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Standard-Hinweise: Worum geht es: Warum Miami? Die Welt, in der meine Über-Lieblinge leben, ist meine Welt - nicht, dass ich ein Kerkermeister oder etwas ähnlich verrücktes bin, aber ich arbeite für eine Gesellschaft die sich EDS nennt, und wir beschäftigen uns mit Informationstechnologie - wir vergeben IS (informationsverarbeitende Systeme), an andere Gesellschaften, und übernehmen deren IS-Einrichtungen und Mitarbeiter. Mit anderen Worten, wir sind die EDS Borg - sie werden angepasst - Wiederstand ist zwecklos. (Ich werde das nicht weiter vertiefen.) Die zwei Charaktere werden auf einer Ebene arbeiten und spielen, die ich nicht mal mit einer drei Meter hohen Stange erreichen würde - dementsprechend sind sie nicht autobiografisch. Ich mach die Technik und den Netzwerksupport - Ich halte mich von der Geschäftsspitze von EDS zurück, weil das die Spitze ist, wo man hängen bleibt, und dies auf nicht gerade freundliche Art, wenn sie verstehen was ich meine. |
Fisher Island, der Ort wo Dar Roberts lebt, gibt es wirklich. Ich habe dort gearbeitet. Allerdings bezieht sich die Beschreibung ungefähr auf Jahr 1990 - es sind seitdem eine ganze Menge neuer Gebäude mit Apartments und andres Zeugs gebaut worden. Alle Plätze, Restaurants, Straßen und Chausseen sind real. Ich sah kein Bedürfnis sie zu verändern, da Miami ein farbenfroher Ort ist, ohne dass ich etwas daran ändern müsste. Es ist eine Art von Tribut an meine Heimatstadt - weil es mir hier wirklich gefällt. Dar und Kerry sind keine Superspione, Geheimagenten, oder irgendwelche Überläufer. Sie laufen nicht vor dem Gesetz davon, oder übernehmen dritte Welt- Länder (obwohl EDS einige überrannt hat) oder etwas in dieser Art. Es könnte sein, dass sie ihr Leben langweilig finden....dagegen kann ich nichts machen....es wird keine Verfolgungsjagden mit Autos oder Schießereien geben, aber dies ist Miami, und wir sind in einer sehr schwierigen Stadt, also kann einiges passieren. Es ist einfach eine Geschichte über zwei Menschen, die sich unter sehr ungewöhnlichen Umständen treffen und deren Leben sich verändern wird.
Hinweis der Übersetzerin: Ich möchte Melissa Good ein riesiges Lob aussprechen, denn ihre Story war die erste Fanfiction überhaupt, die ich bis vor einem halben Jahr gelesen habe. Und sie hat mir so gut gefallen, dass ich angefangen habe mich für mehr Geschichten zu interessieren, also habe ich herumgesucht und mußte feststellen, dass es kaum deutsche Übersetzungen gibt. Das war eigentliche der Grund warum ich mich entschlossen habe nun eine eigene Website zu erstellen - um diese wunderbaren Geschichten auch den Lesern zugänglich zu machen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind - und davon soll es ja noch einige geben. Es gibt soviel wunderbare Fanfiction-Stories und es wäre doch schade, wenn die von vielen Lesern, nur weil sie die Sprache nicht beherrschen, ungelesen blieben. Desweiteren möchte ich mitteilen, dass ich diese Geschichte originalgetreu,
nach bestem Wissen und Gewissen, aus dem englischen übersetzt und nichts
verändert habe, und bitte im voraus um Entschuldigung, falls mir hier oder
da ein Schreibfehler unterlaufen sein sollte. Konstruktive Kritik wird gerne angenommen
und Lob sowieso. Ach ja noch was, wenn ihr Feedbacks schreibt, dann bitte in englisch! Oder schreibt mir und ich leite es weiter. Danke. Aber jetzt sind der Worte genug gewechselt - let's go on, wie man auf deutsch so schön sagt - Viel Spaß beim Lesen! |
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Tropical Storm Kapitel 1
Der Wecker fing leise an zu summen, und die auf dem Wasserbett ausgebreitete, schläfrige Gestalt wachte langsam auf. Ein langer Arm griff hinüber, schlug auf den Abstellknopf des Weckers und sank dann wieder zurück, und der Schatten der frühen Morgendämmerung spiegelte sich in den hellen, bereits geöffneten Augen, die an die mattweiße Decke starrten. In der Wohnung war es ruhig, ein kaum hörbares Klicken und Summen des Gefrierschranks in der Küche, und das leise Brummen der Klimaanlage, waren die einzigen Töne die die Dunkelheit durchbrachen, wenn man die leisen Atemgeräusche der Gestalt auf dem Bett nicht hinzurechnete. Schließlich steigerten sich die Atemgeräusche in ein Seufzen und die ebene Oberfläche der Matratze raschelte. Die große Gestalt rollte sich aus dem Bett, und trottete quer über den polierten Teakholzboden in ein lachsfarbenes, Badezimmer mit Marmorfliesen. Ein hörbares Stöhnen war zu hören als das Licht anging, dann lief Wasser in das Waschbecken aus Marmor und es platschte heftig als des Wasser auf warme Haut traf. Das Opfer wischte die Wasserspritzer mit einem weichen Handtuch weg und betrachtete dann sein Spiegelbild. Hellblaue Augen in Kombination mit einem kantigen Gesicht, mit hohen Wangenknochen, das von dunklen, schulterlangen Haaren, die nun etwas strubblig, in Strähnen über der Stirn hingen, eingerahmt war, blickten zurück. "Guten Morgen." Es war eine warme Altstimme, noch leicht heiser vom Schlaf, und die Lippen die die Wörter geformt hatten verzogen sich in ein ironisches Grinsen als keine Antwort kam. Das Licht vom Badezimmer flutete über den Holzboden und beleuchtete ihren Weg, als die große Frau barfuss durch das Schlafzimmer und das angrenzende Wohnzimmer ging, um quer über die weichen Berberteppiche schreitend, die über den Keramikfliesen verteilt waren, die Küche zu erreichen. Ein weiteres Knipsen und das Licht ging an, welches den in kräftigem Blau und Weiß gehaltenen Raum zum Leben erweckte, und leichte Lichtreflexe über die königsblau geflieste Oberfläche der Anrichte und der geriffelten Oberfläche der weißen Geräte verströmte. Lediglich der Kühlschrank fiel aus dem Rahmen - er war, laut Angabe des Herstellers, aus rostfreiem Stahl. Auf der Anrichte, neben einer geschmackvollen Kaffeemaschine und einem häufig benutzen Mixer, war ein Computerterminal. Er war, bis auf eine blinkende Anzeige in der rechten unteren Ecke, dunkel. "An." Sagte sie zu dem Terminal. "Mail." "Mail." Erwiederte das Gerät dienstbereit. "Dar Roberts, sechs Nachrichten, zwei dringend." "Lesen." Gähnte sie. Sie ging zur Kaffeemaschine, drückte auf den Einschaltknopf und beobachtete wie das Wasser langsam durch den, am Vorabend vorbereiteten Kaffee auf den Boden der Kanne lief. Im Hintergrund las der Computer beharrlich ihre Mitteilungen vor.
"Mmm..." Dar drehte sich herum und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Anrichte. "Nicht übel... nicht übel... Weiter."
"Verdammt..." Seufzte die große Frau. "Dukky, du weißt wie ich Budgets hasse...gib mir einfach eine verdammte Zahl, und ich werde es passend machen... lass mich nicht jeden Morgen darüber diskutieren wieviele Bleistifte dem verdammten SBU zugewiesen werden." "Wollen Sie eine Antwort senden?" Erkundigte sich der Computer, nachdem sie ihr Kennwort eingegeben hatte. Dar kontrollierte die Kopie von der gerade gemachten Aufzeichnung. "Senden." "Danke." Erwiderte Der Computer. "Nächste Nachricht..." Es ging mit gewöhnlicheren Dingen weiter während sie sich eine Schüssel schnappte und Getreideflocken hineinschüttete, dann öffnete sie den Kühlschrank, hielt die Schüssel unter einem Milchspender und hörte dem angenehmen Knistern der Flocken zu, als diese sich mit der Milch voll saugten. Sie nahm einem Löffel, aß ihr Frühstück und lehnte sich wieder gegen die Anrichte zurück als alle Nachrichten durchgelaufen waren. "Nur sechs... nicht schlecht." Der Computer läutete. "Hereinkommende Anfrage für eine Video-Konferenz, Les. A" Dar fluchte leise, dann seufzte sie. "Fortfahren." Ein Licht flackerte an der kleinen, ovalen Kamera oberhalb des Monitors auf, und ein Fenster öffnete sich auf dem Bildschirm. Ein Mann mit einem engelhaften, runden Gesicht erschien. Er war um die mitte Fünfzig, trug einem tadellosen grauen Nadelstreifenanzug und um seinem dicken Hals war akkurat eine Krawatte gebunden. Seine Hände lagen verschränkt auf dem Mahagonischreibtisch. Als sich seine Augen zu seinem Bildschirm hoben und er sie erblickte, huschte ein Lächeln über seine väterlichen Gesichtszüge. "Nun... so fange ich MEINEN Morgen gerne an... Dar Roberts in Unterwäsche." Feixte der Vorstandsvorsitzende. Dar aß einfach weiter und warf ihm nur einen Blick zu. "Sie haben gerade die EEOC gebrochen, Les...eines Tages werde ich mich bei Ihnen dafür revanchieren." Es war ein Scherz und sie beide wußten es. In der Gesellschaft wurde die EEOC bis zu einem bestimmten Level streng eingehalten. Sobald du jedoch darüber hinaus warst, gehörtest du zu den Jungs und es wurde von dir erwartet ein dickes Fell zu entwickeln. Da Dar eine Vizepräsidentin der Gesellschaft war, befand sie jenseits dieses Levels, und mußte sich von der oberen Etage ständig Bemerkungen über ihr Aussehen gefallen lassen. Sie mußte zugeben, dass es glücklicherweise zumindest Komplimente waren. Sie hatte einige von den bösen Bemerkungen gegenüber einigen von den anderen Frauen aus der Chefetage gehört... besonders Eleanor Evans, aus der Finanzabteilung, die unter anderem einige Probleme mit ihrer Figur hatte, mußte darunter leiden. Les kicherte. "Sie können mir alles antun was sie mögen, Liebe... jederzeit. Rufen Sie einfach Julie an und lassen sich in den Terminplan eintragen, in Ordnung?" Die große, dunkelhaarige Frau legte ihre Beine übereinander. "Vorsichtig, Les... in Ihrem Alter sollten sie auf Ihr Herz achten... ich glaube nicht, dass Sie mit mir fertig werden." Diese Art verbalen Schlagabtauschs mit dem CEO war etwas, was sie genoss... und sie vermutete, dass es bei ihm genauso war. Der Vorsitzende grinste. "Machen Sie sich keine Sorgen... ich werde vorher einen Viagra-Milchshake nehmen." Dann räusperte er sich. "In Ordnung... genug gescherzt, obwohl ich sowohl den Anblick, wie auch die Konversation genieße... dieser Associated Deal." Nun wurden seine haselnussbraunen Augen ernst, und bekamen einen beinahe raubvogelhaften Blick. "Ich brauch sie zu fünfzig Prozent, Dar." Dar hörte für eine Minute auf zu kauen und starrte ihn an. "Fünfzig? Wollen Sie das Geschäft fortsetzen oder wollen Sie sie einfach abstoßen?" Die Gesellschaft erwirtschaftete ihre Gewinne, indem sie ihre Leistungen anderen zu geringeren Kosten anbot. Wenn sie ein Geschäft übernahmen, dann war es die Aufgabe von Dar und anderen Geschäftsführern auf ihrem Level, die Ressourcen der zu übernehmenden Firma zu überprüfen und einen Weg zu finden die Kosten zu senken. Die übliche Methode war, die Mitarbeiter zu reduzieren, die meistens den größten Kostenfaktor im IS Sektor ausmachten. Dar's Durchschnitt lag bei etwa zehn bis zwanzig Prozent, obwohl Dar dafür bekannt war diese Linie zu übertreffen, und hatte bei den letzten beiden Übernahmen eine Quote von fünfunddreißig Prozent erreicht. "Falls sie abgestoßen werden sollen... werde ich sie meinen Hunden einfach zum Fraß vorwerfen, und vergeß das Ganze." Les schüttelte seinen