![]() |
Versäumt bitte nicht die allgemeinen Hinweise in Kapitel 1 zu lesen!
Murrook Farm - Kapitel 2 |
Murrook Farm Kapitel 2
"Liebling, bitte versuch dich zu entspannen," drängte Sam und bedeckte die zitternden Finger ihrer Geliebten, die neben ihr im Wagen saß. "Wir sind gleich in der Klinik du sollst deine Mutter trösten und nicht noch mehr aufregen." Seufzend umschlang Jody Sam's größere Hand mit ihrer kleineren. Ihre Geliebte hatte recht, sie musste sich entspannen. Doch obwohl ihr Trishia versichert hatte, das ihre Mutter in Ordnung und die Verletzung nichts ernstes war, musste sich Jody mit eigenen Augen davon überzeugen, bevor sie sich entspannen konnte. "Es tut mir leid," murmelte sie. "Doch Mom musste bereits letztes Jahr soviel durchmachen. Es ist endlich an der Zeit, dass sie mal eine Verschnaufpause bekommt, denkst du nicht?" "Da stimme ich dir vollkommen zu, Liebling," Erwiderte Sam während sie weiterhin ihre Aufmerksamkeit auf die Strasse vor sich richtete. "Doch vergiss nicht, dass deine Mom eine couragierte Lady ist. Sie hat schlimmeres durchgestanden." "Oh ja," Entgegnete Jody abwesend als sie sich an den Mut ihrer Mutter erinnerte, als diese sich dazu entschlossen hatte ihren Mann wegen häuslicher Gewalt anzuzeigen. Als David McDonnell auf's Polizeirevier einberufen wurde, war bei seinem Erscheinen die Hölle ausgebrochen. Er hatte wie ein Verrückter herumgetobt und seine Frau beschuldigt, sie hätte die Kinder gegen ihn aufgehetzt. Es hatte drei Polizisten gebraucht, um den großen Mann auf seinem Stuhl festzuhalten. Trishia, die in diesem Augenblick anwesend war, verlor schließlich ihre Geduld, ging zu dem Mann mit dem knallroten Gesicht und sich unmittelbar vor ihn stellend sah sie ihm direkt in die Augen. In klaren Worten sagte sie ihm, das wenn er nicht aufhören würde seine Frau anzuschreien und zu beleidigen, dann würde sie seinen Hintern einsperren und ihn dort mit den großen, bösen Jungs alleinlassen, bis ihre Ohren von dem Missbrauch aufgehört hatten zu klingeln. Die Polizistin mörderisch anstarrend schloss David augenblicklich seinen Mund. Ab dem Zeitpunkt herrschte zwischen beiden eine tiefe Abneigung. Und die Tatsache, das Trishia eine Frau war, erfüllte David McDonell mit noch mehr Verachtung, welche klar auf seinem roten, geschwollenen Gesicht zu sehen war. Während dieser Zerreisprobe waren Jody und Lucy ihrer Mutter zur Seite gestanden und gaben der zitternden Frau ihre größtmögliche Unterstützung. Und als es letztendlich vorüber war und sie gehen konnten, da hatte sich Joan McDonnell an der Tür umgedreht und ihrem Ehemann einen verletzten, jedoch entschlossenen Blick zugeworfen. "Oh, und David? Ich werde die Scheidung einreichen." Jody war der Kinnladen runtergefallen, während Lucy versuchte ihr Grinsen zu verbergen. "Juhu, genau der richtige Weg, Mom," hatte sie geflüstert. "Das hat ihn nun völlig aus den Socken gehauen." Jody lächelte, als sie sich an den Gesichtsausdruck ihrer Mutter an diesem Tag erinnerte, entschlossen, jedoch erschrocken. Nervös, doch zuversichtlich. Sie war so stolz auf sie. Sobald sie draußen waren, war ihre Mutter heftig zitternd und weinend zusammengebrochen. Doch sogar zwischen den Schluchzern brachte sie es fertig ihren Töchtern zu versichern, das sie häufig über eine Scheidung von ihrem Vater nachgedacht hatte und es durchstehen würde. Und das hatte sie. Lucy's Chef hatte einen Rechtsanwalt empfohlen, der sich auf Scheidungen spezialisiert hatte und innerhalb weniger Monate war die rechtsgültige Scheidung vollzogen. Für Joan war es eine schreckliche Zeit. Sie und David waren über dreißig Jahre verheiratet und plötzlich musste sie auf eigenen Füßen stehen, was nicht leicht war, da David immer derjenige war, der