich meine, du bist seine Tochter, also..." Jody lächelte zu ihrem jüngsten Bruder, da sie es würdigte, dass er versuchte seinen Vater zu verteidigen ohne dabei ihre Gefühle zu verletzen. Er war ein freundlicher, höflicher Mensch, mit einer Menge Respekt für seinen Vater und einer Menge Liebe für seine Schwester, was es ihm äußerst schwer machte mit der Situation fertig zu werden. Er wollte seinen Vater nicht missfallen, aber er würde seine Schwester niemals verletzen wollen. Mein Lebensstil. Klar, ich bin ein schlechtes Vorbild, Dad, die Vorstellung jemanden auf diese Art zu lieben wie ich Sam liebe, das ist ein Kapitalverbrechen, oder nicht? Gott, es war das beste Gefühl das ich jemals hatte! Und alles ist wieder zurückgekommen. Ich könnte sie nie mehr aufgeben, auch nicht für meine Familie und du weißt das, darum hast du uns damals auch auseinandergebecht, oder nicht? Du hasst es zu verlieren, Dad, das hast du immer getan. Aber ich kann dir eines sagen, du wirst diesmal nicht gewinnen. Niemals! Draußen, nur einige Meter von hier entfernt, wartet sie auf mich. Was würdest du machen, wenn du es herausfindest? Ich sage es besser nicht, wie? Aber sie wartet auf mich... dein Plan hat nicht funktioniert, Dad, wir sind in dem Leben des anderen zurück und ich bin entschlossen, dass es so bleibt. Und falls ich den Blick in Sam's Augen richtig deute, dann ist es bei ihr genauso. Ich hoffe ehrlich, dass es dir bald besser geht, Dad, weil ich mir sicher bin, dass du das über uns herausfinden wirst. Vielleicht lehrt dich die ganze Sache etwas über die Realität des Lebens. Und das wir die kurze Zeit, die wir zur Verfügung haben, mit dem Tun von positiven Dingen verbringen sollten. Zum Beispiel sich gegenseitig umeinander kümmern. Ich bin bereit, dir auf halber Strecke entgegenzukommen, aber ich werde Sam niemals wieder aufgeben. Ich kann es nicht.
Sam hatte auf dem Vordersitz Platz genommen, um soviel Raum wie möglich für ihre langen Beine zu bekommen und fütterte ihren Laptop mit der Mikrodisk. Innerhalb weniger Augenblicke erschienen Zahlenreihen auf ihrem Bildschirm. Oberflächlich mit ihren Augen überfliegend suchte sie nach Unregelmäßigkeiten, die sie nicht fand. "Das wäre auch zu einfach gewesen," murmelte sie zur Anfangsseite zurückgehend. Entschlossen pflügte sich Sam durch die endlosen Zahlenreihen. Ab und zu musste sie ihre Augen reiben, um die Verschwommenheit wegzuwischen, aber sie gab nicht auf. Irgendetwas stimmte dort nicht. Als sie wieder ans Ende der Liste kam, erkannte sie es plötzlich. Einige der Zahlen hatten eine seltsame Ähnlichkeit. Sam war mit dem Gebrauch von registrierten Personalnummern vertraut, sie hatte selbst eine. Es war eine Nummer, die für jeden Arbeitnehmer einzigartig war, da sie aus dem Monat und dem Jahr des Anstellungsvertrages, dem Geburtsdatum und einem Kode bestand, der das Geschlecht identifizierte. Es war fast unmöglich, das zwei Leute, die am gleichen Ort arbeiteten, die gleiche Personalnummer hatten. Oder doch? Sam's scharfe Augen bemerkten fünf unterschiedliche ID-Nummern die beinahe gleich waren. Zwei von ihnen hatten einen anderen Monat und Vertragsjahr, aber alle hatten das gleiche Geburtsdatum. "Da's vreemd, [Das ist seltsam] " brummte sie in ihrer Muttersprache. "Was geht hier vor sich? Einstellung von Drillingen?" Sam's Augenbrauen zogen sich zusammen, als sie, beim Vergleichen der Daten und Beträge, versuchte zu verstehen was sie bedeuteten. "Ich wünschte ich hätte deinen Verstand für Zahlen, Bruder," seufzte sie an Tom denkend. "Ich könnte jetzt deine Hilfe gebrauchen, aber ich vermute, dass ich geduldig sein muss. Ich hoffe du kontrollierst am Samstagmorgen deine E-Mails."