grauen Kopf. "Ich brauch sie, Dar... wir haben in zwei Monaten eine Aktionärssitzung, und muß vorher noch das dritte Quartal einbringen... mit dem jetzigen Budget, und dem Fiasko mit der United Telecom, bringen Sie mir die Associated entweder zu fünfzig Prozent, oder wir sind nicht in der Lage den zweistelligen Zuwachs zu erreichen, und Sie wissen was das bedeutet." Er lächelte sie an. "Kommen Sie... ich weiß, dass Sie das können... und wenn Sie es schaffen, habe ich eine kleine Überraschung für Sie." Dar seufzte. "Keine Überraschungen mehr, Les, ja? Das letzte Mal haben Sie mich beinahe umgebracht, als ich mit diesen verdammten Sportwagen von GM hierher fahren musste." "Tss tss... wir sind ein wenig brummig heute morgen, oder nicht?" Lachte der CEO. "Nein... es ist besser als das... ich verspreche es." "Ich werde sehen, was ich tun kann." Seufzte Dar. "Das ist mein hübscher Pirat... Sie wissen doch Dar... dass sich jeder an Ihnen ein Beispiel nehmen kann..." Les lehnte sich zurück und betrachtete sie. "Was für ein prächtiges Kind sie doch sind... schön, gesund... das seine Getreideflocken knabbert...." Dar blickte auf die blaue Cornflakesschachtel mit dem farbenfrohen Tiger, der mit dem Löffel winkte und sie anlächelte. "Oh ja, sicher." "Sie müssen demnächst mal nach Plano kommen, und meiner Frau einige von Ihren Geheimnissen verraten." "Les, ich hasse Plano." Kommentierte Dar, leerte ihre Schüssel und stellte sie in die rostfreie Stahlspüle, dann drehte sie sich um und schnappte sich ihre Tasse Kaffee. Der CEO grinste. "Für den netten Anblick Ihres Hinterns werde ich Ihnen vergeben, Dar." Dar hob ihre Tasse und warf ihm einen schiefen Blick zu. "Es ist auch nett Sie zu sehen, Les." "Fünfzig Prozent, Dar." Sagte der ältere Mann mit einem Winken. "Bis bald." Der Bildschirm wurde dunkel. "Ende der Sitzung." Seufzte sie, und sah zu wie der Computer die Verbindung beendete. "Erfreulicher Montag." Murmelte sie, als sie ihre Tasse nahm und die Schiebeglastüren öffnete, die auf ihren zweiten Balkon führten. Der Wind kam von Osten, er blies ihr Haar nach hinten und drückte ihr T-Shirt gegen ihren Körper. Sie stellte ihre Tasse auf den kleinen Steintisch und ging zu dem Steingeländer, lehnte sich dagegen und blickte über den felsigen Hafendamm auf die unendliche Weite des Atlantischen Ozeans. Die Luft war salzhaltig und neblig feucht. Sie atmete tief ein und ließ sich von dem vertrauten, rhythmischen Geräusch der Brandung gegen die Korallenfelsen beruhigen. Die Korallen bildeten die Basis der Insel, auf der sie lebte. Im Osten erhellte sich der Horizont zu einer grauen, bewölkten Linie über der noch dunklen See, und es war so ruhig, dass sie das leise Klirren, der im nahegelegenen Yachthafen angelegten Boote hören konnte. Eine Möwe machte einen Sturzflug und ihre Flügel flatterten durch die feuchte Luft als sie entlang den Felsen nach Futter suchte. Dar griff hinter sich, nahm ihren Becher hoch, schlang ihre Hände um die Keramikoberfläche und nahm einen kleinen Schluck des aromatischen, herben Getränks. Sie genoß den Frieden des frühen Morgens, besonders hier draußen auf Fisher Island, wo es keinen Verkehr gab, und wenn man nicht zur linken Seite blickte, wo die ausgedehnte Skyline von Miami Beach zu sehen war, dann könnte man glauben, irgendwo draußen in der Karibik den Sonnenaufgang zu betrachten. Ihr Haus befand sich in einer, in unterschiedlichen Höhen angelegten Reihenhausanlage, die noch von vier anderen Bewohnern geteilt wurde und befand sich am äußeren, östlichen Ufer der kleinen Insel. Das Gebäude war architektonisch geschmackvoll in die Landschaft eingepasst, da aber ständig Hurrikane über Dade County, Florida hinweg brausten, war Sicherheit oberstes Gebot, und somit waren die Außenwände mit Stahlbeton verstärkt. Fisher Island war eine exklusive Gemeinde, mit großartigen Wohnsitzen mit Meeresblick, für jene die es sich leisten konnten, unglaubliche Preise dafür zahlen zu können. Nachdem Dar den Preis ihres Hauses erfahren hatte, war sie dankbar, dass sie es geerbt hatte. Sie konnte kaum glauben, dass jemand für ein Apartment drei Millionen Dollar zahlen würde. Auch wenn es eine wirklich schöne Wohnung mit fünf Schlafzimmern, drei Badezimmern und einer großartigen, jedoch selten genutzen Küche war. "Danke, Tante May." Prostete sie ihrer nicht mehr anwesenden, doch viel geliebten Tante mit ihrem Kaffee zu. May Roberts war so etwas wie eine Sensation in der Familie. Sie war viermal verheiratet und alle Männer hatte sie beerdigt, und jeder Ehemann sorgte dafür, dass ihr Bankkonto erheblich anwuchs. Sie hatte das Apartment als Kapitalanlage gekauft und gelegentlich vermietet, aber nach ihrem Tod hatte sie es ihrer Nichte vererbt, weil sie dachte, dass Dar besser dort, als in dem schrecklichen Grove lebte. Nachdem Dar mehrere Jahre in dem bunten Künstlerviertel im Süden gelebt hatte, brauchte sie etwas Zeit um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Aber schließlich kam sie zu dem Entschluss, dass sie die Insel mochte. Man konnte die Insel nur mit einer Autofähre erreichen, und das gab ihr die Möglichkeit der Stadt zu entfliehen, um etwas Zeit in ruhiger Abgeschiedenheit, ohne Kämpfe, Verbrechen oder lauten Nachbarn zu verbringen. Drei Millionen Dollar-Apartments hatten dicke Wände. Die Unterhaltskosten waren enorm und resultierten aus den Vorzügen die die Insel zu bieten hatte, aber sie waren geringer als die Miete, die sie in Grove hatte zahlen müssen, und sie verdiente nicht schlecht, also... funktionierte es. Sie hatte zudem ihre Freude an einem Lebensstil gefunden, mit dem sie niemals gerechnet hatte und es machte ihr sogar Spaß, ihre Upperclass-Nachbarn, die die Insel bevölkerten, bei ihren eigenartigen, sozialen Ritualen zu beobachten. Vor ihren Augen verfärbte die Sonne den Horizont in ein dunkles Rosa, und die See veränderte seine Farbe von einem tiefen Schwarz über ein dunkles Grau zu einem kräftigen Grün. Die Brandung in der Nähe der Küste hatte etwas zugenommen und brachte die Wasseroberfläche zum Kräuseln. Mit einem Gefühl der Zufriedenheit nahm sie einen tiefen Atemzug von der salzhaltigen Seeluft. "Nun gut, es ist Zeit sich zu bewegen." Sie trank ihren Kaffee aus und schlüpfte durch die Glastüren nach drinnen. Der Unterschied von der warmen, feuchten Luft in die kühle klimatisierte Umgebung der Wohnung ließ sie leicht frösteln. Der Fliesenboden unter ihren nackten Füßen war kühl und sie ging schnell zu ihrem Wandschrank, zog ihr T-Shirt aus und wechselte es gegen ihre Trainingskluft, welche aus einer kurzen Sporthose und einem behaglichen Sportoberteil bestand. Sie zog ihr Haar zurück und band es zusammen, dann setzte sie sich hin um ihre Schuhe anzuziehen und band, nachdem sie die Lasche hochgezogen hatte, fingerfertig die Schnürsenkel zu. "Ich glaube nicht, dass Ihre Frau meine Geheimnisse mag, Les." Sprach sie ironisch zu sich selbst. "Sie sind mit Schweiß verbunden, jede Menge Schweiß." Mit einem Seufzen stand sie auf und ging zum kleinen Abstellraum, der sich in der Nische unter der Treppe befand. Sie tauchte hinein um einen Satz Handgelenk- und Fußgelenkgewichte herauszuziehen, die sie gewissenhaft anlegte. Dann glitt sie die Stufen hinunter, öffnete die Haustür zur kleinen Veranda vor dem Apartment und schloß sie hinter sich wieder zu. Das Gebäude besaß eine Tiefgarage und somit führten ein Dutzend Stufen nach unten, bis man den Boden erreichte, unten angekommen bog sie auf den schlängelnden Pfad ab, der zum Wasser führte. Die Insel war beinahe kreisrund mit einen einem Durchmesser von ungefähr einer Meile, und sie hatte es sich zu ihrer Gewohnheit gemacht sie viermal zu umrunden, egal ob es regnete oder die Sonne schien, sie lief sogar bei den schlimmen Regengüssen, die das subtropische Miami manchmal heimsuchten. Mit einem Seufzen verfiel sie in einen leichten Trab und fing an ihre Runden zu drehen. Der Pfad verlief zunächst parallel zum Atlantik, dann entlang einer weiteren Wohnanlage ähnlich der ihren. Die Architektur war gewollt mediterran mit flachen Dächern und Lehmziegelwänden gehalten. Die Gebäude schienen aus der Umgebung heraus zu blenden. Auf den Freiflächen wuchsen die typischen, an Salzluft gewöhnten Pflanzen, die ordentlich getrimmt und in Form gebracht waren, hin und wieder sah man einen dichten Pflanzenteppich aus Winterblumen, in dem zaghaften Versuch, dem ganzen etwas Abwechslung zu verleihen. Einmal an den Häusern vorbei, lief sie am Strandclub, mit dem rustikalen Restaurant und dem schmalen weißen Sandstrand entlang. Die Strandliegen waren schon aufgestellt und die Beachboys fegten den Sand von ihrer Oberfläche. Als sie an ihnen vorbeilief, winkten die dunkelhaarigen Arbeiter ihr ein freundlichiches Hallo zu. Dann führte eine Planke über die Korallenriffe und vorbei an den älteren Herrenhäuseren, von denen eines den Vanderbilt's gehörte. Es beherbergte das größte Restaurant und die Club-Bar, deren Salzwasser-Schwimmbecken in der aufgehenden Sonne glitzerte. Pfauen stolzierten über den Steg des Beckens und stoben mit gelegentlichen, seltsam tönenden Schreien auseinader, als sie an ihnen vorbeilief. Als nächstes kamen noch einige Häuser, dann der Yachthafen mit seinen drei Anlegeplätzen, die zu dieser Jahreszeit voll mit Booten belegt waren, die sanft auf den Wellen schaukelten. Einige waren Segelboote, deren Takelage eingerollt war, und es gab einige große Motoryachten, ehrlich gesagt waren es richtige Schiffe, mit mehreren Decks aus poliertem Mahagoniholz. Die Rückseite der Insel war nicht so glamourös, da sie genau gegenüber von den langen Pierreihen des großen Hafens von Miami lag, wo Lastkähne und Frachtschiffe aus der gesamten Karibik und Südamerika andockten um Handel zu treiben. Die hoch emporragen Reihen der Ladekräne, die um diese Zeit noch nicht in Betrieb waren, klapperten leise in der Brise. Der Weg führte weiter am Goverment Cut, dem Hauptschiffartkanal, entlang, den die Autofähre kreuzen mußte um zum McArthur Terminal zu gelangen. Es war auch der Hauptzugang für alle Kreuzfahrtschiffe, und als Dar um die Ecke bog, lieferte sie sich ein Rennen mit der Souvereign of the Seas, eine der größten schwimmenden Städte, als diese gerade den Hafen verließ. Es war alles so vertraut, ein Teil ihrer Routine. Mittlerweile war sie bei ihrer vierten Runde, die Souvereign dampfte aus dem Kanal, und die Sonne stieg über den Horizont und verfärbte den Himmel in Pfirsich- und Cremetöne, während die Wolken über dem Ozean erschienen. Dar verlangsamte ihre Gangart als sie an ihrem Ausgangspunkt ankam, und als sie stehen blieb und nur noch leichte Bewegungen machte um sich abzukühlen, erschien ein Junge mit blondgelockten Haaren in einem Golfwägelchen, dessen Fiberglasvorderteil mit den Worten Beach Club verziert war. "Guten Morgen, Carlos." Sagte sie leicht außer Atem. "Guten Morgen, Ms. Roberts." Der Junge hüpfte aus dem Wagen, zog ordentlich die Ärmel seines weißen