die Entscheidungen getroffen hatte. Die Tatsache, das sich ihr jüngster Sohn Michael entschlossen hatte bei seinem Vater zu bleiben war ihr schwergefallen. Doch tief in ihrem Inneren war Joan dankbar, dass David nicht alleine war, da Fiona sehr klar den Wunsch geäußert hatte mit ihrer Mutter zusammenzuleben. Michael stellte sicher, das er seine Mutter jede Woche besuchen konnte, während es für Joan fast unmöglich war Fiona zu überreden ihren Vater zu besuchen. Natürlich tadelte ihr Ex-Mann sie dafür, das sie seine Tochter gegen ihn aufgehetzt hätte. Bis Fiona ihn eines Tages mit ihrer Wut über seine Verleugnung Jody gegenüber konfrontiert hatte. Nachdem er einige unanständige Bemerkungen über Jody's und Sam's Beziehung gemacht hatte, rastete Fiona aus. In klaren Worten hatte sie ihm gesagt, das wenn sie sich für eine Seite entscheiden müsste, dann würde er immer verlieren, weil sie niemals akzeptieren würde, das ihre Schwester wie eine Aussätzige behandelt wird. Und wenn er wahre Liebe nicht erkennen konnte, wenn sie ihm ins Gesicht geschoben wurde, dann sollte er sich fragen, ob er die Botschaft seiner kostbaren Bibel jemals verstanden hatte. Das Resultat dieses Ausbruchs war der, das David McDonnell seine jüngste Tochter, schon nach zwei Stunden seit Fiona's Ankunft bei ihm, wieder vor der Wohnung ihrer Mutter absetzte. Nachdem Joan die Version von Fiona gehört hatte, war sie zu dem Schluss gekommen, dass ihre jüngste Tochter sich mit Fug und Recht weigern konnte, ihren Vater zu sehen, und seit diesem Tag hatte sie Fiona nie wieder zu einem Besuch gezwungen. "Wofür ist das Lächeln?" Erkundigte sich Sam neugierig, einen Blick zur Seite werfend. "Mom," antwortete Jody. "Sie muss die stärkste Person sein, die ich kenne." "Und ich bin so dankbar, dass du genau wie sie bist," entgegnete Sam lächelnd. "Stark, freundlich, klug, mitfühlend, und einem Herzen so groß, dass die ganze Welt hineinpassen würde." "Nee," verneinte Jody seufzend. "Nun ja, das alles trifft auf meine Mom zu, aber ich glaube nicht, das ich soviel Mitgefühl wie sie habe, Liebling." "Ich wage zu wiedersprechen," wandte Sam liebevoll ein. "Aber es ist in Ordnung, solange ich die Wahrheit kenne." Liebevoll lachend drückte Jody Sam's Schenkel und legte ihre Hand auf das Bein der größeren Frau, um kleine Muster auf der baumwollbedeckten Haut zu zeichnen. "Wenn du versuchtst mich abzulenken, dann machst du eine gute Arbeit," murmelte Sam, ihrem Köper erlaubend auf die zärtlichen Berührungen zu reagieren. "Es erstaunt mich immer noch, wie empfänglich du bist," sinnierte Jody während ihre grünen Augen das Profil der Frau neben sich aufsaugten. "Nur bei deiner Berührung, Liebling," entgegnete Sam, nachdem sie heftig geschluckt hatte. "Das hoffe ich doch," kicherte Jody, schnappte sich Sam's Hand und hob sie hoch um schnell einen Kuss auf die warme Haut zu drücken. "Für mich hat es immer nur eine gegeben," bekannte Sam aufrichtig. "Du weißt das." "Ich weiß," flüsterte Jody. "Und das ist ein solch demütiger Gedanke. Ich liebe dich, Samantha Stevens." "Und ich liebe dich, Jody McDonnell Stevens," Entgegnete Sam lächelnd. "Bei dem Gedanken, das ich nach holländischem Gesetzt deine rechtskräftig angetraute Frau bin, wird mir immer noch schwindelig," grübelte Jody und blickte auf den Goldring an ihrem Ringfinger der rechten Hand. "Ich wünschte, es könnte in jedem Land so sein." "Das wäre großartig," stimmte Sam zu. "Aber bis das geschieht ist noch ein sehr langer Weg zu gehen, wenn es überhaupt geschieht." "Nun ja, hoffen darf man immer," bemerkte Jody seufzend, während Sam den Wagen auf einen Parkplatz vor der Klinik fuhr. Sich anlächelnd, fühlten beide das Band, das sich um ihre Seelen wie ein wärmendes Tuch legte. "Ich