![]() |
Versäumt bitte nicht die allgemeinen Hinweise in Kapitel 1 zu lesen!
Murrook Farm - Kapitel 8 |
Murrook Farm Kapitel 8
Das Bett war weich und bequem und eine zärtliche Hand schob das schweißfeuchte Haar von ihrer Stirn. Es war eine fremdartige Empfindung, doch es war schön und es half ihr fast in den Schlaf zurückzudriften. Bis sie plötzlich die Erinnerung der letzten Ereignisse schlugen und Alice's schnellte mit angsterfüllten, weit aufgerissenen Augen in eine sitzende Position. Die unerwartete Bewegung der Jugendlichen ließ Jody beinahe aufspringen, und sie schaffte es gerade noch, nicht vom Bettrand zu fallen, wo sie gesessen hatte um das Mädchen im Auge zu behalten. "Was ist passiert?" Fragte Alice, verwirrt klingend. Sich der rasant steigenden Kopfschmerzen bewusst, führte sie eine Hand zu ihrem Kopf. "Du bist ohnmächtig geworden," seufzte Jody, tief Luft holend um ihr rasendes Herz zu beruhigen. "Bin ich das?" Erwiderte Alice stöhnend und fragte sich, ob sie sich nicht noch lächerlicher hätte machen können. Jody's besorgtes Gesicht sehend fühlte sie plötzlich das Verlangen, sich zu entschuldigen. Sie wollte wirklich das der Kummer aus diesen schönen grünen Augen verschwand. "Es tut mir leid," flüsterte sie. "Ich habe das nicht absichtlich gemacht." Alice schwieg kurz und senkte ihre Augen. "Ich möchte keine Belastung sein, also wäre es vielleicht besser, wenn ich..." "Du bist keine Belastung Alice," unterbrach Jody sie, ein wenig strenger als sie beabsichtigt. Alice's erschrockene Augen sehend, ergriff sie ihre Hand und gab ihr einen kurzen, aber freundschaftlichen Druck. "Also denk nicht mal daran, okay? Du bist hier willkommen. Ich weiß nicht, was in deiner Vergangenheit geschehen ist, doch ehrlich, was immer es auch war, es wird das, was wir für dich empfinden nicht ändern. Ich möchte deine Freundin sein, wir möchten deine Freunde sein. Doch für Freundschaft gibt es eine äußerst wichtige Regel in meiner Familie." Jody schwieg kurz und sah in ein Paar verhüllte blaue Augen. Jetzt kommt es, dachte Alice. Die Bedingungen. Die Kombination aus Enttäuschung und hämmernden Kopfschmerzen ließ ihr fast übel werden, und für einen Augenblick wünschte sie sich, auf den Strassen zurück zu sein. Zumindest war das ein Leben, an sie sich gewöhnt hatte, und es war vorhersehbar. Die Menschen würden sie in Ruhe lassen, da nur wenige den Mut hatten, mit sozial Aussätzigen, wie sich ironisch selbst bezeichnete, in Kontakt zu kommen. "Wir halten zu unseren Freunden, egal was für Umstände es auch sein mögen," erzählte Jody der Jugendlichen feinfühlig, und sah wie der eisige Schimmer in diesen blauen Augen langsam schmolz, bis nur noch vollkommene Erleichterung zu sehen war. "Oh... okay," stotterte Alice, sich durch ihre negativen Gedanken leicht verlegen fühlend. "Alice, wir würden uns nie von dir abwenden, nur weil du ein paar... Probleme hast," fuhr Jody beruhigend fort. "Nun ja, wenn du eine Kettensägemörderin wärst, dann könnte es anders aussehen," scherzte sie liebevoll, glücklich ein Lächeln auf dem Gesicht des Mädchens zu sehen. Doch das Lächeln verwandelte sich schnell in einen beunruhigten Ausdruck, und eindeutig Jody's freundlichem Blick ausweichend, senkte sie verstört ihren Blick. "Was…" Alice befeuchtete ihre plötzlich trockenen Lippen, während ihr Herz in ihrer Brust hämmerte. Bilder ihrer Träume kamen ihr wieder in Erinnerung. Der Geruch von Ruß und Feuer, das Gefühl eines Körpers unter ihren Händen, die flehenden Augen von... jemandem den sie, und da war sie sich sicher, einmal kannte. Doch wer war es? "Was, wenn... ich..." sie schluckte heftig und Jody sah wie der schmale Körper vor Entsetzen zitterte. "... jemanden getötet habe? Vielleicht erinnere ich mich deswegen nicht. Vielleicht habe ich es verdrängt," flüsterte sie verzweifelt. Ihre Unterhaltung hatte eine unerwartete Wende genommen, und über Alice's Worte nachdenkend, schwieg Jody einen Moment. Was, wenn Alice recht hatte? Was, wenn das Mädchen... Nein! Jody schlug sich geistig für ihre Gedanken und schüttelte langsam ihren Kopf. Das war unmöglich. Sicher, sie kannte Alice erst kurze Zeit, doch es gab nichts an dem Mädchen das auf eine kriminelle Vergangenheit hindeuten würde. Natürlich konnte sie sich fruchtbar irren, doch Jody war ein Mensch der für gewöhnlich seinen Instinkten folgte. Und da sie mit ihrem Instinkt noch nie falsch gelegen hatte beschloss sie, ihren Gefühlen zu folgen und abzuwarten wohin sie sie führen würden. "Alice, da du dich nicht an die Vergangenheit erinnern kannst verstehe ich, das du dir über die Bedeutung deiner Träume Sorgen machst, doch hör mir zu, okay?" Sagte Jody leise, doch energisch. "Ich kenne dich erst seit kurzem, doch einige Dinge weiß ich bereits über dich. Erstens, du hast meine Mutter vor diesen zwei Dieben gerettet. Das war eine mutige und selbstlose Handlung von dir. Für mich bedeutet das, dass du ein guter, ehrlicher Mensch bist. Du hättest dich umdrehen und verschwinden können, doch das hast du nicht getan. Es war dir nicht egal was meiner Mom geschieht. Und das sagt mir eine Menge über dich, Alice. Irgendwie kann nicht glauben, das ein Mörder das Gleiche getan hätte. Du etwa?" Jody blickte auf Alice's gebeugtem Kopf, und nach kurzer Zeit sah sie, wie das Mädchen langsam ihren Kopf schüttelte. "Noch eine Sache, ich habe festgestellt das du sehr bescheiden zu sein scheinst. Du hattest diesen schlimmen Traum erleben müssen, und dann machst du dir Sorgen darüber eine Belastung für uns zu sein. Ich glaube nicht, das böse Menschen so bescheiden und rücksichtsvoll sein würden, Alice. Also, wenn du mich fragen würdest, ob du für den Tod eines anderen verantwortlich wärst, dann würde ich Nein sagen. Das glaube ich nicht." Jody's liebevoll gesprochene Worte schienen einen Ort im Inneren von Alice zu berühren, einen Ort der für sehr lange Zeit leer und kalt gewesen war. Es war ein verborgener Teil von ihr, der von Unsicherheit, Verzweiflung, Schuld und Scham erfüllt war. Eine Ansammlung von Gefühlen die sie versuchte zu ignorieren, die es doch immer wieder schafften sich mitten in der Nacht in ihre Träume zu schleichen. Gewöhnlich geschah dies dann, wenn sie zu erschöpft war gegen ihre dunklen Gedanken und bruchstückhaften Erinnerungen anzukämpfen. Wenn sie sich gegen die Dämonen ihrer Alpträume nicht mehr verteidigen konnte. Jody's mitfühlende