"Hey Jo, bist du in Ordnung?" Gerald stieß seine Schwester in die Rippen, und Augen in der gleichen Farbe wie ihre suchten in ihrem Gesicht nach Zeichen von Unbehaglichkeit. "Was... ähm... nein, ich habe nur nachgedacht," erwiderte sie hastig. Ihr Blick wurde von Lucy's gefangen und ihre Schwester blinzelte, was sie beinahe erröten ließ. "Müssen sehr schöne Gedanken gewesen sein," flüsterte Gerald. "Es ist sehr lange her, dass ich deine Augen so leuchten gesehen habe." Ohne ihren internen Konflikt verbergen zu können sah Jody zu ihrem jüngeren Bruder. Sie wusste, dass Gerald Sam immer gemocht hatte und als sie... verschwand, hatte ihn das furchtbar betroffen gemacht. Aber ihm zu sagen, dass Sam zurückgekehrt war, bedeutete den Zufall zu steigern, dass es ihr Vater mit allen nachfolgenden Konsequenzen herausbekommen könnte. Du kannst sie nicht ewig verstecken, außerdem ist Ger nun erwachsen, er ist kein vierzehnjähriges Plappermaul mehr. Du solltest ihm vertrauen. Er ist fähig seinen Mund zu halten. Unbewusst wanderten Jody's Augen zu Lucy, die sie mit lebhaftem Interesse beobachtete. Ihre Augen trafen sich und wortlos sprachen sie miteinander. Beinahe unwahrnehmbar nickte und blinzelte Lucy. "Ich brauch etwas frische Luft," bemerkte Jody. "Kommst du mit, Ger?" Mit der Gewissheit das ihr Bruder ihr folgen würde, war Jody bereits auf ihren Füssen, was er auch tatsächlich tat. Sie verließen den Wartebereich ohne zurückzusehen und Jody vertraute Lucy's Fähigkeiten den anderen ihren Abgang zu erklären. "Was ist los, Schwesterherz?" Drängte sie Gerald, der durch das Schweigen seiner Schwester beunruhigt wurde. "Du wirst es sehen," lächelte sie. "Gedulde dich." Gerald war ehrlich verwirrt und folgte seiner Schwester, sich ihrem Schritt anpassend, nach draußen. Die Schiebetüren öffneten sich mit einem Zischen und die warme Abendluft wehte durch ihre Haare. Wortlos ging Jody zu einem Wagen, den Gerald als Lucy's erkannte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen als er jemanden auf dem Rücksitz erspähte. "Jody was ist..." Mit einem Handzeichen brachte sie ihn zum Schweigen und öffnete die Wagentür. Sie streckte ihren Kopf herein und sagte etwas, was Gerald nicht verstehen konnte. Als er zurückschritt konnte er sehen wie ein paar lange Beine erschienen, denen der Rest des Körpers folgte. Die Frau streckte sich um ihre lange Gestalt in Form zu bringen und als sie sich herumdrehte hielt Gerald den Atem an. "Sam," schaffte er mit weit aufgerissenen grünen Augen zu flüstern. "Sam. Bist du es wirklich?" Die Blicke die die zwei Frauen austauschten, sagten ihm alles was er zu wissen brauchte. Zwei Schritte brachten ihn nahe an Sam und ohne sich über seine Tränen zu schämen, die an seinen Wangen herunterliefen, warf er stürmisch seine Arme um sie. Sam hatte solch einen Gefühlsausbruch nicht erwartet und während es ihr schwerfiel ihre eigenen Tränen zurückzuhalten, erwiderte sie dankbar die Umarmung. "Ich bin es, Vogel," lächelte sie seinen Kosenamen benutzend. "Ich bin zurück." "Aber wie?" Würgte Gerald hervor während er ungeduldig seine Augen wischte. "Wann bist du...? Ich bin ganz aus dem Häuschen, Sam, das bin ich wirklich, aber ich verstehe es nicht." "Beruhige dich, Bruder," lachte Jody, der gefiel wie offen Gerald seine Freude zeigte und klopfte ihm auf die Schulter. "Wir werden dir die ganze Geschichte erzählen, aber wir können nicht solange hier draußen bleiben, da sie sonst eine Suchmannschaft nach uns losschicken. Also hier ist eine Kurzfassung..." In kurzen Worten erzählte ihm Jody den Grund warum Sam ins The Reef gekommen war, wie sie ineinandergerannt sind und welche Missverständnisse dazu geführt hatten, dass sie sich vor langer Zeit getrennt hatten. "Was für Missverständnisse?" "Nun ist nicht die richtige Zeit dafür, Ger," antwortete Sam. "Das muss für jetzt reichen. Ich verspreche, dass wir dir die ganze Version später erzählen werden. Okay? Jody hat recht, ihr könnt nicht solange draußen bleiben. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt um eure Familie zu verärgern. Wie geht's eurem Vater?" Jody erzählte ihr schnell was der Arzt gesagt hatte und Sam war aufrichtig erleichtert zu hören, dass David McDonnell wieder gesund werden würde. Sie lächelte Jody an und strubbelte spielerisch durch ihr Haar, was ihr einen Stoss in die Rippen einbrachte. Gerald beobachtete sie mir einem riesigen Lächeln auf seinem Gesicht, während er immer noch versuchte zu verstehen was gerade geschehen war. Er hoffte, dass seine Schwester endlich etwas Glück finden würde. Sie hatte es, nach all dem was sie durchgemacht hatte, verdient. "Ich werde wieder reingehen," sagte er, da er ihnen etwas Zeit alleine geben wollte. "Zuerst werde ich für einen Schnitt gehen, mir eine Tasse schnappen und alles wird fein sein. Macht euch keine Sorgen, nicht einer wird etwas bemerken," versicherte er, bevor er sich rumdrehte und verschwand. "Ich habe beinahe Angst zu fragen," kicherte Sam als sie zusah wie sich die Schiebetüren hinter Jody's großem Bruder schlossen. "Er geht für einen Schnitt? Ich glaube nicht, das ich das verstehe." "Er geht auf die Toilette," erklärte Jody grinsend. "Ger mag seinen Slang sehr, oft bemerkt er nicht mal das er ihn benutzt. Mom hasst es, wenn er das macht, wahrscheinlich, weil sie die Hälfte von den Ausdrücken mit denen er ankommt nicht versteht." "Wie kommst du zurecht? Machen sie es dir schwer?" "Es ist nicht ganz so schlimm," antwortete Jody. "Matt ist ein wenig griesgrämig, aber das hatte ich sowieso erwartet. Allerdings waren Mom und die anderen glücklich mich zu sehen. Wie gewöhnlich, wird Matt darüber hinwegkommen. Er ist nur besorgt, dass sich Dad wirklich aufregt, wenn er erfährt, dass ich hier bin." Sam lehnte sich mit ihren Händen tief in ihren Hosentaschen vergraben lässig gegen den Wagen, da sie ansonsten Angst hatte Jody in eine Umarmung zu ziehen. Ihre Augen wanderten über ihre Freundin, die so nah stand, dass sie die Wärme ihrer Haut spüren konnte. Mit halbgeschlossenen Augen inhalierte sie Jody's Duft, der sie mit einem beinahe hedonistischen Vergnügen daran erinnerte wie gut sich der kleinere Körper in ihre Arme einfügte und an den Trost und Frieden den sie erfahren hatte, wenn sie sie einfach nur gehalten hatte. Geh nicht dahin Sam, das ist ein Gang auf dünnem Eis. Sei vernünftig, sei cool, sei... grausam... leugne das Vergnügen. Sam seufzte und schüttelte ihren Kopf, als ob sie eine lästige Fliege verscheuchen würde. "Ähm... du solltest vielleicht wieder rein gehen," schlug Sam unbehaglich vor. "Sie könnten sich fragen wo du bist?" Jody bemerkte die Reserviertheit ihrer Freundin und ein kleines teuflisches Lächeln erschien, als sie die Ursache von Sam's beunruhigten Verstand erkannte. "Willst du mich loswerden?" Fragte sie unschuldig während sie sich gefährlich nah an sie lehnte. Die Dunkelheit konnte das Knirschen von Zähnen und das Muskelspiel von Sam's Kiefer nicht verbergen und Jody konnte sehen wie sie auf ihre Unterlippe biss. "Natürlich nicht," keuchte sie, mit dem Wissen, dass sie nun zwischen dem Wagen und Jody's Körper gefangen war. "Gut," schnurrte Jody. "Ich hab' angefangen mir Sorgen zu machen." Ohne Vorwarnung lehnte sie sich nach vorne, streckte sich nach oben und presste ihre Lippen für einen brennenden Kuss auf Sam's Lippen. Für den Bruchteil einer Sekunde war Sam gelähmt, aber zu ihrer Ehrenrettung überwand sie dies mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Bevor Jody wusste was geschah, hatte Sam ihre Arme um sie gelegt und tat, nach was sie sich schon den ganzen Abend gesehnt hatte, sie zog sie nah an sich und hielt sie ganz fest. Das einzige was Jody nach dieser entfesselnden, kraftvollen Reaktion tun konnte, war sie festzuhalten, als ob ihr Leben davon abhinge. Obwohl Jody die Urheberin war, übernahm Sam schnell die Kontrolle, indem sie ihren Mund einsetzte diese Lippen zu erforschen, die sogar nach acht Jahren noch immer so angenehm und vertraut schmeckten. Es fühlte sich so gut an, das ihr das Herz weh tat und ein kleines Wimmern entfloh ihr als sich Jody's Lippen trennten und