möchte dich küssen," flüsterte Jody. "Dazu würde ich niemals nein sagen, Mrs. Stevens," antwortete Sam mit funkelnden Augen. Sie beugte sich zu der kleineren Frau und nahm ihre weichen Lippen für einen warmen, beschaulichen und zärtlichen Kuss gefangen, und spürte wie sich sofort starke Hände um ihr Genick schlangen. Für die größere Frau war in dem Wagen nicht gerade bequem, doch Sam kümmerte sich nicht darum. Das einzige was sie wahrnahm, waren Jody's entgegenkommende Lippen und die intensive Liebe, die ihre Partnerin ausstrahlte. Ein lautes Klopfen an die Scheibe ließ sie fast aufspringen, und sie sich trennten hastig. "Was zum...." begann Jody leicht benommen und als sie sah wer ihren intimen Augenblick unterbrochen hatte, seufzte sie resigniert. "Ich hätte es wissen sollen," kicherte sie ironisch, während sie ihren Sicherheitsgurt und dann die Tür öffnete. "Hey, Sommersprosse," begrüßte sie ihre Schwester. "Trish hat dich auch angerufen, was?" "Natürlich hat sie das," antwortete Lucy McDonnell und gab ihrer älteren Schwester einen kurzen Kuss auf die Wange. "Sie wusste wahrscheinlich, das ihr zwei mit einer öffentlichen Zurschaustellung enden und dabei eingesperrt würdet und Mom total vergessen wäre." Grinsend klopfte Sam ihrer Schwägerin auf den Rücken. "Gibt es dafür schon ein Medikament?" Fragte sie mit vorgetäuschter Unschuld. "Für was?" Erkundigte sich Lucy den Köder schnappend. "Mund-Diarrhea?" "Oh, ha... ha," schnaufte Lucy während Jody lachte. "Nur weil du die Frau meiner Schwester bist, werde ich Trish nicht auf dich hetzen." "Wenn ihr zwei mit euren Liebesdeklarationen fertig seid, dann würde ich gerne zu Mom gehen," bemerkte Jody und machte sich auf den Weg zum Eingang. Lucy und Sam tauschten amüsierte Blicke aus und folgten schnell der kleineren Rothaarigen in die Klinik. Sie brauchten nicht lange um Joan zu finden. Eine sehr freundliche und hilfreiche Krankenschwester zeigte ihnen den Raum, wo sie sich befand, und sagte ihnen das sie ruhig zu ihrer Mutter reingehen konnten. "Mom," begrüßte Jody die ältere Frau und schlang vorsichtig ihre Arme um die schlanke Gestalt, wobei sie sorgfältig darauf achtete ihr nicht weh zu tun. "Hi, Liebling," erwiderte Joan lächelnd und zog Jody in eine Umarmung. "Es tut gut euch Mädchen zu sehen." "Was ist geschehen, Mom?" Fragte Lucy sich neben ihre Mutter setzend und ihre Hand ergreifend. "Ich denke, man sagt dazu Überfall," erklärte Joan ausdruckslos. "Ich wurde im Parkhaus überfallen," "Verdammt," fluchte Sam leise während ihre blauen Augen sich vor Zorn verdunkelten. "Wie oft habe ich diesem Idioten, dem dieser Kasten gehört gesagt, das er einen Wachmann anstellen und einige Überwachungskameras installieren soll? Bist du schlimm verletzt, Joan?" Erkundigte sich Sam eindeutig besorgt. "Nur eine Beule am Kopf und eine Prellung auf meiner Wange. Ich denke, das ich Glück hatte," erwiderte Joan, nicht gewillt ihre Töchter wissen zu lassen, was für schreckliche Kopfschmerzen sie hatte. "Und, ich habe noch meine Handtasche," fügte sie lächelnd hinzu. "Was ist passiert?" Erkundigte sich Jody, die sich durch das fröhliche Verhalten ihrer Mutter nicht täuschen ließ. Ihre Mutter hatte ein blasses und abgespanntes Gesicht und durch die Art wie sie ihre Augen verengte konnte sie sich ausrechnen das Joan Kopfschmerzen hatte. "Ich hab nicht viel gesehen," seufzte Joan. "Ich weiß nur, das ich ins Parkhaus ging und kurz bevor ich bei meinem Wagen war schlug mir jemand auf den Kopf. Ich fiel hin und versuchte nicht mein Bewusstsein zu verlieren. Dann spürte ich wie jemand an meiner Handtasche zog, während ein anderer mein Gesicht auf den Boden drückte. Doch plötzlich ließen sie meine Handtasche und meinen Kopf los. Ich kann nicht