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Versäumt bitte nicht die allgemeinen Hinweise in Kapitel 1 zu lesen!
Murrook Farm - Kapitel 3 |
Murrook Farm Kapitel 3
Peter Jones war davon überzeugt, dass Trishia's Idee Potential hatte, doch er war noch ein wenig skeptisch über die Initiative seiner Partnerin. Es würde die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben überschreiten. Und das nicht nur mit einem kleinen Schritt, sondern mit einem gewaltigen Sprung. Er fuhr sich durch sein störrisches Haar und ungeduldig darauf wartend das die Ampel grün wurde, trommelte er mit seinen Fingern auf dem Lenkrad herum. Er kannte Trishia nun schon seit Jahren, und während der ganzen Zeit hatte er ihre Handlungen niemals in Frage gestellt. Auch jetzt hatte er nicht die Absicht das zu tun. Die große Polizistin war nicht nur seine Partnerin, sie war eine seiner besten Freunde geworden und Peter hoffte nur, dass ihr unkonventioneller Plan funktionieren würde. Langsam seinen Wagen durch den Nachmittagsverkehr manövrierend, ließ Peter allmählich die chaotische Stadt hinter sich. Er seufzte erleichtert auf als er in die Strasse abbog, die ihn zu seinem Haus auf halber Höhe des Hügels führte. Er freute sich darauf seine Frau und seine Kinder wieder zu sehen. Der Umgang mit Alice hatte ihm deutlich gemacht, wie sehr er sich verändert hatte, seit er vor sechs Monaten wieder Vater geworden war. Seine Geduld und Nachsichtigkeit mit der Jugendlichen hatte ihn überrascht. Irgendwie war er nicht fähig seinen Verstand von seinen zwei kleinen Söhnen frei zu machen. Er wusste, dass die meisten Eltern mit entlaufenen Kindern, diese einmal liebten und behüteten. Sie hatten wahrscheinlich das Gleiche empfunden wie er, wenn er mit Stolz und einem liebevollen Herzen auf seinen Nachwuchs blickte. "Wo fing es an schief zu gehen, hm?" Murmelte Peter zu sich ohne eine Antwort darauf zu wissen. Was er jedoch wusste, war etwas, das ihm schon lange klar war, doch er hatte es bequemerweise verdrängt. Es war etwas, dass er gerne vergaß, wenn er es mit Ausreißern und Obdachlosen zu tun hatte. Es gab hinter jedem dieser Fälle eine Geschichte. Und diese war niemals erfreulich.
Nachdem Lucy ihren Wagen neben dem Polizeirevier geparkt hatte, sah sie nochmals in ihrem Rückspiegel und runzelte verspielt ihre Nase. Ihre dunkelgrünen Augen kontrastierten reizend mit ihrem dunklen Haar, doch ihr war klar, dass sie ohne diese dunklen Ränder unter ihren Augen besser aussehen würde. "Ich muss mal ausgiebig schlafen," murmelte sie, während sie ihre Handtasche vom Beifahrersitz nahm und die Tür öffnete. "Nein, ich nehm das zurück. Ich brauche Urlaub. Einen langen... müßigen... Urlaub in den Tropen." In sich hineingrinsend schloss Lucy den Wagen ab und fühlte sich, wie durch ein Wunder, schon besser. Vielleicht sollte sie Trishia zu einem Urlaub überreden. Der Himmel wusste, wie reif die Polizistin für einen Urlaub war. Seit Lucy sie kannte, hatte sie nie mehr als ein paar Tage Frei genommen. "Geistiger Vermerk: Schöne lange Dusche, ein Glas Wein und ein Urlaubsgespräch," versprach sich Lucy, während sie sich darauf freute den Abend bei Jody und Sam zu verbringen. Sie betrat das Gebäude und wunderte sich warum Trishia, wie sonst auch, nicht unten auf sie wartete und sie spürte wie sich diese Erkenntnis auf ihren Magen schlug. "Bitte, lieber Gott. Keine Spätschicht. Nicht schon wieder. Und bitte nicht heute." Lucy winkte ein paar jungen Polizisten zu, die sie kennen gelernt hatte, als sie ihr vor nur einigen Wochen einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung verpasst hatten. Sie hatte den Strafzettel charmant und humorvoll entgegengenommen, und als sie ihnen später, in Trishia's Begleitung, einer ihrer geachtetsten Polizeiobermeister, wieder begegnete, waren ihnen die Kiefer runtergefallen. Lucy grinste sie an, bevor sie die Treppe zum Obergeschoss hinaufstieg. Da jeder im Gebäude sie kannte, konnte sie ungehindert zu Trishia's Büro gehen. Die Tür stand offen und lächelnd ging sie hinein, wo sie auch sofort ihre Freundin erspähte, die an einer Tasse Kaffee nippend an der Fensterbank lehnte, während sie nach draußen starrte. Lucy runzelte ihre Stirn. Es sah nicht so aus, als ob die Polizistin im Begriff war nach Hause zu gehen, und sie konnte nur mit Mühe eine bissige Bemerkung herunterschlucken. Sie musste Trishia zuerst erlauben eine Erklärung abzugeben. "Hallo Fremde," begrüßte Lucy sie mit einem warmherzigen Lächeln. "Bist du fertig?" Trishia sah erschrocken auf und warf sofort einen Blick auf die Uhr. "Oh Mann, schon so spät, wie?" Bemerkte sie und erwiderte das Lächeln während sie den Anblick vor sich würdigte. "Du siehst müde aus," erwiderte Lucy während sie auf sie zuging und ihre Handtasche auf Trishia's Schreibtisch legte. "Es war ein langer Tag," antwortete Trishia ihre Augen reibend. "Wie geht es deiner