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Copyrighthinweis der Autorin: Diese Story gehört mir. Das gleiche gilt auch für die Charaktere. Diese Geschichte handelt über Liebe. Und ja, sie handelt auch (oder sollte ich sagen: besonders) über die Liebe zwischen Frauen. Wenn euch dies stört, oder derartige Darstellungen in eurer Gegend verboten sind, oder wenn ihr minderjährig seid... bla... bla... bla... dann könnt ihr diese Seite immer noch verlassen. Ich bin deswegen nicht böse und wünsch euch schöne Feiertage. Diese Story handelt über Weihnachten (so eine Überraschung). Wenn wir an Weihnachten denken, dann denken wir an Frieden, Liebe und Familie. Richtig? Am 28. Mai 1992 starb meine Großmutter, was natürlich nichts mit Weihnachten zu tun hat. Doch sie war die Verkörperung der Liebe. Ich schwöre! Ihr Herz war so groß, dass die ganze Welt darin Platz hatte und es blieb noch genügend Raum für ein paar Aliens. Ich werde mich immer daran erinnern was für ein sicherer Hafen sie war, jedes Mal wenn ich eine Umarmung brauchte, war sie da. Meine Oma war der INBEGRIFF der Liebe und sie akzeptierte mich (und jeden anderen) so wie man war und was man war. Sie verurteile nie einen Menschen, stattdessen war sie jederzeit bereit die Unterschiede mit einem warmherzigen Lächeln zu akzeptieren. Von jedem, der sie gekannt hatte, wird sie immer noch schmerzlich vermisst. Da diese Story grundsätzlich über die Liebe handelt, widme ich sie meiner Großmutter als Gedenken, die immer, gleichgültig wo ich bin, bei mir sein wird. Und ich möchte meiner liebevollen Partnerin Cbar für die Korrekturlesung dieser kurzen Story danken. Du bist die Beste, Liebling. Ich liebe dich.
Ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest, Frieden und Liebe... |
Christmas Special Delivery a.k.a. Labor of Love
Fünfzehn Tage vor Weihnachten Der alte Wagen fuhr langsam den Hügel hinauf. Der Lack des mit Staub bedeckten Wagens war stumpf und verblasst. Wenn das verkratzte Glas nicht voller Schmutz gewesen wäre, würde das grelle Sonnenlicht normalerweise von den Scheiben reflektieren. Die Insassin des Wagens ignorierte das kränkliche Stottern des Motors und schien das fremdartige Klacken nicht zu bemerken, das jedes Mal durch den Wald schallte, wenn die Reifen über einen Huppel oder ein Loch fuhren. Während die Sonne unerbittlich das innere des Wagens erhitzte, sang die Fahrerin fröhlich White Christmas, ohne anscheinend zu bemerken wie sich Schweißtropfen schnell über das hellgelbe T-Shirt verteilten. Geschickt den Wagen um die Kurve steuernd, bremste die Fahrerin plötzlich abrupt, als sie eine schlanke Gestalt bemerkte, die langsam die Strasse hinauf ging. Die Person war mit einer dunkelblauen Shorts und einem hellblauen T-Shirt gekleidet, während die Krempe eines ziegelfarbenen Strohhutes das Gesicht verdeckte, um die Augen vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Ohne die starrenden Augen zu bemerken, ging die Gestalt mit einem lässig über die Schulter geworfenen Rucksack gemächlich den Hügel hinauf. Die Augenwinkel von einem paar dunkelgrüner Augen zogen sich zusammen als ein Lächeln das sommersprossige Gesicht erhellte. "Dies wird ein Spaß," grinste eine jugendliche Stimme. "Sie scheint taub für die Umgebung zu sein." Die Entfernung zwischen dem Wagen und der Fußgängerin betrug weniger als dreißig Meter und auf dem Gesicht der Fahrerin erschien ein schelmisches Grinsen. Tief Luft holend schlug sie mit einer Hand auf die Hupe und produzierte ein welterschütterndes Geräusch. Augenblicklich machte die Gestalt einen Sprung und drehte sich nach der Quelle des Geräusches um. Der Körper entspannte sich sichtbar als der Wagen erkannt wurde und der Kopf unter dem Strohhut schüttelte sich langsam. Die Fahrerin fuhr wieder weiter und es brauchte nur einige Sekunden von stotternden Geräuschen um die geduldig wartende Person am Straßenrand zu erreichen. "Willst du mitfahren, Süße?" "In dieser Todesfalle? Du glaubst wohl ich bin weich in der Birne?" "Nun ja, wenn du weiterhin in dieser Hitze den Hügel hinaufgehst, dann wirst du es bald sein," war die gegrinste Antwort. "Ich biete dir an, dein Leben zu retten." Ein helles Lachen schallte durch Wald und während eine schlanke Gestalt näher zu der heruntergekurbelten Seitenscheibe des Wagens schritt, wurde mit einer hektischen Geste der Hut zurückgeschoben. Ein paar hellblaue Augen blinzelten vergnügt zu der Fahrerin des Wagens. "Weißt du Fi, ich hätte nie geglaubt, dass es für dieses... Ding möglich sein würde, schneller den Hügel heraufzukommen als ich zum Laufen brauche." "Beleidigst du etwa meinen Wagen, Alice Wilson?" Grollte Fiona McDonell verspielt. "Ja, sicher," lachte Alice. "Warum schaffst du dir nicht etwas an, dass weniger nach einem Schrotthaufen und mehr nach einem Auto aussieht?" "Du hörst dich wie Jody an," brummte Fiona und fuhr mit ihren Fingern durch ihr feuchtes Haar. "Aber ihr Leute versteht nicht die Herausforderung und das Abenteuer, das mit dem Fahren eines solchen Oldtimers verbunden ist." "Oldtimer?" Lachte Alice. "In Ordnung meine Freundin, wenn du es sagst." "Also, willst du nun mitfahren oder nicht?" "Ich werde es riskieren," lächelte Alice, ging zur Beifahrerseite und hopste hinein. Die schwere Tür wurde mit einem lauten, kreischenden Geräusch geschlossen, das Alice fast Zahnschmerzen bereitete. Sie zuckte zusammen und zog ein Gesicht, was ihre Freundin noch heftiger Lachen ließ. "Trishia hat mir gedroht, falls ich mir bis zum Ende des Monats keinen neuen Wagen zulegt habe, mich jedes Mal aus dem Verkehr zu ziehen, wenn ich die Schnellstrasse benutze," berichtete Fiona fröhlich. "Wie ich Trishia kenne, wird sie die Drohung wahrmachen," bemerkte Alice grinsend. "Ich weiß, also habe ich ihr gesagt, dass es fast Weihnachten ist und es wäre in Ordnung, wenn sie mir einen neuen fahrbaren Untersatz besorgt," kicherte Fiona. "Du hättest ihr Gesicht sehen sollen." Alice lachte und wischte sich den Schweiß von ihrer Stirn. Es war ein heißer Tag. Die Hitze, die flimmernd über der Strasse schwebte, hatte den Wald ruhig werden lassen. "Ich kann nicht glauben, dass es schon wieder fast Weihnachten ist," seufzte Alice. "Mit Sicherheit ist die Zeit im Fluge vorübergangen. Obwohl ich jedoch froh darüber bin, ich könnte eine Pause gebrauchen." "Das glaub ich dir gern. Du hast wirklich hart gearbeitet, Alice. Du hast eine großartige Arbeit geleistet, indem du die ganzen versäumten Schuljahre nachgeholt hast. Ich glaube nicht, dass ich das geschafft hätte." "Sam und Jody haben mir sehr geholfen," antwortete Alice mit offen gezeigter Zuneigung. "Aber du hast all diese Prüfungen bestehen müssen," entgegnete Fiona. "Du wirst demnächst auf die Uni gehen," fügte sie seufzend hinzu. "Dann werde ich dich und Yarra kaum noch sehen." "Nun, ich habe Yarra die letzten Monate auch kaum gesehen," seufzte Alice. "Ich weiß, dass sie schwer gearbeitet hat. Sie sagte, dass sie es tun müsste, wenn sie während der bevorstehen Ferien entspannen wolle. Ich kann nicht glauben, dass sie ihr drittes Jahr beginnen wird." "Ja, und wenn sie eine Tierärztin ist, wirst du schon halbwegs eine Architektin sein." "Ich hoffe es," antwortete Alice sehnsüchtig lächelnd. "Also, hast du deine Weihnachtseinkäufe alle erledigt?" "Beinahe," grinste Fiona. "Ich habe noch zwei Wochen, aber die meisten Sachen, die ich gekauft habe sind bereits verpackt und in meinem Zimmer versteckt. Wie sieht's bei dir aus?" "Ich arbeite daran," lächelte Alice. "Ich habe einige Sachen bei George und Susan untergebracht. Sie sagten mir, ich könnte Yarra's Zimmer als Lager benutzen," kicherte sie. "Kirby's Lager, ein Ort für all deine Weihnachtsgeschenke," ulkte Fiona. "Ich wette Yarra's Eltern waren glücklich dich zu sehen, da sie dich praktisch adoptiert haben." Alice hellblaue Augen wurden nachdenklich, und langsam nickend dachte sie darüber nach wie sich ihr Leben seit den letzten zwei Jahren verändert hatte. An einem Tag war sie ein Straßenkind, ein Ausreißer und am nächsten Tag wurde sie unter die schützenden Fittiche von Jody und Sam genommen. Es hatte nicht lange gedauert, um sie und ihre Familien als ihre eigene zu betrachten. Alice seufzte leise und beobachte die Strasse vor ihr, sie wusste, dass sie nach nur zwei weiteren Kurven das majestätische Haus auf dem Hügel, umgeben von großen Bäumen und Blumenbeeten, erblicken würde. Es war ihr Zuhause geworden. Ohne es zu wollen, schweiften ihre Gedanken zu ihrer dunkelhäutigen Freundin, Yarra, mit ihren freundlichen, seelenvollen braunen Augen, die sie, in den schwierigen Monaten nach Martin Coles' Tod, der Mann, der für den Tod ihrer Mutter und ihres Bruders verantwortlich war, so sehr unterstützt und geholfen hatte. Alice war schließlich fähig die Vergangenheit hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen. Mit der professionellen Hilfe von Lisa Bailey, der Wärme und Liebe von Jody, Sam und ihren Familien, fühlte sich Alice sicher genug ihre Wunden heilen zu lassen. Und sie hatte es geschafft, obwohl einige von den tiefen Wunden, die ihrer Seele zugefügt worden waren, Narben hinterlassen hatten, die sie manchmal noch als dumpf empfundener Schmerz heimsuchten. Von ihrer neuen Familie und Freunden, schafften es Jody und Yarra immer die finstere Stimmung zu erkennen, und sie waren immer da, um ihr eine Schulter zu leihen an der sie sich ausweinen konnte, oder hörten Alice einfach nur zu, wenn sie ihnen über die Dämonen erzählte, die sie gelegentlich noch verfolgten. "Bist du in Ordnung, Alice?" Unterbrach sie Fiona's freundliche Stimme aus ihren Träumereien. "Du schienst tausend Meilen entfernt zu sein." "Oh, tut mir leid," seufzte Alice, ihrer Freundin ein entschuldigendes Lächeln zuwerfend. "Ich habe nur über... etwas nachgedacht." "Etwas trauriges?" Stupste Fiona sie sachte an, die das Verdunkeln in den Augen ihrer Freundin bemerkt hatte. Alice lächelte, tätschelte Fiona's Knie und drückte es liebevoll. "Du magst immer noch ein Frechdachs sein, aber du bist mit Sicherheit der netteste den ich kenne," blödelte sie zärtlich. "Ich habe Yarra versprochen auf dich aufzupassen." "Hast du das?" Fragte Alice augenscheinlich überrascht. "Ihr zwei habt euch also... hinter meinem Rücken abgesprochen?" Als Fiona feierlich nickte, lächelte die blonde Jungendliche liebevoll. "Und wann genau hat dich Yarra gebeten auf mich aufzupassen?" "Oh, vor langer Zeit," grinste Fiona, steuerte den Wagen um die letzte Kurve und fuhr auf die steile Anfahrt zum Hügel, wo sie bereits das im Sonnenlicht gebadete Haus sehen konnten. "Werde bitte etwas ausführlicher," erwiderte Alice mit einem vergnügten Blinzeln. "Es war als Yarra nach Brisbane gegangen ist," gab Fiona zu. "Das war vor zwei Jahren." "Jawohl, das stimmt," grinste Fiona. "Ich habe dir bereits erzählt, dass meine gute Freundin dich süß findet." Aus dem Augenwinkel konnte Fiona sehen wie Alice errötete und grinste. Jedoch entging ihr auch nicht der zweifelnde Blick, der ihr zugeworfen wurde. "Was ist los?" Alice zuckte mit ihren Schultern und um ihre plötzlich feuchten Augen vor ihrer Freundin zu verbergen sah sie aus der Seitenscheibe. "Sie handelt nur nicht so," antwortete sie heiser, ohne die Andeutung von Enttäuschung in ihrer Stimme verbergen zu können. "Was meinst du?" Fragte Fiona stirnrunzelnd. "Nun, ich... ich weiß, dass sie mit all diesen Examen, Semesterarbeiten und dem Zeug sehr beschäftigt war, aber... ein Telefongespräch dauert nicht so lange, oder doch? Neuerdings jedoch, scheint sie jedes Mal wenn sie mich anruft, oder ich sie anrufe, keine Zeit zum Reden zu haben. Es ist... ich habe das Gefühl als ob sie mich abwimmeln will," beendete sie flüsternd. Der Teufel soll dich holen, C.J. Muss ich dir wirklich in deinen Hintern treten und etwas Feingefühl in dich klopfen? Dachte Fiona wütend während sie ihre blonde Freundin nachdenklich anblickte. Das bist nicht du meine Freundin. Was ist los? "Hast... ähm... hast du mit Susan und George darüber gesprochen?" "Ja, das hab ich, aber ich hatte das Gefühl, dass sie mir auswichen und habe sie nicht weiter gedrängt. Vielleicht ist sie..." Alice beendete den Satz nicht, sondern starrte, den Kloß in ihrer Kehle herunterschluckend, wieder aus der Seitenscheibe. "Vielleicht ist sie... was?" Drängte Fiona. "Was geht hinter diesen babyblauen Augen vor sich, Alice?" "Vielleicht hat sie jetzt andere Freunde," antwortete Alice hastig. "Und warum sollte sie nicht? Ich meine, es ist ja nicht so als ob... als ob... ich meine wir... wir sind nur Freundinnen, gute Freundinnen, aber das bedeutet nicht, dass sie mir gegenüber irgendeine Verpflichtung hätte." Während ihr Gehirn fieberhaft nach einer Erklärung für Yarra's Verhalten suchte, saugte Fiona an ihrer Unterlippe und atmete langsam aus. Sie wusste, dass ihre Freundin, um ihren Abschluss früher als üblich zu bekommen, wirklich hart studierte. Außerdem wusste sie wie groß ihr Heimweh besonders in den ersten Monaten in Brisbane war. Sie hatte sich praktisch in ihre Studien vergraben, jedoch hatte sie immer Zeit um ihr und Alice eine Karte oder einen Brief zu schreiben und gelegentlich anzurufen. Was hatte sich also plötzlich verändert? Fiona wusste, dass ihre Gefühle für Alice wesentlich tiefer gingen als das dunkelhäutige Mädchen jemals zugegeben hätte, somit musste es einen guten Grund für ihre Freundin geben, sich nicht mit der Blonden in Verbindung zu setzen. Und Fiona war entschlossen, so schnell als möglich, diesen Grund herauszufinden. Auch wenn dies bedeuten würde, dass sie ihren alten, zerbeulten Wagen den weiten Weg bis Brisbane fahren musste, um ihre Freundin zu sehen und eine Erklärung zu verlangen. Vielleicht wusste Jody Rat. "Es tut mir leid, Alice," antwortete Fiona schließlich, während sie den Wagen neben dem Haus parkte und den Motor abstellte. "Ich weiß nicht was los ist, aber ich bin sicher, dass Yarra einen guten Grund dafür hat," sagte sie während sie innerlich über die lahme Antwort seufzte. "Ich weiß, dass ihr wirklich viel an dir liegt. Das weißt du, oder nicht?" Alice brachte ein schwaches Lächeln zustande und nickte. "Ich vermute, dass ich mich wie ein Baby benehme. Sie hat wahrscheinlich nur wirklich viel zu tun." Fiona nickte und ein breites Lächeln schmückte ihr Gesicht als sie auf die Veranda schaute, wo Jody bequem in einem riesigen Sessel ruhte. Ein völlig ausgewachsener Deutscher Schäferhund lag an ihren Füssen. Seine Augen blickten auf Fiona's Wagen und er wedelte langsam mit seinem Schwanz. Er wusste, dass er nicht aufspringen musste um seine Herrin zu verteidigen. Die Neuankömmlinge waren Mitglieder seines Rudels. "Da wir gerade über Babies reden, meine arme Schwester sieht aus, als ob sie kurz vor der Geburt steht. Es ist erstaunlich wie massig sie geworden ist." "Sag ihr das nicht," erwiderte Alice mit einem warnenden Blick. "Gestern hatte sie gesagt, sie fühle sich wie ein gestrandeter Wal. Ich glaube, dass die Hitze für sie im Moment sehr schwer zu ertragen ist." "Das glaube ich auch," seufzte Fiona, öffnete ihre Tür und machte sich daran auszusteigen. "Sie tut mir so leid. Und sie hat noch fast zwei Monate vor sich." "Vielleicht nicht," antwortete Alice. "Zwillinge kommen oft ein bisschen früher." "Nun, mit Sicherheit hoffe ich, dass diese zwei es tun werden." Fiona stieg aus und versuchte die Wagentür so leise wie möglich zu schließen, was wegen der großen Beule an der Seite, die das Metall in einem ungünstigen Winkel verzogen hatte, recht schwierig war. Um Ihre friedlich schlummernde Schwester nicht aufzuwecken beschloss sie die Tür offen zu lassen. Beide Teenager gingen leise zur Veranda, aber als sie sich der schlafend aussehenden Jody näherten, bemerkten sie, wie sie ein paar müde, grüne Augen anblickten. "Hallo Mädchen," begrüßte Jody sie. "Ich bin froh, dass ihr zwei es in diesem verrückten Wagen den Hügel hinauf geschafft habt." Fiona grinste und gab ihrer Schwester eine kurzen Kuss auf die Wange. "Warum beleidigt jeder ständig mein Verkehrsmittel? Ich weiß, dass mein Wagen nicht nach einer Million Dollar aussieht, aber er fährt." "Ich fürchte, nicht mehr lange," kicherte Jody, abwesend ihren geschwollenen Bauch reibend. "Nichts für ungut Fiona, aber dein kostbarer Wagen sieht aus, als ob er jede Minute seinen Geist aufgeben wird. Ich wette, ich bin immer noch schneller als er." Alice brach in Gelächter aus, ließ sich in den Stuhl neben Jody fallen, und mit funkelnden Augen zu Fiona blickend kraulte sie einem zufrieden aussehenden Kurt hinter seinen Ohren. "Ich würde dich gerne beim Wort nehmen Schwesterchen," grinste Fiona. "Aber irgendwie glaube ich, dass deine in dich vernarrte, überschützende Frau meine Haut abziehen würde. Außerdem, gleichgültig wie sehr ich diese kleinen Burschen, die du da versteckt hast, kennenlernen würde, ziehe ich es vor, dass sie sich noch ein wenig länger ruhig verhalten." "Es ist nicht so, dass sie ruhig sind," kicherte Jody. "Es scheint so, als ob sie, immer wenn ich mich hinsetze um auszuruhen, sie anfangen zu spielen. Ich glaube ihr Lieblingszeitvertreib ist Akrobatik." "Halte einfach durch Erbse," seufzte Fiona. "Sobald die beiden das Licht der Welt erblickt haben kannst du es Sam überlassen, mit ihnen herumzutoben bis sie nicht mehr können." Jody lächelte und verzog ihr Gesicht als ein kleiner Fuß gegen ihren Bauch trat. Grinsend tätschelte sie den Fleck und warf Fiona einen schelmischen Blick zu. "Sie haben das gehört," kicherte sie. "Und ich glaube, sie mögen die Vorstellung." "Ist Sam noch nicht zu Hause?" Fragte Alice, die den leeren Parkplatz entdeckt hatte, wo normalerweise der SUV im Schatten eines großen Baumes stand. "Ich hab ihr einen Auftrag gegeben," antwortete Jody gähnend. "Wir brauchen noch ein paar Weihnachtsgeschenke, und ich habe es geschafft sie davon zu überzeugen, das es Sachen gibt, die man nicht über das Internet kaufen kann." Alice lächelte, da sie Sam's Vorliebe kannte, Sachen über das Internet einzukaufen, um nicht einkaufen gehen zu müssen. Es war ein beständiger Grund für die liebevollen Foppereien zwischen Sam und Jody. "Ich werde etwas Eistee holen. Wollt ihr zwei auch welchen?" Fragte Alice und erhob sich aus dem bequemen Stuhl. "Ich hätte gerne etwas, danke Alice. Aus irgendeinem Grund habe ich immer Durst wenn ich mit diesem Wagen gefahren bin," antwortete Fiona, streckte träge ihre Beine aus und verschränkte sie an den Fußgelenken. "Muss der ganze Staub sein, den du einfängst," murmelte Alice ins Haus verschwindend. "Ich habe das gehört, Victoria Alice Wilson," rief Fiona hinter ihr her, wobei ihre dunkelgrünen Augen jedoch funkelten. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit zu ihrer hochschwangeren Schwester, die sie höchst neugierig betrachtete. "Was ist mit Alice los?" "Gibt es etwas, das deiner Aufmerksamkeit entgeht?" Seufzte Fiona, doch der Blick den sie ihrer Schwester zuwarf war voller Bewunderung. "Ich glaube nicht," entgegnete Jody trocken. "Ich mag zwar schwanger sein und so massig, das ich mich kaum bewegen kann, aber mein Gehirn arbeitet noch. Also, spuck es aus?" "Sie vermisst Yarra. Anscheinend sind ihre Telefongespräche neuerdings ziemlich kurz ausgefallen und Alice hat das Gefühl, als ob Yarra sie abwimmeln will." Jody schüttelte zögernd ihren Kopf und machte sich eine geistige Notiz, ihre Partnerin später darüber zu befragen. Sie wusste, das Sam und Yarra oft per E-Mail Kontakt hatten, vielleicht wusste Sam was mit ihrer Freundin los war. "Es ist nicht C.J's. Art, Alice derartig zu behandeln," seufzte Fiona. "Ich werde sie heute anrufen, um herauszufinden was los ist. Es könnte sein, das sie einen guten Tritt in ihren Hintern braucht." "Benutz das Telefon in Sam's Büro," bot Jody an und lächelte als sie das Grinsen auf Fiona's Gesicht sah. "Ich möchte auch wissen, was da vor sich geht." Nicht mehr Ermutigung brauchend sprang Fiona von ihrem Stuhl auf und ging zur Rückseite des Hauses, wo Sam und Jody ein angemessen großes Büro gebaut hatten. Die Tür hinter sich schließend ging Fiona zum Schreibtisch und ließ sich in den großen, kühlen Lederbürosessel sinken. Sie mochte Sam's Büro. Der Raum war so effizient wie möglich, mit einem riesigen Schreibtisch, einem Computer nach dem neuesten Stand der Technik und einer separaten Telefonleitung eingerichtet. An den Wänden hingen Bilder von Freunden und der Familie. Und natürlich gab es ein vergrößertes Foto von Alice, Yarra, Fiona und Kurt, das Jody aufgenommen hatte, als sie von einer Wanderung aus dem Bush zurückgekommen waren. Ein kurzer, aber heftiger Regenguss hatte sie überrascht und als sie bei der Murrook Farm angekommen waren, sahen alle gleich zerzaust aus, bedeckt mit Schmutz und verschiedenen undefinierbaren Teilen des Waldes. Grinsend schnappte sich Fiona das Telefon. Sie wählte Yarra's Nummer aus ihrem Gedächtnis und hörte das Freizeichen. Während sie darauf wartete, das abgehoben wurde, trommelte sie ungeduldig mit ihren Fingern auf die glatte Oberfläche des Schreibtisches. "Yarra Kirby." "Hallo C.J., ich bin's." "Fiona!" Yarra's Stimme klang angenehm überrascht, jedoch müde. "Du hast Glück, ich bin gerade hereingekommen." "Ich denke, dann hatte ich mehr Glück als andere uns bekannte Leute," bemerkte Fiona, ein wenig sarkastischer als sie eigentlich beabsichtigt hatte. "Was ist los Yarra? Warum ignorierst du Alice?" Fragte sie unverblümt. Sie hörte wie Yarra seufzte, und konnte sich bildlich vorstellen wie ihre Freundin gerade in einer bekannten Manier nervös ihre Stirn rieb. "Ich... ich hab Alice nicht ignoriert," presste Yarra hervor. "Es ist nur... es ist so blöd, wirklich Fi. Ich habe, damit ich einige Wochen über Weihnachten frei habe, in letzter Zeit wirklich viel gearbeitet. Außerdem habe ich noch diesen Job. Es ist nur für ein paar Wochen, aber er bringt gutes Geld. Ich habe außer für die Arbeit und mein Studium kaum Zeit für etwas anderes. Ich hatte neuerdings nicht viel Zeit übrig." "Alice hat das Gefühl, das du sie abwimmeln willst, das du es vielleicht vorziehst Zeit mit anderen Leuten zu verbringen," erwiderte Fiona leise. "Oh Gott, nein! Das würde ich niemals tun. Du weißt was sie mir bedeutet, Fi. Tatsächlich..." Yarra zögerte und Fiona konnte hören wie sie tief Luft holte. "Wegen Alice habe ich diesen Job angenommen. Ich brauchte zusätzliches Geld, um ihr etwas besonderes für Weihnachten zu kaufen." Fiona ließ die Worte in sich sinken und war augenblicklich über das Zugeständnis ihrer Freundin erleichtert. Alice und Yarra waren ihre besten Freundinnen und sie konnte den Gedanken, dass eine von ihnen traurig oder verletzt war, nicht ertragen. "Wirklich?" Antwortete sie schließlich mit einem fröhlichen Lächeln. "Ein Diamantring?" Flachste sie. Sie konnte Yarra japsen hören und lehnte sich mit einem breiten Grinsen in den Sessel zurück. "Denkst du nicht, dass es dafür ein bisschen zu früh ist?" Entgegnete Yarra zurückhaltend, doch Fiona konnte den sehnsüchtigen Tonfall heraushören. "Nein, es ist etwas praktischeres, ich... ich möchte ihr ein neues Zeichenbrett mit allen dazugehörigen Stiften und dem Zeugs schenken, das sie für den Start ihres ersten Semesters nächstes Jahr braucht." "Toll, das wird sie einfach lieben," rief Fiona aus. "Nun ja, ich hoffe es," seufzte Yarra. "Aber halte deinen Mund, Fi, es soll eine Überraschung werden." "Hey, meine Lippen sind versiegelt, C.J. Aber ich weiß, dass sie es lieben wird, besonders, da es von dir ist," fügte sie kichernd hinzu. "Das erinnert mich daran, dass ich Sam und Jody sagen muss, dass sie Mistelzweige an einigen strategischen Stellen aufhängen sollen." "Oh, ha, ha," erwiderte Yarra, doch Fiona konnte das Lächeln in ihrer Stimme heraushören. "Pass besser auf Fi, das ganze könnte ein Schuss nach hinten werden." "Das glaube ich nicht," grinste Fiona. "Es soll dir nur ein wenig helfen, meine Freundin. Unter dem Mistelzweig hast du zumindest einen Vorwand für einen engeren Kontakt mit Alice." "Ich bezweifle, dass sie das möchte," seufzte Yarra. "Ich nicht," antwortete Fiona fröhlich. "Aber das wirst du selbst herausfinden müssen. Sorg nur dafür, dass du sie noch heute anrufst, in Ordnung? Und lass das Gespräch länger als fünf Minuten dauern." "Das werde ich," antwortete sie leise. "Ich fühle mich wirklich mies deswegen, Fiona." "Ich weiß, aber sie wird dir verzeihen, C.J. Mach dir darüber keine Sorgen. Ich bin froh, dass ich dich angerufen habe." "Ich auch. Wie geht es Jody?" "Im Augenblick hat sie eine schwere Zeit. Die Babys machen einen Wachstumsschub und die Hitze macht es auch nicht leichter. Sie beklagt sich nicht, aber ich weiß, dass es ihr schwer zu schaffen macht. Und sie muss noch ein paar Wochen durchhalten." "Vielleicht hätten sie keine so große Weihnachtsparty organisieren sollen," sinnierte Yarra. "Ich will damit sagen, dass es lieb von ihnen ist ihre Freunde und Familie einzuladen, aber ich frage mich, ob es nicht ein bisschen zuviel wird." "Jody wollte es. Und was Jody will, das bekommt Jody," ulkte Fiona. "Ich glaube nicht, dass es irgend etwas gibt, das Sam nicht für sie tun würde, aber sie hat sich von meiner Schwester versprechen lassen, einfach nur dazusitzen und sich zu amüsieren. Ich glaube, ihr wird nicht mehr erlaubt als einen Finger zu heben." "Gut. Mehr sollte sie auch nicht tun. Sie darf sich nicht übernehmen. Sie braucht ihre Stärke um diese zwei kleinen Racker auf die Welt zu bringen. Oder ich werde ihr persönlich meine Mutter vorbeischicken." "Oh sicher, das würde helfen," lachte Fiona. "Es ist tröstend zu wissen eine erfahrene Krankenschwester in der Nachbarschaft zu haben. Wer weis was alles passieren kann." "Klopfe auf Holz, McDonnell!!" Lachte Yarra, und hörte wie Fiona gehorsam auf die Oberfläche des Holzschreibtisches klopfte. "Wir wollen nichts heraufbeschwören," grinste Fiona. "C.J., ich muss Schluss machen bevor Alice sich fragt wo ich bin und mich ausfragt. Sobald du Zeit hast ruf deine Süße an, in Ordnung?" "Das werde ich. Danke Fi." "Keine Ursache, Kumpel. Pass auf dich auf. Wir sehen uns ja bald." "Das werden wir. Tschüss Rote." "Gleichfalls, C.J."
