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Versäumt bitte nicht die allgemeinen Hinweise in Kapitel 1 zu lesen!

 

In diesem Kapitel kommt die Beschreibung eines Traums vor, der keineswegs erfreulich ist, in der Tat ist er sehr düster, also – dachte ich, es wäre besser darauf hinzuweisen. Nun, in Wirklichkeit war es meine persönliche und sehr geliebte Korrekturleserin, die mich daran erinnert hat, eine Warnung einzufügen. Ich war so fleißig mit Schreiben beschäftig, dass ich es völlig vergessen habe (böse Lois). Danke, Cbar! Du bist die Beste.

 

 

 

Murrook Farm - Kapitel 6

   

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Murrook Farm
by Lois Kay

Kapitel 6

 

"Ich denke, ich setzt Teewasser auf," bemerkte Jody gähnend. "Da ich sowieso auf bin, könnte ich auch eine Tasse Tee trinken."

"Gute Idee, Liebling," erwiderte Sam. Sie schlang ihre Arme um Jody und sie eng an sich ziehend, legte sie ihr Kinn auf das zerzauste, rotblonde Haar.

Sich zurücklehnend schloss Jody ihre Augen und schwelgte in dem Gefühl von Sam's warmer, liebevoller Umarmung.

"Wenn wir so weitermachen, dann wird es keinen Tee geben," murmelte sie. "Aber ich denke, ich könnte auch ohne ihn leben... falls ich wirklich muss."

"Du könntest das, aber nicht deine Schwester Lucy, sie ist teesüchtig." Erklärte Sam und seufzte, als sie zwischen den Bäumen die Scheinwerfer eines sich nähernden Wagens sah. "Da kommen sie schon."

Jody zog sich gemächlich von Sam's Körper zurück, und nachdem sie den Kessel mit frischem Wasser gefüllt hatte, schaltete sie den Herd an und stellte ihn drauf.

"Sie sind schnell! Sie müssen bereits unten am Hügel gewesen sein," bemerkte sie stirnrunzelnd, während sie mit ihren Augen der langsamen Fahrt des Fahrzeugs folgte.

Kurt, der auf der Veranda gelegen hatte, war aufgesprungen sobald er das brummende Geräusch des Motors gehört hatte und stand regungslos da. Seine Ohren standen nach oben und seine Augen klebten an dem Wagen, der den Hügel zum Haus hochfuhr. Er schnupperte in die Luft und gab einen leisen Ton von sich. Er kannte diesen Geruch. Es war der große Mensch mit lockigen Haaren, der gern mit ihm spielte. Kurt gähnte und langsam mit seinem Schwanz den Boden fegend, setzte er sich auf seine Hinterläufe.

Hinter ihm öffnete sich die Tür und Sam schritt in die Dunkelheit, sie machte absichtlich kein Licht an, um keine Moskitos anzulocken. Still neben ihrem jungen Hund stehend, streichelte sie seinen bereits kräftigen Kopf.

Sobald Lucy und Trishia aus dem Wagen gestiegen waren und zum Haus gingen, bemerkte Sam, das ihre Gesichter blass und abgespannt waren. Lucy, die ihre Hand in Trishia's größere gelegt hatte schien untypisch ruhig zu sein.

"Hallo Sam," begrüßte Trishia die große blonde Frau mit gedämpfter Stimme. "Es tut mir leid, dass ich euch wach halte."

"Ich bin sicher, das du einen guten Grund dafür hast," antwortete Sam, und öffnete die Tür, damit das Pärchen die große Küche betreten konnte.

Jody begrüßte ihre unerwarteten Gäste mit einem warmherzigen Lächeln und umarmte kurz ihre Schwester.

"Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest," sagte sie mit einem besorgten Blick und legte ihre Hände auf Lucy's Schultern. "Geht es dir gut?"

Lucy's grüne Augen zeigten eine Mischung aus Schmerz und Traurigkeit und Jody entdeckte noch etwas anderes, Angst. Mit dem rapide wachsenden Gefühl, das etwas äußerst Ernstes vorlag, langte Jody blind nach Sam und ergriff ihre Hand. Der feste Griff gab ihr irgendwie Kraft und mit bebender Stimme bat sie Trishia und Lucy sich hinzusetzen.

"In Ordnung, kommen wir direkt zur Sache," begann Sam, nachdem alle eine Tasse heißen Tee vor sich stehen hatten. "Was ist los?"

Trishia räusperte sich und nahm einen Schluck von ihrem Tee, um ein paar Sekunden zu gewinnen, damit sie ihre Gedanken ordnen konnte. Sie sah zu Seite und bedeckte Lucy's Hand, die mit ihren Fingern nervös auf dem Tisch trommelte.

"Um es kurz zu machen, unten am Strand, beim Ocean View Gardens hat es einen Mord gegeben. Das Opfer war ein Mädchen im Teenageralter mit blonden Haaren. An ihrem Körper fanden sie ein Foto von einem Mädchen, das ihr ähnelt. Das Mädchen ist Alice."

Mit ihrer freien Hand rieb sich Trishia ihre müden Augen und atmete kraftlos aus.

"Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir noch nicht viel, aber wir sind an der Sache. Wir glauben, das jemand hinter Alice her ist und diese... bestialische Darbietung ist entweder ein wirklich krankes Spiel, oder eine Warnung. Vielleicht sogar beides. Das wissen wir noch nicht. Aber wir sind zuversichtlich, das wir es bald herausfinden werden."

Jody hatte ihren Stuhl näher zu Sam geschoben und war erleichtert, als die größere Frau schützend einen Arm um ihre Schultern legte. Es muss nicht erwähnt werden, das Trishia's Bericht sie bis ins Innerste entsetzt hatte. Es verursachte ein Gefühl der Kälte und Übelkeit. Und bevor sie realisierte was geschah, wurde ihre Erinnerung mit erschreckenden Bildern bombardiert, und Jody blickte mit weit aufgerissenen, schockierten Augen zu Sam.