Worte brachten einen Hoffnungsstrahl und Alice konnte die davon ausstrahlende Wärme spüren. Es war, als ob sich liebevolle Hände für eine heilbringende Berührung vorsichtig ausstreckten. Ganz vorsichtig, um sie nicht zu verscheuchen oder zu erschrecken. Es war eine Empfindung die sie nicht gewohnt war und die dadurch entstandene Hoffnung verblüffte sie. Jemand glaubte an sie. Andererseits brachte es aber auch den Schmerz zurück, den sie solange Zeit verdrängen wollte. Es war, als ob eine riesige Woge auf sie zugerollt kam, und egal was Alice auch machte, sie konnte sich dem nicht entziehen. Instinktiv streckte sie ihre Hände nach Jody aus, schloss ihre Augen und ließ sich von den atemraubenden Empfindungen überrollen. Jody ergriff die tastenden Hände und spürte wie sich Alice's Finger mit einem schmerzhaften Griff um ihre schlossen. Sie zuckte zusammen, doch schaffte es nicht zu stöhnen, da sie nicht wollte, dass sich Alice noch schlechter fühlte als sie es bereits tat. Sie spürte Alice's heiße Tränen auf ihrem Handrücken und für einen Moment schloss Jody ihre Augen. Ihr Einfühlungsvermögen veranlasste sie einen Teil des Schmerzes, den die Jugendliche durchmachte, mit ihr zu teilen. Während einer kurzen Unsicherheit fragte sie sich ernsthaft, ob sie der gepeinigten Jugendlichen wirklich helfen konnte. Doch dann erinnerte sich Jody an die Worte ihres Schwiegervaters bei seiner Rede auf ihrer Hochzeit: "Mädchen, ich könnte ein Spielverderber sein und diesen vollkommenen, glücklichen Tag mit einer langen Rede, darüber wie eine funktionierende Beziehung zu bewerkstelligen ist, ruinieren. Doch das werde ich nicht, da es in der Tat sehr einfach ist. Lasst euch von der Liebe leiten. Liebe wird euch helfen Dinge wie Stolz, Fehler und Unsicherheiten zu überwinden. Liebe ist eine nicht zu unterschätzende Kraft. Bezweifelt niemals, das Liebe die stärkste Macht auf der Welt ist." Jody spürte, wie ihr warm ums Herz wurde, und lächelte. "Danke, Dad." Ihr ausgezeichnetes Gehör vernahm wie sich eine Tür schloss und erleichtert erkannte Jody, dass Sam zurück war und vermutlich Trishia mitbrachte, die vielleicht wusste was zu tun war. Obwohl sich ihre anfängliche Panik und Besorgnis in eine ruhige Entschlossenheit verwandelt hatte, wollte sie für Alice da sein und dem Mädchen helfen indem sie ihm Geborgenheit und Freundschaft gab. Trotzdem brauchte Alice wahrscheinlich professionelle Hilfe, die hoffentlich wusste wie man ihre Erinnerungen zurückholen und ihr bei ihren Alpträumen und schwierigen Gemütsbewegungen half. Leise Stimmen in der Küche sagten Jody, dass Sam mit Fiona sprach und sie fragte sich, ob sie Alice einen Moment allein lassen konnte um von Sam zu erfahren was Trishia gesagt hatte. Doch sie verwarf diese Idee als sie zu Alice's immer noch gesenkten Kopf blickte. Es war offensichtlich das Alice litt, und nachdem sie ihr Vertrauen gewonnen hatte, wollte Jody sie nicht alleine lassen. Nicht während sie noch immer erschüttert war. Anstatt also Alice zu verlassen rückte sie ein wenig näher an sie heran. Ohne ihre Hände loszulassen legte sie ihre Wange gegen eine Strähne des weichen blonden Haares und lächelte als das Mädchen seinen Kopf an ihre Schulter legte und dabei mit den immer noch fließenden Tränen Jody's T-Shirt durchnässte.
"Danke Fiona, das war eine großartige Idee," lobte Sam das Mädchen, als sie in die Küche zurückkam und den dampfenden Tee sah. "Davon brauche ich nun eine Tasse." "Kommen Trishia und Lucy auch?" Erkundigte sich Fiona während sie ein paar Tassen auf den Küchentisch stellte. Sie blickte zu Sam und sah den leicht konfusen Gesichtsausdruck der großen Frau. "Mach dir keine Gedanken, ich weiß alles über das kaputte Wasserrohr," erklärte Fiona trocken und sah wie Sam's Gesichtsausdruck noch verwirrter wurde. "Jody hat es mir erzählt." "Oh... ähm... hat sie das? Nun... ja. Gut," stotterte Sam, ohne im geringsten zu wissen wie sie auf den wissbegierigen Blick des Teenagers reagieren sollte. Innerlich zuckte sie zusammen, sie wusste wie schwer es für Jody gewesen sein musste eine plausible Erklärung für Trishia's und Lucy's Anwesenheit im Gästehaus zu finden. Obwohl ihre Lebensgefährtin eine sehr lebhafte Phantasie hatte, so wusste Sam doch, dass sie eine miserable Lügnerin war. Doch die blonde Frau brauchte nicht lange um ihre Fassung wieder zu erlangen. Sie nahm mit einem dankbaren Lächeln die Tasse mit dem dampfenden Tee entgegen, lehnte sich lässig gegen die Arbeitsplatte und erwiderte Fiona's durchdringenden Blick mit einer hochgezogenen Augenbraue. "Muss echt schrecklich sein, nach Hause zu kommen und die Wohnung überflutet vorzufinden," erwiderte sie trocken, während sie an ihrem Tee nippte. "Darauf wette ich," antwortete Fiona, das Ganze gründlich genießend. "Sie müssen ziemlich erschüttert gewesen sein." "Nun ja, du kennst Trishia sie ist recht sachlich, also..." "Ja, klar, ich vermute das ist sie," stimmte Fiona zu, sich selbst eine Tasse Tee eingießend. "Sie tun mir leid. Ich weiß wie müde sie waren als sie von hier fortgingen und sie müssen sich wirklich auf ihr Bett gefreut haben." Fiona konnte das Vergnügen in ihrer Stimme nicht verbergen und aus ihren Augenwinkeln konnte sie sehen, wie Sam sie mit ihren klaren, blauen Augen äußerst misstrauisch betrachtete. Dieser Blick brachte sie fast zum Kichern, doch sie beschloss das Spiel so lange als möglich durchzuhalten. "In ein solches Chaos nach Hause zu kommen und dann gezwungen sein, den ganzen Weg hierher zurückzufahren..." Sie hielt inne und wartete auf Sam's Reaktion, die völlig gleichgültig dreinschaute. Doch Fiona kannte Sam besser und als sie das Funkeln in ihren Augen sah wusste sie, dass ihre Schwägerin auf das Spiel eingegangen war. "Was für ein Aufstand, Lucy's Wohnung wäre viel näher und günstiger gewesen," schaffte sie zu erwidern ohne Lachen zu müssen. Sam nahm noch einen Schluck von ihrem Tee, während sie mit ihren blauen Augen die dunkelhaarige Jugendliche betrachtete, die am Küchentisch sitzend, eisern versuchte, einen unschuldigen Eindruck zu machen. Bedächtig nickend ging Sam auf sie zu, stellte ihre Tasse auf den Tisch, und sich mit ihren Händen auf die glatte Oberfläche abstützend beugte sie sich zu Fiona herunter, die keinerlei Anzeichen von Unbehagen zeigte. Stattdessen spiegelte sich in ihren dunkelgrünen Augen das nun aufflackernde Vergnügen in Sam's