Gähnend stieg Lucy McDonnell aus ihrem Wagen, den sie unter dem Einstellplatz neben dem Haus geparkt hatte. Es war ein hektischer Arbeitstag im Büro und sie war müde. Sie wollte nur noch eine kalte Dusche, ein leichtes Essen und, in den Armen ihrer Geliebten eingewickelt, auf der Veranda entspannen. Trishia hatte einen ihrer seltenen freien Tage und Lucy fragte sich, was ihre energiegeladene Partnerin alles angestellt hatte. Sie wusste, dass ihre Polizistin nicht der Typ war, der den ganzen Tag träge im Haus herumlungern würde. Vielleicht hat sie ein nettes Essen zubereitet, grübelte Lucy und freute sich aus ihrer Arbeitskleidung und den unbequemen Schuhen herauszukommen. Stirnrunzelnd bemerkte sie, dass die Vorderseite der Veranda leer war und fragte sich schweigend was Trishia machte, als sie einen gedämpften Fluch von der Rückseite des Hauses hörte. Ein Grinsen unterdrückend folgte sie der Quelle des Geräusches. Als sie um die Ecke kam blieb sie abrupt stehen und starrte mit weit aufgerissenen Augen zu ihrer verschwitzten, mit Sägemehl bedeckten Partnerin. Trishia hatte eine Shorts und ein Tank-Top an, das ihre Figur genau richtig betonte und normalerweise unglaublich sexy aussehen würde, wenn nicht eine dünne Staubschicht ihren kompletten Torso bedeckt hätte. "Hallo Liebling," begrüßte sie sie, schritt näher heran und legte eine Hand auf Trishia's Rücken. Die große Frau drehte sich augenblicklich um und warf ihrer Geliebten ein strahlendes Lächeln zu. "Hey Schatz. Ich bin froh, dass du zu Hause bist. Wie war dein Tag?" Fragte sie, und wollte anfangen ihre Arme um ihre Liebste zu legen, als sie von erhobenen Händen gestoppt wurde. "Oh ha, du weißt wie sehr ich dich liebe Schatz, aber du wirst mir dieses Kostüm nicht ruinieren," grinste Lucy, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und, das leichte Schmollen ignorierend, küsste sie ihrer Geliebten auf die Lippen. "Ich werde es wieder gutmachen," versprach sie und tätschelte die nackte Schulter, wo sie die schmale Linie einer Narbe an den furchtbaren Tag erinnerte, als Trishia von Martin Coles angeschossen wurde. Ihre Finger fuhren über die leicht schroffe Oberfläche und wieder wurde ihr Herz mit Dankbarkeit darüber erfüllt, das sie die Frau, die ihr Herz und Seele innehielt nicht verloren hatte. "Was machst du da Trish?" Fragte sie neugierig als sie auf die Werkbank schaute, auf der eine seltsam aussehende Holzkiste stand. Trishia grinste und stellte einen absolut zufriedenen Gesichtsausdruck zu Schau als sie in die dunkelgrünen Augen ihrer Partnerin blickte. "Erinnerst du dich daran als Sam uns über die holländische Weihnachtstradition erzählte, wo Freunde und Familien die Geschenke auf eine komische Art verpacken?" "Ja, ich erinnere mich," antwortete Lucy. "Du meinst die Geschichte, als ihr Bruder Tom eine lebensgroße Puppe gemacht hatte, und Sam, nach vom ihm erstellten Anweisungen eine Operation durchführen musste, um an ihre Geschenke heranzukommen?" "Richtig," grinste Trishia. "Ich weiß, das Sam diese Geschichte nicht ohne Grund erzählt hatte." Ein Paar dunkle Augenbrauen hoben sich und Lucy warf ihrer Partnerin einen verstehenden Blick zu. "Du glaubst?" "Jawohl. Ich glaube das es eine Warnung war. Ich glaube, das Sam etwas im Ärmel hat und ich will darauf vorbereitet sein." "Also baust du ein... was ist das eigentlich, Liebling?" Kicherte Lucy, die sich immer über die endlose Neckerei zwischen ihrer Geliebten und der Lebensgefährtin ihrer Schwester amüsierte, die die besten Freundinnen geworden waren. "Es ist ein Labyrinth," erklärte Trishia mit ersichtlichem Stolz. "Schau her. Kannst du diese kleinen Gänge sehen? Im Inneren gibt es eine kleine Murmel und Sam muss die Kiste hochheben und so drehen, dass die Murmel herausfällt. Siehst du die vielen Öffnungen? Die meisten davon sind nur Attrappe. Es gibt für diese Murmel nur zwei Ausgänge." "Oh, das ist gemein," kicherte Lucy, die sich bereits die Frustration auf Sam's Gesicht vorstellen konnte. "Aber wie wird sie letztendlich an ihr Geschenk herankommen, Liebling?" "Sie braucht dazu die Murmel," lachte Trishia, schloss den Deckel der Kiste und winkte Lucy heran, um sich das Ganze näher anzuschauen. "Siehst du dieses kleine Loch? Die Murmel passt genau hinein, und nur wenn sie die Murmel dort hineinsteckt, dann öffnet sich diese kleine Klappe hier," Trishia öffnete die Kiste wieder und zeigte in die Mitte, wo Lucy die erwähnte Klappe sehen konnte. "Das Gewicht der Murmel öffnet die Klappe und dann kann sie den Deckel öffnen." "Oh Mann, das ist eine clevere Konstruktion, Schatz. Hast du das alles alleine entworfen?" "Ja, das hab ich," antwortete Trishia die anscheinend sehr zufrieden mit sich war. Lucy lächelte und trotz des Sägemehls, das auf Trishia's feuchter Haut klebte, streckte sie ihre Arme aus und nahm die grosse Frau in eine liebevolle Umarmung. "Schatz, ich bin schmutzig," protestierte Trishia halbherzig. "Mmm... ein bisschen verschwitzt und... staubig... nichts, was man mit einer angenehmen Dusche abwaschen könnte. Würde es dir etwas ausmachen mir Gesellschaft zu leisten? Ich werd dir deinen Rücken waschen," versprach Lucy verführerisch schnurrend. "Nur meinen Rücken?" Fragte Trishia schelmisch grinsend. "Andere... Körperteile sind verhandlungsfähig," grinste Lucy, mit dem Wissen das das Essen wahrscheinlich, für längere Zeit, warten musste. Nur der Gedanke an Trishia's, über ihren Körper herumstreifende, starke, erfahrene Hände lies sie atemlos werden und verursachte ein prickelndes Gefühl vom Kopf bis zu ihren Zehen. Sie schluckte heftig, und als sie in ein paar liebevolle grünblaue Augen aufblickte, sah sie ein wissendes Lächeln. "Ich bin eine Polizistin," flüsterte Trishia in ihr Ohr. "Ich kenne sämtliche Verhandlungstaktiken." "Auf was warten wir dann noch?" Antwortete Lucy heiser, streckte eine Hand aus und ergriff Trishia's größere. "Folge mir." Sie machten sich eiligst auf den Weg ins Haus, gingen zum Schlafzimmer mit dem angrenzenden Badezimmer und die große Polizistin half ihrer Geliebten beim Aufknöpfen ihrer Bluse, streifte sie von ihren Schultern und ließ sie ohne viel Federlesen auf den Boden fallen. Selbstverständlich waren auch Lucy's Hände nicht untätig gewesen und als sie Trishia das Tank-Top über den Kopf zog hörte sie wie ihre Geliebte scharf Luft holte. "Kein BH?" "Es ist mein freier Tag, erinnerst du dich?" Erwiderte Trishia und streifte mit ihren Lippen über eine nackte Schulter während ihre Finger schnell die dünne Leinenhose über Lucy's Hüfte zogen. Sie versammelten den Rest ihrer Kleidung auf dem Boden und während beide Frauen Hand in Hand zur Dusche gingen tauschten sie zärtliche Berührungen und Küsse aus. Trishia schlang ihre Arme um ihre kleinere Partnerin und zog sie eng an sich, als das lauwarme Wasser über ihre Körper rieselte und dabei den Schweiß und das Sägemehl, das an ihrer Haut klebte, abwusch. "Viel besser," seufzte Lucy glücklich, ließ ihre Hände an dem Brustkasten ihrer Partnerin rauf und runtergleiten, drückte ihr Gesicht gegen Trishia's Hals und küsste den Puls, wo sie den kräftigen Herzschlag unter ihren Lippen spüren konnte. "Wo ist nun die Seife?" Fragte sie verträumt. "Welche Seife?" Keuchte Trishia und nahm Lucy's Lippen mit einem tiefen, leidenschaftlichen Kuss gefangen, während ihre kräftigen Hände an Lucy's Kreuz herunterglitten und beide Körper enger zusammenpresste. Bald war der ursprüngliche Zweck der Dusche, Sam's besondere Geschenkkiste, die noch immer als stolzes Resultat von Trishia's Arbeit auf der Werkbank lag, vergessen.
"Liebling, warum setzt du dich nicht hin und ruhst dich aus? Ich bin sicher, das Alice und ich die Küche aufräumen und dir eine schöne Tasse Tee oder etwas anderes zubereiten können," schlug Sam liebevoll vor und sah wie der Teenager nickte. "Du siehst müde aus." "Das bin ich," gab Jody seufzend zu. "In dieser Hitze das ganze Zusatzgewicht herumzutragen, fühlt sich an wie nach einem Marathonlauf." "Ach, und was weißt du über Marathonläufe?" Neckte Sam während sie mit ihrem Handrücken über Jody's Wange strich. Ein paar grüne Augen blickten sie drollig an und grinsend zuckte Jody mit ihren Schultern. "Nicht viel, außer das ich sicher bin, das diese Läufer froh sind, wenn alles vorüber ist." "Ach Schatz, es tut mir leid, das du dich mies fühlst, ich..." Sam hörte auf zu reden als sie Jody's Finger auf ihren Lippen spürte und knabberte spielerisch an ihnen. "Ich werde es überleben, Sam," versicherte die kleine Rothaarige ihrer Partnerin. "Ich bin mit Sicherheit nicht die erste Frau die Zwillinge trägt und ich glaube, das ich nicht die Letzte sein werde. Also, warum räumt ihr, du und Alice nicht die Küche auf, macht etwas Tee, und dann können du und ich über die Gestaltung unsere Weihnachtsparty reden. In Ordnung?" "Sicher Liebling. Willst du Drinnen oder auf der Veranda sitzen?" "Eindeutig auf der Veranda. Die Sonne ist fort und will versuchen etwas von dieser angenehmen Ozeanbrise abzukriegen." "Alles klar, ich werde mich bald zu dir gesellen." Jody schob ihren Stuhl zurück, legte ihre Hände auf den Tisch und mit einem leisen Ächzen stieß sie sich hoch, bis sie auf ihren Füßen stand. Sie warf Sam, die dabei war ihren Arm zu ergreifen, einen warnenden Blick zu. Die große Frau lächelte schüchtern und trat zurück, um ihrer Partnerin Platz für ihren Weg zur Küchentür zu machen. "Du kannst deine Gewichtheberpflichten früh genug ausüben," scherzte Jody, was Sam zu Kichern brachte. "Sam, warum gesellst du dich nicht zu Jody?" Schlug Alice vor, die den Tisch bereits abgeräumt hatte. "Ich werde mich um die Küche kümmern und etwas Tee machen." "Das ist reizend von dir Alice, aber ich werde dir helfen. Auf diese Art sind wir schneller fertig und du kannst dich auch ausruhen." Sam hatte bereits die neuesten Informationen über die Situation zwischen Yarra und Alice erhalten und erkannte, das es eine gute Sache war, das Yarra Fiona versprochen hatte ihre Freundin heute Abend anzurufen, andererseits wäre sie gezwungen gewesen das dunkelhäutige Mädchen selbst anzurufen. Sie wollte sich in das... Liebesleben ihres jungen Schützlings nicht einmischen, nun ja, sie hoffte das es überhaupt ein Liebesleben war, aber wenn es zu Alice kam, hatten beide, sie und Jody eine sehr beschützende Ader entwickelt. Obwohl sie Yarra verstand und den Wunsch der jungen Frau respektierte, für das Geld, das sie brauchte, um ihrer Freundin ein besonderes Weihnachtsgeschenk zu kaufen, arbeiten zu gehen, hatte es sie zuerst ein wenig gekränkt, als Jody ihr von Yarra's Bemühungen erzählte. Nur Jody, Yarra's Eltern und Yarra selbst wussten, das Sam ihre Ausbildung bezahlte. Als drittes Kind mit zwei Brüdern die noch an der Universität in Queensland studierten, war es für George und Susan Kirby schwer, das Geld für die Unterstützung ihrer Tochter aufzubringen. Sam hatte schon immer eine Schwäche für das ruhige, sensible Mädchen und bereitwillig ihre finanzielle Hilfe angeboten. Aber erst nachdem sie zugestimmt hatte, das Geld als Darlehen anzubieten hatten die Kirby's zugestimmt. Sam war sehr großzügig gewesen und hatte ein Konto eröffnet auf dem sie mehr Geld deponiert hatte, als Yarra für ihr Veterinärstudium brauchte. Sie wusste, das Yarra von dem Konto nur Geld nahm, wenn sie es unbedingt für den Unterricht oder Bücher brauchte. Der Rest wurde nicht angerührt. Es wäre für das Mädchen leicht gewesen sich einfach das Geld zu holen das sie brauchte, um Alice ein Geschenk zu kaufen, aber stattdessen hatte sie sich entschieden schwer zu arbeiten, um das sich selbst gesteckte Ziel zu erreichen. Zuerst war Sam enttäuscht gewesen. Sie wusste das Yarra schwer arbeitete und sie war stolz auf ihre schulischen Leistungen. Aber es beunruhigte sie, das das Mädchen sich so unter Druck setzte, wo die Lösung doch so einfach gewesen wäre. Jody hatte sie jedoch liebevoll gefragt was sie an Yarra's Stelle getan hätte, und Sam musste zugeben, das sie das gleiche getan hätte. Sie hätte diejenige sein wollen, die für ein besonderes Geschenk, für eine besondere Freundin, schwer gearbeitet hat. Auf diese Weise wäre es nur von ihr und niemand anderem. Ihr Respekt für Yarra war erheblich gestiegen und ihr Stolz und ihre Zuneigung für die Veterinärstudentin war gewachsen. "Was macht deine Weihnachtsgeschenkabteilung, Alice?" Fragte sie die junge Blondine, die ordentlich die schmutzigen Teller in die Geschirrspülmaschine einräumte. Alice blickte mit funkelnden Augen auf. "Willst du mich aushorchen, Sam?" "Ich?" Sam zeigte mit einem unschuldigen Blick auf ihre Brust. "Nee, ich doch nicht." "In Ordnung," kicherte Alice. "Weil ich nämlich nicht das geringste sagen werde. Ich kenn dich Sam, du bist einfach zu neugierig." Bevor Sam antworten konnte, erklang von draußen ein Lachen und Jody's vergnügte Stimme hallte durch die Küche. "Das ist die richtige Einstellung, Alice. Gut gemacht." "Ihr zwei habt euch eindeutig gegen mich verschworen," schmollte Sam. "Nein, das haben wir nicht. Wir kennen dich nur, das ist alles," erwiderte Jody trocken. "Ich bin verletzt Liebling," rief Sam zurück. "Dann beeil dich mit was auch immer du tust und komm hierher, damit ich es besser küssen kann." Sam grinste und warf das feuchtes Geschirrtuch zu Alice, die es gekonnt auffing, und Sam damit verspielt auf den Hintern schlug. "Geh schon, ich werde etwas Tee machen." "Du wirst einen wunderbaren Babysitter abgeben Alice," frotzelte Sam. "So, meinst du. Zu deinem Pech werde ich bald in Brisbane sein. "Es gibt ja immerhin noch die Ferien," rief Sam über ihre Schulter, bevor sie die Küche verließ. Lächelnd füllte Alice den Kessel mit frischem Wasser und setzte ihn auf den Herd. Sie genoss das spielerische Scherzen und Frotzeln für das was es war: Als ein Zeichen echter Zuneigung. Sie hatte auf tragische Weise ihre Mutter verloren und niemand konnte sie jemals ersetzen, aber Sam und Jody hatten bewiesen liebende, beschützende Engel zu sein und sie war sich sicher, dass sie großartige Eltern abgeben würden. Gerade als sie mit dem Aufgießen des kochenden Wassers in die Teekanne fertig war, läutete das Telefon und Alice's Kopf zuckte nach oben, genauso wie es die letzten Wochen viele Male geschehen war. Beständig hoffte sie, es würde ihre Freundin sein, welche sie so sehr vermisste. Es war immer die gleiche Enttäuschung und Alice erinnerte sich traurig, dass sie sich an das leere Gefühl, dass sie ergriffen hatte seit Yarra aufgehört hatte sie jeden Tag anzurufen, gewöhnen musste. "Alice, es ist für dich," erklang nach langen Minuten Jody's sanfte Stimme mit einer versteckten Andeutung von Aufregung. Ihr Herz setzte einen Takt aus als sie auf die Veranda ging, um das Telefon zu nehmen das Jody ihr mit einem wissenden Grinsen entgegenhielt. "Yarra," formte Jody mit ihren Lippen und sah wie die blauen Augen aufleuchteten. Alice schluckte heftig und bevor die das schnurlose Telefon an ihr Ohr presste, leckte sich über ihre plötzlich trockenen Lippen. "Hallo," sagte sie schüchtern. "Hallo Alice, ich bin's. Wie geht's dir?" Yarra's sanfte, melodiöse Stimme erfüllte ihr Ohr und um ihre Tränen zu verbergen drehte sich Alice von Sam und Jody weg. "Es geht mir gut," antwortete sie. "Ich war in der Schule fleißig und hab für jeden ein passendes Weihnachtsgeschenk bekommen. Wie geht es dir?" "Es geht mir großartig. Ich rede mit meiner besten Freundin," war die überraschende Antwort und Alice unterdrückte ein Schluchzen. "Alice?" Yarra hörte sich beunruhigt an und das dunkelhäutige Mädchen konnte sich selbst eine runterhauen als sie die tränenerstickte Stimme hörte. "Bin ich das?" Fragte Alice leise. "Meine beste Freundin? Das bist du immer. Es tut mir wegen der letzten Wochen leid, Alice. Ich... ich war wirklich beschäftigt und..." "Zu beschäftigt um ein paar Minuten mit mir am Telefon zu sprechen? Oder mir eine E-Mail mit mehr als zwei Zeilen zu schreiben?" Alice konnte die Bitterkeit in ihrer Stimme nicht verbergen und sie zuckte zusammen als sie die Worte ausgesprochen hatte. Sie ermahnte sich schweigend, das Yarra ihr nichts schuldete und sie keine Ansprüche auf das dunkelhäutige Mädchen hatte. "Ich kann es erklären Alice, und ich möchte es wirklich. Ich will nicht, das du sauer auf mich bist, obwohl ich es verstehen würde, wenn du es bist. Aber du musst mir glauben, wenn ich dir sage, dass... ich immer noch das gleiche für dich empfinde. Nichts könnte das jemals verändern." "Wirklich?" Erwiderte Alice heiser. "Wirklich," antwortete Yarra. Alice konnte das Lächeln heraushören und konnte die Wärme- und Zuneigung ausstrahlenden braunen Augen ihrer Freundin bildlich vor sich sehen. "Ich vermisse dich," flüsterte Alice sanft. "Ich habe dich seit... Monaten nicht mehr gesehen. Kurt vermisst dich auch," fügte sie hinzu, als sie auf den Deutschen Schäferhund herabblickte, der sich neben sie gestellt hatte und sie vertrauensvoll mit seinen dunklen Augen anblickte. "Ich vermisse dich auch, aber ich werde bald zurück sein. Und wenn ich nach Brisbane zurückgehe wirst du auch hier sein." "Das gefällt mir," bekannte Alice. "Mir auch," gestand Yarra. "Ich hasse die Stadt, aber mit dir wird es hier wesentlich besser sein." "Das hoffe ich." "Ich weiß es," war die überzeugte Antwort und Alice lächelte. "Hör zu Alice. Ich werde bald zu Hause sein. Wir können dann eine Menge Zeit zusammen verbringen und ich werde dir erklären warum ich mich in letzter Zeit wie ein... Esel... benommen hab. Ist dir das Recht? Aus verschiedenen Gründen ist es nicht so gut, wenn ich dir das jetzt erkläre, aber ich werde es dir später erzählen. Ich verspreche es." Alice zog ihre Stirn kraus und geistesabwesend kraulte sie den großen Hund zwischen seinen Ohren, worauf dieser vor Vergnügen brummte. Als sie, ohne die schöne Umgebung zu sehen, in die Ferne starrte hatten ihre Augen einen weit entfernten Blick. Doch plötzlich kam ihr ein Gedanke und sie stand mit klaren, aufgeweckten Augen kerzengerade da. "Ähm... hat diese... Erklärung... irgendetwas mit Weihnachten zu tun?" Yarra hustete und räusperte sich, und Alice konnte sich den verwirrten Blick auf dem Gesicht ihrer Freundin beinahe vorstellen. "Nun, ähm... ja!" "Oh Yarra, nun fühl ich mich wie ein Esel," stöhnte sie. "Es tut mir so leid, dass..." "Das muss es nicht, Alice. Ich möchte nur, dass mit uns alles in Ordnung ist und das ist es, richtig?" "Ja," war die geflüsterte Antwort. "Das ist es." "Das ist alles was für mich von Bedeutung ist. Ich könnte es nicht ertragen, wenn... wenn... etwas zwischen uns treten würde." Yarra schluckte hörbar, bevor sie hastig fortfuhr. "Du bedeutest mir so viel." Alice warf ihren Kopf zurück und blickte in den klaren blauen Himmel, ohne wahrzunehmen, wie die Farben in der Atmosphäre, auf magische Weise, die blauen Schattierungen ihrer Augen vertiefte. Yarra's Worte ließen ihr Herz einen Takt überspringen, und es bildete sich ein Kloß in ihrer Kehle. Aber diesmal war es nicht aus Kummer. "Ich wünschte du wärst hier," sprach sie sehnsüchtig. "Ich werde bald da sein," versprach Yarra. "Noch nicht einmal eine Herde Wildpferde könnten mich aufhalten, Alice." "Nein, du würdest sie wahrscheinlich dazu überreden dich nach Hause zu bringen," blödelte Alice, wobei sie sich auf Yarra's besondere Art mit Tieren umzugehen bezog. Das dunkelhäutige Mädchen kicherte und fühlte wie eine warme Woge durch ihren Körper lief. Alice schien immer diesen Effekt auf sie zu haben. "Wenn ich dadurch schneller zu dir gelangen könnte, dann würde ich es machen," stichelte sie. "Also, wie geht es Jody und Sam?" Erst dann erinnerte sich Alice, dass sie nicht allein auf der Veranda war, und während ihre Wangen erröteten drehte sie sich um und warf einen Blick auf das Paar, das sich bequem auf die Couch gekuschelt hatte. Jody hatte ihren Kopf an Sam's Schulter gelegt, und die große Frau hatte beschützend ihre Arme um ihren Körper geschlungen, während eine von Sam's Händen auf ihrem Bauch lag. Jody lächelte sie warmherzig an während Sam blinzelte. Sie sehen beide wie Katzen aus, die gerade den Kanarienvogel verspeist haben," lächelte Alice ironisch und brachte Yarra damit zum Lachen. "Ich vermute mal, dass du dann ja nicht allein warst, wie? Das hab ich nicht so gemeint, Schatz," sagte Yarra, ohne zu bemerken, wie ihr der Kosename leichtzüngig herausrutschte. Jedoch Alice hatte es klar und deutlich verstanden, und ihr Herz machte eine Satz während ihre Wangen tiefrot wurden. Yarra hatte sie noch nie so genannt, doch die liebevolle Art, mit der sie dieses Kosewort ausgesprochen hatte, enthielt eine Welt voller Versprechungen und Alice nahm gerne alle und jede davon an. "Es ist okay," sie lächelte besinnlich. "Ich weiss jedenfalls, dass sie mich lieben." "Natürlich tun sie das," lachte Yarra. "Was könnte man an dir nicht lieben?" Alice lächelte sanft und schwelgte in dem warmen Timbre ihrer Freundin. Sie hatte das Gefühl, dass jedes Mal wenn sie mit Yarra am Telefon sprach, sie sie noch mehr als vorher vermisste. "Flirtest du mit mir?" Fragte sie, und wischte sich den Schweiß von ihrer Handfläche an ihrer Shorts ab, während ihr Herz schneller schlug. "Würdest du es zulassen?" War die leicht erwartungsvolle Antwort. Ihre Augen schließend atmete Alice langsam aus, und ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Sie wusste, dass ihre Antwort ihre Freundschaft in etwas tieferes und intensiveres verwandeln würde. Doch sie war dafür bereit. "Jawohl." "Dann flirte ich mit dir," lächelte Yarra. "Was wäre denn deine Antwort gewesen, wenn ich nein gesagt hätte?" Erkundigte sich Alice schäkernd. Yarra musste nicht lange überlegen. "Dann hätte ich deine Antwort respektiert, was aber nicht bedeutet, dass ich es nicht wieder versucht hätte." "Du bist ein entschlossenes kleines Ding, wie?" Alice lächelte als sie Yarra's herzhaftes Lachen hörte und presste unbewusste den Hörer ein wenig fester an ihr Ohr. "Kleines Ding? Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, war ich wesentlich größer als du, Alice." "Aber du hast mich seit zwei Monaten nicht mehr gesehen, ich könnte gewachsen sein." "Sechs Wochen und drei Tage," seufzte Yarra. "Und ja, das könntest du. Ich freue mich schon darauf mich selbst davon zu überzeugen." "Dann komm schnell nach Hause." "Das werde ich," versprach sie feierlich.
