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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1!
TCB, Du bist meine beste Kritikerin. Danke für Deine Unterstützung. Jeden Tag realisiere ich, wie glücklich ich bin, Dich in meinem Leben zu haben. Jeder Tag der vergeht, liebe ich Dich mehr. Und da gibt es noch so viele Tage, die noch kommen werden.............
The Reef - Kapitel 5 |
| The Reef Kapitel 5
Gerald's Augen wurden größer, als seine Schwester gerade noch rechtzeitig in die Bremsen trat, um keinen Fußgänger zu überfahren. Reflexionsartig streckte er sein rechtes Bein aus, so als ob er selber fahren würde. Lucy kicherte nur. "Oha, Luce, musstest du das machen? Wo hast du fahren gelernt? Auf diese Art wirst du mich noch umbringen." "Mach dir keine Sorgen kleiner Bruder," grinste Lucy während sie ihm das Knie tätschelte. "Ich habe alles unter Kontrolle. Du glaubst doch nicht, dass ich meinem kleinen Bruder etwas zustoßen lassen würde, oder denkst du das?" "Da bin ich mir nicht so ganz sicher," murmelte Gerald, der sich nicht sehr wohl und gewiss nicht sicher fühlte. Lucy warf einfach lachend ihren Kopf zurück, sie genoss es immer wieder ihre Geschwister mit ihrer schnellen und wilden Fahrweise aufzuziehen. Jody war einige Male richtig sauer auf sie, und erst als sie ihr drohte aus dem Wagen auszusteigen, war Lucy langsamer gefahren. Sehr zu Lucy's Ärger, gab es mehr Verkehr als gewöhnlich und sie kamen nur langsam vorwärts. "Das wird noch ewig dauern," seufzte sie auf all die Autos vor ihnen deutetend. "Das ist eine gute Geduldsübung für dich," bemerkte Gerald, der sich noch von dem Schock erholte, den sie ihm vor ein paar Minuten verpasst hatte. "Du bist nur griesgrämig," lächelte Lucy. "Warum denken die Männer immer, dass sie besser fahren könnten als Frauen? Wie du weißt, hatten Matt und Dad einige Unfälle, doch Jody und ich sind noch niemals gegen etwas gefahren." "Noch nicht," war Gerald's ironische Antwort. "Fahr nur so weiter und es wird dir auch passieren." "Das werden wir ja sehen," grinste Lucy und gab wieder Gas.
"Sie biegen nach rechts von der Schnellstrasse ab, Steve." Bemerkte Fred, der den roten Wagen, der mehrere Meter vor ihnen fuhr, nicht aus seinen Augen ließ. "Was glaubst du, wo sie hinfahren?" "Woher soll ich das wissen?" Murrte Klein Steven. "Wir werden es früh genug erfahren, oder nicht? Behalte sie nur im Auge. Jesus, dieser Wagen vor mir wechselt ständig die Spur. Er macht mich wahnsinnig." Fred rieb sich nervös seine Hände und warf einen kurzen Blick auf den Mann neben ihm. Klein Steven's Gesicht sah mit seinen verengten Augen und zusammengepressten Lippen, sehr entschlossen aus. Mit Sicherheit wollte er es diesmal nicht vermasseln und dieses Wissen ließ Fred wesentlich besser fühlen. Sie hatten immer noch eine Chance, nicht als Haifischfutter zu enden. Der Gedanke daran ließ ihm übel werden und er fühlte wie sein Mund trocken wurde. Denk nicht daran, Fred. Es besteht dazu kein Grund. Stell nur sicher, dass du diesmal nicht wieder Mist baust. Diese Sheila's sind dein Rettungsanker, benutz ihn rücksichtslos. Diesmal ist es eine Sache von fressen oder gefressen werden. Und das wortwörtlich.
"Ich bin froh, dass wir nur diesen Teil der Schnellstraße nehmen müssen," seufzte Lucy während sie ihr Haar zurückschob." Auf der Strasse die zu Megan und Sarah führt, wird es nicht viel Verkehr geben. Gott sei Dank. Woher kommen all diese Leute überhaupt her?" Gerald zuckte mit seinen Schultern und wollte seiner Schwester gerade antworten, als ihr Handy anfing zu summen. "Würdest du rangehen, Vogel? Es ist in meiner Handtasche. Ich will dich nicht mit fahren und gleichzeitigem telefonieren, erschrecken." Gerald ignorierte die Fopperei, nahm Lucy's Handtasche vom Rücksitz und schnappte sich das summende Handy. "Hallo?" "Hey Gerald? Ich bin's, Sam." "Hey, Sam," Gerald lächelte. "Was gibt's? Wir sind beinahe da, also gibt es keinen Grund gutes Geld zu verschwenden, oder?" "Hör zu Ger," Sam's besorgte Stimme veranlasste Gerald sich gerade aufzusetzen und er bemerkte wie Lucy ihm einen merkwürdigen Blick zuwarf. "Das könnte sehr wichtig sein. Seid ihr, du und Lucy, bevor ihr euch auf den Weg hierher gemacht habt, zu Jody's Wohnung gegangen?" "Nun, wir waren tatsächlich dort. Du kennst Luce, sie ist einfach so verdammt neugierig." "Wo seid ihr jetzt?" "Wir sind gerade vom Pazifik Highway runtergefahren. Wir sind fast bei euch." "Kommt nicht hierher." Gerald's Griff um das Telefon wurde fester und er zog seine Augenbrauen zusammen. "Was? Aber..." "Sag Lucy sie soll weiterfahren, okay?" "Aber Sam..." "Sag es ihr Gerald," Sam's Stimme klang angespannt und Gerald konnte merken, das sie aufgeregt war. "Fahr nicht zu Megan, Luce," sagte er nachgebend. "Zum Teufel, ich weiß nicht was los ist, aber Sam will nicht, dass wir dorthin fahren." "Was? Aber warum...?" "Ich weiß es nicht, mach es einfach. Ich will Sam nicht auf die Palme bringen. Sie hört sich sehr ernst an." "Gerald?" "Ich bin noch da, Sam. Wir fahren einfach weiter. Was ist los?" "Es könnte sein, dass euch jemand gefolgt ist," erklärte Sam. Sie hörte sich plötzlich sehr erschöpft an. "Dieser Bursche, der das Apartment zerstört hat. Er ist gestern abend entkommen und ich habe die Befürchtung, dass er nicht gefunden hat, was er suchte." "Und was war das?" "Ich werde es später erklären, Vogel. Okay?" Gerald nickte, als ob Sam ihn sehen könnte und warf einen Blick in den Rückspiegel. Er sah nichts ungewöhnliches. "Also, was machen wir jetzt?" "Das weiß ich noch nicht, Vogel," Sam's Stimme klang nun wesentlich entspannter und Gerald konnte tatsächlich eine Spur von Humor heraushören. "Stellt nur sicher, dass ihr nirgendwo hingeht, wo ihr von anderen isoliert seid. Fahrt einfach weiter. Ich werde euch wieder anrufen. Okay?" "Fein, Sam. Wir reden später miteinander." Gerald schaltete das Telefon aus und seufzte. "Das ist wie in diesen verdammten Kriminalfilmen," seufzte er. "Und weißt du was? Es gefällt mir nicht. Sam glaubt, dass uns jemand verfolgt. Dieser Bursche, der gestern abend in der Wohnung von Erbse war." "Du machst Witze," entgegnete Lucy, die sofort in ihren Rückspiegel blickte. "Also, müssen wir weiterfahren?" "Genau, obwohl das ein bisschen verdächtig erscheinen könnte. Warum finden wir nicht einen mit Menschen überfüllten Ort, wo wir was trinken können? Dort werden wir einfach auf Sam's Rückruf warten." Lucy biss sich auf ihre Lippe und nickte während sie weiterhin ein Auge auf ihren Rückspiegel behielt. "Hört sich nach einem Plan an." Gab sie lächelnd zu. "Stell nur sicher, dass du das teuerste Getränk aussuchst. Sam kann es später bezahlen."
