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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1!
In diesem Kapitel der Story kommt es zu häuslicher Gewalt. Leider stehen weltweit, eine große Anzahl Frauen täglich diesem Terror gegenüber. Lasst uns nicht die Augen davor verschließen, sondern so weit es uns möglich ist, ihnen helfen und sie unterstützen. Wiedereinmal danke ich Cyndi für ihre Korrekturlesung. Cyndi, du machst eine großartige Arbeit und ich kann dir nicht oft genug sagen wie dankbar bin, dass du für meine Träumereien Zeit übrig hast. Wie immer, widme ich diese Story der Frau, die mir half wieder an die Liebe zu glauben. TCB, in dir fand ich nicht nur die Liebe meines Lebens, sondern auch meine beste Freundin, meine Zukunft... Jeder Tag den ich mit dir verbringe ist ein Segen für den ich ewig dankbar sein werde. Kommentare? Feedback? Fragen?
The Reef - Kapitel 9 |
| The Reef Kapitel 9
Das große Büro war klimatisiert und kühl genug, um eine Jacke tragen zu können. So liebte es Joe Michaels. Er sagte seinen Leuten immer, dass eine niedrige Temperatur sein Gehirn schneller arbeiten ließ. Und schnell war es, als er den drei Männern, die ihm in den niedrigen Sesseln die um den Schreibtisch herumstanden, gegenüber saßen, seine Pläne erläuterte. Joe Michaels selbst saß nicht, sondern stand, sich mit seinen Händen auf der dunklen Oberfläche aus Eichenholz abstützend, hinter dem Schreibtisch. Er sprach mit gedämpfter Stimme und jeder der ihn kannte, konnte die Erregung, die er zu verbergen versuchte, heraushören. Seine Augen strahlten und das leichte Lächeln, das seine Mundwinkel verzog verließ nie sein Gesicht. Als er schließlich zu reden aufhörte, war es in dem Raum still und seine Augen schweiften über seine schweigenden Partner. Steven's Gesicht war wie immer stoisch. William Jensen's Gesicht war blass und er trommelte nervös mit seinen Fingern auf sein Knie. Fred, der jüngste von den Dreien rutschte auf seinem Stuhl herum. Es war eindeutig zu erkennen, dass er sich nicht wohl fühlte, und trotz des kühlen Raumes bemerkte Joe Michaels den Schweiß auf seiner Stirn. "Gentlemen, ich hab euch meine Pläne erläutert," fuhr Joe Michaels fort. "Und ich kann euch versichern, das es kein Zurück gibt. Kein Rückzieher." Er warf ein Blick auf Fred, der angestrengt versuchte nicht zu zittern. "Wir stecken da zusammen drin, ihr vermasselt es besser nicht, weil ihr damit eure eigene Haut verkaufen würdet. Wenn ich dran glauben muss, dann werde ich euch mitnehmen." Um seinen Worten einen dramatischen Effekt zu verleihen, hielt er inne, was die Wirkung auf sein Publikum nicht verfehlte. "Aber wenn wir Erfolgreich sind, dann verspreche euch, das es euch allen, sofern ihr wollt, frei steht zu gehen. Und wisst ihr was? Ihr werdet reich sein!" Sein Lachen verursachte Fred Bauchschmerzen und er senkte seine Augen, damit sein Boss den Abscheu in ihnen nicht sehen konnte. William Jensen biss seine Zähne zusammen, das seine Kiefermuskeln hervorstanden. Er bekämpfte immer noch sein Schuldgefühl, versuchte jedoch, sich auf seine Zukunft zu konzentrieren, wo es keinen rachedurstigen Joe Michaels gab, der ihn wie einen kleinen Verbrecher behandelte. Und alle Gedanken an Jody und ihre Freundin wurden verdrängt. Er sagte sich immer wieder, das es das Beste war, er hatte sich um seine Familie zu kümmern. Das er, für seine Frau und Tochter die Arbeit ordentlich erledigen musste, weil wenn er es nicht tat, dann würde er niemals nach Hause kommen. Er würde den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen, oder was noch schlimmer war... er würde ums Leben kommen. "Irgendwelche Fragen?" Erkundigte sich Joe Michaels während er auf seine Uhr blickte. "Was ist mit dem Mädchen Joe?" Fragte Klein Steven. "Sollen wir sie jetzt vergessen?" "Ja klar, konzentriert euch jetzt nur auf den großen Fisch. Wenn die kleine Göre euch jedoch in die Quere kommen sollte, dann weißt du was du zu tun hast." "Sie beseitigen," antwortete Klein Steven so beiläufig, als ob sie über kein Menschenleben sprachen. Um das Keuchen zu verbergen, räusperte sich Fred und wischte die Feuchtigkeit, die langsam tröpfelnd seinen Rücken hinunterlief, von seiner Stirn und Oberlippe. Sie ist im gleichen Alter wie meine Schwestern. Nancy und sie sind gerade mal Schulmädchen. Mein Gott, sie ist außerdem die Schwester von jemandem, wie können sie so etwas überhaupt in Erwägung ziehen. Aber ich habe keine andere Wahl. Gott Fiona, komm uns bitte nicht in die Quere! Ich will dich nicht verletzen. Es wäre, als wenn ich meiner eigenen Schwester weh tun würde. Fred spürte einen stechenden Schmerz, und er musste einige Male tief Luft holen, um seine Atmung wieder zu normalisieren. Natürlich hatte Joe Michaels dies bemerkt. Mit ausdrucklosen Augen und einem grimmigen Gesichtsausdruck warf er einen Blick zu Klein Steven. "Wird mit ihm alles klar gehen?" Fragte er, als ob Fred gar nicht anwesend war. Ohne seinen jungen Partner anzusehen und niemals dem Blick seines Bosses ausweichend, nickte Klein Steven. "Er wird alles richtig machen, Joe. Keine Sorge. Er ist noch ein Junge, aber er wird es lernen." "Nun gut, wenn es keine weiteren Fragen gibt, dann könnt ihr euch auf den Weg machen. Erinnert euch nur daran vorsichtig zu sein, ich will keine Aufmerksamkeit erregen. Mir ist lieber wenn ihr Kerle euch dabei Zeit lasst. Wir werden sie bekommen. Haltet euch einfach an den Plan. Alles Klar?"