Sechs Tage vor Weihnachten Joan McDonnell seufzte frustriert und warf einen gereizten Blick zu den gestapelten Geschenken, die auf dem ganzen Tisch herumlagen. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie für jeden ein Geschenk hatte, einschließlich der bald auf die Welt kommenden Enkelkinder. Und nun war es an der Zeit, all diese Geschenke hübsch einzupacken. Und genau das störte sie: Sie hasste es Dinge einzupacken. Sie hatte es immer verheimlicht, obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass Fiona es vermutete, da sie das unvermeidliche immer mit irgendwelchen Ausreden hinauszögerte, die immer augenfälliger wurden. Sie liebte ihre Familie und Freunde und freute sich auf die von Jody und Sam organisierte Weihnachtsparty, doch über die Jahre war ihre Familie immer größer geworden, und somit mussten immer mehr Geschenke hübsch eingepackt werden. Mit einem letzten, verstimmten Blick auf den Tisch, holte Joan tief Luft und zum ersten Mal fragte sie sich, ob Sam's Vorschlag, dass jeder, der an der Party teilnimmt ein Geschenk für... jeden der zu der Party kommt... kauft, so gut war. "Danke, Sam," brummte Joan. "Mir gefällt die Idee, aber müssen wir wirklich alle einpacken? Warum stecken wir nicht einfach einen Zettel mit Namen daran? Das wäre viel einfacher." "Aber kein Spaß," erklang plötzlich eine vergnügte Stimme hinter ihr. Joan fuhr zusammen, und als sie sich umdrehte warf sie ihrer jüngsten Tochter einen vorwurfsvollen Blick zu. "Erschreck deine arme Mutter nicht so, Fiona McDonnell! Weihnachten ist stressig genug, auch ohne dass du bei mir einen Herzanfall verursachst." "Entschuldige, Mom," antwortete Fiona, doch ihre Augen funkelten voller Fröhlichkeit. "Weißt du, ich könnte dir helfen." Joan McDonnell's nussbraune Augen erhellten sich und sie sah von dem Chaos auf dem Tisch zu ihrer Tochter und wieder zurück. "Das ist reizend von dir Liebling, aber ich denke wirklich, dass..." "Jetzt lass gut sein, Mom, du weißt, dass du meine Hilfe brauchst," lachte Fiona. "Außerdem wirst du morgen zur Murrook Farm gehen, um Jody beim Backen und dem ganzen anderen Kram zu helfen. Du musst hiermit fertig sein, bevor du gehst. Und dafür hast du..." Fiona warf einen Blick zur Uhr und grinste. "...noch genau elf Stunden, weil dich Sam um acht Uhr abholen wird." "Das ganze gefällt dir, oder?" Seufzte Joan lächelnd. "Es ist eines von den Dingen, die Weihnachten so fröhlich machen, Mom," grinste Fiona, ging näher zum Tisch und betrachtete die verschiedenen Formen und Größen. "Aber denk doch nur, wie toll der Baum mit den vielen Geschenken darunter aussehen wird." "Ich bezweifle, dass wir den Baum überhaupt sehen werden," murmelte Joan. "Weißt du wie viele Leute da sein werden?" Fiona lehnte sich seitlich gegen Tisch und warf ihrer Mutter einen vorgetäuschten, nachdenklichen Blick zu. "Lass mal sehen, da sind natürlich Jody und Sam," zählte sie an ihren Fingern ab. "Du, ich, Lucy und Trish, Alice und Yarra, Susan und George, Yarra's Brüder Collin und Marron, Sarah und Megan mit ihrem kleinen Racker und dann natürlich unsere verborgenen Gäste: Baby eins und Baby zwei. Das sind fünfzehn sichtbare und zwei unsichtbare Leute. Das sind eine Menge Geschenke, Mom," grinste Fiona. "Aber wie du weißt, hätte es wesentlich schlimmer kommen können. Brian und Chris waren auch eingeladen, sie besuchen jedoch Chris' Eltern in Cairns, und Vogel ist auf einer Exkursion und wird irgendwo auf dem Pazifik glücklich herumschippern, und tun was Meeresbiologen auch immer machen." "Sam und Jody müssen ihren Verstand verloren haben. Ja nun, die gute Nachricht ist die, dass ich siebzehn Geschenke habe und somit keiner leerausgehen wird, doch die schlechte Nachricht..." Joan's Augen wanderten zum Tisch und sie warf ihrer Tochter einen flehenden Blick zu. "Hilfe!" "Wir werden mit dem Auswickeln der ganzen Sachen bis Silvester beschäftigt sein," lachte Fiona und freute sich auf das bevorstehende Ereignis. "Aber ich werde dir helfen, Mom. Lass uns loslegen." "Ein Glück, dass Schulferien sind, weil wir bis nach Mitternacht damit beschäftigt sein werden," verkündete Joan. "Ich schwöre, dass ich Sam dafür drankriegen werde."
Schatz, kannst du mir bitte die Rolle Klebeband reichen?" Bat Jody und drückte ihren Finger auf ein Stück Geschenkpapier, um die akkurat gefalteten Kanten festzuhalten. Sam reichte ihrer Geliebten wortlos den erbetenen Gegenstand, und schaute auf den wachsenden Stapel von farbenprächtig eingepackten Geschenken auf dem Küchentisch. "Du bist meine Heldin," seufzte sie. "Ich glaube nicht, dass ich das allein geschafft hätte, Jody. Ich habe nie realisiert wie viel es war, bis ich diesen Berg gesehen habe." "Nun ja, es war deine Idee, Dutchie," grinste Jody und biss mit ihren Zähnen ein Stück von dem Klebeband ab. "Was hab ich mir nur dabei gedacht?" murmelte Sam, während sie ein weiteres Stückchen Klebeband um ihren Finger wickelte. "Es war eine tolle Idee, Liebling. Es wird eine großartige Party werden." "Ja, das wird es, oder nicht?" Kicherte Sam, während ihre blauen Augen fröhlich leuchteten. "Warte, bis Trishia ihr Geschenk auspackt! Ich kann es nicht erwarten ihr Gesicht zu sehen." "Eins kann ich dir sagen, manchmal bist du wirklich ein richtiges Kind," lachte Jody, jedoch der Blick den sie ihrer Partnerin zuwarf, war voller Liebe und herzlicher Fröhlichkeit. "Dies wird unser letztes Weihnachtsfest ohne Kinder sein," bemerkte Sam glücklich seufzend. "Ich freue mich so darauf diese zwei kleinen Wesen kennenzulernen. Neun Monate sind eine sehr lange Wartezeit." Jody legte ihre fleißigen Hände auf ihren Schoss und rieb abwesend über ihren Bauch, worauf sie umgehend eine Bewegung unter ihren Handflächen spürte. "Es könnten weniger als neun Monate sein, Liebling. Du weißt was sie bei Zwillingen sagen." "Ja, das sie gewöhnlich früher kommen," antwortete Sam lächelnd. "Nun, ich bin bereit diesen zwei kleinen Sprösslingen zu begegnen. Dieses Ultraschall ist eine großartige Sache, aber trotzdem ist es wie wenn man auf ein schwarz-weißes Puzzle schaut: Wessen Teile gehören zu wem?" "Ach, komm schon Sam, so schlimm war es auch nicht," lachte Jody. "Und dann natürlich das eine Mal, als einer unserer Abkömmlinge uns angemeckert hat." Jody schüttelte ihren Kopf und befürchtend vor lauter Lachen vom Stuhl zu fallen hielt sie sich ihren Bauch. "Du bist so schlimm! Mich so zum Lachen zu bringen, dass sie aufwachen, Liebling. Du wirst ihnen später eine Geschichte erzählen müssen, um sie zu beruhigen, weil sie mich ansonsten nicht schlafen lassen werden." "Ich finde das immer noch so... wunderbar," lächelte Sam voller Verwunderung. "Die Art wie sie auf meine Stimme reagieren ist vollkommen erstaunlich." "Sie wissen, dass du sie liebst." "Und ob ich das tue. Ich bin ihnen noch nicht begegnet, aber... aber ich weiss einfach, dass wir zwei ganz besondere Kinder haben werden. Und ich wünsche mir wirklich, dass sie wie ihre Mammi aussehen." "Mit roten Haaren und Sommersprossen?" Erkundigte sich Jody mit hochgezogenen Augenbrauen. "Ich hoffe, dass sie eher deine Gene haben werden, mein Schatz. Ich liebe diese blauen Augen mit den blonden Haaren. Nicht zu erwähnen deine Größe. Ich bin froh, dass du und dein Bruder Tom so groß seid. Wenn die Babies euch beiden ähneln wäre ich keineswegs traurig." "Mmm... groß zu sein hat seine Vorteile," lächelte Sam, nahm Jody's Hand und führte sie zu ihren Lippen um sie zärtlich zu küssen. "Aber du hast immer noch keine Ahnung wie wunderschön du bist, meine Liebe." Ein Paar grüne Augen trafen auf Blaue, und einen Moment lang verlor sich Jody in diesem zärtlichen Blick, der sie wie eine warme Decke umhüllte. "Du meinst das wirklich," flüsterte sie schließlich. "Sogar jetzt, wo ich so massig wie ein Haus bin und herumwatschle wie eine Ente?" "Für mich hast du nie schöner ausgesehen," beteuerte Sam, und in den Augen ihrer Geliebten konnte Jody sehen, dass sie es wirklich so meinte. "Ich liebe dich, Samantha Stevens," sagte sie lächelnd und streichelte die Wange der Blonden mit ihrem Handrücken. "Genauso wie ich dich liebe, Jody McDonnell. Du und die Zwillinge, ihr seid mein Leben." Sam ging mit ihrem Gesicht näher an das ihrer Partnerin und nahm ihre Lippen mit einem Kuss gefangen, der so liebevoll und zärtlich war, dass es Jody Tränen in die Augen trieb. Die Frau enger an sich ziehend schlang sie ihre Arme um Sam's Hals, legte ihren Kopf gegen eine starke Schulter, und schwelgte in dem Gefühl von Sam's Händen, die langsam kreisend über ihren Rücken rieben. "Ich mag die Vorstellung, dass wir Zwillinge haben wirklich," bekannte Jody. "Ich weiss, dass wir beschäftigt sein werden, aber es wird so wunderbar sein, Sam. Habe ich mich bei dir schon dafür bedankt?" "Für was?" Fragte Sam, verwirrt ihre Stirn runzelnd. "Dafür, dass du uns Zwillinge beschert hast," erwiderte Jody besinnlich. "Ähm... nun ja, Süße, ich glaube nicht, dass das etwas mit mir zu tun hat, ich habe doch nur..." "Du warst diejenige, die es getan hat... die ganze Sache mit dieser Art Spritze, oder nicht?" "Nun ja, aber..." "Ich vermute, das du einfach genau gezielt hast," lachte Jody und küsste ein Paar weiche Lippen, die passenderweise sehr nah waren. Sam schaute auf und ihre blauen Augen funkelten, als sie den völlig hingebungsvollen Blick auf dem Gesicht ihrer Geliebten sah. "Dann muss ich es richtig gemacht haben," kicherte sie. "Das hast du. Und da gibt es noch so viele andere Dinge in denen du ausgezeichnet bist, Liebling. Küssen ist eines davon," flüsterte Jody heiser und spürte wie ihr Herz einen Takt aussetzte als Sam's Lippen wieder ihre berührten. Bedächtig küssten sie sich eine lange Zeit, wechselten geflüsterte Worte von Liebe und tauschten sanfte Berührungen aus, bis sich Jody mit einen schweren, reuevollen Seufzer aus Sam's langen Armen schälte. "Wir müssen mit dieser Verpackungs-Expedition fertig werden, mein Schatz. Mom kommt am Morgen und ich will bis dahin damit fertig sein." Jody gab Sam einen letzten Kuss und stupste verspielt auf die Brust der größeren Frau. "Wie du weißt, ist es deine Schuld. Du hast diese Bedingung gestellt, dass kein Geschenk unverpackt sein darf." "Und was für eine alberne Bedingung das war," grinste Sam. "Ich freue mich schon darauf alle deswegen stöhnen und ächzen zu hören. Es war ein ausgezeichneter Scherz." "Ja, und sieh dir an wer die meisten deiner Geschenke eingepackt hat, meine raffinierte kleine Holländerin." "Hey! Ich habe auch meinen Anteil daran," protestierte Sam, doch sie grinste, da sie sehr wohl wusste das es nicht die Wahrheit war, außer wenn zwei von den Geschenken auch zählten. "Ich liebe dich trotzdem," entgegnete Jody grinsend und küsste Sam verspielt auf die Nase. "Und ich würde dich wahrlich anbeten, wenn du mir meine untere Rückpartie massieren würdest." "Warum? Was ist los? Geht es dir gut?" Fragte Sam voller Sorge. "Doch, mein Schatz, mir geht's gut. Ich glaube, ich habe mich ein wenig übernommen. Es fühlt sich ein bisschen... wund an, dass ist alles. Nichts was deine Hände nicht beseitigen könnten," fügte Jody charmant lächelnd hinzu. "Kann ich dich also zu einem netten Rückenreiben überreden?" "Jederzeit, meine Liebe," versprach Sam, die bereits hinter Jody's Stuhl stand und in zärtlichen, kreisen Bewegungen über ihren Rücken rieb. "Es ist mir ein Vergnügen."
Michael McDonnell starrte aus seinem Schlafzimmerfenster, seine grünen Augen sahen nicht, wie die Baumkronen in der Abendbrise sanft schwankten, oder wie der Mond das Wasser in dem kleinen Teich, der von einer Quelle aus dem Berg hinter dem Haus gespeist wurde, beleuchtete. Seine Finger waren um ein Stück Papier geschlungen, und ohne draufzusehen kannte er den genauen Wortlaut darauf. Er hatte es bereits so oft gelesen, das er jedes Wort auswendig kannte.
Michael atmete aus und fuhr mit seinen Fingern durch sein rotblondes Haar. Es war wahrlich eine Fügung das er an diesem Morgen in das winzige örtliche Postamt ging, und ihm die Post übergeben wurde. Gewöhnlich holte sein Vater nach der Arbeit die Post. Aber als Michael an diesem Morgen losging um einige Briefmarken zu kaufen, war der Besitzer Bill Sawyer, ein Freund seines Vaters nicht da. Stattdessen war Bill's Neffe Mark die einzige Person in dem kleinen Geschäft. Er gab Michael einen Stapel Post, doch erst als er zu Hause war und die Umschläge auf den Küchetisch legte fielen seine Augen auf eine geläufige Handschrift, die er sofort als die seiner Schwester erkannte. Der Brief war an ihn adressiert. Mit zitternden Fingern hatte er den Umschlag geöffnet und das Stück Papier herausgezogen. Mit Tränen in seinen Augen hatte er Jody's Worte gelesen, und er fragte sich warum sie solange gebraucht hatte sich endlich mit ihm in Verbindung zu setzen. Jedoch als er den Brief zum zweitenmal las wusste er warum. Und es tat ihm weh, dass sein Vater offensichtlich dafür gesorgt hatte, dass er keinen der Briefe von seiner Schwester erhalten hatte. "Warum Dad?" Flüsterte Michael, und fühlte sich elend etwas von seinem Vater enthüllt zu haben, vor das ihn Fiona bereits vor Jahren gewarnt hatte. Er dachte das seine jüngste Schwester sich irrte, als sie ihm einmal erzählt hatte, dass Jody niemals seinen Geburtstag oder Weihnachten vergessen hatte. Es hatte ihn nachträglich verletzt als er erkannte, dass Fiona dachte, das Jody sich an ihn erinnern würde. Er hatte so getan als würde es ihm nichts ausmachen, zuckte mit seinen Schultern und murmelte etwas unverständliches. Doch tief in seinem Innerstern hatte er geweint. Und versuchte nicht daran zu denken wie sehr er seine älteste Schwester vermisste und später, nachdem seine Mutter mit Fiona und auch Lucy fort waren vermisste er sie auch. Sie sind alle eine Brut des Teufels, mein Sohn, hallten die Worte seines Vaters in seinen Ohren wieder. Jody und Lucy sind für Gott und unsere Familie ein Gräuel, und sie haben deine Mutter und Schwester mit hineingezogen. Wenn ihre Zeit gekommen ist, werden sie geradewegs zur Hölle fahren. Hölle? Grübelte Michael. Was ist die Hölle genau? Ich habe das Gefühl durch eine emotionale Hölle gegangen zu sein seit Mutter gegangen ist. Dad erwartet von mir, weil ich sein Sohn bin, auf seiner Seite zu stehen. Er sagte mir, dass wir zusammenhalten sollten. Er sagte mir, dass Gott es wolle, dass ich meinen Schwestern den Rücken zukehre. Dies wäre ein großer Glaubensakt von mir. Doch ich glaube nicht mehr daran. Ich denke, dass ich es nie geglaubt habe. Es ist sein Wille. Und nicht der Wille Gottes. Michael rieb seine müden Augen und konnte fühlen wie feucht seine Finger waren. Er hatte das Gefühl, dass sein Leben an einem Scheideweg angekommen war, und egal welche Richtung er einschlug, er würde bei diesem Prozess auf jeden Fall Menschen verletzen. Nicht einfach gewöhnliche Menschen, sondern die eigene Familie, die ihm sehr viel bedeutete. Es war so schwer. Sein Bruder Matthew arbeitete in seinem eigenen Betrieb als Bauunternehmer, und sowohl er als auch sein Vater erwarteten, dass Michael bald mit seiner Ausbildung anfangen würde. Sie wollten das er Zimmermann wurde, genau wie sie. Doch sie hatten ihn während der achtzehn Jahre nie nach seinen Träumen gefragt. Sein Abschluss war gut genug um Medizin studieren zu können und Kinderarzt zu werden. Er hatte es einmal bei seinem Vater erwähnt, woraufhin er ihm grob auf den Rücken schlagend gelacht hatte, und scherzend fragte ob er genauso schwul wie seine Schwestern wäre? Sein Vater hatte ihm versichert, das der Beruf eines Zimmermanns ihn zu einem richtigen Mann machen würde. Studieren sei nur was für Versager. Michael schluckte schwer und blickte auf das Blatt Papier in seinen Händen. Er faltete es sorgfältig und steckte es in seine Tasche. Vielleicht war es an der Zeit ein Mann zu werden. Und einen Standpunkt einzunehmen. Er würde es früher oder später sowieso tun müssen.