wirklich sagen was passiert ist, weil ich immer noch mit meinem Gesicht zum Boden lag, doch meine Angreifer liefen davon. Das nächste was ich weiß ist, das dieses Mädchen neben mir saß, doch sie wurde von einem Mann fortgerissen, der dachte, das sie diejenige war, die mich attackiert hatte. Ich vermute, das sie in Panik geriet als sie sich von seinem Griff befreite und unter einen Wagen abtauchte um sich zu verstecken." "Mann, oh Mann." Rief Lucy eine Hand hebend und mit ihrem Kopf schüttelnd. "Hab ich das richtig verstanden, Mom. Das Mädchen, das dich angegriffen hat ist gefasst worden? Das ist klasse." "Nein, Liebling," versuchte Joan mit leiser und erschöpfter Stimme geduldig zu erklären. "Das Mädchen hat die anderen verjagt." "Warum hat sie sich dann unter einem Auto versteckt?" Fragte Lucy verdattert. "Wie ich bereits sagte, hab ich nicht alles gesehen, doch der Mann der hereingerannt kam und die Polizei gerufen hatte, dachte sie hätte mich angegriffen. Also schnappte er sie, doch..." Joan schloss kurz ihre Augen. Selbst in ihrem benebelten Zustand hatte sie die schiere Panik in Alice's Augen bemerkt, als diese von dem Mann festgehalten wurde. "Ich vermute mal, das er sie erschreckt haben muss," fuhr sie fort. "In diesem Augenblick konnte sogar ich sehen, das sie erschrocken war." "Aber du hast deine Angreifer nicht gesehen," warf Sam ein. "Wie kannst du dir also sicher sein, das dieses Mädchen nicht daran beteiligt war, Joan?" "Weil ich sie... kenne," erklärte Joan leise und sah wie die Augen ihrer Töchter größer wurden. "Ich denke, das sie eine Ausreißerin ist und in den vergangenen Tagen hab ich ihr etwas zu Essen gegeben." "Nun ja, als Straßenkind..." Begann Lucy, doch sie wurde von ihrer Schwester unterbrochen. "Bitte Luce, mach das nicht. Verurteil sie nicht vorschnell." Jody wandte sich wieder zu ihrer Mutter und nahm beide Hände in ihre. "Du hast ihr was zu Essen gebracht?" Fragte sie warmherzig lächelnd. "Mom, du bist ein richtiger... Schatz!" "Da gibt es etwas an dem Kind, Jody," sinnierte Joan. "Ich kann es nicht erklären, doch von dem ersten Moment, wo ich sie sah, spürte ich, das ich ihr Vertrauen gewinnen musste, damit ich ihr vielleicht auf irgendeine Art helfen kann. Sie schien so... verloren zu sein," beendete sie flüsternd. "Wo ist sie jetzt?" Erkundigte sich Sam, die immer noch versuchte Joan's Story zu verstehen. "Trishia und Peter haben sie zum Polizeirevier mitgenommen. Ich habe keine Ahnung was sie jetzt mit ihr machen."
"In Ordnung... Alice," seufzte Peter zum zigsten mal. "Ich möchte wirklich deinen Nachnamen wissen. Das würde die Dinge wesentlich leichter machen... für uns beide." Der blonde Teenager saß in einem Stuhl gegenüber von seinem Schreibtisch und starrte weiterhin auf ihre abgetragenen Turnschuhe. Seit dem Zeitpunkt wo Peter und Trishia sie mitnahmen, hatte sie sich schweigend verhalten. Peter verrollte seine Augen und nahm sich einen Augenblick an seine eigenen Kinder zu denken. Er hatte sechs Monate alte Zwillinge und er konnte nur hoffen und beten, das sie niemals mit Problemen, die dieser Teenager vor ihm durchgemacht haben muss, gegenüberstehen mussten. "Hör zu Alice," sagte er nun sanfter. "Lass uns für den Augenblick deinen Nachnamen vergessen, okay? Du hast wahrscheinlich einen sehr guten Grund, mich nicht zu mögen und mit mir zu reden, doch ich bin ein Polizist und ich muss mich an das Gesetz halten. Du warst Zeugin eines Verbrechens und ich glaube Mrs. McDonnell, wenn sie sagt, das du ihr geholfen hast. Das war sehr mutig und selbstlos von dir. Doch da ein Verbrechen stattgefunden hat muss ich einen Bericht schreiben. Und den kann ich nur schreiben, wenn du mir erzählst was passiert ist." Peter sah zu dem Mädchen, und