Leinenhemdes gerade und nahm einen leicht dampfenden Becher von dem Tablett auf dem Vordersitz. "Für Sie." Dar schenkte ihm ein kurzes Grinsen und nahm die Tasse Café con leche entgegen. "Wie schaffen Sie das, immer zur richtigen Zeit da zu sein?" Der Junge lächelte. "Das bin nicht ich, Ma'am... das sind sie... wie ein Uhrwerk, es ist 6.45 Uhr und da sind sie." Er hielt kurz inne. "Außer wenn es natürlich regnet, dann kommen sie um 6.55 Uhr." Die große Frau lachte und nippte an dem Getränk. "Mm... viel Zucker und Sahne... genau, wie ich es mag." Beglückwünschte sie den Servicejungen, dessen Antwort eine kurze Verbeugung war. "Danke." Sie ging die Stufen hinauf, als er sich umdrehte und in seinen Wagen zurück ging, das Fahrzeug geschickt wendete und den Pfad zurück fuhr. Carlos war ein Medizinstudent an der örtlichen Uni, an der er sein erstes Semester absolvierte, er wartete in den frühen Morgenstunden auf sie und ging nachmittags in den Unterricht. Er war ein freundlicher Bursche, und wie beinahe das gesamte Tagespersonal ortsansässig, und Dar mochte ihn sehr. Er gab sich sehr viel Mühe herauszufinden was seine Stammkunden, und Dar war mit Sicherheit eine davon, mochten, und reagierte darauf ohne gefragt zu werden. Sie hatte ihren Kaffee ausgetrunken als sie in ihrem Apartment ankam, schälte sich aus ihren verschwitzten Sachen, und drehte die Dusche auf. Fünfzehn Minuten später trocknete sie ihr Haar und zog das bereitliegende, maßgeschneiderte graue Kostüm mit einer schwarzen Bluse an, knöpfte die Manschetten zu und ließ den Kragen offen, welcher den Blick auf eine dünne Goldkette mit einem winzigen Teddy-Anhänger freigab, der einzige Schmuck den sie sich neben ein Paar unauffälligen Diamantohrsteckern erlaubte. Bekleidungsvorschrift der Gesellschaft. Nichts auffälliges. Dar sah noch einmal in den Spiegel, fuhr mit ihren Fingern durch ihr gepflegtes, weiches Haar und trug einen Hauch Make-up auf. Ihre Haut war bereits sonnengebräunt, eine von den angenehmen Erscheinungen ihres Lebens in den Subtropen und außerdem hasste sie die ganze An- und Abschminkerei, folglich reichte ein wenig Lipgloss, ein Hauch Lidschatten, und das war's. Nicht das es jemals irgendjemand bemerkte... gab sie ironisch zu. Da die meisten Leute wegen ihrer Hauttönung haselnussbraune oder braune Augen erwarteten, war ihr eindruckvollstes Merkmal ihre hellblauen Augen. Einige Leute verdächtigten, dass sie gefärbte Kontaktlinsen tragen würde, andere spekulierten offen, das sich irgend einer von ihren spanischen Vorfahren mit einem Iren oder Dänen eingelassen hatte. Dar wünschte sich, sie würden etwas interessanteres für ihre Spekulationen finden, aber beim Büroklatsch war alles erlaubt. Sie seufzte und nahm ihre Aktenmappe, hing sie über ihre Schulter und ging dann zu ihrem Wagen. Auf der Fähre wartete sie bis sie den Lexus LX470 verladen hatten, dann wählte sie die Nummer ihres Büros, lehnte sich in ihren Ledersitz zurück und wartete darauf, dass sich ihre Sekretärin meldete. "Dar Robert's Büro, was kann ich für sie tun?" Erklang Maria's gewissenhafte Stimme mit spanischem Akzent, aus dem Lautsprecher ihres Handys am Armaturenbrett. "Morgen, Maria." Sagte Dar, während sie beobachtete wie die Wellen des Government Cut über das niedere Deck der Fähre spritzten. "Aye! Guten Morgen, guten Morgen..." Antwortete die Frau mittleren Alters. "Dios mio, Dar... die halbe Welt sucht sie hier bereits... ist am Wochenende irgendetwas passiert?" "Assiociated Synergenics ist passiert." Erklärte die große Frau. "Die Jungs sind in Aufruhr." "Tss... aye! Kein Wunder." Maria raschelte mit einigen Papieren. "Ich habe drei Mappen mit Tonnen von Dingen darin, und einen Stapel Telefonmitteilungen für Sie." "Na Toll." Stöhnte Dar. "Machen Sie für heute Nachmittag einen Termin bei Synergenics für mich, und berufen Sie eine Mitarbeitersitzung des Übernahmeteams für 10.00 Uhr ein, in Ordnung?" Das würde ihren ganzen Terminplan aus dem Fenster ihres Büros im vierzehnten Stock werfen. "Das ist eine heiße Sache, Les wartet darauf." "Ayeyiyi..." Maria machte sich schnell ein paar Notizen. "Sie haben heute Nachmittag einen Arzttermin." Ihre Stimme hatte einen leicht tadelnden Tonfall. "Sagen Sie ihn ab." Antwortete Dar und bekam das erwartete Schweigen. "Ich kann doch nichts dafür, Maria... ein Checkup kann einige Tage warten, das hier nicht." Und pünktlich, wie auf Stichwort setzen ihre Kopfschmerzen wieder ein, die sie über das Wochenende in Ruhe gelassen hatten, und von denen sie gehofft hatte das sie eine Weile ausbleiben würden. "Nur keine Sorge... ich habe es dieses Wochenende leicht angehen lassen... ich fühl mich prima." "Ich werde die Sekretärin ihres Arztes anrufen und einen anderen Termin vereinbaren." Beharrte Maria. "In Ordnung." Gab Dar nach. "Ich muß Schluss machen... und Mark anrufen." "Oje." Sogar durch das Telefon konnte Dar wahrnehmen, dass ihre Mitarbeiterin mit den Augen rollte. "Richten Sie ihm von mir aus, Dar... keine kleinen, rosa Kaninchen mehr auf meinem Bildschirm, in Ordnung?" Die große Geschäftsführerin erstickte ein Kichern. "In Ordnung... wir sprechen später weiter." Sie trennte die Verbindung und wählte eine andere Nummer, während sie träge beobachtete wie sich die Fähre ins Dock schob. Das Telefon klingelte zweimal, dann antwortete eine raue Stimme. "Ja?" "Guten Morgen, Mark." "Wer in... oh... ähm... klar. Richtig... Montag morgen... wer sonst würde mich um 7:30 Uhr anrufen. Hi, Dar." "Ich brauche Synergenics, Mark." Dar löste ihre Handbremse und fuhr zentimeterweise von der metallenen Landungsbrücke herunter, während die Dockarbeiter mit Süßwasser die salzhaltigen Meerwasserspritzer vom Wagen wuschen. "Sofort." "Ach... Herrgott noch mal... Dar, es ist erst verdammte letzte Nacht zum Abschluss gekommen!" "Ich habe dort heute nachmittag einen Termin und ich brauche die Informationen, Mark... klink dich da ein und hol sie dir, und hör auf zu jammern." Erwiderte sie scharf dem Manager vom Informations-Service. "Die haben ein miserables System... wenn du deinen Ruf nicht verlieren willst, sollte es dich nicht mehr als fünfzehn Minuten kosten da rein zu kommen." Mark Polenti war in seinen jüngeren Jahren sowohl Hacker als auch Cracker gewesen. Das heißt, das er sowohl in Computersysteme eingedrungen war, als auch Sicherheitscodes geknackt hatte, egal wie groß oder wie weit entfernt sie waren. Nun war er ein Teil von Dar's Vorbereitungs-Team, das sich in die Systeme der übernommenen Firmen einklinkte und dort Informationen holte, Informationen von denen die neuen Firmen gewöhnlich nicht wollten, dass Dar davon Kenntnis erhielt. Dinge wie persönliche Berichte, beanspruchte Schadensersatzleistungen der Handwerker, Versicherungsstatistiken...Dinge die sie brauchte um ihre Entscheidungen treffen und begründen zu können. Nur gute, unterbezahlte Leute kamen als Kandidaten für eine Übernahme in Frage, und solche Informationen wurden für gewöhnlich zurückgehalten. Aus gutem Grund. Aber Dar's Job war es, eine übernommene Firma so ökonomisch wie möglich in die Infrastruktur einzugliedern, und diese dabei so profitabel wie möglich zu machen. Es war ein einfaches Schema, und sie verließ sich auf ihre Fähigkeit, die Arbeit der neuen Firma auf die bestehenden Agenturen innerhalb der Gesellschaft zu verteilen und dabei gleich die überflüssigen neuen Mitarbeiter auszusortieren. Obwohl sie es selbst nie so gesehen hatte... hielten sie alle für einen zuschlagenden Hai der hilflose Fische umkreiste, und versuchten sich in allen Ecken und Winkeln zu verbergen um ihren Zähnen zu entkommen. Sie schafften es nie. Sie hatte die Fähigkeit in Windeseile die Betriebsmittel und Arbeitbereiche bis auf die Knochen zu reduzieren, was ihr den gerechtfertigten Ruf eingebracht hatte, grausame und präzise Entscheidungen zu treffen. Das war auch der Grund warum sie die Position einer VP erlang hatte, und darum war sie auch Les' bevorzugte Mitarbeiterin, der man die schwierigen Dinge überließ. Sie hatte ihn noch nie enttäuscht, und hatte keine Absicht jetzt damit anzufangen, zumal Synergenics eine ortansässige Firma war, ihre Büros waren rechts vom Kendall Drive, und sie konnte sie erreichen ohne ein Team auf dem Luftweg schicken zu müssen. "Beeil dich, Mark... ich brauch die Ausdrucke, wenn ich im Büro bin." "Wo bist du?" Erkundigte sich der IS-Chef, begleitet von einem rasenden Klicken der Tastatur. "McArthur, ich fahre gerade an Star Island vorbei." "Tss, tss, tss... mach langsam, Dar... ich bin drin... ich hab die Datenbank, welchen Ausdruck willst du?" Ein definitiv selbstzufriedener Ton kam aus dem Hörer. Dar kicherte. "Mark the Shark... du bist mir einer. AdminP2 wäre fein." "Okay... ist unterwegs... Mann, diese Sicherheit ist nichts wert... kein Wunder, dass ihr diese Verlierer geschluckt habt." Das Gemurmel wurde von Tastaturgeräuschen begleitet. "Oh... klasse, kein Wunder... Novell 3.11... Oh, Mann... und ungesicherte Zugänge... Jesus, Dar... sie haben noch nicht einmal eine verdammte Firewall!" "Bedauerlich." Stimmte Dar zu. "Wer ist verantwortlich für diesen Mist?" Weitere Tastaturgeräusche. "Ah... nun, ich nehme an, das du sie nicht kennst, aber es ist eine Lady namens Kerry Stuart." Informierte sie Mark. "Hmm..... hmm..... hmm..... ah..... jawohl. Bingo akzeptiert... oooh... hm... hey, Dar... sie ist niedlich." Dar rollte mit ihren Augen und seufzte. "Mark, kann es..." "Mm mm...hübsch...blonde Haare, herrlich grüne Augen...Jesus...sie ist noch ein Kind...Sechsundzwanzig...ledig...nichts in ihrer Krankenakte...oh warte...heh...sie hatte letzte Weihnachten einen Schwangerschaftstest...negativ..." "Mark..." "Schon gut... schon gut... IS-Abschluß vom Staat Michigan... sie stammt irgendwo aus dieser Gegend... ihr letzter Job in diesem Hinterland war bei Edutech als regionaler Koordinator... oh hey... ihr Vater ist Senator Stuart." "Hm... ja?" Erkundigte sich Dar, als sie auf die Brickwell Avenue abbog und in Richtung Süden auf das Hochhaus der Gesellschaft zufuhr. "Er hat das Troy-Office für irgendeine Spende umworben... ich erinnere mich wie Lou sich darüber beklagt hat." Sie fuhr den Lexus auf den Parkplatz bis zur Sicherheitsabsperrung und nickte dem Wachmann zu als dieser ihr das Tor öffnete. "In Ordnung... kannst du mir von ihr auch eine Akte geben?" Ein Kichern kam aus dem Telefon. "Haben Möwen auf deine Windschutzscheibe geschissen? Ich werde so nett sein... und ein Farbfoto dazulegen." "Nicht nötig, Mark... das ist eher deine Richtung." Warnte ihn die Geschäftsführerin. "Wer sagt, dass ich das für dich gemacht habe?" Gluckste der IS Chef. "Tschüs." Dar kicherte leise, als sie auf einen Abstellplatz fuhr, den Motor abstellte und ihre Aktenmappe schnappte, sie warf noch einen kurzen Blick in den Rückspiegel, bevor sie ausstieg und den Wagen abschloss. "Neuer Tag, neue Herausforderung." Kommentierte sie zu einer vorbeilaufenden Katze, die zu ihr blickte und fortrannte.