Der Tag vor Weihnachten... "Los, komm schon," ungeduldig sprang Yarra von einem Fuß auf den anderen und wartete darauf das die Ampel grün wurde. Sie hatte nur noch fünf Minuten bis ihr Bus abfuhr und sie musste ihn unbedingt kriegen. Doch zuerst musste sie diese schrecklich belebte Strasse überqueren, auf der sich die ganze Welt samt Hunden zu bewegen schien, um ihre letzten Weihnachteinkäufe zu tätigen. Sie hatte ihren Eltern versprochen an Heiligabend zu Hause zu sein, dafür hatte sie noch ungefähr; sie warf einen Blick auf ihre Uhr, fünf Stunden Zeit. Ihre Brüder waren schon vor Tagen nach Hause gefahren und hatten den größten Teil ihrer Sachen mitgenommen, während Yarra mit Tränen in den Augen und schweren Herzens zugesehen hatte wie sie gingen. Da sie an Heiligabend in ihrem Job arbeiten musste, steckte sie bis 16:00 Uhr fest und sie hatte damit nur ungefähr anderthalb Stunden um ihre Reisetasche zu packen, zu dem Geschäft zu rennen, die versprochen hatten das Zeichenbrett zurückzulegen und zur nächsten Busstation zu rennen. Als ihre Brüder losfuhren, war das einzige was sie davon abgehalten hatte auf den Rücksitz von Collin's Wagen zu springen, die Vorstellung von einem Paar glänzender blauer Augen, die vor Glück leuchten würden, nachdem Yarra ihr Geschenk an Alice übergeben hatte. Und da war noch etwas. Wenn sie den Mut aufbringen konnte es ihr zu geben. Nervös das kleine Päckchen in ihrer Tasche befühlend schluckte Yarra schwer. Es zu kaufen war eine Eingebung des Augenblicks gewesen und sie bereute es nicht. Oh nein. Aber sie fragte sich, wie sie sich dazu überredet hatte. Weil es Alice ist, antwortete ihr die ruhige Stimme ihres Unterbewusstseins. Yarra's braune Augen nahmen einen weichen Ausdruck an und erleichtert seufzend sah sie, wie die Ampel grün wurde. Schnell folgte sie der Schar von Fußgängern auf ihrem Weg zur Busstation. Viele waren Studenten, die genau wie sie, um etwas zusätzliches Geld zu verdienen zum arbeiten länger in Brisbane blieben, um ihren Freunden und Geliebten Weihnachtsgeschenke kaufen zu können. Yarra grinste, als sie sich umblickte und bemerkte, dass eine Menge Leute Taschen mit farbenprächtigen Paketen oder Geschenkpäckchen schleppten. Zumindest sah sie beim herumtragen der große Box, die Alice's Hauptgeschenk enthielt, nicht albern aus. Das einzige Problem war, die Box in den Bus zu bekommen. Aber vielleicht half ihr der Busfahrer die Box in den Laderaum des Busses zu verstauen, wo sich der riesige Gepäckraum befand. Das würde ihr zu einer entspannten Heimfahrt verhelfen. Wenn du früher gegangen wärst, dann hättest du an der Murrook Farm vorbeigehen können und heute abend Alice besuchen können. Nun wirst du bis morgen warten müssen... Yarra knirschte mit ihren Zähnen und ignorierte die kleine ärgerliche Stimme in ihrem Hinterkopf. Sie würde bald zu Hause sein und das allein zählte. Wenn der Sommer vorüber war würde Alice auch nach Brisbane gehen und sie konnten sich dann öfter sehen. Yarra lächelte und fühlte wie sich eine angenehme Wärme in ihrer Brust niederließ. Das nächste Jahr wird prima sein. Mit Alice in der Nähe würde sie nicht einmal mehr Heimweh bekommen... Yarra erspähte den Bus der sie nach Hause bringen würde und steckte ihre Hand in ihre Tasche um ihren Geldbeutel herauszuziehen. Sie erstarrte abrupt. Ihr Herz übersprang einen Takt und sie spürte wie es ihr eiskalt den Rücken herunterlief. Ihre Tasche war leer. Für einen kurzen Moment dachte das dunkelhäutige Mädchen, dass man sie beraubt hatte, doch dann erkannte sie mit erschreckender Klarheit, dass sie ihn in ihrem Zimmer vergessen hatte. Er lag auf dem Tisch neben dem Bett. Und das Geld für die Fahrkarte befand sich darin. "Oh nein! Ich kann nicht glauben, dass mir das passiert ist," flüsterte sie aufgebracht. Auf die schwere Box an ihren Füssen hinunterblickend nahm sie tief Luft, um den Ärger runterzuschlucken der sich in ihr breitmachte. "Ich hab es vermasselt. Ich hab es zweifellos vermasselt." "Hey Yarra," erklang eine fröhliche Stimme hinter ihr. "Fährst du für die Feiertage nach Hause?" Yarra blickte in das freundliche Gesicht Jim Hanson's, einer ihrer Kommilitonen. "Hey Jim," begrüßte sie ihn freundlich lächelnd. "Das wollte ich, aber ich habe gerade entdeckt, dass ich meinen Geldbeutel mit all meinem Geld auf dem Nachtisch habe liegen lassen. Ich vermute mal, dass ich diesen Bus nicht nehmen kann, wie?" "Oh, das tut mir leid, Kumpel," entgegnete Jim, der mitleidig zusammenzuckte und bereits in die Tasche seiner Shorts griff um einen Ledergeldbeutel herauszuziehen. "Wenn du etwas Geld für den Fahrschein brauchst, dann kann ich..." "Das ist lieb von dir, Jim," seufzte Yarra, die sich über diese Geste sehr freute. "Aber ich werde bis zum Beginn des neuen Semesters zu Hause bleiben. Ich muss wirklich zurückgehen und ihn holen." "Willst du dieses Monster etwa mit dir herumschleppen?" Fragte Jim und zeigte auf die Box an ihren Füssen. "Ich habe keine andere Wahl," erwiderte Yarra ironisch lächelnd. "Lass mich dir etwas Geld geben, damit du eins von den Gepäckschließfächern benutzen kannst, Yar," schlug Jim vor und hob eine Hand um den Protest des dunkelhäutigen Mädchen abzuwehren. "Komm schon Kumpel, das ist das mindeste was ich tun kann. Außerdem kommst du, wenn du das Gewicht nicht mit dir herumtragen musst, schneller voran." "In Ordnung," stimmte Yarra lächelnd zu. "Aber ich werde es dir zurückgeben." "Ganz wie du willst Yarra," bemerkte Jim grinsend. "Aber es sind nur ein paar Dollar." "Du bist ein netter Bursche Jimbo. Ich weiß das zu schätzen." "Mach dir keine Gedanken, es ist nur ein Freundschaftsdienst," entgegnete Jim schulterzuckend. "Vorwärts, lass uns ein Gewölbe finden, in das dieses Ding passt. Was ist das überhaupt?" Fragte er über seine Schulter blickend, während er Yarra zu einen kleinen Gebäude führte, in dem sich die Schließfächer befanden. "Ein Weihnachtsgeschenk?" "Klar." Antwortete Yarra grinsend als sie Jim's Lächeln sah. "Sie muss etwas besonderes sein," entgegnete er kichernd. Er kannte Yarra's Orientierung, da sie ihn in der Vergangenheit einige Male hatte abblitzen lassen, und dann schließlich den Grund dafür erklärte. "Ich würde sie gerne kennenlernen." "Das wirst du sehr bald," versprach Yarra. "Beim nächsten Semester beginnt sie mit ihrem Architekturstudium." "Mensch Meier, das ist prima. Sie kann dann deine Klinik entwerfen." "Vielleicht wird sie das eines Tages," erwiderte Yarra grinsend. "Hör zu Jim, wenn ich den letzten Bus noch erwischen will, dann muss ich jetzt wirklich los. Vielen Dank für deine Hilfe Kumpel. Das werd ich dir nicht vergessen." "Mach dir darüber keine Sorgen, Yarra. Fröhliche Weihnachten." "Fröhliche Weihnachten Jim," entgegnete sie lächelnd, bevor sie ihn ein letztes Mal anlächelte, und sich dann zurück auf den Weg machte, wo sie hergekommen war. Yarra hatte keine Zeit, die festliche Weihnachtsatmosphäre mit all den Dekorationen in den Schaufenstern und die Weihnachtlieder zu genießen, die aus verschiednen Läden und Restaurants erklangen. Mit ihren langen Beinen kam sie gut voran als sie die Strasse hinunterrannte und bereits spürte wie Schweiß ihren Rücken und ihre Stirn bedeckte. Sie wischte ungeduldig mit ihrem Handrücken einige Tropfen weg als sie einen Moment warten musste, um den Verkehr vorbeizulassen. Kaum fünfzehn Minuten später kam sie bei ihrer Wohnung an, die sie sich mit ihren Brüdern teilte und rannte die Treppe zum ersten Stock hinauf. Keuchend öffnete sie die Tür zu ihrem Schlafzimmer und schnappte sich hastig ihren Geldbeutel von dem kleinen Tisch. Zwei Minuten später knallte die Haustür hinter ihr zu und Yarra rannte, diesmal mit ihrem Geld und einer Flasche Wasser, die sie noch schnell aus dem Kühlschrank geholt hatte, den Weg zur Busstation zurück. Auf ihrem Weg zur Station überquerte Yarra einen kleinen Park und war für die großen, schattenspendenden Bäume dankbar. Es brachte eine kurzfristige Erleichterung von der heißen Sonne. Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Uhr und fragte sich ob sie sich ein paar Minuten Rast erlauben konnte. "Ich vermute, dass ich es kann," keuchte sie, ließ sich auf eine Bank fallen und spürte, als sie ihren langen Beine ausstreckte, wie sich ihre müden Wadenmuskeln verspannten. "Ich muss mich wieder in Form bringen," murmelte sie und nahm einen tiefen Schluck aus ihrer Wasserflasche. "Ich habe in den letzten Monaten zulange über diesen Büchern gehangen." Der Gedanke an ein paar Wochen Urlaub, von dem sie sicher war, dass Alice sich bei einigen langen Wanderungen durch Wald zu ihr gesellen würde, erhellte sofort ihre Stimmung und Yarra lächelte. "Entschuldigung, Miss?" Erklang plötzlich eine zierliche, schüchterne Stimme und als Yarra aufblickte sah sie ein junges Mädchen vor sich stehen. Sie konnte nicht älter als zehn Jahre sein. Sie hatte eine dunkle Shorts und ein hellblaues T-Shirt an, die schon bessere Tage gesehen hatten. Ihre Füße waren nackt und schmutzig. Das hellblonde Haar fiel beinahe in die hellblauen Augen des Mädchens, das durch ihre langen Wimpern zu Yarra blickte. "Miss... wenn... wenn sie fertig sind mit der... wenn ihre Flasche leer ist, darf ich sie dann bitte haben?" Fragte das Mädchen mit leicht heiserer, zögernder Stimme und Yarra blickte das Mädchen verdutzt an. "Meine Flasche?" Fragte sie. "Ja bitte? Sie haben heute die Behälter im Park geleert und... und... ich brauche eine Flasche um an den Brunnen da drüben etwas Wasser für meine Mutter zu holen. Ich habe die andere Flasche fallen lassen und sie hat einen Sprung bekommen," sagte das Mädchen und beendete flüsternd ihren Satz. "Jetzt leckt sie sehr stark." Yarra betrachtete das Mädchen, das beinahe zu schüchtern war um sie anzublicken. Stattdessen zeichnete sie mit den Zehen ihres nackten Fußes ein unsichtbares Muster auf das kurzgetrimmte Gras. "Wie heißt du, Kleines?" Fragte sie freundlich. "Caroline, aber meine Mom nennt mich Linny." "Es freut mich dich kennenzulernen, Linny. Ich heiße Yarra," entgegnete das dunkelhäutige Mädchen lächelnd. "Und natürlich kannst du meine Flasche haben. Hier." Yarra schraubte die Flasche wieder zu und reichte sie dem Mädchen, das sie mit großen Augen anblickte. "Sie... haben sie noch nicht ausgetrunken," sagte sie eindeutig überrascht. "Das ist schon in Ordnung, Linny. Ich kann mir später eine neue holen." Sie überblickte mit ihren braunen Augen den Park. Außer dem Mädchen und ein paar Leuten neben dem Brunnen sah sie sonst niemanden. "Wo ist deine Mom, Linny?" Das hagere Mädchen drehte sich halb um und zeigte mit einem kleinen Finger zu einigen Büschen hinter einem großen Baum. "Sie schläft dort hinten," erklärte sie unschuldig und bestätigte damit was Yarra schon vermutet hatte; Linny und ihre Mutter waren offensichtlich obdachlos. Schmerzvoll erinnerte sich Yarra an die Geschichten, die Alice ihr über ihre Zeit auf der Strasse erzählt hatte, und wie gefährlich und schwer ihr Leben gewesen war. Wenn das Wetter es erlaubte, dann hab ich gewöhnlich draußen geschlafen. Größtenteils in Parks unter einigen Büschen die groß genug waren um mich darin zu verstecken. Ich wusste, dass wenn ich mich dort ausruhen konnte, dann hatte ich die Chance eine weitere Nacht zu überleben, hallte Alice's Stimme in ihren Ohren. "Ist sie in Ordnung?" Erkundigte sich Yarra besorgt. Das kleine Mädchen zuckte mit ihren schmalen Schultern und warf der großen Frau einen traurigen Blick zu. "Das sagte sie, aber ich glaube das sie krank ist, weil ihr so kalt ist. Sie hustest oft. Und ich weiß, dass ihr der Bauch weh tut." "Woher weißt du das?" Erkundigte sich Yarra nun noch besorgter. "Weil sie sich ihn hält und ich sie nicht berühren darf," erläuterte Linny flüsternd. "Wird sie sterben, Yarra?" Yarra's Herz zog sich zusammen als das kleine Mädchen mit schmerzerfüllten blauen Augen zu ihr aufblickte, die ausdrückten welchen Kummer sie in ihrem jungen Leben schon ertragen musste. Es erinnerte sie an Alice, und Yarra musste den Kloß in ihrer Kehle herunterschlucken. "Warum zeigt du mir nicht wo deine Mutter ist, damit ich einen Blick auf sie werfen kann? In Ordnung?" Schlug sie vor und gab dem kleinen Mädchen ihre Hand. Eine feuchtkalte, kleine Hand legte sich in ihre viel größere und Yarra drückte sie ermutigend. "Hier entlang," sagte Linny und zog Yarra in die Richtung zu der sie vorher gezeigt hatte. "Vielleicht kannst du ihr helfen, hm"
"Alice, Liebling, würdest du bitte aufhören hin und herzuschreiten? Du machst mich seekrank," schimpfte Jody, und sah wie die junge Blondine ihr einen aufgebrachten Blick zuwarf, bevor sie sich in einen Stuhl fallen ließ und das schnurlose Telefon mit Argusaugen betrachtete. "Sie wird dich anrufen Alice," versuchte Joan McDonell, von ihrem bequemen Platz auf der Couch, die jungen Frau zu beruhigen. "Yarra hat ihre Eltern seit einer Weile nicht mehr gesehen und ich vermute, das sie einfach etwas Nachholbedarf haben." "Ich weiß, ich weiß," murmelte Alice, die sich wunderte warum sie so unruhig war. Sie warf einen Blick auf die Uhr und erkannte, das Yarra vor mehr als einer Stunde hätte ankommen müssen. Was hielt sie auf? "Außerdem machst du den armen Kurt ganz wuschelig im Kopf," fügte Sam lächelnd hinzu, die auf den Hund blickte der ungeduldig in dem Bereich zwischen dem Wohnzimmer und der Küche herumtappste. Sam hatte ihm bereits einige Male die Tür geöffnet, da sie dachte das er raus musste, aber jedes Mal sahen seine ausdruckslosen Augen nur zu ihr auf und Sam wusste immer noch nicht was sein Problem war. Wahrscheinlich die Aufregung über die bevorstehende Weihnachtsparty. Oder vielleicht wartete er darauf, das Yarra die Auffahrt heraufkam. Sam hatte einen Artikel gelesen, dass Tiere manchmal so etwas einfach vorher wussten. Alice sprang fast auf, als plötzlich das Telefon klingelte, und nach einem kurzen Blick und einem Nicken von Jody schnappte sie sich das schnurlose Teil vom Tisch und hielt es sich an ihr Ohr. "Yarra!" Seufzte sie erleichtert als sie die bekannte Stimme am anderen Ende der Leitung hörte. "Ich hatte mich gewundert wo du dich versteckt hast. Hattest du eine gute Fahrt hierher?" "Ich bin noch immer in Brisbane, Alice," erklang Yarra's müde Stimme in Alice's Ohr. "Es ist etwas passiert. Tut mit leid." "Aber... ich... wann...?" "Ich kann erst morgen früh fortfahren. Ich habe den letzten Bus verpasst." "Aber wieso?" Fragte Alice stirnrunzelnd während sie versuchte sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. "Es ist eine lange Geschichte, aber ich bin auf ein kleines Mädchen gestoßen, dessen Mutter meine Hilfe brauchte. Ich konnte ihnen nicht einfach den Rücken zukehren, Alice." "Ich... verstehe," presste Alice heraus. Sie war jedoch so enttäuscht darüber ihre Freundin erst einen Tag später wiederzusehen, das sie Yarra's nächste Worte beinahe nicht gehört hätte. "Was?" Fragte sie und setzte sich abrupt kerzengerade auf. "Ich habe dieses kleine Mädchen und ihre Mutter im Park getroffen als ich auf dem Weg zur Busstation war. Sie sind obdachlos und die Mutter ist sehr krank. Sie lag hinter einigen Büschen, Alice und als ich zu ihr kam war sie mehr tot als lebendig. Ich rief einen Krankenwagen, doch es musste jemand eine Weile bei dem Mädchen bleiben. Ich konnte sie nicht einfach dalassen und bin dann mit ihr zum Krankenhaus gegangen." Alice bemerkte das Yarra kurz davor war in Tränen auszubrechen und auch sie konnte spüren wie sich Feuchtigkeit in ihren Augen bildete. "Wie geht es ihr jetzt?" Fragte sie liebevoll. "Der Arzt sagte, das sie es überleben wird. Wie war extrem dehydriert und hat eine Lungenentzündung. Es hätte sie beinahe umgebracht, aber sie sind sich ziemlich sicher, das sie es schaffen wird." "Was ist mit dem Mädchen?" Erkundigte sich Alice mitfühlend, während sie sich an das Gefühl erinnerte, völlig verlassen zu sein, nachdem sie ihre Mutter und ihren Bruder verloren hatte. "Sie werden sie in der Klinik behalten, weil selbst auch ziemlich unterernährt war. Auf diese Weise können sie und ihre Mutter zumindest zusammenbleiben. Mit etwas Hoffnung findet der Sozialarbeiter eine Lösung für sie." "Hört sich an, als ob du es für sie heute zum besseren gewendet hast," bemerkte Alice lächelnd. "Ich hoffe es. Sie haben mir so leid getan. Ich... das kleine Mädchen... sie erinnerte mich an dich und... ich... es tat so weh." Alice schloss ihre Augen und spürte wie eine Träne an ihrer Wange herunterglitt. Eine Menge Emotionen stürzten auf sie herein. Yarra's Geschichte hatte einige ihrer eigenen Erfahrungen als obdachloses Kind zurückgebracht. Sie hatte am eigenen Leib die Angst und Verzweiflung erfahren, und sie empfand eine große Zuneigung für dieses kleine Mädchen und ihre Mutter. Sie war auch erfreut und dankbar, dass Yarra ihr eigenes Vorhaben auf die Seite gestellt hatte, um einer vollkommen Fremden zu helfen. Jedoch das war typisch für Yarra: Gütig, liebevoll und großzügig, und es war ein großer Segen sie als Freundin zu haben. "Wie geht es dir Yarra? Bist du in Ordnung?" Erkundigte sie sich besorgt, als sie fühlte wie die Couch neben ihr durch das Gewicht von jemandem heruntersank. Als sie spürte wie eine zärtliche Hand ihren Rücken rieb, musste sie sich nicht umdrehen, um zu wissen, das es Jody war. Nach zwei Jahren auf der Murrook Farm erstaunte sie es noch immer, woher Jody wusste wann sie etwas zusätzliche Unterstützung und Trost brauchte. Sich dankbar in den tröstenden Kontakt lehnend hörte Alice Yarra zu, die offensichtlich immer noch mit ihren Tränen kämpfte. "Ich bin in Ordnung," erklang Yarra's heisere Stimme. "Mir tat das arme Mädchen und ihre Mutter nur so leid. Ich habe die Geschichten gehört, die du mir über deine Zeit auf der Strasse erzählt hast, und ich glaube, dass ich dich in dem hageren, kleinen Mädchen gesehen habe. Ich bin so dankbar, dass Jody und Sam sich deiner angenommen haben." "Das bin ich auch." Entgegnete Alice schmunzelnd, und blickte zu der Frau die neben ihr saß und warf ihr ein liebevolles Lächeln zu. "Und ich bin sicher, dass Linny und ihre Mutter dir gegenüber die gleiche Dankbarkeit empfinden, meine Freundin." In jenen letzten zwei Worten lag soviel Zuneigung, dass Yarra spürte wie sich eine Wärme in ihrer Magengrube entwickelte, die sich schnell in ihrem ganzen Körper ausbreitete, die die Sorgen und den Stress des Tages auslöschten, und sie fühlte sich entspannt und zufrieden. "Ich werde den 8.00 Uhr Bus nehmen und sollte somit um die Mittagszeit zu Hause sein. Das bedeutet, dass ich es gerade noch bis zur Party schaffen kann, aber zumindest werde ich da sein," seufzte Yarra. "Hast du den letzten Wetterbericht gehört?" "Ähm... nein. Warum?" Seufzend fuhr sich Alice mit ihrer freien Hand durch ihr kurzes Haar und hinterließ es völlig zerzaust. "Sie sagten, dass morgen Stürme in diese Richtung ziehen. Wir könnten von einigen recht widerlichen Windböen und Regenfällen heimgesucht werden. Schöner Mist, was?" "Ach du meine Güte! Nun ja, egal was es für Wetter gibt, ich werde morgen da sein, Alice. Ich verspreche es. Mom, Dad und die Jungs werden um zirka 11:30 gehen, doch Dad hat mir versprochen den Geländewagen zu Hause zu lassen, damit ich ihn benutzen kann, wenn ich nach Hause komme. Es würde mir nicht gefallen mit dem monströsen Geschenk das ich für dich habe, den Hügel hinaufzuwandern." "Ein monströses Geschenk, wie?" Bemerkte Alice grinsend. "Versuchst du meine Neugier zu wecken?" "Hat es funktioniert?" "Ja." "Es tut mir leid. Aber ich vermute, dass du bist morgen warten musst um es zu sehen." "Nein, das tut es nicht," schnaufte Alice, jedoch mit fröhlich funkelnden Augen. "Aber du weißt ja was man sagt Alice," setzte Yarra scherzend fort. "Gut Ding will Weile haben." "Ich weiß," seufzte Alice. "Doch ich habe schon so lange gewartet. Also komm schnell nach Hause."
Leise stöhnend brachte Jody ihr Kissen in Form, und hoffte das es nun bequemer war. Ein kurzer Blick zum Wecker sagte ihr das es bereits nach Mitternacht war, und sie hatte noch nicht mehr als zehn Minuten an einem Stück geschlafen. Aus irgendeinem Grund konnte sie sich einfach nicht entspannen. Ihren Kopf zur Seite drehend warf sie einen neidischen Blick auf eine friedlich schlafende Sam. Ihre große Geliebte lag in Blickrichtung zu Jody auf ihrer rechten Seite, einen Arm hatte sie um ihr Kissen geschlungen und der Andere lag auf ihrer Hüfte. "Ich muss aufstehen," murmelt sie zu sich. "Ich gehe besser eine Weile herum und mach eine Tasse Tee, bevor ich die arme Sam wecke. Außerdem macht sich meine Blase wieder recht stark bemerkbar." Mühsam richtete sie sich auf und wollte gerade ihre Beine über den Bettrand schwingen, als sie hörte wie Sam sich bewegte. "Was ist los mein Schatz? Bist du in Ordnung?" "Ja, obwohl ich allerdings für eine Weile aufstehen muss. Anscheinend schaffe ich es nicht mich bequem hinzulegen," seufzte Jody. "Soll ich dir deinen Rücken noch mal massieren?" Erkundigte sich Sam aufsetzend und strich zärtlich eine Haarsträhne von Jody's Stirn. "Wenn ich von dem Trip zum Badezimmer zurückkomme," erklärte Jody stöhnend während sie sich vorsichtig auf ihre Füße stellte und ihre Beine ausstreckte. "Ich schwöre dir Sam, die Kinder haben deine Energie." "Es tut mir leid, das du dich so elend fühlst, Liebling," bemerkte Sam leise und wünschte sich, mehr für das Wohlbefinden ihrer Geliebten tun zu können. "Mir ist nicht elend mein Schatz, mir ist nur unbehaglich." Entgegnete Jody während sie sich herumdrehte und ihre Partnerin müde anlächelte. "Wenn ich nicht bald etwas Schlaf bekomme, dann werde ich mich morgen früh elend fühlen." "Wie wär's, wenn ich eine schöne Tasse Tee mache?" Schlug Sam vor und stand bereits neben dem Bett um Jody's Protest im Keim zu ersticken. "Du bist ein Schatz, Sam. Danke." Sagte Jody lächelnd. Sie sah von ihrem Bauch aufwärts zu Sam und schmunzelte ironisch. "Was ich am meisten vermisse ist eine Vollkörperumarmung," bemerkte sie seufzend. Augenblicklich ging Sam zu ihr, legte ihre Hände auf Jody's Schultern und drehte die kleinere Frau herum. Sie schlang ihre langen Arme um den Körper ihrer Geliebten und zog ihren Rücken zärtlich gegen ihre große Gestalt. "Ich weiß, das dies nicht das gleiche ist, aber es kommt dem am nächsten," flüsterte sie und platzierte zärtliche Küsse auf Jody's Hals. Zufrieden stöhnend lehnte Jody ihren Kopf gegen Sam's Schulter, und ihre Augen schließend saugte sie das köstliche Gefühl von Sam's Körper gegen ihren in sich auf. "Du hast die besten Einfälle, mein Schatz," seufzte sie wohlig und konnte fühlen wie Sam kicherte. "Ich liebe dich so sehr." "Und ich liebe dich," erwiderte Sam während sie ihre Wange gegen Jody's presste. "Jetzt geh ins Badezimmer. Ich mach uns etwas Tee und dann werd ich einen Weg finden, um es dir behaglich zu machen. Wie klingt das?" "Himmlisch."
