![]() |
Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1!
Cindy, ich danke dir für deine Korrekturlesung, deine Vorschläge,
deine Anmerkungen und deine Beratung
Wie immer ist diese Geschichte der Frau gewidmet, die mein Herz sicher in ihren beiden Händen hält, und mich ohne jegliches wenn und aber.... liebt.
The Reef - Kapitel 11 |
| The Reef Kapitel 11
"Mmm, nach was riecht es hier? Backst du irgendetwas? Es duftet wirklich nett." Megan schlenderte in die Küche und legte lässig ihre Handtasche auf einen der Küchenstühle. Sie ging zu ihrer Partnerin hinüber, legte ihre Hände auf ein paar schlanke Schultern, und drückte ihre Wange gegen das unvergleichbare, duftende kastanienbraune Haar. "Schokosplitter-Kekse," antwortete Sarah, ohne sich ablenken zu lassen und weiterhin ihre Augen auf das Blech mit den Keksen richtete. Megan nickte und drückte zärtlich die Schultern unter ihren Händen. "Willst du es mir sagen?" Fragte sie liebevoll. "Was meinst du?" "Nun ja," sagte Megan, sorgfältig ihre Worte überlegend. "Du machst entweder für jeden Wicht und Pfadfinder in der Gegend Kekse oder irgendetwas belastet dich. Also, was ist es meine Liebe?" Sarah seufzte herzerweichend und gab schließlich dem Drang, sich umzudrehen und Zuflucht in den ausgebreiteten Armen ihrer Geliebten zu suchen, nach. Megan bedrängte sie nicht weiter und wartete geduldig auf eine Erklärung. Sie wusste wie Sarah mit Problemen umging, und wenn es etwas gab das sie in den vergangenen Jahren gelernt hatte, dann war es ihre Partnerin in Ruhe zu lassen, bis diese bereit war sich ihr mitzuteilen. "Es ist die ganze Situation mit Jody und Sam," antwortete Sarah schließlich und spürte, wie sich die um sie geschlungenen Arme, intuitiv enger um sie legten. "Was ist damit?" Erkundigte sich Megan mit sanfter aber angespannter Stimme. "Jody hat vor einer Stunde angerufen. Sie waren im Krankenhaus. Brian, einer der Angestellten an der Rezeption, ist von einem dieser... Burschen, die hinter Jody her waren und Fiona neulich beinahe entführt hätten, angeschossen worden." "Was?!!" Megan blickte mit kreidebleichem Gesicht in Sarah's Augen. "Er ist angeschossen worden? Ist er... Ich meine... Ist er?" "Er ist jetzt okay," warf Sarah hastig ein. "Sie haben es geschafft die Blutung zu stoppen. Wie es aussieht ist seine Milz in Stücke geschossen worden, und er hat eine Menge Blut verloren. Aber laut Aussage des Arztes wird er wieder gesund werden. Aber Meggie, das Ganze gerät vollkommen außer Kontrolle. Diese Burschen sind skrupellos!! Es ist doch ganz eindeutig, das sie, für das was sie wollen, bereit sind zu töten!" Megan sah in das bestürzte Gesicht ihrer Geliebten. Ihr Gesichtsausdruck war eine Wiederspiegelung von Besorgnis und Traurigkeit. Sie schluckte und bereitete sich mental darauf vor, die in ihrem Kopf herumschwirrende Frage zu stellen. "Findest du, dass wir sie nicht länger bei uns wohnen lassen sollten? Meinst du, dass es zu gefährlich wird?" Sarah's Kopf schoss nach oben und ein Paar graue, äußerst entrüstete Augen blickten Megan erstaunt an. "Nein," flüsterte sie. "Nein, nein! Das hab ich nicht damit gemeint. Selbstverständlich sind sie hier willkommen. Sogar sehr willkommen. Ich würde Jody niemals im Stich lassen. Niemals. Es ist nur, das ich über das, was geschehen ist, so wütend bin, und ich mich so hilflos fühle. Ich wünschte wir könnten mehr tun. Aber meine Liebe, wir müssen diese Waffe herausholen! Dies hier ist unser Eigentum und sie sind unsere Freunde. Wenn jemand dumm genug ist hierher zu kommen, um unsere Freunde zu terrorisieren, dann werden sie eine große Überraschung erleben!" Trotz der ernsten Situation, warf Megan ihren Kopf zurück lachte lauthals. "Ooh, du kleiner Heißsporn," lächelte sie und küsste Sarah herzhaft auf die Lippen. "Mama-Tiger, was?" "Worauf du dich verlassen kannst," erwiderte Sarah. "Diese Burschen haben keine Ahnung auf was sie sich da einlassen. Weißt du, meine Vorfahren waren echte Unruhestifter. Sie wurden nicht umsonst per Schiff aus England verbannt. Sie waren Geächtete, und weißt du wie ihr Motto lautete: Schieß zuerst und stell dann die Fragen. Falls ich einen von diesen Verbrechern auf unserem Grundstück finde, dann werde ich....." "In Ordnung Liebling, alles klar," unterbrach sie Megan lächelnd. "Du hast dich glasklar ausgedrückt. Sie kommen besser nicht hierher." Megan grinste, zog Sarah enger an sich und spürte, wie die Anspannung aus dem an sie gelehnten, warmen Körper sich löste. "Gott, ich liebe dich!" Seufzte sie, während ihr Herz mit Dankbarkeit und Zärtlichkeit für die Frau in ihren Armen erfüllt war. Sie senkte ihren Kopf und spürte wie ihre Lippen von einem Paar ebenso warmer und weicher Lippen gefangengenommen wurden. Das Blech mit den noch ungebackenen Schokosplitter-Keksen stand vergessen auf der Küchenablage.