Ein paar beunruhigte grüne Augen folgten jeder Bewegung Sam's, als diese das Telefon ausschaltete, es auf den Tisch warf und sich auf einen Stuhl sinken ließ. Sie fuhr mit ihren Händen durch ihr wiederspenstiges Haar und schloss seufzend für einen Augenblick ihre Augen. Jody ging näher an sie heran, legte eine Hand auf Sam's Schulter und fühlte die Anspannung in den Muskeln unter dem hellblauen Baumwollstoff. "Fahren sie weiter?" Fragte sie leise während sie zärtlich den Stoff unter ihrer Hand streichelte. Sam nickte, ergriff die Hand, die ihre Schulter streichelte und rieb ihre Wange gegen die weiche Haut. Prompt fand Jody's andere Hand ihren Weg zu Sam's Genick und kraulte sie zärtlich. "Wie geht's jetzt weiter?" Fragte sie leise. Sam antwortete nicht sofort. Sie starrte, ohne etwas zu sehen, auf den Tisch vor ihr. Während ihr Verstand raste, um Antworten auf alles zu bekommen. Was kann ich tun? Ich bin mir sicher, dass er nach uns, nach mir, sucht, weil ich die Disketten habe, obwohl er das wahrscheinlich nicht weiß. Das ist viel ernster als ich dachte. Vielleicht hätte ich Carol Wong gestern abend von den Disketten erzählen sollen. Vielleicht sollte ich sie jetzt anrufen. Aber was soll ich ihr erzählen? Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob Lucy und Gerald verfolgt werden. Verdammt, was für ein Chaos!! Wie bring ich uns hier raus? Vielleicht sollten wir gehen, wir können es nicht riskieren Sarah und Megan in Gefahr zu bringen. Das wäre nicht richtig. Vielleicht sollte ich alleine gehen und Jody bleibt hier. Sie wird in Sicherheit sein, solange sie nicht herausfinden wo sie sich aufhält. Mmm... das könnte klappen. Ich könnte versuchen herauszufinden wer dieser Bursche ist und was er will. Wenn ich etwas über ihn herausgefunden habe könnte ich Carol anrufen. Sie kann dann den Rest erledigen. "Sam?" Fragte Jody zum dritten Mal, beunruhigt über das Schweigen und die Hand, die ihre Finger fest drückte. "Komm her, Jody," antwortete Sam und zog sie auf den Stuhl neben sich. Sie nahm beide Hände Jody's in ihre und rieb sie mit ihren Daumen. "Sam?" Jody sah den düstern Gesichtsausdruck ihrer Freundin und irgendwie wusste sie, dass sie nicht hören wollte was sie sagen wollte. "Ich glaube, ich habe einen Plan," fing Sam an, während sie es vermied in die so nahen, eindringlichen grünen Augen zu sehen. "Hör mir zu, und bitte, lass mich erst ausreden, okay?" Nun weiß ich definitiv, das ich nicht mag was sie vor hat. Sag schon Sam, was ist es? "Im Moment wissen wir nichts mit Sicherheit. Richtig? Ich will damit sagen, dass irgendjemand gestern abend nach etwas in deiner Wohnung gesucht hat und wir glauben, dass er hinter den Disketten her war, aber wir können das nicht mit Sicherheit sagen. Wir wissen auch nicht, ob Lucy und Gerald verfolgt worden sind. Ich glaube es, doch wir sind uns nicht sicher. Richtig? Also, ich möchte folgendes machen. Ich werde Lucy und Gerald anrufen und ihnen sagen, dass sie in das kleine Restaurant in der Nähe der Schnellstrasse, du weißt dasjenige an der rechten Ausfahrt, gehen sollen. Ich werde selbst dorthin gehen und die Gegend beobachten. Vielleicht kann ich jemanden sehen, der ihnen folgt. Und wenn sie es tun, dann kann ich versuchen herauszufinden wer er ist und was er will." Sam hob ihre Hand um Jody vom Sprechen abzuhalten und drückte zärtlich ihre Hand. "Ich möchte, dass du bei Megan und Sarah bleibst. Du wirst hier sicher sein. Ich werde zurückkommen, sobald ich die Information habe, die ich brauche. Ich verspreche es." "Nein, Sam," Jody's Augen loderten und Sam wusste was das bedeutete. Schwierigkeiten. "Ich werde mit dir gehen." "Hör zu, Jody," Sam versuchte so normal wie möglich zu klingen. "Ich vermute, dass er oder sie dich kennen. Dass sie dich gesehen haben. Sie könnten auch mich gesehen haben, doch nicht für lange. Wenn sie uns zusammen sehen, werden wir auffallen wie... ein Grizzlybär im Schnee." Die letzte Bemerkung war als Scherz gedacht, doch Jody ignorierte ihn völlig, da sie über den Plan ihrer Freundin zu bestürzt war. "Sam, ich glaube nicht...." debattierte sie, doch Sam unterbrach sie. "Jody, du wirst hier bleiben und ich werde gehen. Alleine. Bitte, mach es nicht noch schwerer als es bereits ist." Jody sah in ein Paar eindringliche blaue Augen, doch sie war zu verärgert um die Besorgnis darin zu sehen. "Mach es auf deine Art," schnappte sie und zog ihre Hände von Sam's weg. Sie sprang auf und ohne ein weiteres Wort zusagen verschwand sie, ohne sich einmal umzublicken, ins Haus und versäumte Sam's geschmerzten Gesichtsausdruck. Megan, die sich noch in der Küche aufhielt, sah wie Jody hereinstürmte, doch sie hatte keine Chance zu fragen was los sei. Die wütende junge Frau knallte die Schlafzimmertür hinter sich zu und ein paar seelenvolle, braune Augen starrten perplex auf die hölzerne Barriere. Megan blickte nach draußen und sah wie Sam mit einem grimmigen Gesichtsausdruck auf der Veranda herumschritt. "Oh, das sieht nicht gut aus," flüsterte sie zu sich selber während sie das Handtuch in die Spüle warf und nach draußen ging. "Sam?" Fragte sie vorsichtig. "Was ist los?" Sam drehte sich zu der dunkelhaarigen Frau um und versuchte zu lächeln, doch sie scheiterte elend. Alles was sie zustande brachte war eine gequälte Grimasse. Sie zuckte mit ihren Schultern und vergrub ihre Hände, um das Zittern ihrer Finger zu verbergen, in den Hosentaschen ihrer Shorts. "Wie es aussieht haben wir eine Meinungsverschiedenheit." In wenigen Worten erzählte sie Megan was geschehen war, und was sie tun wollte. Megan hörte aufmerksam zu und nickte zustimmend als Sam mit ihrer Geschichte fertig war. "Hört sich einleuchtend an," stimmte sie zu. "Versuch das mal Jody zu erklären," schnaufte Sam. "Gott