Augen. "Weißt du Fiona McDonnell, das du zu schlau für dein eigenes Wohl bist? Ich hoffe, du hast Jody nicht in Verlegenheit gebracht, weil sie das nicht verdient wie du weißt." "Nein, das habe ich nicht," entgegnete Fiona. "Du weißt, was für eine lausige Lügnerin sie ist, ich hab ihre kleine Story sofort durchschaut. Doch Jody hat mir versprochen, sobald sie dazu in der Lage ist, zu erzählen warum Trishia und Lucy hier sind. In der Zwischenzeit halte ich einfach meine Augen und Ohren offen. Ich nehme an, das dies nichts schaden wird, oder?" "Ich denke nicht," murmelte Sam, nicht wissend, ob sie sich über Fiona's Verhalten amüsieren oder ärgern sollte. Doch dann wurde ihr klar, dass, obwohl Fiona erst fünfzehn war, sie gelegentlich bewiesen hatte sehr erwachsen zu sein. Wie sie sich bei der Geiselnahme vor einem Jahr in Megan's Haus verhalten hatte war sehr eindrucksvoll gewesen, und da war sie erst vierzehn. Außerdem kannte Sam das Mädchen gut genug um zu erkennen, dass Fiona, solange man aufrichtig zu ihr war, sehr zuverlässig und vertrauenswürdig sein konnte. Also beschloss sie die Situation mit Trishia zu besprechen und die Polizistin zu bitten, Fiona über die Vorgänge zu informieren. Wenn der Teenager die Wahrheit kannte, könnte sie bei ihren Bemühungen Alice zu schützen, eine großartige Verbündete sein. "Hör mal, Fi. Ich werde mit Trish darüber reden, einverstanden? Meiner Meinung nach ist es eine gute Idee dich zu informieren, aber..." "Es handelt sich wahrscheinlich eine Polizeisache und du brauchst eine Erlaubnis," fügte Fiona mit einer Scharfsinnigkeit hinzu, die Sam immer wieder in Erstaunen versetzte. "Genau," erwiderte die große Frau und schmunzelte als sie Fiona's schelmisches Grinsen sah. "Du bist ein richtiger Klugscheißer! Ich verspreche, dass ich mein Bestes tun werde, o.k.? Aber ich habe eine Bitte. Mach in der Zwischenzeit bitte das, was ich dir gesagt habe!" Fiona wollte eine witzige Bemerkung machen, doch als sie zu Sam blickte sah sie den ernsten Blick in diesen strahlend blauen Augen, und ihre Bemerkung herunterschluckend nickte sie schweigend. Überraschend beugte sich Sam hinunter und drückte ihr schnell einen Kuss auf die Wange. "Danke Fi," seufzte sie. Wissend, dass Jody's Schwester ihr Versprechen halten würde. Der Teenager konnte zuweilen nerv tötend und dickköpfig sein und oft so von sich selbst überzeugt, das es beinahe arrogant war, doch Sam wusste, dass sie auch ein mitfühlender Mensch war, der sich eher seinen rechten Arm abbiss, als ihre Familie zu verletzen oder zu enttäuschen. Das galt besonders für ihre älteste Schwester. Fiona wurde eine Antwort erspart, weil sich die Tür öffnete und eine erschöpft aussehende Trishia und eine verschlafene Lucy die Küche betraten. Lucy's lange dunkle Haare sahen untypisch zerzaust aus und sie trug ihr T-Shirt mit der Innenseite nach außen. Es war die perfekte Munition für eine wundervolle Neckerei, doch Fiona kniff ihre Lippen zusammen und beschloss beherzt es sein zu lassen. Stattdessen füllte sie schweigend noch zwei weitere Tassen mit dampfend heißem Tee. Als sie eine vor Lucy stelle und die andere der noch stehenden Trishia reichte, blinzelte ihr Sam dankbar zu. Fiona lächelte zurück und beschließend sich unsichtbar zu machen, um so viel wie möglich zu erfahren, setzte sie sich schnell auf ihren Stuhl. "Danke Fi, das hab ich gebraucht," murmelte Lucy, die Nase in ihre Tasse vergrabend und den Duft mit einem genießerischen Stöhnen inhalierend. Trishia sah lächelnd zu der dunkelhaarigen Jugendlichen, und trotz ihrer Müdigkeit arbeite ihr Gehirn auf vollen Touren und sie fragte sich wie viel Fiona bereits wusste und was sie noch preisgeben sollte. Erneut lastete die Verantwortung für die Sicherheit von Lucy's Familie schwer auf ihren Schultern und Trishia war klar das sie sich keinerlei Fehler erlauben durfte. Sie hatte sie schon einmal beschützen können. Aber schaffte sie es wieder? Es war, als ob Sam ihre Gedanken lesen konnte, weil plötzlich eine starke Hand ihre Schulter ermutigend drückte. Als sie aufblickte sah sie direkt in ein paar wissende blaue Augen, die sie vertrauensvoll und mitfühlend ansahen. Und auch wenn Sam keine Polizistin war, so wusste Trishia, dass sie sich darauf verlassen konnte, dass die Frau ein wachsames Auge auf ihre Lieben haben würde. Sam hatte schon vorher Klugheit, Stärke und Mut bewiesen. Und plötzlich spürte Trishia wie ein Teil der Last von ihren Schultern fiel. Sie hatte die Unterstützung einer ganzen Polizeitruppe, von ihrem Partner Peter wusste sie, dass er für sie durch die Hölle gehen würde. Und sie hatte Sam, die eine ihrer besten Freundinnen geworden war und die zuverlässig und unerschütterlich wie ein Fels war. Trishia holte tief Luft und ihre Schultern straffend warf sie ein dankbares Lächeln zu Sam. Sie konnten es schaffen. Egal was auch geschah, zusammen konnten sie ihre Familien beschützen. "Eigentlich könnte ich Jody und Alice auch eine Tasse Tee bringen?" Schlug sie vor. "Ich bin mir sicher, dass sie einen vertragen könnten." Nickend goss Sam die aromatische Flüssigkeit in zwei weitere Tassen und reichte sie Trishia auf einem kleinen Tablett. "Ich bleibe hier. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll wäre Alice mit einem Aufmarsch zu überfallen." "Danke Sam," erwiderte Trishia lächelnd während sie das Tablett nahm und ihre Tasse ebenfalls drauf stellte. Gerade als sie die Küche verlassen wollte, stoppte sie Fiona's Stimme. "Die letzte Tür auf der linken Seite," bemerkte der Teenager hilfsbereit. "Außer du willst Mom zu Tode erschrecken." "Danke Fi," kicherte Trishia, ging aus der Küche hinaus und verschwand auf dem Flur. "Mom schläft noch?" Fragte Lucy. "Unfassbar." "Sie hatte einen schweren Tag," erwiderte Fiona gähnend. "Hast du das nicht bemerkt, dass sie nach dem Essen kaum ihre Augen offen halten konnte?" Noch einen Schluck Tee trinkend murmelte Lucy etwas stupides. Sie wollte es ihrer jüngeren Schwester nicht eingestehen, doch sie hatte die Müdigkeit ihrer Mutter nicht bemerkt. Sie hatte deswegen Schuldgefühle, doch dies ausgerechnet Fiona gegenüber zuzugeben wäre nicht sehr klug. Ihre jüngste Schwester würde sie mit Sicherheit ein Leben lang daran erinnern. Fiona sah vorwitzig zu Lucy und zuckte dann mit ihren Schultern. Manche Dinge änderten sich nie und Lucy hatte schon immer Schwierigkeiten mit dem Wach werden.