obwohl sie ihren Blick gesenkt hatte und ihr langes Haar ihr Gesicht verdeckte, konnte er sehen wie sie unter der Oberfläche mit ihren zwiespältigen Empfindungen kämpfte. Ein kurzer Blick zu seiner Partnerin sagte ihm, dass Trishia jedes Wort mitverfolgte und lächelnd nickte sie ihm ermutigend zu. Schließlich hob Alice nach einem langen Schweigen ihren Kopf und sah ihn an. Der Blick ihrer Augen glich dem eines gefangenen Tieres und Peter Jones erkannte, dass er sehr behutsam vorgehen musste. "Ich war in dem Park," begann Alice mit kaum hörbarer Stimme. "Die Dame hatte mir etwas zu Essen gegeben und war auf dem Weg zu ihrem Wagen. Ich sah wie ein Bursche und ein Mädchen ihr ins Parkhaus folgten, und ich wusste, das sie nichts gutes vorhatten, also bin ich ihnen nachgegangen. Sie hatten die Dame niedergeschlagen und versuchten ihre Handtasche zu stehlen." Mit ihren Schultern zuckend hielt Alice eine Sekunde inne. "Es war niemand anderes da, also bin auf sie losgestürmt," erklärte sie trocken. "Der Macker fiel hin und schlug mit seinem Kopf gegen ein Auto. Dann hab ich das Mädchen geschlagen und sie blutete. Ich denke, als der Kerl wieder hochkam, wollte er mich schlagen, doch der große Bursche kam herein und sie sind fortgelaufen. Das war's." "Was ist passiert, nachdem sie fort waren?" Wollte Peter wissen. "Nichts." Flüsterte Alice, die ihr Gesicht wieder hinter ihrem Haar verbarg, doch sowohl Peter als auch Trishia sahen, das das Mädchen zitterte. "Der Mann, der dich ergriffen hatte, was hat er gemacht?" "Ich vermute er dachte, das ich es war," erwiderte Alice mit leiser, ausdrucksloser Stimme. "Doch er irrte sich." "Ja, das hat er," stimmte Peter zu. "Also, kann ich jetzt gehen?" Fragte Alice überraschend. Trishia, die das Mädchen beobachtet hatte, hatte diesen Augenblick erwartet. Sie hatte mit mehr obdachlosen Kindern und Ausreißern zu tun gehabt als sie zählen konnte, doch tief in ihrem Inneren musste sie Joan zustimmen: Da gab es etwas um Alice.... "Wie alt bist du, Alice?" Fragte sie mit ihrer Hüfte an Peters Schreibtisch gelehnt und nippte an ihrem Kaffee. Augenblicklich war der ausdruckslose Blick in den Augen des Mädchens zurück und sie schoss einen wütenden Blick zu Trishia. "Wie ich ihnen bereits gesagt habe, ich bin achtzehn." Bedächtig nickend nahm Trishia einen weiteren Schluck von ihrem Kaffee. "Oh ja, das hast uns gesagt, doch wir beide wissen, das das nicht stimmt, Alice." Sie beschloss die Taktik zu wechseln. "Wo können wir dich erreichen, wenn wir noch weitere Fragen haben?" "Ich dachte, wir sind fertig?" Entgegnete Alice. "Im Augenblick, ja," sagte Trishia gedehnt. "Aber man weiß nie, was als nächstes kommt. Außerdem, wenn wir die beiden, die Mrs. McDonnell überfallen haben, fassen können, dann möchten wir, das du sie identifizierst." Alice biss sich auf ihre Lippe, und wenn sie auch nicht sofort reagierte, so konnte Trishia doch die, von der Jugendlichen ausstrahlenden, Wut und Frustration erkennen. Innerlich seufzte sie. Ihr tat das Mädchen leid und es war für sie offensichtlich, das Alice enorm angespannt und verschreckt war. Die große Polizistin wollte nicht, das das Mädchen sich bedroht fühlte, doch Peter und sie mussten ihre Arbeit machen. Außerdem war es klar, das das Mädchen keine achtzehn Jahre alt war und sie damit gezwungen waren, sie einem Sozialarbeiter zu überstellen, auch wenn Trishia aus Erfahrung wusste, das das Mädchen bei der ersten sich bietenden Möglichkeit davonlaufen würde. Es gab in Australien eine Menge obdachloser Leute, und von den kürzlich erschienenen Berichten wusste Trishia, das siebenunddreißig Prozent jünger als fünfundzwanzig Jahre war. Und das waren diejenigen die bei der Vereinigung für Obdachlose registriert