Megan, sie kann so starrköpfig sein!! Alles was ich will, ist ihre Sicherheit. Warum versteht sie das nicht?" "Weil sie dich liebt, Sam," war die simple Antwort. "Sie will nicht, dass dir irgend etwas passiert." "Das wird nicht geschehen. Ich bin nicht blöd. Ich will nur die Gegend kontrollieren und sehen, ob ich etwas erfahren kann, das ist alles. Ich hab nicht die Absicht mich in Gefahr zu bringen, ich bin nicht eine von diesen ausgeflippten Drei Engel für Charlie." Sie würden es sich wünschen. Du wärst ein toller Engel. "Willst du, dass ich mit ihr rede? Ich kenne diesen starrköpfigen Zug an ihr. Ich habe schon öfters selbst damit fertig werden müssen." "Nur zu," seufzte Sam und ließ sich auf einen der Stühle fallen, der protestierend quietschte. "Es ist völlig gleichgültig was ich sage." Jody saß am Kopfende des Bettes gelehnt und hatte ihre Arme um ihre hochgezognen Knie geschlungen. Sie starrte auf die Wand und biss sich auf ihre Lippe um ihre Tränen zu unterdrücken. Warum behandelst du mich wie ein kleines Kind, Sam? Du weißt, dass ich groß genug bin, um auf mich selber aufzupassen. Ich mache das nun schon seit Jahren. Und ich bin nicht so leicht zu erschrecken. Glaubst du, dass ich nichts damit zu tun habe? Nun, lass mich dir eines sagen, es war meine Wohnung die verwüstet worden ist. Ich war immerhin diejenige, die diese Disketten erstellt hat. Es war mein Büro, in dem sie das Feuer gelegt haben. Ich brauche dich nicht als meinen Schutzengel, ich will, dass du meine Freundin bist. Und ich will nicht, dass du verletzt wirst. Die Tränen, die sie tapfer versuchte herunterzuschlucken kamen trotzdem und mit einer ärgerlichen Geste wischte sie sie weg. Ein leises Klopfen ließ sie aufblicken, doch bevor sie reagieren konnte, wurde die Tür geöffnet und Megan schritt herein, und schloss die Tür sachte hinter sich. "Hat Sam dich geschickt?" Fragte Jody ungestüm, der dieser Gedanke gar nicht gefiel. "Nein," entgegnete Megan. "Ich selbst habe mich angeboten in die Löwengrube zu schreiten. Ich bin mit deinen scharfen Zähnen vertraut, meine Freundin." Megan setzte sich gegenüber ihrer Freundin auf's Bett und schaute sie streng an. "Du weißt, dass Sam recht hat," bemerkte sie. "Ja sicher, stell dich nur auf ihre Seite," spottete Jody. "Das fehlt mir noch." Megan ignorierte die Bemerkung und wenn Jody aufgeblickt hätte, dann hätte sie das kleine Lächeln um ihre Mundwinkel sehen können. "Wo ist das wirkliche Problem, Erbse?" Jody's Finger waren eifrig dabei ihr Shirt aus der Form zu zupfen und zärtlich bedeckte Megan die herumzappelnden Finger mit ihren. Augenblicklich wurden sie ergriffen und festgehalten. "Ich habe Angst, Megs." Flüsterte Jody schließlich ihre Gefühle äußernd. "Vor was?" Jody schluckte heftig und leckte über ihre Lippen bevor sie antwortete. "Ich möchte nicht melodramatisch oder so klingen, aber ich will sie nicht verlieren. Um es deutlich zu sagen, dieser Bursche gestern abend ging mit dem Messer auf sie los. Ich kann sie nicht alleine gehen lassen." "Vertraust du ihr nicht, Jo? Sie sagt, dass sie kein Risiko eingehen wird. Ich glaube ihr." "Ich vertraue Sam, ich vertraue nur dem Rest der Welt nicht," seufzte Jody. "Wenn ich sie verliere, dann überlebe ich das nicht." Ein Paar smaragdgrüne Augen suchten in Megan's Gesicht nach Bestätigung und sie wurde mit einem Lächeln belohnt. "Dann sag ihr das. Dadurch wird sie sogar noch vorsichtiger sein. Und du musst begreifen, dass du ihr nicht hilfst, wenn du hier sitzt und schmollst. Du willst doch nicht, dass sie sich Sorgen um dich macht, oder?" Jody senkte niedergeschlagen ihren Kopf und spürte wie eine sanfte Hand eine Haarsträhne hinter ihr Ohr strich. Sie wusste, dass Megan recht hatte. Sie hatte sich wie ein verdorbener kleiner Balg benommen, der einen Koller bekam, weil er nicht erhielt was er wollte. Jody stöhnte leise und hörte Megan kichern. "Peinlich, wie?" Lächelte Megan. "Mach dir keine Sorgen Süße, ich bin mir sicher, dass sie dir vergeben wird. Wende einfach deinen Trick mit deinem Augenaufschlag an, der hat bei mir immer gewirkt." Sich daran erinnernd schaute Jody lachend auf. "Obwohl dies bei Sam nicht funktionieren könnte," entgegnete sie. "Zum Teufel, Frau," scherzte Megan. "Ich bin überzeugt, dass du dies noch nicht einmal brauchst. Nur für den Fall, dass du es noch nicht bemerkt hast, sie ist verrückt nach dir. Los geh zu ihr, bevor das Laptop zertrümmerst ist. Sie hat auf dieser Tastatur herumgehämmert, als ob sie ihr schlimmster Feind wäre." Lachend sprang Jody auf ihre Füße und umarmte Megan herzlich, bevor sie den Raum verließ und zur Veranda ging. Sam starrte auf den Bildschirm vor ihr, doch die Daten die vorüberliefen wurden andauernd durch das Bild von einem Paar wütender, grüner Augen, die feurig voller Empörung funkelten, gestört. Sie versuchte sich auf das Rätsel vor ihren Augen zu konzentrieren, doch irgendwie schaffte sie es nicht. Frustriert schob sie das Laptop von sich und mit der Absicht spazieren zu gehen stand sie auf. Als sie ihren Fuß auf die erste Stufe der Treppe setzte, wurde die Küchentür geöffnet und eine besänftigt aussehende Jody erschien. Sie machte nicht den Versuch Sam's Blick auszuweichen, sondern schaute direkt zurück wobei ihre Augen alles ausdrückten was Sam wissen musste. Sam schritt auf die Veranda zurück und lächelnd breitete sie ihre Arme aus. Jody brauchte keine weitere Ermutigung. Sie stürzte sich beinahe in Sam's Umarmung und verbarg ihr Gesicht an einer warmen Brust in der ein schneller Herzschlag wiederhallte. "Es tut mir leid, Sam," flüsterte Jody. "Ich wollte nicht gemein sein, ich will dich nur in Sicherheit wissen." "Das ist genau was ich vorhabe," antwortete Sam während sie ihre Freundin näher zog. "Dich