Mutter?" "Sie ist ein bisschen durchgerüttelt, aber du kennst meine Mom, sie ist ein robuster Keks," entgegnete Lucy lächelnd. "Sie haben sie untersucht und festgestellt, dass ihr Kopf nichts abbekommen hat, also ist alles in Ordnung. Dem Himmel sei Dank." Sie nahm Trishia den Becher aus der Hand und nahm einen kleinen Schluck. "Igitt, ekelhaft. Wie kannst du dieses Zeug trinken?" Rief sie aus und verzog ihr Gesicht. "Er ist entschieden zu stark und Zucker ist auch keiner drin." "Davon wachsen dir Haare auf der Brust," erklärte Trishia lachend. "Oooh, ich hoffe doch nicht," bemerkte Lucy kichernd und wackelte mit ihren Augenbrauen. "Also, können wir gehen?" "Beinah," antwortete Trishia. "Aber ich muss vorher kurz etwas mit dir besprechen." Lucy machte ein langes Gesicht und unzählige Möglichkeiten liefen ihr sofort durch den Kopf. "Du machst nicht schon wieder eine Doppelschicht, oder?" Murmelte sie. Mit dem Bewusstsein, dass sie neuerdings mehr Doppelschichten geleistet hatte als sie hätte tun müssen, verstand sie Lucy's Frustration vollkommen. "Nein, keine Doppelschicht," erklärte sie schnell und sah wie sich Lucy's Gesicht erhellte. "Aber da gibt es etwas... unerwartetes. Ähm... hat dir deine Mutter erzählt was heute Nachmittag geschehen ist?" Lucy schob einen Aktenstapel zur Seite und setzte sich nachdenklich auf die Kante des Schreibtischs. "Ja, das hat sie, und ich kann dir sagen, dass es mir eine Heidenangst eingejagt hatte. Tagtäglich werden Menschen bei Überfällen getötet und heute hätte es leicht sie erwischen können. Sam war stinksauer, dass der Besitzer dieses Parkhauses immer noch keine Wachleute dort hat." Bemerkte sie kichernd. "Ich glaube, dass sie ihn nun dafür verantwortlich machen wird. Armer Bursche." "Ich denke, dass deine Mutter Glück hatte." Pflichtete ihr Trishia bei. "Hat sie dir von dem Mädchen erzählt?" "Kurz," antworte Lucy gedehnt und als sie sah wie die größere Frau nervös mit einem Füller spielte, fragte sie sich was Trishia ihr mitteilen wollte. "Was ist los, Trish? Ich brauch dich nur ansehen um zu erkennen, das etwas im Busch ist." Tief Luft holend sah Trishia in Lucy's Gesicht. Auch wenn sie sich nun schon seit über einem Jahr kannten, hatte sie keine Ahnung wie Lucy auf ihre Erläuterungen reagieren würde. Und nur der Gedanke daran erschrak sie. Trishia konnte nur darauf hoffen und beten, dass die Frau vor ihr, sie genügend verstehen würde, um das was sie vorhatte zu akzeptieren. "Es handelt sich um folgendes..." begann Trishia. In einer kurzen, jedoch verständlichen Zusammenfassung erzählte sie Lucy alles was an diesem Nachmittag geschehen war, wobei sie Alice's Reaktion auf Peter's Anwesenheit besonders hervorhob. Sie konnte auf Lucy's ausdrucksstarkem Gesicht die Emotionen sehen und wusste mit nur einem Blick, dass die andere Frau aufmerksam zuhörte. Nachdem Trishia geendet hatte entstand ein langes Schweigen. Auf den verschlissenen Teppichboden blickend, versuchte Lucy ihre Gedanken zu ordnen. Ihre erste Reaktion war ein simples Kommt nicht in Frage! Du bist verrückt, doch sie wollte Trishia's Gefühle nicht verletzen und schluckte die Worte hinunter. Nach einer Weile blickte sie schließlich auf, um zu sehen wie Trishia's besorgte Augen an ihrem Gesicht klebten. Sie schaffte ein schwaches Lächeln und schob das Haar, dass über ihre Stirn gefallen war zurück. "Bist du sicher, dass du und meine Mom nicht miteinander verwandt sind?" Bemerkte sie seufzend. Kichernd steckte Trishia ihre Hände in ihre Hosentaschen. "Denkst du nicht, das dies ein wenig... peinlich wäre?" "Ja, das wäre es," murmelte Lucy. "Hör zu, Trishia. Ich... glaub es oder nicht, aber ich verstehe warum du dies tun willst. Das tue ich wirklich. Ich weiß wie mitfühlend und nett du sein kannst. Aber hast du über die Konsequenzen nachgedacht? Nicht nur für dich selber, auch für deinen Job. Du kannst nicht abstreiten, dass du deine Arbeit liebst. Was, wenn all dies einen... negativen Einfluss hat? Und was ist mit... uns?" Schloss Lucy mit kaum hörbarer Stimme. "Ich bin keine Närrin, Trish. Wir beide waren neuerdings mit allem Möglichen außer uns beschäftig. Was für einen Einfluss wird das auf uns beide haben?" Trishia biss sich auf ihre Lippe und versuchte ihr rasendes Herz zu beruhigen. Die Tatsache, dass Lucy ihre Beziehung erwähnte, hatte sie irgendwie überrascht. Sie hatte nicht den Eindruck, dass die junge Frau in letzter Zeit viel über ihre Beziehung nachgedacht hatte. Doch Trishia wusste wie sie selbst in ihrem Innersten fühlte. Und war fest entschlossen alles erdenkbare zu tun um Lucy McDonnell nicht zu verlieren. "Ich bestreite nicht, das es eine Menge... Stress geben wird," antwortete Trishia ehrlich. "Und genauso wenig kenne ich das was und wie, aber eins weiß ich Luce. Aus irgendeinem Grund kann ich es nicht auf sich beruhen lassen. Wenn ich es täte, dann würde ich es niemals