waren. Höchstwahrscheinlich gab es eine Menge die dort nicht registriert waren. Schwer seufzend rieb sie über ihr Gesicht und erkennend das sie hundemüde war, wollte sie tatsächlich nach Hause gehen und bei einer schönen, ausgedehnten Dusche die klebrige Hitze des Tages wegspülen. Sie beschloss den sprichwörtlichen Stier bei den Hörnern zu packen. "Du weißt Alice, dass wir dich nicht einfach gehen lassen können," erklärte sie freundlich. "Du bist minderjährig." "Ich habe nichts verbrochen," bemerkte Alice mit erhobener Stimme. Als sie ihren Blick zu Trishia's hob loderten ihre Augen vor Wut, doch sie traf nur auf den freundlichen, verständnisvollen Blick der Polizistin. "Sie können mich nicht einsperren!!!" "Wir werden dich nicht einsperren," entgegnete Trishia. "Doch du bist zu jung um alleine auf der Strasse zu sein. Wir müssen uns an einen Sozialarbeiter wenden, der einen Ort für dich findet, wo du bleiben kannst. Es sei denn, du nennt uns deinen Nachnamen damit wir uns mit deiner Familie in Verbindung setzen können." "Ich werde davonlaufen," murmelte Alice. "Ich weiß," entgegnete Trishia seufzend. "Wenn du uns schon nicht deinen Nachnamen verraten willst, könntest du uns dann bitte sagen, woher du kommst?" Versuchte es Peter auf eine andere Art. Während Alice mit ihren Fingern an dem Saum ihres Shirts herumzupfte zuckte sie mit ihren Schultern. "Ich weiß es nicht." Erwiderte sie. "Du weißt es nicht?" Wiederholte Peter. "Alice, ich..." "Ich habe ihnen gesagt, dass ich es nicht weiß!!!" Schrie Alice. "Warum lasst ihr mich nicht einfach in Ruhe?!" Trishia und Peter tauschten Blicke aus und sie erkannten beide, das die Dinge viel komplizierter waren, als sie jemals vermutet hätten. "Okay," begann Trishia. "Ich glaube dir, wenn du sagst, das du es nicht weißt, aber Alice, hast du eine Ahnung, warum du es nicht weißt? Du scheinst ein kluges Mädchen zu sein und ich bin sicher das du es verstehst, das der Polizeibeamte Jones und ich wirklich mehr darüber wissen wollen." Trishia konnte sich noch lebhaft daran erinnern, wie sie das Mädchen, versteckt unter einem Auto, zu einem Ball zusammengerollt, mit geschlossenen Augen und langsam vor- und zurückwiegend, vorgefunden hatten. Sie fing an zu glauben, das das Mädchen ein einschneidendes traumatisches Ereignis durchlebt haben musste. "Ich weiß es nicht," flüsterte Alice. "Ich... ich kann mich nicht erinnern." Trishia schoss einen Blick zu ihrem Partner und er nickte ihr kurz zu. Unverhofft stand er auf um sich eine Tasse Kaffee einzugießen, doch als er zurückkam ging er nicht zu seinem Stuhl zurück. Stattdessen blieb er einige Schritte hinter Alice stehen und beobachtete aufmerksam die Reaktion des Mädchens. Alice, die während der ganzen Zeit, als die Polizeibeamten mit ihr sprachen, ruhig in ihren Stuhl gesessen hatte, versteifte sich merklich. Die Finger, die an ihrem Shirt herumzupften hielten plötzlich inne und Trishia sah, wie sie sich nervös auf die Lippe biss. Es gefiel ihr gar nicht, das Mädchen dem auszusetzen, aber auch ohne die Möglichkeit gehabt zu haben mit ihrem Partner zu reden, wusste sie, das sie beide das Gleiche vermuteten. Peter ging ein wenig näher heran, wobei er peinlich darauf achtete, nicht in ihren persönlichen Freiraum einzudringen. "Wieso kannst du dich nicht erinnern, Alice?" Fragte er. In dem Augenblick als sie seine Stimme hinter sich hörte, sprang Alice so schnell auf das sie den Stuhl umwarf und machte einen Satz von ihm weg. Als sie sich umdrehte um ihn anzusehen waren ihre Hände zu Fäusten geballt und sie zitterte am ganzen Körper. Peter musste sich schwer zusammennehmen, um sich unter Kontrolle zu halten. Alices Reaktion hatte seine Vermutung nur noch verstärkt und er schimpfte sich innerlich einen