Zum zigsten Mal sah Jody quer über den Raum, zu der schlanken Gestalt von Brian's asiatisch-australischem Partner. Chris war etwa genauso alt und groß wie sie, aber seine Augen waren dunkelbraun und sein glattes schwarzes Haar hatte einen beinahe modischen Haarschnitt. Trotz seines schüchternen Aussehens, fühlte Jody eine Stärke, die fast spürbar war. Während des vergangenen Tages hatte Chris Vernunft und Stärke gezeigt, und sowohl auf Jody als auch auf Sam, einen tiefen Eindruck hinterlassen. Du meine Güte. Wenn auf Sam geschossen worden wäre, dann wäre ich hysterisch geworden, grübelte Jody, der sich bei dem bloßen Gedanken daran der Magen umdrehte. Wild um mich tretend und schreiend würde ich jeden Anfahren der vorbeikommt. Er dagegen ist so... sanft, und doch so selbstbewusst. So anmutig. Ich könnte niemals so ruhig bleiben. Ich... Jody's Gedanken wurden jäh von einem Paar seelenvollen braunen Augen unterbrochen, die sie nachdenklich anblickten. Sie senkte schnell ihre Augen und spürte wie ihre Wangen warm wurden. Ein kurzer Blick über den Raum zeigte ihr ein weiches Lächeln, und sie musste diese freundliche Geste einfach erwidern. "Es tut mir sehr leid Chris," entschuldigte sie sich. "Ich wollte sie nicht anstarren, aber ich habe mich einfach gefragt, woher sie die Kraft nehmen, so ruhig zu bleiben. Wenn ich an ihrer Stelle wäre, dann würde ich schreiend um mich treten." "Glauben sie, dass das helfen würde?" War die leise Antwort. Er lächelte wieder, diesmal war es ein trauriges Lächeln, er beugte sich nach vorne und legte seine Hände auf seine Knie. "Es wäre nicht gut für Brian, wenn ich jetzt zusammenbreche. Ich muss für ihn da sein," erklärte Chris leise. "Verstehen sie mich nicht falsch, man sieht es mir zwar nicht an, aber ich bin wütend. Sehr wütend und äußerst bereit, denjenigen der ihm das angetan hat zu verletzen. Aber im Augenblick muss ich mich zusammennehmen. Brian braucht mich, wenn er aufwacht. Den Rest können wir später zusammen erledigen. Das wichtigste im Moment ist, dass er wieder gesund wird. Ich brauch ihn." Jody musste sich zusammennehmen, um die letzten Worte zu verstehen. Die Intensität seiner Stimme ließ Tränen in ihre Augen steigen, und sie machte keinen Versuch sie zu verbergen. "Sie lieben ihn wirklich sehr." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. "Das tue ich," antwortete Chris. "Brian war immer für mich da. Er ist der großzügigste und warmherzigste Mensch, den ich kenne. Er hat zu mir gehalten als meine Familie mich verleugnete. Wenn ich meine Frustration rauslassen musste, war er derjenige der alles abbekommen hat. Er hat sich niemals beklagt, er hat den ganzen Mist einfach auf sich abladen lassen, und niemals aufgehört mich zu lieben. Er ist mein Seelenverwandter. Es wird für mich, außer ihm, niemals einen anderen geben." Jody wischte ärgerlich die Tränen, die an ihren Wangen herunterliefen, weg, und als Chris sie mit purem Mitleid in den Augen anblickte, sprang sie auf, überbrückte die Entfernung zwischen ihnen, und schlang ihre Arme, für eine mächtige Umarmung, um ihn. "Wie kann ich, was Brain für meine Schwester getan hat, jemals wieder gutmachen?" Schluchzte sie. Lächelnd streichelte Chris über das widerspenstige Haar auf seiner Schulter. "Akzeptieren sie einfach die Dinge so wie sie sind," erwiderte er leise. "Brian hat getan was er tun musste. Er hätte sich nie vergeben, wenn er es nicht versucht hätte. Mein Schatz ist ein Held," scherzte er liebevoll. "Ich habe das vor langer Zeit akzeptiert." Jody nickte langsam und zog sich von Chris zurück um ihm in die Augen zu sehen. "Ich werde ewig dankbar sein, und falls es irgendetwas gibt, was ich..." "Ich weiß Jody," unterbrach sie Chris. "Ich denke, das ich genauso empfinden würde. Sagen sie es Brian. Okay? Ich bin nur der besorgte, hoffnungsvolle andere Teil." Jody lächelte und während sie sich neben Chris setzte sah sie auf ihre Uhr. "Machen sie sich Sorgen um Sam?" Fragte Chris beiläufig. Sam war vor einiger Zeit losgegangen um sicherzustellen, dass Lucy und ihre Mutter richtig versorgt wurden. Sie hatte mit Megan gesprochen, die darauf bestanden hatte, dass Lucy und Joan McDonnell bei ihnen wohnen sollen, indem sie Sam sagte, dass ihr Haus so furchtbar groß wäre, das es eine Schande wäre den Platz nicht zu nutzen. Sam hatte nachgegeben, da sie realisierte, dass es leichter war sie alle im Auge zubehalten wenn sie zusammen waren, auch wenn es für ihre Verfolger schwerer sein würde sie zu finden, wenn sie in der Stadt verstreut wären. Aber Carol Wong hatte sich durchsetzen können, und Sam versprochen, das zwei Polizisten, solange bis die Gefahr vorüber war, Sarah's und Megan's Grundstück rund um die Uhr bewachen würden. "Ich vermute, dass sie bald wieder hier sein wird," seufzte Jody. "Wissen sie, Sam sorgt dafür das meine Familie bei unseren Freunden sicher ankommt. Sie ist ganz der Organisator." "Wann sind sie zwei sich begegnet?" "Oh, das war vor langer Zeit," schmunzelte Jody und schob eine Haarsträhne aus ihrer Stirn. "Wir sind uns vor beinahe zehn Jahren begegnet, aber es ist etwas geschehen und wir... ähm... verloren den Kontakt. Wir trafen uns nach langer Zeit erst kürzlich wieder, aber es kommt mir so vor, als ob die Jahre dazwischen niemals existiert hätten. Es ist seltsam, aber