vergessen oder mir vergeben. Besonders, wenn ich irgendwann den Auftrag erhalte, zu einem unserer vielen Parks oder Strände zu gehen, um einen weiteren Fall von Vergewaltigung oder dem Mord an einem jungen Mädchen zu untersuchen. "Ich... Deine Einstellung ist lobenswert und ich bewundere dich dafür, aber mein Schatz, du kannst sie nicht alle retten." Wandte Lucy ein. Der Kosename war Lucy spontan über die Lippen gekommen, ohne überhaupt zu bemerken, das sie ihn gesagt hatte, doch Trishia spürte, wie eine sehr willkommene Wärme durch ihren Körper floss und eine Lächeln zog sich über ihr Gesicht. "Das weiß ich," Entgegnete Trishia liebevoll, und bedeckte mit ihrer Hand Lucy's. "Doch in diesem Fall muss ich es versuchen." "Warum bittest du nicht Jody und Sam um Hilfe?" Fragte Lucy plötzlich. "W... was?" "Bitte Jody und Sam um Hilfe. Verstehst du, du musst die Last nicht alleine tragen. Wo soll sie überhaupt wohnen?" "Ich hatte mir überlegt... ich dachte... nun ja, bis wir etwas passenderes gefunden haben, bei mir zu Hause." "Bei dir?" Schnaubte Lucy. "Mit allem nötigen Respekt, Polizeiobermeisterin, deine Wohnung wie du es nennst, ist kaum größer als eine ausgebreitete Zeitung mit ausgefransten Rändern. Für eine Polizeibeamtin bist du nicht sehr praktisch veranlagt meine Liebe," Bemerkte Lucy grinsend. Es bildete sich eine Idee in ihrem Kopf und mit jeder Sekunde die verging schien sie besser und besser zu sein. Trishia sah Lucy's Gesichtsausdruck und musste einfach lächeln. Die Befürchtung, das sie ihren Plan ablehnen würde erwies sich als grundlos. Stattdessen hatte Lucy anscheinend eine Vorstellung wie sie ihr Ziel erreichen konnte. "Lucy, du bist erstaunlich," bemerkte sie beschwingt und erntete dafür ein süßes Lächeln. "Nein, das bin ich nicht. Ich respektiere dich und... ich hab dich gern, Trishia. Sehr sogar. Wenn ich kann, dann möchte ich dir helfen. Außerdem hat dieses Mädchen meine Mutter gerettet. Wo ist sie übrigens?" "Unten, im Aufenthaltsraum," antwortete Trishia. "Da das Mädchen am Verhungern war habe ich einen Uniformierten mit ihr runtergeschickt, damit sie etwas essen kann. Die Tüte, mit den Lebensmitteln von deiner Mutter, lag verstreut auf dem Boden des Parkhauses. Lucy's Hand drückend gab Trishia ihr einen verspielten Stupser. "Also, was hat es mit dem Plan, der sich in deinem hübschen Kopf bildet, auf sich?" "Ich hoffe das er gut ist," entgegnete Lucy. "Aber ich muss zuerst mit Jody reden. Also, vertraust du mir?" Ein paar dunkelgrüne Augen sahen mit soviel Intensität zu Trishia auf, das Trishia erkannte, das hinter dieser Frage sehr viel mehr steckte als nur der Glaube an Lucy's Fähigkeiten einen Plan auszuarbeiten. "Jederzeit." Entgegnete Trishia schlicht. Wenn sie nicht auf dem Polizeirevier, mit dem stetigen Kommen und Gehen, gewesen wären, dann hätte Lucy ihre Arme um die größere Frau geschlungen und sie geküsst, das ihr Hören und Sehen vergangen wäre. Trishia sah das Verlangen in Lucy's Gesicht, und sah wie diese grünen Augen zu ihren Lippen wanderten. Ein winziges Lächeln verzog ihre Mundwinkel während kleine Funken in ihren Augen tänzelten. Sie beugte ihren Kopf näher zu Lucy's und sah wie die kleinere Frau ihren Atem anhielt. "Ich werde irgendwie dafür sorgen, dass wir dem heute nachgehen können," flüsterte sie heiser und sah wie sich auf Lucy's nackten Armen eine Gänsehaut bildete. "Wir hatten schon lange keine leidenschaftliche Nacht mehr, oder nicht?" "Viel zu lange," erwiderte Lucy heftig schluckend und befeuchtete ihre plötzlich trockenen Lippen. "Und du bist schrecklich." Lachend sprang Trishia von ihrem Schreibtisch auf, und Lucy's Hand schnappend zog sie sie mit sich. "Lass uns gehen," entgegnete sie. "Ich glaube, das Alice genug Zeit hatte, um etwas anständiges zu essen. Und wie ich Sam und Jody kenne, wird es heute abend im Überfluss gutes Essen geben. Oh und Lucy...?" Lucy schnappte ihre Handtasche und blickte zu der großen Frau auf, die so nah bei ihr stand, dass sie ihre Körperwärme spüren konnte. "Danke," flüsterte Trishia ihren Kopf beugend und gab Lucy schnell einen Kuss, wobei sie mit ihrer Zunge über die Lippen der anderen Frau fuhr. Als Lucy spürte wie ihre Libido erwachte und Aufmerksamkeit verlangte, wimmerte sie leise. Ihre dankbaren Augen schwelgten in dem Anblick der Frau vor ihr. Dem großen, muskulösen Körper mit dieser gesunden Bräune. Trishia war in großartiger Form und sah so stark und trotzdem so anschmiegsam aus. Tief Luft holend schüttelte Lucy ihren Kopf und wünschte sich insgeheim, das es hier eine kalte Dusche gäbe, damit sie hineinspringen und sich ein wenig abkühlen konnte. "Zum Teufel, ein Eimer würde es auch tun," murmelte sie zu sich, während sie Trishia zur Tür hinaus folgte und sich selbst versprach, dass sie, sobald sie bei Jody und Sam waren, sie sich diese Frau bei der sich ersten bietenden Chance schnappen würde.