Sam's Gesicht war zu einer grimmigen Maske geworden. Trishia's Worte hatten sie zuerst erschreckt, doch schnell hatte ihr Verstand zu arbeiten angefangen und begann die Information zu verarbeiten, analysieren und die weiterte Vorgehensweise zu planen.

"Wie sieht dein Plan aus?" Fragte sie Trishia ruhig, während sie mit ihrer Hand zärtlich über Jody's Rücken rieb.

"Die Inspektorin hat mich beauftrag sie zu schützen, und genau das werde ich tun. Doch ich wollte zuerst mit euch beiden über die Details reden. Über den... Mord... möchte ich nicht in Einzelheiten gehen, da es euch nichts bringen würde." Seufzte Trishia und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Tee. "Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass sich Alice in Gefahr befindet. Irgendjemand sucht sie. Warum wissen wir nicht. Fakt ist, das Alice an Gedächtnisschwund leidet. Ob das physisch durch einen Schlag an den Kopf, oder durch die Blockierung von Erinnerungen verursacht worden ist, wissen wir nicht. Aber auf irgendeine Art kennen sich Alice und der Mörder. Ich vermute, dass sobald Alice sich wieder an Dinge erinnern kann, sie fähig sein wird, die Person, die hinter ihr her ist, zu identifizieren."

Trishia blickte zu Sam und Jody und schaffte es schwach zu lächeln.

"Was erzählen wir Alice?" Fragte Jody leise.

"Ich wünschte, ich hätte eine befriedigende Antwort darauf," erwiderte Trishia. "Wenn wir ihr sagen was los ist, könnte sie davonlaufen. Ich glaube, das sie zumindest vorläufig hier sicher ist. Also sollten wir versuchen, sie solange wie möglich hierzubehalten, bis wir einen Hinweis auf den Mörder haben."

"Irgendwie scheint mir Alice kein Kind zu sein, das man so einfach in den Grenzen von Murrook Farm halten kann," wandte Lucy ein.

"Aber es würde reizvoller für sie sein, wenn Fiona auch hier wäre," erklärte Jody. "Ich hatte den Eindruck, das sie recht gut miteinander auskommen."

"Unsere Aufgabe besteht darin, die beiden von Problemen fern zu halten," bemerkte Sam lächelnd, da sie aus Erfahrung Fiona's Talent in Schwierigkeiten zu geraten, kannte. "Und da die Ställe einen neuen Anstrich brauchen, glaube ich, genau den richtigen Weg gefunden zu haben, sie für ein paar Tage zu beschäftigen, und zudem kann ich sie in der Zwischenzeit im Auge behalten."

Trotz der ernsten Lage kicherte Jody und kuschelte sich noch enger an den großen Körper, der bereits fast völlig um sie gewickelt war.

"Das ist hinterhältig, Liebling. Aber sehr schlau, es gefällt mir."

"Es ist mir ein Vergnügen," flüsterte Sam in Jody's Ohr und küsste schnell die Haut, die so quälend nah war, das sie nicht wiederstehen konnte.

"Also Trish," fuhr Sam fort. "Wird es hier irgendwelche… Schutzmassnahmen geben?"

"Ich werde hier sein," entgegnete Trishia postwendend, und sah aus dem Augenwinkel Lucy's überraschte Reaktion.

"Willst du auf der Veranda campen?" Flachste Sam.

"Nein, unten im Gästehaus, falls es dir nichts ausmacht. Wenn du andere Pläne haben solltest, kann ich auch ein Zelt im Busch aufschlagen."

"Sei nicht albern," entgegnete Jody sofort. "Wir haben genug Platz. Natürlich kannst du das Gästehaus haben."

Jody warf einen Blick zu ihrer Schwester, die nicht sehr begeistert zu sein schien, und unterdrückte ein Lächeln.

"Ich vermute, das du auch hier bleibst?" Fragte sie unschuldig.

"Das hängt davon ab," antworte Lucy, ohne ihre gekränkte Stimme verbergen zu können. Sie erkannte, das Trishia ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen, vom ersten Moment an geplant hatte auf der Murrook Farm zu bleiben. Sie wusste, das es kindisch war, doch Lucy fühlte sich ausgeschlossen. "Ich weiß nicht, ob ich erwünscht bin."

Sam und Jody tauschten Blicke aus, als Trishia's Kopf hochschoss und die Polizistin ihrer Geliebten einen gereizten Blick zuwarf.

"Die Idee ist mir erst eben gekommen," erklärte sie eindeutig angespannt. "Es ist ja nicht so, das wir Zeit gehabt hätten vorher darüber zu reden, Lucy."

Lucy wusste, das Trishia recht hatte. Außerdem versuchte die Polizistin verzweifelt nach einer Möglichkeit, nicht nur Alice, sondern auch Lucy's Familie zu beschützen.

"Ich weiß," seufzte Lucy, ihren Kopf auf ihren Händen abstützend. "Es tut mir leid. Ich bin müde und all das... diese... dieser Mörder und das Foto und die Tatsachte, das wieder irgendjemand eine Bedrohung für meine Familie sein könnte, ist einfach..."

Trishia's Gereiztheit schmolz dahin, und von ihren Stuhl aufstehend kniete sie sich neben Lucy, schlang ihre Arme um die dunkelhaarige Frau und zog sie eng an sich.

"Ich verstehe," sagte sie leise, während sie über das weiche Haar unter ihrer Hand streichelte. "Es tut mir auch leid. Es tut mir leid, das du und deine Familie diese ganze Situation durchmachen müssen. Aber nur um es klarzustellen, Luce..." Ihre Finger unter Lucy's Kinn legend hob sie ihr Gesicht an, damit sie ihr in die Augen sehen konnte. "Ich möchte, das du hier bei mir bleibst."