es ist so, als ob wir nie getrennt waren." "Das ist nicht wirklich seltsam," bemerkte Chris. "Wenn ich euch beide so anschaue, dann sehe ich zwei Menschen die zusammen gehören. So wie Sonne und Mond, Ying und Yang," lächelte er. "Seelenverwandte." "Wissen sie, ich habe neuerdings auch darüber nachgedacht," grübelte Jody, die es gar nicht seltsam fand, mit einem Menschen, der noch vor einigen Stunden völlig fremd gewesen war, ein solch persönliches Gespräch zu führen. "Wenn ich zurückblicke, dann glaube ich, dass Sam vom allerersten Augenblick uneingeschränkt mein Herz besessen hatte. In den Jahren der Trennung dachte ich, dass ich jemanden anderes liebe, aber ich tat es nicht. Und dann kam Sam in mein Leben zurück, und es war als wenn irgendwo in meinem Inneren ein Licht aufleuchtete. Es war so warm und behaglich, so, als ob es genauso sein müsste. Ich fühlte mich wieder vollständig, als Ganzes." "Das hört sich für mich ganz nach Seelenverwandten an," entgegnete Chris. "Für mich ist es so, als ob sich zwei Zwillingsseelen begegnen. Die Teile passen perfekt zusammen. Brian hat einmal ein Gedicht für mich geschrieben und für mich machte dies alles vollkommen klar." In dem Gobelin der Zeit Als Chris fertig war, bemerkte Jody, dass sie ihre Luft angehalten hatte und atmete nun langsam aus. Sie war tief berührt von Chris' Bereitwilligkeit diese Worte mit ihr zu teilen. "Sie haben recht," sagte sie schließlich. "Genauso fühlt es sich an." "Das tut es," erklang plötzlich eine heisere Stimme und beide, Jody und Chris blickten zu Sam, die salopp gegen den Türrahmen lehnte, jedoch ihre klaren Augen waren dunkel vor Emotionen. "Das war wunderschön Chris, danke das sie das mit uns geteilt haben." "Dankt nicht mir," erwiderte Chris. "Dankt meinem Barden, er ist der Beredsame." Sam spürte wie sich die verspannten Muskeln in ihrem rechten Bein noch mehr verkrampften und streckte vorsichtig ihre Beine. Sie versuchte nicht zusammenzuzucken als ein stechender Schmerz durch ihren Knöchel schoss, doch ein Blick zu Jody sagte ihr, dass sie kläglich gescheitert war. "Sehr schlimm, was?" Bemerkte Jody mit leicht zitternder Stimme. "Kann ich irgendetwas für dich tun, Liebling?" Sam schüttelte ihren Kopf und versuchte beruhigend zu lächeln. "Nichts, was ein heißes Bad und etwas Ruhe wieder beseitigen könnte. Glaub mir, ich habe das schon erlebt. Bist du nicht neugierig was Carol Wong gesagt hat?" "Was willst du, das Thema wechseln?" Schnaufte Jody. "In Ordnung. Was ist auf dem Polizeirevier passiert? Irgendetwas interessantes? Wie etwa, wie viele Leute Lucy heute auf die Palme gebracht hat?" "Tatsächlich hat Lucy sich hervorragend benommen," lächelte Sam. "Laut Carol Wong hat sie es geschafft, den Mann zu identifizieren, der auf Brian geschossen hat." Chris' Kopf schoss nach oben und mit einem grimmigen Gesicht blickte er zu Sam. "Sie wissen, wer er ist?" "Sie haben eine recht hübsche Vorstellung," antwortete Sam. "Lucy konnte der Polizei eine vage Beschreibung geben, und als sie ihr einige Fotos zeigten, hat sie ihn erkannt. Ich hab das Bild gesehen und ich bin mir ziemlich sicher, das es der gleiche Bursche ist mit dem wir zusammengestoßen sind, als deine Wohnung durchwühlt worden ist." "Haben sie einen Namen?" Fragte Jody, die plötzlich kreidebleich geworden war. "Steven Hayes. Kommt euch das bekannt vor?" Sowohl Jody als auch Chris schüttelten ihre Köpfe und Sam nickte bedächtig. "Das habe ich auch nicht wirklich erwartet. Carol Wong hat mir nicht viel über ihn erzählt, aber anscheinend ist er ihnen nicht unbekannt."
"Joe, ich schwöre bei Gott. Ich hatte keine andere Wahl. Der Bursche wollte mich niederstrecken! Es galt er oder ich." Klein Steven hielt sein Handy vom Ohr und Fred, der neben ihm saß, konnte seinen Boss schreien hören. "DU ÜBERGESCHNAPPTER IDIOT!!! WAS HATTEST DU DORT ÜBERHAUPT ZU SUCHEN? MUSS ICH DENN ALLES SELBER MACHEN?" Nach einigen Momenten absoluter Stille konnte Klein Steven seinen Boss nach Luft schnappen hören. Dann erklang eine trügerisch ruhige Stimme. "In Ordnung, macht folgendes. Verschwindet dort, haltet eure Augen offen und HALTET EUCH VON DEN BULLEN FERN, und ich will dich und diesen kleinen PISSER erst wieder sehen, wenn ihr Resultate vorweisen könnt. Und ich meine positive Resultate. Wenn ich euch vorher sehen sollte... dann schließt ihr besser mit eurem Schöpfer Frieden, weil ich euch dann nämlich direkt in die HÖLLE befördern werde." Während Klein Steven einen Moment lang auf das Telefon in seiner Hand starrte, versuchte er zu begreifen welch ernste Drohung sein Boss gerade ausgesprochen hatte, und wusste das es nur einen Weg gab sein Leben zu retten. "Gottverdammt!!!" Aufgebracht warf er, ohne sich darum zu kümmern, ob das Gerät die Misshandlung überstehen würde, das Handy auf den Rücksitz des Wagens. Er wandte sich zu Fred und packte mit einem eisernen Griff seine Schultern. "Es wird ernst," brauste er auf, und zum erstenmal konnte Fred Angst in den Augen seines Partners sehen. "Todernst. Von jetzt an, wirst du genau das tun was ich dir sage. GANZ EXTAKT! Weil, wenn du es nicht tust, wird es nicht Joe sein, der dich erledigt, sondern ich!" Nach diesen Worten ließ Klein Steven wütend den Motor an und brauste in die Dunkelheit, es beschäftigte ihn nur ein Gedanke: Überleben.