sie einlud einzudringen. Ihre Zungenspitze folgte den weichen, seidigen Falten von Jody's Lippen und fand langsam den Weg nach Innen. Sie wurde durch zwei Hände hinter ihrem Genick ermutigt, die sie an Ort und Stelle festzunageln schienen und nicht vorhatten sie so schnell wieder gehen zu lassen. Auf halbem Weg traf Sam's Zunge auf Jody's und als sie einen sinnlichen Tanz begannen, gaben die Knie der kleineren Frau nach und sie wäre beinahe zusammengestürzt, doch Sam's fester Griff hielt sie auf ihren Füssen. Jody konnte spüren wie Sam's Hände an ihrem Rücken herunterglitten, bis sie ihre Hüfte erreichten und sie noch näher zog, während ein baumwollbedeckter Schenkel seinen Weg zwischen ihre Beine fand. Ihr Körper schien ein Eigenleben entwickelt zu haben und erwiderte instinktiv die langsame Bewegung von Sam's Hüfte. Nach einer Weile waren zu gezwungen Luft zu holen, und als sie es taten atmeten sie beide heftig, aber es war nicht nur wegen Sauerstoffmangel. "Gott, oh Gott Sam, wir müssen damit aufhören," keuchte Jody. Ihr ganzer Körper prickelte. Tief in ihrem Bauch konnte sie spüren wie sich ihre Erregung aufbaute und sie realisierte, das dies absolut nicht der richtige Ort oder Zeitpunkt war. Sam's Lippen wanderten zu Jody's Ohr und mit ihrer Zungenspitze reizte sie das Ohrläppchen, bevor sie sich ihren Weg zu einem sehr wohlschmeckenden Schlüsselbein knabberte. Sie wusste, dass Jody recht hatte, aber ihr Körper war von einem lodernden Feuer ergriffen und sie kannte nur einen Weg um es zu löschen. Doch Sam hatte eine exzellente Selbstkontrolle und mit großer Mühe übernahm ihr Verstand wieder die Kontrolle. Sie hielt Jody noch immer, aber ihre Berührungen wechselten die Intensität, bis sie den Rücken der anderen Frau leicht streichelte während sie ihr Gesicht in den langen, rotblonden Locken vergrub. Sie spürte wie ihr Herz allmählich zu einen normalen Rhythmus zurückkehrte. Jody fühlte, wie die Arme, die sie so fest hielten entspannten und mit einem Seufzer legte sie ihren Kopf gegen Sam's Brust. Sie spürte wie das Verlangen nachließ, bis es nur noch ein entferntes, dumpfes Pochen hinterließ. "Es tut mir leid, Jody," entschuldigte sich Sam schließlich. "Ich wollte nicht, das dies geschieht." Sie hielt inne und Jody spürte ein schwaches Kichern. "Um ehrlich zu sein, wollte ich es tatsächlich, doch nicht hier und nicht auf diese Weise. Ich glaube wir sind ein wenig ausser Kontrolle geraten." "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Sam," lächelte Jody, die sich plötzlich sehr müde fühlte. "Ich hätte wissen müssen, dass ich mit dem Feuer spiele. Gott weiß, wie extrem empfindsam ich auf deine Berührung reagiere. Ich hätte daran denken sollen, bevor ich dich derart herausfordere." Sie hob ihren Kopf von dem bequemen Fleck und nach oben schielend sah sie, wie Sam mit einem schelmischen Glanz in ihren Augen auf sie herabblickte. Sie musste Lächeln und bekam als Antwort ein großes Grinsen. "Ich möchte wirklich wissen was du gerade denkst?" Fragte sie vorsichtig während ihr Herz einen Takt übersprang. "Nee, wahrscheinlich nicht. Ich dachte an Empfindsamkeit." Jody spürte wie sie rot wurde und war über die Dunkelheit dankbar, die sie vor Sam's Blicken verbarg. Sie schluckte heftig und bereitete sich mental auf das nun kommende vor. "Spuck es aus." "Nun," sprach Sam gedehnt, "es waren einmal, vor nicht so langer Zeit, in einem weisen Märchen, da lagen zwei Mädchen auf einer Pferdekoppel und schauten in die Sterne bis sich ihre Augen trafen und," Sam's Stimme verlor seinen scherzenden Ton und wurde von Warmherzigkeit erfüllt. "...sie küssten sich. Es war ihr erster Kuss, doch er war leidenschaftlich. Und bevor sie es wussten was geschah, lagen sie sich gegenseitig in den Armen und..." "Du wusstest es?" Fragte Jody verwundert während ihr Erröten sich vertiefte. "Oh mein Gott Sam, das ist peinlich. Ich wusste das nicht, du hast es mir niemals gesagt." "Ich