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Murrook Farm - Kapitel 4 |
Murrook Farm Kapitel 4
"Also meine Freundin, um was geht es?" Fragte Jody als sie mit Trishia alleine in der Küche war, während sie den Salat anmachten und frisches italienisches Brot schnitten. "Willst du die lange oder die kurze Version hören?" Scherzte Trishia, doch Jody konnte die Anspannung in ihrer Stimme heraushören. "Für's erste die Kurzfassung. Ich vermute, das die Ausführliche später folgen wird." "Was hat dir deine Mutter über Alice erzählt?" Jody legte die letzten Brotscheiben in einen Brotkorb, dann drehte sie sich um und sah Trishia an. Sie sah nachdenklich aus und ihre hellgrünen Augen und ihr Gesichtsausdruck sahen ernst aus. "Mom erzählte mir, das sie Alice jeden Tag nach Feierabend etwas zu Essen gegeben hat. Sie sagte, das sie den Eindruck hatte, das dieses Mädchen obdachlos, wahrscheinlich eine Ausreißerin sei. Als ich sie fragte, warum sie unter den vielen anderen gerade diesem Mädchen helfen möchte, da sagte sie das es etwas um Alice gäbe. Sie kann nicht erklären was es ist, doch sie meint, das sie es schon herausfinden würde," bemerkte Jody kichernd. "Und sie erzählte mir was Alice getan hat, als Mom überfallen wurde." "Alice scheint an einer... Amnesie zu leiden," erzählte Trishia mit gedämpfter Stimme. "Anscheinend kann sie sich noch nicht mal an ihren Nachnamen erinnern. Peter und ich haben sie über paar Dinge ausgefragt und wir hatten beide den Eindruck, das sie sich wirklich nicht erinnern kann. Irgendetwas hat den Verlust ihrer Erinnerung veranlasst, höchstwahrscheinlich war es ein traumatischer Vorfall." "Was zum Beispiel?" Fragte Jody mitleidig. "Wir haben noch keine Anhaltspunkte," erwiderte Trishia grimmig. "Doch wir glauben, das sie sowohl körperlich als auch seelisch missbraucht wurde. Zu diesem Zeitpunkt weigern wir uns an andere Formen des Missbrauchs zu denken." "Oh mein Gott," flüsterte Jody als es ihr kalt den Rücken hinunterlief. "Armes Kind. Trishia, gibt es eine Möglichkeit wie wir ihr helfen können?" Trishia lächelte und bei dem Gebrauch des Wortes wir wurde ihr warm ums Herz. Sie hatte die McDonnell Familie nicht unterschätzt. "Ich hoffe, das eine friedliche, ruhige Umgebung ihr bei der Rückgewinnung ihres Gleichgewichts helfen wird. Mit ein bisschen Glück könnte es einige Erinnerungen auslösen. Doch das allerwichtigste scheint ein Ort zu sein, wo sie sich sicher fühlt und sich etwas ausruhen kann." "Gibt es irgendwelche… Heime… oder Asyle, die das gewährleisten können?" Erkundigte sich Jody zögernd, die sich den blonden Teenager bereits als gefangenes Wesen in einem überfüllten Raum ohne Fluchtmöglichkeit, vorstellte. "Ich meine... es müsste ein Ort sein..." "Wahrscheinlich nicht, Schwesterherz," erklang plötzlich Lucy's Stimme hinter ihr. Sie hatte einen Teil von Trishia's Erklärung und Jody's Antwort darauf gehört, doch die beiden Frauen waren so in ihrer Unterhaltung vertieft, das sie ihre Anwesenheit nicht bemerkt hatten. Lucy ging zu ihrer kleineren Schwester, legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie liebevoll. "Trish hat angeboten sie zu sich zu nehmen, bis wir eine andere Lösung gefunden haben," erklärte Lucy und blinzelte ihre Freundin an. Sie verkniff sich ein Lächeln als ihre Schwester genauso reagierte wie sie es vorhergesehen hatte. Mit weit aufgerissenen Augen wirbelte Jody herum und sah ungläubig, fast schockiert von Lucy zu Trishia. "Aber... das ist sehr lieb und ehrenwert von dir Trishia, doch deine Wohnung ist so winzig! Sie ist kaum groß genug für eine Person." Lucy holte tief Luft und einen Augenblick wurde ihr Blick von Trishia's gefangen, die eine Augenbraue hob und fast unmerklich nickte. Durch den vertrauensvollen Blick den ihr Trishia zuwarf, schöpfte sie Mut und Lucy drehte sich zu ihrer Schwester, legte ihre Hände auf ihre Schultern und blickte leicht lächelnd auf sie herab. "Daran habe ich auch gedacht, Erbse," begann sie Jody's Kosenamen benutzend, was ihre Schwester zum Lächeln brachte. "Und mir ist da eine Idee gekommen. Ich..." "Ich muss mit Sam darüber reden," unterbrach Jody eine verblüffte Lucy. "Aber... wie...?" Stotterte Lucy und sah das Grinsen auf Trishia's Gesicht. "Ich kenn dich Schwesterherz," kicherte Jody. "Und ich bin mit deiner Idee einverstanden, aber es ist nicht allein meine Entscheidung." "Ich weiß Jody," erwiderte Lucy. "Und ich verstehe das es ein bisschen umständlich ist. Ich meine, ich tadle dich nicht, wenn du denkst, das wir unser Problem auf dich abladen würden, es ist nur so, das..." "Es scheint die beste Lösung zu sein," erklärte Jody. "Und ich bin dafür. Außerdem ist Mom in den nächsten Tagen auch hier. Alice scheint sie zu mögen, also... werde ich nach dem Abendsessen mit Sam reden. In Ordnung?" "Du bist die Beste, Jody," seufzte Trishia während sie sich zu der kleineren Frau hinunterbeugte und ihr auf die Wange küsste. "Danke." "Mach dir keine Gedanken," bemerkte Jody lächelnd, während sie eine Schüssel Salat schnappte und zur Tür ging. "Würdest du das Brot rausbringen, Lucy?" "Ähm... ja... sicher..." stotterte Lucy, die über die Reaktion ihrer Schwester noch immer sprachlos war. Erst als neckende Finger ihren Hals kitzelten, schaffte sie es, ihr Gehirn wieder in Gang zu bringen. "Oh Mann, das ist gut gelaufen," seufzte sie. "Ich hab von meiner Schwester schon immer viel gehalten, doch gerade ist meine Meinung über sie um ein paar Level gestiegen." Lächelnd schlang Trishia ihre Arme um den kleineren Körper vor ihr. Sie begrub ihr Gesicht in Lucy's Haar und seufzte zufrieden als sie spürte, wie sich die dunkelhaarige Frau in den Kontakt lehnte. "Du bist auch ganz schön eindrucksvoll," bemerkte Trishia zärtlich. "In der Tat ist deine ganze Familie bemerkenswert." Lucy hob ihren Kopf, um ihrer Freundin ins Gesicht sehen zu können. Ihre Blicke verschmolzen und ein zartes Lächeln verzog Lucy's Mundwinkel. Ihre Augen strahlten verlockend und lächelnd kam Trishia mit ihrem Gesicht näher und nahm ein paar warme, weiche Lippen mit einem zärtlichen, doch ausdauernden Kuss gefangen. Lucy reagierte sofort, glitt mit ihren Armen um Trishia und zog sie näher an sich. In atemberaubender Geschwindigkeit intensivierte sich der Kuss und wurde tief und leidenschaftlich. Langsam zog sich Trishia widerwillig zurück, bis ihre Stirn Lucy's berührte und sie sahen sich lächelnd an. "Das Brot," erinnerte Trishia Lucy umsichtig. "Brot? Ach ja, das Brot," grinste Lucy. "Ich denke, wir gesellen uns besser zu den Mädchen, bevor sie mürrisch werden." "Ja, dieweil Fiona hier ist."