"Fiona, zum zigsten Mal, du kannst das nicht so übersetzen. Herrgottnochmal, es ist Deutsch und nicht Englisch. Die Grammatik ist vollkommen anders und du musst die richtigen Fälle benutzen," rief Jody frustriert, nachdem sie ungefähr zwanzig Minuten versucht hatte ihrer Schwester die Regeln der deutschen Grammatik zu erklären. "Warum hast du dir überhaupt diese Sprache herausgesucht? Hatten sie nichts leichteres?" "Jetzt lass gut sein, Schwesterherz," grinste Fiona. "Ich weiß, das es schwer ist, aber die Deutschen haben großartige Trinklieder." Ihre Augen funkelten schelmisch als sie ihre Schwester anblickte, die finster dreinblickend ihre Stirn kraus zog. "Na komm schon, Karen's Großvater ist Deutscher und ich denke, dass es einfach eine lustige Sprache ist. Du solltest ihn hören, wenn er Karen's Bruder anschreit," grinste Fiona. "Einfach köstlich!" Jody hörte ein unterdrücktes Kichern hinter sich, und als sie sich umdrehte, sah sie Sam mit einem dampfenden Becher in ihrer Hand, an die Küchenablage gelehnt. "Lach nicht, Sam. Es ist schrecklich. Moment mal!" Jody's Augen fingen an zu leuchten und sie drehte sich in ihrem Stuhl herum, um ihre Geliebte ansehen zu können. "Holländisch und Deutsch sind sich ähnlich, oder nicht? Vielleicht kannst du Fiona helfen." Während Sam ihren Kopf schüttelte lachte sie und ihre hellblauen Augen leuchteten fröhlich. "Oh nein, meine Liebe," hielt sie dagegen. "Sie scheinen sich zu ähneln, aber sie sind vollkommen verschieden. Wir benutzen solche Fälle nicht. Außerdem hatte ich niemals Deutsch. Zur Not kann ich es sprechen, aber ich versage völlig, wenn es zu ihrer Grammatik kommt. Ich kann Fi das keinesfalls beibringen. Wir Holländer sind mehr daran interessiert den Deutschen beim Fußball eins auszuwischen, als ihre Sprache zu sprechen." "Du bist keine große Hilfe," murmelte Jody frustriert, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder zu Fiona wandte, wobei sie das Kichern ignorierte, das ihre Worte hervorgerufen hatte. "Tut mir leid!" Brummelte Sam während sie Fiona anblinzelte, die glücklich zurückblinzelte. Während Jody und ihre Schwester sich wieder auf die Übersetzung konzentrierten starrte Sam, ohne wirklich etwas zu sehen, in die Ferne. Ihre Gedanken schweiften zu den Informationen, die ihr Bruder ihr geschickt hatte und sie versuchte eine Lösung für die entstandenen Probleme zu finden. Es war offensichtlich, das William Jensen tief in einige verbrecherische Aktivitäten verwickelt war, die eine Menge Geld erforderten. Das The Reef, mit seinem Hauptsitz in Europa, war eine ausgezeichnete Quelle um Geld abzuzweigen. Die aufgezeichneten Konten enthielten keinerlei Anzeichen, das etwas nicht stimmen könnte, bis diese anonyme E-Mail eintraf und Tom einen genaueren Blick auf die Verwaltung des The Reef's warf. Es waren große Geldsummen auf andere Bankkonten weitergeleitet worden. Irgendwie glaubte Sam nicht, das William Jensen der Kopf der ganzen Sache war. Sie vermutete das er nur eine weitere Marionette, in einer Art von kriminellen Organisation war, die recht viel Macht über ihn hatte. Wenn ich nur mit ihm reden könnte. Ich wette, das ich ihn ein wenig zum Schwitzen bringen könnte, vielleicht würde er ein paar Informationen ausspucken. Aber ich habe Carol Wong versprochen mich da raus zu halten. Außerdem würde Jody wild werden. Sam seufzte und ihre Augen wanderten zu einem roten und einem dunkel Kopf, die über die Bücher, die über den ganzen Tisch verstreut lagen, gebeugt waren. Ihre Augen wurden weicher und ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Nein, sie würde Jody's Zorn nicht herausfordern. Das war es nicht wert. Sie hatte versprochen sich rauszuhalten und eine gute Bürgerin zu sein. Aber es waren schon zwei Tage vergangen seit sie mit der Detektivin gesprochen hatte, und das eingesperrt sein in Megan's und Sarah's Haus machte sie unruhig. Finde dich damit ab Sam, du hast diesmal nicht die Oberhand. Und du bist das nicht gewohnt. Diesmal musst du dich darauf verlassen, das andere das Problem lösen. Und das gefällt dir gar nicht! Sam schüttelte, so als ob sie eine Fliege vertreiben wollte, ihren Kopf und mit einem herzergreifenden Seufzer wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Kaffee zu. Sie nahm die duftende, süße Flüssigkeit kaum wahr, denn trotz ihres Versprechens war sie in ihren Gedanken eifrig dabei einen Plan zu entwerfen.