"Liebling, glaubst du, das wir genug haben? Der Gedanke, das unsere Gäste hungern könnten gefällt mir gar nicht," erkundigte sich Jody bei Sam, während sie in der Küche Gemüse und Obst für den Salat zerkleinerten. Aufgeschreckt blickte Sam vom Schälen einer Ananas auf und als sie das schelmische Lächeln ihrer Lebensgefährtin sah, seufzte sie erleichtert auf. "Du kleiner... Stänkerer," brummelte sie humorvoll. "Du hast mich einen kurzen Moment verunsichert." Lachend warf Jody ein paar Grapefruitstückchen in eine große Schüssel. Jedes Mal wenn sie Gäste hatten, wurde Sam gewöhnlich zum Hauptziel von Scherzen, weil die Blonde immer zuviel Essen zubereitete. "Du bist so liebenswert, wenn du kochst," gestand Jody ein, und sich enger an die große Figur ihrer Geliebten schiebend presste sie ihre Wange gegen einen muskulösen Arm. "Nur, wenn ich koche?" Fragte Sam leicht schmollend. "Mmmm... lass mich eine Minute darüber nachdenken," blödelte Jody, während sie anfing mit einer Hand in bedächtigen Kreisen über den Rücken der größeren Frau zu reiben. "Nee, nicht nur wenn du kochst," schloss sie schließlich blinzelnd. Sie winkte Sam, mit ihrem Kopf näher zu kommen und positionierte dann ihren Mund nah an ein wohlgeformtes Ohr. "Du bist auch äußerst liebenswert, wenn du... geil bist," flüsterte Jody während sie mit ihrer Hand zu Sam's Hinterteil wanderte und das feste Fleisch drückte. Sam hätte beinahe einen Satz gemacht und mit einem lautern Scheppern fiel ihr das Messer aus der Hand. "Ist bei euch Mädchen alles in Ordnung?" Erklang postwendend Joan McDonnell's Stimme von der Veranda, wo sie in einem großen Sessel lag, den Jody ihr zurechgemacht hatte. "Ja, Mom!" Rief Jody zurück, ohne sich die Heiterkeit in ihrer Stimme verbeißen zu können. Sam drehte sich zu ihrer Lebensgefährtin um, und mit funkelten, blauen Augen drückte sie sie schnell gegen die Arbeitsplatte. "Du bist wirklich schrecklich," grollte sie mit tiefer Stimme während sie die sich windende Frau festhielt. "Und wenn deine Mom nicht... ah... fünf Meter entfernt sitzen würde, dann würde ich... ich würde..." "Jaaaaaa?" Entgegnete Jody kichernd und nutzte Sam's Mangel an Worten aus, um sich nach vorne zu beugen und ihre Lippen auf eine weiche Wange zu pressen. "Ich würde dich über meine Schulter werfen," flüsterte Sam während sie sich an Jody's Hals kuschelte und spürte wie die andere Frau heftiger atmete. "Dich zu unserem Schlafzimmer bringen... Deine Kleidung herunterreißen... und... dich dort zurücklassen, damit ich dein Stück Bananenkuchen essen kann!" Stöhnend ließ Jody ihren Kopf gegen Sam's Schulter fallen, während die größere Frau ihre Arme um sie schlang und eng an sich zog. "Vergeltung, meine Liebe," bemerkte Sam lachend. "Ich vermute, das ich es verdient habe," entgegnete Jody lächelnd. "Obwohl mir diese Vorstellung, ausgenommen der Sache mich alleinzulassen und meinen Kuchen zu essen, gefällt. "Du bist unersättlich," tadelte Sam sie, wobei ihre Stimme jedoch einen warmherzigen und liebevollen Tonfall hatte. "Das musst gerade du sagen," schnaufte Jody und schob Sam zurück, damit sie der großen Frau in die Augen sehen konnte. "Wenn ich mich recht erinnere, dann warst du diejenige, die mich heute morgen, Stunden bevor der Wecker klingelte, geweckt hat und beinahe darum gebettelt hat, dass ich..." Sam schoss einen Blick zur Veranda und bedeckte schnell mit ihrer Hand Jody's Mund, die daraufhin augenblicklich anfing an ihrer Handfläche zu knabbern. "Sssch! Ich will nicht, dass deine Mutter alles über unser Liebesleben erfährt," erklärte sie und spürte wie sie errötete. "Außerdem ist auch Fiona in der Nähe und du weißt, dass wir es ewig zu hören kriegen, wenn sie..." "Was würdet ihr ewig zu hören bekommen?" Erklang plötzlich eine jungendliche Stimme hinter ihnen und noch röter werdend stöhnte Sam frustriert, während Jody ihren Kopf zurückwarf und lauthals lachte. "Könnt ihr zwei denn nie genug voneinderbekommen?" Fragte Fiona in die Küche kommend und schnappte sich ein Stückchen Ananas von dem Schneidbrett. "Ich sollte einige Recherchen darüber anstellen. Vielleicht bekomme ich heraus welches Nahrungsmittel euch so... geil macht. Ich könnte die Erkenntnisse verkaufen und reich damit werden." "Fiona McDonnell!!!" Erklang Joan's Stimme von draußen, und einen kurzen Augenblick wünschte sich Sam, dass sich der Boden unter ihren