Der erste Weihnachtsfeiertag "Es sieht unglaublich aus, Jody. Sam hat eine großartige Arbeit geleistet," sagte Joan lächelnd während sie den riesigen Weihnachtbaum anblickte unter dem akkurat angeordnet ein Stapel farbenprächtiger Geschenke lag. Man konnte kaum sehen, dass er nicht echt war. Die dunkelgrünen Zweige hatten genau die richtige Farbe und waren mit silbernem und blauem Christbaumschmuck verziert. "Sie hat schwer gearbeitet um den Raum vorzubereiten," erzählte Jody ihrer Mutter. "Sie sind sich ziemlich sicher, das es heute regnen wird, also kam es nicht in Frage alles draußen zu arrangieren. Es ist gut, das wir ein solch großes Haus haben," bemerkte sie kichernd. "Wann werden die ersten Gäste hier eintreffen?" "Ich habe Lucy gebeten etwas früher herzukommen, damit sie und Trish helfen können. Ich vermute, das der Rest um die Mittagszeit erscheint. Doch ich hoffe, das es bis zum Ende des Tages nicht regnen wird." Jody lehnte sich gegen die Wand und atmete langsam aus, und bemerkte das ihre Mutter augenblicklich zu ihr ging und eine Hand auf ihre Schulter legte. "Schatz, ist alles in Ordnung?" "Ich glaube schon," bemerkte Jody zusammenzuckend und rieb über ihren Bauch. "Diese zwei kleinen Akrobaten beanspruchen soviel Platz, das es langsam ein wenig unbehaglich wird." "Ein wenig?" Bemerkte Joan kichernd und rieb zärtlich über Jody's Rücken. "Ich kann mich erinnern, wie ich mich die letzten Wochen gefühlt hatte, Jody, und ich trug keine Zwillinge. Warum setzt du dich nicht für eine Weile hin?" "Ich denke, das es besser ist," stimmte Jody zu. "Wenn Sam mich so sieht kriegt sie einen Anfall. Ich schwöre dir Mom, sie ist wie eine Mutterhenne und manchmal glaube ich wirklich, das sie überzeugt ist, ich wäre aus Porzellan." "Das glaubst du nicht wirklich, oder?" Erklang eine vergnügte Stimme von der Tür und als Jody und Joan aufschauten sahen sie wie eine grinsende Lucy den Raum betrat. "Fröhliche Weinachten, Mom," begrüßte die schlanke, dunkelhaarige Frau ihre Mutter mit einer Umarmung. "Und auch dir Jody, eine fröhliche Weihnacht," sagte Lucy lächelnd und umarte ihre Schwester behutsam. "Oh Mann, ich kann meine Arme kaum noch um dich schlingen," blödelte sie liebevoll. Jody's erschöpftes Lächeln sehend runzelte sie ihre Stirn und ergriff den Arm ihrer Schwester. "Setz dich hin, Schwesterherz. Du siehst aus, als ob du etwas Ruhe brauchst," drängte sie und zog Jody zu einem bequemen Sessel. "Bist du in Ordnung?" "Weißt du, wenn ich in den letzten Wochen jedes Mal einen viertel Dollar für diese Frage erhalten hätte, dann könnte ich Fiona einen neuen Wagen kaufen," bemerkte Jody grinsend und setzte sich gehorsam hin. "Und um deine Frage zu beantworten, meine liebe beschützende Schwester, ja, es geht mir gut. Ich bin nur müde. Ich hatte gestern Nacht ein wenig Schwierigkeiten einzuschlafen. Das ist alles. Wo ist dein Schatz?" "Sie ist draußen bei Sam, Fiona und Alice. Sie fragen sich, ob sie die Laternen für heute abend aufstellen sollen oder nicht. Wenn wir jedoch von diesem Sturm getroffen werden, dann könnten sie allerdings durch die Gegend fliegen." "Ich hoffe, das er an uns vorbeizieht," murmelte Jody. "Ich hatte mich auf ein friedliches Weihnachtfest gefreut." Joan und Lucy tauschten Blicke aus und brachen dann in Gelächter aus, während Jody sie verwirrt anblickte. "Was war daran so komisch?" "Liebling, du hast nur noch ein paar Wochen bis zur Geburt eurer Zwillinge, hast eine erstaunliche Anzahl von Familienmitgliedern und Freunden in euer Haus eingeladen um zusammen Weihnachten zu feiern, und beinahe alleine das ganze Ereignis organisiert. Es werden heute eine Menge Leute da sein, also fürchte ich, das du den friedlichen Teil vergessen kannst," bemerkte Lucy grinsend. Jody's Augenwinkel verzogen sich und die grünen Augen funkelten als sie leise kicherte. "Aber es wird lustig werden," erwiderte sie. "Doch ich musste Sam versprechen mich hinzusetzen und einfach nur zuzusehen. Ich glaube, es ist mir nicht erlaubt mehr als zwei Tassen aufeinmal zu heben." "Gut," erklärte Joan nickend. "Sag uns was sofort erledigt werden muss, damit wir uns nützlich machen können. Du bleibst sitzen und ruhst dich aus." "Jawohl, Mom," erklärte Jody lächelnd.
Yarra warf einen weiteren Blick zum Himmel und bemerkte die Anzeichen eines aufkommenden Sturms. Obwohl die Sonne schien und es draußen bereits recht heiß war, hatte der Wind beträchtlich zugenommen. Die dunkle Wolkenwand kam rasend näher und war ein Anzeichen, das die Wetterpropheten recht haben könnten. Es könnte sehr gut ein stürmisches, nasses Weihnachtsfest werden. Seufzend blickte das dunkelhäutige Mädchen auf ihre Uhr. Es war erst 8.30 Uhr. Es würde noch zwei Stunden dauern bis sie zu Hause sein würde. Yarra wusste, dass in zwei Stunden eine Menge geschehen konnte und warf einen weiteren Blick zum Himmel. Sie hatte ein ungutes Gefühl wegen des Wetters. "Sieht so aus, als ob die Wetterburschen recht hatten," sagte der ältere Fahrer und blickte über seine Schulter auf seinen einzigen Passagier. An ihrer Lippe knabbernd nickte Yarra nervös und spielte mit ihren schlanken Fingern mit dem Saum ihres Shirts. "Das ist nicht gut, Mädchen," fuhr er fort. "Ich habe meiner Frau versprochen rechtzeitig zum Essen zu Hause zu sein." "Oh ja, ich weiß was sie meinen," entgegnete Yarra. "Ich hätte gestern zu Hause sein sollen, doch es kam etwas dazwischen. Scheint so, als ob ich heute erst spät nach Hause komme." "Ja, aber das wichtigste ist, das wir heil ankommen," bemerkte der Fahrer lächelnd. "Das ist das wichtigste," stimmte Yarra zu, die sehr wohl wusste, das ein heftiger Sturm leicht Schlamm und Felsen entlang der Strasse schieben konnte und in der Lage war Sturzbäche zu erzeugen, die einen friedlichen Bach in einen reißenden Strom verwandeln konnten. "Sehen sie, wie schnell diese Wolken heranziehen," sie zeigte zum Himmel, wo eine graue Wand von Blitzen erleuchtet wurde. "Oh ja und diese Wand zieht ebenfalls nach Süden," der Fahrer warf einen weiteren Blick zu seinem Passagier und bemerkte die Enttäuschung den ausdrucksstarken, dunklen Augen. "Es tut mir leid, Miss." "Es ist nicht ihre Schuld," entgegnete Yarra schwach lächelnd und schluckte den Kloß in ihrer Kehle herunter, während sie versuchte nicht an ein paar besorgte blaue Augen zu denken. "Es tut mir leid, dass auch sie erst spät nach Hause kommen werden."
"Sam, ich befürchte, das der Sturm auch uns erreichen wird," murmelte Trishia als sie einen Blick zum finster werdenden Himmel warf. "Es ist gut, das alle, außer Yarra, früh gekommen und nun in Sicherheit sind." Sams blaue Augen sahen zum Himmel, wo nur noch ein paar blaue Flecken zu sehen waren. Der Rest hatte sich schnell verfinstert und in der Ferne konnte man bereits Donnergrollen hören. "Es ist nach 11.30 Uhr," seufzte Sam. "Yarra sollte bereits hier sein. Dieser Bus kommt gewöhnlich um 10.30 Uhr an." "Vielleicht ist sie erst nach Hause gegangen um sich umzuziehen," bemerkte Trishia als sie das besorgte Stirnrunzeln auf dem Gesicht ihrer Freundin sah. "Komm schon Sam, sie ist ein großes Mädchen, Yarra kann gut auf sich aufpassen." "Ich weiß," seufzte Sam. "Aber ich mach mir mehr Sorgen um Alice. Yarra hätte schon gestern hier sein sollen, doch es kam etwas dazwischen und sie konnte erst heute morgen losfahren. Wenn sie wieder aufgehalten wird, dann befürchte ich, dass Alice sehr enttäuscht ist." Trishia stieß ihrer besorgt aussehenden Freundin in die Schulter und warf ihr ein ermutigendes Lächeln zu. "Ich weiß, das Yarra hierher kommt. Mach dir keine Sorgen, Sam. Also, wie geht es Jody? Sie sieht erschöpft aus." "Das ist sie," antwortete Sam zaghaft lächelnd. "Doch sie hält sich tapfer. Sie hatte vor zwei Tagen eine Untersuchung und alles war großartig. Die Lage der Babys ist gut, sie liegen mit den Köpfen nach unten." "Bereit zum Start, was?" Bemerkte Trishia lächelnd. "Bist du nervös?" Sam warf mit ihren blauen Augen einen unschuldigen Blick zu ihrer Freundin und zuckte mit ihren Schultern. "Nervös? Ne." "Du Lügnerin," entgegnete Trishia lachend, und schlug ihrer Freundin auf den Rücken. "Du meine Güte Sam, ich hätte bereits gepackt. Ich verstehe nicht wie du so ruhig aussehen kannst. Ich wäre vollkommen neben mir." "Jody tritt mir in den Hintern, wenn ich mich zu sehr aufrege," gab Sam mit einem ironischen Grinsen zu. "Sie wirft mir dann diesen... Blick zu." "Ich glaube, den kenne ich," erwiderte Trishia lächelnd. "Lucy hat diesen Blick auch. Diesen, du weißt das ich dich liebe, aber wenn du nicht sofort aufhörst, dann schläfst du im Schuppen, Blick." Sam lachte laut, und wusste genau über was die große Polizistin sprach, nachdem sie regelmäßig, seit Jody's Schwangerschaft, die Empfängerin dieses Blickes war. "Sie sind wahrhafte Schwestern, was?" Bemerkte sie kichernd. "Kräfte mit denen man rechnen muss," seufzte Trishia, doch ihre Augen funkelten. "Oh Junge, hier sind bereits die ersten Tropfen," fügte sie hinzu und zeigte auf die Tropfen, die kleine nasse Pfützen auf der Kühlerhaube von George Kirby's Wagen bildeten. "Verdammt! Ich hoffe, es wird kein heftiger Sturm," murmelte Sam. "Lass uns reingehen Trish, und sehen was die Bande macht. Kurt wird uns melden, wenn Yarra die Strasse hochkommt."
Der Regen prasselte herunter wie eine dichte Wasserwand. Die Scheibenwischer vom Bus arbeiteten krampfhaft, um die Scheibe von den Wassermassen zu befreien, doch es brachte nichts. Der Fahrer konnte fast nichts mehr sehen und verengte seine Augen um die Straße direkt vor ihm zu erkennen. Yarra hatten den Beifahrersitz erklommen und klebte mit ihren Augen auf der Straßenseite um eine Warnung zu schreien, falls ein Hindernis am Berg herunterrutschen und den Bus treffen konnte. Bis jetzt waren es nur einige Felsen gewesen und eine Menge Wasser, die den Berg herunterkamen. Doch sie wusste, das der durch den Sturzregen heruntergespülte Schlamm und Sand leicht große Felsbrocken lösen und zum Absturz bringen konnte. "Wir befinden uns kurz vor der Abfahrt, Yarra," sagte der ältere Fahrer durch zusammengebissene Zähne. "Halten sie nur ihre Augen offen, in Ordnung?" "Das werde ich mit Sicherheit," entgegnete Yarra. "Dieses Wetter ist schrecklich." Als der Regen heftig herunterprasselte sah sich Ted Matthews gezwungen das Tempo zu verlangsamen und kroch mit seinem Bus über die Strasse. Es gab keine Möglichkeit anzuhalten. Die wenigen Parkplätze, an denen sie vorbeifuhren, waren von großen Bäumen umgeben. Das Risiko, das starke Windböen die gewaltigen Äste herabrissen und in den Bus einschlugen war zu groß, also hatten sie beschlossen ihre Fahrt fortzusetzen und auf der Schnellstrasse zu bleiben. Ein greller Blitz erleuchtete die Strasse vor ihnen und es folgte augenblicklich ein ohrenbetäubender Donnerschlag. Sich duckend schaute Yarra auf, doch sie konnte nur eine Wasserwand sehen. "Frohe Weihnacht," bemerkte sie ironisch und brachte damit Ted zum Kichern, doch plötzlich ergriff sie seine Schulter und schrie eine Warnung. Dank jahrelanger Erfahrung schaffte es Ted Matthews seinen Bus direkt vor einem riesigen Ast, der die Strasse blockierte zum Stehen zu bringen. "Oh Mann, das war knapp," seufzte er und wischte sich die Stirn. "Gute Arbeit, Mädchen. Ich hab ihn nicht gesehen." "Wir müssen ihn von der Strasse holen," sagte Yarra aufspringend und wünschte sich, sie wäre so schlau gewesen eine Jacke mitzubringen. Sie wusste, dass ihr Baumwollshirt durchnässt sein würde, sobald sie einen Fuß vor den Bus setzte. "Yarra, sie können nicht..." "Ted, wir können nicht einfach hier rumsitzen," erwiderte Yarra und ging zur Tür. "Ich werde ihn von der Strasse ziehen, sie bleiben hier drin, in Ordnung?" Ohne dem Fahrer die Möglichkeit einer Antwort zu geben, hatte Yarra die Tür geöffnet und sprang die Tritte auf den Asphalt der Strasse hinunter, der von einer Schicht Wasser bedeckt wurde. Der Regen prasselte herunter und innerhalb Sekunden waren ihr Shirt und ihre Shorts genauso durchnässt wie ihre nagelneuen Tennisschuhe. Mit gebeugtem Kopf ging Yarra um den gewaltigen Ast herum und erfasste mit beiden Händen das zersplitterte Ende. Grunzend begann sie an dem schweren Ast zu ziehen und spürte wie sich ihre Muskeln gegen den plötzlichen Missbrauch wehrten. Sie musste ihre ganzen Kräfte mobilisieren, doch sie schaffte es, das Hindernis auf den Straßenrand zu ziehen. Die raue Rinde kratzte an ihren Beinen und Armen und verursachte einige Schrammen, doch Yarra fühle noch nicht mal den Schmerz. Sie wollte nur das Hindernis loswerden, das zwischen ihr und einer wunderschönen Blondinen mit beindruckenden blauen Augen stand. "Beweg dich, du traurige Entschuldigung eines Brennholzes," schrie sie und gab dem Ast einen weiteren Schubs, wodurch er in den Graben neben der Strasse rollte. Zufrieden grinsend wischte Yarra ihre Hände an ihren Shorts ab und sah sich schnell um. Sie erkannte ein bekanntes Hinweisschild und mit einem noch breiteren Grinsen trottete sie zum Bus zurück. "Sind sie in Ordnung, Mädchen?" Fragte Ted besorgt. "Sie bluten." Einen Blick auf ihre Arme und Beine werfend zuckte Yarra mit den Achseln. Ihre dunklen Augen funkelten aufgeregt als sie zur Strasse zeigte. "Ich hab das Ausfahrtsschild gesehen, wir sind fast da."
Susan Kirby wechselte einen Blick mit ihrem Mann, der sie mit erhöhter Augenbraue ansah. "Deine Tochter ist spät dran," bemerkte sie ohne die Besorgnis in ihren haselnussbraunen Augen verbergen zu können. Lächelnd legte George Kirby seine Hand auf das Knie seiner Frau und drückte es ermutigend. "Sie ist auf dem Weg hierher," sagte er schlicht und als Susan einen Blick zu ihren zwei Söhnen warf, sah sie wie beide, Collin und Marron zustimmend nickten. Sie hatte nie ganz verstanden wie ihr Mann und ihre Kinder es machten, aber irgendwie waren sie auf einer Ebene miteinander verbunden, die sie nie begreifen konnte. Wenn einer in Schwierigkeiten war, wussten es die anderen. Über die Jahre hatten sie das x-mal bewiesen und Susan hatte gelernt sich auf ihr ungewöhnliches Geschenk zu verlassen. "Doch ich mach mir mehr Sorgen um Jody," sagte George Kirby leise zu seiner Frau während seine dunklen Augen Besorgnis ausstrahlten. "Was meinst du?" Wollte seine Frau wissen, während ihr Blick zu der schwangeren Frau wanderte, die in ihrem Sessel sitzend mit ihrer Freundin Megan sprach. "Es scheint ihr gut zu gehen." "Die Babys sind unterwegs," bemerkte George gelassen an seinem Eistee nippend. "Ich hatte schon so eine Ahnung als der Hund so unruhig war, doch nun bin ich mir sicher." "Mal den Teufel nicht an die Wand, Schatz, du..." Susan hielt mitten im Satz inne als ihr Mann sie ernst anblickte. "Du meinst es ernst, oder?" Mit einem tiefen Seufzer fuhr sie mit ihren Fingern durch ihr Haar. "Natürlich meinst du es ernst. Du hattest jedes Mal bei unseren Kindern recht. Was machen wir nun, George?" "Nichts," erwiderte der dunkelhäutige Mann trocken. "Bei diesem Sturm können wir nirgends hinfahren, also müssen wir hier das Beste daraus machen. Du bist hier, und somit mach ich mir keine Sorgen." "Liebling, ich bin eine Krankenschwester und keine Hebamme." "Aber du hast schon einige Babys zur Welt gebracht. Ich habe Vertrauen in dich." George stellte sein leeres Glas ab und erhob seine große Gestalt von der Couch. "Auf jeden Fall rede ich jetzt besser mit Sam, nur um sie darauf vorzubereiten," erklärte er. George machte sich auf den Weg zu Sam, die mit Alice neben dem Fenster stand, das einen Ausblick auf die Auffahrt des Hauses bot. Sam's Hand lag auf Alice's Schulter und George brauchte die Unterhaltung nicht zu hören um zu wissen das die große Blondine versuchte ihre junge Freundin zu trösten. "Sie wird bald hier sein, Alice," erklang seine tiefe Stimme voller Überzeugung, und als das Mädchen sich umdrehte und ihm einen seltsamen Blick zuwarf, lächelte er. "Ich weiß es einfach," erklärte er. "Ich weiß," erwiderte Alice lächelnd. "Yarra hat mir davon erzählt. Danke, das du's mir gesagt hast, ich fing an mir Sorgen zu machen." "Das brauchst du nicht," versprach er ihr. "Sie ist bald hier." "Das ist eine große Gabe George," sagte Sam lächelnd zu ihrem Nachbarn. "Wenn ich bei der Vorhersage, wo sich meine Kinder aufhalten nur halb so gut bin, dann wäre ich zufrieden." "Sie sind unterwegs Sam," entgegnete George gelassen. "Gott sei Dank," bemerkte Sam seufzend. "Noch ein paar Wochen, wahrscheinlich etwas weniger und dann..." Ein Lächeln unterdrückend legte George Kirby seine Hände auf Sam's Schultern und rüttelte sie sanft. Seine dunklen Augen suchten nach ihren Blauen, und ohne Worte versuchte er mit der großen, blonden Frau Verbindung aufzunehmen. Sam's Blick wechselte von neugierig zu schockiert, und unter seinen Händen konnte George spüren, wie sich ihr Körper versteifte. Doch sein Augen verließen nie ihre, und nach einem kurzen Augenblick des Schweigens, zog Sam aus seiner Gelassenheit Mut und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich zu einer völligen Akzeptanz. "Wir können auf keinen Fall jetzt zur Klinik fahren," sagte sie leise. "Ich könnte unsere Ärztin anrufen, aber ich bezweifle das sie bei diesem Sturm hier hochfahren kann. Aber ich nehme an, das ich es trotzdem versuchen muss, wie?" George nickte und bevor er sie losließ drückte er ermutigend ihre Schultern. "Es wäre bestimmt nicht verkehrt es zu versuchen," bestätigte er nickend. "Susan ist hier, sie hat bei vielen Geburten geholfen und ich bin sicher, das Jody's Mutter auch assistieren kann, letztendlich hat sie selbst sechs Kinder zur Welt gebracht." "Oh Gott," flüsterte Sam und spürte wie plötzlich ihr Brustkasten enger wurde. Sie holte ein paar tiefe Atemzüge, um die aufsteigende Panik zu bekämpfen, da sie sich vollkommen bewusst war das Jody sie sehr bald brauchen würde. Sie musste sich zusammenreißen. "Also ist das jetzt der Zeitpunkt wo ich um kochendes Wasser und Handtücher bitte?" Scherzte sie schwach, doch die Hand mit der sie sich über die Stirn wischte, zitterte. "Noch nicht Sam." Erwiderte George lächelnd. "Und es gibt keinen Grund zur Panik. Ich hatte nur das Gefühl, das es besser wäre, wenn ich dich warne." "Nun ja, ich weiß das mit Sicherheit zu schätzen George," entgegnete Sam und warf einen Blick zu Jody die unbehaglich in ihrem Sessel herumrutschte. "Hast du irgendeine Ahnung wie lange es noch dauert? Vielleicht haben wir Zeit bis sich der Sturm gelegt hat und schaffen es noch rechtzeitig in die Klinik." "Ich weiß nur, dass es nicht mehr lange dauert, Sam. Sag, wann haben diese Rückenschmerzen angefangen?" Sam blickte mit ihren blauen Augen ihren Nachbarn und Freund mit einer Mischung aus Verwirrung und Ehrfurcht an. "Woher...? Richtig, du weißt es einfach," bemerkte sie seufzend. "Gestern, am frühen Abend." George nickte nur und murmelte etwas, das sich ungefähr anhörte wie: "Das dachte ich mir." "Wieviel Zeit haben noch?" George Kirby blieb die Antwort erspart, da ein leiser überraschter Schrei erklang als sich Jody von ihrem Sessel erhob. Sich mit einer Hand auf der Lehne abstützend und der anderen gegen ihren Bauch gepresst, suchten ihre ausdrucksvollen grünen Augen nach Sam. Sie brachte ein schwaches Lächeln zustande und hauchte: "Mein Fruchtwasser ist gebrochen." "Oh Gott, oh Gott," keuchte Sam und spürte wie George Kirby seine Hand auf ihre Schulter legte. "Nimm dich zusammen Sam," ermahnte er sie. "Sie wird es gut überstehen. Hol einfach tief Luft." Trishia, die bemerkt hatte, das Sam ganz blass geworden war ging schnell zu ihr und ergriff ihre Freundin am Arm. "Halte durch Sam," warnte sie. "Komm schon, nimm dich zusammen. Du hast noch eine Menge Arbeit vor dir." "Okay, okay, ich bin wieder da," flüsterte Sam dankbar, als sie spürte wie das Schwindelgefühl nachließ. "Danke." Mit wenigen langen Schritten war Sam an Jody's Seite und stützte die kleinere Frau, indem sie einen langen Arm um ihre Taille schlang und sie festhielt. Die Augen ihrer Liebsten sahen sie fragend an und Sam warf ihr ein zärtliches Lächeln zu. "Überlass es uns, dieses Weihnachtsfest für jeden unvergesslich zu machen," blödelte sie zärtlich. "Diese zwei eigensinnigen kleinen Holländer hassen es einfach eine Feier zu versäumen," kicherte Jody. "Bist du in Ordnung, mein Schatz?" "Mir geht's gut," log Sam, deren Magen Purzelbäume schlug. "Also, was machen wir als nächstes?" "Megan hat vorgeschlagen zu kontrollieren wie weit ich bin, du weißt, die Erweiterung. Da unten muss etwas vor sich gehen, weil ich..." Jody holte scharf Luft und presste ihre Hände gegen ihren Bauch. Sie atmete langsam aus und holte wieder Luft. "... Ich glaube, das die Wehen eingesetzt haben," schloss sie ernst. Joan warf einen Blick zu Susan Kirby, die zustimmend nickte und zu Jody ging, die sich schwer auf Sam's Arm abstützte. "Auf geht's Liebling, lass uns in euer Schlafzimmer gehen, damit Susan kontrollieren kann, wie weit du bist," spornte Joan liebevoll ihre Tochter an. "Was können wir tun, Mom?" Erkundigte sich Lucy nervös. "Kocht etwas Wasser ab, Lucy," erwiderte Susan ruhig. "Reinigt ein paar scharfe Messer oder Scheren für mindestens fünf Minuten in kochendem Wasser. Außerdem brauchen wir einen Stapel Handtücher."