"Sie werden uns alle feuern." Sagte Charles zum sechsten Mal innerhalb von fünf Minuten. "Mein Cousin hat für Allied gearbeitet als sie übernommen wurden, also vergesst es... wir werden geröstet." Es saß, mit seinem Kopfhörer um seinen Hals baumelnd und einem Styroporbecher in seiner Hand, auf dem kleinen Schreibtisch in seiner Kabine. "Das kannst du nicht wissen." Protestierte Elaine auf ihre Telefonanzeige starrend, auf der verschiedene Lichter blinkten. "Wer weiß...vielleicht wird es ja besser...vielleicht bekommen wir jetzt Bleistifte." Sie schüttelte einen kleinen Zylinder mit Schreibuntensielen der auf ihrem Schreibtisch stand. "Anstatt sie bei den Banken klauen zu müssen." Der große Raum war lauter als gewöhnlich, die meisten Mitarbeiter unterhielten sich über die Fusion, die von ihnen eher als eine feindliche Übernahme gesehen wurde. Associated Synergenics war eine Firma mit etwa 100 Beschäftigten, die Soft- und Hardwarelösungen für die Gaststättenbranche bereitstellte. Sie hatten einen Bestand von Programmierern und Ingenieuren, die Systeme für Restaurants und Hotels entwarfen, um deren Marketingstrategien, Buchführung und andere Gebiete zu verwalten, wo Computer für Datenspeicherung und Analyse genutzt wurden. Natürlich hatten sie auch eine Gruppe von Kundenbetreuern um Fragen zu beantworten, und eine kleine Abteilung von Hardwaretechnikern, die die Einrichtungen installierten und die Wartungsarbeiten vor Ort durchführten. Sie waren in der Umgebung des Dreiländer-Ecks von Dade, Broward und Palm Beach tätig, die genügend Kunden bereitstellte, um einem langsam wachsenden Geschäft genügend Gewinn zu gewährleisten, und jeder war dieses Jahr sehr optimistisch gewesen, besonders nachdem sie einen großen Vertrag mit den Publix-Supermärkten, dem bedeutendsten Einzelhandelsgroßhändler im Staate Florida, abgeschlossen hatten. Und jetzt das. Alle waren bestürzt. Es war, als würde all ihre Arbeit und Mühe von dieser gigantischen Gesellschaft geschluckt, die sich nicht für sie, und wahrscheinlich auch nicht für die Kunden interessierte, die sie so sorgfältig akquiriert und betreut hatten. Es war einfach nicht fair. Charles schlürfte den Inhalt seiner Tasse aus, dann setzte er sich mit einem Grunzen hinter seinen Schreibtisch und setzte seinen Kopfhörer auf. "Ich denke, es ist besser wieder an die Arbeit zu gehen... wo zur Hölle sind sie alle, überhaupt?" Lana, eine große, dünne Brünette, die jenseits von seiner Kabine saß, blickte auf. "Großes Meeting... der Eigentümer hatte sie alle vor ungefähr einer Stunde zusammengerufen... ich glaube er will ihnen die schlechte Nachricht zu verkünden." Ihre Augen konzentrierten sich auf etwas. "Uh oh... da kommen sie..." Sie drehten sich alle um, als die Vordertüren des Support-Centers aufgingen und eine Gruppe von Managern hereinkam, angefangen vom Supportmanager, Ray, bis zur Hauptprogrammiererin, Susan. Sie blickten alle recht grimmig drein. Die letzte in der Reihe war Kerry Stuart, die sich für einen Augenblick an die geschlossene Tür zurücklehnte, bevor sie ihre Schultern straffte und den anderen vor ihr zunickte um weiterzugehen. Für ihre sechsundzwanzig Jahre, sah Kerry kaum alt genug aus, um eine Junior Managerin zu sein. Sie war mittelgroß und hatte eine schlanke Figur mit leicht gebräunter Haut, die einen guten Kontrast zu ihren blonden Haaren und grünen Augen bildete. Ich Gesicht hatte einen Ausdruck von jugendlicher Unschuld, die ihre sechsjährige Erfahrung im IS Management zu leugnen schien, und sie hatte die Leute oft mit ihrer hervorragenden Kenntnis des Geschäfts und ihre Fähigkeit Konflikte zu bewältigen, überrascht. Soeben stieg sie vorsichtig auf den Druckertisch am Ende des großen Raums und hob eine Hand. Nachdem jeder sie gesehen hatte, erfolgte der beabsichtigte Effekt und fast augenblicklich kamen alle Gespräche zum Schweigen. "Okay, Leute... hört zu." Sie hatte eine klare Stimme, aber sie zitterte ein wenig, und alle konnten es sehen. Es wurde still und sie hielt inne, als einer der Programmierer zu ihr hochsprang und ihr ein kleines Mikrofon reichte. "Funktioniert da... oh, ich schätze das tut es." Kerry räusperte sich, ihre Stimme hatte plötzlich mehr Volumen. Köpfe streckten sich neugierig aus den Büros, die den großen Zentralbereich umgaben. "Okay... ich bin sicher das ihr alle inzwischen darüber Bescheid wisst, dass wir letzte Nacht offiziell aufgekauft worden sind." Sie machte eine Atempause. "Es werden einige Leute dieser Gesellschaft erwartet, die sich hier umsehen werden, sie fangen heute nachmittag an, und ich denke wir alle wissen das einige Veränderungen auf uns zukommen werden." Ein leises Gemurmel erhob sich und Kerry hob eine Hand hoch um wieder für Ruhe zu sorgen. "Ich weiß nicht welcher Art diese Veränderungen sein werden, oder was sie vorhaben, oder was das für uns alle tatsächlich bedeutet, wir werden warten müssen und sehen was auf uns zukommt. Worum ich euch bitte, ist, macht einfach eure Arbeit weiter und kümmert euch gewissenhaft um unsere Kunden. Lasst uns nicht überreagieren, bis wir wissen was wirklich geschieht." "Komm auf den Punkt." Rief eine empörte Stimme. "Ich wette, sie werden einen Weg finden uns für sechs Monate keine Sozialleistungen zu zahlen." Ertönte eine andere Stimme. "Falls sie sich entscheiden jemanden von uns zu behalten." "In Ordnung... ach kommt, Leute... laßt uns einfach sehen was passiert." Fing Kerry wieder an. "Das ist alles was ich zu sagen habe... seit nett wenn jemand von der Gesellschaft herkommt, beantwortet ihre Fragen und bleibt gelassen." Sie gab das Mikrofon dem Programmierer zurück und stieg vorsichtig vom Tisch herunter, sie lächelte Ray an, der sie am Ellbogen festhielt um zu verhindern, dass sie stürzte. "Danke." Sie ging weiter zum Ende des großen Raumes, dann vorbei an dem kleinen Labyrinth der Büros bis sie ihr eigenes Büro, das versteckt in der hintersten Ecke lag, erreichte. Die meisten Manager hatten sie hier schon erwartet, offensichtlich wollten sie ein privates Wort mit ihr wechseln, aber sie hob eine Hand als sie ihr Allerheiligstes betrat. "Gebt mir einige Minuten, Jungs, okay? Geht Kaffee trinken oder kontrolliert eure E-Mails oder irgendwas." "Ich ruf meinen Personalberater an." Schnaufte Susan und schüttelte ihren leicht ergrauten kastanienbraunen Kopf. Die kleine, stämmige Programmiererin stolzierte zu ihrem winzigen Büro, das bis zur Decke mit Ausdrucken vollgestopft war. Kerry schaute zu wie sich zerstreuten, bevor sie ihr Büro betrat, dann ihren Schreibtisch umrundete, sich in ihren Stuhl setzte und ihren Kopf auf ihren Händen abstützte. Was für ein Mist. Und es war doch alles so gut gegangen. Mit einem Seufzer lehnte sie sich zurück und ließ ihre Hände auf ihre jeansbedeckten Schenkel fallen, der Stoff erinnerte sie an noch mehr Veränderungen denen sie gegenübertreten mußte, als jene vor denen Robert Mayabera sie heute morgen gewarnt hatte. Bekleidungsvorschriften. "Ich hatte nicht gedacht, dass wir unsere Sache so schlecht gemacht haben." Hatte sie schockiert gesagt als Robert ihr die Neuigkeit erzählte. "Ich dachte es wären nur Gerüchte." Der Firmengründer, ein kleiner, streitlustiger kubanischer Einwanderer hatte seine makellosen Hände auf seinen Schreibtisch gelegt. "Chica, du hast nichts Falsch gemacht, okay?" Seine Augen sahen ein wenig traurig aus. "Es ging nur ums Geld, das ist alles, sie haben mir ein Angebot gemacht dem ich, wie sagt ihr in den Filmen, nicht wiederstehen konnte." Er hob eine Hand. "Ich habe sechs Kinder, alle erreichen das Alter wo sie Geld brauchen, Autos wollen und auf die Uni gehen, so sehr ich die Firma liebe, aber der Verkauf meine Freundin, der Verkauf ist das Beste für meine Familie." "Nein... Robert... ich..." Kerry seufzte. "Ich mach dir doch keine Vorwürfe... ich meine nur... wir waren hier, auch so was wie eine Familie." "Chica, das weiß ich." Robert war aufgestanden und umrundete seinen Schreibtisch, er zog sein Hosenbein hoch um sich auf die Armlehne ihres Stuhles zu setzen und legte eine Hand auf ihre Schulter. "Ich werde ihnen auf jeden Fall sagen wie großartig du bist. Bei allem hast du eine fantastische Arbeit gemacht, tatsächlich ist es deiner Arbeit zu verdanken, dass sich das letzte Jahr zum positiven gedreht hat... gib ihnen die Möglichkeit das herauszufinden." "Ich sorge mich nicht um mich." Erwiderte die junge Direktorin leise. "Robert... diese Leute arbeiten wirklich hart... ich denke nicht, dass sich diese Burschen dafür interessieren... ich glaube, dass sie nur hier herkommen um uns auseinanderzunehmen." "Hey... nun komm schon... warten wir ab bis das Boot sinkt, bevor wir über das Ertrinken reden, okay?" Er tätschelte ihre Wange. "Laß mich das Michigan Maskottchen sehen... was ist es, ein Dachs?" Kerry lächelte kurz darüber. "Ein Vielfrass." "Was ist das nur für ein Tier, für eine Universität? Das ist absurd." Versuchte er sie mit einem alten Streitgespräch aufzumuntern. "Besser als ein Alligator." Erwiderte sie pflichtgemäß, seine Alma Mater war die Universität von Florida in Gainesville. Dann seufzte sie und stand auf. "Okay... ich werde jetzt besser den Mitarbeitern Bescheid sagen... obwohl ich sicher bin, dass sie es bereits gehört haben." Und das hatten sie, dachte Kerry, während sie mit einer Tasse auf ihrem Schreibtisch spielte und sich in ihrem kleinen Büro umsah. Es war nichts besonderes, einige Aktenschränke, eine Pflanze in jeder Ecke, die sie sorgsam pflegte, an der Wand ein Bild von Michigan im Winter, und ihre abgewinkelte Schreibtischkombination mit dem Computer. Doch es gehörte ihr, verdient durch verbissenes Engagement, und ihren eigenen Fähigkeiten, es war nicht von ihrem Vater gekauft oder hatte es für einen Gefallen geschenkt bekommen. Sie war stolz darauf, und sie war stolz darauf ein Teil von diesen Leuten hier zu sein, auch wenn sie sie manchmal wütend machten, weil die Programmierer ihre Termine nicht einhielten, und sie sich die Nörgelei von den Abteilungsleitern anhören mußte. Sie hatte das Gefühl etwas besonderes vollbracht zu haben, besonders als sie den Zuschlag für den neuen Vertrag bekommen hatten, und der Sachbearbeiter von Publix hatte Robert erzählt, das es größtenteils deswegen war, weil er von ihrer Verhandlungsart so angetan war. Oh Mann. Das war ein großartiges Gefühl... sie war mit einigen Freunden zum ersten Mal seit Monaten ausgegangen, um das Ereignis bei Dave und Busters zu feiern, und es hatte damit geendet, dass sie soviel Lose gezogen hatte bis sie diesen riesigen Stoff-Pandabären gewonnen hatte. Nun war sie einfach eine von Hunderttausend Angestellten in einer neuen Firma. Nichts besonderes. Tatsache war, dass sie wahrscheinlich über ihre Zeugnisse lachen werden, oder etwas an ihrer Ausführung finden werden was sie nicht mochten, und würden sie aus ihrer Position rauswerfen. Und was dann? Daddy ließ sie doch nur hier unten bleiben, weil sie ihm ihre wachsende Karriere vorweisen konnte, indem sie auf ihre ständig zunehmende Verantwortung hinwies. Ein Ausrutscher und er würde sie nach Hause beordern. Sie holte tief Luft und rieb sich ihre Augen. "Nun komm schon... denk positiv." Ermahnte sie sich selbst. Das Telefon klingelte und sie drückte den Knopf der Freisprecheinrichtung. "Kerry hier." "Ker, hier ist Alex." Es war Alejandro Diaz, ihr MIS Chef. "Ich habe hier so eine Pute in der Leitung, die von mir verlangt ihr Zugriff zu gewähren." Kerry schloss ihre Augen. "Ich kann dir nicht sagen was das bedeuten soll, okay?" Klagte sie. "Wenn es von denen kommt, dann gib ihnen einfach den Zugriff... sie kommen wahrscheinlich sowieso rein... wir wollen doch nicht unkooperativ sein." "Okay, Jefa, ich richte ihnen einen E-Mail-Sever und eine Mail-Eingangsbox ein, und