Mit zitternden Händen packte Joan McDonnell den Koffer ihres Mannes aus, räumte die saubere Kleidung ordentlich in die Schrankfächer und warf die schmutzigen Sachen in den bereits vollen Wäschekorb. Nachdem der Arzt ihn an diesem Morgen entlassen hatte, hatte sie ihn vom Krankenhaus abgeholt. Ein Teil von ihr war froh, das er wieder gesund genug war um nach Hause zu gehen, aber der andere Teil bedauerte den Verlust ihrer Freiheit, die sie die Woche zuvor erleben durfte. Seit David McDonnell erfahren hatte, das seine Frau Jody getroffen hatte ignorierte er sie, indem er mit ihr kaum sprach. Er sprach nur wenn sie ihn etwas fragte und seine Antworten waren immer kurz und schroff gewesen. Das ließ sie sehr nervös und unsicher werden. Besonders, als sie realisierte, das sie ihn mit den Informationen, die Jody und Sam ihr gegeben hatten, konfrontieren musste. Sie wusste, dass sie ihm gegenübertreten musste, bevor er bemerkte das Fiona nicht von der Schule nach Hause kommen würde. "Gibt es noch irgendwelchen Kaffee?" Hörte sie plötzlich seine Stimme hinter sich. Erschrocken drehte sie sich um, und sah wie seine noch immer wütenden Augen auf ihr ruhten. "Ich werde dir welchen holen," antwortete sie, ließ den Stapel Wäsche liegen und eilte in die Küche. Sie bemerkte, das er ihr folgte und nachdem sie tief Luft geholt hatte drehte sie sich zu ihm um. "David, wir müssen reden." "Nein, das müssen wir nicht," antwortete er gefühllos. "Ich will von dir nur etwas Kaffee. Du hast mich enttäuscht, Joan. Ich brauche Zeit um damit fertig zu werden. Eine Frau soll ihrem Mann gehorchen." Joan McDonnel konnte spüren wie es ihr kalt den Rücken herunterlief und plötzlich schien alle Besorgnis von ihr abzufallen und sie war entschlossen und gefasst. "Eltern sollen ihr Kind lieben," entgegnete sie mit klarer Stimme. Diese Bemerkung erregte seine Aufmerksamkeit und plötzlich senkte er die Tasse, die er zu seinen Lippen geführt hatte, während seine Augen einen eiskalten Ausdruck annahmen. "Was?" Spie er beinahe. "Eltern sollen ihr Kind lieben," wiederholte Joan und ihr wurde schlecht als sie seinen Blick sah. "Was soll das heißen? Willst du mir sagen, dass ich meine Kinder nicht liebe?" Seufzend schob Joan McDonnell ihr Haar aus ihrer Stirn. "Ich habe nicht gesagt, dass du deine Kinder nicht liebst. Ich bin davon überzeugt, dass du es auf deine Art tust. Aber was dir richtig erscheint David, ist nicht immer das Richtige für die Kinder." "Das heißt?" "Die Art wie du Jody behandelst ist schrecklich." Da, es war raus, sie hatte es gesagt. Joan McDonnell biss sich auf ihre Unterlippe und bereite sich auf den bevorstehenden Zornesausbruch vor. Sie brauchte nicht lange zu warten. David McDonnell starrte seine Frau an, so als ob er sie zum ersten Mal sehen würde. Seine Augen wurden zu Schlitzen und sein Gesicht verfärbte sich rot. Mit einem zerschmetternden Geräusch knallte er seine Tasse auf die Küchenablage. Das Porzellan zerbrach und der braune Kaffee ergoss sich über die glatte Oberfläche. Einige Tropfen liefen langsam an einen der Küchenschränke herunter und bildeten eine kleine Lache auf dem tadellos sauberen Boden. "Und was soll das heißen?" Fauchte er. Joan McDonnell schluckte heftig und nervös leckte sie sich über ihre Lippen. "Als Sam ging, hast du Jody angelogen. Und du hast Sam angelogen. Du sagtest ihr, dass Michael nach dem Unfall querschnittsgelähmt sei, und du hast ihr mit der Polizei gedroht. Sie ging nach Hause zurück, da sie glaubte, das Jody sie deswegen nicht mehr sehen wollte." Joan sah, wie das Gesicht ihres Mannes zuerst hellrot wurde und dann vollkommen seine Farbe verlor. Für einen Augenblick befürchtete sie, dass sein Herz den Stress nicht verkraften könnte, aber als er seinen Mund zum Sprechen öffnete wusste sie, dass er sich gefangen hatte. "Und wer hat dir das gesagt?" "Sam," antwortete Joan McDonnell. "Etwa Samantha Stevens? Diese sündhafte, gottverlassene Kreatur? Sie ist zurück? Diese Schwule? Und du glaubst ihr?" Joan McDonnell holte tief Luft und richtete sich unbewusst auf, um der nächsten Runde gegenüberzutreten. "Ja, ich glaube ihr. Sie ist eine sehr nette, ehrliche Person. Und selbst wenn du ihrer Beziehung zu unserer Tochter nicht zustimmst, hattest du kein Recht sie auf diese Art und Weise zu behandeln. David, du hast unsere Tochter aus dem Haus getrieben. Das war falsch!" David McDonnell war so wütend das er nicht sprechen konnte. Er starrte seine Frau voller Abscheu an und obwohl er einige Male seinen Mund öffnete und wieder schloss, kam kein Ton heraus. In blinder Wut hob er seine Hand und mit einem widerlichen Geräusch schlug er seiner Frau quer über das Gesicht. Ihr Kopf flog zurück und bevor sie die Chance hatte zurückzuweichen schlug er sie nochmals. Blut quoll aus ihrer Nase und einem Riss über ihrer Augenbraue, und stach durch die Blässe ihrer Haut hervor. Joan McDonnell war so bestürzt, das sie nicht einmal den Versuch machte das Blut wegzuwischen. Ungläubig blickte sie ihren Mann an. Einige Augenblicke starrten sie sich, ohne ein Wort zu sprechen, gegenseitig an. Schließlich, nach einer Zeit, die ewig zu dauern schien, drehte sich Joan McDonnell um, schnappte ihre Autoschlüssel und Handtasche vom Tisch und ging, ohne sich umzublicken zur Tür.