Füssen öffnen und sie vollkommen verschlucken würde. Sam's Gesichtsausdruck veranlasste Jody noch lauter zu lachen, und obwohl ihr ihre Lebensgefährtin leid tat, fand sie es einfach zu komisch. "Jody, hör auf zu lachen," ertönte wieder Joan's Stimme. "Bestärke deine Schwester nicht noch." "Ach Mom, mach dir keine Sorgen," rief Jody zurück und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Sie wird noch früh genug bekommen was sie verdient. Warte einfach bis diese Göre sich selbst verliebt. Ich bin mir sicher, das wir alle dies gründlich genießen werden." Ihr langes, dunkles Haar zurückwerfend runzelte Fiona ihre Nase. Ihre grünen Augen nahmen die Szene vor sich herein, wo Jody's kleinerer Körper noch immer von Sam's Armen umschlungen gegen die Arbeitsplatte gepresst wurde. Sie liebte es, ihre Schwester so glücklich zu sehen und jeder wusste, das sie Sam einfach anbetete, doch sie würde lieber sterben, als zuzugeben wie sehr sie die liebevolle Harmonie zwischen den beiden genoss. "Ich werde mich niemals verlieben," erklärte sie, auf dem ergatterten Fruchtstückchen herumkauend. "Dafür bin ich zu schlau." "Demnach, bin ich nicht schlau?" Konterte Jody mit funkelnden Augen. "Du bist schlau," entgegnete Fiona grinsend. "Nur nicht schlau genug." "Deine Zeit wird kommen, Schwesterchen," warnte Jody sie gutherzig. "Und dann, werden wir den Spaß haben. Und weißt du was? Ich werde in vorderster Reihe sitzen." "Und ich werde die Eintrittskarten verkaufen," prophezeite ihr Sam. Grinsend stopfte sich Fiona eine Erdbeere in den Mund und mampfte sie zufrieden. "Klingt, als ob ich mein zukünftiges Liebesleben urheberechtlich schützen lassen muss," entgegnete sie.
Den Aufenthaltsraum betretend erfassten Lucy's Augen sofort eine schmale Gestalt, die abseits von allen anderen im hintersten Winkel des Raumes saß. Sie warf einen Blick zu Trishia, und als diese wortlos nickte ging sie mit raumgreifenden Schritten quer durch den Raum zu der Jugendlichen. "Hallo," begrüßte sie das aufgeschreckte Mädchen und streckte ihre rechte Hand aus. "Ich bin Lucy McDonnell." Es war offenbar, das das Mädchen zauderte. Ihre blauen Augen wanderten von Lucy's Gesicht zu ihrer Hand und wieder zurück. Nach kurzem Innehalten streckte sie ebenfalls ihre Hand aus und spürte Lucy's warmherzigen und freundlichen Händedruck. "Alice," stellte sie sich leise vor. "Hast du was dagegen, wenn ich mich hinsetze?" Fragte Lucy, um dem Mädchen zu zeigen, dass sie ihren Freiraum respektierte. Leicht überwältigt von dem Verhalten der wunderschönen Frau vor sich, schüttelte Alice ihren Kopf. Lucy warf ihr ein Lächeln zu und ließ sich auf einen Stuhl fallen. "Ich bin Joan McDonnells Tochter," erklärte Lucy. "Und sowohl Trish, als auch meine Mom haben mir erzählt was du heute getan hast. Das war ein mutiges Auftreten." Alice's Augen schwenkten zu der großen Polizistin, die mit einem ihrer Kollegen sprach, bevor sie sich wieder auf Lucy konzentrierte. Sie zuckte mit ihren schmalen Schultern während ihre Finger nervös mit einer Papierserviette spielten. "Ich möchte dir danken," fuhr Lucy mit einem aufrichtigen Lächeln fort. "Meine Mutter bedeutet mir, genau wie meinen Schwestern und Brüdern, sehr viel. Ich bin dankbar das sie in Ordnung ist." "Ist sie?" Murmelte Alice, die es eindeutig nicht gewohnt war viel zu reden. "Ich meine, in Ordnung?" "Ja, gewiss ist sie das. Sie haben sie im Krankenhaus untersucht und außer einer schmerzhaften Prellung hat sie nichts ernstes. Meine Schwester hat sie mit zu sich nach Hause genommen." Obwohl sie weiterhin, die Serviette zu etwas undefinierbaren verformte, erkannten Lucy's scharfe Augen, dass sich der Teenager geringfügig entspannte. Sie bemerkte außerdem, den leeren Teller und das halbvolle Glas Milch auf dem Tisch. "Hast du genug zu Essen bekommen?" Erkundigte sie sich beiläufig, da sie nicht wollte, dass das Mädchen dachte sie würde sie bemuttern. Irgendwie spürte Lucy, das Alice dies nicht schätzen würde. "Es ist nur ein Polizeirevier, aber sie machen ein tolles Sandwich. Mein Favorit ist das mit Schinken und Käse." Ein paar blaue Augen hoben sich und trafen auf Dunkelgrüne und wurden dann, beinahe augenblicklich wieder gesenkt, doch Lucy war überzeugt, dass sie eine Spur Belustigung in diesem zurückhaltenden Blick gesehen hatte. "Es war in Ordnung," entgegnete Alice kaum hörbar, da sie die