stelle ihnen ein eigenen Verwaltungs-Account zur Verfügung... sonst noch was?" "Das sollte sie für eine Weile beschäftigen." Seufzte Kerry. "Wenn derjenige, wer auch immer das sein mag, heute nach dem Mittagessen herkommt, werde ich versuchen, ein paar grundsätzliche Dinge zu klären... vielleicht sind sie ja ganz vernünftig." "Merde." Schnaubte Alex. "Auch das brauchst du mir nicht zu sagen, okay?" Die Direktorin atmete aus. "Aber in Michigan sagten wir dazu... ätzend." Die nächsten wenigen Stunden verbrachte sie damit Dinge zu ordnen, die letzten Statistiken, die ihr Protokollsystem erstellt hatte zu studieren und ihre Eingangsbox zu leeren. Sie beugte sich gerade über ihre letzte Berechnung als es leise an der Tür klopfte. Sie blickte auf um Ray Rameriez mit einer Cola in einer Hand dastehen zu sehen. "Oh... hi." "Mittagessen?" Der große, schlaksige Leiter der Technik hob fragend eine dunkle Augenbraue. "Ich habe gehört, dass sie in dem Café, Pico de Gallo haben." Kerry zog ein Gesicht. "Oh nein." Sie legte ihre Unterlagen weg und streckte sich, wobei ihr Halswirbel knackte. "Zwei Jahre sind schon vergangen, und du glaubst immer noch, dass ich mich an das Zeug gewöhne... aber jedes Mal, wenn ich das esse, könnte ich direkt unter meinem Schreibtisch einschlafen." Sie spielte mit einem Bleistift. "Außerdem hab ich keinen großen Hunger." "Na, na, komm schon... laß dich von denen nicht unterkriegen, Kerrisita... ich werde dir auch ein Stückchen Obsttorte holen, ich weiß, dass das magst." Versuchte Ray sie zu überreden und wackelte einladend mit seinen Augenbrauen. Sie lächelte, schüttelte aber ihren Kopf. "Nein danke... vielleicht ein andermal, okay?" Sie öffnete ihre Schublade und zog einen Beutel mit Minikarotten heraus. "Außerdem habe ich was mitgebracht." "Eines Tages wirst du von diesem Zeug noch Hasenohren kriegen." Lachte der dunkelhaarige Mann. "Du und deine kleinen Karotten." Er seufzte. "Bist du sicher?" Sie nickte. "Ja... nun mach schon, hau für eine Weile ab... ich werde dich wahrscheinlich brauchen, wenn diese Typen hier auftauchen." Er hob eine Hand, dann ließ er sie kapitulierend wieder fallen. "Ich werde bald zurück sein." Versprach er und schlüpfte aus der Tür. Kerry starrte nachdenklich auf die Tür, dann seufzte sie und warf ihren Bleistift hinunter, beugte sie wieder über ihre Auswertungen und stütze ihren Kopf auf ihrer Hand ab. Was für einen Nutzen hatte das noch? Die Auswertungen würden den neuen Eigentümern nichts bedeuten. Ein leises Klopfen unterbrach sie wieder. "Hör mal Ray... ich habe dir gesagt..." Sie blickte leicht verärgert auf und hielt dann inne. Eine Fremde stand im Türeingang. Eine große Frau mit goldbrauner Haut und mitternachtsdunklem Haar sah sie an, der schlanke Körper lehnte in einer unsäglich arroganten Pose gegen den Türrahmen. Kerry blinzelte und schaute nochmals hin, und wurde von den blauesten, klarsten Augen gefangengenommen die sie je gesehen hatte, sie bohrten sich mit einer Welle kühler Intensität durch sie hindurch, und ein eigenartiges, schwaches Gefühl von Vertrautheit erfasste sie. "Oh... Entschuldigung... ich hielt sie für jemand anderen." Mühsam schaffte sie es auf ihre Füße zu kommen. Die Frau stieß sich vom Türrahmen ab und betrat den Raum, legte eine dicke Lederaktenmappe auf ihren Besucherstuhl und streckte eine Hand aus. "Dar Roberts." Die Stimme war tief und angenehm, und schien in ihren Ohren wiederzuhallen, und als sie sich anschickte der Frau die Hand zu schütteln umgab sie der weiche Duft von Moschus und Leder. "Kerry Stuart." Sie nahm die Hand der größeren Frau und spürte die Kraft darin als die Frau den Händedruck erwiderte. "Sie sind... ähm..." Sie zögerte. "Sie sind von der neuen Hauptverwaltung, richtig? Es tut mir leid... es muß ihnen ziemlich blöd erscheinen... aber ich habe niemanden vor dem Mittagessen erwartet." Schweigend studierte Dar sie für einen Augenblick. "Ja... das bin ich... ich vermute, dass meine Mittagszeit nicht mit der Ihren übereinstimmt." Antwortete sie kühl. "Tut mir leid." "Oh... richtig." Antwortete Kerry verlegen. "Nun... das ist in Ordnung, weil ich... ich habe bereits gegessen... aber meine Mitarbeiter sind noch nicht da. Was... ich meine, kann ich ihnen Kaffee, oder etwas anders anbieten?" "Nein danke... ich habe ein paar Dinge zu klären." Antwortete die große Frau energisch. "Fangen wir doch gleich damit an... es wird nicht lange dauern." Sie zeigte zum Schreibtisch. "Setzen Sie sich." Dar beobachtete wie die jüngere Frau um ihren Schreibtisch herumging und sich hinsetzte, ihre Unterarme auf die Oberfläche legte und sie mit einer Mischung aus Angst und Neugier anblickte. Sie hatte das Bild, das ihr Mark freundlicherweise bereitgestellt hatte, kurz angesehen, aber der platte Ausdruck konnte nicht im mindesten wiedergeben, welche Präsenz von dieser Frau ausging, oder die klare Zuverlässigkeit die ihre Augen ausstrahlten, deren Farbe eine unheimliche Ähnlichkeit mit der des Ozeans hatten, den Dar an jedem sonnigen Morgen von ihrem Fenster aus sah. Da gab es auch etwas vertrautes an ihr, aber Dar konnte nicht sagen was es war. Es war auch keine Zeit dafür. Sie setzte sich in den Besucherstuhl. "Sie wissen warum ich hier bin, richtig?" Kerry verschränkte ihre Hände. "Ich weiß, dass Ihre Gesellschaft uns übernommen hat... also nein, sie sagten uns tatsächlich nicht viel über den weiteren Ablauf." Dar fluchte still vor sich hin und machte sich eine geistige Notiz, dem Arschloch aus dem Account-Team, der dafür verantwortlich war, eine gehörige Abfuhr zu erteilen. "Sie wurden un..." Sie streckte eine Hand aus. "Ich werde keine Spielchen spielen oder groß auf den Busch klopfen. In erster Linie haben wir Ihr Geschäft gekauft." Die blonde Frau holte tief Luft. "Okay... aber was bedeutet das... sollen wir verschiedenen Leuten Bericht erstatten... oder wollen Sie, dass wir etwas anders machen... Ich habe Berichte..." Eine Hand ließ sie verstummen. "Es bedeutet, dass wir an dem Service den sie anbieten interessiert sind. Nicht daran, wie es gemacht wird oder wer es tut..." Erwiderte sie streng. "Der springende Punkt ist, das es nichts gibt, was wir nicht besser und billiger machten könnten als Sie hier." Kerry starrte sie an. "Was sagen Sie da?" Fragte sie leise. "Sie sagen, dass Sie uns nicht brauchen, hab ich das richtig verstanden?" Kühle, blaue Augen trafen auf ihre. "Ja." "Sie können nicht einfach hierher kommen und jeden feuern... wir machen das seit Jahren... Sie können uns nicht so einfach ersetzen." Protestierte die Direktorin. "Doch, das kann ich." Antwortete Dar. "Das ist unsere Aufgabe." Sie gestikulierte zur Tür. "Ich habe eine Gruppe von Programmierern in Huntingdon, ein Serviceteam westlich vom Flughafen, das ihre Hotline übernehmen kann, und ich habe eine Abteilung von Hardware-Technikern, die bereits alle für mich arbeiten." Sie stand auf, ging um ihren Stuhl herum und lehnte sich dagegen. "Ihre Leute arbeiten unwirtschaftlich, sie machen alle drei Wochen zwei Tage Krank, die Hälfte kommt jeden Tag zu spät, Ihre Programmierer haben nicht einen einzigen Termin in zwei Jahren geschafft, und Sie hatten in den letzten vier Monaten achtzehn Schadensersatzforderungen." Schweigen. Kerry blickte einfach auf die Oberfläche ihres Schreibtischs und konzentrierte sich auf ihre Atmung. Das Herz tat ihr von diesem plötzlichen, unerwarteten Angriff weh, als sie realisierte, dass sie keine Antwort auf diese Beschuldigungen hatte. Sie wußte, dass sie stimmten, aber es war eine gute Belegschaft... sie waren gute Leute... manchmal nur, wie jeder andere auch, ein bißchen träge. Ihre Augen wanderten zu dem habichtartigen Profil, das sie betrachtete, und sie fühlte sich leicht verzweifelt. Es war nicht jeder so. Nun nicht mehr. "Ich denke, John hatte recht." Sagte sie schließlich kapitulierend. Dar sah sie leicht verdutzt an. Die normale Reaktion auf ihre Ausführungen waren gewöhnlich, entrüstete Proteste... nicht... "Recht, inwiefern?" Diese ozeangrünen Augen hoben sich. "Sie sind hier um uns zu schlucken." Die große Frau zuckte innerlich zusammen, das hatte sie nicht erwartet. "Das ist keine angemessene Art darauf zu reagieren." Kerry zuckte mit den Schultern. "Was wollen sie tun, mich feuern?" Sie holte Luft. "Gibt es noch etwas anders was ich für Sie tun kann, Ms. Roberts? Sie scheinen ja alle Informationen zu haben, die Sie benötigen." Sie studierte die Klammer in ihren Händen. "Und. Ich denke, dass ich noch eine Menge Arbeit habe, mit der ich anfangen muß." Sie versuchte es, aber sie konnte die leicht heisere Stimme nicht verbergen, und sie weigerte sich aufzublicken, um der älteren Frau nicht noch die Befriedigung zu verschaffen, sie sehen zu lassen, wie sehr sie sie aus der Fassung gebracht hatte. Dar fühlte sich plötzlich beschämt. Sie konnte die schmerzhafte Anspannung in den Schultern vor ihr sehen, und sie senkte für einen Moment ihren Kopf. "Wir sind in Wirklichkeit nicht so schrecklich." Sagte Kerry leise. "Unsere Kunden mögen uns... wir machen eine gute Arbeit... ich kann nicht erkennen... warum wir wie Abfall weggeworfen werden sollen." Sie blickte noch immer auf ihre Hände. "Hören sie." Dar sah sich außergewöhnlich sprachlos. "Es ist geschäftlich... es ist nichts persönliches, verstehen Sie?" Der blonde Kopf nickte, dann blickte sie mit verschlossenem Gesicht und wachsamen, grünen, leicht wütenden Augen auf. "Sie haben eine Woche... Ich brauche eine Liste ihrer erfahrenen Mitarbeiter, damit wir ein Treffen vereinbaren können, um genau zu erfahren was, wann und wie sie ihre Arbeit machen." Kerry schluckte. "Sie sagen mir hier, das wir Ihre Leute einarbeiten sollen, die danach unsere Arbeitsplätze einnehmen?" Dar blickte sie gelassen an. "Ja." Der Zorn verwandelte sich in etwas anderes und die blonde Frau biß ihre Zähne zusammen. "In Ordnung." Brachte sie heraus während sich ihre Finger um den Bleistift preßten, der auf dem Schreibtisch gelegen hatte. "Ich werde sehen, was ich arrangieren kann." Verdammt, ich werde jedem sagen, dass er sich, so schnell wie möglich davon machen soll, damit diese Leute nichts erfahren können, so sieht es aus. "Sie würden mir gerne sagen, dass ich zur Hölle fahren soll." Bemerkte die dunkelhaarige Frau. "Nicht wahr?" Kerry befeuchtete ihre Unterlippe. "Nein, Ma'am, das tue ich nicht. Dazu habe ich keinen Grund." Dar setzte sich wieder hin und lehnte sich mit gebeugtem Kopf nach vorne um in Kerry's gesenktes Gesicht zu sehen. "Sicher tun Sie das." Wiedersprach sie. "Ich habe es auch getan... als wir 1984 übernommen wurden." Grüne Augen hoben sich langsam um auf ihre zu treffen. "Das sind Menschen deren Lebensunterhalt sie abschneiden. Das ist nicht komisch." "Und jeder von denen würde ihnen mit Freude zum Abschied winken, wenn ihm irgendjemand einen Dollar mehr die Stunde zahlen würde." Erwiderte Dar. "Ms. Stuart, das hier ist Business... nicht die Wohlfahrt." Kerry hob ihr Kinn. "Ihre Leute können nicht die Hälfte von dem, was meine Leute können." Sagte sie gelassen. "Wenn sie also, all diese Accounts verlieren, dann werde ich darüber lachen." Dar lehnte sich zurück und studierte sie. Dieser Art von Herausforderung war sie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr begegnet... beim größten Teil ihrer Übernahmen sah sie sich unerfahrenen MIS Anfängern gegenüber, die versuchten, solange ihre guten Seiten darzulegen, bis sie realisierten, dass sie keine hatten. Aber eine ihrer weiteren Aufgaben, neben dem auseinandernehmen von Firmen, war es, neue Talente für die Gesellschaft zu finden. Manchmal, so dachte sie, fand man sie an den seltsamsten Orten. "In Ordnung... beweisen Sie es." Schnurrte sie, und beobachtete wie sich der aufgeschreckte Blick, ihres Gegenübers, erhellte. "Ich