denke, dass ich nicht wusste wie ich darüber reden soll," lächelte Sam während sie mit ihrem Handrücken über Jody's Wange streichelte. "Obwohl ich allerdings glücklich darüber war, dass ich diejenige war." "Sieh uns an Sam," kicherte Jody. "Nach acht Jahren Trennung, machen wir es mitten in der Nacht, am dritten Tag nach dem wir uns wieder getroffen haben, beinahe auf dem Parkplatz eines Krankenhauses, und enden damit, dass wir über Sex sprechen." "Orgasmus," korrigierte sie Sam freundlich. "Nun, das hat etwas mit Sex zu tun, oder nicht?" "Nicht unbedingt," lächelte Sam. "Wir hatten auf dieser Pferdekoppel nicht wirklich Sex, aber das hat dich nicht daran gehindert zu einem..." "Okay, okay, du hast gewonnen." Lachte Jody und hob besiegt ihre Hände. "Du hast recht, wir hatten keinen Sex, das ist wahr. Tatsächlich hatten wir nie welchen, oder?" Ihre Stimme wurde weich und sehnsüchtig. "Nein, das hatten wir nicht," stimmte Sam zu. "Das soll nicht heißen, dass ich keinen wollte. Gott weiß wie meine Hormone Mambo getanzt hatten. Aber ich glaube, dass wir nie wirklich die Gelegenheit dazu hatten und ich wollte, dass es etwas ganz besonderes ist." Nach oben blickend sah Jody die Zärtlichkeit in Sam's Augen und lächelnd folgte sie mit einer Fingerspitze dem Umriss eines Wangenknochens. "So wie es sein sollte," antwortete sie, plötzlich eine schmerzliche Reue fühlend, als sie an ihre Beziehung mit Megan dachte. Wenn ich es nur gewusst hätte, Sam. Ich hätte auf dich gewartet. Ihr Gesicht verdunkelte sich und Sam sah, wie sie ihre Stirn runzelte. Mit ihrem Daumen versuchte sie es wegzuwischen, aber es brachte nur einen teilweisen Erfolg. "Tu dir das nicht an, Jody," warf sie ihr liebevoll vor, als sie die Gedanken der anderen Frau las. "Wir beide haben Dinge getan, die nicht geschehen wären, wenn wir zusammengeblieben wären. Und es tut weh zu begreifen, dass alles hätte anders sein können, aber wir sind nun hier und ich bin so dankbar, dass ich in dich gerannt bin. Ich fühl mich wahrhaftig selig." Als die Falten auf Jody's Stirn verschwanden zog Sam sie in eine Umarmung, wobei sie ihre Nähe genoss und sie labte sich an der Wärme ihrer Verbindung. Sie standen so für eine lange Zeit da, bis Jody sich aus Sam's Armen löste und einen reuigen Blick zum Krankenhauseingang warf. "Ich muss zurückgehen," bemerkte sie ohne es wirklich zu wollen. "Sie werden sich fragen, wo ich bin. Geht es in Ordnung, wenn du hier so alleine sitzt? Brauchst du etwas Kaffee oder so?" "Es wird mir gut gehen, mach dir keine Sorgen," antwortete Sam. "Ich werde wieder an mein Laptop gehen und einige Dateien durchsehen. Es ist tatsächlich, recht interessant. Ich werde dir später darüber erzählen. Okay?" "Dann, bis später. Ich könnte dir nach einiger Zeit Lucy rausschicken um nach dir zu sehen. Tschüss Sam." Jody stellte sich auf ihre Zehenspitzen, gab Sam ein Kuss auf die Wange und drehte sich schnell um, bevor das Ganze wieder in einer überhitzten Umarmung endete. Sam's Augen, erfüllt mit Hoffnung und Wunder folgten ihr, und lange nachdem Jody gegangen war stand sie immer noch da und dachte zaghaft an ihre Zukunft.
Es war das letzte Regal das er kontrollierte. Methodisch nahm er ein Buch nach dem anderen und schüttelte es ungestüm, so wie eine Katze die mit ihrer Beute spielt. Nichts kam heraus und frustriert warf er das Buch auf den wachsenden Haufen mitten im Raum. Zuerst hatte er mit seinem Messer die Umschlagseiten aufgeschnitten um zu sehen ob etwas dahinter versteckt war, aber nach einer Weile gab er es auf, da er erkannte, dass es unmöglich war eine Mikrodisk in einem Bucheinband zu verbergen. Er hatte bereits die Küche, das Gästezimmer und das Schlafzimmer durchsucht. Jede Schublade geöffnet, deren Inhalt auf den Boden geleert und trat gelegentlich darauf oder stieß es aus seinem Weg. Frustriert hatte er sogar die Matratze aufgeschnitten, weil er das Gefühl hatte die kleinen Plastikteile