Mit großen Augen starrte Alice auf die riesige Menge Essen vor sich. Und trotzt der Tatsache, das sie auf dem Polizeirevier ein Sandwich gegessen hatte, knurrte ihr Magen. Es gab verschiedene Salate, Obst, frisches Brot und saftige Steaks frisch vom Grill. Sie konnte sich nicht erinnern ein Festmahl wie dieses jemals gegessen zu haben. Unruhig sah sie zu ihren Mitgenossinnen, die fröhlich plauderten und keine Eile hatten mit dem Essen anzufangen. Wenn sie nur wüsste wie sie sich verhalten sollte. Sie wollte niemanden wissen lassen, das sie am verhungern war, doch sie wusste auch nicht, wie lange sie diesem köstlichen Mahl vor ihr wiederstehen konnte. Das Beste war, einfach abzuwarten was die anderen taten. Nervös spielte Alice mit dem Saum ihres Shirts und versuchte verzweifelt nicht zu zeigen wie hungrig sie war. Als sie schließlich aufblickte, sah sie direkt in ein paar verständnisvolle, hellblaue Augen. Alice anblinzelnd räusperte sich Sam. "Meine Damen! Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich könnte ein Pferd verspeisen... oder auch zwei," erklärte sie und grinste als sie Fiona's entrüsteten Blick sah. "Und wir müssen uns durch dieses Abendessen durcharbeiten, um an diesen köstlichen Bananenkuchen zu gelangen, den ich gebacken habe, alsooo... lasst uns das Tischgebet sprechen und reinhauen, okay?" "Du hast recht Liebling," entgegnete Jody fröhlich, wobei ihr keineswegs entging, wie Alice bei der Erwähnung des Kosewortes ihre Augen aufriss. Jeder ergriff die Hand von der Person neben sich und zögernd legte Alice ihre Hand in Jody's und Joan's. "Jody, würdest du uns die Ehre erweisen?" Bemerkte Sam lächelnd. Ehrfürchtig beugte Jody ihren Kopf und ihre weiche, jedoch klare Stimme erklang. "Lieber Vater im Himmel. Wir möchten dir für die Fülle der vor uns stehenden Lebensmittel danken. Wir wissen, das wir durch diese Reichtümer gesegnet sind und realisieren, das es eine Menge Menschen gibt, die jeden Tag hungerleiden müssen. Wir möchten dir auch für Alice danken, der wir es zu verdanken haben, das Mom heute heil zu uns zurückkehren konnte." Nach diesen Worten wäre Alice beinahe aufgesprungen und spürte wie sich ihr Gesicht erhitzte. Ihre Bestürzung stieg als sie erkannte, das es das erste Mal war, das jemand Gott für ihre Anwesenheit gedankt hatte und ihr traten Tränen in die Augen. Ihre Augen schließend unterdrückte sie sie. "......und sprechen dieses Gebet durch Jesus, deinen Sohn, Amen." Hörte sie wie Jody das Gebet beendete, und nach einem gleichzeitigen, freundlichen Druck waren ihre beiden Hände plötzlich frei. "Allen einen guten Appetit," verkündete Sam. "Es ist genug für alle da, also, haltet euch nicht zurück!" "Als ob das jemand machen würde," schnaufte Fiona, während sie ihre Gabel in ein großes Stück Fleisch stieß und auf ihren Teller legte. "Das sieht gut aus, Sam. Ich könnte umziehen und hier leben." Jody lachte und mit einem ermutigenden Nicken reichte sie Alice eine Schüssel mit Kartoffelsalat. "Versuch den," erklärte sie lächelnd. "Sam hat ihn gemacht. Sie sagt, das es ein geheimes holländisches Rezept ist, wir wissen also nicht was sie hineingetan hat, aber er schmeckt toll." "Holländisch?" Fragte Alice, und nachdem ihr diese Worte entschlüpft waren, überkam sie postwendend ein verlegenes Gefühl. "Sam kommt aus den Niederlanden," erklärte Fiona hilfsbereit. "Sie ist hierher gekommen, weil sie nicht schwimmen kann und Angst hat, das die Pole schmelzen und ihr Land unter Wasser setzen könnten." "Sehr witzig, Fi," erwiderte Sam und blinzelte zu Alice. "Glaub ihr kein Wort, Alice. Sie ist der Possenreißer der Familie." Alice's blaue Augen sahen interessiert zu Sam und für einen Augenblick vergaß sie ihre Befangenheit. "Sie haben keinen Akzent. Nun ja, sie haben einen, aber ich dachte sie sind ein Pom... ich meine, Engländerin." "Mein Dad ist Engländer," erklärte Sam augenzwinkernd. "Meine Mom ist Holländerin und ich bin in den Niederlanden aufgewachsen. Doch ich wurde zweisprachig erzogen. Ich nehme an, das mein Dad auf mich abgefärbt hat." Behutsam stellte Alice die Schüssel mit dem Kartoffelsalat ab und zermarterte sich das Gehirn nach... etwas, das sie über Sam's Land gehört oder gelesen hatte. Es war so schwer, da sie die wenigen Erinnerungen die sie hatte, sicher im hintersten Winkel ihres Verstandes verschlossen hatte. Doch plötzlich fiel es ihr ein. Es war in einer Illustrierten, die sie vor einigen Monaten in einem der Abfallbehälter im Park gefunden hatte. Es stand dort ein Artikel über Europa und sie erinnerte sich auch etwas über die Niederlande gelesen zu haben. Noch immer fühlte sie sich äußerst verletzbar und verlegen. Einen Augenblick kämpfte sie mit sich, doch ihre Neugierde siegte. "Ich... das ist dort, wo diese Delta-Konstruktionen sind, richtig?" Mit einem gewaltigen Lächeln sah Sam überrascht auf. "Ja! Oh Mann, Alice, ich bin beeindruckt. Die meisten Menschen haben noch nie von diesem Wunderwerk der Technik gehört." "Ich... ich hab es in einer Illustrierten gelesen," murmelte Alice auf ihren Teller starrend. "Sie wurden infolge dieser Überschwemmung gebaut." "Du hast recht," bestätigte Sam nickend. "1953 wurde ein großer Teil der Tiefländer überschwemmt und viele Menschen sind ertrunken. Da sechsundzwanzig Prozent des Landes unter dem Meeresspiegel liegen, haben sie diesen gewaltigen Damm gebaut um die See zurückzuhalten. Er hat große Tore und wenn ein heftiger Sturm mit der Gefahr einer Überflutung aufkommt, dann senken sie die Tore und halten die See zurück." "Wirklich?" Fragte Trishia interessiert. "Sechsundzwanzig Prozent liegen unter dem Meeresspiegel?" "Ja, das stimmt," bestätigte Sam. "Zudem haben wir eine große Bevölkerungsdichte. Eine weitere Überschwemmung in diesem Gebiet, könnte sehr viele Opfer fordern." Lächelnd wandte Sam ihre Aufmerksamkeit wieder Alice zu. "Ich habe ein Buch darüber. Wenn du Interesse hast, dann zeig ich es dir nach dem Essen." "Ähm… nun ja… danke," stotterte Alice. "Ich bin... daran interessiert." "Großartig," rief Sam, der es wirklich gefiel jemanden gefunden zu haben mit dem sie eine ihrer Interessen teilen konnte. "Ich werde dir das Buch holen. Du kannst es dir ansehen und mir später deine Meinung dazu sagen." "Interessiert dich Wasser-Management, Alice?" Erkundigte sich Joan wissbegierig und hatte das dringende Bedürfnis, das Mädchen besser kennen zu lernen. Alle Augen auf sich spürend, zupfte Alice nervös an dem Saum ihres T-Shirts herum. Sie merkte wie sie errötete und senkte eiligst ihren Blick. Zuerst wusste sie nicht was sie antworten sollte, doch das beharrliche Prickeln in ihrem Hinterkopf wurde immer stärker, und schließlich sah sie mit einem schüchternen Lächeln