Ted stellte sicher, dass er Yarra so nah wie möglich bei ihrem Haus absetzte. Damit brach er ein paar Firmenvorschriften, doch das kümmerte ihn wenig. Er und die junge Studentin hatten einige raue Stunden zusammen verbracht, und er wollte sicherstellen, das sie in Ordnung war. Der Sturm hatte sich noch nicht abgeschwächt und an der örtlichen Tankstelle rief Ted seine Frau kurz an, um ihr zu sagen das er in Ordnung war, es jedoch noch eine Weile dauern würde, bis er zu Hause war. Er und Yarra hatten sich verabschiedet und mit einem besorgten Stirnrunzeln sah er zu, wie das Mädchen die Strasse so schnell hinunterlief, wie es ihre schwere Schachtel erlaubte. Sie verschwand in einer schmutzigen, unbefestigten Straße und Ted konnte nur hoffen und beten, dass das Mädchen sicher zu Hause ankommen würde. Yarra wusste, das es, während der Sturm tobte, ein Risiko war durch den Wald zu rennen, doch es kümmerte sie nicht. Sie hatte Alice versprochen an Weihnachten zu Hause zu sein und sie würde alles tun um es rechtzeitig zu schaffen. Und anstatt Angst zu verspüren war sie ganz aufgeregt bald ihre Freundin wieder zu sehen. Yarra wusste das ihre Eltern und Brüder bereits auf der Murrook Farm waren, doch sie hatten ihr den Geländewagen dagelassen, damit ihre Tochter nicht zu Fuß den Hügel hinaufgehen musste. "Du bist der Beste, Dad," murmelte Yarra, während sie die Wagentür öffnete und ihre schwere Schachtel auf den Rücksitz stellte, erfreut das sie es geschafft hatte, das diese in einem Stück geblieben war. Die Schachtel war nass und mit dreckigem roten Schlamm bedeckt, aber Yarra wusste das Alice dies wahrscheinlich noch nicht mal bemerken würde. Sie grinste glücklich und schlug die Tür zu. Ins Haus rennend und zu ihrem alten Zimmer spurtend zog sie bereits ihr durchnässtes T-Shirt aus und spürte wie sie trotz der Hitze eine Gänsehaut bekam. "Für eine Dusche hab ich keine Zeit," murmelte Yarra während sie ihren Schrank öffnete und die Regale nach etwas angemessenem zum Anziehen durchsuchte. Sie schnappte sich schnell trockene Unterwäsche und griff nach einer cremefarbenen, kurzärmeligen Seidenbluse als ihre Augen auf die blutigen Kratzer auf ihren Armen fielen. "Ich wasch das besser ab, bevor alle ausflippen," brummte sie und merkte erst dann wie sehr ihre Armen und Beine brannten. Ein schneller Blick zeigte ihr einige recht schmerzhaft aussehende Kratzer und Abschürfungen. "Verdammter, blöder Ast," murmelte sie verärgert und beschloss noch schnell zu duschen. Es war der schnellste Weg um das ganze Blut und den Dreck abzuwaschen. "Tut mir leid, Alice. Ich verspreche, das ich bald da sein werde." Sie machte kehrt um ins Badezimmer zu gehen, als ihre Augen auf ein kleines Päckchen mitten auf ihrem Schreibtisch fielen. Wissend das Alice ihr Zimmer zum Lagern der Weihnachtsgeschenke benutzt hatte, runzelte sie ihre Stirn und fragte sich, ob ihre blonde Freundin versehentlich eins liegengelassen hatte. Als sie näher heranging um einen besseren Blick darauf zu werfen, bemerkte sie die ordentlich zusammengefaltete Notiz mit ihrem Namen darauf. Sie erkannte, das es Alice's Handschrift war. Neugierig hob sie den Zettel hoch und faltete ihn auseinander.
Mit einem zärtlichen Lächeln nahm Yarra das Päckchen vom Tisch und sah es sich eingehend an. Das dunkelrote Geschenkpapier war fein säuberlich um etwas gewickelt, das aussah wie eine kleine Schachtel, und Yarra konnte sich beinahe Alice's Gesicht beim Einpacken vorstellen, wie die ernsten blauen Augen sich auf ihre Aufgabe konzentrierten während die Blondine an ihrer Unterlippe knabberte. Ein bezauberndes Bild von Konzentration. Vorsichtig wickelte Yarra das Geschenkpapier ab und enthüllte eine kleine, dunkelblaue Schachtel. Ihr Herz setzte kurz aus, als sie den goldenen Schriftzug auf dem Deckel sah. Es war von einem ansässigen Juweliergeschäft, das für seine kunstvoll angefertigten Schmuckstücke bekannt war. Langsam öffnete Yarra die Schachtel und ihre Augen weiteten sich, als sie das glänzende Objekt in dem schwarzen Samtbett sah. Mit leicht zittrigen Fingern hob sie die Kette heraus und begutachtete das wunderschöne, silberne Wallaby in ihrer Handfläche. Es war sehr schön gearbeitet, und alle Details waren sorgfältig hinzugefügt worden, so das es wie eine exakte Kopie eines echten Wallabys aussah. "Oh Alice," raunte Yarra lächelnd und spürte wie Feuchtigkeit in ihre Augen stieg. "Es ist wunderschön und was für ein erstaunlicher Zufall," bemerkte sie kichernd, als sie an die kleine Schachtel dachte, die sie sicher in ihrer Tasche verstaut hatte und nun auf dem Tisch lag und darauf wartete zur Murrook Farm mitgenommen zu werden, um sie ihrer Freundin zu überreichen. Yarra legte die kleine Schachtel auf ihren Schreibtisch zurück und ging lächelnd ins Badezimmer. Sie beschloss, das eine sehr kurze Dusche in Auftrag war, da sie es nicht abwarten konnte jene beeindruckenden blauen Augen zu sehen, wenn Alice die Kette erblickte, die sie für ihre Freundin besorgt hatte.
Michael McDonnell duckte sich, als ein Donnerschlag beinahe den Boden unter seinen Füssen erbeben ließ. Er hatte gehofft, dass sich das Gewitter schnell verziehen würde, doch stattdessen schien das Unwetter anzudauern und er fühlte sich extrem verwundbar, als ein Blitz den Himmel über seinem Kopf erhellte. Ein Wald war nicht gerade der beste Ort, um bei einem Unwetter wie diesem herumzuwandern, doch er hatte keine andere Wahl. In aller Frühe an diesen Morgen, hatte er schließlich seinem Vater das gesagt, wovor er sich, seit er den Brief seiner Schwester erhalten hatte, fürchtete. Als sich David McDonnell an den Küchentisch gesetzt hatte und an seinem frisch aufgebrühten Kaffee nippte, hatte sich Michael ihm gegenübergesetzt und ihn mit schmerzerfüllten Augen angeblickt. Wortlos hatte er Jody's Brief aus seiner Tasche gezogen, akkurat den zerknitterten Umschlag aufgefaltet und ihn den halben Weg über den Tisch geschoben. David McDonnell's Augen weiteten sich, als er die Handschrift auf dem Umschlag erkannte, und für einen kurzen Augenblick konnte Michael die Unsicherheit in den Augen seines Vaters sehen. "Er ist von Jody," hatte er mit leiser Stimme erklärt, wobei sich seine grünen Augen, die so sehr denen seiner Schwester ähnelten, vor Traurigkeit und Schmerz verdunkelten. "Das sehe ich," hatte David McDonnell schroff geantwortet. "Komisch, das sie dir jetzt, nach all den Jahren einen Brief schickt." "Glaubst du das wirklich?" Hatte Michael gefragt und schluckte den Kloß in seiner Kehle hinunter. David McDonnell's Griff um seine Kaffeetasse hatte sich gestrafft und seine Augen nahmen einen kalten Ausdruck an als er zu seinem jüngsten Sohn blickte. "Jahrelang glaubte ich meine älteste Schwester verloren zu haben, da sie den falschen Weg gewählt hatte und sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Ich dachte, du hättest recht, als du uns erzählst hast, wir sollten versuchen sie zu vergessen, da sie eine Sünderin und abartig war. Ich habe es versucht Dad, das habe ich wirklich, doch irgendwie konnte ich nie die ganzen Dinge glauben, die du mir über sie erzählst hast. Weil sie in meiner Erinnerung immer die beste Schwester war, die ich mir hätte wünschen können. Ich weiß, das sie mich immer geliebt hat." Michael hatte tief Luft geholt und seine Stimme hatte leicht gebebt als er fortfuhr. "Und wenn ich an Samantha Stevens denke, dann erinnere ich mich an eine liebenswerte Person, die immer bereit war mir Geschichten zu erzählen und mit mir zu spielen. Und ich erinnere mich, wie sich Jody und Sam angesehen haben. Sogar damals. Wie kann eine Liebe, die so tief und rein ist, falsch sein, Dad?" "Es ist unnatürlich!" Hatte David McDonnel gefaucht. "Gott billigt nicht diese... diese..." "Gott ist der Inbegriff der Liebe," hatte Michael ruhig seinem Vater unterbrochen. "Davon bin ich überzeugt. Ich kann nicht glauben, das ein liebender Gott einem Vater zustimmt, der einen Keil zwischen seine Kinder treibt und ihnen Lügen erzählt." Michael's Stimme hatte einen verbitterten Tonfall angenommen und als David McDonnell aufblickte, hatte er Tränen in den Augen bemerkt, die ihn ständig an diejenigen erinnerten, die er so verzweifelt zu vergessen versuchte. "Was... willst du damit sagen?" Hatte er schließlich gefragt, als er spürte wie sich ein eisiges Band um seine Brust schnürte. "Ich habe mit Mark Sawyer, Bill's Neffen gesprochen, und wir haben etwas sehr seltsames herausgefunden," hatte Michael herausgepresst. "Was?" Wollte David McDonnell wissen, während eine Welle von Übelkeit ihn bedrohte sein Frühstück wieder zu verlieren. "Das hier," hatte Michael erwidert, während er unter den Tisch langte und eine Schuhschachtel hervorholte, die mit größtenteils ungeöffneten Briefen und Karten gefüllt war. "Das alles hier sind Briefe und Karten, die mir Jody über die ganzen Jahre geschickt hatte. Das ist die Post, die Bill Sawyer auf deine Veranlassung hin verschwinden lassen sollte, damit ich sie niemals erhalte." "Jody und Sam haben mich zu ihrer heutigen Weihnachtsparty eingeladen und ich werde dorthin gehen," hatte Michael McDonnell energisch erklärt, während er seinen Stuhl zurückschob und aufstand. "Du wirst nichts dergleichen tun!" Hatte ihn David McDonnell von seinem Stuhl aufspringend angefahren, dann ging er um den Tisch herum und schnappte seinen Sohn am Hemd. "Doch, das werde ich," erwiderte Michael ruhig, obwohl er innerlich wie Espenlaub zitterte. "Ich habe ein Recht darauf, meine Schwester zu sehen. Ich bin achtzehn Dad, im Grunde kann ich tun was ich will." Er hatte seine Hand über die seines Vaters gelegt und schob sie langsam nach unten. "Ich wünschte, die Dinge wären anders gelaufen. Ich liebe dich, Dad. Doch ich liebe auch Jody. Zwing mich bitte nicht, eine Wahl treffen zu müssen." Nach diesen Worten hatte sich Michael McDonnell die Schuhschachtel vom Tisch geschnappt und ging zu seinem Zimmer, um seine Reisetasche zu holen, die er bereits in aller Frühe gepackt hatte. "Glaub bloß nicht, das du den Wagen nehmen kannst!" Schrie sein Vater ihm hinterher und Michael hatte geseufzt. Er hatte mit einem seiner Freunde vereinbart, sich unten an der Strasse zu treffen, und der sollte ihn dann ihn in der Nähe von Jody's und Sam's Haus absetzen. Den Rest wollte er laufen. Leise die Tür hinter sich schließend verließ er das Haus. Während der Regen auf seine Regenjacke prasselte und sich mit den Tränen, die an seinen Wangen herunterliefen vermischen, hatte er sich, ohne zurückzublicken, auf den Weg zur Strasse gemacht. Michael seufzte und fragte sich wie weit der Weg zur Murrook Farm noch war. Die Strasse durch den Wald war steil und kurvenreich, und unter anderen Umständen hätte er, die ihn umgebende Schönheit bewundert, doch nicht jetzt, wo Blitz und Donner ihn zusammen fahren ließen, und der Wind in regelmäßigen Abständen die toten Äste herunterriss. Einige Male konnte er ihnen auszuweichen ohne getroffen zu werden und er fragte sich, wie lange sein Glück wohl noch andauern würde. Ein weiterer Blitz erhellte den Himmel und reflexartig warf sich Michael zu Boden. Den Bruchteil einer Sekunde später hörte er den zischenden Ton eines Blitzes direkt über seinem Kopf und die Härchen an seinem Genick stellten sich auf. Ein lautes knisterndes Geräusch sagte ihm, das der Blitz in einen Baum eingeschlagen sein musste, und sich fragend ob es sehr klug gewesen war die Strasse hochzulaufen, schluckte er heftig. "Gott, hilf mir," flüsterte er, während ein weiterer greller Blitz, begleitet von heftigem Donnergrollen eine Geräuschkulisse ergab, die den Anschein erweckte, als ob die Welt untergehen würde. Michael schaffte es, sich wieder auf seine Füße zu rappeln, und gerade als er sich, in der Hoffnung das alles gut gehen würde, in ein Schlammloch werfen wollte, hörte er das Motorengeräusch eines Autos. Er sah über seine Schulter und Erleichterung durchströmte seinen Körper, als er die Scheinwerfer eines Wagens sah, der sich langsam den Hügel hinauf arbeitete. Seinen durchnässten Rucksack schnappend musste er nicht zweimal überlegen. Er rannte in Richtung des sich nähernden Wagens die Strasse hinunter, und in der Hoffnung, das seine Gebete erhört worden waren, wedelte mit seinen Armen. Der Fahrer gab Lichtzeichen mit den Scheinwerfern und Michael schluchzte beinahe vor Erleichterung als er die Tür auf der Beifahrerseite öffnete, hineinkrabbelte und die Tür hinter sich schloss. "Oh Mein Gott," sagte er erleichtert ausatmend und schob dann die Kapuze von seiner Regenjacke zurück, sein rotblondes Haar enthüllend, das an seiner feuchten Stirn klebte. Er warf einen Blick zur Seite und lächelte als er sah, wie ihn ein Paar teilnahmsvolle braune Augen mitleidig anblickten. "Das war recht töricht von dir Kumpel," wies ihn das dunkelhäutige Mädchen freundlich zurecht. "Ich hab gesehen wie dieser Blitz dich beinahe getroffen hat." "Ich weiß," seufzte Michael. "Aber... aber... ich weiß. Übrigens danke, das du angehalten hast." "Lass es gut sein," bemerkte Yarra grinsend. "Ich bin froh, das ich helfen konnte. Außerdem würden mir deine Schwestern bei lebendigem Leib die Haut abziehen, wenn ich dich nicht mitgenommen hätte." "Du kennst meine Schwestern?" Rief Michael. "Aber, wie..." "Du könntest die männliche Ausgabe von Jody sein," erklärte Yarra lächelnd und streckte ihre Hand aus, die fest ergriffen wurde. "Hallo, ich bin Yarra Kirby. Eine Freundin der Familie." "Michael McDonnell," sagte Michael lächelnd und beschloss, das er das Mädchen, das ihn vor dem heftigen Unwetter gerettet hatte, bereits mochte. "Schön dich kennen zu lernen Michael," lachte Yarra vergnügt. "Ich kennen ein paar Leute dort droben auf dem Hügel, die äußerst erfreut sein werden dich zu sehen. Es ist großartig, das du es kommen konntest."
"Es sind schon fast sieben Zentimeter, Liebling. Du bist weiter als ich dachte," erklärte Susan Kirby lächelnd. "Ich glaube das wird eine ganz besondere Weihnachts-Entbindung." Jody's Augen strahlten vor Freude als sie in die lächelnden Augen ihrer Geliebten sah. "Darauf hast du insgeheim gehofft, nicht wahr?" Scherzte sie liebevoll und holte scharf Luft als eine weitere Wehe einsetzte. "Ähm... nicht bewusst, obwohl ich zugeben muss, das ich daran gedacht hatte," entgegnete Sam schüchtern und sah ihre Lebensgefährtin mitfühlend an. Zärtlich strich sie eine Strähne von Jody's Stirn und schob sie geschickt hinter das Ohr der kleineren Frau. "Wenn ich diesen Part übernehmen könnte, dann würde ich es tun," bekannte sie leise und als Jody in die Augen ihrer Geliebten blickte wusste sie, das sie es ernst meinte. "Aber wo bliebe denn da der Spaß, Liebling?" Zischte sie durch zusammengebissene Zähne, bevor sie sich zu einer sitzenden Position aufrappelte und Susan Kirby einen flehenden Blick zuwarf. "Ich muss wirklich ein bisschen herumlaufen." "Nur zu," lächelte Susan. "Mach einfach was dir natürlich erscheint." "Hilf mir Sam," flüsterte Jody ihre Hände zu ihrer Lebensgefährtin ausstreckend, die sie fest ergriff und ihr behutsam auf die Füße half. Stöhnend streckte Jody ihre Beine aus und legte für etwas zusätzliche Unterstützung ihre Hände ins Kreuz. Die Wehen schienen stärker zu werden und länger anzuhalten, doch herumzulaufen half ihr, sich ein wenig zu entspannen, damit die Natur ihren Lauf nehmen konnte. "Was denkst du, wie lange es dauern wird, Susan?" Erkundigte sich Sam bei der Krankenschwester, die Jody nachdenklich betrachtete. "Ach Sam, das ist schwer zu sagen," seufzte Susan, die zusah wie Joan Jody ein Glas kaltes Wasser reichte. "Ich war bei so vielen Geburten dabei und jede war anders." "Aber deine Erfahrung muss dir doch einen Anhaltspunkt geben," drängte Sam weiter, während ihre Augen nie ihre Lebensgefährtin verließen. "Nun ja Sam, die Erweiterung geht schneller, sehr viel schneller vor sich, als ich erwartet hatte. Ich bin überzeugt, das diese Babys bereit sind herauszukommen. Die Öffnung beträgt nun fast sieben Zentimeter. Und die Wehen liegen nur zwei bis drei Minuten auseinander. Für gewöhnlich braucht es bis zur vollständigen Ausdehnung noch ein paar Stunden, doch in Jody's Fall glaube ich, das es schneller gehen wird." Susan warf einen Blick auf Sam's hellblaue Augen und erkannte mühelos die Mischung aus Aufregung und Angst in ihnen. "Sehr viel schneller," fügte sie hinzu.