Vorsichtig, um den heißen Tee nicht zu verschütten, öffnete Trishia die Tür. Jody anlächelnd sah sie sich nach einem Platz um, wo sie ihr Tablett abstellen konnte. Jody zeigte zum Nachttisch und stieß einen zufriedenen Seufzer aus. "Danke Trish, du bist die Beste," sagte sie lächelnd. "Dank nicht mir," wandte Trishia ein. "Dank deiner Schwester, sie hat ihn gemacht. Ich bin nur die Lieferantin." Aus dem Augenwinkel konnte Trishia sehen, dass sich das Mädchen verspannte, sobald sie den Raum betrat. Ihre blauen Augen schweiften hektisch zwischen Trishia und Jody hin und her, und ihre Gesichtszüge nahmen einen misstrauischen Ausdruck an. Jody hatte ebenfalls Alice's Veränderung bemerkt. Als Trishia den Raum betrat fühlte sie wie Alice ihre Hand scherzhaft drückte. Und ihr Körper der sich schließlich ein wenig entspannt hatte, versteifte sich wieder. Jody konnte es durch das Muskelspiel in Alice's Armen spüren. Sie fragte sich warum die große Polizistin einen solchen Effekt auf die Jugendliche hatte. Trishia war, ihrer Meinug nach, immer freundlich zu Alice gewesen. Ihrer Erachtens nach gab es für Alice keinen Grund Trishia zu fürchten. Vielleich lag die Ursache in etwas, dass in der Vergangenheit geschehen war. Wahrscheinlich hatte Alice schlechte Erfahrungen mit dem Gesetzesvollzug gemacht. Alice wurde sich bewusst, dass sie noch immer Jody's Hand drückte, und obwohl die Frau mit den grünen Augen keinerlei Anzeichen von Unbehagen zeigte, wusste Alice, dass der schraubstockartige Griff weh tun musste. Sie ließ schnell los und blickte entschuldigend zu Jody. Dessen ungeachtet lächelte Jody und tätschelte liebevoll Alice's Rücken. "Sie weiß es," dachte Alice, während sie spürte wie sich aus dem innersten ihrer Seele eine tiefe Traurigkeit ausbreitete. "Jody weiß, dass ich vor Trishia angst habe. Verdammt. Warum muss ich immer alles falsch machen?" Alice senkte ihren Blick, damit sie weder Jody noch Trishia ansehen musste. Mit ihren Fingern zeichnete sie nervös Kreise auf dem Baumwolllaken. "Hier Alice, trink etwas Tee," erklang plötzlich Jody's sanfte Stimme. Alice nahm die Tasse, die ihr Jody reichte, und bemerkte erst dann wie heftig ihre Hände zitterten. Jody's schnelle Reaktion verhinderte, dass der heiße Tee überschwappte und ihre nackten Beine unter dem Baumwolllaken verbrühte. Beschämt senkte Alice ihren Kopf und Trishia und Jody konnten hören wie ein leises, doch herzzerreißendes Schluchzen von dem schmalen Körper kam. Schwer schluckend schloss Jody für einen kurzen Augenblick ihre Augen. Es wäre für Alice nicht gut sie weinen zu sehen, doch ihr Herz ging für das junge Mädchen auf, dass in ihrem Leben bereits so viel schlimmes ertragen musste. Sie warf einen fragenden Blick zu Trishia, welchen die große Frau mit einem schwachen Lächeln beantwortete. Trishia überlegte angestrengt wie sie weiter vorgehen sollte. Sie fühlte sich für Alice verantwortlich und fragte sich kurz, ob das Mädchen mitzunehmen und zur Murrook Farm zu bringen letztendlich eine so gute Idee war. Doch der Gedanke an einen freilaufenden Mörder, der möglicherweise nach Alice suchte, überzeugte sie schnell, dass ihre Entscheidung richtig war. Es war offensichtlich, dass Alice ihr aus irgendeinem Grund nicht traute. Jedesmal wenn Trishia in die Nähe des Mädchens kam, änderte sich ihr Verhalten. Sie verspannte sich sichtbar, brachte kein Wort mehr heraus oder wurde schroff und abweisend. Dessen ungeachtet war sich Trishia der Verantwortung gegenüber dem Mädchen bewusst und sie wollte ihr wirklich helfen. Doch es war klar, dass sie zuerst das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen musste. Bis dahin musste sie sich auf Sam und ganz besonders auf Jody verlassen, da diese die einzige zu sein schien, die an das Mädchen herankam. Eine Entscheidung getroffen, blickte Trishia mit einer ruhigen Entschlossenheit zu Alice's gebeugtem Kopf. Egal wie oft das Mädchen sie zurückweisen würde, sie würde alles in ihrer Macht stehende tun, um das Mädchen zu beschützen. "Ich weiß, dass du mir nicht vertraust Alice, Ein anderer Teil von Alice versuchte ihr rasendes Herz zu beruhigen, während eine sanfte, beruhigende Stimme in ihrem Hinterkopf ihr immer wieder sagte, dass es nicht Trishia's Schuld war. Die Frau wollte nur helfen. So wie Jody. Und Sam. Und Joan und Fiona. Ein anderer Teil von Alice versuchte ihr rasendes Herz zu beruhigen, während eine sanfte, beruhigende Stimme in ihrem Hinterkopf ihr immer wieder sagte, dass es nicht Trishia's Schuld war. Die Frau wollte nur helfen. So wie Jody. Und Sam. Und Joan und Fiona. " brach ihre leise Stimme die Stille. "Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich eine Polizistin bin oder etwas anderes der Grund dafür ist. Ich bin hier um dir zu helfen und…" "Sie wollen mich nur zurückschicken," unterbrach Alice sie. Ihre Stimme war eine Mischung aus Wut, Traurigkeit und Verzweiflung. "Ihr seid alle gleich." "Wohin zurückschicken, Alice?" Fragte Trishia. Alice ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie konnte spüren wie die Wut in ihr aufstieg. Es war intensiv und brodelnd und sie hatte das Gefühl jeden Moment zu explodieren. Ein Teil von Ihr wollte das. Es wäre solch eine Erleichterung aufzuspringen und die Polizistin anzuschreien, dass sie sie in Ruhe lassen sollte. Sich um ihren eigenen Kram kümmern und anderen Leuten die gute Polizistin vorspielen, die es womöglich glaubten. Ein anderer Teil von Alice versuchte ihr rasendes Herz zu beruhigen, während eine sanfte, beruhigende Stimme in ihrem Hinterkopf ihr immer wieder sagte, dass es nicht Trishia's Schuld war. Die Frau wollte nur helfen. So wie Jody. Und Sam. Und Joan und Fiona. Alice konnte spüren wie die Woge negativer Energie langsam abebbte und ihr Körper sich unbewusst entspannte. Sie wusste, dass es nicht Trishia's Schuld war. Aber aus irgendeinem Grund war die Gegenwart der großen Polizistin für sie schwer zu ertragen, und Alice wusste nicht warum. Wenn sie sich nur erklären könnte warum Trishia diesen Effekt auf sie hatte. "Du magst mich nicht Alice, oder?" Unterbrach Trishia ihre Grübeleien. Es war eher eine Aussage als eine Frage. Und in Trishia's Stimme war weder Vorwurf oder Wut, nur eine freundliche Gelassenheit zu erkennen. Es hatte die gewünschte Wirkung, weil die Jugendliche ihre Schultern hängen ließ und Alice spürte wie ihre Wangen langsam erröteten. "Nein," antwortete das Mädchen schließlich und fügte dann kaum hörbar hinzu: "Entschuldigung." "Keine Sorge," erwiderte Trishia. "Du musst mich nicht mögen. Ich verstehe das du böse auf mich bist, weil ich dich Dinge tun lasse die du nicht magst. Und ich weiß, dass es billig klingt, aber ich bin um dich besorgt. Ein Mädchen deines Alters, ohne eine Bleibe, sollte nicht durch die Straßen stromern. Das ist nicht sicher." Einen Schluck von ihrem Tee nehmend betrachtete Trishia den immer noch hängenden Kopf von Alice. Es war schwer zu sagen welchen Einfluss ihre Worte hatten, aber die Körpersprache des Teenagers gab Trishia den Hinweis, dass sie zumindest zuhörte. "Ich bin heute Morgen nicht mit