kann Sie für die Hälfte des Etats unterbringen. Machen Sie mir, innerhalb einer Woche, einen Vorschlag wie das funktionieren soll... und ich werde sehen was ich machen kann." Kerry fiel der Kiefer herunter. "Fünfzig Prozent? Das ist unmöglich." Dar zuckte mit den Schultern. "Sie haben die Wahl.. Sehen Sie, wir können die Kosten reduzieren, weil wir geringere Betriebskosten pro Account haben... Wenn wir zum Beispiel jemanden haben der unsere Hilfe braucht, dann schließen wir sein System einfach an das MTC und wickeln es darüber ab, und haben somit keine Unkosten für Miete, Telefon, Konsolen... Schreibtische... Den ganzen Kram." Sie lächelte. "Sie können das nicht." Würde sie den Köder schlucken? "Nein... aber das heißt..." Kerry unterbrach sich und atmete aus. Einige Leute würden gehen müssen. Sie wußte, dass das Personal den größten Kostenfaktor ausmachte... Das verschlossene, kühle Gesicht, ihr gegenüber anblickend, wußte sie, dass dieser verdammte Eisberg von einer Frau es auch wußte. Aber vielleicht konnte sie einige Leute retten... es war einen Versuch wert. "In Ordnung... Sie werden von mir hören." Sagte sie unbewegt. Prima, sie hasst mich. Seufzte Dar. Eine unter vielen. "In Ordnung... Sie können es per E-Mail senden. Sie sollten inzwischen an unser Mailsystem angeschlossen sein." Sie nahm ihr Handy, wählte eine Nummer und hielt es an ihr Ohr bis sie eine raue Stimme am anderen Ende hörte. "Mark... hast du alles erledigt?" Ein kurzes Lachen kam durch das Telefon. "Alles, vom Inventar, der Installation, den Fingerabdrücken, den Haartrocknern, bis zur letzten Spesenabrechnung ihrer Buchhalter." Unterrichte er sie. "Das Mailsystem steht, der Server ist gesperrt... kann ich heute sonst noch etwas für dich tun?" "Danke." Dar klappe das Telefon zusammen. "Sie sind an unser Mailsystem angeschlossen... sagen Sie ihren Leuten, dass sie keine administrativen Veränderungen an ihren Servern durchführen sollen, und erwarten Sie morgen ein Team, das mit der Prozedur der Übernahme anfangen wird." Kerry faltete die Hände über ihrem Schreibtisch. "Woher kennen sie alle unsere internen Daten." Hellblaue Augen bohrten sich in ihre. "Wir brachen heute morgen in Ihre Datenbank ein und haben es herausgezogen." Dar lächelte. "Ihre Sicherheit ist für die Katz... Sie könnten da mit ihren Nachprüfungen anfangen." Sie empfand einen leichten Triumph, welcher verblaßte als Kerry ihren Blick mit eisiger Verachtung erwiderte. "Nichts persönliches." "Nein." Bestätigte die Blonde leise. "Das sehe ich ja." Sie stand auf. "Möchten Sie sich umsehen?" Das letzte was Ding, was Dar jetzt brauchte war die Besichtigungstour. Sie erinnerte sich, das sechs oder sieben Konferenzschaltungen auf sie warteten wenn sie in ihr Büro zurückkam, also war sie sehr überrascht als sie sich sagen hörte: "Sicher." Kerry hatte nur genickt und schritt hinter ihrem Schreibtisch hervor, fuhr mit einer Hand durch ihr helles Haar und schob es aus ihrem Gesicht. Sie trug eine recht bequeme Jeans und ein kurzärmlige, weiße Spitzenbluse die einen Blick auf sonnengebräunte Haut erlaubte, und sich eng an ihren Körper schmiegte, als sie einen tiefen Atemzug nahm. "In Ordnung... folgen sie mir." Es war, so grübelte Dar später nach, ein sehr feindseliger Nachmittag gewesen. Sie hatte das Gefühl, das sich die Gerüchte schnell rumgesprochen hatten, da sie es nur bis zum Stützpunkt der Programmierer geschafft hatten, bevor sie von den Insassen diesen, wenn Blicke töten könnten, Blick zugeworfen bekam. Sie hatte fast erwartet, dass in der Zwischenzeit ihr Wagen aufgebrochen worden war, aber anscheinend hatte keiner sich ausrechnen können welcher ihrer war, was sie nicht überraschte, da man von einer Vizepräsidentin der Operations kaum erwartete, dass sie einen LX470 Sport Truck fuhr. Dar mußte zugeben, dass die Chefprogrammiererin Fähigkeiten hatte, wenn man sie lang genug aus ihrem Schneckenhaus herausholen konnte, um mit ihr Fachgespräche zu führen, was sie auch geschafft hatte. Die Service- und IS-Manager waren nutzlos, und als sie scheinbar unbeteiligt an ihnen vorüberging, hatte sie bei wenigstens zwei Leuten mit anhören können, wie sie Kunden total belogen, und zwei andere hatten die Gelegenheit genutzt um private Verabredungen zutreffen. Stuart hatte letzteres mitangehört, wie Dar bemerkte, als sie den erschrockenen Blick auf dem überraschend offenen Gesicht gesehen hatte. Kerry Stuart. Dar lehnte sich gegen das Leder zurück und erlaubte sich den Luxus von einigen Minuten ruhigen Nachdenkens. Das Kind war nicht dumm, und sie war mutig... aber sie war so verdammt naiv. Sie war wirklich nicht auf das alles vorbereitet, aber alles in allem, hatte sie den Schock trotzdem ganz gut in den Griff gekriegt. Nun ging es Dar nicht mehr aus ihrem Verstand, dass die Frau ihr bekannt vorkam... kauften sie am gleichen Ort ein oder ähnliches? Nein... Kerry wohnte in Kendall, gleich hinter Turnpike in einem von den Vorstadtmietshäusern, in der die weißen Angestellten wohnten. Vielleicht kam sie oft an den Strand herunter? Nicht das Dar viel Zeit in South Beach verbracht hätte, aber von Zeit zu Zeit ging sie an der Strandpromenade spazieren. Nun gut. Sie gab es auf, sie wußte, dass es ihr schließlich einfallen würde. Ihre Uhr piepste leise, sie blickte darauf und war überrascht, dass es so spät war. Sie trommelte mit ihren Fingern auf das Lenkrad, dann tippte sie auf das Handy an ihrem Armaturenbrett. Einen Augenblick später hörte sie Maria's Singsang. "Hallo, Maria." "Dar... wo sind sie?" Ihre Sekretärin senkte ihre Stimme. "In meinem Wagen, auf dem Rückweg von Associated... warum?" Erwiderte die Vorgesetzte leicht verwirrt. "Sie wußten doch wo ich war." "Bleiben sie weg... bleiben sie weit, weit weg, Dios Mio... ein Mann, hat einen Truck in den Technikraum, unten im Erdegeschoss gefahren und alle Kontrollen für die Klimaanlage sind ausgefallen." Antwortet Maria, mit einem Brummen. "Es ist hier wie in einem Backofen, Dar... mein Kopf ist geröstet." Die Vorgesetzte zuckte zusammen. "Oh...Junge." Sie überlegte. "Haben sie zumindest die Server runtergefahren?" Fragte sie, dann schlug sie sich vor den Kopf. "Wo hab ich meine Gedanken... Maria, gehen Sie da raus, bevor sie umkippen." "Aye... Ich habe meinen kleinen Ventilator, aber es ist wie wenn ich... weich gekocht würde." Erzählte ihr die Sekretärin. "Vielen Dank. Ich werde meine Sachen zusammenpacken und dann bin ich hier raus." "Hat sich schon ein Wartungsdienst für die Reparatur angekündigt?" Fragte Dar mit einem Seufzer, als sie auf die State Road 836 abbog, die sie quer durch die Stadt zum Büro bringen würde. "Nein, nein... zu altererst sie sind noch darüber am Streiten...wer dafür verantwortlich zu machen ist." Maria klang empört, was für die Spanierin ungewöhnlich war. "Alles klar... rufen Sie morgen zuerst an, Maria...ich möchte nicht, das sie hierher kommen, solange die Klimaanlage nicht funktioniert, das würde nur schief gehen." Entschied Dar, während sie ihre Schläfen rieb. "Machen sie das sie da rauskommen." "Mir ist egal, was die anderen sagen, Dar, Sie sind ein Engel." Erwiderte Maria warmherzig. "Sie können mich alle.. wie sagt ihr dazu? Kreuzweise." Das brachte die dunkelhaarige Geschäftsführerin zum Lächeln. "Danke, Maria... das tut gut, nachdem was ich bei Associated zu hören bekam...sie mögen mich nicht besonders." Sie dachte an den vollkommen angewiderten Blick, den ihr Kerry beim Abschied zugeworfen hatte, so extrem war ihr das schon lange nicht mehr wiederfahren. Normalerweise machte es ihr nichts aus, aber das... "Wie auch immer, einen schönen Abend. Maria." "Ihnen auch , Dar... fahren Sie bitte vorsichtig." Erinnerte sie ihre Sekretärin. "Es gibt Verrückte da draußen." Dar lächelte in sich hinein. Es war nett, manchmal jemanden zu haben, der sich Sorgen um einen machte, auch wenn es ein Teil von seinem Job war. "Das werde ich." Sie legte auf, setzte sich zurück und steuerte durch den Verkehr, legte eine New Age CD ein und rieb ihr Genick, um die anwachsenden Schmerzen, die sich während der Fahrt dort gebildet hatten zu lindern.
Nachdem Kerry beobachtet hatte wie ihr ungebetener Gast sie verließ, ging sie in ihr Büro zurück und schloß die Tür. Sie stand für eine Minute schweigend mitten im Raum, dann blickte sie sich um. Hellblauer Teppichboden, lichtgraue Wände, ein Schreibtisch mit Holzmaserung... im Großen und Ganzen nichts besonderes, aber... "Ich habe so hart dafür gearbeitet." Flüsterte sie, und setzte sich in ihren Besucherstuhl. "Verdammt... das ist nicht gerecht." Sie stützte sich auf ihren Ellbogen und ließ den Kopf in ihre Hände sinken. Hinter ihrem Rücken öffnete sich leise die Tür. "Ker?" "Ja." Erwiderte sie, ohne sich zu bewegen. Ein Arm glitt um ihre Schultern und sie sah auf, um Ray's besorgten Blick zu sehen. "Jefa, laß dich davon nicht unterkriegen... zeig's diesem großen Miststück." Feixte er und rieb ihren Nacken. "Was für eine schreckliche Person... ich glaube sie ist mit dieser Cruella, von-was-auch-immer aus diesem Hundefilm, verwandt." Kerry gab ein winziges Lachen von sich. "Ray... John hatte recht... sie wollen uns alle entlassen." Sie schaute zu ihm auf. "Sie hat mir eine Chance gegeben einen Plan zu erstellen... wenn ich den Etat um die Hälfte kürzen kann, will sie sich es überlegen, und vielleicht können einige Leute ihren Job behalten, aber..." Ray stützte die Hände auf seine Hüften. "Sie hat dir die Chance gegeben, das zu tun?" Wiederholte er überrascht. "Das unterscheidet sich...von dem was ich gehört habe...Wie hast du es geschafft, sie dazu zu bringen?" Fragte er mit gedämpfter Stimme. Kerry dachte nach. "Ist das so?" Ihre Augenbraue zog sich zusammen. "Ich weiß nicht... ich habe einfach... Ich glaube ich war nicht sehr nett zu ihr, und du solltest meinen das es sie wütend macht, aber das tat es nicht... Ich glaube, auf eine Art hat es ihr sogar gefallen." Sie blickte ihn ironisch an. Er schnaubte. "Oh, ja... sie scheint so ein Typ zu sein." Bemerkte er abfällig. "Ich kann sie mir in Leder und die Peitsche herumschwingend vorstellen, darauf kannst du wetten." Die Direktorin seufzte. "Ich weiß nicht wie ich eine Lösung finden soll, aber ich werde es versuchen, Ray... ich werde versuchen so viele Leute wie möglich zu retten." Sie lächelte ihn halbherzig an. "Aber ich denke du rufst besser Mona bei Alternativ Ressources an... sag ihr, dass wir möglicherweise einige Aussichten für ihre Datenbasis haben." "Mañana." Ray klopfte ihr auf die Schulter. "Komm schon... wir gehen runter zu Fat Tuesdays und zur Happy Hour... komm doch mit uns." Es klopfte. "Ms. Stuart?" Sie sahen auf. "Kommen sie herein, Anita." Kerry beobachtete wie die kleine, schlanke Angestellte aus der Buchhaltung, in ihren Armen einen Stapel gefaltete Ausdrucke hereinschleppte. "Ist das der Kram?" "Ja, das Budget, die Personalkosten, und die zu zahlenden Rechnungen und Außenstände." Erwiderte die Frau und legte alles auf ihren Schreibtisch. "Brauchen sie sonst noch was?" Sie schob ihre Hornbrille hoch und schniefte. "Ich müsste dann den Drucker noch mal hochfahren." "Nein...danke das hier wird mich für eine Weile beschäftigen." Kerry lächelte sie müde an. "Geh schon, Ray...laß mich mit diesem Kram anfangen." Der große Mann blinzelte sie an. "Du kannst nicht die ganze Nacht arbeiten... warum fängst du damit nicht morgen in alter Frische an?" "Mach, das du hier raus kommst." Antwortete Kerry während sie aufstand, um ihren Schreibtisch ging und anfing die verschiedenen Berichte zu sortieren. Sie konnte sehen, dass es eine lange Nacht werden würde. "Warte Ray...kannst du mir einen Karton besorgen?" Für die erste Überprüfung machte es keinen Sinn hier zu sitzen. Da war ihre Couch um vieles bequemer.