Es war ein weiterer schöner Tag mit einem strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. Touristen durchquerten langsam die Strassen und die mutigeren waren für ein Sonnenbad am Strand oder genossen das kühle, salzige Meerwasser. Die arbeitende Bevölkerung in ihren klimatisierten Büros, Geschäften und Restaurants war glücklich darüber aus der stickigen Hitze heraus zu sein. Kleine Gruppen von Leuten gingen durch den imposanten Eingang des The Reef, waren an der Rezeption beschäftigt oder einfach nur froh darüber einen Tag lang einkaufen zu gehen oder eine Besichtigungstour zu machen. "Wozu soll es gut sein, einfach nur herumzusitzen und zu warten?" Murrte Fred. "Ich habe das Gefühl, das ich in letzter Zeit nur herumsitze und einen Hitzeschlag bekomme." "Hör auf zu jammern," grollte Klein Steven. "Zumindest sitzt du zur Abwechslung mal im Schatten. Wie du weißt könnte es schlimmer sein." "Wieviel?" Fragte Fred, der mit sich und der ganzen Welt unzufrieden war. Klein Steven antwortete seinem jungen, unerfahrenen Partner nicht sofort, sondern drehte seinen Kopf, um ihn anzusehen. Als Fred schließlich den Mut aufbrachte aufzublicken war er bestürzt die Kälte in Klein Steven's Augen zu sehen. "Du hättest tot sein können." Fred spürte wie es ihm kalt an seinem Rücken herunterlief, er senkte schnell seine Augen, und während er krampfhaft versuchte seine Fassung nicht zu verlieren kämpfte er gegen seine Instinkte, die ihm sagten, dass er aufspringen und davonrennen sollte. Als er schluckte konnte er die Galle in seiner Kehle schmecken. Wiedereinmal fragte er sich, wie er sich nur mit Joe Michaels einlassen konnte. Obwohl seine Jugend jämmerlich war und er von zu Hause fortlief, um seinem betrunkenen und gewalttätigen Vater zu entkommen, hatte er es immer geschafft sich von ernsthaften kriminellen Aktivitäten fernzuhalten. Was habe ich mir nur dabei gedacht für Joe zu arbeiten? Ich muss verrückt gewesen sein! Und wie komme ich nun aus diesem Schlamassel heraus? Ich könnte bereits tot sein. Ein Fehler, und sie werden mich, so einfach, als ob sie eine lästige Fliege erschlagen, töten. Sie haben keine Ehrfurcht vor dem Leben. Ich bin nicht so... oder doch? Wie komme ich hier raus? Ein Stoss in seine Seite weckte Fred aus seinen Grübeleien, und erschrocken blickte er zu Klein Steven, der ihm einen neugierigen Blick zuwarf. "Bist du bereit?" "Wofür?" Fragte Fred, der sich plötzlich äußerst nervös fühlte. "Hörst du nie zu?" Grollte sein Begleiter. "Was hat Joe uns aufgetragen? Wir sollen etwas Unruhe schaffen und sicherstellen, dass die Blonde herkommt, um Dad's hochgeschätzten Ruhesitz einen Besuch abzustatten. Richtig?" Fred konnte nur nicken, da er wusste, das was auch immer Klein Steven vorhatte, es ihm nicht gefallen würde. "Ich habe mir einen Plan ausgedacht. Er ist sehr einfach und trotzdem effektiv." Klein Steven hielt inne, um Fred die Möglichkeit zu geben über seine Worte nachzudenken. Die unvermeidliche Frage ließ nicht lange auf sich warten. "Was für ein Plan?" "Ein sehr altmodischer," grinste Klein Steven. "Ein Überfall." Fred, dessen Gesicht bereits blass war verfärbte sich, nachdem er die Worte gehört hatte, grünlich. "W... wie?" "Ganz einfach, wir gehen hinein, drücken unsere Waffen unter die Nase von demjenigen wer auch immer hinter der Rezeption sitzt und fordern Geld. Sogar du Freddie Boy, kennst einen solchen Überfall," grinste Klein Steven. "Auf geht's. Es ist Showtime." Er öffnete die Autotür, entfaltete seinen massigen Körper und streckte gemächlich seine Muskeln, die vom Sitzen in dem Wagen steif geworden waren. Fred hatte keine andere Wahl, als seinem erfahrenen Partner zu folgen und versuchte nicht zu ängstlich auszusehen, während er das Bild von seiner jüngeren Schwester aus seinem Verstand verbannte. Brian griff gerade nach dem Telefon, um jemanden zu bitten ihn zu vertreten damit er zum Mittagessen gehen konnte, als er sah wie zwei Männer auf ihn zukamen. Ein älterer Mann mit sehr viel Selbstvertrauen und eine jüngerer, gerade mal ein Teenager, der sich nicht so wohl zu fühlen schien, da er sich nervös umschaute. "Guten Tag meine Herren. Was kann ich für sie tun?" Lächelte er. Der ältere Mann lehnte sich lässig gegen die Rezeption und sah sich neugierig um. "Netter Ort," schwärmte er. "Ich wette sie sind völlig ausgebucht, wie?" "Wenn sie an einem Zimmer interessiert sind, dann kann ich nachsehen ob im Augenblick etwas frei ist," antwortete Brian höflich. "Klingt, als ob hier viel los ist," grinste klein Steven. "Fein. Ich mag florierende Geschäfte." Brian warf dem Mann stirnrunzelnd einen verwirrten Blick zu. "Sehen sie diese Jacke?" Fragte er, auf seine Brust deutend. "Ähm... ja mein Herr," antwortete Brian zögernd, der nicht wusste was er von der Situation halten sollte. Er sah zum Telefon und rechnete sich aus, wie lange er brauchen würde um es im Notfall zu erreichen. "Denk nicht mal daran," bemerkte Klein Steven ruhig und lächelte dabei noch immer. "Siehst du, in dieser Jackentasche ist eine Waffe." Kicherte er, wobei er ganz offensichtlich die Situation genoss. "Und in diesem Augenblick ist sie genau auf deine Brust gerichtet. Und soll ich dir noch was verraten? Mein Finger ist am Abzug." Brian spürte wie sein Mund trocken wurde, und nervös wanderten seine Augen von Klein Steven zu Fred, der mit seinen Händen in den Taschen schweigend neben seinem Partner stand. "Wa... was wollen sie?" Fragte Brian, nachdem er sich vorsichtig geräuspert hatte. "Was denkst du? Geld natürlich. Ich weiß, das dieses Hotel gut besucht ist und ich nehme an, das es hier irgendwo einen Safe gibt, also... warum bringst du uns nicht dahin?" Brian's Augen überflogen die Umgebung. Er war froh, dass die meisten Gäste ausgegangen oder zum Mittagessen waren. Da waren nur einige Leute, die zu entfernt standen um zu bemerken, das irgendetwas nicht stimmte, doch zu nah, falls geschossen wurde. "Ich... ich muss einen meiner Kollegen anrufen, um hinunterzukommen, und..." "Nein, das wirst du nicht," unterbrach ihn Klein Steven. "Es wird nicht lange dauern. Außerdem weiß ich, dass du ein nettes kleines Schildchen hast, das du auf die Rezeption stellen kannst. Was steht da noch mal drauf? Bin gleich zurück?" "Der... der Safe ist oben im Büro des Manager's," erklärte Brian. "Prima, dann lass uns gehen und es hinter uns bringen. Ich bin mir sicher, dass du Hunger hast. Ich bin jedenfalls am verhungern." Klein Steven grinste und wies mit seinem Kopf zur Treppe. "Geh voraus."