könnten darin versteckt sein. Aber er hatte keinen Erfolg. Das Wohnzimmer war seine letzte Hoffnung, und beinahe den heißen Atem seinen Auftraggebers in seinem Genick spürend, setzte er seine Suche fort, indem er sein Messer in den Lederbezug der Couch stieß, Fetzen des festen Materials herausriss und im Inneren nachsah. Immer noch nichts. Beinahe verzweifelt durchsuchten seine Augen den Raum, suchten etwas, nach etwas das er übersehen haben könnte, als das Telefon summte. Einmal. Zweimal. Ruhe. "Gottverdammt," fluchte er gegen einige Bücher tretend. Er rannte zur Haustür und sie vorsichtig öffnend spähte er in den Flur. Der Klang von Schritten ließen beinahe sein Herz aussetzen, geräuschlos schloss er die Tür und sah sich krampfhaft nach einer Versteckmöglichkeit um. Mit seinem Messer in der Hand wartete er....
"Ich bin so müde, dass ich in einer Ecke stehend einschlafen könnte," gähnte Jody mit einer Hand vor dem Mund. "Ich möchte mich in die Falle hauen und bis zum Ende des Tages dort bleiben. Gott Sam, ich kann nicht glauben das es bereits 3.30 Uhr ist." Sam's Hand auf ihrem Kreuz verhinderte, dass sie in die Tür des Fahrstuhls krachte und hörte das Gekicher ihrer Freundin. "Behalt deine Augen nur noch für einige Minuten offen, Honey," flachste Sam. "Ich bin sicher, dass du keine widerliche Beule an deinem Kopf willst." Nachdem Jody sichergestellt hatte, dass ihre Mutter versorgt war, hatten sie das Krankenhaus vor einer Stunde verlassen. Dr. Parks hatte ihnen gesagt, dass ihr Vater in Ordnung wäre, und nachdem Joan erlaubt wurde ihren Ehemann für einige Minuten zu sehen, machten sie sich auf den Weg nach Hause. Gerald ging mit seiner Mutter und den zwei jüngsten Geschwistern, er versprach Jody, dass er am nächsten Tag vorbeikommen würde. Lucy hatte Jody und Sam abgesetzt und das Angebot bei ihrer Schwester zu übernachten abgelehnt. "Ist schon in Ordnung, Schwesterherz," lächelte sie während sie zu Sam blinzelte. "Ich weiß, dass du jetzt müde bist, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass du mich am Morgen in deiner Nähe haben willst. Vielleicht könnten du und Sam... ähm... zusammen... einige Dateien durchgehen?" Jody hatte ihr die Zunge herausgestreckt und ihrer Schwester angedeutet an der Straßenecke zu halten. "Wir können die paar Meter laufen. Danke Lucy." Sie hatte ihrer Schwester einen Abschiedskuss gegeben und stieg, unmittelbar von Sam gefolgt, aus dem Wagen. Ein lautes Hupen und ein kurzes Winken, und Lucy war um die Ecke verschwunden und ließ sie allein zurück. Ohne in großer Eile zu sein gingen sie Hand in Hand zu Jody's Apartment. "Wo sind deine Schlüssel?" Jody öffnete ihre Handtasche und suchte darin herum, Sam den Schlüsselbund reichend war sie froh das Sam die Führung übernommen hatte, da sie auf der Stufe zu ihrer Eingangstür selig eingeschlafen wäre. Sam steckte den Schlüssel ins Schlüsselloch und versuchte ihn herumzudrehen. Sie versuchte es wieder und plötzlich erkannte sie, dass die Tür nicht abgeschlossen war. Sie wollte sich gerade an Jody wenden, um sie fragen, ob sie sicher war, dass sie abgeschlossen hatte, als sie spürte wie sich ihre Nackenhärchen aufstellten. Es war ein komisches Gefühl und Sam wurde sofort wach. Sie konnte es nicht erklären, doch sie wusste, das etwas nicht stimmte. Jody's Handgelenk greifend zog sie sie hinter sich. "Bleib da," flüsterte Sam. "Was auch immer du tust, bleib hinter mir." Jody's Augen weiteten sich und sie war gerade dabei eine Frage zustellen als Sam's Hand ihren Mund bedeckte. Ein Paar völlig alarmierte Augen durchdrangen ihre schläfrigen Grünen und der Ausdruck auf Sam's Gesicht war todernst. Die blonde Frau legte ihren Finger auf ihre Lippen und schüttelte langsam ihren Kopf. Jody nickte, sie blinzelte schnell hintereinander um die Müdigkeit aus ihren Augen zu vertreiben und presste ihre Hände zusammen als sie sah wie Sam zum Türknauf griff. Sie drehte den Schlüssel