Auf der Autofähre war es sehr ruhig als Dar in einsamer Pracht mit ihrem Wagen akkurat mitten auf dem Deck stand, während das Vehikel über die Wellen zur Insel dümpelte. Der Wind blies in ihr Gesicht, somit hörte sie das Geräusch der Maschinen nur gedämpft, und legte ihren dröhnenden Kopf gegen die Tür als das schwarze Wasser unter dem Kiel verschwand. Ihr war heiß und sie war erschöpft, und es war mehr als anstrengend gewesen, zehn Stunden in einem Hochhaus zu verbringen, in dem die Klimaanlage ausgefallen war, um alles in ihrer Macht stehende zu tun, die Dinge wieder zum Laufen zu bringen. Was mit Sicherheit einiges war, und als sie schließlich einen Bauträger soweit eingeschüchtert hatte, bis er um Mitternacht eine Ersatzschalttafel installiert hatte, da hatten die wenigen im Gebäude noch anwesenden Leute ihr zugejubelt und Beifall geklatscht. Alle drei, zwei Reinigungskräfte und eine Sicherheitswache, deren Uniformen vollkommen verschwitzt an ihnen klebten. Genau wie es ihre Kleidung auch tat. Sie hatte den Rest der Belegschaft nach Hause geschickt und dann die Notausgangstüren im vierzehnten Stock geöffnet um wenigstens eine Brise feuchtwarmer Luft in das Gebäude zu bekommen. Sie hatte alle angerufen, den Gebäude-Manager, ihre eigene Installationsabteilung bis hin zur Infrastruktur, weil die Schalttafeln für die Sicherheitssysteme ausgefallen waren... ohne Erfolg, also hatte sie den Bauunternehmer angerufen, und schließlich um 22:00 Uhr den Eigentümer ans Telefon bekommen. Gottseidank hatten sie nur einen Fünfjahresvertrag, der in den nächsten Tagen erneuert werden sollte. Das war ein hinreichendes Druckmittel gewesen, dass er seinen Hintern hob, und mit fünf mürrischen Technikern im Schlepptau anrückte. Ihr stechender Blick hatte den Rest erledigt, und um 1:00 Uhr ging eine leichte Erschütterung durch das Gebäude als die großen Dachventilatoren anfingen zu arbeiten. Jetzt war es 2:00 Uhr, und sie war schließlich auf dem Weg nach Hause. Morgen würde das Geschäft wie gewöhnlich, ohne Unterbrechung, weiterlaufen, und das war das Entscheidende, da sie die riesigen Servermotoren ohne die Klimaanlage nicht in Betrieb nehmen konnten. Sie hatte sich in ihrem Büro eine Notiz gemacht, in den nächsten Tagen die Lüftungseinheit im Computerraum zu kontrollieren. Sie seufzte und schloß ihre Augen während sie die Klimaanlage im Lexus auf voller Leistung blasen lies. Wieder ein gelöstes Problem, und sie war sich ziemlich sicher, dass ihr morgen nicht eine Person dafür danken würde. Außer vielleicht die Putzfrauen, die schüchtern an ihrer Bürotür erschienen waren, als sie den Bauunternehmer gerade angebrüllt hatte, und einen Krug mit kaltem, selbstgemachtem Eistee und einen Plastikbecher vorbeibrachten. Das war das einzige, was sie in dieser Nacht zum Lächeln gebracht hatte. Nun, beinahe. Sie hatte gewartet bis sich das Gebäude ein wenig abgekühlt hatte und war dann in den gesicherten Server-Raum gegangen, hatte die Schalttafeln überprüft, und den Strom eingeschaltet damit die sechs IBM Großrechner, die zwei AS/400's und die siebenundzwanzig NT-Server wieder zum laufen kamen, die den Kern ihres Computer-Zentrums ausmachten. Dann hatte sie sich an den Schreibtisch des Operators, ein langer gebogener, Holzschreibtisch mit acht Monitoren und vier Keyboards, die alle mit einem Cybex Autoswitch miteinander verbunden waren und dem Operator die Möglichkeit gaben in jedes lokale System zu gelangen, an die Konsole gesetzt. Ein langer Finger schaltete die Anlage an, und sie wartete, während die verschiedenen Systeme hochfuhren. Langsam überflog sie den Trödel der auf dem Schreibtisch herumlag, sah sich mit vergnügten Grinsen die Dilbert-Comics an, dann als sie sich näher beugte entdeckte sie die winzigen Überschriften, wo die Mitarbeiter über den verschienen Comicfiguren die Namen von Leuten aus der Chefetage hingekritzelt hatten. "Also...ich bin Catbert, hä?" Sie kicherte ironisch. "Besser als Ratbert, und definitiv besser als Dilbert...obwohl ich Dogbert lieber mag." Sie nahm einen Bleistift, nahm den Comic herunter und schrieb dann auf den Rand eine Bemerkung. Lange nicht mehr so gelacht, danke Jungs. DR "Das sollte ihre Aufmerksamkeit erregen." Sie steckte das Bild zurück an den Monitor, dann loggte sie sich in das Hauptsystem ein und startete die Initialisierung. Es dauerte über zwanzig Minuten um alles wieder zum Laufen zu kriegen, und sie grinste als sie sich vorstellte, wie die Mitarbeiter von ConOps morgen früh ihren Berichte starteten, und überall ihr Logo vorfanden. "Ich denke, sie haben wohl vergessen wer das ganze hier eingerichtet hat..." Kicherte sie. Normalerweise wären hier zwei MID's Operatoren gewesen, aber sie hatte Mark angerufen und gesagt er solle die Schicht rückgängig machen, da sie keine Ahnung hatten, wann das System wieder laufen würde, und es keinen Sinn machte Pedro und Celeste hier schwitzen zu lassen. Mit einem erleichterten Gefühl drückte die den Knopf der Freisprecheinrichtung und wählte Mark's privaten Anschluss, während sie wartete trommelte sie mit ihren Fingern leicht auf den Schreibtisch. Dreimal klingelte es, ein viertes mal, dann kam ein Grunzen. "Guten Morgen." "Was in der....oh, Scheiße." Sehr offensichtlich versuchte Mark beim Gehör ihrer Stimme wach zu werden. "Dar... gottverdammt noch mal, schläfst du denn nie?" "Nicht, wenn ich etwas zu erledigen habe, nein." Antwortete Dar kurz. "Du bist wieder oben." "Natürlich bin ich oben...was erzählst du mi...oh...du meinst wir sind oben?" Mark räusperte sich. "Ich dachte die Lüftung wäre bis mindestens morgen Mittag ausgefallen." Dar schnaufte. "Keinesfalls...es sind neue Schalttafeln drin, Plano hat seine Sicherheit wieder, und ich habe gerade die Server gebootet." Sie kontrollierte den Ablauf auf einem Monitor. "Jesus...der Mail-Server hat sich gerade eingelinkt ...von wem haben wir eine achthundert Megabyte große Datei bekommen? Haben deine Leute wieder nackte Pinguine heruntergeladen?" "Scheiße." Stöhnte Mark. "Ich werde mich einwählen und das nachprüfen...leg auf und mach das du da raus kommst...es ist zwei Uhr morgens, zum Teufel." "Nacht." Antwortete Dar und rieb sich die Augen. "Ich sehe dich morgen früh." Alles was sie noch tun musste, war abzuschließen und den gespenstisch ruhigen Fahrstuhl zur Ausgangstür nach unten zu nehmen, wo die Sicherheitswache auf sie wartete um sie zu ihrem Wagen zu bringen, der einsam auf dem Parkplatz stand. Mit einem leisen Rasseln legte die Fähre an, und sie wartete das die Deckgehilfen die Keile an ihren Rädern entfernten, bevor sie den Wagen anließ und vorsichtig die Laderampe hinunter auf die Insel fuhr. Einige Minuten später parkte sie den Lexus auf ihrem Abstellplatz unter der Reihenhausanlage und schleppte sich die Treppen hinauf und dann durch ihre Tür, ihr Schlüssel klapperte sehr laut in der unheimlichen Stille. Sie war erschöpft, aber sogar nach einer langen, warmen Dusche und vier Advil gegen ihre Kopfschmerzen war sie nicht müde, also schleppte sie sich in die Küche, schnappte sich einen Becher und füllte ihn mit Milch aus dem Spender, bevor sie einen Löffel Honig hinzufügte und das Ganze in die Mikrowelle stellte. Sie sah zum Computer auf der Anrichte, dann runzelte sie ihre Augenbrauen, als sie die blinkende Mailbox in der Ecke sah. "Ich dachte, ich hätte meine Eingangsbox geleert, bevor ich aus dem Büro gegangen bin...Mail?" "Mail, Dar Roberts. Eine." Antwortete der Computer, der über eine ISDN-Leitung direkt mit dem Büro verbunden war. "Lesen." Dar verschränkte ihre Arme und lehnte sich gegen die Anrichte, während sie auf die Mikrowelle wartete.
"Nun, gut." Murmelte Dar vor sich hin. "Was weißt du?" Sie sah die Länge der Nachricht. "Nicht lesen." Die Mikrowelle klingelte, aber Dar blieb am Bildschirm und laß die lange, detaillierte Nachricht mit Interesse. Sie begann mit "Ich brauche die Abklärung einiger Details." Und endete mit "Infolge des Termins den sie mir auferlegt haben, geben Sie mir bitte diese Information so schnell als möglich." "Ich glaub, mich laust der Affe." Anstatt verärgert zu sein, lächelte Dar. Die Fragen waren gut formuliert, und obwohl sie einerseits ein wenig naiv erschienen, waren sie intelligent und durchdacht. Genauso wie das Kind ist, denke ich. Sie zog einen von den großen Küchenstühlen neben den Computer, nahm ihre warme Milch aus der Mikrowelle, und während sie einen detaillierte Antwort der Mail verfasste, schlürfte sie daran. "Das ist das Mindeste was ich für sie tun kann...zumindest im Augenblick." Kommentierte die große Frau und fuhr mit ihrer Maus über den Sendebutton. Sie überprüfte die Mitteilung und fügte dann am Ende eine Zeile und ihre Initialen hinzu. Ein Klicken und die Mitteilung war raus. Ihre Milch nehmend schlenderte sie ins Wohnzimmer, ließ sich auf die weiche Ledercouch fallen und betrachtete die Panoramafenster. Ihr Blick war auf das nachtschwarze Wasser des Atlantik gerichtet, dass durch einen Silbersteifen des Mondlichtes und den winzigen, farbigen Lichtern der Bojen durchbrochen wurde. Am Horizont glitt ein Kreuzfahrtschiff schweigend vorbei, ein funkelnder Fleck in der Dunkelheit, und einen Augenblick wünschte sich Dar sie wäre dort draußen.
Kerry erstickte ein Gähnen, als sie nachsah ob die Haustür abgeschlossen war, es war eine Angewohnheit bevor sie zu Bett ging. Ihre Wohnung sah aus als ob eine Bombe eingeschlagen wäre, überall lagen weiße Papierstapel, aber sie war mit ihrer ersten Nachtarbeit einigermaßen zufrieden. Nicht, das sie irgendeine Lösung gefunden hätte, aber zumindest wußte sie nun welche Fragen sie stellen mußte, und um es auszuprobieren hatte sie dieser Cruella, ihr Kosename für diese anmaßende Dar Roberts, mit einer langen Liste von Fragen bombardiert. "Das wird eine Überraschung für sie morgen früh, oder?" Bemerkte sie zu dem Panda, der mit ausgestreckten Armen auf dem hinteren von zwei Polstersesseln in dem kleinen Wohnzimmer saß. Der Rest des Raumes wurde von einer Stoffcouch, einem kleinen Tisch für vier Leute, zwei großen Bücherregalen, die mit Büchern vollgestopft waren, und einem kleinen Schreibtisch auf dem ihr Computer stand, ausgefüllt. Der Raum war hell und freundlich, pastellfarbene Stoffe und Teppiche mit indianischen Mustern brachten einen Tupfer Farbe hinein, und an den Wänden hingen Bilder aus ihrer subtropischen Umgebung. Ihr Lieblingsbild war der Sonnenuntergang über Key West, das über dem Fernseher hing, und von zwei kleinen Stickereien flankiert war, einem Delphin, den ihre Tante für sie gemacht hatte und einem Teddybären von einer alten Freundin ihrer Mutter. "Oh...verflucht." Stöhnte sie, als sie sich erinnerte, das sie vergessen hatte eine E-Mail an ihre Mitarbeiter zu schicken, um sie darüber zu informieren, dass morgen die Leute von der Gesellschaft kommen würden, die die Übernahme organisierten. Sie ging zu ihrem PC und schaltete ihn wieder ein, ließ sich in ihren Bürostuhl fallen und zog ein Bein unter sich als sie auf das Hochbooten wartete. Nachdem der Bildschirm bereit war, ging sie ins Mail-Programm und entwarf schnell eine Notiz für die Mitarbeiter, in der sie ihnen mitteilte zu den Leuten von der Gesellschaft freundlich und kooperativ zu sein, dann teilte sie ihrem System mit die Mail abzusenden. Das System wählte sich ein und stellte eine Verbindung mit dem Mail-Server in ihrem Büro her, sie beobachtete wie Nachricht übermittelt wurde und blinzelte dann überrascht als das System anzeigte, dass es eine E-Mail herunterlud. "Welcher Idiot ist um diese Zeit noch wach, und schickt eine E-Mail?" Wunderte sie sich. Die Mail wurde heruntergeladen und landete in ihrer Eingangsbox.