der Idee aufgestanden ein Kind von der Straße zu holen und es zu Tode zu ärgern. Durch den Raubüberfall haben sich unsere Wege gekreuzt und nun Alice, bin ich für dein Wohlergehen verantwortlich. Ich weiß, dass es dir nicht gefällt, aber es ist nun einmal so. Alles um was ich dich bitte ist, meine Fragen bestmöglich zu beantworten. Wir müssen keine Freundinnen werden, aber eine kultivierte Zusammenarbeit wäre nett." Trishia nahm einen weiteren Schluck Tee und gab Alice einen Augenblick, um ihre Worte zu verdauen. "Ich kann mich nicht an viel erinnern," antwortete Alice schließlich. Diesmal enthielt ihre Stimme keinerlei Feindseligkeit. "Ich weiß," erwiderte Trishia. "Wir werden mit den Dingen arbeiten an die du dich erinnern kannst und gehen von da aus weiter. Es ist auch erstaunlich wie viel uns Träume manchmal erzählen können." Alice blickte kurz zu Trishia und für einen Augenblick trafen sich ihre Augen. In dem Blick der Polizistin war nur ehrliche Besorgnis und augenblicklich fühlte sich Alice erleichtert. Irgendwie wusste sie, dass Trishia sie nicht bedrängen würde. "Ich denke, dass es schwer für dich ist mir etwas über deine Albträume zu erzählen," sagte Trishia, und warf Jody schnell ein Lächeln zu. "Aber wenn es dir recht ist, dann könnte mir Jody vielleicht später darüber erzählen." Trishia wusste, dass sie Alice's Zustimmung nicht brauchte. Aber sie wollte dem Mädchen das Gefühl geben, dass ihre Meinung wichtig war und begreifen, dass Trishia sie nicht unfair behandeln würde. Alice schnaubte leise und als sie wieder aufblickte konnten beide, Trishia und Jody einen Hauch von Belustigung in ihren Augen sehen. "Sie würden sie auf jeden Fall dazu bringen es ihnen zu erzählen." Zufrieden mit Alice's unerwartet gezeigtem Humor, lächelte Trishia. Es war offensichtlich, dass das Mädchen intelligent war und auch schlagfertig sein konnte. "Das könnte ich," gab Trishia grinsend zu. Froh darüber das etwas von der vorherigen Anspannung verschwunden war. "Aber mir liegt viel an deiner Zusammenarbeit." "Ich… es ist nur, dass… es ist schwer," stotterte Alice. "Meine Träume sind nicht direkt… also normal, verstehen sie?" "Ich verstehe, dass es dir schwer fällt darüber zu reden. Geht es in Ordnung wenn Jody nachher mit mir darüber redet?" Alice blickte nicht auf, aber Trishia sah wie der blonde Kopf nickte und insgeheim gratulierte sie sich für diesen klitzekleinen Erfolg. "Fein. Gibt es irgendetwas, das ich im Augenblick für dich tun kann, Alice? Du sollst wissen, dass ich am Morgen unsere Psychologin anrufen und einen Termin ausmachen werde. Ich denke, dass es eine gute Idee ist mit ihr zu reden." "Ich brauch keinen… Psychologen," murmelte Alice, nicht gerade überzeugt klingend. "Ich weiß, dass ich dich dazu nicht zwingen kann, ich bitte dich nur, dich einmal mit ihr zu treffen. Dann kannst du selbst entscheiden. In Ordnung?" Schulterzuckend biss sich Alice auf ihre Lippe. Sie wollte sich weigern. Die Vorstellung einen Fremden in ihren Kopf sehen zu lassen erschreckte sie. Doch Trishia hat ihr versprochen, das sie sie nur einmal sehen musste. Also sollte sie vielleicht mit dem Strom schwimmen und es einfach tun. Einmal. "Okay," murmelte sie schließlich. "Danke," sagte Trishia leise und lächelte zu Jody bevor sie den Raum wieder verließ.
Jody starrte auf den leeren Fleck, wo gerade noch Trishia gestanden hatte. In ihrem Kopf drehte sich alles. Der Mangel an Schlaf kombiniert mit dem Stress, Besorgnis und eine Millionen verschiedener Gedanken machten es schwer nachzudenken. Also beschloss sie es nicht zu tun. Zuerst musste Alice versorgt werden und danach musste sie selbst etwas von dem dringend benötigten Schlaf bekommen. Jody's Gedanken drifteten zu Sam, und als sie spürte wie sich eine vertraute Wärme in ihrem Körper ausbreitete, lächelte sie unwillkürlich. Obwohl sie nicht im selben Raum waren konnte Jody beinahe ihre Gegenwart fühlen. Als sie ihre Augen schloss spürte sie wie Sam ihre Arme um sie schlang und an sich zog. Ihr immer ein heimisches Gefühl, Liebe und Trost gebend. Sie war in Sam's Armen geborgen. Schlagartig erkannte Jody, das Alice das nicht hatte. Da gab es Niemanden der ihr Trost geben konnte. Der ihr zuhören würde. Niemand der ihr ein Schulter zum Anlehnen bot, oder ihr hilfreich zur Seite stand. Niemanden. Nichts dergleichen. Während Jody auf den blonden Kopf herabblickte spürte sie, wie Tränen in ihre Augen traten, als sie erkannte wie einsam das Mädchen gewesen sein muss. Und wahrscheinlich noch war. Ihre Gedanken drifteten zu Trishia's Geschichte über den Mörder und das vermutlich Jemand versuchte Alice zu verletzen. Sie konnte nicht aufhören an die… Was und wenn's? …zu denken. Was, wenn ihre Mutter nicht versucht hätte dem Mädchen zu helfen? Alice wäre nicht in dem Park vor dem The Reef gewesen, als ihre Mutter überfallen wurde. Sie wären sich niemals begegnet und der Mörder wäre vielleicht im Stande gewesen Alice zu verletzen. Oder etwas noch schlimmeres. Jody spürte wie ein Schauer am Kreuz herunterlief und streckte ihren Arm aus um liebevoll Alice's Rücken reiben. So als ob sie diesen Kontakt brauchte um sich selbst zu vergewissern, das die Jugendliche in Sicherheit war. Das ihr nichts zugestoßen war. Aber was, wenn es doch geschehen wäre? Würde jemand um Alice weinen? Das langsame Reiben ihres Rückens hatte auf Alice eine beruhigende Wirkung und sie spürte, wie ihre Augen schwer wurden. Der Tag hatte sie ermüdet, der Albtraum und der emotionale Ausbruch hatten sie erschöpft. Alice versuchte ein Gähnen zu unterdrücken, doch scheiterte miserabel, was Jody zum Lächeln brachte. "Glaubst du, dass du wieder einschlafen kannst?" Fragte sie leise, eine Haarsträhne von Alice's Stirn schiebend, ohne zu merken was sie da tat. Die freundliche Geste ließen beinahe wieder Tränen in Alice's Augen treten, doch die Jugendliche schaffte es sie zurückzuhalten. Geistig schlug sie sich, fast wieder ihre Beherrschung verloren zu haben und fragte sich was mit ihr nicht stimmte. Normalerweise würde Alice versuchen ihre mangelnde Selbstkontrolle zu analysieren, doch jetzt war sie einfach zu erschöpft. Ihr Körper wurde schwer und sie wollte nur noch schlafen. "Leg dich schlafen Alice," bemerkte Jody lächelnd, als sie sah wie sich die Jugendliche auf das Kissen sinken ließ. Dunkle Wimpern zuckten, als Alice versuchte ihre Augen offen zu halten, doch es war ein aussichtsloser Kampf. Schwer seufzend schloss sie schließlich ihre Augen und Jody beobachte wie das Mädchen in einen tiefen Schlaf fiel. Innerhalb kürzester Zeit atmete Alice tief und gleichmäßig, und als Jody sich von der Bettkante erhob bewegte sich Alice noch nicht einmal. Bedacht darauf keinem Lärm zu machen sammelte Jody die Tassen und das Tablett ein, und schaltete dann die Nachttischlampe aus. Kein Licht brauchend um den Weg zu finden ging Jody leise zur Tür. Bevor sie die Tür zum Schafzimmer schloss warf sie einen letzten Blick auf das friedlich schlafende Mädchen. "Schlaf gut, meine Süße," flüsterte sie. "Ich verspreche dir, dass wir alles tun werden, um dich zu beschützen."