Schweinehund, weil er sie so reingelegt hatte und verfluchte denjenigen, der dem Mädchen einen solch schweren Schaden zugefügt hatte. "Wie oft muss ihnen noch sagen, dass ich es nicht weiß?" Schrie Alice, den Tränen nahe. "Lasst mich in Ruhe! Bitte, lasst mich in Ruhe." Mit einem Schluchzen, das aus den verborgensten Tiefen ihre Seele zu kommen schien, sank Alice auf den Boden und begrub ihr Gesicht in ihren Händen, während sie eisern darum kämpfte nicht völlig zusammenzubrechen. Warum verstanden sie sie nicht? Warum konnten sie sie nicht in Ruhe lassen? Sie hatte nichts Verkehrtes gemacht. Alles was sie getan hatte, war, jemandem zu helfen, der nett zu ihr war. Doch zu was für einem Preis? Sie hätte auf die Stimme der Vernunft hören und sich nicht einmischen sollen. Sie hätte sich umdrehen und einfach weggehen sollen. Alices Atmung beruhigte sich wieder und sie konnte spüren wie Dunkelheit sich anschlich. Bilder, ähnlich wie zerrissene Fotos, tauchten vor ihren Augen auf. Quälten ihren Verstand mit Impressionen die sie nicht verstand. Sie schwirrten durch ihren Kopf und gaben ihr das Gefühl laut aufschreien zu müssen, doch das einzige was sie herausbrachte war ein hohes Wimmern, das durch die Seelen der Polizisten wie ein glühendes, scharfes Messer schnitt. "Oh mein Gott, Jesus Christus," flüsterte Peter, der spürte wie Tränen in seine Augen traten. "Trishia, was um alles auf der Welt..." Er sprach seinen Satz nicht zuende, jedoch wischte er sich fahrig seine Augen und verspürte das Bedürfnis rauszurennen und etwas zusammenzuschlagen. Aber er wusste, das er sich zusammennehmen musste. Das Mädchen brauchte irgendwie Hilfe. Sich auf die Lippe beißend bekämpfte Trishia den Drang sich neben dem Mädchen hinzuknien. Das würde sie wahrscheinlich noch mehr erschrecken. Sie ging im Kopf alle Möglichkeiten durch, wovon ihr keine zusagte. Sie konnten ein Mädchen wie dieses doch nicht in ein Heim schicken, das völlig überfüllt war und wo das Mädchen keinerlei Frieden finden konnte! Sie würde augenblicklich davonlaufen, und das Letzte was Trishia wollte, war, das Alice wieder allein durch die Strassen zog. Aus ihrem Augenwinkel konnte sie sehen, wie ihre Inspektorin ihr Büro verließ, und sie beschloss die Chance wahrzunehmen. Mit ein paar langen Schritten war sie an der Tür und winkte Carol Wong herüber. "Was ist hier los?" Erkundigte sich die zierliche Frau neugierig, während sie auf das wimmernde Mädchen herabblickte, das immer noch auf dem Boden saß. Trishia erzählte ihr leise was geschehen war und warf der Inspektorin einen bittenden, jedoch entschlossen Blick zu. "Ich weiß das es gegen die Vorschriften ist, Inspektor," begann sie. "Doch sehen sie sie an, wir können sie in diesem Zustand nicht der Sozialfürsorge übergeben! Sie wird weglaufen, bevor sie mit der Wimper zucken können." "Haben wir eine Alternative, Trishia?" Fragte Carol Wong ruhig. "Ich weiß, das es hart ist, aber wir haben keine andere Wahl." "Aber sie stimmen mir zu, das sie dort wahrscheinlich nur sehr kurz bleiben wird, richtig?" "Das vermute ich auch," erwiderte die Inspektorin, die das Gefühl hatte, das ihr das, was sie bald zu hören bekam, nicht gefallen würde. "Ich hab da vielleicht eine Alternative," begann Trishia. Sie sah das Carol Wong eine Bemerkung machen wollte und hob schnell eine Hand um sie daran zu hindern. "Bitte Inspektor, lassen sie mich ausreden, okay?" Carol Wong hatte Trishia Waters schon immer gemocht und respektiert und sie wusste, das die Polizistin eine zuverlässige und bodenständige Person war, die gewöhnlich niemals gegen Regeln oder Vorschriften verstieß. Sie war neugierig was die Frau ihr vorschlagen wollte und nickte ihr zu. "Danke! Also gut, ich habe mir folgendes gedacht......"