auf. "Ja," antwortete sie, und wusste auf eine Art, das es stimmte. "Ich habe mich schon immer für Dämme und andere Dinge der Wasserregulierung interessiert. Es ist... interessant." Trishia's Augen suchten Lucy's und sie wechselten einen vergnügten Blick. Die Dinge liefen besser als erwartet. Zugegeben, Alice war noch immer scheu und zurückhaltend, doch Jody, Sam und Joan schienen es fertig zubringen die Jugendliche in ihr Gespräch zu involvieren, und Alice gab leise und schüchterne Antworten. Während der Teenager in Rekordzeit ihren Teller leerte schien sie sich anscheinend ein wenig zu entspannen. "Wenn du mehr willst, dann lang einfach zu Alice," ermutigte Sam das Mädchen lächelnd. "Aber denk daran, etwas Platz für den Kuchen zu lassen." "Sam's berühmter Bananenkuchen," nuschelte Fiona kichernd. "Ich muss zugeben, das er mich noch nicht umgebracht hat." "Wenn das der Fall währe, dann wärst du eine sprechende Leiche, Schwesterchen," bemerkte Lucy trocken. "Und wahrscheinlich bräuchtest du dann nichts zu essen, wodurch mehr für uns da wäre. Du meine Güte Mädchen, wo isst du das alles hin?" Anscheinend unbeeindruckt von der Bemerkung ihrer Schwester, häufte sich Fiona grinsend eine weitere Portion Kartoffelsalat und Fleisch auf ihren Teller. "Ich bin ein Mädchen im Wachstum," stellte sie schlicht fest. "Forschungen haben ergeben, dass in einem Wachstumsschub befindliche Teenager zusätzliche Ernährung brauchen." "Und erreicht diese Ernährung auch ihr Gehirn?" Erkundigte sich Lucy unschuldig. "Oder dient sie nur dazu, diese hohlen Arme und Beine zu füllen?" "Ich weigere mich diese Frage zu beantworten," erwiderte Fiona mit einer hochgezogenen Augenbraue. "Mein Schulzeugnis spricht für sich." "Ich nehme das als ein Nein," bemerkte Lucy grinsend, die sich nie eine Chance entgehen ließ einen von ihren Geschwistern aufzuziehen. Ihre Gabel auf den Teller legend schoss Fiona einen Blick zu ihrer älteren Schwester. "Wenn du jemals... nein, ich formuliere es anders. FALLS du jemals etwas gesunden Menschenverstand entwickeln solltest, dann werde ich mich wahnsinnig freuen. Aber bis dahin werde ich, mit meiner mir eigenen Würde, deine diskriminierenden Bemerkungen einfach erdulden." Auf diese Bemerkung lachte Lucy herzhaft und schlug ihrer jüngeren Schwester spielerisch auf den Rücken, wodurch diese beinahe den Bissen, auf dem sie gerade kaute, herausgespuckt hätte. "Verliere niemals diese Schärfe Fi, du wirst sie brauchen, wenn du erwachsen wirst." Schnaubend warf ihr Fiona einen vorgespielten, tiefgekränkten Blick zu, doch jeder konnte das Funkeln in ihren Augen sehen. Das Geplänkel mit ihren Schwestern genoss sie immer, und obwohl ihre Worte manchmal recht bissig waren, so wusste ihre Familie, das es nie ihre Absicht war jemanden damit zu verletzen. Fiona liebte und bewunderte ihre älteren Schwestern, und auch wenn sie es nie zugeben würde, liebte sie sie im Grunde abgöttisch. Insgeheim froh darüber, das die Aufmerksamkeit nun von ihr abgezogen war, hörte Alice der Unterhaltung zwischen den beiden Schwestern zu. Obwohl es überwältigend war, hatte es gut getan, nicht mehr das Gefühl zu haben, unsichtbar zu sein. Innerlich zuckte sie bei den scharfzüngigen Worten zusammen, und während sie darauf wartete, dass zwischen ihnen ein Streit ausbrechen würde, spannten sich ihre Muskeln an. Doch ein nervöser Blick über den Tisch hinweg ließ sie ein entspanntes Grinsen auf Sam's Gesicht sehen und langsam stieß sie den Atem aus, den sie unbewusst angehalten hatte. Eine Hand drückte liebevoll ihre Schulter, und als Alice aufblickte sah sie grüne Augen, die eine beruhigende Anteilnahme ausstrahlten. "Beachte sie nicht," riet ihr Jody warmherzig lächelnd. "Sie sind immer so, doch wenn sie sich für längere Zeit nicht sehen, dann vermissen sie sich furchtbar. Die liebevollen Augen hielten sie gefangen und als Alice bemerkte, das sie zurücklächelte, senkte sie schüchtern ihren Blick und ärgerte sich, als sie spürte wie ihre Wangen langsam erröteten. Sie wurde von einem Strudel voller Emotionen ergriffen und schloss kurz ihre Augen um die düstere Panik, die sie ergreifen wollte, niederzukämpfen. Deren Krallen rissen an ihrem Herzen und da die Erfahrung sie gelehrt hatte, das Gefühle sie verletzlich machten versuchte sie verzweifelt jede aufkommende Empfindung zu unterdrücken. Sie hatte nur deswegen überlebt, weil sie die Fähigkeit hatte, alles zu unterdrücken was sie verletzen konnte. Als Alice ihr Haar zurückschob, konnte Jody sehen wie die schlanken Finger zitterten und erhaschte den besorgten Blick, den Trishia ihr zuwarf. Mit einem kurzen Lächeln und einem unmerklichen Nicken versicherte sie der Polizistin, das alles in Ordnung war. Nach einem vergnüglichen, mit Scherzen und Gelächter erfüllten, Abendessen half jeder den Tisch abzuräumen und stellte das Geschirr in die Geschirrspülmaschine. Und während Joan frischen Kaffee und Tee aufbrühte, gelang es Jody Sam zur Seite zu nehmen und in die Abstellkammer zu schleppen. "Was gibt's, mein Schatz?" Fragte Sam während sie Jody in ihre Arme zog. "Du willst mich doch nicht jetzt vernaschen, oder? Ich meine, deine Mutter ist im Raum nebenan und..." "Sam!" Raunte Jody lachend. "Obwohl ich die Idee äußerst reizvoll finde, ist das nicht der Grund warum ich dich unter vier Augen sehen wollte." Sich tiefer in Sam's Arme kuschelnd legte sie ihren Kopf gegen eine starke Schulter und seufzte zufrieden. Gleichgültig wie sehr sie ihr Haus und Eigentum liebte, immer wenn sie in Sam's Armen lag, fühlte sich wirklich zu Hause. Der Griff der Arme straffte sich und sie spürte wie Sam ihre Wange auf ihren Kopf legte. "Okay Liebling," rumorte Sam's Stimme in ihr Ohr. "Wenn du mich nicht wegen eines kleinen Schäferstündchens von unseren Gästen fortgeschleppt hast, dann muss es etwas anderes sein. Was hast du für ein Anliegen, Oh Lady?" Jody kicherte und küsste den Stoff unter ihrem Kopf. "Du durchschaust mich immer, oder?" "Immer," erwiderte Sam und löste den Griff um Jody's Körper. "Es geht um Alice," begann Jody und hob ihren Kopf von der bequemen Position, um Sam in die Augen sehen zu können. "Sag schon," ermutigte sie Sam, während sie zärtlich eine Strähne aus Jody's Stirn strich. "Was ist los?" Kurz und bündig erzählte Jody ihrer Geliebten Alice's Geschichte und auf welche Weise Trishia und Lucy beschlossen hatten zu versuchen dem Mädchen zu helfen. Sam ließ Jody ohne Unterbrechung aussprechen und als die kleinere Frau Sam um das bat, was sie bereits erwartet hatte, leuchteten ihre blauen Augen voller Stolz. Sie beugte ihr Gesicht näher an Jody's und küsste sie zärtlich auf die Lippen. "Du bist eine außergewöhnliche Frau, Jody McDonnell Stevens, und