"Ich werde alt," murmelte Lucy, während sie und Trishia zu ihrem kleinen Gästehaus zurück gingen. "Es gab Zeiten, da hatte ich noch Energiereserven, wenn ich nach einer durchgefeierten Nacht im Morgengrauen nach Hause kam. Doch im Moment fühle ich mich wie ein ausgewrungenes Geschirrtuch." Trishia warf einen Blick zur Seite und lächelte. Die Dunkelheit der Nacht verblasste und der schwarze Himmel verwandelte sich in ein dunkles Grau, während ein leichtes rosa am Horizont den Sonnenaufgang verkündete. Nicht mehr lange und ein neuer Tag brach an. "Nun ja, ich kann dich beruhigen," erklang Trishia's leise, raue Stimme. "Du siehst nicht wie eins aus." "Prima," seufzte Lucy, während sie ihren Arm ausstreckte und Trishia's Hand ergriff. Sie blickte zu der großen Frau auf und erwiderte das ihr zugeworfene Lächeln. "Naja, Polizeihauptmeister Waters, wir sollten den Hügel hinauf wandern und den Sonnenaufgang beobachten." "Oh mein Gott, Miss McDonnell," erwiderte Trishia mit vorgetäuscht schockierter Stimme. "Bist du eine verkappte Romantikerin?" "Du weißt, das ich eine bin," schnaubte Lucy, blieb stehen und ihre Arme um Trishia's Taille schlingend vergrub sie ihr Gesicht an einer muskulösen Schulter. "Kannst du dich nicht mehr an unseren ersten Kuss erinnern?" "Aber ja, das tu ich," antwortete Trishia heiser, nun ohne den scherzhaften Tonfall. "Wie könnte ich das jemals vergessen?" "Es war so bezaubernd," murmelte Lucy verträumt. "Auf dem Strand mit dem Rauschen der Wellen, der leichten Brise und dem feinen Sand." Trishia's Arme glitten um Lucy's Körper, um sie näher heranzuziehen. Sie legte ihre Wange auf weiches, dunkles Haar und schloss ihre Augen. "Es war unvergleichlich," bemerkte sie verträumt, und erkannte wie nur bei der bloßen Erinnerung ihr Herz schneller schlug. "Du bist unvergleichlich." Ihren Kopf von dem bequemen Platz erhebend blickte Lucy zu Trishia auf. Ihre Augen trafen sich und für einen Augenblick schien die Zeit stehenzubleiben. Ohne ihren Blick zu brechen, reichte Lucy nach oben und fuhr mit ihrer Hand liebevoll an Trishia's Gesicht entlang. Es war hell genug, um die Leidenschaft und das Verlangen in den Augen der Polizistin wachsen zu sehen, und Lucy schluckte schwer als ihr Körper, auf den, auf sie gerichteten verlangenden Blick, reagierte. Es wäre so leicht gewesen dem Gefühl nachzugeben und Trishia's Lippen gefangen zu nehmen und sie besinnungslos zu küssen. Doch Lucy und Trishia konnten fühlen, dass etwas zwischen ihnen geschah und beide sträubten sich den Zauber, der ihnen erlaubte gegenseitig in ihre Seelen zu blicken, zu brechen. Es war ein unvergänglicher, atemberaubender Moment, der die verborgensten Teile ihrer Herzen berührte. Es war ein solch intensives Gefühl, dass Lucy Tränen in die Augen traten. "Ich falle tiefer und tiefer," wisperte sie schließlich, spürend wie eine Träne an ihrer Wange herunter rollte. Trishia's Augen folgten der feuchten Spur mit einem perplexen Blick, und hob ihre Hand um den einsamen, salzigen Tropfen wegzuwischen. Sie konnte sich nicht erklären war gerade geschehen war, doch sie wusste, dass es obwohl unerwartet etwas wunderbares war. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust und war durch die überfließende Liebe und dem Glücksgefühl kurz vorm explodieren. Es gab soviele Dinge die sie der Frau in ihren Armen sagen wollte. Sie wollte ihre Seele ausschütten und ihr ihre tiefsten Gefühle, ihre größten Ängste und geheimsten Träume mitteilen. Doch als sie schließlich sprach, sagte sie nur einen einzigen Satz, doch der kam aus tiefstem Herzen. "Ich liebe dich," flüsterte sie, die Bedeutung der Wörter in ihrem Innersten fühlend. "Und ich liebe dich," erwiderte Lucy, wissend dass sie dies schon vorher gesagt hatte, doch diesmal war es etwas anderes. Es war tiefer, stärker und allumfassend. Beide lächelten und ohne ihren Blick zu brechen zog Lucy Trishia's Gesicht zu sich. Erst als sich ihre Lippen berührten schlossen sie ihre Augen und ließen sich von einer stetig ansteigenden Welle von Zärtlichkeit und stiller Leidenschaft davon tragen, bis sie beide leise stöhnten, während ihre Körper so eng aneinander gepresst waren, dass nur Trishia's muskulöse Arme sie davon abhielten zu stürzen. Nach einer Weile, die eine Ewigkeit zu dauern schien trennten sie sich atemlos und sahen sich mit unverhülltem Verlangen an. "Wenn wir nicht augenblicklich zum Gästehaus zurück gehen, werde ich meine Familie schockieren," warnte Lucy mit einer vor Emotionen rauen Stimme. Trishia schluckte schwer und versuchte ihren Kopf klar zu bekommen, was schwer war, da die Vorstellung, Lucy auf das duftende, kühle Gras zu legen und sie gleich dort zu nehmen, zwar nicht sehr weise, doch sehr verlockend war. "Oder ich werde es tun," krächzte sie, was Lucy zum Lächeln brachte. Lucy schälte sich aus Trishia's starken Armen, schnappte ihre Hand und zog sie mit sich. "Komm," sagte sie einfach. "Mit Sicherheit," scherzte Trishia, nun wieder etwas gefasster. Lucy kicherte und nahm einen tiefen Atemzug der frischen Morgenluft. Die große Polizistin folgte ihr gehorsam zum Gästehaus, und sobald sie die Tür hinter sich geschlossen hatten, hob sie Lucy in ihre Arme und trug sie zum Schlafzimmer. Ein Paar vertrauensvolle, dunkelgrüne Augen sahen mit so viel Liebe und Verlangen zu ihr auf, dass es ihr den Atem nahm. Die Erschöpfung und der Mangel an Schlaf waren völlig vergessen, als Trishia Lucy auf das Bett legte und augenblicklich spürte wie ein paar ungeduldige Hände unter ihr Shirt schlüpften. "Ich dachte du wolltest schlafen," scherzte Trishia liebevoll, spürend wie ihr Verlangen wuchs, als sich Lucy's Hände über ihre Brüste wölbten. "Das tue ich," keuchte Lucy. "Später… viel später."