Nur pure Aufrichtigkeit in Trishia's Augen sehend, brachte Lucy ein feuchtes Lächeln zustande.

"Du willst mich nur im Auge behalten," schniefte sie schäkernd.

"Natürlich," entgegnete Trishia lächelnd, während sie ihr Gesicht näher zu Lucy beugte und zärtlich ihre Lippen mit ihren berührte. "Du bist so wunderschön..."

"Ooookaaaay Sam," erklärte Jody und stand auf. "Zeit für uns ein paar Sachen für diese Turteltauben zusammenzusuchen, damit wir sie ins Apartment schicken können. Kommst du?"

"Machst du Witze?" Grinste Sam. "Gerade jetzt wird es erst richtig interessant."

"Sam Stevens, wo bleiben deine Manieren?" Ermahnte Jody verspielt ihre Geliebte, dankbar für das liebenswerte, scherzhafte Geplänkel, das die Spannung ein wenig milderte.

"Ich wusste nicht, das ich welche hatte," stichelte Sam grinsend, als Jody ihre Hand schnappte und vom Stuhl zog. "In Ordnung, alles klar, ich komme. "Aber, meine Liebe, wir hätten von ihnen bestimmt etwas lernen können."

Jody schloss die Tür hinter ihnen und sah zu ihrer größeren Geliebten auf. Sie lächelte und langte nach oben um Sam's Gesicht zwischen ihre Hände zu nehmen.

"Ich liebe dich, Samantha Stevens," flüsterte sie, bevor sie Sam's Lippen herzhaft küsste.

"Und ich liebe dich, Jody McDonnell," flüsterte Sam zurück, den Kuss mit soviel Begeisterung erwidernd, das ihre Geliebte lächeln musste.

"Komm schon, kleine Holländerin, lass uns die Kissen und Bettlaken holen," keuchte sie schließlich. "Ich will die beiden unterbringen und dann ins Bett zurück. Ich bin völlig fertig."

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Der hochstehende Mond badete die großen Bäume in einem silbrigen Licht. Sterne, die funkelten wie Diamanten vollendeten das perfekte Bild, wie es unzählige Verliebte schon seit Urzeiten genossen hatten. Der charakteristische, zirpende Ton einer Nachtschwalbe auf der Jagd nach Insekten, erfüllte gelegentlich sie Luft, während ganz in der Nähe, auf dem Ast eines Baumes ein Frosch bewegungslos auf seine ahnungslose Beute lauerte.

Trishia saß vor dem Fenster und starrte hinaus ohne viel zu sehen. Die Schönheit der Nacht erreichte ihre Augen nicht. Stattdessen durchlebte sie noch einmal die Szene am Strand. Es fiel ihr schwer, nicht an das junge Mädchen zu denken, dessen Leben so gewaltsam und abrupt geendet hatte. Eine Blume, gebrochen und zertrampelt, bevor sie voll erblühen konnte.

Lautlos seufzend lehnte Trishia ihren Kopf gegen die Wand und schloss kurz ihre Augen. Es gab Dinge, an die sie sich nie gewöhnen würde, und manchmal fragte sie sich, ob eine Polizistin zu sein, das alles Wert war. Tief in ihrem Inneren kannte sie Antwort. Für sie war es das Wert. Manchmal brachte sie es fertig etwas zu ändern und stellte sicher, das Gerechtigkeit ausgeübt wurde. Etwa derart, als sie Megan's Entführer verfolgt hatte, die Jody's Freundin gegen Sam austauschen wollten. Wäre sie nicht dort gewesen, wären wahrscheinlich Sam als auch Megan getötet worden.

Wie immer, wenn sie sich daran erinnerte, lieft es Trishia eiskalt am Rücken herunter und ihre Augen öffnend wanderte ihr Blick zu der schlafenden Frau in dem Bett. Ein zärtliches Lächeln zog sich über ihr Gesicht, als sie sah wie Lucy das Kissen umarmte.

Das sollte ich sein.

Bedächtig ihren Kopf schüttelnd erkannte sie zerknirscht, das Schlaf in dieser Nacht nicht in Frage kam. Schon Stunden vorher war ihr Verstand zu Hochtouren aufgelaufen und sie wusste, falls sie zu Lucy ins Bett kriechen würde, das ihr unruhiges Herumgewälze nur ihre Geliebte aufwecken würde.

Einen Blick aus dem Fenster werfend erkannte Trishia, dass zur Überwachung des Anwesens die Lage des Gästehauses perfekt war. Das Haupthaus befand sich ungefähr zweihundert Meter vom obersten Punkt des Hügels entfernt, während der einzige zum Haus führende Weg an dem kleinen Apartment vorbeiführte. Niemand konnte es erreichen ohne gesehen zu werden, es sei denn, sie würden durch den dichten Busch wandern, der das Anwesen umgab. Das wäre mühselig, doch nicht unmöglich und Trishia machte sich eine geistige Notiz, morgen früh mit Carol Wong darüber zu reden.

Ein Blick auf das beleuchtete Display ihres Handys sagte Trishia, das es beinahe drei Uhr morgens war. Plötzlich fiel ihr ein, das sie noch nichts von Peter gehört hatte und sie fragte sich, ob das bedeutete, das ihre Anfragen zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt hatten. Stirnrunzelnd dachte Trishia über diese Möglichkeit nach. Doch jede Faser ihrer Erfahrung und Instinktes sagten ihr, das, wer auch immer dieses arme Mädchen am Strand ermordet hatte, muss etwas ähnliches schon vorher getan haben. Aber Peter hätte sie sicherlich angerufen, wenn das der Fall gewesen wäre.