und mich, uns beide beschützen." "Ich habe mich wie ein zweijähriges Kind benommen, oder nicht?" "Mmm, das würde ich nicht sagen," antwortete Sam mit eindeutiger Fröhlichkeit. "Es war mehr wie ein dreijähriges Kind. Wie du weißt, gibt es da einen Unterschied." "In Ordnung, das habe ich verdient," seufzte Jody und sah in ein paar funkelnde blaue Augen auf. "Ich wollte nur..." Ihre Worte wurden von Lippen erstickt, die ihre für einen langen, leidenschaftlichen Kuss gefangen nahmen. Augenblicklich schlang Jody ihre Arme um Sam's Genick, zog sie näher und beteiligte sich begeistert an dem Austausch. "Weißt du was das Beste an einer Auseinandersetzung ist?" Flüsterte Sam, während sie sich an der weichen, seidigen Haut eines wohlgeformten Halses entlang küsste. "Die Versöhnung danach." Jody lächelte und stöhnte leise als Sam spielerisch an einer besonderes empfindlichen Stelle hinter ihrem Ohr knabberte. "Das magst du, wie?" Schnurrte Sam, die immer glücklich war, wenn sie neue Gebiete entdeckte die es zu erforschen galt. "Ich werde mir darüber eine geistige Notiz machen müssen." "Darauf wette ich," antwortete Jody sich in ihren Armen windend. "Aber mein Bruder und meine Schwester werden nicht sehr erfreut darüber sein, wenn du kleine Holländerin so weiter machst." "Ein Punkt für dich," lächelte Sam und küsste Jody auf die Nase. "Aber ich werde darauf zurückkommen." "Oh ja, ich verlasse mich darauf," flüsterte sie. "Beeil dich nur, würdest du das tun?" "In Ordnung Mädchen," seufzte Megan während sie sich auf einen der Küchenstühle fallen ließ. "Ihr habt uns versprochen, die ganze Geschichte zu erzählen, sobald Sarah zurück ist. Erzählt schon." Eindringlich sahen Ihre dunklen Augen von Sam zu Jody und wieder zurück. Sarah hatte neben ihr Platz genommen und Megan konnte fühlen wie eine sanfte Hand ihr Knie drückte. Zur Seite sehend, blickte sie in ein paar graue Augen die eine warme Zuneigung ausstrahlten. Lächelnd legte Megan ihre Hand über Sarah's und streichelte die Haut unter ihrer Hand. "Nun, ich denke, dass ich ganz am Anfang beginnen muss," antwortete Jody. "Letzten Donnerstag bin ich... mein Gott, es ist erst vor drei Tagen gewesen, es kommt mit so viel länger vor. Jedenfalls, letzten Donnerstag..." Mit einer klaren Stimme erzählte Jody ihren Freundinnen wie sie im The Reef in Sam hereingerannt war, die Art wie ihr Vater sie absichtlich auseinandergebracht hatte, das Durcheinander mit den Konten, das Feuer, ihr Verdacht und die Art wie ihre Wohnung systematisch verwüstet worden war. Nachdem sie ihre Story geschildert hatte entstand es ein langes Schweigen und sowohl Sarah als auch Megan blickten die Frauen am Tisch gegenüber mit Entsetzen in ihren Augen an. "Schatz, du zerquetschst meine Finger," bemerkte Sarah freundlich zu Megan, die unbewusst ihren Griff um Sarah's Hand gestrafft hatte. "Ich benötige dort etwas Blutzirkulation." "Oh, das tut mir leid, Liebling," kicherte Megan nervös und ließ augenblicklich die blutleeren Finger los. "Du meine Güte, ich kann das kaum glauben, Jody. Aber die Polizei unternimmt doch etwas?" Jody warf einen kurzen Blick zu Sam und die anderen Frauen sahen ihr Zögern. "Auf eine Art tun sie das," antwortete Sam, die zum erstenmal sprach. "Ich habe ihnen jedoch nichts über die Disketten erzählt." "Aber warum, Sam?" Fragte Sarah vollkommen perplex. "Es scheint so, als ob sie der Schlüssel zu dem ganzen Chaos sind." "Ich weiß," entgegnete Sam." Aber ich wollte sichergehen, dass auf ihnen auch etwas zu finden war." "Hast du etwas gefunden?" Fragte Megan neugierig. Sam blickte zu Jody und entschuldigte sich schweigend über die Art und Weise wie sie von ihren Entdeckungen erfuhr. Doch Jody lächelte und nickte ermutigend zu Sam um fortzufahren. "Nun ja," begann Sam und räusperte sich. "Zuerst dachte ich, dass nichts zu finden sei, doch als ich die Daten trennte, da habe ich einige auffallende Dinge entdeckt. Jeder Arbeitnehmer, der für uns arbeitet hat eine eigene Personalnummer. Sie wird für die Identifikation benutzt. Sie besteht aus einer Kombination aus dem Tag der Einstellung mit dem Geburtstag und einem Kode des Geschlechts. Auf diese Weise ist es beinahe unmöglich, dass zwei Arbeitnehmer die exakt gleiche ID haben. Ich habe herausgefunden das im The Reef einige Leute mit einer genau identischen ID beschäftigt sind." "Was?" Reagierte Jody völlig perplex. "Aber... wie?" "Ich weiß noch nicht wie, aber ich weiß das jemand fünf Beschäftigte erfunden hat, die nicht existieren. Ich habe daraufhin die finanziellen Unterlagen per E-Mail an meinen Bruder geschickt und hoffe, dass er es schnell bearbeiten kann. Ich vermute, dass diese ID's ein Weg waren um Geld herauszuziehen. Ich bin auf zwei Bankkonten gestoßen, die beide in Verbindung zu den fünf Personalnummern standen. Das wirft Fragen auf, wie?" "Aber Sam, warum habe ich das nicht bemerkt? Ich habe unzählige Male durch die Daten gesehen." Rief Jody aus. "Weil sie in verschiedenen Unterverzeichnissen versteckt waren, Liebling. Ich habe eine ganze Weile gebraucht um sie zu finden. Erst als ich anfing sie zusammenzufügen, konnte ich sehen, dass etwas nicht stimmte." "Wann willst du das alles der Polizei sagen, Sam?" Fragte Sarah. "Das ist schlicht und einfach Betrug." "Ich warte zuerst auf Tom's Bericht und ich will wissen wer glaubt, dass diese Disketten wichtig genug sind um eine Bedrohung für Jody zu sein. Ich weigere mich sie jeglicher Art von Gefahr auszusetzen. Es ist ja nicht so, dass es ein Millionen-Dollar-Betrug ist. Ich meine, es ist dort eine Menge Geld verwickelt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, das wesentlich mehr dahinter steckt. Ich würde sehr gerne mit diesem illustren William Jensen reden und seine Version darüber hören."