Als Lucy und Trishia zum Gästehaus zurückgegangen waren, hatten Sam und Jody eine weitere Tasse Tee getrunken. Und nachdem sie Fiona wieder ins Bett geschickt hatten waren sie schließlich fähig selbst in ihr bequemes Bett zu kriechen. "Oh, das fühlt sich so gut an," seufzte Jody ihre Augen schließend, und spürend wie sich ihr Körper entspannte. "Was für eine unglaubliche Nacht." "Ja," stimmte Sam gähnend zu. "Und ich befürchte, dass dies erst der Anfang ist. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, doch ich glaube ehrlich, dass wir uns hier in einer sehr ernsten Situation befinden, mein Liebling." "Arme Alice," flüsterte Jody traurig. "Weißt du Sam, ich bin mir sicher, dass dieses Mädchen eine Menge üble Dinge gesehen hat. Versuchend ihrer Partnerin den Trost zu geben, den sie offensichtlich brauchte, rutschte Sam näher an den kleineren Körper neben ihr und nahm Jody in ihre Arme. "Bedrückt es dich, das Trishia vorgeschlagen hat morgen früh darüber zu reden?" Ich meine, wenn du jetzt reden willst, dann kannst du das. Das weißt du, oder?" "Ja das weiß ich," entgegnete Jody lächelnd, zärtlich die Schulter küssend an der sie ihren Kopf gelegt hatte. "Und Trishia's Vorschlag bedrückt mich keinesfalls. Tatsächlich bin ich froh darüber. Ich muss die Dinge, die mir Alice erzählt hat erst verdauen. Ich möchte einen klaren Kopf haben, wenn ich das, was sie mir gesagt hat wiederhole. Außerdem war Fiona da." "Ja, darüber müssen wir mit Trishia auch reden," seufzte Sam. Sie kuschelte sich näher heran und kicherte leise. "Sie hat dir deine Geschichte mit der überschwemmten Wohnung nicht abgenommen." "Ich weiß," stöhnte Jody. "Ich kam mir so blöd vor. Ich hasse es zu lügen." "Mach dir darüber keine Sorgen, mein Schatz," beruhigte Sam sie. "Am Morgen werden wir mit Trishia reden und einen Weg finden den Mädchen ein paar Informationen zu geben." "Okay," war die schläfrige Antwort und Sam lächelte als sie sah wie Jody darum kämpfte ihre Augen offen zu halten. "Ich möchte deine Beine noch massieren." Sie rückte mit ihrem Gesicht näher heran und küsste zärtlich erst ein Augenlid und dann das andere. "Mach dir keine Sorgen über mein Bein. Schlaf jetzt meine Liebe." "Gute Nacht, Liebling," wisperte Jody kaum hörbar. "Schlaf gut mein Schatz," war Sam's Antwort. Jody stieß einen tiefen Seufzer aus, kuschelte sich näher an Sam's großen Körper und schlief innerhalb weniger Sekunden. Als Sam auf die schlafende Frau in ihren Armen herabblickte lächelte sie, und wieder spürte sie wie ihr Herz mit Liebe und Zärtlichkeit überquoll. Immer wenn sie ihre Frau anblickte und realisierte das sie zusammen waren erfüllte es sie mit Wunder. Jeden Morgen wenn sie aufwachte und auf die Frau neben sich blickte, sprach sie ein Dankgebet, Jody in ihrem Leben zu haben. Trishia's Worte hallten plötzlich in ihrem Verstand wieder und unwillkürlich zitterte Sam. "Wir haben jeden Grund zur Annahme, dass sich Alice in Gefahr befindet. Jemand sucht nach ihr. Warum wissen wir nicht. ……..Aber irgendwie kennen sich Alice und der Mörder…" Sam erkannte, dass, wenn Trishia recht hatte, sie durch den Umstand das Alice ihr Gast war, sie wahrscheinlich selbst involviert waren. "Wem will ich hier was vormachen?" Rügte sich Sam. "Wir sind bereits involviert. Da draußen ist ein Verrückter der, aus was für kranken Gründen auch immer, nach dem Mädchen sucht. Wenn die Polizei ihn nicht bald fängt, wird er hier enden und wir werden mitten drin sein. Verdammt!" Die Panik, die Sam aufsteigen spürte, schnürte ihre Brust zusammen und für einige ängstliche Augenblicke bekam sie keine Luft mehr. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie das Blut in ihren Ohren rauschen hörte. "Nimm dich zusammen Sam," erklang eine beruhigende Stimme in ihrem Hinterkopf. "Du hast schlimmeres durchstanden, erinnerst du dich? Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es nur eine Person. Sei nur vorsichtig. Arbeite mit der Polizei und alle werden in Sicherheit sein. Trishia hat dir gesagt, dass sie einen Vorsprung haben. Mit ein wenig Glück werden sie dieser… Person einen Schritt voraus sein und bevor du es weißt ist es vorbei." Wieder warf Sam einen Blick zu der schlafenden Frau in ihren Armen und plötzlich beruhigte sich ihr rasendes Herz, und sie konnte wieder atmen. Ihre Angst schmolz dahin und wurde durch eine ruhige Entschlossenheit ersetzt. "Konzentrier dich Sam," wisperte sie zu sich selbst. Der wichtigste Mensch in ihrem Leben war Jody. Und wenn nötig würde Sam Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sie zu schützen. Und das Gleiche würde sie für ihre Familie und Freunde tun. Und für Alice. Sam zog Jody noch enger in ihre Arme und lächelte als sich die schlafende Frau an ihren Hals kuschelte. Ihre blauen Augen starrten zum Fenster, wo sie durch einen Spalt in der Jalousie sehen konnte, dass die Dunkelheit der aufkommenden Dämmerung wich. "Niemand vergreift sich an meiner Familie," flüster Sam zu sich. "Niemand." Sie lag bewegungslos da, um ihre schlafende Geliebte nicht zu wecken. Nur das gelegentliche Blinzeln ihrer Augen zeigte, dass sie hellwach war. Sie war sich der Gefahr in der sie sich alle befinden konnten gewahr, und nüchtern wie sie war, wollte sie ihren Schutz nicht allein der Polizei überlassen. Also begann Sam ihre Möglichkeiten abzuwägen und mit einer Leichtigkeit, die sie in der Geschäftswelt erlernt hatte, betrachtete sie die Situation aus allen möglichen Blickwinkeln. Hier und da machte sie sich eine geistige Notiz, Trishia um eine Aufklärung verschiedener Dinge zu bitten. Auf jeden Fall brauchte sie ein aufrichtiges Gespräch mit der Polizistin, weil Sam keine Lust hatte am Spielfeldrand zu sitzen und nur abwartend zuzuschauen. Als die ersten Sonnenstrahlen zaghaft die Fensterbank berührten beobachtete Sam die sich verändernden Schatten in ihrem Schlafzimmer und seufzte. Dies würde ein interessanter Tag werden.