ich liebe dich jeden Tag mehr. Natürlich ist Alice hier willkommen. Sie kann bei uns wohnen, es ist ja nicht so, dass wir keine Gästezimmer hätten." "Danke Sam," seufzte Jody und stellte sich auf ihre Zehenspitzen um der großen, blonden Frau einen gefühlvollen Kuss zu geben. "Selbstverständlich müssen wir mit Trishia einige Dinge bereden, ich meine, sie hat wahrscheinlich irgendeinen Plan, aber es freut mich, dass wir ihnen helfen können." "Dir ist klar, das Alice ein Kind mit einer gestörten Verhaltensweise ist, Liebling. Es könnte sein, das sie nur sehr widerwillig von jemandem Hilfe annimmt." "Ich weiß, Sam. Doch es gab eine Zeit, da war auch ich obdachlos, und wer weiß was mit mir geschehen wäre, wenn mir Megan's Mutter nicht geholfen hätte. Sie hatte mein Leben und meinen Verstand gerettet. Ich schulde es ihr, einem anderen Mädchen in Not zu helfen." "Und dafür liebe ich dich," erklärte Sam lächelnd. "Fiona, warum zeigst du Alice nicht ein bisschen die Gegend?" Schlug Jody etwas später vor, nachdem sie alle Sam's geschätzten Bananenkuchen genossen hatten. "Ich weiß, das du es nicht abwarten kannst einen Blick auf die Pferde zu werfen." Ein gewaltiges Grinsen zog sich über Fiona's Gesicht, und ihre dunkelgrünen Augen funkelten erwartungsvoll. "Das ist ein guter Vorschlag, Schwesterherz," entgegnete sie, ihr Haar zurückschiebend und blickte zu Alice. "Auf geht's, Alice. Lass uns zu den Pferdeställen gehen. Sam und Jody haben ein paar Pferde. Die sind echt geil, kannst du reiten?" Bevor Alice antworten konnte schoss Sam einen strengen Blick zu Fiona. "Es wird nicht geritten, Fiona," warnte sie. "Selbst wenn Alice reiten kann, so will ich bei ihrem ersten Ritt dabei sein. Ich will nicht das ein Unfall passiert, du weißt wie temperamentvoll Azrel sein kann!" Tief seufzend schüttelte Fiona bedächtig ihren Kopf. "Ich bin gekränkt, Sam. Ich dachte du vertraust mir," beschwerte sie sich mit einem schelmischen Funkeln in ihren Augen. Lucy schnaubte und wollte gerade ihren Mund öffnen, um auf die Bemerkung ihrer Schwester einzugehen, doch Trishia drückte ihren Arm und untypisch für sie, sagte sie nichts. "Ich vertraue dir," bemerkte Sam grinsend. "Ich vertraue darauf, dass du tust was ich dir sage. Als du und Yarrah das letzte Mal ausgeritten seid, hat Norah sie dreimal abgeworfen." "Sie hatte sich nicht verletzt," verteidigte sich Fiona. "Außerdem war Yarrah selber schuld, sie hatte den Eindruck erweckt, als ob sie reiten könnte." "Wie ich mich erinnere, erzählte mir Yarrah's Mutter, das sie vorher nur zweimal geritten war," Äußerte sich Jody. "Als ob ich das wissen konnte," entgegnete Fiona schulterzuckend. "Yarrah hat mir erzählt das sie und ihre Familie schon immer eins mit der Fauna und Flora gewesen sind und sie sagte, das Norah zu reiten keine große Sache wäre." "Sie hatte wahrscheinlich vergessen, das es in diesem Land ursprünglich keine Pferde gab," bemerkte Sam trocken und brachte Lucy damit zum Kichern. "Was auch immer," sagte Fiona, das lustige herumgehüpfe auf der Veranda ignorierend. "Komm Alice, lass uns hier verschwinden, bevor sie mich festbinden und in einen Käfig sperren." "Prima Idee," bemerkte Lucy grinsend. "Ich glaube Trishia hat ein paar Handschellen im Wagen." Fiona blieb wie angewurzelt stehen, und als sie sich umdrehte wusste Lucy, dass sie in Schwierigkeiten war. Ohne aufzublicken wusste sie, das Trishia neben ihr, versuchte ihr Lächeln zu verbergen. "Hat sie das?" Sprach Fiona gedehnt und hob eine Augenbraue. "Ihr benutzt Stadteigentum für euer Vergnügen, was? Oh Mann Schwesterherz, ich wusste nicht das du so veranlagt bist! Pervers!" "Fiona!" Ermahnte sie Joan McDonnell, doch Trishia, Jody und Sam brachen in Gelächter aus, während Lucy sich auf ihre Lippe biss und verzweifelt versuchte ihr Erröten zu stoppen. Grinsend wehte Fiona einen Kuss zu Lucy und sich umdrehend machte sie sich lässig auf den Weg zur Rückseite des Hauses, wo sich die Stallungen befanden. Nicht im Stande ihrer Mutter in die Augen zu sehen, verbarg Lucy ihr Gesicht hinter ihren Händen und stöhnte leise. Als sie spürte wie Trishia's Hand zärtlich, in langsamen, bedächtigen Kreisen über ihren Rücken rieb drehte sie sich um und vergrub ihr Gesicht an der Schulter der größeren Frau. "Hilfe," murmelte sie. "Meine kleine Schwester wird erwachsen." Jody kicherte und sah zu wie wie Fiona und Alice hinter dem Haus verschwanden. "Weißt du Lucy, du bekommst es nur mit gleicher Münze heimgezahlt," erklärte sie, ohne das ihr ihre Schwester in irgendeiner Weise leid tat. "Fiona ist genau wie du, und das war erst der Anfang! Erinnerst du dich wie du Sam und mich aufgezogen hast als du gesehen hattest wie wir uns hinter dem Schuppen geküsst haben?" "Das ist schon eine Ewigkeit her," wandte Lucy seufzend ein. "Das zählt nicht mehr." "Ihr habt euch hinter dem Schuppen geküsst?" Wiederholte Joan. "Wann war das?" Jody und Sam sahen sich an und lächelten, als sie sich an den Sommertag vor beinahe einem Jahrzehnt erinnerten, als ob es erst gestern gewesen war. "Nun ja, das war an einem dieser Ferientage an denen Sam zu Besuch kam, wenn sie bei ihrem Onkel und ihrer Tante wohnte," erläuterte Jody. "Ich glaube ich war...? Achtzehn, was bedeutet, das Sam Neunzehn war." "Jugendliebe," scherzte Lucy, ihren Kopf von seiner Ruhestätte hebend und sich enger in Trishia's Arme kuschelnd. Mit liebevoller Zuneigung lächelte Joan zu ihrer ältesten Tochter. Sobald sie fähig war, sich gegen ihren religiös fanatischen und diktatorischen Mann zu wehren, hatte sie sich schnell an die Beziehung zwischen Jody und Sam gewöhnt. Ihrer Auffassung nach war Liebe eine wunderschöne Sache. Und wenn ihre Kinder diese Liebe mit jemandem vom gleichen Geschlecht fanden, machte das keinen Unterschied. Sie hatte Jody's Wahl vollkommen akzeptiert und im geheimen hoffte sie, das sich Lucy auch bald binden würde. Trishia war für ihre schlagfertige und manchmal rebellische Tochter gut. Doch obwohl sie eine Menge Zeit miteinander verbrachten, machte Lucy nicht den Eindruck, als ob sie ihre Beziehung in etwas Dauerhaftes verändern wolle. Und manchmal machte sich Joan Sorgen, das ihre zerrüttete Ehe mit ihrem Ex-Mann ihre Kinder davon abhalten könnte eine Dauerhafte Beziehung einzugehen. Schließlich war ihre Ehe nicht gerade ein gutes Beispiel. "Warum schaust du so ernst, Mom?" Fragte Jody leise. Joan sah in ein paar besorgte grüne Augen, und die klopfenden Schmerzen ihres geschwollenen Gesichts vergessend, lächelte sie. "Ich habe nur daran gedacht wie glücklich du bist und das macht auch mich glücklich," entgegnete sie und tätschelte liebevoll Jody's Hand. "Und wie zutreffend es war diesen Ort Murrook Farm zu nennen."