Alice schritt nervös in der Küche auf und ab, während ihre Augen von Lucy zu Trishia schossen und wieder zurück. Beide Frauen waren eifrig damit beschäftigt Wasser und einige Scheren und Messer abzukochen, und Alice musste zwangsläufig zittern, wenn sie daran dachte wozu diese Dinge nachher gebraucht wurden. Ein weiterer Blick auf die Uhr zeigte ihr, das es fast ein Uhr war. Eigentlich sollte die Weihnachtsparty um die Mittagszeit anfangen, aber die Platten mit dem Essen standen noch immer unberührt auf der Küchenablage, weil niemand Appetit zu haben schien. Fiona half Sarah und Megan dabei, soviel Essen wie möglich in den Kühlschrank zurückzustellen. Vielleicht aßen sie es ja später. Im Wohnzimmer sprachen George Kirby und seine Söhne leise miteinander. Sie machten ernste Gesichter, doch es lag auch ein Hauch von Erwartung in der Luft. Draußen heulte noch immer der Wind, während der Regen aufs Dach prasselte und es bildeten sich kleine Wasserfälle, als die Regenrohre die gewaltigen Wassermengen, die vom Himmel fielen, nicht mehr aufnehmen konnten. Es verursachte ein anhaltendes lautes, trommelndes Geräusch, wodurch die Insassen des Hauses gezwungen waren lauter zu reden um verstanden zu werden. Trotz des hämmernden Regens hob Alice plötzlich ihren Kopf, da sie ein Geräusch vernommen hatte, das sich von dem rhythmischen Prasseln auf dem Dach unterschied. Ihre blauen Augen trafen auf die schwarzen George Kirby's, der ältere Mann nickte lächelnd und sagte. "Yarra ist da." Alice brauchte keine weitere Ermutigung. Sie flog praktisch aus der Küche und stürmte, an einer kichernde Fiona vorbei, auf die Veranda hinaus und schluchzte beinahe vor Erleichterung auf, als sie sah wie ein vertrauter Wagen den Hügel hinauf kam. Nervös von einem Fuß auf den anderen hüpfend wartete sie bis das Fahrzeug anhielt und Yarra den Motor abwürgte. Zu ihrer Überraschung öffneten sich zwei Türen und während Yarra die hintere Tür öffnete um irgendeine große Schachtel heraus zu holen, gestikulierte sie zu der anderen Person auf die regengeschützte Veranda zu kommen. Alice beobachte neugierig, wie der Fremde auf die Stufen zukam, doch als er die Kapuze von seiner Regenjacke zurückschob, keuchte sie überrascht auf. "Du musst Michael sein," rief sie aus, schnappte sein Hand und zog ihn die Stufen hoch. "Es werden sich alle riesig freuen, dich zu sehen. Mein Name ist Alice, Alice Wilson," stellte sie sich vor und bekam ein warmherziges Lächeln, das dem von Jody so sehr ähnelte, das es unheimlich war. "Geh rein, Michael," riet sie ihm. "Da drinnen ist es trocken." "Danke," Bemerkte er lächelnd, öffnete die Küchentür und ging hinein. Augenblicklich danach hörte sie Fiona's glückliches Gejohle: Mike! Und mit dem Wissen, das Jody gerade ein Geschenk erhalten hatte, von dem sie schon seit Jahren geträumt hatte, lächelte sie. Sich mit den Händen auf dem Geländer abstützend schwelgte Alice in Yarra's Anblick, die mit einer Kapuzen-Regenjacke bekleidet war und mit einer Schachtel kämpfte, die sie letztendlich doch noch vom Rücksitz zerren konnte. Mit einem ihrer langen Beinen trat Yarra die Tür einfach zu, und mit wild pochendem Herzen beobachtete Alice, wie ihre Freundin die Stufen hoch rannte und erst stehen blieb als sie schließlich im Trockenen war. Behutsam stellte Yarra die Schachtel ab, und winzige Tropfen auf der ganzen Veranda verteilend, schob sie die gelbe Kapuze von ihrem Kopf. Sie öffnete eiligst den Reißverschluss ihrer Jacke, schlüpfte hinaus und hing sie auf einen der Haken neben der Küchentür. Dann stellte sie sich direkt vor Alice und sah ihre Freundin mit intensiven braunen Augen an. "Hallo Alice," begrüßte sie mit heiserer, leiser Stimme ihre Freundin. "Hallo Yarra," flüsterte Alice wobei ihre blauen Augen von Yarra's dunklen gefangengenommen wurden, die langsam aber stetig näher kam, bis ihre Freundin so nah bei ihr stand, dass sie die ausstrahlende Wärme ihres Körpers fühlen konnte. Ihre Augen wurden größer und ein kleines Lächeln schlich auf ihr Gesicht, als sie bemerkte, das Yarra die Kette trug. Sie konnte sich nicht zurückhalten, streckte eine Hand aus und berührte das kleine, silberne Wallaby, auf Yarra's Haut. "Wie ich sehe, bist du deinem neuen Freund begegnet," bemerkte sie lächelnd und ließ ihre Finger auf Yarra's weicher Haut liegen. "Das bin ich," flüsterte Yarra und ergriff Alice's Hand. "Das ist ein unschätzbares Geschenk. Ich danke dir." Alice schluckte schwer, und als sie zu ihrer Freundin aufsah hatten ihre hellblauen Augen einen ernsten Ausdruck angenommen. "Ich hab dich vermisst," gestand sie mit zitternder Stimme ein, und spürte wie sich Yarra's starke Finger um ihre kleineren schlangen. "Ich hab dich auch vermisst," erwiderte Yarra, hob Alice's Hand und berührte mit ihren Lippen hauchzart die warme Haut. Alice befeuchtete ihre nun plötzlich trockenen Lippen und atmete stockend aus. Seit sie das letzte Mal Yarra gesehen hatte, hatten sich eine Menge Dinge verändert. Sie wusste, dass während ihrer Trennung, ihre Gefühle für die dunkelhäutige Freundin stetig inniger und tiefer geworden waren. Und sie konnte nur hoffen, dass Yarra das Gleiche für sie empfand. Yarra's Lippen hinterließen einen feurigen Pfad entlang ihrer Haut und Alice konnte spüren wie ihr Körper bebte. Den besorgten Blick in Yarra's Augen sehend, forcierte sie ein Lächeln und berührte mit einer Hand Yarra's Wange. "Bist du in Ordnung, Alice?" Alice nickte und einen tiefen Atemzug nehmend beschloss sie, das Schicksal beim Schopf zu fassen, oder zumindest zu hoffen, und während sie für einen Moment ihre Augen schloss, wusste sie, das es keinen Weg zurück gab. Nie mehr. Ihre blauen Augen strahlten etwas aus, von dem Yarra nur geträumt hatte und das dunkelhäutige Mädchen nahm einen kurzen Atemzug, als Alice's Hände an ihren Schultern hochglitten, sich um ihr Genick legten, und sie langsam aber bestimmt näher zogen. "Alice..." sagte Yarra mit heiserer Stimme, befürchtend, das sie aufwachen könnte und alles nur ein Traum war. "Fröhliche Weihnachten, Yarra," flüsterte Alice, bevor ihre Lippen die ihrer Freundin berührten. Ihr erster Kuss war sanft und süß, und Yarra hätte beinahe aus puren Vergnügen aufgeschrieen, als sie spürte wie sich Alice's Lippen schüchtern ihren näherten, während der Körper der Blondine an ihrem größeren lehnte, woraufhin sich eine köstliche Wärme von Yarra's Zehen bis zu ihrem Kopf ausbreitete. "Alice," schaffte es Yarra schließlich, gegen ein paar weiche, testende Lippen zu wispern. "Fröhliche Weihnachten, Alice." Ihr nächster Kuss war weniger schüchtern und leidenschaftlicher, und Alice konnte spüren wie ihre Haut glühte, als Yarra's Hände an ihren Seiten hinunterglitten und auf ihrem Kreuz zu liegen kamen. Als eine zögernde Zunge zärtlich ihre Unterlippe streifte, dachte Yarra sie würde explodieren, und durch die Anstrengung, Alice das Tempo bestimmen zu lassen und die Blondine nicht an sich zu ziehen und ihre süßen, weichen Lippen zu entzücken, fing ihr Körper an zu zittern. "Ich habe solange darauf gewartet," seufzte Alice schließlich, legte ihre Stirn gegen Yarra's Schulter und spürte, wie die, um ihren Körper geschlungenen Arme ihrer Freundin fester zugriffen und sie näher heranzogen. "Hast du das?" Keuchte Yarra, die noch immer zu begreifen versuchte, das sich ihr Traum erfüllt hatte. "Ja, das habe ich," bekannte Alice lächelnd. Sie schielte von ihrem behaglichen Flecken zum Gesicht ihrer Freundin hoch. "Ich hoffe, das du nicht das Verlangen verspürtst deinen Mund abzuwischen," schäkerte sie, sich auf die Geschichte beziehend, die Yarra ihr und Fiona über ihren ersten Kuss erzählt hatte. "Mach dir keine Sorgen," erklärte Yarra schmunzelnd, mit ihren Lippen Alice's Stirn berührend. "Wenn es nach mir geht, dann wasch ich mir nie mehr mein Gesicht." Alice lächelte und sich enger an sie kuschelnd fühlte sie Yarra's Kichern. "Das wird nicht nötig sein, Liebling," seufzte sie zufrieden. "Wo das herkam, gibt es noch mehr." "Ich hatte gehofft, dass du das sagen würdest," seufzte Yarra, nicht fähig ihr albernes Grinsen vom Gesicht zu wischen. "Es tut mir leid, dass ich so spät komme, Alice. Aber die Fahrt hierher war schrecklich." "Ich bin einfach nur dankbar, das du hier bist," erwiderte Alice, kippte ihren Kopf zurück und küsste Yarra's Kinn. "Außerdem ist es sowieso ein ungewöhnlicher Tag." "Ist das so? Warum?" Mit einem reuevollen Blick ließ Alice Yarra's Körper los, und zurückschreitend ergriff sie die Hand ihrer Freundin. "Jody ist in den Wehen," erklärte sie ruhig. "Sie ist was?" Rief Yarra überrascht aus. "In den Wehen," erklang eine amüsierte Stimme von der Küchentür. "Du weißt, diese schwere Arbeit um einen winzigen Menschen durch..." "Danke Fiona, ich denke wir sind mit den Einzelheiten vertraut," entgegnete Yarra trocken. "Aber was für ein Tag, um geboren zu werden: Der Weihnachtstag." "Jawohl, Timing ist alles," bemerkte Fiona grinsend, schritt auf die Veranda hinaus und schloss die Küchentür hinter sich. Ihre dunkelgrünen Augen leuchteten vergnügt, als sie zwischen Alice und Yarra hin und her wanderten. "Sagt mir, hab ich gerade gesehen, wie sich meine beiden allerbesten Freundinnen auf der Veranda geküsst haben?" Fragte sie in einem scherzhaften Ton, und kicherte, als sich ein tiefes Erröten über Alice's Gesicht zog. "Ja, das hast du," antwortete Yarra, schlang ihren Arm um Alice's Schultern und zog die Blondine eng an sich. "Hast du ein Problem damit?" Fügte sie grinsend hinzu, da sie das stille Glück, das Fiona's Gesicht ausstrahlte, bemerkt hatte. "Machst du Witze?" Bemerkte Fiona lachend, ging näher auf ihre beiden Freundinnen zu und umarmte sie überschwänglich. "Ich habe schon solange darauf gewartet," gab sie zu und spürte wie sich zwei paar Arme um sie schlangen, als sowohl Alice wie auch Yarra auf ihre selten gezeigte Rührung reagierten. "Ihr zwei gehört zusammen," fügte sie leise hinzu. Als sie schließlich zurücktrat, trat die alte Fiona wieder an die Oberfläche und sie blickte mit einem schelmischen Funkeln in ihren Augen zu ihren Freundinnen. "Der erste Kuss ist ein solch spezielles... Ereignis," fing sie ernst an, doch ihre Augen funkelten. "Hättet ihr es nicht gerne, das er für ewig in einem Bild festgehalten wird?" Yarra runzelte ihre Stirn, doch Alice sah ihre dunkelhaarige Freundin mit verengten Augen an. "Du hast nicht gemacht, was ich glaube, das du gemacht hast, oder?" Fragte sie gedehnt. Grinsend zuckte Alice mit ihren Schultern. "Glaub mir, wenn du und Yarra mal eigene Enkelkinder habt, dann werdet ihr glücklich sein, ihnen die Bilder von eurem ersten Kuss zeigen zu können. Es war großartig. Ihr zwei, hell und dunkel, mit dem Regen im Hintergrund und..." "Du hast es wirklich getan, oder?" Keuchte Yarra, die spürte, wie sich ihr Gesicht erwärmte. "C.J., ich habe auf diesen Moment seit einer Ewigkeit gewartet," beklagte sich Fiona. "Du willst es mir doch nicht verübeln, einen solch großartigen Moment festzuhalten. Komm schon! Eines Tages kannst du sagen, dass die großartige Fiona McDonnell eine Aufnahme von dem ersten Kuss mit deiner Liebe des Lebens gemacht hat." "Du... bist... ein... solches... Luder!" Yarra betonte die Worte sorgfältig, und wusste nicht ob sie entweder lachen, oder sich über ihre Freundin ärgern sollte. Doch Alice hatte Fiona besonnen beobachtet, und während Yarra und die jüngste McDonnell sich anstarrten, brach sie plötzlich in Gelächter aus. "Du bluffst, McDonnell," rief sie, näher auf das dunkelhaarige Mädchen zuschreitend und schlug ihr verspielt auf den Arm. "Ich kann es in deinen Augen sehen." "Oh nein," brummte Fiona mit vorgetäuschter Verzweiflung. "Jody hat auf dich abgefärbt. Womit hab ich mich verraten?" "Das sag ich nicht," bemerkte Alice grinsend, und ergriff hinter sich langend Yarra's Hand. "Doch einen Augenblick lang hättest du mich beinahe drangekriegt." "In Ordnung, ich hab kein Foto gemacht, doch nur weil ich meine Kamera nicht zur Hand hatte." Der Blick ihrer funkelnden grünen Augen wurde weicher als sie zu ihren Freundinnen sah und sie lächelte warmherzig. "Doch glaubt mir, der Anblick von euch beiden war wunderschön." "In Ordnung," murmelte Yarra. "Wer bist du und was hast mit unserer Freundin gemacht? Die Fiona, die wir kennen ist nicht so sentimental und würde niemals freiwillig zugeben, das sie es genossen hat zuzusehen, wie sich zwei Menschen küssen." "Es liegt an der Weihnachtsstimmung," stichelte Fiona grinsend. "Und die Tatsache, dass ich vom ersten Tag an wusste, dass ihr zwei füreinander bestimmt seid. Es tut gut zu sehen, wie ihr schließlich eurem primitiven Verlangen nachgegeben habt," fügte sie zwinkernd hinzu. Doch dann nahm ihr Gesicht einen, für Fiona sehr untypischen, ernsten Ausdruck an und sie blickte mit traurigen grünen Augen zu Alice und Yarra. "Ich werde euch zwei vermissen, wenn ihr nach Brisbane zurück geht." "Wir werden dich auch vermissen, Fiona," erwiderte Alice leise, durch die unerwarteten Gefühlsäußerungen ihrer Freundin berührt. Fiona atmete langsam aus und ein kleines Grinsen überzog ihr Gesicht als sie zu ihrer dunkelhäutigen Freundin aufblickte. "Übrigens, es geht mich natürlich nichts an und ich werde wieder rein gehen, um zu sehen wie weit meine arme Schwester ist, doch ihr beiden steht immer noch unter dem Mistelzweig, also, fühlt euch frei mit dem weiterzumachen was auch immer ihr wollt," bemerkte sie grinsend. Ein paar hellblaue und seelenvolle braune Augen sahen gleichzeitig auf, und brachten Fiona zum Grinsen, als sie sah wie ihre Freundinnen ihre Augen verrollten, bevor sie anfingen zu kichern.
Susan Kirby tauschte einen wissenden Blick mit Joan McDonnell und versuchte ihre Nervosität zu verbergen. Es war klar, dass die Zwillinge sich entschlossen hatten ihren Eltern zu begegnen, doch draußen wütete noch immer der Sturm und obwohl Sam ihre Ärztin angerufen hatte, war es dieser unmöglich den Hügel hinaufzufahren. Nicht bei dem Wolkenbruch, der den Bach wahrscheinlich schon überflutet hatte, oder den gewaltigen Windböen, die die Äste wie Streichhölzer abknickten. Jody's Körper bereite sich sehr schnell auf die bevorstehende Geburt ihrer Kinder vor und Susan erkannte, dass sie schon bald in die aktive Phase der Geburt übergehen würde. Die Wehen waren stärker geworden und nur noch zwei Minuten auseinander. Bald würde Jody bereit sein und Susan schluckte schwer. Die Geburt von Zwillingen war immer riskanter als die eines einzigen Babys. Als Geburtshilfe-Krankenschwester hatte sie bei zahllosen Geburten assistiert, doch sie hatten alle in der klinischen Einrichtung eines Krankenhauses stattgefunden. Nicht in einem großen Haus auf dem Gipfel eines Hügels, bei einem heftigen Sturm, während der Regen herunterprasselte und ein Stromausfall nur eine Frage der Zeit zu sein schien. Unsicher ausatmend warf Susan einen weiteren Blick zu dem kleinen Tisch, auf dem sie sorgfältig die Instrumente platziert hatte, die sie nach der Geburt der Babys benötigten. Sie mussten improvisieren, doch das war ihre geringste Sorge. Ihre Hauptsorge galt der Lage der Zwillinge. Jody hatte ihr erzählt, dass die Zwillinge bei der letzten Untersuchung in der richtigen Position zum Geburtskanal lagen. Aber was, wenn sie sich verlagert hatten? Was, wenn sich einer in eine Steißlage gedreht hatte? Susan wischte sich ihre feuchtkalten Hände an dem Stoff ihrer Shorts ab, und versuchte der ernst dreinblickenden Jody ein beruhigendes Lächeln zu schenken. Sam hatte die Seite ihrer Lebensgefährtin nicht verlassen, und rieb zärtlich ihren Rücken, um zu versuchen ihr etwas zusätzliche Geborgenheit zu geben und die verspannten Muskeln zu lockern. Von ihrer Lebensgefährtin abgewandt lag Jody auf der Seite. Sie hatte ihre Augen geschlossen und sowohl Susan wie auch Joan konnten sehen, wie sie sich jedes Mal auf ihre Lippe biss, wenn eine weitere Wehe durch ihren Körper durchfuhr. "Das ist nicht mehr komisch," grollte Jody plötzlich, ein wenig außer Atem. "Ich will, dass sie rauskommen!" "Ich weiß Liebling," versuchte Sam ihre Liebste zu trösten, und wischte eine Haarsträhne von ihrer feuchten Stirn. Zuzusehen wie ihre Gefährtin hier mit Schmerzen und Unbehagen lag, und zu wissen, dass sie nichts dagegen tun konnte, verlieh ihr ein vollkommen hilfloses Gefühl. Die Besorgnis riss an ihren Nerven. Sie und Jody hatte sich so sehr auf die Geburt ihrer Kinder gefreut, doch sie hatte niemals erwartet, dass sie anstatt in einer Klinik zu Hause auf die Welt kommen würden. Was, wenn irgendetwas schief gehen würde... Ihren Kopf schüttelnd schlug sich Sam geistig für ihre düsteren Gedanken. Jody brauchte sie. Sie musste sich zusammenreißen. Ihre Liebste brauchte ihre positive und starke Ausstrahlung. "Wir machen nie etwas auf dem gewöhnlichen Weg, oder, mein Liebling?" Bemerkte sie leise, zärtlich über Jody's Wange streichelnd. "Nicht wirklich," kicherte Jody, trotz der Situation. "Das ist eine höllische Party, Sam." Sam lächelte und spürte wie Jody schmerzhaft ihre Hand ergriff, als eine weitere Wehe sie scharf einatmen ließ, und zuckte zusammen. "Susan, ich habe das wirklich starke Verlangen zu pressen!" Auf ihre Füße springend sandte Susan ein Stossgebet, für Stärke und Hilfe zum Himmel, und ging zum Bett, wo Jody sich langsam auf den Rücken gerollt hatte. "Lass mich mal nachsehen, Liebes," sagte sie zuversichtlicher als ihr zumute war. Nach einer schnellen Beurteilung trafen Susan's haselnussbraune Augen auf entschlossene Smaragdgrüne und wortlos nickte sie. "Es ist soweit, Jody."
"Ich werde wahnsinnig," stöhnte Lucy, die im Wohnzimmer herumschritt und nervös ihre Hände zu Fäusten zusammenballte. "Weshalb brauchen sie so lang?" Lächelnd ging Trishia zu ihrer Geliebten, schlang ihre Arme um sie und zog sie eng an sich. "Es sind erst zwei Stunden vergangen, Süße. Die meisten Geburten verlaufen nicht so, wie sie es in den Filmen zeigen." "Bei Megan hat es nur eine Stunde gedauert," seufzte Lucy, ihrer Freundin einen beinahe vorwurfsvollen Blick zuwerfend. Megan lächelte und warf einen Blick zur Couch, wo ihre neun Monate alte Tochter, tief schlafend und die Anspannung im Raum nicht wahrnehmend, zusammengerollt auf Sarah's Schoss lag. "Megan hatte ein paar Weltrekorde gebrochen," entgegnete Sarah leise und blickte mit ihren grauen Augen voller Zuneigung zu ihrer Gefährtin. "Zudem hatten wir nur eins, Luce." Ihre Augen wanderten quer durch den Raum, wo Yarra und Alice eng beieinander saßen, während Fiona hinter ihnen stand. Ihr jungendlichen Gesichtszüge waren ernst und sie war ungewöhnlich still. "Es wird alles gut ablaufen," durchbrach George Kirby's tiefe, brummende Stimme die erdrückende Stille. Yarra schenkte ihrem Vater ein dankbares Lächeln, und spürte wie Alice's Hand in ihre kroch, als sie hörten wie sich eine Tür öffnete und sich eilige Schritte näherten. Alle sahen erwartungsvoll auf, als Joan den Raum betrat und ihnen ein müdes Lächeln zuwarf. "Noch nicht," sagte sie schnell, die schweigende Frage beantwortend. "Doch es wird nun nicht mehr lange dauern. Ich brauche etwas warmes Wasser für eine Wärmflasche. Baby eins ist unterwegs." Erst jetzt fielen Joan's Augen auf das lächelnde Gesicht ihres jüngsten Sohnes, und sie stieß einen unterdrückten Schrei aus, während er zu ihr rannte und seine Mutter in die Arme nahm. "Fröhliche Weihnachten, Mom," flüsterte Michael. "Oh, Liebling! Es tut so gut dich hier zu sehen. Du hast mir nichts davon gesagt, als wir und das letzte Mal gesehen haben. Ich..." "Es ist eine lange Geschichte, Mom," erwiderte Michael, löste seinen Griff und trat einen Schritt zurück. "Ich erzähl's dir später." Er schaffte es nicht, die Traurigkeit in seinen Augen zu verbergen und Joan nickte, während sie eine Hand auf seine Wange legte. "Schon gut, wir reden später," bemerkte sie lächelnd. "Danke für dein Kommen, Mike. Jody wird vor Freude außer sich sein." "Sag ihr, sie soll sich beeilen," grinste er. "Ich kann es nicht erwarten sie und diese kleinen Hosenscheißer zu sehen." "Hier Mom," sagte Lucy, ihrer Mutter die zylinderförmige, in eine weiche Babydecke eingewickelte, metallene Wärmflasche reichend. "Ist... ist mit ihr alles Ordnung?" Joan's Augen leuchteten vor Freude, als sie nickte und die warme Decke in Empfang nahm. "Deine Schwester macht das großartig, genau wie Sam und soweit es Susan sagen kann, liegen die Babys richtig. Keine Steißlage." "Gott sei Dank," keuchte Lucy mit einem erleichterten Lächeln. "Ich geh besser zurück, weil wir dieses Ding nun jeden Augenblick brauchen könnten," erklärte Joan mit kaum verhohlener Aufregung.
Susan Kirby wischte ihre verschwitzte Stirn an ihrer Schulter ab und holte tief Luft. "Nicht pressen, Jody," riet sie ihr, als sie die ersten Anzeichen eines winzigen kleinen Köpfchens sah. "Versuch es mit deiner Atmung durchzustehen." "Ich arbeite daran," grunzte Jody und drückte keuchend Sam's Hand, als eine weitere Wehe durch ihren Körper wogte. "Du machst das großartig, Schatz," ermutigte Sam sie, während sie versuchte den nun recht schmerzhaften, schraubstockartigen Griff um ihre Hand zu ignorieren. Vorsichtig versuchte sie ihre Finger zu bewegen um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen, doch das ließ Jody nur noch fester zugreifen. "Ich leide, du leidest," grollte Jody, die das Gefühlt hatte, als ob ihr Körper in zwei Hälften gesprengt würde. Sam schluckte schwer und Joan's funkelnde Augen einfangend, warf sie ihrer Schwiegermutter ein an Ängstlichkeit grenzendes Lächeln zu. "Hier ist der kleine Kopf," gab Susan ruhig bekannt, als sie auf ein kleines, rotes, faltiges Gesicht blickte und eiligst kontrollierte, ob die Nabelschnur um den Hals des Babys gewickelt war. Sie lächelte als sie sah, das alles in Ordnung war und sah Sam glücklich grinsend an. "In Ordnung Liebes, bei der nächsten Wehe kannst du alles geben was du hast. Baby eins ist fast da," lächelte sie sichtbar erleichtert. So weit, so gut. "Dem ist besser so, oder ich werde wirklich sauer," keuchte Jody, ihre Fingernägel in Sam's Haut vergrabend, was ein geflüstertes autsch hervorrief, während Susan Kirby eifrig die Feuchtigkeit vom Gesicht des Babys wischte. Nur ein paar Minuten später, lag das neueste Mitglied des McDonnell-Stevens Clans in einer schützenden, liebevollen Umarmung, auf dem Bauch seiner Mutter. "Es ist ein Junge, Sam," sagte Jody aufgewühlt. Ihre grünen Augen waren vor Ergriffenheit dunkel, und als sie zu ihrer Gefährtin blickte sah sie, wie Tränen an Sam's Wangen herunterkullerten. "Er ist wunderschön," flüsterte die große Blondine, streckte eine Hand aus und streichelte zärtlich über eine rote, faltige Wange. "Oh Liebling, er ist so wunderschön," ihre Stimme versagte und sie brachte ihr Gesicht näher an Jody's, um ihre erschöpft aussehende Lebensgefährtin zärtlich auf die Lippen zu küssen. "Ich liebe dich, Sam," sagte Jody leise, während ihre Augen, in dem Anblick von Verwunderung und Glückseligkeit auf dem Gesicht ihrer Geliebten, schwelgten. Sie wusste, dass es da noch ein weiteres Baby gab, das vorhatte die Welt zu betreten, und sie spürte das es nicht mehr warten wollte. Doch gleichgültig wie schmerzhaft und unbehaglich die nächsten Augenblicke für sie sein würden, so war es doch das alles Wert, wenn sie in diese hellblauen Augen blickte, die sie so sehr liebte. "Ich liebe dich auch," erwiderte Sam und beugte sich für einen weiteren Kuss hinunter. "Du bist meine Heldin, Jody." Als sie Jody's Haar von ihrer verschwitzten Stirn strich, hörte sie, wie ihre Gefährtin heftig einatmete und ihre blauen Augen weiteten sich beunruhigt. "Baby zwei?" "Es will bei seinem Bruder sein und zwar jetzt. Muss ein echter Stevens sein," keuchte Jody und schaffte es zu Lächeln, als ihre Mutter herüberreichte um ihren kleinen Sohn hochzuheben. Joan's erfahrende Augen erkannten die gesunde Hautfarbe und seine gleichmäßige Atmung, und als er seinen Mund für einen frustrierten Schrei öffnete, musste sie einfach lächeln. Aus diesem Ton, dem Gesichtausdruck ihrer Mutter und Susan Kirby's selbstsicherem Verhalten, Mut schöpfend, bereite sich Jody innerlich auf die nächsten Wehen vor.
"Was war das? War das ein Baby?" Schrie Lucy, sprang von ihrem Sessel hoch und blickte auf die angespannten Gesichter im Raum. Ihren Kopf auf die Seite legend spitzte sie aufmerksam ihre Ohren und alle schienen ihre Luft anzuhalten, bis der Ton wieder erklang. "Ja!" Schrie Trishia beinahe, stieß eine Faust in die Luft und sprang auf, um ihre Gefährtin zu umarmen. Nervöses Gelächter brach aus, als Jody's und Sam's Familien sich schließlich erleichtert in ihren Sitzen zurücklehnten. "Aber ich konnte nur eins hören," bemerkte Lucy. "Nun ja, was hast du erwartet, Schwesterherz? Sie kommen gewöhnlich hintereinander. Es ist ja nicht so, dass sie gleichzeitig herauskommen," erklärte Michael kichernd, während seine grünen Augen vor Aufregung leuchteten. Er seufzte glücklich und für einen Augenblick drifteten seine Gedanken zu seinem Vater, der zu Hause allein, oder vielleicht mit seinem älteren Bruder Matthew und dessen Freundin Sheila war. Es schmerzte ihn, das sich sein Vater und Bruder so hartnäckig weigerten, etwas mit Jody und Sam zu tun haben zu wollen. Doch er war dankbar, dass es ihm möglich war ein Teil dieses ganz besonderen Weihnachtsfestes zu sein, das sich zu einem wirklich zauberhaftem entwickelt hatte. Er konnte es gar nicht abwarten seine Schwester, ihre Partnerin und ihre neugeborenen Kinder zu sehen. Eine Hand auf seinem Arm spürend blickte Michael in Fiona's Augen, die ihn warmherzig ansahen. "Ist das nicht großartig, Mickey?" Sagte sie lächelnd. Den Kloß in seiner Kehle herunterschluckend konnte er nur nicken. Seinen Arm um seine Schwester legend zog er sie eng an sich, und angestrengt nach dem Schrei eines weiteren Babys lauschend, verharrten sie in dieser Position.