Brian, einer der Empfangschefs im The Reef hatte gerade einem deutschen Pärchen erklärt wie sie zum Currumbim Vogelschutzgebiet kommen. Er sah zum Eingang, wo eine bekannte, doch sehr selten gesehene Gestalt erschien. Seine Augen wurden größer als er seinen Manager erkannte. Und das an einem Sonntag. Er musste sich schon sehr anstrengen um seine Überraschung zu verbergen und lächelte höflich als William Jensen auf seine Rezeption zukam. "Hallo Brian," begrüßte William Jensen den jungen Mann mit einem Lächeln, dass nie seine Augen erreichte. "Ist alles in Ordnung? Keine Probleme?" "Ähm... nein Sir, nein, alles ist unter Kontrolle," antwortete Brian schnell während er versuchte seine Fassung wieder zu gewinnen. "Keine Probleme. Der Büroflügel ist, wegen dem Feuer neulich, geschlossen, doch ich glaube, dass der Gast der dort einquartiert war, ausgezogen ist." William Jensen blickte stirnrunzelnd auf. "Wir hatten in der Geschäftsführer-Suite einen Gast? Wen?" Brian wusste, dass es ihm nicht gestattet war, irgendwelche Auskünfte über Gäste herauszugeben, doch William Jensen war sein Vorgesetzter. In diesem Fall war es ihm sicherlich erlaubt. "Eine Frau aus Holland, Sir. Jennifer DeWitt." "Von der Stevens Gesellschaft.?" "Oh... ja, Sir, sie hatte eine Mitarbeiter-Identifikation." "Haben sie eine Kopie davon?" "Nun ja... die haben wir... aber..." "Zeigen sie her." William Jensen streckte mit einem strengen Blick seine Hand aus, anscheinend war er nicht in der Stimmung über den Grund seines Anliegens zu diskutieren. Mit erhitzten Wangen durchsuchte der junge Angestellte den Aktenschrank unter seinem Schreibtisch. Jody war diejenige, die sich immer um die Kopien, die sie von den verschiednen Pässen machte, kümmerte. Sie vernichtete diese, wenn die Gäste wieder auszogen. Doch da sie seit Freitag nicht mehr auf der Arbeit war, lagen sie noch immer in einer der Schubladen. Widerwillig gab Brian seinem Vorgesetzten die Kopie von Sam's Mitarbeiter ID. William Jensen zerrte sie ihm beinahe aus seinen Händen und warf eifrig einen Blick auf das Papier. Augenblicklich fühlte er, wie er blass wurde, als er die Person auf dem schwarz-weiß Bild erkannte. Er verzog seine Lippen und versuchte das Zittern seiner Hände zu unterbinden. Gerade in dem Augenblick wo er dachte es könnte nicht mehr schlimmer werden, kam die Tochter vom Boss zu Besuch. Er erkannte sie von einem Bild, dass er in einem von der Stevens Inc. Geschäftsmagazine gesehen hatte. Sie arbeitete für ihren Vater. Er musste nicht fragen warum sie einen anderen Namen benutzt hatte. Sie haben es herausgefunden. Und sie war geschickt worden um die Konten zu überprüfen. William Jensen schluckte schwer als er das Papier zusammenfaltete und, Brian's neugierigen Blick ignorierend, in seine Tasche steckte. "Brian, ich brauch den Schlüssel zum Safe." "Ähm... Jody sagte..." "Es interessiert mich nicht was Jody sagt. Ich bin hier der Manager und ich will den Schlüssel zum Safe. Ich muss etwas deponieren. Ich mag es nicht, wenn zuviel Geld herumliegt." Die Tatsache, das es Sonntag war, war anscheinend seiner Aufmerksamkeit entgangen, doch Brian wagte es nicht diesen Umstand zu erwähnen. Er kannte seinen Manager nicht sehr gut, weil er gewöhnlich mit Jody zu tun hatte, aber er wollte es nicht riskieren seinen Job zu verlieren. Er reichte ihm den Schlüssel und beobachtete schweigend wie sein Vorgesetzter eine Weile damit herumspielte. "Wo ist Jody überhaupt?" Fragte William Jensen schließlich. "Es ist Sonntag, Sir, sie hat dieses Wochenende frei. Außerdem ist gestern in ihrer Wohnung eingebrochen worden. Ich nehme an, dass sie im Moment bei ihrer Familie wohnt." William Jensen spürte wie sein Magen anfing zu rebellieren und er versuchte die plötzlich aufsteigende Übelkeit herunterzuschlucken. "In ihrer Wohnung ist eingebrochen worden? Gestern?" "Ja Sir. Nick hatte Dienst und er erzählte uns, dass Jody ihn angerufen hatte etwas Kaffee herüber zu bringen. Sie mussten auf die Polizei warten." "Diese... Jennifer DeWitt, war sie auch da?" Brian senkte seine Augen und zögerte einen kurzen Moment. "Miss DeWitt war auch da, ja." Außer das Nick gesagt hatte, dass ihr Name Sam Stevens und nicht Jennifer DeWitt ist. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich ihm das nicht erzählen sollte. "Alles klar," sprach William Jensen gedehnt. "Danke Brian." Er drehte sich herum und ging rasch zur Treppe die zum dritten Stock führte, wo sich der Safe befand. Mein Gott, es geht einfach alles schief! Die Tochter vom Boss taucht auf. Und nun sind sie hinter Jody her. Joe hatte recht, sie muss diese Disketten haben. Verdammt! Ich dachte sie würde es niemals herausfinden, geschweige denn Kopien von den vermaledeiten Dateien machen. Jesus, Joe ist erbarmungslos, Jody würde keine Chance haben. Sie weiß nicht in was sie sich da hineingebracht hat. Vielleicht sollte ich sie warnen? Ich meine, sie ist eine sehr nette, ehrliche Person. Es ist nicht ihre Schuld, dass ich in dieser Bredouille stecke. Aber wenn ich sie warne, dann muss ich ihr erklären warum. Das kann ich nicht machen. Ich muss mich aus dieser Sache herausbringen. Ich muss an mich selbst und an meine Familie denken. Gott, Cheryl weiß nichts davon. Wie sollte ich es ihr sagen? Ich brauche nur noch zwei Tage mehr. Ein großer Gewinn auf der Rennbahn und ich bin frei. Ich kann es schaffen. Ich muss es schaffen. Am Mittwoch wird alles vorbei sein. Ich kann das bewerkstelligen.