Mit einem finsteren Blick sah Trishia auf ihr Handy, beinahe wünschend das es ihr eine Antwort auf all ihre, durch ihren Kopf schiessende Fragen geben könnte. Ihre schlanken Finger trommelten auf das Lederetui und nicht sicher was sie tun sollte saugte sie an ihrer Unterlippe. Eine kurze Zeit zögerte sie, dann erhob sie sich von ihrem Stuhl, verließ das Schlafzimmer und schloss lautlos die Tür hinter sich.

"Was zum Teufel soll's," murmelte sie, Peter's Kurzwahlnummer wählend, und ihre Finger überkreuzend hoffte sie, das er nicht zu Hause war und mit seiner Frau kuschelte. Angela Jones würde ihr die Hölle heißmachen.

Das Telefon klingelte nur einmal, bevor abgenommen wurde und Trishia stieß ihren unbewusst angehaltenen Atem aus.

"Trish!" Begrüßte sie Peter, da er die Nummer auf seinem Display erkannt hatte. "Ich hatte mich gerade gefragt, ob du noch anrufst oder nicht. Kannst nicht schlafen, wie? Wo bist du überhaupt?"

"Bei Sam und Jody," erwiderte Trishia, sich auf die Armlehne der Couch setzend und sehr darauf bedacht leise zu sprechen, um Lucy nicht zu wecken. "Wir übernachten im Gästehaus."

"Gute Idee," lobte Peter seine Partnerin. "Es liegt prima, um die Dinge im Auge zu behalten. Hör zu Trish, ich habe stundelang herumtelefoniert."

Der Knoten in Trishia's Magen zog sich enger und sie wischte nervös ihre Hand an ihrer Shorts ab. Sie bekam einen trockenen Mund und ihr Herz fing an schneller zu schlagen. Um sich zu beruhigen holte sie tief Luft und versuchte sich auf das zu konzentrieren, was Peter ihr zu sagen hatte. Sie wollte Einzelheiten hören, das grobe Gesamtbild kannte sie bereits.

"Es gibt in Sydney und Perth entsprechende ungelöste Morde. Vor zwei Jahren fanden sie ein erstochenes Mädchen am Strand von Watson und sieben Monate später gab es einen ähnlichen Mord am Strand von Cotteloe in Perth."

"Beide an einem Strand, wie?" Bemerkte Trishia heiser. "Gab es dort...?"

"Fotos? Ja. In beiden Fällen. Das gleiche Bild, das wir heute fanden."

"Verflucht!"

"Das ist noch höflich, Trish," versuchte Peter zu scherzen. "Ich kann mich vage daran erinnern, etwas vollkommen anderes gesagt zu haben. Etwas, für das ich meine Kinder bestrafen würde."

"Weiß es die Chefin?"

"Oh ja, ich habe gerade mit ihr telefoniert. Wir könnten hinter einem Serienmörder her sein, Trish. Aber weißt du was mich wirklich auf die Palme bringt?"

"Was?" Seufzte Trishia, mit der Hand durch ihre Haare fahrend.

"Sydney und Perth haben nie eine Mitteilung darüber verlauten lassen. Man könnte denken, das sie es verschweigen wollten, wie?"

"Es ist nicht das erste Mal, das so etwas vorkommt, Peter. Ich bin mir sicher, das auch wir eine Menge Dinge vermasselt haben. Ich hoffe, das du sie nicht mit Bezeichnungen aus dem Vokabular des Buches für stinksaure Vollzugsbeamte, betitelt hast," flachste Trishia, die ihren Partner sehr gut kannte.

"Wer? Ich?" Erkundigte sich Peter mit so unschuldiger Stimme, das Trishia kichern musste. "Trishia! Ich bin verletzt. Natürlich habe ich so etwas nicht getan. du kennst mich, ich küsste ihren lilienweißen..."

"In Ordnung, alles klar," unterbrach in Trishia lachend. "Ich hab verstanden."

"Wie dem auch sei," fuhr Peter nun völlig ernst fort. "Wir haben hier ein gewaltiges Problem, Trish."

"Ich weiß," entgegnete Trishia, ihren Nacken rollend, um etwas von der Verspannung loszuwerden. "Ich denke, das wir herausfinden müssen, ob Alice jemals in Sydney oder Perth war, oder?"

"Könnte keine schlechte Idee sein," stimmte Peter zu. "Ich habe dieses unheimliche Gefühl, das ihr jemand folgt, Trish. Ähnlich wie ein Raubtier. Kein Wunder, dass das arme Kind zu Tode erschrak, als wir sie aufgefunden haben."

"Es könnte sein, dass sie nichts davon ahnt, Pete. Aber ich verwette ein Jahresgehalt, das ihr Gedichtsschwund mit der ganzen Sache zu tun hat."

Trishia hörte wie Peter scharf Luft holte und nach einigen angespannten Momenten langsam wieder ausblies.

"Du nimmst an, das Alice das erste Opfer hätte sein sollen? Verdammt, Trish! Ich denke, das du recht haben könntest. Und weißt du was mir eine Höllenangst macht? Zwischen dem ersten Mord in Sydney und dem einen in Perth vergingen siebzehn Monate. Aber zwischen dem in Perth und dem hier liegen nur sieben Monate."

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Sie war völlig von Dunkelheit umgeben. Krampfhaft und blind um sich greifend, versuchte sie einen Ausweg aus dieser Finsternis zu finden. Ihr Herz hämmerte und ihre Atmung wurde zu einem seichten Keuchen, während sie spürte wie ihr Körper zitterte.

Blind stolperte sie durch die Finsternis, bis sich ihre Füße in etwas verfingen, und sie mit einem erstickten Schrei stürzte. Da sie auf etwas weichem gelandet war, hatte sie sich nicht verletzt und ängstlich versuchte sie mit ihren Händen herauszufinden, was für ein Objekt ihren Fall abgefangen hatte.