Es war schon nach Mitternacht, als Sam und Jody schließlich am Haus ankamen. Sam hatte sporadisch Megan und Sarah angerufen, um sie über ihren jeweiligen Aufenthaltsort und Brian's Zustand zu informieren. Als sie letztendlich das Krankenhaus verließen, war Brian's Zustand stabil und sein Arzt erwartete eine schnelle Genesung. "Er hat eine Menge Blut verloren, aber er ist jung und topfit. Glücklicherweise wurde nur seine Milz verletzt. Ich sehe keinen Grund, warum Brian sich nicht schnell erholen sollte." Nach einem kurzen Blick zu Brian, der immer noch sehr schläfrig war und der Verabschiedung von einem äußerst dankbaren Chris, verließen Jody und Sam die Klinik und fuhren nach Hause. Froh darüber, dass Brian wieder gesund werden würde, besorgt über den noch frei herumlaufenden Gangster, und extrem müde. "Sieht so aus, als ob alle im Bett sind," bemerkte Jody, als sie ihren Wagen neben Lucy's parkte. "Ich kann es ihnen nicht verübeln," murmelte Sam während sie, um in kein Loch zu treten, vorsichtig aus dem Wagen stieg. Auf dem Weg zur Veranda versuchte sie nicht zu hinken, und war angenehm überrascht, als sie einen unterstützenden Arm um ihre Taille spürte. "Versuch nicht das robuste Mädchen zu sein Liebling," rügte Jody sie. "Weißt du, ich bin es. Es macht nichts, wenn du sagt das es weh tut." "Eine Ausrede um mich zu berühren, wie?" Schäkerte Sam, deren Arm um Jody's Schultern glitt. Sie drückte zärtlich zu und augenblicklich spürte sie, wie sich Jody's warmer Körper gegen ihre große Gestalt presste. "Natürlich," entgegnete Jody, bereitwillig die Beschuldigung entgegennehmend. "Es war ein langer Tag und ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich dich heute das letzte Mal geküsst habe." Sie hatten die Veranda erreicht und Sam drehte sich zu Jody um, und zog sie ohne Vorwarnung in ihre Arme. Ihr Gesicht in das duftende Haar vergrabend und tief inhalierend konnte sie fühlen, wie die Anspannung, die sich über den ganzen Tag hinweg aufgebaut hatte, langsam davonstahl. Jody stöhnte leise vor Vergnügen, und rieb ihre Wange gegen die baumwollbekleidete Schulter. "Das habe ich gebraucht," hauchte sie. "Ich dachte, du wolltest einen Kuss?" Frotzelte Sam, und blies verspielt etwas warme Luft in das Ohr ihrer Geliebten, woraufhin diese beinahe zusammengezuckt wäre. "Das wollte ich," seufzte Jody. "Aber im Augenblick hab ich es hier so behaglich, das es schon ein wirklich guter Kuss sein muss, um mich dazu zu bringen, diesen bequemen Platz aufzugeben." "Willst du mich herausfordern?" Schnurrte Sam. "Ich weiß nicht." Jody schaute von ihrer Position auf und lächelte als sie sah, wie Sam sie bedächtig anschielte. "Fühlst du dich herausgefordert?" Die Antwort waren ein Paar weiche, warme Lippen die sich auf ihre pressten, und Jody stöhnte unbewusst, als Sam, um den Kuss zu vertiefen, sie noch enger an sich zog. Langsam erforschte sie die bereitwilligen Lippen die sich bedingungslos öffneten, um einer forschenden Zunge Zugang zu gewähren. Verspielt, leidenschaftlich und liebevoll. Jody's Atmung wurde schneller und sie war sich des hämmernden Herzschlages an ihrem Ohr, und den Händen, die beharrlich ihr Shirt aus ihrer Hose zogen, sehr gewahr. "Sam," schaffte sie schließlich zu flüstern. "Sam, wir sind draußen auf der Veranda." "Sind wir das?" Murmelte Sam, während sie Jody's Hals küsste und an ihrem Ohrläppchen saugte, ließ ihre Hände an Jody's Kreuz heruntergleiten, schlüpfte unter das Shirt und wanderte wieder nach oben. "Was, falls wir auf Mom treffen? Oder Lucy? Wir werden das ein Leben lang zu hören bekommen, Sam," brachte Jody heraus, während sie versuchte Sam's Finger, die ihren BH öffneten, zu ignorieren. "Dann lass uns nach drinnen gehen und zusehen, ob wir im Dunkeln unser Schlafzimmer finden können." "Sam," keuchte Jody. "Wenn du meine Brust weiterhin derart berührst, werde ich es niemals ins Haus schaffen." Sam antwortete nicht sofort, doch Jody konnte das Kichern fühlen, und schlug verspielt ihre größere Geliebte. "Du machst das absichtlich, du kleine..." "Kleine?" Wiederholte Sam. "Wer ist der Zwerg hier, meine Liebe? Ich dachte das..." Sam's scheinbarer Protest wurde effektiv von Jody's warmen, weichen uns äußerst sinnlichen Lippen zum Schweigen gebracht. Sam verlor sofort ihren Gedankengang und spürte wie ihre Welt außer Kontrolle geriet, und nur noch aus der Frau in ihren Armen bestand, die ihre Knie weich wie Gelee und ihr Herz beinahe aus ihrer Brust treten ließ. "Lass uns unser Bett aufsuchen Süße," raunte Jody. "Es gibt da einige Sachen, die ich zu Ende bringen muss. Jetzt sofort." Sam konnte, da sie mit dem tobenden Sturm in ihrem Körper zu beschäftigt war, nur nicken, und ließ sich von ihrer Geliebten ins Haus führen, ohne etwas anderes wahrzunehmen als die warme Hand, die ihre hielt. Und übersah dabei das kleine triumphierende Lächeln auf dem Gesicht, einer mit Sicherheit sehr erregten rothaarigen jungen Frau.