Susan Kirby musste einfach vor Erleichterung weinen, als sie einige Minuten nachdem das erste Baby auf die Welt gekommen war, einen weiteren, vehement protestierenden Säugling in ihren Armen hielt. Rasch das Neugeborene untersuchend konnte sie spüren wie eine Träne an ihrer Wange herunterlief, als sie das kleine Bündel einer erschöpften Jody reichte. "Es ist ein Mädchen," schniefte sie. "Und auch sie scheint vollkommen gesund zu sein." "Ein Mädchen," wiederholte Jody kaum hörbar, während sie auf das kleine, wütende Gesicht sah. Das durchdringende Geschrei klang wie Musik in ihren Ohren und mit Tränen in den Augen sah sie zu Sam, die in Trance zu sein schien. Ihr Gesicht strahlte eindeutig während sie die, auf dem Bauch ihrer Mutter liegenden, Zwillinge betrachtete. "Ein Mädchen," wiederholte Sam langsam, die Realisierung in sich sinken lassend. "Ein Mädchen. Wir haben einen Jungen und ein Mädchen." Ihre Augen schwelgten auf den kleinen Gestalten der Neugeborenen, und während Tränen an ihren Wangen herunterliefen, registrierte ihr Verstand ihre gesund aussehenden Nachkommen. Ihre Augen verschmolzen mit Jody's und die Welt um sie herum schien zu verschwinden. Die Empfindungen, die sie beide fühlten waren zu intensiv, um sie in Worte zu fassen, doch sie konnten in den Augen des anderen, die Mischung aus Glück, Dankbarkeit und Verwunderung sehen. "Wow, nun gibt es Vier von uns," bemerkte Sam durch ihre Tränen lachend, und streckte eine große Hand aus um liebevoll über den Rücken ihrer Tochter zu reiben. "Liebling, ich... ich..." Von den Emotionen zu überwältigt, rutschte Sam einfach näher zu ihrer Geliebten und drückte ihr Gesicht in Jody's Halsbeuge. "Danke." Flüsterte sie, ihre Tränen ungehemmt fließen lassend. Jody drehte ihren Kopf so, dass sie mit ihren Lippen Sam's Wange berühren konnte, und die aufgewirbelten Empfindungen genießend schloss sie ihre Augen. Sie war erschöpf und es tat ihr alles weh, doch in diesem Augenblick wusste sie nur, dass sie die glücklichste Frau auf der Welt war.
Joan und Susan tauschten einen Blick aus und lächelten. Leise verließen sie den Raum, und als sie mit einem sanften Klicken die Tür hinter sich geschlossen hatten, sahen sie sich an. "Danke," seufzte Joan glücklich und umarmte die andere Frau. "Herzlichen Dank, Susan." "Gott Joan, für eine Weile dachte ich, dass ich es da drinnen nicht durchstehe. Ich bin so glücklich, das es keine Komplikationen gab!" Entgegnete Susan Kirby ihre Augen trocknend. "Herzlichen Glückwunsch, Großmama." "Oh Gott. Stimmt ja," kicherte Joan. "Ich bin jetzt Großmutter. Oh Mann, das ist bemerkenswert." Sie kicherten beide wie Schulmädchen und sich gegenseitig ihre Arme um die Taillen schlingend, machten sie sich auf den Weg zu den angespannt wartenden Familienmitgliedern und Freunden. "Ich gebe ihnen ein paar Minuten für sich alleine," versprach Susan. "Doch bis ein Arzt die drei untersucht hat, werde ich sie wie ein Habicht im Auge behalten." Sobald sie das Wohnzimmer betraten wurde es mucksmäuschenstill. Alle Augen waren mit einer Mischung aus Hoffnung, Aufregung und Besorgnis auf die zwei Frauen gerichtet. Susan's Augen fanden die ihres Mannes und als sie nickte, erstrahlte sein dunkelhäutige Gesicht mit einem gewaltigen Grinsen, das von Yarra und ihren Brüdern wiedergespiegelt wurde, die diese Interaktion mitbekommen hatten. "Sag schon!" wimmerte Lucy beinahe. "Ich halt es nicht mehr aus." Joan sah zu Susan, die lächelnd zu ihrem Mann ging, der aufgestanden war und sie in eine innige Umarmung zog. "Ein Junge und ein Mädchen," verkündete Joan strahlend. "Beiden Babys und ihren Müttern geht es absolut großartig." Für einen kurzen Augenblick herrschte Totenstille, doch dann brach die Hölle los, als alle gleichzeitig zu lachen und weinen anfingen. "Wie heißen sie, Mom?" Wollte Fiona sofort wissen, während sie sich die Tränen von ihren Wangen wischte. Joan McDonnell verzog ihr Gesicht zu einem albernen Grinsen und zuckte nur mit ihren Schultern. "Ich weiß es nicht," erwiderte sie lachend. "Ich hab vergessen zu fragen. Ich weiß nur, das sie absolut anbetungswürdig sind. Und Jody hat es fantastisch gemacht. Genau wie Susan," fügte sie mit einem dankbaren Blick zu Yarra's Mutter hinzu. "Wir werden es früh genug erfahren," seufzte Fiona. "Ich weiß, das ihre Lungen in Ordnung sind. Du meine Güte, was für ein Ton!" "Was für ein großartiges Weihnachtsgeschenk," erklärte Lucy strahlend, ihr Gesicht an Trishia's Schulter vergrabend. "Oh ja, und wir mussten es nicht mal einpacken," blödelte Fiona.
"Wie fühlst du dich, Liebling?" Erkundigte sich Sam, Jody's Wange küssend und sah zu den beiden Babys, die ruhig auf dem Bauch ihrer Gefährtin lagen, die ihre Arme schützend um sie geschlungen hatte. "Ein wenig erschöpft," gab Jody zu. "Doch es ist nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte. Wir sind gesegnet, Sam. Alles lief so reibungslos ab." "Dafür bin ich dankbar," erwiderte Sam, ernst dreinblickend. "Ich weiß, das die Geburt von Zwillingen riskant sein kann, und..." sie schluckte schwer. "Eine Zeitlang hatte ich mir Sorgen gemacht. Doch du warst beeindruckend, mein Schatz. Und ich weiß nicht, wie wir Susan jemals richtig danken können." "Wir werden einen Weg finden," bemerkte Jody lächelnd und blickte auf die zwei Babys hinunter, die anfingen sich leicht zu bewegen und leise Geräusche von sich gaben, die ihre Herzen erwärmten. "Ein Sohn und eine Tochter," seufzte sie glücklich. "Ich weiß, das ich furchtbar aussehen muss, doch ich fühle mich wie eine Königin, Liebling." "Du sieht wunderschön aus," erklärte Sam lächelnd. "So wie immer. Mutterschaft steht dir." Kichernd hob Jody leicht ihren Kopf, um Sam's Lippen für einen zärtlichen Kuss gefangenzunehmen. "Danke. Ich hoffe du sagst das auch noch, nachdem wir, durch das Füttern und Windelwechseln der Beiden, die ganze Nacht nicht zum Schlafen kamen." "Du bist immer wunderschön, meine Liebe," entgegnete Sam ernst. "Weißt du warum?" Als Jody liebevoll lächelnd zu ihr aufblickte, streckte Sam ihre Hand aus und fuhr eine Linie an ihrer blassen, sommersprossigen Wange entlang. "Weil du nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich wunderschön bist. Deswegen habe ich mich, zuallererst und über die Jahre hinweg, in dich verliebt, ich verliebe mich immer und immer wieder aufs neue. An jedem Tag der vorübergeht liebe ich dich mehr. Frohe Weihnacht, mein Liebling." Sie presste ihre Lippen auf Jody's zitternde, und teilten einen sanften Kuss, als Bestätigung ihrer Liebe und tiefen Verbundenheit füreinander.
Draußen war der Sturm vorbeigezogen und es hatte aufgehört zu regnen. Ein zögernder Sonnenstrahl linste durch die sich auflockernden Wolken und wurde von Millionen winziger Tröpfchen, die an den Bäumen und Zweigen hingen, reflektiert. Sie schufen eine funkelnde Märchenlandschaft aus Lichtern, Kristallen und Diamanten, die die zwei neuen Erdenbürger zu bewillkommnen schien.
Nachdem ihre Mutter gegangen war, um nach Jody und den Zwillingen zu sehen, hatte sich Yarra von der Couch erhoben und Alice mit sich ziehend ging sie durch die Küche zur Veranda. Sie hatte ihr nicht erklärt was sie vorhatte und Alice setzte eine geduldige, leicht neugierige Mine auf, als sie sah wie Yarra die Tür hinter ihnen schloss. "Möchtest du wieder von dem Mistelzweig gebrauch machen?" Schäkerte sie liebevoll, als sie den amüsierten Glimmer in den Augen ihrer Freundin sah. "Nein. Ja. Nun ja, ich... brauchen wir dieses Unkraut?" Stichelte Yarra grinsend. "Ich denke, nein," erwiderte Alice lachend, der vor Glück beinahe schwindlig war. Nachdem sie solange auf die Rückkehr ihrer Freundin gewartet hatte, war Yarra jetzt bei ihr, Jody und Sam hatten zwei gesunde Babys, es war Weihnachten... das Leben war schön. "Gut, das freut mich," bemerkte Yarra lächelnd und beugte sich nach vorne, um sich von der überraschten Alice schnell einen Kuss zu stehlen. "Tatsächlich, wollte ich dir etwas geben... eins von deinen... Weihnachtsgeschenken," erklärte sie, fasziniert darüber, wie ein einzelner Sonnenstrahl auf interessante Weise Alice's Haare erstahlen ließ. "Weil sie nicht unter den Baum passen?" Fragte Alice mit einem Blick zu der großen Schachtel, die noch immer an der Küchenwand lehnte. "Das da geht drunter," versprach Yarra. "Wann immer wir die Geschenke auch austauschen. Nein, ich habe etwas anderes, doch... ich... ähm..." stotterte das dunkelhäutige Mädchen, offensichtlich nicht die richtigen Worte findend. Nach unten sehend, entging ihr der liebevolle Blick, mit dem ihre Freundin sie ansah. "Ich hab mich davor gedrückt," bekannte Alice, das Material von Yarra's Seidenbluse berührend. "Als ich die kleine Schachtel in deinem Zimmer liegen ließ, fühlte ich mich wie ein völliger Feigling. Doch..." Ihre Augen fingen die Braunen und ein zärtliches Lächeln vertiefte das strahlende Blau, und vermittelten Yarra das Gefühl, in diesen Tiefen zu ertrinken zu wollen. "Ich hätte es wissen sollen," fügte sie flüsternd hinzu. "Was hättest du wissen sollen?" "Ich hätte wissen sollen, dass du es geliebt hättest, weil es… weil es ein Geschenk von mir war. Ich glaube, das wenn ich dir eine rote Schnur mit einem Stein daran gegeben hätte, du es genauso geliebt hättest." "Da hast du vollkommen recht," erwiderte Yarra lächelnd, während sie mit ihren Fingern bedächtig über Alice's Wange fuhr. Ihr Herz quoll über, als ihre Freundin ihre Augen schloss und sich in die Berührung lehnte. "Gleichgültig was du mir gibt's, ich werde es lieben, da es von dir ist," versprach Alice, öffnete ihre Augen und lächelte in ein paar gefühlvolle Braune. Yarra griff in ihre Tasche und holte eine kleine Schachtel hervor. Alice's Hand nehmend, legte sie die Schachtel hinein und schloss die Finger ihrer Freundin darum. "Als ich es sah, musste ich an dich denken. Erinnerst du dich an diese Nacht, die wir zusammen im The Reef verbracht hatten, und du einen Alptraum hattest?" "Ja," flüsterte Alice, auf die Schachtel in ihrer Hand blickend. "Du wolltest, dass ich mich entspanne und erzähltest mir diese Geschichte, wie die Schildkröte ihren Schwanz verloren hat. Ich liebe diese Geschichte." "Ich weiß," bemerkte Yarra lächelnd. "Darum musste ich es einfach kaufen. Mach schon, öffne es." Behutsam hob Alice mit ihren Fingern den Deckel von der kleinen Schachtel und es stockte ihr der Atem, als sie sah was darin lag. Eine Silberkette, fast die gleiche, die sie Yarra geschenkt hatte, doch an dieser hing eine kleine silberne Abbildung von der niedlichsten Schildkröte, die sie jemals gesehen hatte. "Oh Yarra," keuchte sie. "Sie ist so schön." "Genau wie du," entgegnete das dunkelhäutige Mädchen lächelnd. "Denkst du nicht auch, dass es erstaunlich ist, das wir mit fast identischen Geschenken ankamen?" Alice lächelte und ihre Augen standen voll unvergossener Tränen, als sie zu der Frau aufblickte, die ihr Herz so mühelos gefangengenommen hatte. "Das ist es," bestätigte Alice nickend, hob die Kette hoch und reichte sie ihrer Freundin. "Kannst du sie mir bitte umlegen?" Yarra nahm die Silberkette und sicherstellend, das der Verschluß auch richtig zu war, legte sie sie um Alice's Hals. Als sie fertig war, berührten ihre Finger weiterhin die warme Haut ihrer Freundin und verfolgten zärtlich einen Pfad zu ihren Wangen. "Danke Yarra," flüsterte Alice, lehnte sich näher um ihre Lippen auf die ihrer Freundin zu pressen, und seufzte zufrieden, als sie fühlte wie sie aufeinandertrafen. "Wir stehen schon wieder unter dem Mistelzweig," bemerkte Yarra lächelnd, schlang ihre Arme um Alice und zog sie enger an sich. "Schön," seufzte Alice, mit ihrer Hand hinter Yarra's Genick gleitend und sie enger an sich ziehend. "Lass uns die Tradition ehren."
In dem Augenblick, als Sam das Wohnzimmer betrat, wurde sie von ihren Freunden und Familienmitgliedern beinahe zu Boden geworfen, als alle auf einmal dem frischgebackenen Elternteil gratulieren wollten. Lachend akzeptierte sie sämtliche Umarmungen und Küsse, und als ihre Augen auf Michael fielen, der sie aus dem Hintergrund schüchtern betrachtete, verharrte sie vollkommen regungslos. "Mikey?" Fragte sie, seinen Spitznamen benutzend. Näher an ihn herangehend streckte sie eine Hand aus und berührte seine Schulter. "Michael, bist du es wirklich?" Es war eine rein rhetorische Frage, da seine Augen und Haare denen von Jody so sehr ähnelten, dass sie ihn jederzeit erkannt hätte. "Hallo Sam," begrüßte er sie schüchtern, sich fragend, ob die Lebensgefährtin seiner Schwester es ihm übel nahm, dass er sich so lange nicht hatte sehen lassen. "Du meine Güte, Mike," rief Sam, während ihr Gesicht mit einem strahlenden Lächeln aufleuchtete. "Jody wird überglücklich sein, dich zu sehen. Komm her!" All seine Bedenken und Verunsicherungen beiseite schiebend, zog sie den Teenager in eine knochenzerbrechende Umarmung, und ohne sich über die an seinen Wangen herunterkullernden Tränen zu schämen, klammerte er sich einfach an sie. "Bist du bereit deine Schwester zu sehen, sowie deinen Neffen und deine Nichte kennen zu lernen?" Fragte Sam schließlich heiser. Michael wischte sich mit seinem Handrücken die Augen und nickte begeistert, was Sam zum Lächeln brachte, da es sie einen Augenblick lang an die Zeit erinnerte, als Jody's Bruder noch ein kleiner Junge war. "Dann lass uns gehen," spornte sie ihn an. Ihre strahlendblauen Augen sahen sich im Zimmer um, und sie schluckte schwer, als sie all die glücklichen Gesichter sah. "Ich möchte ja kein Spielverderber sein," entschuldigte sie sich. "Doch ich würde das gerne in Etappen machen. Ich weiß, dass sich alle danach sehnen Jody und die Säuglinge zu sehen, aber ich denke es ist besser, wenn nicht alle auf einmal reingehen. Wie wäre es also, wenn zuerst die Familie geht und danach die anderen?" "Klar Sam," lächelte Sarah, zu ihrer strahlend grinsenden Lebensgefährtin blinzelnd. "Wir können noch ein wenig länger warten." "Prima," erklärte Sam lächelnd und sah zur Veranda. "Fiona, würdest du bitte Alice hereinschleppen? Sie und Yarra können ihre Schmusesitzung später fortsetzen."
Mit einem Stapel Kissen in ihrem Rücken, lag Jody bequem in ihrem Bett. Mit Susan's Hilfe war es ihr möglich eine kurze Dusche zu nehmen, wodurch sie sich sauber und frisch fühlte, und obwohl ihr Körper noch immer erschöpft und wund war, fühlte sie sich so glücklich, das Schlaf für eine Weile nicht in Betracht kam. Mit einem liebevollem Blick betrachtete sie die zwei kostbaren Bündel in ihren Armen, und erkannte bereits die auffallende Ähnlichkeit zwischen ihrem Sohn und Sam. Die Art, wie er seine kleine Nase runzelte, war ihr so vertraut, das es ihr Tränen in die Augen trieb. Behutsam öffnete sich die Tür und als sie sah wie Sam ihren blonden Kopf um die Ecke streckte, lächelte sie. "Bist du bereit ein paar Besucher zu empfangen?" Erkundigte sich Sam lächelnd, und ihr Herzschlag verdoppelte sich, als sie das wohlige Bild von ihrer Gefährtin und Kindern sah. Nickend erwiderte Jody glücklich Sam's Lächeln. "Lass die Massen herein, Liebling," forderte sie sie auf. Die Tür öffnete sich ganz und Lucy mit Trishia im Schlepptau war die erste die das Schlafzimmer betrat. Am Fußende des Bettes blieb sie stehen und saugte das Bild von Jody und den Zwillingen in sich auf. "Ach Jody," krächzte sie. "Du siehst wundervoll aus. Und seht euch nur die zwei kleinen Süßen an!" Näher ans Bett schreitend umarmte sie vorsichtig ihre Schwester und ihre Wange gegen Jody's pressend schniefte sie leise. "Ich liebe dich Erbse. Herzlichen Glückwunsch. Ich bin so froh, dass alles gut gegangen ist. Ich war nur..." "Ganz wie ein erwartungsvoller Vater," schnaubte Trishia, zärtlich ihre Geliebte zur Seite schiebend damit sie die frischgebackene Mutter liebevoll umarmen konnte. "Du siehst prima aus, Jody," bemerkte sie lächelnd. "Und diese zwei sind einfach anbetungswürdig." "Danke," erwiderte Jody stolz lächelnd. Ihr Blick wanderte zur Tür und sie zog ihre Stirn kraus als sie bemerkte, dass noch niemand weiteres hereingekommen war. "Ich dachte meine Familie wäre größer als nur ihr beide,"bemerkte sie trocken. "Sollte keine Beleidigung sein." "Ist auch nicht so verstanden worden," kicherte Lucy. "Wir müssen dich nur auf einen Besucher vorbereiten," fügte sie mit einem strahlenden Lächeln hinzu. Den verwirrten Blick auf dem Gesicht ihrer Schwester sehend, legte sie ihre Hände auf Jody's Schultern. "Mike ist hier," erklärte sie lächelnd. "Was?" Keuchte Jody. "Mikey? Michael ist hier? Du verulkst mich doch nicht, ich..." Ihre Augen schossen zur Tür zurück und sie keuchte, als sie sah wie ihre Geliebte, ihren Arm beschützend um die Schultern ihres jüngsten Bruders geschlungen, hereintrat. Sobald sich ihre Augen trafen, konnte Jody spüren, wie die Tränen an ihren Wangen herunterliefen. "Lucy, Trish, würdet ihr sie für einen Augenblick halten, ja?" Bat sie, ihnen die Säuglinge reichend, damit sie ein besseren Blick auf ihren Bruder werfen und ihre Arme zu ihm ausstrecken konnte. Michael brauchte keine weitere Ermutigung. Mit einem Schluchzen flog er praktisch zu seiner Schwester, ließ sich neben dem Bett auf seine Knie fallen und schlang behutsam seine Arme um ihren Körper. Sein Gesicht an ihrer Schulter begrabend ließ er seinen Tränen freien Lauf, während sie ihn liebevoll wiegte. Ach Mikey," seufzte sie. "Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Geschenk du mir gemacht hast. Ich hab dich so furchtbar vermisst." "Ich wäre schon eher gekommen," schluchzte Michael. "Doch... doch... ich hab keinen deiner Briefe erhalten, Jody und ich dachte, dass du mich vielleicht nicht sehen willst." "Oh nein, mein Liebling," versicherte ihm Jody während sie ihre Wange auf seinen Kopf legte. "Das würde mir nie in den Sinn kommen. Du bist mein kleiner Bruder. Ich habe nie aufgehört dich zu lieben." "Es tut mir leid, Jody," schniefte er, seiner Schwester ins Gesicht sehend. "Das muss es nicht, Mike. Ich bin einfach glücklich, dich hier zu haben," erklärte Jody lächelnd und strubbelte verspielt durch seine Haare. "Wir können später darüber reden. Möchtest du die neuen Familienmitglieder kennen lernen?" Jody warf einen Blick zur Tür und lächelte als sie Sam's tränenerfüllte Augen sah. "Schick sie alle rein, mein Schatz," bemerkte sie lächelnd. "Wir sind mit dem sentimentalen Kram fertig." Fiona's Kichern erklang in ihren Ohren und Jody lächelte als ihre jüngste Schwester, ihre Mutter sowie Alice und Yarra hereinkamen. Die Letztere musste praktisch hereingezerrt werden. "Ich gehöre nicht zur Familie, Jody," entschuldigte sie sich sofort. "Aber Sam..." "Yarra, Sam hat mir erzählt was ihr beiden, du und Alice draußen auf der Veranda gemacht habt," erklärte Jody beiläufig, doch liebevoll zwinkernd. "Das macht dich zur Familie." "Ja, das stimmt," fügte Fiona grinsend hinzu. "Hast du nicht das Stevens-McDonnell Handbuch für Schwiegereltern gelesen? Ein Kuss und du bist Toast." Schnaufend setzte sich Sam neben ihrer Gefährtin aufs Bett, und ihren Arm um ein paar schmale Schultern legend, genoss sie gründlich das Gegirre um die Zwillinge. Lucy war von den anbetungswürdigen Neugeborenen völlig hingerissen, und Sam warf Jody einen bedeutungsvollen Blick zu, der ihre Gefährtin zum Kichern brachte. "In Ordnung, ihr beiden. Es ist an der Zeit damit herauszurücken. Ich will Namen und ich will sie jetzt," seufzte Lucy. "Mmm, Trish färbt auf dich ab," frotzelte Jody. "Zweifellos könntest du bei der Polizei anfangen, Sommersprosse." Grinsend reichte Lucy den Säugling, in ihren Armen, zu Jody, während Trishia ihr kleines Bündel behutsam in Sam's Arme legte. Die frischgebackenen Eltern wechselten einen glücklichen Blick, und mit einem übertrieben konzentrierten Blick sah Sam auf das Baby in ihren Armen. "Ich möchte euch Timothy McDonnell-Stevens vorstellen," verkündete sie lächelnd und küsste die weiche Haut auf dem Kopf ihres Sohnes. "Sowie Taryn McDonnell-Stevens," fügte Jody hinzu, unbewusst Sam's Geste nachahmend und ebenfalls den kleinen Kopf ihrer Tochter küssend. "Timmy und Taryn. Wie niedlich!" Seufzte Alice verträumt, was die anderen zum Kichern brachte. "Tim kam als erster auf die Welt und Taryn folgte knapp fünf Minuten später," erklärte Jody lächelnd. "Ich denke, dass sie eine echte Stevens ist und es nicht mag bei einem Spaß ausgeschlossen zu werden." Sam grinste und gab ihrer Gefährtin einen kurzen Kuss. "Das wird sich zeigen, Liebling. Obwohl ich mir sicher bin, dass sie aussieht wie du." "Als ob man das jetzt schon sehen könnte," schnaufte Fiona. "Sie... ähm... sind im Augenblick ein wenig runzelig, ungeachtet dessen sind sie wirklich goldig," fügte sie schnell hinzu, als sie Lucy's empörten Blick sah. "Was für ein unübertreffliches Weihnachtsfest," seufzte Alice glücklich, sich enger an Yarra's große Gestalt lehnend. "Und wir haben noch nicht mal die Geschenke ausgetauscht," fügte Sam blinzelnd hinzu. "Mmm, oh ja, das haben wir nicht," bestätigte Trishia, an die Konstruktion denkend die sie nur für diesen Anlass gebaut hatte. Lucy und Jody wechselten Blicke und genau wissend an was ihre Partner dachten, lächelten beide. "Vielleicht können wir morgen die Geschenke tauschen," schlug Jody mit einem amüsierten Lächeln hinzu. "Ich denke, auf diese Weise kommen sowohl Sam als auch Trishia zu ihrer Genugtuung sich gegenseitig mit ihren... speziellen Verpackungstechniken zu ärgern." "Du bist ein Engel, Liebling," seufzte Sam zufrieden und grinste zu der großen Polizistin, die sie anblinzelte. Leise lachend lehnte Jody ihren Kopf gegen den ihrer Gefährtin, und spürte wie sich augenblicklich ein langer Arm um ihre Schultern legte. Sie sahen sich an, und trotz der amüsiert zusehenden Zuschauer gaben sie sich einen anhaltenden, zärtlichen Kuss. "Also, hat irgendjemand einen Vorschlag für die Weihnachtsparty im nächsten Jahr?" Fragte Jody schließlich erschöpft, jedoch schelmisch lächelnd.
~~~ ENDE ~~~
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