Sie berührte mit ihren Fingern etwas klebriges und instinktiv wissend, das sie davon, was auch immer es war, wegkommen musste, zog sie sie augenblicklich zurück. Der Geruch von Blut und Ruß überschwemmte ihre Sinne und Panik durchflutete ihren ganzen Körper.

Sie versuchte wieder auf ihre Füße zu kommen, doch plötzlich konnte sie sich nicht mehr bewegen. Irgendetwas hielt sie an ihren Füßen fest, und so kräftig wie sie nur konnte, versuchte sie sich freizutreten. Das widerliche Geräusch von brechenden Knochen ließ sie sich beinahe übergeben, doch der Griff an ihren Füßen löste sich nicht. Stattdessen kroch er langsam an ihrem Körper hoch, bis sie sich gar nicht mehr bewegen konnte. Etwas unsichtbares hielt sie gefangen und ein bebendes Schluchzen entfloh ihrem Körper. Das Atmen wurde schwieriger und der Geruch von Rauch und Ruß ließ ihr Übel werden.

Plötzlich tauchte in der Dunkelheit ein kleines Licht auf, und voller Hoffnung drehte sie ihren Kopf in die Richtung. Quälend langsam kam es näher. Es war wie ein Sonnenstrahl und das Gefühl völliger Trostlosigkeit und Verzweiflung löste sich irgendwie auf.

Ängstlich, es wieder zu verscheuchen, versuchte sie ihren Atem anzuhalten. Das Licht kam näher und als es sie fast erreicht hatte, veränderte es sich. Grauenvoll verwandelte sich das freundliche Licht in Augen, die sie kalt anblickten.

Gleichgültig wohin du rennst, ich werde dich überall finden, hallte diese Stimme in ihrem Verstand.

Plötzlich materialisierte sich nur eine einzelne Hand. Mit wackelnden Fingern kam sie näher.

Sie versuchte sich von den unsichtbaren Fesseln zu befreien, musste jedoch feststellen das sie sich kaum bewegen konnte. Sie wimmerte leise, als die Hand über ihr Gesicht strich. Als sie zu ihrer Kehle glitt, holte sie tief Luft und tief in ihrer Brust formte sich ein Ton.

Während ihre Augen nie die seelenlosen vor ihr verließen, schaffte sie es schließlich zu schreien.

"Neeiiiiiin!!!!!"

Alice's bekam kaum Luft, und das Herz schlug ihr bis zum Hals. Das T-Shirt, das sie trug, klebte an ihrem Körper und ihr Haar war schweißnass.

Mit weitaufgerissenen Augen versuchte sie die Dunkelheit zu durchdringen. Das durch das Fenster hereinströmende Mondlicht malte die Inneinrichtung des Raumes in weichen Farben und langsam, sehr langsam ihre Umgebung erkennend, ließ sich bebend ausatmend auf die Kissen zurückfallen.

Es war ein Traum. Ein sehr geläufiger, der eine Zeitlang nicht mehr erschienen war. Bis jetzt.

Mit zitternden Fingern schob Alice ihr langes Haar zurück und fragte sich ob sie laut geschrieen hatte. Und falls sie es getan hatte, ob sie irgendjemanden der anderen Hausbewohner geweckt hatte.

Alice zog ihre Knie an und legte sich in die typische fötale Position. Um ihre aufkommenden Tränen zu unterdrücken schloss sie fest ihre Augen. Sie schluckte krampfhaft, da ihre Kehle geschwollen war und schmerzte. Doch egal wie sehr sie es versuchte, sie konnte die Tränen nicht zurückhalten, und sie quollen unter den geschlossenen Augenlidern hervor. An ihrem Gesicht herunterlaufend sickerten sie auf das Bettlaken und verursachten einen ständig wachsenden nassen Fleck auf dem hellblauen Baumwollstoff.

Alice beschloss an etwas anderes, als an diesen Traum zu denken. Doch das erforderte angenehme Gedanken, und wiedereinmal erkannte das junge Mädchen, das es in ihrem Leben nicht viel Erfreuliches gab. Mit Sicherheit nicht genug, um die bösen Geister zu vertreiben.

Weinkrämpfe zermürbten den schmächtigen Körper, und sich müde, verletzt und einsam fühlend, presste Alice ihr Gesicht in das Kissen, um die Töne zu unterdrücken.

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Fiona war durch ein fremdes Geräusch aufgewacht und sie fragte sich kurz ob, sie es geträumt hatte. Alles schien ruhig zu sein und ihre Ohren pickten nur die gewöhnlichen Nachtgeräusche auf. Der Schrei eines Nachtvogels, das Rascheln der Blätter in den Bäumen, das leise Summen der Klimaanlage. Nichts außergewöhnliches. Sie beschloss, das es ein Traum war, und sich auf ihre andere Seite legend kuschelte sich der dunkelhaarige Teenager, entschlossen noch einige Stunden zu schlafen, glücklich in ihr Laken zurück.

Gerade als sie wieder einschlummerte, hörte Fiona ein gedämpftes Geräusch aus dem Zimmer neben dem ihrem, wo Alice untergebracht war. Sie hob ihren Kopf und hörte angespannt zu. Da war es wieder. Für Fiona hörte es sich eindeutig nach Weinen an, und mit sich debattierend was zu tun sein, setzte sie sich sofort auf. Sie wusste, das sich Alice in einer schwierigen Situation befand, und so sehr Fiona dem anderen Mädchen auch helfen wollte, so wusste sie, das sie Gefahr lief das Mädchen zu Tode zu erschrecken. Sie hatte den Blick auf Alice's Gesicht gesehen, als sie vorhin ein paar Witze gemacht hatte. Alice hatte den Eindruck erweckt, als ob sie gleich davonlaufen wollte und Fiona beschloss, sich zurückzuhalten und dem Mädchen ihren Freiraum zu geben, damit sie etwas Zeit hatte, sich einzugewöhnen.