Auf halber Strecke zu Sarah's und Megan's Haus, stand verborgen in den Büschen ein dunkelfarbiges Zivilfahrzeug. Selbst durch das helle Mondlicht, war es von niemandem, der den Hügel zum Haus hinauf kam, zu erkennen. Seine zwei Insassen waren entspannt, jedoch sehr aufmerksam. Konstant überflogen zwei Paar Augen die Umgebung nach allem was merkwürdig erschien. Es wurde kaum gesprochen. Die heruntergekurbelten Scheiben stellten sicher, dass sie jedes Geräusch hören konnten. Sie waren entschlossen, sich durch nichts überraschen zu lassen. Und es gab viele Geräusche. Nun wurde die Stille der Nacht durch die charakteristischen Grunzlaute der Koalas, die in den Bäumen der Umgebung lebten, unterbrochen. Hin und wieder deutete das leise Rascheln der Blätter auf die Gegenwart von einem Wallaby oder einem Beutelnager, aber obwohl man sie hören konnte, waren sie nicht fähig einen zu sehen. Die kleinen, nächtlichen Waldtiere gingen, den geschmeidigen Wagen, der in ihr Reich eingedrungen war ingnorierend, ihrer eigenen Beschäftigung nach. Ihre Instruktionen waren sehr klar. Außer der Familie und Freunden sollte keiner an ihrem Wagen vorbekommen und den Hügel hinauffahren können. Sie hatten eine Liste von den Leuten erhalten, die im Haus lebten, und als Jody's Wagen auf ihre versteckte Position zukam, wussten sie wer es war und ließen sie, ihren perfekten Platz nicht verlassend, passieren. Außer den zwei wachsamen Leuten in dem Wagen, gab es noch ein anderes Paar, das trotz der späten Stunde auch nicht schlief.
Ohne große Anstrengung hatten Jody und Sam es geschafft, den Weg zu ihrem Schlafzimmer zu finden, wo sie sich auf das Bett stürzten und einem leidenschaftlichen Liebesspiel hingaben. Danach waren sie erschöpft und müde, aber so glücklich und befriedigt, dass keine von beiden schlafen wollte. Jody lag buchstäblich auf Sam, kuschelte sich an dem warmen Hals und inhalierte den süßen, charakteristischen Duft ihrer Geliebten ein. "Ist es sehr vergnügungssüchtig von mir zu sagen, dass ich das Gefühl deines nackten Körpers gegen meinen einfach liebe?" Fragte sie schläfrig und rieb mit ihrem Innenschenkel gegen Sam's Hüfte. "Vergnügungssüchtig?" Wiederholte Sam träge. "Ähm... ich weiß nicht meine Liebe. Lass mich nachdenken... nee! Nicht vergnügungssüchtig, nur ehrlich." "Du bist zu liebenswürdig," nuschelte Jody. "Danke," erwiderte Sam. "Du bist selbst nicht so übel." Jody wollte Sam spielerisch auf ihren Bauch schlagen, doch sie war so müde, dass sie kaum ihren Arm heben konnte und Sam musste einfach kichern. "Denkst du, dass wir jemanden geweckt haben?" Erklang Jody's Stimme wieder, diesmal ein bisschen besorgt. "Wann?" Fragte Sam mit unschuldiger Mine. "Als wir gegen den Küchentisch gekracht sind, und beinahe die Vase heruntergestoßen hätten, oder im Flur, als du gebettelt hast, dass ich aufhören soll, was grundsätzlich bedeuten sollte, bitte Sam, mach weiter?" "Ich hab nicht gebettelt," schnaufte Jody. Aber als Sam nicht reagierte, hob sie ihren Kopf und riskierte einen Blick in ein Paar unschuldige blaue Augen. "Hab ich?" "Ich hab keine Ahnung, Süße," kicherte Sam. "Du hast dich ein wenig Ungestüm angehört, besonders als du gestöhnt hast: Gott Sam, jetzt! Bitte." Jody verbarg ihr Gesicht an Sam's Schulter, um ihr Erröten zu vertuschen, doch Sam konnte die ausstrahlende Hitze auf ihrer bereits warmen Haut fühlen. "Mach dir darüber keine Gedanken," flüsterte sie und küsste Jody auf die Schläfe. "Du warst einfach anbetungswürdig und sehr... ähm... anregend." Jody seufzte und straffte den Griff um den großen Körper. "Ich liebe dich, Sam. Auch wenn du der größte Quälgeist auf der Welt bist!" "Ich liebe dich auch, mein Schatz. Alles an dir."
"Es war gut, das du mich letztes Jahr dazu überredet hast diesen großen Tisch zu kaufen," grinste Sarah und schaute zur Küche, wo sich all ihre Gäste zum Frühstück versammelt hatten. "Zumindest passen jetzt alle an einen Tisch." "Nun, mein Liebling," antwortete Megan und sah ihre Partnerin liebevoll an. "Das beweist die Tatsache, dass ich manchmal gute Ideen habe." Sarah blinzelte sie an und öffnete die Küchentür. "Das wusste ich bereits," lächelte sie. "Die vergangenen fünf Jahre hast du das immer wieder bewiesen." "Es stand in der Arbeitsplatzbeschreibung." Murmelte Megan, die ihrer Geliebten in die Küche folgte, wo Joan McDonnell für jeden das Frühstück zubereitete. "Mmmm Mom, du machst die besten getoasteten Hefekuchen," beglückwünschte Jody ihre Mutter mit einem Mundvoll des Frühstückspfannkuchens. "Es sind die Besten die ich jemals gegessen habe" In ihrer Stimme war eine kleine Andeutung von Traurigkeit, als sie sich an all jene Morgenstunden ohne ihre Familie erinnerte, und versuchte mit dem Wissen zu leben, dass sie von ihrer eigenen Familie verleugnet wurde. Sarah und Megan, die es mitbekommen hatten, tauschten einen wissenden Blick aus, bevor Sam ihre Hand ausstreckte und unter dem Tisch zärtlich Jody's Hand drückte. "Was hast du heute vor, Mom?" Fragte Lucy, während sie an ihrem heißen Kaffee nippte. Bevor Sam sagen konnte, nichts, jeder bleibt heute hier, drehte sich Joan McDonnel herum und sah zu ihren drei Töchtern. Sie sah erschöpft