Aufmerksamkeit, die Joan McDonnells Tochter ihr entgegenbrachte nicht gewohnt war. Sie starrte auf ihre zappelden Finger und wünschte sich, sie könnte die gleiche Unbeschwertheit an den Tag legen wie Lucy. Doch tief in ihrem Inneren wusste Alice, das dies unmöglich war. Sie wusste, dass es für sie keinen Anlass gab vertrauensvoll zu sein, in ihrem Leben gab es zu viele Unsicherheiten. Größtenteils wusste sie nicht, wann sie wieder etwas essen konnte, oder ob sie es schaffen würde einen Platz zum Schlafen zu finden. Und ob es dort auch warm genug und sicher war. Es hatte Nächte gegeben an denen sie nicht wusste, ob sie den anderen Tag noch erleben würde. Unwillkürlich lief ein Zittern an ihrer Wirbelsäule herunter und Alice's Körper verspannte sich. Die Freundlichkeit der Leute, denen sie heute begegnet war, machte ihr klar was sie in ihrem Leben vermisste. Und wie unglaublich alleine sie war. Manchmal, sehr selten, erlaubte sie sich vorzustellen wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn... Oder wie es sein könnte, wenn... Doch sie fand nie die Antworten darauf. Sie hatte zugesehen wie andere Jugendliche zur Schule gingen, ein großer Teil von ihnen in ihren Schuluniformen gekleidet und den Schultaschen über ihren Schultern geworfen lachten sie miteinander. Bei diesen Gelegenheiten wurde die abgeklärte Empfindungslosigkeit kurz von Neid durchdrungen. Wie sehr sie sich doch wünschte selbst zur Schule gehen zu können und einen Ort zu haben an dem sie am Ende des Tages zurückkehren konnte. Doch sobald diese Gefühle auftauchten, unterdrückte sie diese wieder, da sie wusste das sie niemals solch ein Glück haben würde. Das wichtigste in ihrem Leben war es, irgendwie zu überleben. Die Freundlichkeit, die ihr diese Leute entgegenbrachten, würde wahrscheinlich nicht von langer Dauer sein. Es gab ihnen ein besseres Gefühl, wenn sie ihr halfen, bis sie der Meinung waren das sie genug getan hatten. Danach würde sie wieder auf sich allein gestellt sein. "Hat Trishia dir schon gesagt, das du mit uns nach Hause kommen kannst?" Unterbrach Lucy's Stimme ihre Gedanken. "Es war entweder das oder das Heim," entgegnete Alice abweisend. "Es ist nicht so, das ich eine große Auswahl gehabt hätte." "Ich war noch nie in einem Heim," bekannte Lucy sachlich. "Doch Trish hat eine schöne Unterkunft, es könnte dir dort gefallen." Alice murmelte etwas unverständliches und das Unbehagen der Mädchens spürend verbiss sich Lucy ein Lächeln. Eine geläufige Präsenz hinter ihr, machte sie auf Trishia aufmerksam. "Seid ihr Mädchen startklar?" Erkundigte sich Trishia. "Ich bin's," erwiderte Lucy aufspringend. Alice zeigte keinerlei Anzeichen ihr zu folgen. Sie sah einfach mit verschlossenem Blick zu Trishia. Sie bot ein Bild von Vorsicht und Misstrauen. "Nehmen sie immer Odachlose bei sich auf?" Fragte sie schließlich, ohne die Feindseligkeit in ihrer Stimme verbergen zu können. Ihren Atem anhaltend sah Lucy von Alice zu Trishia, und fragte sich wie die große Frau wohl reagieren würde. "Eigentlich nicht," antwortete Trishia gelassen. "Nur wenn ich glaube, das sie es wert sind." Ihre Augen senkend spürte Alice wie ihre Wangen sich erwärmten und schaffte es nicht, gegen die aufsteigende Röte in ihrem blassen Gesicht anzukämpfen. Und obwohl eine kleine nagende Stimme in ihrem Hinterkopf sie daran erinnerte, dass die große Polizistin sie noch nicht einmal kannte, entzündete sich in den Tiefen ihrer Seele eine kleine Flamme, die eine angenehme Wärme verbreitete, die ihr fremd war. Ohne zu wissen, was sie tun oder sagen sollte starrte die blonde Jungendliche mit einem recht unbehaglichen Gefühl auf den Tisch. Langsam schob sie den Stuhl zurück und sich erhebend warf sie den zwei Frauen einen schüchternen Blick zu. "Lasst uns gehen!" Sagte Lucy strahlend. "Ich höre einen Bananenkuchen meinen Namen rufen." "Du und Essen," stichelte Trishia, die sich der Tatsache bewusst war, das Alice, alles was sie sagte aufmerksam registrierte, auch wenn sie weiterhin eine gleichgültige Haltung zeigte. "Du bist nur neidisch, das meine Schwester einen besseren Kuchen backen kann als du," bemerkte Lucy grinsend. "He!" Rief Trishia während sie die Tür für Alice aufhielt. "Jeder kann besseren Kuchen backen als ich und ich gebe das auch rückhaltlos zu." "Denk nur daran Alice," rief Lucy über ihre Schulter während sie die Wagentür öffnete. "Wenn