Lucy gähnte, schoss einen Blick auf ihre Uhr und war erfreut das es Zeit zum Mittagessen war. Sie hatte den Vormittag damit verbracht, Akten für einen der Rechtsanwälte herauszusuchen, die er brauchte um Nachforschungen für einige seiner neuen Fälle vornehmen zu können. Obwohl Lucy mitten in der Natur aufgewachsen war und sich nicht davor scheute ihre Hände schmutzig zu machen, hasste sie Staub. Sie musste immer niesen und war über die tränenden Augen und die laufende Nase überhaupt nicht glücklich. Da sie wusste, dass David die Akten wirklich benötigte hatte sie sich nicht beklagt. Außerdem hatte er ihr, da er ihre Abneigung in alten Akten herumzuwühlen kannte, ein Mittagessen versprochen. Lucy grinste, und entschlossen das Beste daraus zu machen überflog sie eine Liste der teuersten Restaurants. Es geschah nicht oft, das einer ihrer Chefs in einer so großzügigen Stimmung war. Sie runzelte ihre Stirn als das Telfon klingelte, und überlegte sich ob sie dran gehen sollte, doch da David noch nicht zurück war und ihr Aufgabenreich eindeutig festgelegt war beschloss sie ranzugehen. "Danke das sie Johnson, Goldman und O'Connor angerufen haben. Lucy McDonnell am Apparat. Was kann ich für sie tun?" "Lucy? Ich bin's," erklang eine vertraute Stimme. "Hey Mom," lächelte Lucy. "Was gibt's? Du hörst dich müde an. Wie geht's Griesgram?" "Ich... ähm... ich... dein Vater und ich hatten einen Streit, und... ich... ich bin fortgegangen." "Was?" Das Lächeln war von Lucy's Gesicht verschwunden und plötzlich setzte sie sich, den Hörer fest umklammert, kerzengerade auf. "Mom? Was ist passiert? Wo bist du?" Rebellisch und freimütig wie sie war, konnte sich Lucy niemals vorstellen, dass ihre Mutter ihrem Mann den Rücken kehren würde, und sie begriff, das es ihrer Mutter sehr ernst sein musste, wenn sie so etwas tat. "Ich bin in den Wagen gesprungen und einfach losgefahren. Ich... ich wusste einfach nicht wo ich hin sollte." "Wo bist du jetzt, Mom?" Wollte Lucy wissen, als sie den Kummer in der Stimme ihrer Mutter hörte. "Draußen, vorm The Reef. In einer der Telefonzellen. Ich weiß wirklich nicht was mich dazu gebracht hierher zu kommen," kicherte Joan McDonnell nervös. "Ich muss... verwirrt gewesen sein..." "Hat er dich verletzt, Mom?" Fragte Lucy mit blassem Gesicht und zitternden Händen. Ihre Mutter war so lange still, dass Lucy dachte sie hätte die Frage nicht gehört. Gerade als sie ihre Frage wiederholen wollte fing ihre Mutter an zu sprechen. "Er hat mich geschlagen." Lucy schloss ihre Augen und versuchte die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. "Bleib wo du bist, Mom. Ich mach mich sofort auf den Weg," forderte sie ihre Mutter, mit einer vor Rührung rauen Stimme auf. "Ich... ich hab ihn herausgefordert Luce, und er hat mich geschlagen," wiederholte ihre Mutter, die sich immer noch benommen anhörte. "Wir werden darüber reden," antwortete Lucy, während sie ihre Handtasche und Autoschlüssel schnappte. "Bleib wo du bist, Mom. Ich hole dich ab. Okay?" "Okay," flüsterte Joan McDonnell. "Ich werde hier auf dich warten." "Ich bin in ein paar Minuten da, Mom. Ich mach mich sofort auf den Weg." Ihr Mittagessen vollkommen vergessen, sprang Lucy auf und rannte beinahe zur Tür.