aus, so als ob sie keinen Schlaf bekommen hätte, was der Wahrheit ziemlich nahe kam. Das Zimmer und das Bett, das Megan und Sarah so großzügig zur Verfügung gestellt hatten war äußerst bequem, aber während sie wach war plagten sie Sorgen, und in den wenigen Stunden Schlaf, war sie von unruhigen Träumen gequält worden. "Ich denke, dass ich eurem Vater sagen sollte, dass ich in Ordnung bin," antwortete sie. "Außerdem muss ich auch nach euren Brüdern sehen. Ich will nicht, dass sie denken, dass ich sie einfach so verlassen habe. Gott weiß, dass euer Vater es ihnen erzählt haben könnte," fügte sie bitter hinzu. "Du willst dort hingehen?" Fragte Jody äußerst besorgt. "Glaubst du nicht, das dies der beste Weg wäre?" Antwortete Joan McDonnell mit einer Gegenfrage. Zögernd nickend biss sich Jody auf ihre Lippe und war überhaupt nicht glücklich darüber, dass ihre Mutter ganz allein ihrem tyrannischen Vater gegenübertreten wollte. Als ob Lucy ihre Gedanken gelesen hätte, stellte sie plötzlich ihre Kaffeetasse ab, und sah ihre Mutter direkt an. "Ich werde mit dir gehen," erklärte sie in einem Ton, der kaum eine Wiederrede zuließ. "Ich lass dich nicht alleine gehen." "Ab..." "Nein Mom," entgegnete Lucy. "Ich werde mit dir gehen. Ich bleib im Wagen oder vor der Tür wenn du willst, aber du wirst nicht allein dorthin gehen." Fiona, die ungewöhnlich ( "Wirst du Dad verlassen?" Fragte sie schließlich, ohne zu wagen ihre Mutter dabei anzublicken. Joan McDonnell legte den Löffel, den sie in der Hand gehalten hatte beiseite und stützte sich an der Küchenablage ab. Die Frage, die ihr Fiona gerade gestellt hatte, war die Gleiche, die ihr die ganze Nacht durch den Kopf gegangen war. Als sie vorsichtig ihre geschwollenen Wange berührte, versuchte sie den gequälten Ausdruck auf den Gesichtern ihrer Töchter nicht zu sehen. "Ich habe darüber nachgedacht," antwortete sie schließlich ehrlich. "Es hängt sehr stark von eurem Vater ab. Wir haben ein paar sehr wichtige Fragen zu klären, aber wenn er... wenn er es... wenn er nicht einsieht, dass wir ein Problem haben, dann... könnte... dann könnte es sein, das ich ihn verlasse." "Falls du dich dazu entscheiden solltest, was geschieht dann mit mir und den Jungs?" Fragte Fiona mit zitternder Stimme, und sowohl Jody als auch Lucy konnten die Furcht darin heraushören. "Du lässt uns doch nicht bei ihm, oder?" Joan McDonnell ging zu ihrer jüngsten Tochter und kniete sich neben ihren Stuhl. Zärtlich schob sie eine dunkle Haarsträhne zur Seite und streichelte liebevoll eine erhitzte Wange. "Ich werde dich, oder deine Brüder niemals verlassen," versicherte sie. "Ich verspreche, wenn dein Vater und ich uns entschließen sollten... uns zu trennen, dann wird es eure Entscheidung sein, bei wem ihr leben wollt." Fiona lehnte sich in die Berührung und schluckte ihre Tränen hinunter. Die Vorstellung ihre Mutter zu verlassen hatte sie zu Tode erschrocken. Sie wusste, dass ihr Vater ein schwieriger, besessener und dominanter Mann war, dennoch war er der einzige Vater den sie hatte, und sie liebte ihn, aber sie wusste, dass sie es nicht ertragen könnte ihre Mutter zu verlieren. Noch nicht. Oder war es vielleicht eher so, dass sie noch nicht bereit dazu war? "Aber, wo werden wir hingehen?" "Falls Mom sich entschließen sollte ihn zu verlassen, dann werden wir helfen," antwortete Jody und sah zu ihrer Mutter. "Mach dir deswegen keine Sorgen, wir werden für dich einen Platz finden." "Und falls sie möchten, können sie für eine Weile hier bleiben," fügte Sarah hinzu, nachdem sie einen Blick mit ihrer Partnerin gewechselt hatte, die lächelnd genickt hatte. "Wie ihr wahrscheinlich bemerkt habt, gibt es hier eine Menge Platz." Joan McDonnell versuchte ihre Tränen, die ihr Sehvermögen trübten, wegzublinzeln und schoss den zwei jungen Frauen, die bis zum gestrigen Tag Fremde für sie gewesen waren, eine dankbaren Blick zu. Jody lächelte als sie realisierte, dass mehr als Gastfreundschaft hinter Sarah's Angebot steckte. Wenn sie hier bleiben würde, wäre Joan McDonnell vor dem Zorn ihres Mannes sicher, weil die Polizei das Grundstück bewachte. Wenn sich David McDonnell entschließen sollte hier aufzutauchen und Probleme zu machen, dann wäre die Polizei, so wie Carol Wong es versprochen hatte, in der Nähe. "Ich werde nur die Strasse hinunterfahren, die Post holen und wieder zurückkommen," seufzte Megan und warf ihrer Partnerin einen ausdrucksvollen Blick zu. "Glaub mir mein Schatz, ich werde nirgendwo sonst hingehen und außerdem nehm ich den Hund mit." "Es ist zwar ein großer Hund," lächelte Jody. "Aber er würde eher eine Person zu Tode lecken als ihn angreifen." "Aber Hallo! Beleidige nicht meinen Hund," warnte Megan mit einem Blinzeln in ihren Augen. "Sarah, es ist vollkommen sicher," ertönte Sam zu Megan's Verteidigung. "Irgendwo die Strasse hinunter hält sich ein Polizeiwagen versteckt. Und obwohl wir ihn letzte Nacht nicht sehen konnten, weiß ich, dass er da ist." "Vielleicht sind sie nicht gekommen," grummelte Sarah. "Doch, sie sind da," antwortete Sam sehr zuversichtlich. "Carol hat versprochen, dass sie da sein würden. Ich bin mir sicher, dass sie da sind. Aber wenn es dich