Trishia, egal was es auch sein mag, kocht oder backt, und ich meine egal was, dann stell sicher, das sie es zuerst probiert!" Alice warf einen hastigen Blick zu der Polizistin und sah ein entspanntes Lächeln auf ihrem gebräunten Gesicht. Trishia blinzelte zu ihr und deutete Alice an in den Wagen zu steigen. "Ignorier Lucy einfach," riet sie ihr. "Sie ist verrückt!" Trishia bemerkte den Hauch eines Lächelns auf dem Gesicht des Mädchens, doch sie beschloss es zu ignorieren. Sie wollte Alice nicht wissen lassen, das sie beobachtet wurde, sie wollte jedoch auch nicht, das das Mädchen sich ausgeschlossen fühlte und darum war sie erfreut wie Lucy auf die Jugendliche zuging. Es war eine Mischung aus Gleichberechtigung und Freundlichkeit, gepaart mit Lucy's typischen Sinn für Humor. "Bemüh dich, heute mal keinen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung zu bekommen, ja?" Bat sie Lucy während sie ihren Sicherheitsgurt anlegte. "Ich bin nicht im Dienst und kann dich diesmal nicht raushauen." "Ha! Als ob du das jemals getan hättest," entgegnete Lucy und tat so, als ob sie gekränkt wäre. "Manchmal habe ich den Eindruck, das du deine Freunde absichtlich auf mich hetzt. Seitdem ich dich kenne, werde ich mindestens einmal pro Woche von der Polizei angehalten. Kichernd schüttelte Trishia verneinend ihren Kopf und als sie zur Seite blicke sah sie in funkelnde grüne Augen. "Das würde ich niemals tun," bemerkte sie grinsend. "Ich nehme an, das meine Kollegen dich nur persönlich kennenlernen wollen, um zu sehen ob all die Geschichten die sie von Peter hören auch wahr sind." "Und was sind das für Geschichten?" "Du kennst Peter," entgegnete Trishia schulterzuckend. "Er nimmt dich einfach zu gerne auf den Arm. Und ich schwöre, das ich noch nie gehört habe was er den anderen erzählt." "Klingt, als ob ich bald ein Wörtchen mit ihm reden müsste," erwiderte Lucy. "Obwohl ich zugeben muss, das es schön ist..." sie grinste und warf einen Blick zu Trishia. "...Freunde... bei der Polizei zu haben." Aus dem Seitenfenster starrend tat Alice so, als ob sie von der liebevollen Flachserei zwischen den beiden Frauen auf den Vordersitzen nichts mitbekommen würde, doch das stimmte bei weitem nicht. Ihre Ohren verfolgten mit scharfem Interesse und wachsender Neugier der Plauderei. Sie fragte sich wie ihre genaue Beziehung zueinander war. Es war ihr klar, dass sie gute Freundinnen waren, doch Alice spürte das da etwas mehr war, etwas das sie noch nicht bestimmen konnte, doch um es herauszufinden war sie entschlossen Trishia und Lucy im Auge zu behalten.
Die Brise, die sanft durch ihre Haare wehte und etwas Erleichterung von der Hitze des Nachmittags verschaffte, ließ Joan McDonnell einschlummern. Auf dem Tisch neben ihr stand ein großes, volles Glas mit frisch zubereiteter Limonade, in dem erfrischende Eiswürfel schwammen. Jody stellte sicher, dass das Glas ihrer Mutter niemals leer war. Der Anblick der grünen Hügel, die nun wegen der brennenden Sonne und dem trockenen Wetter schnell eine bräunliche Färbung annahmen und dem Wald, der sich am Horizont auszudehnen schien, machten Joan schläfrig und mit einem zufriednen Seufzer hatte sie schließlich aufgegeben wach zu bleiben. Die Geräusche aus der Küche verblassten langsam, und leise schnarchend bekam Joan nichts mehr von ihrer Umgebung mit. Sie sah oder hörte weder den sich nähernden Wagen und sogar das Zuschlagen der Wagentür konnte sie nicht wecken. Erst als sie jemand sanft auf die Wange küsste bewegten sich langsam Joan's Wimpern und sie öffnete verschlafen ihre Augen. "Lucy!" Krächzte sie. "Ich... Was... Du meine Güte, ich muss eingenickt sein. Wie spät ist es?" Joan schoss nach oben und bereute es augenblicklich, weil sie durch diese Bewegung das heftige Schlagen in ihrem Kopf spürte. Stöhnend rieb sie sich ihren immer noch schmerzenden Schädel. "Hallo Mom," begrüßte Lucy sie leise mit einem für sie uncharakteristisch sanften und freundlichen Blick. "Tut mir leid. Ich wollte dich nicht wecken. Wie fühlst du dich?" "Recht gut," entgegnete Joan, als sie spürte wie das Dröhnen langsam nachließ. "Ich muss eingenickt sein." "Du musst den Schlaf benötigt haben," erklärte Lucy. "Wir haben einen Gast mitgebracht." "Das habe ich gehört," bemerkte Joan lächelnd und sah zu dem blonden Teenager der wiederwillig die Veranda hochstieg. "Hallo Alice, es freut mich dich