Brian's Herz hämmerte wie verrückt in seiner Brust und seine Beinmuskeln waren von der Anspannung steif, als sie die Stufen zum ersten Stock hinaufgingen, während Klein Steven direkt hinter ihm war. Auf ihrem Weg nach oben begegneten sie einem asiatischen Pärchen, das freundlich nickte und Brian's gezwungenes Lächeln, sein blasses Gesicht und den Schweiß auf seiner Stirn nicht bemerkte. Mit zitternden Fingern öffnete Brian die Tür zum Büro des Manager's. Sofort wurde er unsanft in den Raum gestoßen, wobei er fast über seine Füße gestolpert wäre. Ein leises Klicken sagte ihm, das die Tür hinter ihm geschlossen wurde. Nervös blickte er über seine Schulter und sah wie Klein Steven anerkennend das Büro betrachtete. "Ein nettes Büro, Billie Boy," hörte er ihn flüstern. Ohne zu zögern ging Klein Steven zu einem der Ölgemälde die die Wand verzierten. Er griff hinter die Kopie von Van Goghs Drei Sonnenblumen in einer Vase, zog einen kleinen Schlüssel hervor und warf ihn mit einem triumphierenden Lächeln zu Brian. "Öffne den Safe," befahl er, nahm seine Hand aus seiner Jacke und zeigte mit seiner 10mm Glock zum besagten Gegenstand, worauf Brian leichenblass wurde. Ohne Protest kniete sich Brian vor den Safe und öffnete eiligst die Stahltür. Es war nicht viel drin. Ein Stapel Dokumente, eine kleine Box, die wie ein Schmuckkasten aussah und einige ordentlich gebündelte Dollarnoten. "Gib mir das Geld," grollte Klein Steven. "An dem Rest bin ich nicht interessiert." Brian nahm eines der Bündel, schätzte das es ungefähr fünfhundert australische Dollar sein mussten und sah unschlüssig auf. "Ähm... ich... wollen sie, dass ich es in eine Tasche oder etwas ähnliches tue?" Fragte er, und wünschte sich er wäre mutig und stark genug, um auszuspringen und dem großen Mann mit der Waffe so eine zu verpassen, dass ihm die Lichter ausgehen würden. Und dumm genug. Erklang eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf. Was ist los mit dir? Willst du sterben? "Fred, gib ihm einen Umschlag oder so," befahl Klein Steven. "Einen großen," fügte er grinsend hinzu. Fred befolgte schweigend den Auftrag seines Partners und ging zu einem der Aktenschränke, um einen großen Umschlag zu holen. Als der jüngere Mann Brian den Gegenstand reichte trafen sich kurz ihre Augen, und Brian hätte schwören können, dass er darin Gewissensbisse sah. Während sein Verstand Überstunden machte, steckte er eiligst das Geld in die Papiertüte. Irgendetwas ergibt hier keinen Sinn. Es sollte nicht soviel Geld im Safe sein. Ich weiß, dass William gestern in seinem Büro war, und er bringt jedes Mal das Geld zur Bank. Warum hat er das nicht gemacht? Hat er....? Moment mal! Billie Boy? Hat das nicht dieser Idiot gesagt? Brian erinnerte sich plötzlich an das seltsame Verhalten seines Chefs als er die Kopie von Samantha Steven's Pass haben wollte. Er war sehr angespannt und Brian wusste, das er etwas verheimlichte. Könnte dieser Überfall irgendetwas damit zu tun haben? Weiß William darüber Bescheid? Hat er sie geschickt? "Beweg dich, du Irrer." Ein Tritt in den Rücken weckte Brian aus seinen Grübeleien und er schluckte schwer. Bleib ruhig Bri. Zeig ihm nicht was du denkst. Mein Gott, ich muss Samantha oder Jody anrufen und sie wissen lassen...