"Okay Sam, hast du alles arrangiert?" Fragte Sarah, die größere Frau sehr ernsthaft anblickend. Sam nickte und versuchte eisern, die Besorgnis in Jody's Augen nicht zu sehen, die ihrerseits versuchte die Angst zu verbergen und den Knoten in ihrem Magen zu ignorieren. "Ich habe Lucy angerufen. Sie werden einfach da bleiben wo sie gerade sind und warten in dem Restaurant bis sie etwas von mir hören." Sarah schoss einen Blick zu Megan und lächelte ihre Partnerin an. "Ich werde Sam dort absetzen und sofort zurückkommen. In Ordnung?" "Das geht in Ordnung, Süße, Jody und ich werden hier bleiben." Megan nahm Sarah's Hand und zog sie mit sich zur Auffahrt. "Ich werde dich zum Wagen bringen." Jody blickte zu ihren entschwindenden Freundinnen und kicherte trotz ihrer Nervosität. "Das war nicht die Spur einer Andeutung," bemerkte sie. Sam lächelte und zuckte mit ihren Schultern. "Das war nicht sehr sensibel," stimmte sie zu. "Doch ich schätze es genauso." Sie streckte ihre Hand aus und die andere Frau an den Schultern greifend zog sie sie näher. Mit einem tief empfundenen Seufzer schlang Jody ihre Arme um Sam's Taille während sie ihren Kopf gegen eine blaubekleidete Schulter legte. "Du wirst vorsichtig sein, ja?" Fragte sie, obwohl sie die Antwort kannte. "Das werde ich," versprach Sam feierlich. "Ich verspreche es. Ich werde mich dort nur umsehen. Ich könnte mich über das alles auch irren, vielleicht ist es nur meine Fantasie die mit mir durchgeht." Das bezweifle ich Sam, ich kenn dich besser. "Vielleicht," flüsterte Jody, die davon überhaupt nicht überzeugt war. Sie zog ihren Kopf zurück um in Sam's Augen sehen zu können. Für einen langen Augenblick sahen sie sich gegenseitig an und tauschten schweigend Gefühle und Versprechen aus, die Worte nicht ausdrücken konnten. "Du gehst jetzt besser," sagte Jody schließlich. "Es wird nicht leichter, außerdem, je früher du gehst, desto eher wirst du wieder zurück sein. Richtig?" "Richtig," lächelte Sam. Sie beugte ihren Kopf und nahm Jody's Lippen für einen langen Kuss gefangen. Sie nahmen sich ihre Zeit um die Sanftheit der anderen gründlich zu erforschen. Es war Sam die schließlich den Kontakt brach. "Ich werde so schnell es geht zurück sein," flüsterte sie während sie die sommersprossige Nase vor sich küsste. Schnell drehte sie sich um und ging, ohne sich noch einmal umzublicken, zu Sarah die geduldig auf sie wartete. Sich an das letztemal erinnernd, wann sie sich so verloren gefühlt hatte, blickte Jody, ihre Tränen zurückkämpfend, der entschwindenden Gestalt ihrer Freundin hinterher.
"Fiona, bitte hör auf zu jammern. Wir haben für einen Besuch bei deiner Schwester keine Zeit. Ich muss Lebensmittel einkaufen und danach gehen wir zu deinem Vater. Vielleicht das nächste Mal." Joan McDonnell warf einen Blick in ihren Rückspiegel und seufzte als sie das unglückliche Gesicht ihrer jüngsten Tochter sah. Sie wusste, dass die Vierzehnjährige ihre älteste Schwester, die sie nicht sehr oft sah, anbetete. Es war für den Teenager schwer nur mit einem älteren Bruder und einem sehr strengen Vater zusammenzuleben. Fiona war genauso rebellisch wie es Lucy gewesen war, und Joan hatte oft das Gefühl zwischen den Fronten gefangen zu sein ohne die Fähigkeit zu haben eine Partei zu ergreifen. Sie respektierte die auferlegten Regeln ihres Mannes, doch oft taten ihr ihre Kinder leid, und sie hatte Angst, dass die ganzen Regeln und Vorschriften sie eines Tages von zu Hause forttreiben würden. Fiona war genauso aufmüpfig und unverblümt wie Lucy, was ihr schon mehr Ärger eingebracht hatte als ihre Mutter zählen konnte. "Warum rufen wir Jody nicht später an und fragen sie, ob es ihr recht ist, wenn wir sie morgen auf der Arbeit besuchen. Vielleicht können wir zusammen Mittagessen." Joan McDonnell realisierte, dass ihr die Tatsache, dass ihr Mann immer noch im Krankenhaus lag wesentlich mehr Freizeit für bestimmte Unternehmungen gab, wie zum Beispiel ihre Tochter besuchen, etwas das sie normalerweise nicht tun konnte. Tief in ihrem Innersten fühlte sie sich ein wenig über diese Untreue schuldig, doch andererseits schätzte sie die Freiheit, die David's Abwesenheit ihr gab. Fiona's Gesicht erhellte sich und ein strahlendes Lächeln erschien als sie ihre Mutter erwartungsvoll ansah. "Können wir das?" Fragte sie bange davor, dass sie den Vorschlag ihrer Mutter missverstanden haben könnte. "Ja, das können wir," lächelte Joan. "Wir werden deine Schwester anrufen, okay?" "Geil," Fiona strahlte und war plötzlich sehr glücklich über die Aussicht etwas Zeit mit Jody, ohne die Gegenwart ihrer anderen Geschwister, verbringen zu können. Joan lächelte und nahm die rechte Abfahrt von dem Goldcoast Highway um eines von den kleinen Delikatessengeschäften zu besuchen die sie so sehr mochte. Sie parkte ihren Wagen neben Dutch Treat und drehte sich zu ihrer jüngsten Tochter herum. "Gehst du mit mir hinein?" "Bekomme ich etwas Lakritze?" "Versuchst du deine arme alte Mutter zu bestechen?" Lachte Joan. "Nun, in Ordnung, wenn du mir versprichst, dass du nicht, so wie letztes Mal, alles aufeinmal aufisst, dann kannst du etwas haben. Dir war den ganzen Tag übel." "Das verspreche ich," grinste Fiona, stieg aus dem Wagen und folgte ihrer Mutter in den Laden. "Ich werde es diesmal genießen."