Ihre Mutter zu wecken, damit sie nachsah was los war, kam nicht in Frage. Fiona hatte gesehen wie müde ihre Mutter war und das Letzte was sie wollte, war ihren Schlaf zu stören. Außerdem hatte ihre Mutter ein paar Schmerztabletten genommen und Fiona wusste wie stark ihre Mutter auf derartige Medikamente reagierte. Sie würde völlig benebelt sein.

Mit einem tiefen Seufzer stieg Fiona aus dem Bett und ging zur Tür. Es gab nur noch eine weitere Möglichkeit und sie hoffte nur, das ihr Jody nicht den Kopf waschen würde.

Geschickt verhindernd, das sie gegen irgendwelche Einrichtungsgegenstände krachte, ging Fiona durch den dunklen Flur zur anderen Seite des Hauses. Es war mitten in der Nacht und stockdunkel, doch das durch die Fenster scheinende Mondlicht war ausreichend, um sie den Weg ohne jeglichen Unfall finden zu lassen.

Da anklopfen das ganze Haus alarmieren würde, öffnete Fiona einfach die Tür und ging ins Hauptschlafzimmer. Sie wusste, das Jody und Sam ebenfalls müde waren, und so hatte sie keine Angst, sie bei irgendetwas sehr privatem zu stören. Sie hoffte jedoch, das ihre Schwester nicht zu den Menschen gehörte, die es vorzogen nackt zu schlafen.

Um die, in ihrem Verstand aufkommenden Visionen zu vertreiben schüttelte Fiona schnell ihren Kopf und kicherte leise. Oh Mann, das wäre vielleicht eine Vorstellung...

Auf Zehnspitzen schlich sie zum Bett, und auf die Insassen hinunter schielend musste sie einfach lächeln, als sie die lauschige Szene vor sich sah.

Tief schlafend lag Sam auf ihrem Rücken, mit einem Bein unter der Decke und dem anderen hervorschauend. Ihre linke Hand lag auf ihrem Bauch, während ihr rechter Arm um Jody geschlungen war, die sich mit ihrem Kopf auf Sam's Schulter liegend, und ihrem rechten Arm über dem Bauch der großen Frau drapiert, an Sam gekuschelt hatte.

Völlig erleichtert bemerkte Fiona, das beide Frauen zumindest T-Shirts trugen, wodurch sie sich wesentlich besser fühlte.

Fiona ging ein wenig näher heran und kniete sich neben ihre Schwester hin. Behutsam legte sie eine Hand auf Jody's Schulter und drückte sie. Ihre Schwester war dafür bekannt, das es fast unmöglich war sie zu wecken, und Fiona hatte sich bereits auf eine andauernde, unerbittliche Mission vorbereitet.

Als Jody unmittelbar darauf ihren Kopf drehte und erschrocken anblickte, verlor Fiona ihr Gleichgewicht und landete auf ihrem Hintern.

"Mensch," flüsterte sie empört. "Hast du mich vielleicht erschreckt."

"Fiona?" Fragte Jody verschlafen. "Was machst du hier? Ist mit dir alles in Ordnung?"

Darauf bedacht ihre Geliebte nicht zu wecken, löste sich Jody aus Sam's liebevollen Griff und drehte sich zu Fiona, deren Gesicht im Mondlicht weiß erschien.

"Was ist los?" Wiederholte sie, diesmal ein wenig eindringlicher, da sie sich plötzlich an die Ereignisse der vergangenen Nacht erinnerte.

"Es geht um Alice," flüsterte Fiona, in ihre vorherige Position zurückkrabbelnd. "Ich bin aufgewacht, weil ich glaubte, jemanden schreien gehört zu haben, aber dann dachte ich, das ich geträumt hatte oder so. Doch jetzt weint sie, also..."

Ihre Schwester anstarrend versuchte Jody, die Worte, die ihren vom Schlaf vernebelten Verstand durchdrangen, zu verarbeiten.

"Okay," sagte sie gedehnt während sie sich in eine sitzende Position hochstieß. "Und nun möchtest du, das ich nachsehe. Richtig?"

"Jody, sie hört sich wirklich bemitleidenswert an," erklärte Fiona leise.

"In Ordnung, dann lass uns gehen," flüsterte Jody. "Warte draußen auf mich, ich muss mir noch etwas anziehen."

Fiona runzelte ihre Stirn und wollte gerade etwas dazu sagen, doch Jody's hochgezogene Augenbrauen ließen sie verstummen, und sie spürte wie sie langsam errötete.

"Oh," war das einzige was sie herausbrachte, und sie trat sich geistig in den Hintern, das sie dachte ein T-Shirt wäre eine komplette Bekleidung. Sich eiligst herumdrehend ging sie zur Tür und war dankbar für die Dunkelheit, die ihre Verlegenheit vertuschte.

Kurze Zeit später erschien Jody, ihr vom Schlaf zerzaustes Haar zurückschiebend und gähnend, auf dem Flur. Sie hatte ein T-Shirt und eine kurze Strickhose an.

Trotz der Situation kicherte Fiona leise, was ihr einen humorvollen, jedoch schmerzhaften Kniff ihrer Schwester einbrachte.

"Nicht ein Wort," fauchte Jody. "Oder ich komme, von nun an ungefähr die nächsten zehn Jahre, mitten in der Nacht in dein Schlafzimmer."

Fiona nahm Jody's Hand und drückte sie liebevoll.