Lucy benötigte nur fünf Minuten um den Vorplatz vor dem The Reef zu erreichen. Ein Parkverbotsschild ignorierend und damit einen Strafzettel in Kauf nehmend, parkte sie schnell ihren Wagen, sprang heraus und überflog die Gegend nach ihrer Mutter. Erleichtert seufzend erspähte sie ihre Mutter auf einer Bank vor dem Hotel. Sogar aus der Entfernung konnte Lucy sehen, das ihre Mutter erschüttert war. Sie schien benommen zu sein und ihre Umwelt nicht wahrzunehmen. Starrte jedoch mit leeren und glasigen Augen in die Ferne. Als sie näher herankam bemerkte Lucy eine dunkle Schwellung auf der Wange ihrer Mutter, und eine aufgeplatzte, geschwollenen Lippe aus der ein kleiner Tropfen Blut heraussickerte. Sie spürte wie sich ihr Magen zusammenzog und während sie, um sie nicht zu erschrecken, langsam auf ihre Mutter zuging, versuchte sie die Tränen von Traurigkeit, Frustration und Zorn zu bekämpfen. "Hey Mom," sagte sie leise, während sie sich vor die ältere Frau hinkniete. "Was ist passiert?" Joan McDonnell blickte auf und als sie den besorgten Blick in Lucy's Augen sah versuchte sie zu lächeln. Aber anstatt eines Lächelns sah ihre Tochter ein schmerzverzerrtes Gesicht als ihre verletzte Lippe wieder aufplatzte. "Dein.... Vater.... und ich.... Wir hatten einen Streit," erklärte sie mit kaum wahrnehmbarer Stimme. "Er hat mich geschlagen und ich bin fortgelaufen. Lucy, ich.... ich will nicht, dass die Jungs oder Fiona mich so sehen. Ich... will nicht zurückgehen, aber ich weiß nicht was ich tun soll." Die tiefe Traurigkeit in der Stimme und den Augen ihrer Mutter war beinahe nicht zu ertragen. Lucy hätte normalerweise ihre Mutter dazu ermutigt wütend und frustriert mit ihrem Ehemann zu sein, ihn anzuschreien und zu toben, aber es gab keinerlei solcher Empfindungen. Da war nur eine tiefe Traurigkeit. Was immer du auch tust, geh nicht zu ihm zurück! Er verdient es nicht. Letztendlich hat er bewiesen was für ein Mensch er ist. Denk zur Abwechslung mal an dich selbst Mom. Hör auf seine Sklavin zu sein. "Mom, ich kann dir nicht sagen was du tun sollst," antwortete Lucy. "Aber ich hoffe, dass du nicht zu ihm zurückgehst." "Was ist mit den Jungs?" "Die können auf sich selbst aufpassen. Mach dir um sie keine Sorgen. Wenn du willst, dann werde ich nach der Schule vorbeigehen und nachsehen was sie machen. Okay? Bitte, denk zur Abwechslung mal an dich." "Ich weiß nicht wo ich hin soll," flüsterte Joan McDonnell. "Du kannst bei mir bleiben," entgegnete Lucy schnell, während sie froh darüber war, dass sie am Vortag ihre Wohnung aufgeräumt hatte. "Dort wird er mich zuerst suchen," wandte ihre Mutter ein, und Lucy musste zugeben, dass sie damit recht hatte. "Nun ja, dann rate ich, dass wir eine andere Lösung finden müssen," sagte sie mit dem Versuch fröhlich zu klingen. "Wie wär's wenn du bei Jody bleibst? Oder vielleicht sogar im The Reef. Ich bin mir sicher, das Sam nichts dagegen hätte, schließlich ist es der Ruhesitz ihres Vaters." "Das kann ich nicht machen!" Protestierte Joan McDonnell. "Ich kann Sam nicht derartig ausnutzen." "Das werden wir ja sehen," grinste Lucy und zog ihre Mutter auf die Füße. "Warum gehen wir nicht hinein und fragen einen von Jody's Kollegen ob wir das Telefon benutzen können, da ich so schnell aus dem Büro gerannt bin, habe ich meins vergessen. Es liegt dort immer noch auf der Ladestation." Zu müde und emotional völlig ausgelaugt ließ sich Joan McDonnell auf ihre Füße helfen und folgte ihrer Tochter zum Eingang. Sie war dankbar, dass ihre Kinder zu hilfsbereiten, verantwortungsvollen Erwachsenen herangewachsen waren.