Sarah fuhr mit ihrem Wagen auf den Highway und versuchte sich zu entspannen und nicht daran zu denken wie unbequem es für Sam sein musste, die mit ihrer langen Figur, um nicht gesehen zu werden, zusammengefaltet auf dem Rücksitz lag. Sarah blickte über ihre Schulter um in ein paar vergnügte blaue Augen zu sehen. "Geht's dir gut? Es sieht nicht sehr bequem aus." "Ich werde es überleben," grinste Sam die versuchte eines ihrer langen Beine auszustrecken um einen Krampf zu verhindern. "Wir sind sowieso fast da, oder nicht?" "Ja, ich denke es sind noch ungefähr drei Kilometer. Ich werde bei den Geschäften parken. Dort müsstest du unbemerkt aussteigen können. Es gibt dort auch einige Souvenirläden, folglich kannst du dich für eine Weile umsehen und ein Auge auf Lucy und Vogel werfen. Ach, und Sam, für den Fall das du... ähm... verschwinden musst, der Laden an der Ecke hat zwei Eingänge, einen davon auf der Rückseite." "Danke Sarah," kicherte Sam. "Das könnte nützlich sein. Man weiß nie." Sarah parkte ihren Wagen zwischen zwei kleinen Lieferwagen und sah sich schnell um. Es liefen eine Menge Leute herum, doch waren alle sehr interessiert an den Auslagen in den Schaufenstern der Geschäfte. "Du kannst aussteigen, Sam." Sam öffnete die Wagentür und streckte, dankbar ihre Muskeln wieder dehnen zu können, ihre Beine aus. Sie stöhnte als sie einen Krampf in ihrem rechten Bein spürte und rieb die betroffene Wade heftig, bevor sie das Bein belastete. Lächelnd sah sie zu Sarah und verschwand, kaum sichtbar hinkend, in das nächste Geschäft. Sarah's Augen folgen Sam bis nach drinnen und als sie überzeugt war, dass Sam nicht mehr gesehen werden konnte, fuhr sie ohne sich umzublicken los. "Hmmm... Holländische Spezialitäten, wie passend," kicherte sie, bevor sie den Wagen zurück zur Strasse lenkte. Sam entschied sich gemächlich an den Verkaufsinseln vorbeizuspazieren und die verschiednen Artikel zu erkunden, bevor sie ihre Konzentration auf das gegenüberliegende Restaurant wandte. Sie lächelte, als sie eine Dr. Oetker Butterkeks-Mischung erspähte, welche als typisch holländische Köstlichkeit angepriesen wurde. "Ein Stück davon wäre jetzt nicht schlecht," murmelte sie, während sie sich an den süßen, zarten Geschmack erinnerte. Es war eine von Mutters Spezialitäten. Als sie an der Lakritze, den sauren Drops und Pfefferminzstangen vorbeiging, wäre sie beinahe mit einem dunkelhaarigen Teennager, der nahezu vor sie gesprungen war, zusammengestoßen. "Entschuldigung," bat das Mädchen höflich um Verzeihung und sah zu der großen Frau auf. Sam blickte lächelnd hinunter und erstarrte augenblicklich. Das Gesicht, das zu ihr aufschaute war das sommersprossige Ebenbild von Lucy McDonnell, was nur eines bedeuten konnte. Fiona war dabei sich herumzudrehen, um sich ihrer Mutter anzuschließen, die mit dem Geschäftsinhaber sprach, als eine lang vergessene Erinnerung aufblitzte.
Sam sah, wie sich der Gesichtsausdruck der Jugendlichen von zurückhaltendem Interesse zu Erstaunen verwandelte. Ohne zu zögern schritt sie, nach dem Ausgang suchend, schnell an ihr vorbei und sah dort Joan McDonnell direkt vor der Tür, die noch immer mit dem Ladeneigentümer sprach, und somit ihren Fluchtweg versperrte. Sam fluchte innerlich und machte kehrt, um zu der anderen Seite des Ladens zu gehen. Ein Glück, dass du nicht mitgekommen bist, Jody, sonst hättest du eine Menge Schwierigkeiten gehabt. Gott, was mach ich jetzt? Wie komme ich aus diesem Dilemma wieder raus? Sie zog ihr Handy aus ihrer Tasche und wählte die Nummer, die Jody ihr gegeben hatte.