Still neben Fiona hergehend betrachtete Alice neugierig die Umgebung. Die Stallungen befanden sich angeblich hinter dem Haus, doch als sie dort ankamen, konnte Alice kein einziges Gebäude entdecken. Stirnrunzelnd sah sie sich um. "Ja ich weiß, sie sagten das es hinter dem Haus sei, was im Grunde ja auch stimmt," erklärte Fiona und sah die unausgesprochene Frage in den Augen des anderen Mädchens. "Siehst du diese Bäume?" Alice folgte dem ausgestreckten Finger und nickte, als sie in ungefähr fünfzig Meter Entfernung vom Haus, eine Gruppe riesiger Bäume sah. "Es befindet sich hinter diesen Bäumen. Die günstige Lage sorgt dafür, das es im Sommer in den Stallungen angenehm kühl ist." Ein Gesicht ziehend sah Fiona zur Seite, und brachte Alice damit zum Lächeln. "Diese Stallungen rechtfertigen den Namen dieses Ortes," bemerkte sie grinsend. "Ich meine, was ist eine Farm ohne Tiere, richtig?" An ihrer Unterlippe saugend nickte Alice. Fiona tat eindeutig ihr Bestes damit sich Alice wohlfühlte, und obwohl Alice diese Geste schätzte, so konnte sie mit der ganzen Situation nicht ungezwungen umgehen. Doch Fiona war keine Erwachsene, sie war ungefähr in ihrem Alter und auch wenn Alice's Erfahrungen mit Gleichaltrigen größtenteils schmerzhaft und peinlich gewesen waren, so spürte sie doch, das sich Fiona von den Mädchen, denen sie gelegentlich am Strand oder auf der Strasse begegnet war, unterschied. Von denjenigen welche mit dem Finger auf sie zeigend lachten oder sie beleidigten. Oder diejenigen welche hinter ihr herliefen und sie anbrüllten. Die manchmal sogar Steine nach ihr warfen. "Was bedeutet Murrook Farm?" Fragte sie aufeinmal zögernd. "Glücklich," erwiderte Fiona. "Murrook ist ein Wort der Ureinwohner, und bedeutet glücklich. Und ich vermute das es ein glücklicher Ort ist. Ich meine, meine Schwester heiratete, nachdem sie über eine lange Zeit getrennt waren, schließlich die Liebe ihres Lebens. Jody und Sam liebten sich schon als ich noch ein kleines Kind war. Aber es geschah etwas und sie haben sich über Jahre nicht gesehen. Dann, trafen sie durch einen Zufall wieder aufeinander und... wumm! Jetzt sind sie verheiratet." Mit vor Überraschung weit aufgerissenen Augen blieb Alice stehen und sah zu Fiona. "Sie sind verheiratet?" Fiona, die nicht mitbekommen hatte das ihre Begleiterin stehengeblieben war, drehte sich herum und blickte das blonde Mädchen stirnrunzelnd an. "Ja, das sind sie. In Sam's Heimatland können gleichgeschlechtliche Paare legal heiraten. Also haben sie es getan. Natürlich sieht es hier ein bisschen anders aus, doch sie haben mit dem ganzen offiziellen Brimborium, von dem alle immer reden, geheiratet." Alice antwortete nicht sofort. Gedanken schossen durch ihren Kopf, und um das Chaos in ihrem Kopf zu ordnen biss sie sich nervös auf ihre Lippe. Durch den gelegentlichen Gebrauch von Kosenamen und den zärtlichen Berührungen zwischen Jody und Sam wusste sie schon, das die Dinge auf der Murrook Farm anders waren. "Sie gehören alle erschossen. Verdammte Schwule!" Erklang plötzlich eine brutale Stimme in ihrem Kopf und ließ sie beinahe aufschrecken. Ihr Gesicht wurde kreidebleich und Fiona streckte vorsichtig eine Hand aus, um das blonde Mädchen am Arm zu berühren. Sie sah krank aus und Fiona fragte sich, ob ihre Bemerkung, das Jody und Sam verheiratet waren, dafür verantwortlich war. "Ähm... hör zu Alice," stotterte sie. "Es ist keine große Sache, okay? Ich weiß das es für eine Menge Leute befremdlich ist, oder sogar aggressiv reagieren, aber Jody ist meine Schwester und sie ist einer der liebevollsten Menschen die ich kenne. Ich liebe sie und derjenige, der etwas schlechtes über sie sagt... nun ja, der wird es mit mir zu tun bekommen. Wenn du also irgendein Problem mit ihrer Beziehung hast..." "Nein," unterbrach Alice's heisere Stimme Fiona's ungelenke Rede. "Das ist es nicht." Fiona steckte ihre zusammengeballten Fäuste in die Taschen ihrer Shorts und versuchte verzweifelt nicht ihre Geduld zu verlieren. Engstirnigkeit war etwas das sie nicht tolerierte und nur der Gedanke daran, das jemand eine ihrer Schwestern als Ziel für ihre Unwissenheit und Diskriminierung benutzen könnte, brachte ihr Blut zum Kochen. "Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest," murmelte sie, die blasse Blonde überdrüssig anblickend. "Ich glaube, das ich einen gehört habe," wisperte Alice mit bebenden Lippen. Fiona's verwirrten Gesichtsausdruck sehend schluckte sie heftig und holte tief Luft. "Ich... ich glaube ich hatte eine Art Rückblende," erklärte sie. "Ich... es ist... es hat mich erschreckt." Alice wusste, das es ein lahmes Argument war, doch wie sollte sie Fiona klarmachen, wie sehr sie darum kämpfte sich nicht zu erinnern. Zu vergessen. Der Erhalt ihrer Zurechnungsfähigkeit hing von ihrer Fähigkeit ab, ihre Erinnerungen zu unterdrücken und keine Gefühlsregungen an die Oberfläche zu lassen. Es verlieh ihr Sicherheit, keine Empfindungen zu verspüren. Die Erinnerung an diese Stimme hatte sie zu tiefst erschüttert. Im Bruchteil einer Sekunde war alles, was sie vergessen wollte mit einem Schlag an die Oberfläche gekommen. Ihr Herz wurde von einer tiefen Angst ergriffen, und Alice geriet fast in Panik. Wiedereinmal. So wie im Parkhaus. "Zweimal an einem Tag," murmelte sie beinahe lautlos. "Was?" Fragte Fiona. "Nichts," seufzte Alice. "Es tut mir leid das ich den Eindruck erweckt habe, die Beziehung deiner Schwester nicht gutzuheißen. Das tue ich. Das tue ich wirklich." "Okay, das freut mich," erklärte Fiona schlicht und legte zögernd eine Hand auf