"Entschuldige, Schwesterherz. Aber danke, das du dies machst. Ich... ich wusste nicht was ich tun sollte und ich glaube wirklich, das sie sehr traurig ist. Es hört sich an, als ob sie ihr Gesicht im Kissen vergraben hat oder so. Vielleicht hatte sie einen bösen Traum."

"Könnte sein ," stimmte Jody zu. "Nun gut, du hüpfst in dein Bett zurück und ich werde nachher mit dir reden, in Ordnung?"

"Klar," entgegnete Fiona lächelnd, sich des warmherzigen, wohligen Gefühls in ihrer Brust sehr bewusst. Sie umarmte ihre Schwester kurz mit einem Arm und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

"Danke, Erbse."

"Gern geschehen, Rote," erwiderte Jody lächelnd, Fiona's Spitznamen benutzend, der aus der Zeit stammte, als sie während ihrer Kindheit in den Sommermonaten dunkelrotes Haar hatte.

Jody wartete bis Fiona die Schlafzimmertür hinter sich geschlossen hatte und ging dann zu Alice's Zimmertür. Fiona hatte recht. Sogar durch die massive Holztür konnte sie das Schluchzen hören, das scheinbar tief aus ihrem Innersten kam. Und es war offensichtlich, dass das Mädchen versuchte das Geräusch zu dämpfen.

Jody klopfte leise an die Tür und horchte einige Sekunden, doch es kam keine Antwort.

Tief Luft holend beschloss sie den Stier bei seinen sprichwörtlichen Hörnern zu packen, und den Raum betretend schloss sie die Tür mit einen kaum hörbaren Klick hinter sich. Es war klar ersichtlich, dass Alice das Klopfen nicht gehört hatte, und sie wollte auf keinen Fall das bereits verstörte Mädchen erschrecken.

Sich räuspernd fixierten Jody's Augen die zusammengerollte Gestalt auf dem Bett.

"Alice?" Rief sie leise, in der Hoffnung das der Teenager sie hören würde. Und das tat sie auch.

Alice's Kopf schoss hoch und mit angsterfüllten Augen blickte sie zu Jody. Als Jody mit einem besorgten Stirnrunzeln schnell auf sie zuging, machte sie Anstalten vom Bett zu springen.

"Alice, Liebes, ich bin's, Jody. Du brauchst keine Angst zu haben."

Langsam verloren Alice's Augen den gequälten Ausdruck, und als sie ihren nächtlichen Besucher schließlich erkannte, ließ sie ihre Schultern hängen. Sie zog ihre Knie an ihre Brust und wiegte sich langsam vor und zurück.

"Es tut mir leid," murmelte sie, Jody's wissbegierigen Blick ausweichend.

"Was tut dir leid?" Fragte Jody, sich auf den Bettrand setzend. Nah genug, um Alice ansehen zu können, aber weit genug entfernt, um dem Mädchen den Freiraum zu geben, den sie brauchte.

"Das ich sie geweckt habe," antwortete Alice mit vom Weinen heiserer Stimme. Schniefend wischte sie sich mit ihrem Handrücken die Feuchtigkeit von ihren Wangen und rieb ihre verweinten Augen.

Im Augenblick sah sie wie ein verwundbares kleines Mädchen aus, und Jody's Herz ging für sie auf. Sie streckte eine Hand aus und bedeckte die nervös zappelnden Finger.

"Schon gut, Alice," versuchte sie die aufgelöste Jungendliche zu trösten. "Ich vermute, das du schlecht geträumt hast. Willst du darüber reden?"

Jody konnte spüren wie Alice zusammenzuckte und sie befürchtete, dass das Mädchen ihre Hand zurückziehen würde. Sie konnte das Zögern beinahe fühlen, doch nach einem kurzen inneren Disput, hatte Alice anscheinend beschlossen ihre Hand dort zu lassen, wo sie sich befand und entspannte sich etwas.

Alice wusste nicht warum sie das tat. Vielleicht war es Jody's warmherzige, beruhigende Stimme. Oder die wohltuende Berührung der warmen Hand, die soviel Sicherheit verlieh. Vielleicht war es die Dunkelheit, die plötzlich Schutz bot. Jedenfalls verstieß Alice gegen eine ihrer wichtigsten selbstauferlegten Regeln. Sie redete.

"Ich... ich hatte einen Traum," sie schluckte. "Aber das war der erste seit langer Zeit. Gewöhnlich kann ich sie zurückhalten... weil ich... weil ich mir einrede, das es sie nicht gibt."

Jetzt, wo das junge Mädchen nach der sprichwörtlichen Hand griff, wollte Jody sie nicht unterbrechen und biss sich auf ihre Lippe. Doch Alice's einfache Worte und der niedergeschlagene Ton in dem sie gesprochen wurden, erfüllten sie mir einer unsäglichen Traurigkeit.

Alice war fast in dem gleichen Alter wie Fiona. Junge Mädchen sollten zur Schule gehen, mit ihren Freunden herumhängen, ihre Freiheit und Jugend genießen und nicht gegen Dämonen und böse Träume ankämpfen. Sie sollten nicht vor etwas aus ihrer Vergangenheit davonlaufen müssen.

"Es ist... dunkel," fuhr Alice fort. "Und ich bin... alleine an diesem... Ort. Ich weiß nicht was für ein Ort das ist, aber... er ist finster. Dann versuche ich davon wegzukommen und falle auf etwas weiches, und ich rieche Blut und Rauch, so, als ob es brennen würde."

Alice sah auf und warf Jody einen bedauernden Blick zu.

"Ich denke das es... ein... Körper ist, auf den ich gefallen bin," stammelte sie, darum kämpfend die Worte herauszubringen.

Jody drückte ermutigend ihre Hand, und nach einem tiefen Atemzug fuhr Alice tapfer fort.

"Die erschreckendsten Abschnitte sind die... Augen und die Hand," flüsterte sie, und Jody konnte fühlen wie die schlanke Hand zu zittern anfing.