Peter Jones hatte die ganze Nacht durchgearbeitet, war durchs Büro gerannt, hatte alte Berichte gelesen und sich mit Kaffe aufgeputscht der so schwarz war, das man damit eine Straße hätte teeren können. Nach seinem Telefonat mit Trishia war er in seinen Stuhl gesunken und spürte wie in seiner Brust die Wut aufstieg. Er war seit Jahren ein Polizist und hatte genug Elend gesehen. Doch das Leid Jugendlicher und Kinder traf ihn immer besonders schmerzlich. Peter hatte nicht diese Selbstkontrolle wie seine Partnerin Trishia sie hatte. Er war der Hitzkopf von den beiden und häufig musste Trishia ihn davon abhalten etwas Unüberlegtes zu tun. Er hatte sich über die Jahre gebessert, doch noch immer ging manchmal das Temperament mit ihm durch. Nachdem er das Fax von Perth und Sydney erhalten hatte, hatten er und Phil Kanides eine lange Zeit telefoniert, um soviel Informationen wie möglich zu bekommen. Als es für diese Nacht nichts mehr zu tun gab, hatte Peter Phil nach Hause geschickt und war dann selbst zum Parkplatz hinausgegangen, um sich die Beine zu vertreten und etwas frische Luft zu schnappen. Er atmete die kühle Nachtluft ein, die überraschend frisch war und nur einen Hauch Salz enthielt. Zum ersten Mal seit er mit dem Rauchen aufgehört hatte verlangte es ihn wirklich nach einer Zigarette, doch er wusste, das wenn dem nachgeben würde, er wieder davon abhängig sein würde, und das wollte er nicht. Allein die Vorstellung von dem enttäuschten Blick seiner Frau hielten ihn davon ab in sein Auto zu springen und zu einer Stelle zu fahren, wo er sich ein Päckchen Zigaretten kaufen konnte. Ein kleines Lächeln zuckte an seinen Mundwinkeln, als er sich seine Frau vorstellte, die noch tief schlief, da es erst früh am Morgen war. Er hatte sie angerufen bevor sie zu Bett ging. Er hatte keinen besonderen Grund dafür, da er ihr bereits gesagt hatte das es dauern würde bis er nach Hause kommt. Er wollte ihr nur sagen, dass er sie liebte. Ihre Reaktion war eine angenehme Überraschung gewesen und Peter hatte bemerkt das sie kurz vorm Weinen war, als sie ihm sagte er solle vorsichtig sein. Er hatte ihr versprochen, dass er das würde und bat sie dafür zu sorgen, dass alle Türen und Fenster geschlossen waren und die Alarmanlage eingeschaltet war. Wenn jemand seiner Familie etwas antun würde… Peter zitterte und spürte wie die Wut wieder in ihm aufstieg. Das Mädchen am Strand war gerade mal siebzehn gewesen. Das Mädchen in Perth war fünfzehn und das Mädchen aus Sydney war einen Tag bevor sie ermordet wurde achtzehn geworden. Sie waren noch Kinder und Peter drängte sich die Frage auf wo ihre Eltern waren. Wo waren ihre Väter? Peter wusste mit Sicherheit, dass wenn er eine Tochter im Teenageralter hätte, das er sie beschützen würde. Sie würde nachts nicht durch die Straßen streifen und erstochen an einem Strand enden. "Wem willst du hier etwas vormachen, Jones?" schnaubte er. "Diese Mädchen waren alle Ausreißerinnen, nun ja, die in Sydney und Perth waren es. Sie mussten einen Grund gehabt haben fortzulaufen. Du weißt welche Gründe das gewesen sein konnten. Für manche Kinder ist es besser von zu Hause fortzulaufen und auf der Straße zu leben, als Daheim zu bleiben. Wie krank und traurig ist das, he? Während Eltern ein liebevolles und beschützendes Heim bieten sollten, haben manche Kinder allen Grund nicht dort sein zu wollen." Mit einem tiefen Seufzer steckte Peter seine Hände in seine leichte Baumwollhose und drehte sich langsam herum. Er wollte die Informationen noch einmal durchgehen um zu sehen ob er etwas übersehen hatte. Zu einer angemessenen Uhrzeit würde er Trishia anrufe um ihr die wenigen Informationen die er erlangen konnte mitzuteilen. Es war noch nicht viel, nur einige Fakten über die Mordfälle. Die Namen der Mädchen und ihre Herkunft. Die Mordwaffe. Einige Bilder des Tatorts und ein paar Berichte. Peter beschloss, dass es nicht viel war um damit voranzukommen, doch zumindest war es besser als nichts. Ein kurzer Blick auf seine Uhr sagte ihm, dass es fast sieben Uhr war. Langsam ging Peter zum Gebäude zurück und schleppte sich die Stufen zum Erdgeschoss hoch. Er wollte Trishia anrufen, seine Akten wegschließen und für ein paar Stunden Schlaf nach Hause gehen. Mit einem gewaltigen Gähnen ließ er sich schwer auf seinen Stuhl fallen und blickte auf die Papiere auf seinem Schreibtisch. Er beschloss alles in einen großen Umschlag zu stecken und in seine Schreibtischschublade einzuschließen. Er würde es später nochmal mit Trishia durchgehen. Zwei konnten mehr sehen als einer, und eine kleine Pause würde wahrscheinlich den Nebel, der sich in seinem Gehirn eingenistet hatte, vertreiben. "Zum Teufel noch mal," murmelte er zu sich selbst. "Ich werde zuerst etwas schlafen und dann Trishia anrufen. Ich kann ihr eine Nachricht bei der Anmeldung hinterlassen." Peter stapelte ordentlich seine Notizen und andere Papiere und steckte sie in einen Umschlag, den er sicher in eine seiner Schreibtischschubladen verschloss. Seinen Stuhl zurückstoßend schritt er zielbewusst aus seinem Büro, die Treppen runter und direkt zu seinem Wagen. Sicherheitshalber rollte er die Scheiben herunter, damit die kühle Morgenluft ihn wach hielt. Ohne sich umzudrehen zog er vom Parkplatz und fädelte sich in das morgendliche Verkehrsaufkommen ein. Ein Paar schmutzigbraune Augen in einem glattrasierten Gesicht beobachteten wie er fortfuhr. Erst als er völlig außer Sichtweite war, stieg die Gestalt aus dem Wagen und ging zum Eingang der Polizeistation.
~~~ ENDE - Kapitel 8 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 9 lesen. Kommentare und Feedback sind willkommen unter: ripplesintime@hotmail.com
|