Alice's Schulter. "Doch was ist passiert? Ich dachte du fällst in Ohnmacht." Sie wollte nicht, das Fiona die Angst in ihren Augen sah und blickte schulterzuckend auf ihre abgetragenen Tennisschuhe. Ein Teil von ihr wollte die freundliche Hand abschütteln, weil es Emotionen ihr weckte. Der andere Teil verlangte nach der Berührung eines anderen Menschen, um ihr zu zeigen das sie existierte und ihr das Gefühl gab zu leben. Als ob Fiona den inneren Konflikt des anderen Mädchens spüren konnte, nahm sie langsam ihre Hand weg und steckte sie wieder in ihre Hosentasche. "Ich hab keine Ahnung, du weißt schon, von den Dingen die... dich heimsuchen," bemerkte sie spontan. "Ich weiß das was Mom mir erzählt hat, das du kein zu Hause hast und all das, und ich vermute das du eine Menge Mist durchstehen musstest. Und wenn du nicht darüber sprechen willst, dann ist das für mich vollkommen in Ordnung. Doch... wenn du es willst, na ja... ich mag eine Göre sein, aber ich kann gut zuhören." Immer noch aus ihrem inneren Gleichgewicht und zu schüchtern aufzublicken, befeuchtete Alice ihre Lippen und nickte. Stattdessen sah sie auf ihre Füße hinab mit denen sie leicht auf dem Boden herumscharrte und kleine rote Staubwölkchen aufwirbelte. "Danke," erwiderte sie schließlich mit dem Wissen, das über ihre Dämonen zu reden unmöglich sein würde, da sie noch nicht mal wusste welche es waren und woher sie kamen. Doch sie schätzte Fiona's Angebot und ein kleiner Hoffnungsschimmer durchdrang die dunkle Wand, die sich schon solange um ihr Herz geschlossen hatte. Ähnlich wie ein zögernder Sonnenstrahl nach einen heftigen Sommersturm. Die Wärme die plötzlich ihre Sinne erfüllte nahm ihr beinahe den Atem, und ängstlich und verwundert erkannte sie zum erstenmal, das sie nicht das Verlangen hatte ihr Schutzschild hochzuziehen, so wie sie es, anscheinend schon seit einer Ewigkeit, immer getan hatte. "Lass uns einen Blick auf die Pferde werfen," erklärte Fiona lächelnd und war erleichtert zu sehen, das Alice's Wangen wieder Farbe angenommenen hatten. "Kannst du reiten?" Alice schüttelte ihren Kopf und versuchte nicht zu zittern. Sie wollte mit dem Eingeständnis, das sie Angst vor Pferden hatte, ihre versuchsweise Freundschaft mit Fiona nicht riskieren. Besonders, da das andere Mädchen vollkommen hingerissen von den Tieren zu sein schien. "Es sind echt geile Pferde," fuhr Fiona fort. "Azrel ist Sam's Pferd, er ist ein bisschen wild, doch Sam ist eine ausgezeichnete Reiterin. Norah gehört Jody und so sanftmütig wie ein Lamm. Sie wollen abwarten ob sich die beiden paaren. Ein Fohlen hier zu haben wäre eine tolle Sache." Fiona stieß die Stalltür auf und winkte Alice ihr zu folgen. "Ich wette, das Jody dir beibringen wird wie man auf Norah reitet. Sie ist ein gutes Anfängerpferd. Toll, du könntest jeden Tag reiten. Sobald du weißt wie es geht, lässt uns Sam vielleicht nach einer Weile zusammen ausreiten. Ich..." "Moment mal," unterbrach Alice mit vor Schreck aufgerissenen Augen. "Was hast du gerade gesagt? Das ich jeden Tag ausreiten könnte?" "Natürlich," entgegnete Fiona. "Oh, sie haben es dir noch nicht gesagt, oder?" Schwer seufzend schüttelte sie ihren Kopf. "Typisch. Ich meine, sie glauben Erwachsene zu sein, aber manchmal haben sie den Menschenverstand eines Wombats. Von dem was ich heute heraushören konnte, wollen sie dich bitten hier zubleiben." Alice's Herz fing an so laut zu schlagen, das sie sich sicher war das Fiona es hören konnte. Ihr Atem stockte und sie musste ihre Augen schließen und sich zusammennehmen um nicht aus dem Stall herauszurennen. Sich plötzlich schwach fühlend stützte sie sich mit ihrer Hand an der Wand ab. "Ich… Wie…?" "Ich kenne noch keine Einzelheiten!" Erklärte Fiona. "Aber hey, es ist eine gute Sache. Meine Schwester ist ein großartiger Mensch und Sam ist einfach, nun ja, sie ist einfach fantastisch. Du wirst hier geborgen sein." Diese letzten Worte waren sanft gesprochen und Alice wusste, das Fiona die Angst in ihren Augen sehen konnte. "Aber... ich..." Alice schluckte heftig und holte tief Luft. "Ich kann nicht. Sie kennen mich doch gar nicht." "Ich bin mir sicher, das sich das mit der Zeit geben wird," grinste Fiona, lehnte sich an die Stallwand und drehte einen Strohhalm zwischen ihren schlanken Fingern. "Ich könnte eine Kriminelle sein," wandte Alice ein, ohne die Bitterkeit in ihrer Stimme verbergen zu können. "Ein Junkie, eine Diebin, oder eine Mörderin." Fiona steckte den Strohhalm zischen ihre gesund aussehenden Zähne und Alice mit ihren klaren Augen betrachtend, kaute darauf herum. Bedächtig schüttelte sie ihren Kopf. "Nee! Du siehst zu ehrlich aus. Außerdem hast du meine Mom vor diesen Verbrechern gerettet. Ich glaube nicht, das eine Kriminelle sich darum geschert hätte." "A... aber warum sollten sie das tun?" Fragte sich Alice laut. "Weil sie gute Menschen sind. Und meine Schwester weiß, was es heißt auf der Strasse zu sein." Alice's blonder Kopf schoss nach oben und sie blickte mit großen, ungläubigen Augen zu Fiona. Diese liebenswürdige, wunderschöne Frau war einmal obdachlos? "Es ist eine lange Geschichte," erklärte Fiona, als sie die Frage in Alice's Augen sah. "Vielleicht erzählt sie dir Jody eines Tages. Aber jemand half ihr zurückzufinden und das hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet. Sie würde es niemals ablehnen als Gegenleistung jemandem anderen zu helfen. Ich kenne meine Schwester." Ihr langes Haar zurückstreichend versuchte sie zu entscheiden, ob sie einem Alptraum durchlebte und nur aufwachen musste, doch wenn es ein