Mit dem Bewusstsein, das sie Alice wieder verschrecken könnte, rutschte Jody näher und schlang ihren freien Arm um Alice's Schulter, um dem erschrockenen Mädchen ein wenig von dem dringend benötigten Trost zu geben.

Sie spürte wie Alice sich versteifte und für einen langen Augenblick befürchtete Jody, das sie zu früh, zu weit gegangen war. Doch dann entspannte sich Alice und Jody seufzte erleichtert aus.

"Es ist... die Augen sind so... fast leblos, völlig leer. Und sie sehen zu mir, und egal was ich auch versuche, ich kann nicht von ihnen wegkommen und..." Alice's Stimme stieg um einige Oktaven, und das Mädchen ein wenig näher ziehend murmelte Jody tröstende Worte zu ihr.

"Und dann kommt die Hand... aus dem Nichts, plötzlich ist sie einfach da... und sie... sie versucht mich zu würgen," schniefte Alice, unbewusst ihren Griff um Jody's Hand straffend. "Zuerst... berührt sie meine Wange... wirklich sanft, doch dann... versucht sie sich direkt um meinen Hals zu legen und... ich... schreie dann und wache für gewöhnlich auf."

Ihren Kopf hängen lassend stieß Alice zitternd ihren Atem aus. Es war schon sehr lange her, dass sie mit jemandem über etwas gesprochen hatte, und nun, da ihr Körper davon ausgelaugt war fühlte sie sich kalt, müde, traurig und sehr einsam.

Wieder traten Tränen in ihre Augen und Alice verstand nicht, warum sie keine Kontrolle über ihre Emotionen zu haben schien. Das war etwas völlig ungewohntes für sie. Ihre beinahe spartanische Art mit ihren Gefühlen umzugehen, hielt sie über lange Zeit am Leben und bewahrte sie davor verrückt zu werden.

Nachdem sie die Geschichte gehört hatte, beschloss Jody zu versuchen mehr über das junge Mädchen herauszufinden.

"Alice, wie lange hast du diesen Traum schon?" Erkundigte sie sich behutsam.

"Sie meinen, wann er angefangen hat?" Erklang Alice's leise Stimme nah bei ihrer Schulter.

"Ja, das meine ich," erwiderte Jody warmherzig.

Alice wollte wirklich mit ihren Schultern zucken und sagen, das sie sich ehrlich nicht daran erinnern konnte, wann diese Träume anfingen ihre Nächte heimzusuchen, doch plötzlich erkannte sie, das die Antwort auf Jody's Frage von großer Bedeutung sein könnte.

"Ich... bin... mir nicht sicher," stotterte Alice, verlegen weil sie nicht fähig war, eine simple Frage zu beantworten.

Es war, als ob Jody ihr Dilemma fühlen konnte und rieb liebevoll über Alice's Rücken. Ein wissendes Lächeln zog sich über Jody's Gesicht, als sich der Teenager unbewusst in die Kontakt lehnte. Doch um den sensiblen Teenager nicht in Verlegenheit zu bringen, machte die rothaarige Frau keine Bemerkung darüber. Stattdessen fuhr sie mit den beruhigenden, kreisenden Bewegungen fort.

Alice spürte die von Jody ausstrahlende aufrichtige Freundlichkeit, und zum ersten Mal... seit Jahren, hatte sie das Gefühl ihren Schutzwall ein wenig hinablassen zu können. Und sie tat es.

Plötzlich konnte Jody spüren, wie sich Alice's Muskeln anspannten, als das junge Mädchen hochschoss und ihr einen völlig erstaunten Blick zuwarf. Ihre Augen trafen aufeinander und Jody sah die Überraschung, Hoffnung und Qual in Alice's klaren Augen, die in dem Mondlicht farblos zu sein schienen.

Alice war überwältigt. Sie konnte die Worte auf ihrer Zungespitze beinahe schmecken. Sie vermochte schwache Rückblenden im hintersten Winkel ihres Verstandes wahrzunehmen, und für einen Augenblick befanden sie sich in ihrer Reichweite.

"Nachdem ich... den... Unfall hatte," ihre Stimme klang, als ob sie träumte und Jody hielt ihre Luft an. "Es war nachts und ich bin gestürzt. Es gab ein Feuer... und Rauch, und ich fiel hin. Ich..." Ihre Augen voller Gräuel weit aufgerissen ergriff sie Jody's Hand, ohne zu realisieren wie schmerzhaft ihr schraubstockartiger Griff war. Ihre Lippen begannen zu zittern und Jody sah, wie Tränen an ihrem kreidebleichen Gesicht herunterkullerten.

"Die Hände... er versuchte mich zu erwürgen und... ich fiel... und... ich hab mir den Kopf angeschlagen."

Alice's ganzer Körper fing heftig an zu zittern und beide Arme um das Mädchen schlingend, gab ihr Jody soviel Trost wie sie nur konnte, und hoffte das sie nicht zu weit gegangen war und eine Erinnerung ausgelöst hatte, für die Alice noch nicht bereit war.

Das blonde Mädchen verbarg ihr Gesicht an Jody's Schulter und hielt sich für ihr liebes Leben an ihr fest.

"Er wollte mich töten," keuchte sie, bevor ihr Körper in sich zusammenfiel und sie ohnmächtig wurde.

"Oh mein Gott," rief Jody.

Sie legte Alice aufs Bett zurück, rannte dann zur Tür und riss sie auf, um danach die Tür zu Fiona's Zimmer aufzustoßen.

"Fi, hol Sam," drängte sie, wissend das ihre Schwester noch nicht schlief. "Etwas stimmt mit Alice nicht."

 

~~~ ENDE - Kapitel 6 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 7 lesen.

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