beruhigt, dann kann ich Megan begleiten. Wir werden in zehn Minuten zurück sein. Und wir werden den Hund wieder heil nach Hause bringen," fügte sie grinsend hinzu. "Okay," seufzte Sarah. "Aber, ich habe noch immer dieses... schon gut. Geht und holt die Post. Wir müssen unser Leben normal weiterführen, richtig? Nun ja, nächste Woche steigt die Party zu unserem Jubiläum und ich würde gerne wissen wer alles kommt, also... geht schon und holt die Post. Es wird Zeit, dass wir eine Gästeliste machen." "Wir sind schneller zurück als du denkst," lächelte Sam zu Jody, und ihre blauen Augen waren, trotz des fehlenden Schlafes, klar und wachsam. Jody spürte, als sie sich an die vergangene Nacht erinnerte, wie sich ihre Wangen erhitzten, und errötete als Sam sie anblinzelte, da sie wusste, dass sie beide an das Gleiche dachten. Natürlich hatte Lucy das bemerkt, und blickte mit einem leicht teuflischen Grinsen zu ihrer Schwester. "Es ist warm hier drin, oder nicht, Erbse? Oder bist du nur... rot geworden?" Sie lachte, als Jody einen vernichtenden Blick zu ihr schoss, und beschloss ihre Schwester noch ein wenig mehr zu quälen. "Sieh mal, du und Sam, ihr seid spät nach Hause gekommen, oder nicht? Ich meine, ich kann mich nicht daran erinnern gehört zu haben wie ihr nach Hause gekommen seid, oder... warte mal!" Lucy setzte sich plötzlich, mit schelmisch leuchtenden Augen, kerzengerade auf, "vielleicht habe ich doch etwas gehört! Ach ja, ich bin aufgewacht, weil ich einen dumpfen Schlag gehört habe und..." Sarah, die die Fopperei mitbekommen hatte, sauste hinter Lucy und hielt ihr den Mund mit ihrer Hand zu. Sie beugte sich ein wenig nach vorne und blinzelte zu Jody, die dankbar lächelte, und die Gelegenheit wahrnahm, aus der Küche zu verschwinden. "Lucy," sagte Sarah eindringlich. "Es gibt eine Zeit zum Reden, und es gibt eine Zeit die Klappe zu halten. Jetzt ist die Zeit die Klappe zu halten." Sie nahm ihre Hand von Lucy's Mund und setzte sich in den freien Stuhl neben ihr. "Ich weiß, dass du gerne frotzelst, aber glaube mir, dies war nicht der richtige Zeitpunkt. Ich meine, natürlich hast du sie gehört," war da ein Lächeln in ihrer Stimme. "Ich nehme an, dass wir alle gehört haben wie sie heimgekommen sind, und beinahe die Küche zerlegt haben, aber... deine Schwester ist in diesen Dingen sehr sensibel. Du hättest sie wirklich verlegen gemacht." "Okay, ich hab's verstanden," gab Lucy sich streckend und gähnend zu. "Und ich nehme an, dass du recht hast. Ich war dabei eine Linie zu überschreiten, was ich besser nicht tue. Ich kenne Jody und sie würde sich daran erinnern und sich... eines Tages... an mir rächen." "Oder Sam würde dir in deinen... Hintern treten," lachte Sarah. "Autsch," bemerkte Lucy stirnrunzelnd. "Das wäre sogar noch schlimmer."
Sam und Megan brauchten weniger als fünf Minuten um den Hügel hinunterzufahren, nahmen einen großen Stapel Post aus dem Briefkasten und machten sich wieder auf den Rückweg. Das Wetter war großartig. Es war noch früh am Morgen und unter dem Blätterdach der Bäume war es kühl. Es gab Schwärme von Diamantfinken, die sich um die Strasse herum verteilten und aufflogen als Megan mit dem Wagen an ihnen vorbeifuhr und sie beim Frühstück störte. Die Strasse war schmal, und gerade mal breit genug für einen einzigen Wagen, aber Megan, die diese Strasse nun schon seit Jahren entlang fuhr, wusste genau wie sie den gelegentlich, anscheinend mitten auf der Strasse stehenden Bäumen ausweichen musste. Die Strasse war recht steil und zog sich ungefähr drei Kilometer schlängelnd den Hügel hinauf. Durch die Bäume konnte Sam die Umgebung des Hügels sehen, und hin und wieder konnte sie einen Blick auf den Pazifik werfen, der sich wie ein blauer Spiegel am Horizont erstreckte. "Ich habe diesen Anblick nun schon mehrmals gesehen," erzählte sie Megan. "Und er ist immer noch atemberaubend." "Ich weiss was du meinst," antwortete Megan. "Wir leben hier nun schon beinahe fünf Jahre und die Szenerie wird nie langweilig. Es liebe es hier zu leben. Wir sind nah an der sogenannten Zivilisation, doch haben wir das Gefühl mitten im Busch zu leben. Und die Vielfalt der Wildtiere auf unserem Grundstück ist gewaltig. Bei uns gibt es sogar Koalas." Mit einem Funkeln in den Augen sah Megan zu ihrer Linken. "Ich könnte schwören, dass ich gestern Nacht einige gehört habe. Ihr Grunzen ist sehr charakteristisch." "Wirklich?" Erwiderte Sam. "Ich habe nicht gehört..." Sie stoppte mitten im Satz und blickte mit zusammengekniffnen Augen zu ihrer Freundin. Megan bemerkte den Blick und lachte laut heraus, als sie Sam's entrüsteten Gesichtsausdruck gemischt mit Verlegenheit, sah. "Keine Sorge Sam, ich mach nur Spaß," grinste Megan. "Wir haben nur gehört wie ihr gekommen seid, das ist alles. Ihr zwei habt anscheinend vergessen, dass sich der größte Teil der Schlafzimmertüren im Flur neben der Küche befindet. Ich schwöre, sobald ihr im Schlafzimmer wart, haben wir nichts mehr gehört." Sam grinste verlegen, und versuchte nicht zu Erröten, was aber gründlich daneben ging. "Ich denke, wir haben uns von dem Augenblick hinreißen lassen," erklärte sie. "Es tut mir leid, wenn..." "Entschuldige dich