Traum war, dann wollte sie ihn solange hinauszögern wie sie nur konnte. Es war alles so verwirrend. Gestern war ihr Leben noch so vorhersehbar gewesen, sie schlief überall wo sie ein sicheres Fleckchen für die Nacht finden konnte. Sie aß, was sie an essbarem finden konnte, oder kaufte sich etwas wenn sie ein wenig Geld auf der Strasse fand. Oder wenn ihr ein paar nette Leute etwas gaben, so wie Joan. Sobald sie daran gewöhnt war, hatte sie sich an die Sicherheit, für alle unsichtbar zu sein, außer denen die sich weigerten ihre Augen vor dem Elend und der Qual anderer zu schließen, geklammert. Aber diese Menschen waren gegenüber denen, die auf der Strasse an ihr vorübergingen und scheinbar durch sie hindurchsahen, oder ihren Kopf wegdrehten damit sie ihr nicht in die Augen sehen mussten, bei weitem übertroffen. Wenn sie ihr in die Augen gesehen hätten dann hätten sie ihre Existenz eingestanden und ein Gefühl gegeben ihr helfen zu müssen. Unzählige Male hatte Alice das Schuldgefühl in den hastig abgewandten Augen gesehen. Zuerst machte es sie wütend und nach einer Weile fühlte sie für diese von ihrem eigenen Schicksal geblendeten Individuen Verachtung. Doch schließlich hatte sie gelernt, sie und die ursprünglich aufkommenden Gefühle zu ignorieren. Solange bis sie ein Schatten der Gesellschaft geworden war. Jemand der nicht existierte. "Nun, was denkst du?" Durchbrach plötzlich Fiona die Stille. "Glaubst du, das du gerne für eine Weile hier bleiben möchtest?" An den zusammengezogenen Augenbrauen und dem nachdenklichen Gesichtsausdruck konnte Fiona erkennen, das Alice über diese Frage nachdenken musste. Sie musste ihre Aussichten abwägen und machte schnell eine geistige Liste aller Möglichkeiten. Aus früheren Erfahrungen wusste sie, das wenn sie sich weigern würde bei Jody und Sam zu bleiben, dann wäre Trishia gezwungen sie in ein Heim zu bringen, bis sie herausgefunden hatten wo sie herkam. Alice konnte sich nicht erinnern. Das einzige was sie wusste, war die Furcht und Panik die sie überfiel, wenn sie versuchte sich zu erinnern, wo sie herkam. Natürlich konnte sie jederzeit, so wie sie es schon vorher getan hatte, vom Heim davonlaufen, es war ja nicht so, das sie ihr eine Suchmannschaft hinterherschicken würden. Niemanden hatte sich vorher darum gekümmert. Doch tief in ihrem Inneren wusste Alice das es diesmal anders sein würde. Wenn sie also schlau war, dann sollte sie die Gastfreundschaft ohne weiter nachzufragen annehmen. Einfach mit dem Strom schwimmen, und sehen wo sie enden würde.
"Trish, glaubst du nicht das dies ein bisschen... harsch sein würde?" Fragte Lucy stirnrunzelnd. "Ich meine, ich bin immer für Ehrlichkeit und Klarheit, aber ist es klug sie derart damit zu konfrontieren? Es könnte sie einschüchtern." "Glaubst du?" Wandte Sam ein. "Ich weiß nicht, Lucy. Mir kommt es recht aufrichtig vor. Alice macht einen intelligenten Eindruck. Ich glaube nicht das sie es schätzen würde, wenn Trishia um den Brei herumredet. Ihr zu sagen was für Möglichkeiten sie hat, scheint mir sachlich zu sein. Sie hat die Möglichkeit selbst zu wählen." Die Fünf diskutierten seit einer Weile Alice's Situation und welche Handlungsweise die Beste wäre. Lucy und Trishia waren dankbar, das Jody und Sam das obdachlose Mädchen bei sich aufnehmen und ihr Bestes versuchen wollten um zu helfen. Doch Trishia wollte nicht, das das frischvermählte Paar dachte, das sie ihnen das Mädchen aufhalsen wollte und versprach eine bessere Lösung zu finden und so oft wie es ihr möglich war herzukommen und zu helfen. Feinfühlig wies sie Sam und Jody auf ihren und Peter's Verdacht über die Vergangenheit des Mädchens hin. Als sie darauf zu sprechen kam, das Alice sehr wahrscheinlich das Opfer eines Missbrauchs war, wurde Sam's Gesicht blass, und sie ergriff trostsuchend Jody's Hand. "Ich hatte mal eine Freundin... auf der Uni," erklärte Sam mühsam als sie den fragenden Blick in den besorgten Augen ihrer Gefährtinnen sah. "Sie... wurde als Kind missbraucht, tatsächlich hat sie dies bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr erleiden müssen. Sie... wurde damit nicht fertig und hat sich schließlich... umgebracht." Sam schluckte schwer und fragte sich, warum Alice's Situation sie nach all diesen Jahren an Wanda erinnern ließ. "Alice kann sich nicht erinnern," betonte Trishia. "Wir sind uns nicht sicher, aber wir vermuten es sehr stark. Leider begründet sich unser Verdacht auf Erfahrungen. Aber Sam, wenn du glaubst das dies zuviel sein könnte, dann verstehe ich das." Sam sah zu Jody und fand Trost in dem ihr liebevoll zugeworfen Blick. "Es ist nicht zuviel," beteuerte sie schließlich mit fester zuversichtlicher Stimme. "Diese Erinnerung hat mich unvorbereitet getroffen. Jody und ich werden versuchen, falls sie hier bleiben möchte, das sich Alice hier wie zu Hause fühlt." "Und wenn sie das tut, werden wir einfach von da aus weitermachen," fügte Jody hinzu. "Lass es uns einfach einen Tag nach dem anderen angehen, und sehen wie sich die Dinge entwickeln." Lucy lächelte ihre Schwester warmherzig an, während ihre Hand nach der größeren Trishia's suchte. "Ich glaube das ist ein großartiger Start," bemerkte die Polizistin und drückte die Finger die sich um ihre geschlungen hatten. "Wenn Alice einen Ort hat, wo sie sich sicher fühlen und etwas Ruhe finden kann, könnte sie sich tatsächlich erinnern wer sie ist und wo sie herkommt." "Ich hoffe es," stellte Joan fest, während sie vorsichtig die purpurfarbenen Quetschungen auf ihrem Gesicht berührte. "Sie scheint ein sehr nettes Mädchen zu sein."