"Weißt du was, Ger? Wenn Sam nicht bald auftaucht, schlafe ich ein," gähnte Lucy während sie ihre dritte Tasse Kaffee austrank. "Auf die Toilette muss ich auch. Ich habe etwas zuviel Kaffee getrunken." Gerald streckte seine langen Beine aus, verschränkte sie an seinen Fußgelenken und sah vollkommen entspannt aus. Sich prächtig amüsierend überflogen seine Augen träge einen vorübergehen Passanten. "Mmmm..." war seine Antwort. Lucy sah ihn mit belustigten Augen an. "Für einen Studenten der Meeresbiologie präsentierst du mit Sicherheit keine große Intelligenz. Mmmm, ist das alles was du von dir geben kannst? Ich versuche ein zivilisiertes Gespräch mit dir zu führen." "Das ist dein Problem Schwesterchen, du redest zu viel," entgegnete Gerald grinsend. Lucy wollte ihm gerade einen spielerischen Tritt verpassen als ihr Handy piepte. "Endlich," seufzte sie. "Hallo? Hi Sam." Ihr Lächeln verschwand plötzlich und Gerald sah wie sie beinahe vom Stuhl aufsprang. "Du machst Witze! ....Nein, natürlich.... wir sind in einer Minute da. Warte dort." Mit großen Augen sah sie zu ihrem Bruder, der vor Neugier fast platzte. "Fiona und Mom sind in dem Laden. Und Sam ist auch da drin." Gerald brauchte keine weitere Aufmunterung. Er erhob seine große Figur und rannte beinahe davon, seine grummelnde Schwester zurücklassend, um die Rechnung zu bezahlen. Fiona blickte von ihrer Mutter, die immer noch ihre angeregte Unterhaltung genoss, zu Sam, die krampfhaft versuchte nicht auszusehen, als ob sie sich in der dunkelsten Ecke verstecken wollte. Ihre intelligenten Augen zeigten ein scharfes Interesse an der blonden Frau, von der sie überzeugt war, dass sie sie kannte. Sam konnte Fiona's durchdringende Augen beinahe fühlen, sie weigerte sich jedoch sie anzublicken. Sie wollte auf gar keinen Fall eine Szene verursachen und damit ihre Chance vermasseln, herauszufinden wer Jody's Wohnung demoliert hatte. Und warum er es getan hatte. Ihr Herz fing an zu rasen als sie aus dem Augenwinkel bemerkte, dass Fiona zu ihr herüberkommen wollte. Doch in diesem Augenblick betrat Gerald den Laden und Sam atmete höchst erleichtert aus. "Hey Mom!" Rief er überrascht aus. "Hi, kleine Promenadenmischung," begrüßte er seine Schwester, die sich herumdrehte um ihren Bruder anzusehen. Sam machte sich eine geistige Notiz, Gerald für die bevorstehenden Akademie-Preise nicht zu empfehlen. "Was machen zwei so bezaubernde Damen wie ihr, in einem Geschäft wie diesem?" Scherzte er. Er küsste seiner Mutter auf die Wange und während er lebhaft mit ihr plauderte, schnappte sie an ihrem Arm, um sie von der Tür wegzuziehen. Ohne das seine Familie es mitbekam zwinkerte er zu Sam, die eiligst ihre Ecke verließ um zum Ausgang zu gehen. Doch als sie ihr Ziel fast erreicht hatte, schritt Fiona vor sie. "Hi Sam?" Flüsterte sie, während ihre dunkelgrünen Augen totale Verwunderung ausstrahlten. Sam sah nervös zu Gerald der immer noch seine Mutter von der Tür wegführte. Sam's Verstand raste, da sie nicht wusste wie sie reagieren sollte. Sie hatte Fiona immer gemocht und sie wusste, dass dieses Gefühl früher auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber was würde das Mädchen tun, wenn sie erkannte wer sie war. Der flehende Blick in diesen großen grünen Augen gab den Ausschlag. Sam erwiderte Fiona's Blick und eine kleines Lächeln verzog ihre Mundwinkel. "Hi Fiona. Ja, ich bin's," antwortete sie leise und lächelte über die Freude auf dem Gesicht des Mädchens. "Hör zu, ich kann jetzt nicht reden, aber ich werde dir alles erklären. Schon bald. Okay?" Fiona nickte und sah zu ihrer Mutter. "Bist du jetzt mit Jody zusammen?" Wisperte sie. Sam war von dieser Frage verblüfft und konnte nur nicken. Sie erkannte, dass das sechsjährige Kind wesentlich mehr wahrgenommen haben musste als die Erwachsenen ihr zugetraut hatten. "Das bin ich," antwortete sie. "Aber ich muss jetzt wirklich gehen." "Ich werde später mit dir reden, Sam. Ich bin froh, dass du zurück bist." Sam griff nach vorne und berührte liebevoll Fiona's Wange. "Es ist schön, zurück zu sein," lächelte sie. "Ich werde dich später sehen. Okay?" "Okay. Ich werde es niemandem erzählen." "Danke. Ich weiss das zu schätzen." Sam trat nach draußen und ging davon, einen von Ehrfurcht ergriffen Teennager, auf dessen Gesicht sich ein riesiges Lächeln ausbreitete, hinter sich lassend.
Das Metall des Wagens reflektierte die brennende Sonne und verhinderte nur, dass die Insassen in der Hitze gebraten wurden. Um Benzin zu sparen hatten sie den Motor abgestellt. Die Seitenscheiben waren heruntergekurbelt, doch es gab keine kühle Brise, nur die Hitze die alles erfüllte und sie vollkommen einhüllte. Fred musste sich wirklich anstrengen seine Augen offen zu halten. Die Hitze machte ihn schläfrig und das fortwährende Anstarren des ständig fließenden Verkehrs war auch nicht gerade hilfreich. "Ich verstehe immer noch nicht warum wir nicht unter einem Baum oder ähnliches haben parken können," murmelte er. "Die Sonne bringt uns um. Die zwei da drüben sitzen behaglich und bequem da und trinken ihren Kaffee. Sie gehen nirgendwo hin, Steve." "Halt deine Klappe, du Idiot," fauchte Klein Steven. "Kannst du nicht sehen das sie telefoniert? Sie könnten in Kürze irgendwo hingehen. Ich vermute, dass Blondie sehr clever ist. Sie muss gewusst haben, dass sie in der Wohnung waren. Sie weiß, dass wir sie suchen. Hab einfach Geduld, ja?" "Ich glaube immer noch, dass es eine verfluchte Zeitverschwendung ist," maulte Fred, der sich auf ein kaltes Foster's freute. Doch plötzlich, als Gerald aufsprang und hastig die Strasse überquerte, setzte er sich kerzengerade auf. "Siehst du das?" Brummte Klein Steven. "Da könnte etwas im Busch sein." Sie beobachteten beide, wie Gerald eines der Geschäfte betrat. Es war ein geschäftiger Sonntag mit einer Menge Menschen, die es genossen an den kleinen Souvenirläden vorbeizuschlendern. Sie bemerkten nicht, wie eine große, blonde Frau eiligst den Laden verließ. Sie mischte sich unter eine Gruppe Touristen und verschwand um die Ecke. Allerdings sahen sie wie Lucy einige Minuten später ihrem Bruder folgte. Plötzlich kam ein schlankes, dunkelhaariges Mädchen nach draußen, die glücklich auf etwas kaute, dass wie Lakritze auszusehen schien. Sie lehnte sich lässig gegen einen der Zeitungskioske auf dem Gehsteig und sah sich mit ihrem sommersprossigen Gesicht gelangweilt um. "Sieh dir das an, Steve," kicherte Fred, die Hitze und seinen Ärger vergessend. "Die Schwester dieser Rothaarigen ist geschrumpft. Oh Mann, sie ist ihr Ebenbild. Denkst du, dass es ihre kleine Schwester ist?" "Kein Zweifel," erwiderte Klein Steven mit einem grimmigen Blick. "Und ich sag dir noch was Fred, sie ist gerade ein Mittel für uns geworden, um an die Disketten zu kommen."
~~~ ENDE - Kapitel 5 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 6 lesen.
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