Nachdem sie von einem der Unfallärzte gründlich untersucht worden war, und eine der Krankenschwestern behutsam ihr Gesicht gereinigt hatte, wurde Joan McDonnell aus dem Krankenhaus entlassen. Sie musste der Krankenschwester versprechen es ein paar Tage langsam angehen zulassen und ihr versichern, das sie sofort ihren Hausarzt aufsuchen würde, wenn sie von anhaltenden Kopfschmerzen geplagt wurde. "Es ist eine gute Sache, das es Kliniken und Ärzte gibt," murmelte Joan als sie in Sam's Wagen einstieg. "Doch müssen sie solch einen Aufstand wegen nichts machen?" Sich auf ihre Lippe beißend warf Sam einen vergnügten Blick in den Rückspiegel. Sie mochte auch keine Krankenhäuser, nachdem sie nach einem Autounfall als Teenager, sehr lange Zeit in einem verbringen musste. "Ich bin nur glücklich, das du keine ernsten Verletzungen hast, Mom," bemerkte Jody. "Also hör auf zu klagen," frotzelte sie liebevoll. "Jawohl Joan, sie hat recht," fügte Sam lächelnd hinzu. "Außerdem hast du jetzt die Möglichkeit dich die nächsten Tage mal richtig verwöhnen zu lassen. Genieß es solange wie möglich." "Ich kann dir nicht sagen wie dankbar ich euch beiden bin. Aber bist du auch sicher, das ich und Fiona bis nächste Woche bei euch wohnen sollen?" "Bei dir bin ich mir sicher, bei Fiona nicht," erwiderte Sam kichernd. "Das letzte Mal als sie bei uns blieb, musste ich sie mitten in der Nacht aus dem Pool schleppen." Jody grinste als sie sich daran erinnerte, wie sie mitten in der Nacht aufgewacht war und ihre Partnerin im Bett vermisste. Den Schlaf aus ihren Augen reibend war sie aufgestanden um nach Sam zu suchen, und fragte sich warum sie aufgestanden war. Sie brauchte nicht lange um die Antwort auf ihre Frage zu erhalten. Als sie die Küche betrat kam Sam herein und schleppte eine, in einem Badeanzug bekleidete, tropfnasse Fiona mit sich. "Sieh mal was ich im Pool gefunden habe," rief Sam, die ihre Schwägerin ansah, als ob sie von einem anderen Planeten war. "Ich dachte es würde jemand ums Haus schleichen und als ich losging um es zu kontrollieren hat deine süße, kleine Schwester vom Wasser aus die Sterne betrachtet." "Hey! Es ist draußen eine wunderschöne Nacht," disputierte Fiona mit einem verschmitzen Funkeln in ihren Augen. "Es ist kein Verbrechen Gottes Schöpfung zu genießen, oder doch?" Lächelnd schüttelte Joan bedächtig ihren Kopf, sie wusste sehr genau was für ein Plagegeist ihre jüngste Tochter war. "Ich werde ihr sagen, den Badeanzug zu Hause zu lassen," versprach sie lachend. "Oh nein!" Entgegnete Jody und drehte sich zu ihrer Mutter um. "Wenn du das machst, dann bin ich mir sicher, das sie nackt reinspringt, und dann wird mich Sam mitten in der Nacht wecken, damit ich meine Schwester aus dem Pool fische. Oh nein, Mom. Sie kann ihre Badesachen mitbringen." Mit dem Wissen, das keiner von ihnen dem pfiffigen Teenager lange böse sein konnte, brachen sie alle in Gelächter aus. Jody's Handy summte und mit einer Grimasse zu Sam blickend zog sie es aus ihrer Handtasche. "Hi, Trishia!" Begrüßte sie warmherzig die Person am anderen Ende der Leitung. "Ja, wir sind auf dem Nachhauseweg und Lucy sollte bald da sein um dich abzuholen...." Jody runzelte leicht ihre Stirn als sie der anderen Frau interessiert zuhörte. Mit ernst dreinblickenden Augen sah sie zu Sam. "Nein, natürlich nicht," sagte sie schließlich. "Ich werde sie fragen, bleib einen Moment dran, Trish." Das Handy von ihrem Ohr nehmend blickte Jody zu Sam, die den Wagen durch den Verkehr entlang der Goldküste manövrierte, während sie versuchte gleichzeitig ihrer Partnerin zuzuhören. "Trish fragt nach, ob sie heute abend einen Gast mitbringen kann." Überrascht dreinblickend schoss eine von Sam's Augenbrauen bis unter ihren lockigen Haaransatz. "Lucy hat gar nichts davon erwähnt," bemerkte sie. "Weil sie es noch nicht weiß," erwiderte Jody trocken und brachte Sam damit zum Kichern. "Ähm... nun, ja... natürlich," erklärte Sam. "Je mehr, desto lustiger. Jemand den wir kennen?" Jody sog einen Moment an ihrer Unterlippe und schüttelte dann ihren Kopf. "Ne, wir nicht." Sie warf einen Blick zu der Frau auf dem Rücksitz, die sie erwartungsvoll anlächelte. "Aber Mom kennt sie."
~~~ ENDE - Kapitel 2 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 3 lesen. Kommentare und Feedback sind willkommen unter: ripplesintime@hotmail.com
|