Während sie die Treppe hinunter gingen und Klein Steven's Schatten drohend über ihm schwebte, fragte sich Brian was als nächstes passieren würde. Werden sie einfach losziehen und mich gehen lassen, damit ich die Polizei anrufen kann? Oder führen sie noch etwas anderes im Schilde? Brian war sich klar darüber, dass nicht der schweigende Partner des großen Mannes eine Bedrohung für ihn war, sondern Klein Steven. Die Existenz der großen Pistole, die er ihm etwas früher gezeigt hatte, ließ ihn sehr vorsichtig werden und keine dummen Sachen versuchen. "Okay Adonis," erklang plötzlich Klein Steven's Stimme direkt an seinem Ohr. "Ich will, dass du uns zur Tür bringst. Siehst du das nette ältere Paar dort? Dasjenige das gerade geht? Während wir dich an der Tür zurücklassen, werden wir ihnen nach draußen folgen. Wenn ich zurückschaue und dich nicht dort stehen sehe, werde ich auf sie schießen. Hast du das verstanden? Ich bin mir sicher, dass du möchtest, dass sie ihren wohl verdienten Ruhestand genießen, oder nicht?" Etwas hartes stieß in seinen Rücken, und schwer schluckend betete Brian, dass die Waffe nicht aus versehen losgehen würde. "Hast du das verstanden?" Fragte Klein Steven nochmals. "Ich... ich hab verstanden," antwortete Brian. "Ich werde für sie sichtbar an der Tür stehen bleiben." "Guter Junge," lobte ihn Klein Steven und klopfte ihm auf die Schulter. "Deine Mutter wird stolz auf dich sein. Nun geh zwei Schritte vor mir und erinnere dich daran: Versuch nichts Dummes!" Als sie die Treppe hinunter waren ging Brian langsam zum Eingang. Durch die große Glastür hindurch konnte er auf dem Vorplatz eine Menge Leute sehen, er wusste jedoch nicht, ob diese Tatsache gut oder schlecht war. Auf halber Strecke erregte eine Bewegung draußen seine Aufmerksamkeit und zur gleichen Zeit hörte er, wie jemand hinter ihm scharf einatmete. Und plötzlich wusste er mit tödlicher Sicherheit, das Jody und Sam irgendwie in die ganze Sache verwickelt waren. Er war Jody's Schwester Lucy einige Male begegnet und erkannte sie sofort. Die Reaktion des Verbrechers in seinem Rücken sagte ihm eindeutig, dass Klein Steven sie auch kannte. "Fred, heute ist unser Glückstag," fauchte Klein Steven aufgeregt. Sie darf nicht hereinkommen. Ich muss sie warnen. Aber wie? Als er sah wie Lucy näher kam und gerade die Tür öffnen wollte, wusste Brian was er zu tun hatte. Mit einem Mut aus Verzweiflung ließ er sich plötzlich auf seine Knie fallen. Während er sich auf seiner ausgestreckten rechten Hand abstützte benutzte er sein linkes Bein um auszutreten und fegte Klein Steven's Beine unter ihm weg. "Lucy! Lauf!" Schrie Brian aus vollem Hals, während er mit Schrecken beobachtete wie Klein Steven zwar sein Gleichgewicht verlor, aber immer noch auf seinen Füssen stand und bereit war loszulaufen. Brian wandte sich wieder zum Eingang und sah wie Lucy den Arm der Frau ergriff die bei ihr war, und sie wieder nach draußen zurückzog. "Das war ein großer Fehler, Einfallspinsel. Betrachte dich als tot." Klein Steven hatte sein Gleichgewicht zurückgewonnen und während er von Brian zurückschritt zog er seine Waffe, drehte sich um und betätigte zweimal den Abzug. Und ohne sich umzuschauen rannte er, dicht gefolgt von Fred, zum Eingang. Brian, in dessen Ohren die Schüsse schmerzvoll nachhallten, krümmte sich vor Schmerzen und fühlte sich plötzlich benommen. Er hatte kaum noch Schmerzen und verwundert schaute er an sich herab. Ein stetiger Blutstrom hatte auf dem hellen Marmorboden eine Pfütze gebildet und Brian konnte kaum glauben, dass es sein Blut war. Er versuchte zu lächeln, aber seine Lippen fühlten sich kalt an und er war so müde. Langsam wanderten seine Augen zur Decke und zum ersten Mal bemerkte er wie schön sie war. Das dunkle Holz, die Lichter. Ich verliere meinen Verstand! Ich liege hier angeschossen und blutend, und ich bewundere die Decke! Ist das nicht rührend?! Seltsam. Ich spüre keinen Schmerz. Ich bin nur müde und mir ist ein wenig kalt. Fühlt man sich so, wenn man stirbt? Hör auf damit! Sterben? Ich will nicht sterben! Es gibt noch so viel, was ich tun möchte. Und was ist mit Chris? Ich kann Chris nicht verlassen! Ein Gast des Hotels, eine pensionierte Krankenschwester, die durch Abdrücken versuchte die Blutung der Schusswunde zu stoppen, hörte wie Brian leise ächzte. "Immer mit der Ruhe, mein Sohn, der Krankenwagen ist auf dem Weg. Bleib einfach ruhig, es wird wieder gut werden. Bleib nur ruhig liegen." "Danke," schaffte Brian zu flüstern. Er war wirklich müde und konnte seine Augen nicht länger offen halten. Langsam umgab ihn die Dunkelheit und er driftete in einen tiefen, friedlichen Schlaf.
~~~ ENDE - Kapitel 9 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 10 lesen.
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