und schwang die Tür auf. Augenblicklich erschien eine große Gestalt vor ihr. Anstatt zurückzuschrecken, schritt sie nach vorne, und streckte ihr Bein für einen heftigen Tritt aus. Das hatte ihr Gegner offensichtlich nicht erwartet. Er bekam einen vollen Schlag in seinen Magen und grunzte laut, doch er hob seine Hand in der ein Messer hielt. Ihr Gleichgewicht zurückgewinnend und mittlerweile sicherstellend, dass Jody noch hinter ihr war, griff Sam nach der Waffe, aber die kam bereits auf sie zu. "Jody, pass auf." Sam schritt zurück, zur gleichen Zeit drehte sie ihren Körper und fühlte wie der scharfe, kalte Stahl den Stoff durchdrang, der ihre linke Schulter bedeckte. Der erwartete Schmerz kam nicht und sie fuhr mit rasender Geschwindigkeit ihre rechte Hand heraus und traf den Mann voll auf seine Nase. Mit einer Hand griff er an die getroffene Stelle, was Sam die Gelegenheit gab, das Messer aus seiner anderen Hand zu treten. Es flog durch die Luft, fiel mit voller Wucht auf den Marmorboden des Flurs und schlitterte und trudelte es bis es gegen die Tür des Fahrstuhls prallte. Mit nur einem Arm knallte der Mann Sam mit voller Wucht gegen die Wand, da er seine ganze Kraft dahinter gesetzt hatte presste es die Luft aus ihren Lungen. Für einen Augenblick schwankte sie und keuchte nach Luft, was ihrem Gegner die Möglichkeit gab zur Treppe zu rennen. Dort brach er fast durch die Tür und verschwand außer Sichtweite. Sam hielt sich ihre Seite und sie keuchte immer noch außer Atem als Jody mit schreckerfüllten Augen an ihre Seite kam. Mit zitternden Händen ergriff sie Sam's Arm und untersuchte ihn nach Verletzungen. Ihre Augen weiteten sich alarmiert, als sie in dem hellblauen Baumwollstoff einen Riss sah, dessen Ränder blutdurchtränkt waren. "Sam, du bist verletzt." Jody berührte sachte die verletzte Schulter, da sie Angst hatte ihr Schmerzen zu bereiten. "Ach, das ist okay," keuchte Sam immer noch ihre Rippen haltend. "Jody, würdest du bitte die Polizei anrufen? Benutz dein Handy." "Ich werde anrufen wenn ich dich reingebracht habe, Sam. Ich muss einen Blick auf diesen Schnitt werfen, er blutet." "Jody, ruf sie... jetzt an," antwortete Sam leicht ungeduldig werdend. Sie wusste, dass der Eindringlich nicht einfach ein Einbrecher war und zum ersten Mal begriff sie, dass die ganze Sache mit dem The Reef, eine größere Angelegenheit sein könnte wie sie angenommen hatte. "Sam, hör mir zu," zischte Jody durch zusammengebissene Zähne während ihre Augen gefährlich glänzten. "Hast du einen Blick auf diesen Burschen werfen können? Nein? Genauso wenig wie ich. Glaubst du, dass er geduldig warten wird bis die Polizei hier auftaucht? Komm in die Realität zurück, Sam. Er ist lange fort. Zwei Minuten mehr spielen keine Rolle. Nun," sie hob ihre Hand um den Einwand ihrer Freundin zu stoppen. "Du kannst entweder mit mir hereinkommen und dann die Polizei anrufen, oder du kannst einfach hier draußen bleiben und schmollen. Es ist deine Entscheidung." Sam war ehrlich erstaunt. Sie wusste, dass Jody wirklich eigensinnig sein konnte, aber sie hatte sie noch nie so reden hören, jedenfalls nicht zu ihr. Für einige Augenblicke fochten ihre Augen einen schweigenden Kampf. Durchdringende Blaue trafen auf stürmische Grüne und schließlich verlor Blau. Jody's Blick war felsenfest und Sam wusste, dass ihre rothaarige Freundin nicht nachgeben würde. "Okay," stimmte Sam wiederwillig zu. "Wir gehen hinein." Sie folgte Jody, die automatisch das Licht anschaltete, hinein, doch sie stieß in sie, als die andere Frau abrupt stehen blieb. In einem Reflex griff sie um ihre Taille und erstarrte als sie die Verwüstung vor sich sah. Der Boden war mit Büchern bedeckt, einige noch ganz, doch eine Menge waren zerschnitten. Die Couch war systematisch aufgeschnitten und abgerissene Lederfetzen waren auf den Boden geworfen worden. Die Pflanzen neben dem Fenster waren alle aus ihren Töpfen gerissen worden, in die sie