Alice war Fiona schnell in den Stall gefolgt und hielt einen sicheren Abstand von den Pferden, die ihr wie Riesen vorkamen. Azrel war ein schwarzer Hengst, der leise wieherte als er Fiona erblickte, während Norah, eine hellbraune Stute, es gründlich genoss als Fiona ihre Nase rieb. Trotz Fiona's beinahe eidesstattlicher Aussage das die Pferde vollkommene Engel seien und nur große Pferde waren die wie Teddybären aussahen, hatte Alice ihren Abstand zu ihnen gehalten. Sie hatte gezittert als Fiona die Tür zu Azrel's Stall öffnete und zu dem großen Tier in die Box gegangen war. "Siehst du?" Rief Fiona grinsend. "Er ist ein Schatz." Doch dem dunkelhaarigen Mädchen tat Alice leid, und nachdem sie Azrel und Norah ausgiebig gestreichelt hatte ging sie mit Alice wieder hinaus. Die kühle Ozeanbrise genießend, die etwas Erleichterung nach einem heißen Tag verschaffte, gingen sie langsam zum Haus zurück. "Ich habe noch nie jemanden getroffen, der solche Angst vor Pferden hatte, bist du sicher ein Aussie zu sein?" Blödelte Fiona liebevoll. "Ich weiß es nicht," hörte sich Alice zu ihrer eigenen Überraschung antworten. Gewöhnlich war sie nicht bereit an andere Information über sich preiszugeben, und schwieg sich aus. Und in ihrer Welt betraf das jeden. "Wirklich?" Fragte Fiona zu dem anderen Mädchen blickend. "Nicht zu wissen wer man wirklich ist, muss unheimlich sein. Und woher weißt du, das dein Name Alice ist?" Fragte sie in der direkten, unverblümten Fiona Manier. Seufzend zuckte Alice mit ihrer Schulter. Sie war todmüde. Sie hatte einen langen und beschwerlichen Tag. Und er war höchst furchteinflössend. Fiona's Frage war ehrlich und logisch und irgendwie machten Alice die Fragen des dunkelhaarigen Mädchens nichts aus. "Ich weiß es nicht," konnte Alice nur antworten. "Er schien... mir vertraut, also hab ich angenommen das es mein Name sein könnte." Inzwischen waren sie an der Veranda angekommen und erklommen langsam die Stufen. Die Erwachsenen genossen den Ausblick und das zwitschern der Vögel, an einem entfernter gelegenen Wasserloch. Jody und Sam kuschelten sich auf der Bank aneinander. Die kleinere Frau lehnte an der Brust der Größeren während Sam's lange Arme beschützend um ihren Körper geschlungen waren. Sie rührten sich nicht als die Teenager erschienen, da sie beschlossen hatten, das, wenn Alice sich entscheiden würde eine Weile bei ihnen zu leben, das sie dann wissen musste was für eine Beziehung sie zueinander hatten. "Azrel und Norah sagen Hallo," bemerkte Fiona grinsend, während sie sich auf einen Stuhl fallen ließ und Alice andeutete das Gleiche zu tun. "Azrel konnte nicht verstehen warum ich ihn nicht für einen netten Ritt ausführen durfte. Ich sagte ihm, das du mir nicht vertraust." Sam, die ihre Schwägerin so gut wie ihre Westentasche kannte, grinste nur und weigerte sich auf den Köder anzubeißen. "Schlingel," brummelte sie, was Jody zum Kichern brachte. "Magst du Pferde, Alice?" Erkundigte sich Jody bei der blonden Jungendlichen, die auf ihre zappeligen Finger starrend, auf einem der Stühle saß. Alice sah mit ihren blauen Augen auf, deren Ausdruck beinahe an Panik grenzte. Es war offensichtlich das Sam und Jody ihre Pferde liebten. Wie würden sie reagieren, wenn sie ihnen sagte, das sie Angst vor ihnen hatte? Würden sie lachen? "Ich... ähm... sie sind schön, aber... ich..." stotterte sie äußerst verlegen und wünschte sich, der Boden würde sich öffnen und sie verschlucken. "Führer hatte ich vor Pferden auch Angst," erklärte Jody, die sich denken konnte was für ein Problem Alice hatte. "Sie kamen mir so groß und erschreckend vor, ich sorgte immer dafür, das ich genügend Abstand von ihnen hielt." "Was hat das geändert?" Fragte Fiona, überrascht durch das Geständnis ihrer Schwester. "Megan," war die einfache Antwort. Jody drehte ihren Kopf und nach oben schielend sah sie, wie die blauen Augen ihrer Liebsten mit purer Liebe und Hingebung auf sie herabblickten. Alice sah die Interaktion zwischen den beiden Frauen und spürte plötzlich, das sie etwas vermisste. Ein einziger Blick zu Sam und Jody genügte, um die zwischen ihnen pulsierende Liebe zu sehen. Der Gesichtsausdruck, wenn sie sich ansahen, brauchte keine weitere Erklärung. Und wieder erkannte Alice wie einsam sie war. Sie senkte ihren Blick und schluckte heftig, als sie spürte wie Tränen in ihre Augen traten. "Wie?" Durchdrang Fiona's Stimme ihre quälenden Gedanken. "Nun ja, Megan ritt schon seit ihrer Kindheit. Als wir... Freunde wurden, wollte sie diese Leidenschaft mit mir teilen," erklärte Jody und spürte wie Sam durch ihre Wortwahl kicherte. Verspielt kniff sie der größeren Frau in den Arm und setzte ihre Geschichte fort. "Ich wollte sie nicht enttäuschen und beschloss einen Versuch zu wagen. Nach kurzer Zeit hatte ich keine Angst mehr und fing sogar an sie zu mögen." "Gut gemacht, Schwesterherz," grinste Fiona. "Du bist ein würdiges Mitglied des McDonnell Clans." Jody sah zu ihrer jüngsten Schwester und zog ein Gesicht. Ein kurzer Blick zu Trishia und Lucy sagte ihr, das es Zeit war mit Alice zu reden. Fiona bemerkte sofort die Stille und den Augenkontakt zwischen den Erwachsenen, und als sie zu Alice blickte zwinkerte sie und verrollte ihre Augen, worauf das blonde Mädchen lächeln musste. "Wir haben bereits darüber gesprochen," erklärte sie gelassen. "Worüber habt ihr gesprochen?" Erkundigte sich Lucy vorsichtig. "Die Tatsache, das ihr Mädchen Alice fragen wollt, ob sie hier bleiben möchte, weil Trishia's Wohnung die Größe einer Schuhschachtel hat," entgegnete Fiona nüchtern. "Und das sie keine Wahl hat, verstehst du. Aber ich bin überzeugt das sie hier bleibt. Murrook Farm ist ein prima Ort." Lucy, die nicht wusste, ob sie entweder wütend oder amüsiert sein sollte, starrte ihre Schwester mit einem mörderischen Blick an. Als sie zu Trishia blickte sah das Funkeln in ihren Augen, und um nicht herauszulachen biss sich Sam auf ihre Lippe. Der Gesichtsausdruck von Jody und Joan war beinahe identisch. Sie beide sahen mit einer Mischung aus Bestürzung, Bewunderung und Überraschung zu Fiona. "Nun gut," durchbrach Trishia's ruhige Stimme die Stille. "Danke, für diese Information, Fiona. Doch ich würde dies auch gerne von Alice hören." Sie konzentrierte ihren Blick auf die sehr unbehaglich aussehende blonde Jugendliche, die den Eindruck machte, das sie aufspringen und davonrennen wollte. "Alice?" Fragte Trishia. "Ich überlasse es dir. Es ist deine Entscheidung." Aus dem Augenwinkel sah Trishia, das Fiona ihren Mund öffnete um etwas zu sagen, doch mit einem warnenden Blick brachte sie das dunkelhaarige Mädchen zum Schweigen. Fiona's Mund klappte zu und innerlich amüsierte sich Trishia. Der Blick den sie ihr zugeworfen hatte, erzielte auch jedes Mal bei Lucy den gleichen Effekt. Um ihre zitternden Finger zu verbergen, verknotete Alice den Saum ihres Shirts. Eine Stimme in ihrem Hinterkopf schrie unaufhaltsam zu ihr, sie solle die Chance die ihr geboten wurde annehmen. Doch ein Gefühl von Entsetzen und Angst drohte Überhand zu gewinnen. "Ich... wenn es nicht zuviel Umstände macht, dann würde ich gerne hier bleiben," flüsterte sie kaum hörbar und fürchtete sich aufzublicken. "Es macht überhaupt keine Umstände, Alice," versicherte ihr Jody's warmherzige Stimme. "Wir freuen uns, dich hier zu haben." "Willkommen auf der Murrook Farm," fügte Sam lächelnd hinzu.
~~~ ENDE - Kapitel 4 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 5 lesen. Kommentare und Feedback sind willkommen unter: ripplesintime@hotmail.com
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