zu sehen. Ich bin froh das du kommen konntest." Alice nickte, und sich gerade noch rechtzeitig daran erinnernd mit wem sie sprach, schluckte sie die Bemerkung "Als ob ich eine Wahl gehabt hätte" hinunter. Stattdessen starrte sie auf ihre Schuhe und schlurfte unbehaglich mit ihren Füssen herum. Die Küchentür öffnete sich und Jody kam heraus, gefolgt von Sam und einer neugierigen Fiona. "Mädchen, das ist Alice," stellte Trishia das Mädchen vor, die noch immer an der untersten Stufe stand und keinerlei Anzeichen zeigte die Veranda hinaufzusteigen. "Alice, diese sommersprossige Rothaarige ist Jody, die große Blonde ist Sam und diese Kopie von Lucy wird Fiona genannt." Bei dem Anblick der drei Frauen weiteten sich Alice's Augen und Jody erkannte, das das Mädchen kurz vor einem Panikanfall war. Rasch ging sie die Veranda herunter und erfasste mit einem warmherzigen Griff Alice's Hand. "Hallo Alice, es freut mich dich kennenzulernen," grüßte sie lächelnd, während sie mit ihren grünen Augen in die erschrockenen Blauen sah. "Und ich danke dir herzlich, das du unserer Mutter heute nachmittag geholfen hast. Möchtest du etwas trinken?" Alice holte tief Luft und beschloss, sich nur auf eine Sache und Person zur gleichen Zeit zu konzentrieren. Sie konnte sich nicht erinnern jemals in der Gesellschaft so vieler Menschen gewesen zu sein und dies erschreckte sie. Doch ein Teil von ihr verlangte etwas Gesellschaft und Freundlichkeit, und wenn sie in die Augen der rothaarigen Frau sah, dann konnte sie dort nur Freundlichkeit erkennen. "Ein Glas Wasser wäre nett," erwiderte sie leise und senkte ihre Augen als sie spürte wir ihre Wangen rot wurden. "Geht klar," bestätigte Jody lächelnd, und spürte das Unbehagen des Mädchens. "Ich werde dir etwas Wasser bringen. Außer, du hast Lust Sam's selbstgemachte Limonade zu versuchen. Sie ist ziemlich gut," schloss Jody grinsend. "Natürlich ist sie das," erklärte Sam, die sich zu ihrer Lebensgefährtin gesellt hatte. Sie streckte ihre Hand aus und ergriff Alice's. "Es freut mich dich kennenzulernen, Alice. Es ist schön das du hier bist. Und nur um es klarzustellen, ich mache die beste Limonade die es gibt. Willst du sie mal versuchen?" Alice blickte zu der großen Frau auf und musste dem ihr entgegengebrachten Lächeln einfach antworten. "Ja bitte," flüsterte sie. "Prima," entgegnete Sam lächelnd. "Ich hol dir etwas. Schnapp dir einfach einen Stuhl und mach's dir bequem, in Ordnung?" Sam sprang die Veranda hinauf und in die Küche verschwindend ließ sie Alice und Jody wieder allein. Alice war sich des prüfenden Blickes des dunkelhaarigen Teenagers bewusst und plötzlich wünschte sie sich woanders zu sein. Alles würde besser sein, als die ihr so vertrauten, abschätzenden Blicke. Fiona stieg langsam die Veranda herunter und blieb vor Alice stehen. Die zwei Teenager blickten sich gelangweilt an und gerade als Alice beschloss, das sie nichts zu verlieren hatte, wenn sie sich umdrehen und fortrennen würde, wurde ihre Hand mit einem festen Griff geschnappt. "Hallo, ich bin Fiona, Jody's und Lucy's Schwester," stellte sie sich vor. "Sie nennen mich ihr Schwesterchen, aber du wirst bald herausfinden, das ich von allen die vernünftigste bin. Oh, und danke, das du Mom geholfen hast," fügte Fiona beiläufig hinzu. "Ich weiß das wirklich zu schätzen. Das war echt cool von dir." "Keine Ursache," entgegnete Alice während sie einen Blick auf das Mädchen vor sich warf. "Zudem muss ich dich echt warnen," fuhr Fiona mit funkelnden Augen fort. "Meine Familie ist ein bisschen... andersgeartet. Aber sie sind in Ordnung. Du musst dich nur an sie gewöhnen." "Oha, nun ja, danke," erklang Lucy's Stimme als Antwort auf Fiona's Bemerkung. "Du bist ein Schatz, Fi!" Das Geplänkel zwischen den Schwestern mitbekommend, musste Alice einfach lächeln und zum ersten Mal entspannte sie ein wenig. Durch ihren Kopf wirbelten die Geschehnisse des Tages, während sie noch immer versuchte die vergangenen Ereignisse zu bewältigen. Doch eine kleine Stimme in ihrem Hinterkopf sagte ihr, dass sie ihr Schutzschild fallen lassen konnte. Nur ein wenig, gerade soviel um Spaß zu haben. Morgen war ein anderer Tag.
~~~ ENDE - Kapitel 3 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 4 lesen. Kommentare und Feedback sind willkommen unter: ripplesintime@hotmail.com
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