einst sorgfältig eingepflanzt waren. Die Blumenerde lag auf dem Teppich und die Pflanzen, die ihre Wurzeln kläglich nach oben streckten, wie winzig kleine Fangarme die verzweifelt nach einem Halt suchten, waren achtlos in eine Ecke geworfen worden. Ein kurzer Blick durch die Tür des Schlafzimmers machte ihr klar, dass das ganze Apartment verwüstet worden war. Stücke der Steppdecke, die einmal auf dem Bett gelegen hatte lagen neben der Badezimmertür und der Garderobe, und alles was in den Schubladen war lag zertrampelt und zerrissen auf dem Boden. Ein bedauernswertes Quietschen von Jody holte sie in die Realität zurück. Wortlos griff sie in Jody's Handtasche um das Handy herauszuholen. Schweigend wählte sie aus dem Gedächtnis eine Nummer. Sam's Gesicht hatte alle Farbe verloren. Ihre Lippen waren verzogen und ihre Augen waren wie zwei feuerspeiende Kristallstücke. Feuer auf Eis. Nach außen sah Sam ruhig und gelassen aus, doch innerlich wütete ein Sturm, der um die Ecke linste und darauf wartete ausbrechen zu können. Sam glaubte nicht, dass sie jemals so wütend gewesen war. Jody's Apartment wurde so überlegt und gründlich verwüstet, dass kein Zweifel bestand, dass es aus einem bestimmten Grund getan worden war. "Carol Wong? Mein Name ist Sam Stevens, ich rufe von Jody McDonnell's Apartment an, sie ist die Assistenzmanagerin vom The Reef........ Klar, das stimmt. Jemand ist hier gerade eingebrochen und hat... den ganzen Ort verwüstet..... Nein, wir sind auf ihn getroffen als er herauskam...." Ein humorloses Lachen. "Nein, er hatte es sehr eilig, obwohl es sein könnte, dass ich ihm seine Nase gebrochen habe.... in Ordnung.... ja, natürlich... wir werden vor dem Apartment warten und nichts berühren.... Okay, bis gleich.... danke." Sam schaltete das Telefon aus und schaute zu Jody die sich noch vollkommen verzweifelt umsah. Sie legte ihren rechten Arm um ihre Schultern und zog sie in Richtung der Haustür fort. Sam bemerkte mit Besorgnis das Jody keine Einwände hatte, und einfach zu verwirrt war um zu reagieren. Draußen führte sie Jody zu einer kleinen Bank neben dem Fahrstuhl und ließ sie sich hinsetzen. Mit einem entschlossenen Blick nahm sie wieder das Telefon. "Gut..." sie schaute auf ihre Uhr. "....guten Morgen. Ich habe eine Bitte. Gegenüber vom The Reef ist ein Gebäude mit Apartments, sie wissen welches.... genau. Miss McDonnell wohnt hier, richtig. Es ist hier etwas vorgefallen und wir können nicht hineingehen, weil wir auf die Polizei warten. Würden sie bitte so nett sein und eine Thermoskanne Kaffee rüberschicken? ..... Natürlich, könnte ich irgendwer sein.... es ist richtig von ihnen, so vorsichtig zu sein, doch... in Ordnung, machen sie es auf ihre Art. Mein Name ist Samantha Stevens und meiner Familie gehört der Laden. Hören sie, ich bin müde und sehr verärgert und ich könnte wirklich eine Tasse Kaffee gebrauchen, also..." Jody streckte ihre Hand aus und nahm Sam das Telefon aus der Hand. "Hier ist Jody McDonnell... oh, hi Nick... hören sie, sie ist wirklich die, von der sie sagt, das sie es sei, und auch ich könnte etwas Kaffee gebrauchen. Macht es ihnen was aus? .... Danke, Nick... was? .... Nein, ich glaube nicht, dass sie sie feuern wird... Sie wird verstehen, dass sie nur ihre Arbeit machen." Sie blickte zu Sam, die noch immer vor ihr stand und fortwährend ihre Finger ausstreckte und einzog um das Zittern zu verbergen. Ihr Gesicht war blass und Jody bemerkte, das trotz der Klimaanlage im Gebäude, Schweiß auf ihrer Stirn stand. "Nick, legen sie auch etwas zum Essen dazu, etwas süßes. Danke, bis dann." Noch immer versuchend zu verstehen was geschehen war, lehnte Jody müde ihren Kopf gegen die Wand und schloss ihre Augen. "Sam, alles ist völlig demoliert," sprach sie leise. "Was... Oh Gott, was mach ich jetzt?"
~~~ ENDE - Kapitel 3 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 4 lesen.
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