nicht," unterbrach sie Megan. "Ihr zwei seid so sehr ineinander vernarrt, also entschuldige dich nicht für leidenschaftliche Momente. Genieß sie einfach." "Das tue ich," gab Sam zu. "Aber ich möchte daraus wirklich keine öffentliche Zurschaustellung machen." "Das hast du nicht," versicherte ihr Megan. "Ich denke das... Was zum Teufel?" Megan trat plötzlich in die Bremsen und brachte den Wagen zum Stehen. Sam folgte ihrem Blick und augenblicklich standen ihr die Nackenhärchen zu Berge. Es lief ihr kalt über den Rücken und all ihre Sinne waren alarmiert. Ungefähr zwanzig Meter vor ihnen stand ein dunkler Wagen halb auf der Strasse, dessen vorderer Teil in den Büschen verborgen war. Die Türen standen offen und zwei zusammen gesunkene Gestalten saßen in den Vordersitzen. Unbeweglich. Schweigend. "Sam!" Flüsterte Megan, der trotz des Sonnenlichtes, das durch die Bäume schien und den Wagen hell bestrahlte, kalt war. Sam schluckte und überflog hastig die Umgebung. Im Busch war es ruhig. Nichts bewegte sich und es war absolut still. Es war eine grüne Mauer tödlichen Schweigens. "Ich werde einen Blick darauf werfen. Bleib du hier Megan. Wenn etwas passiert... dann verschwinde schnellstens von hier. Wende einfach den Wagen und mach das du wegkommst, und halte nicht an, bis du auf dem Polizeirevier bist." "Aber..." "Bitte, Megan!" Sam's Stimme war voller Rührung, als sie realisierte das die Situation nun vollkommen außer Kontrolle war. Als sie an die fünf Frauen oben auf dem Hügel dachte, zog sich ihre Brust zusammen. Sie waren wehrlos, und ohne irgendeinen Schutz. Jody! Oh mein Gott, Jody. Nein! Nur das nicht. Bitte, Gott. Bitte, lass sie in Sicherheit sein. Lass dies alles nur ein böser Traum sein! Sam stieg vorsichtig aus dem Wagen. Ihre Sinne waren vollkommen alarmiert. Sie fühlte wie das Blut durch ihre Venen pumpte und ihre Atmung schneller wurde. Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn und ihre Handflächen waren feucht und klebrig. Mit einem leisen Klicken drückte sie die Wagentür zu. Mit blassem Gesicht und dunklen, angsterfüllten Augen näherte sie sich vorsichtig und langsam dem dunklen Wagen mit den zwei bewegungslosen Gestalten. Sobald sie näher herankam, konnte sie auf der Innenseite der Windschutzscheibe Blut sehen und versuchte ihre aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. Mit einem trockenen, knackenden Geräusch brach ein kleiner Zweig unter ihrem Fuß, sie hielt ihren Atem an und hörte angestrengt nach Anzeichen, ob sie nicht alleine waren. Nach einigen Minuten tödlicher Stille setzte Sam langsam ihren Weg zu dem Wagen fort, von dem sie mit Sicherheit annahm, dass es ein ziviler Polizeiwagen war. Sie erreichte schließlich das Heck von dem Sedan, und sie musste all ihre Willenskraft zusammennehmen, um in den Wagen zu blicken. Im Vorderteil des Wagens lagen zusammengesunken zwei Männer. Es bewegte sich nichts und Sam konnte bei ihnen keinerlei Lebenszeichen erkennen. Es gab da noch mehr als das Blut auf der Windschutzscheibe, und sie erkannte die abscheuliche Realität. Beiden Männern war in den Hinterkopf geschossen worden und die Gehirnmasse war überall im vorderen Teil des Wagens verspritzt. Sam musste sich abwenden und holte mehrmals tief Luft, um sich nicht zu übergeben. Sie drehte sich herum, und Megan, die ihre Freundin nicht aus den Augen gelassen hatte, konnte die Abscheu in ihren Augen sehen. "Oh Gott. Sarah," flüsterte sie und fühlte wie sich ihr Magen zusammenzog. Mit paar langen Schritten kam Sam zum Wagen zurück und öffnete die Tür. Ihr Gesicht war blass, und sogar ihre Lippen waren bleich. "Megan," begann sie heiser. "Ich will, dass du umkehrst und zum Polizeirevier fährst. Sag ihnen, dass zwei ihrer Leute tot sind. Das wir hier oben Hilfe brauchen." "Aber Sam, was wirst du machen?" Fragte Megan, während ihr Tränen am Gesicht herunterliefen. "Was ist mit Sarah und Jody und den anderen. Sam, ich..." "Du musst Hilfe holen, Megan," drängte Sam. "Nimm dich zusammen, okay? Das könnte unsere einzige Chance sein. Ich werde zum Haus hinaufrennen. Es ist erst gerade passiert, und wenn ich die Abkürzung nehme, könnte ich noch rechtzeitig da sein. Ich werde durch den Busch laufen und somit die ganzen Kurven abscneiden." "Was, wenn du mit ihnen zusammenstößt?" "In ihrem eigenem Interesse tun sie es besser nicht," fauchte Sam, deren Gesicht sich plötzlich zu einer wütenden Maske verändert hatte. "Mach schon Megan. Geh und hol Hilfe." Sam drehte sich herum, rannte zu Straßenseite und verschwand in der grünen Mauer aus Büschen und Bäumen. Megan schluckte schwer, wendete den Wagen und fuhr mit halsbrecherischer Geschwindigkeit den Hügel hinunter. Sie versuchte nach allen Kräften nicht daran zu denken, was alles mit ihrer Geliebten und ihren Freunden geschehen sein könnte. "Bitte nicht. Bitte nicht." Die Worte wurden in ihrem Kopf, während sie ihren Wagen gekonnt den Hügel hinabsteuerte, wie ein schweigendes Mantra automatisch wiederholt. "Lass sie alle in Ordnung sein. Bitte Gott. Lass ihnen nichts geschehen sein."
~~~ ENDE - Kapitel 11 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 12 lesen. Feedback ist unter loisk@hotmail.com willkommen. |