"Oh...dieser Idiot." Murmelte sie, zögernd klickte sie die Nachricht an und wunderte sich über ihre aufsteigende Nervosität. "Nun, das erklärt einiges... sie ist offensichtlich ein Alien der niemals schläft, und einen Chip im Kopf hat in dem sie alle Sachen speichert." Beschloss sie, dann holte sie Luft und öffnete die Mail. Sie las sich durch die Absätze und bemerkte, dass die Geschäftsführerin, ihre zugegebenermaßen bissigen Kommentare in ihrem Schreiben übergangen hatte. "Tja, okay... ich denke, hier liegt sie falsch, aber..." Sie fand einen anderen Punkt. "Oh... daran hatte ich nicht gedacht." Dar's Schreiben war direkt und kam auf den Punkt; Sie konnte die ältere Frau beinahe reden hören, aber überraschenderweise fehlte der herablassende Ton den sie halbwegs erwartet hatte. Ihr letzter Hinweis gab die Antwort, sie schaute auf den Satz und blinzelte. "Was?" Sie las ihn noch mal.
"Was soll das denn heißen? Was ist sie, ein bißchen wahnsinnig? Sie gibt mir für den Plan eine Frist von einer dummen Woche, und dann sagt sie, ich solle mich um meinen Schlaf kümmern????" Verärgert stöhnte Kerry dann setzte sie eine Antwort auf, wobei sie den größten Teil der Nachricht, außer dem Kopf und der letzten Zeile herausschnitt. "Okay, Ms. Besserwisser-Alien vom Mars, nimm das." Sie hob Dar's Sendezeit mit fetten Zeichen hervor, dann ging sie unter die letzte Zeile der Geschäftsführerin und schrieb eine Bemerkung hin. "Ich werde daran denken." Grinsend schickte sie die Nachricht ab und schaltete den Monitor aus, dann schleppte sie sich zur Lampe rüber, knipste sie aus und ging in ihr Schlafzimmer. Der Raum wurde von einem akkurat gemachten Doppelbett beherrscht, das an einer Wand unter dem kleinen Fenster stand, über dem Bett lag eine in Southwestern-Stil gestreifte Steppdecke, eine Kommode mit fünf Schubladen war an der anderen Wand und längsseits befand sich eine Kommode mit drei Schubladen und einem halbhohen Spiegel, alle Möbel waren in weißem Holz gehalten. Sie ging über den hellblauen Florteppich zum Bett, und seufzte zufrieden als sie ihre Zehen in dem weichen Flor ringelte, und sich dann unter die Decke legte. Sie konnte von da die Sterne sehen, und beobachtete ihr Glitzern, als sie versuchte das Gefühl der furchtbaren Vorahnung zu vertreiben, das seit Dar's Besuch auf ihrer Brust lag. Sicher, sie fühlte sich schrecklich wegen ihrer Leute, und hoffte das sie ihnen helfen konnte. Aber für sich selbst... Sie blickte sich in dem gepflegten Schlafzimmer um, und schluckte, als sie sich daran erinnerte wie gut sie sich gefühlt hatte, als sie schließlich all die Dinge bekommen hatte, genauso wie sie es wollte, und wie stolz sie darauf war wie nett alles aussah. Es gefiel ihr hier; Ihre Nachbarn waren nett, und der Komplex war freundlich, es gab in der Nähe ein kleines Einkaufszentrum und sie hatte sogar einen kleinen Grill auf der Veranda, falls einige Freunde zum Grillen vorbeikamen. Es war so toll selbstständig zu sein. Niemand fragte nach, wenn sie lange aufblieb oder ausging, natürlich machte sie das nicht ständig...oder kritisierte wie sie gekleidet war oder mit wem sie redete. Sie war...sehr glücklich hier. Und jetzt das. Ein Teil von ihr haßte die Gesellschaft. Ein Teil von ihr wollte auch Dar Roberts hassen, aber sie war intelligent genug zu verstehen, das die Frau wahrscheinlich nur die Firmenpolitik durchführte, obwohl es leichter gewesen wäre, wenn es nicht so ausgesehnen hätte, als ob es ihr Spaß machte. Es war offensichtlich, dass Dar klug war, und sie hatte eine Ausstrahlung, die Kerry glauben ließ, dass man ihr nicht in die Quere kommen sollte, und wenn es geschah, dann waren die Folgen unvorhersehbar. Jedenfalls hatte sie beim Firmenrundgang einige sehr scharfe Fragen gestellt und diesen unglaublichen blauen Augen war nicht viel entgangen. Oh Mann. Unglaublich? Was denke ich denn hier? Kerry schloß ihre Augen fest zu und zog die Decke bis zu ihrem Kinn hoch. Das einzige was an Dar Roberts unglaublich war, war ihre unglaubliche Arroganz. Das ist alles.
"Morgen." Dar nickte zu ihren Begleitern, als sich die Türen vom Fahrstuhl schlossen und er sich auf seinem Weg nach oben in Gang setzte. Sie bekam von den, zum größten Teil jungen Mitarbeitern die um diese Uhrzeit anfingen, ein höfliches Gemurmel zurück. Die meisten Angestellten der Dateneingabe und Verwaltung fingen um 8:00 Uhr an, und sie alle hatten eine gewisse Furcht vor ihr und vermieden es in ihrer Gegenwart zu reden. Sie verließen den Fahrstuhl in den unteren Stockwerken und sie fuhr allein bis zum vierzehnten Stockwerk hoch. Sie wartete bis sich die Türen öffneten und schritt dann auf die Geschäftsführer Etage. Ihr Büro war in eine Ecke, das ringsherum Fenster hatte die ihr einen Blick sowohl auf den Ozean, als auch auf die Skyline ermöglichten und mit einem Seufzen schob sie sich durch die Tür des Vorzimmers. "Guten Morgen, Maria." Ihre Sekretärin drehte sich herum und lächelte. "Guten Morgen, Dar...heute ist es viel angenehmer hier, dass kann ich Ihnen sagen...Ich weiß nicht welches Wunder unsere Jungfrau Maria letzte Nacht vollbracht hat, aber...es ist gut." Sie hörte auf die Pflanze neben ihrem Schreibtisch mit Wasser zu besprühen und ging zu der kleinen Anrichte daneben. "Ich werde Ihnen etwas Kaffee machen... Ich bin froh, dass Sie gestern nicht hier waren." Dar lächelte in sich hinein und ging in ihr eigentliches Büro, legte ihre Aktenmappe hinunter und fuhr ihren Computer hoch. Sie entschied, dass nach nur drei Stunden Schlaf, Kaffee eine zweifellos gute Idee war, sie setzte sich mit einem Seufzen hin und fuhr sich mit ihren Fingern durch ihr Haar. Der Computer piepte während sie ungeduldig darauf wartete das er sie zur Eingabe ihres Kennworts aufforderte, dann betätigte sie mit geübten Fingern die Tastatur und gab ihr Kennwort ein. Ihr Mailprogramm öffnete sich und sie scrollte sich durch die morgendlichen Mitteilungen, als sie den schon beinahe vertrauten Namen einer Rückmeldung sah, stoppte sie. Sie las die Mitteilung und lächelte dann. "Kurz aber süß." Und das Kind hat auch einen Sinn für Humor, stellte sie fest, als sie die Fettgedruckte Hervorhebung sah. Sie lächelte noch immer als Maria mit einem kleinen Tablett hereinkam und es auf Dar's Schreibtisch stellte. "Oooh...was haben wir denn hier?" Sie blickte mit hochgezogener Augenbraue die Sekretärin an. Maria sah sie mit gerunzelter Stirn streng an. "Carisita hat mir gesagt, das Gerardo vom Reinigungspersonal die Sachen hier speziell für sie gemacht hat, weil sie die ganze letzte Nacht hier gewesen waren um alles in Ordnung zu bringen... stimmt das, Dar?" Dar schnappte gekonnt eines von den braunen, gefüllten Gebäckstücken vom Tablett und biss hinein. "Mm..." Sie liebte Pastiltos, eine kubanische Spezialität, die mit fast allen gefüllt sein konnte, aber für gewöhnlich bevorzugte sie Blätterteig mit einer Käse- oder Fleischfüllung, oder Schinkenwürfel...die kamen an letzter Stelle, aber Dar hatte auch welche mit Guajave und Käse entdeckt, die sie am zweitliebsten mochte. "Dar?" Maria trommelte mit ihren sorgfältig manikürten und überraschenderweise leicht rotlackierten Fingernägeln auf die Oberfläche des Schreibtisches. "Jemand mußte es tun, Maria." Die Geschäftsführerin zuckte mit ihren Schultern, aß ihre Leckerei auf und griff nach einer anderen. "Außerdem, war dies hier die Sache wert... wo bekommt er die Pastiltos her? Sie sind großartig." Die spanische Frau stöhnte. "Ich glaube, sie arbeiten zuviel." Sie schob das Tablett hinüber. "Hier... ich muß noch diese Briefe über die Serviceveränderungen schreiben." Sie ging eilig zur Tür, schloß sie hinter sich und ließ ihre Chefin mit ihren Leckereien allein. Dar las ihre restlichen Mails während sie die Pasteten aufaß und den großen Kaffee austrank, den Maria mitgebracht hatte. Vor sich hinmurmelnd beantwortete sie die meisten Mitteilungen mit kurzen Antworten wie zum Beispiel Bullshitt, um nur eines zu nennen. Das Telefon summte. "Dar... Ich habe Les auf Numero uno für sie." "Tschuldigung... Numero dos." Die große Frau rollte mit ihren Augen. "In Ordnung." Sie drückte auf den Knopf. "Wie laufen die Dinge in Plano, Les?" "Ich habe keine Ahnung." Antwortete die fröhliche Stimme. "Ich bin in Troy... Ich hoffe sie reißen sich dort den Arsch auf. Wie läuft die Sache mit Associated?" "Nicht schlecht. Ich habe ihnen gestern die Neuigkeiten gebracht, und warte auf ihren Zusammenbruch." Antworte Dar. "Ich vermute, dass ein Viertel von ihnen freiwillig gehen wird, und das sollte mein Problem zur Hälfte lösen." Ein leises Kichern kam durch das Telefon. "Das ist meine Dar... wie ich hörte, hatten sie Probleme da unten?" "Geringfügige." Untertrieb Dar. "Irgend so ein Idiot hatte einen Gabelstapler in den Hintereingang der Schaltanlage gefahren, und sechs Schalttafeln mit der dazugehörigen Hardware für die Kontrollen der Klimaanlage zerstört." Sie lehnte sich mit verschränkten Armen zurück. "Ich mußte einen kleinen Höllenspektakel veranstalten." "Das habe ich gehört." Erwiderte Les. "Ich hatte heute morgen den Präsidenten der Gebäudeverwaltung am Telefon. Er ist ein alter Klassenkamerad von mir." Beziehungen. Dar stöhnte. Das hörte nie auf... was immer du auch machtest, schließlich konntest du es im Buschfunk hören. "Und?" Sie warte auf ihren Anschiss. "Und ich sagte ihm, er solle glücklich sein, dass sie nicht persönlich gekommen sind um ihm in den Hintern zu treten." Erzählte ihr der CEO fröhlich. "Sie haben die Sache richtig gemacht, Dar...gute Arbeit." Dar sog das Kompliment mit einem inneren Lächeln in sich auf. "Danke." Es geschah nicht oft. Tatsächlich konnte sie sich erinnern jene Worte genau sechsmal in den vielen Jahren von diesem Mann gehört zu haben. Les konnte einem auf den Wecker gehen, er war ein selbstgerechter Chauvinist, aber er hatte ein gewisses Charisma gegen das sogar sie nicht immer immun war. "Nun...ich habe ein kleines Problem." Les' Stimme wurde ein wenig eindringlicher. "Ich will das sie in unser Büro nach DC gehen und die ein bißchen aufrütteln... Peter Weyrhousen vermasselt die Vertragsgespräche mit dem Pentagon... können sie die Verhandlungen weiter führen?" Verdammt. "Ich dachte ich soll mich auf die Associated konzentrieren?" Wandte sie ein. "Ich kann das von DC aus nicht machen." "Sicher können sie das... Sie haben den besten mit Testosteron bestückten Laptop der gesamten Gesellschaft, Dar..." Wies Les sie zurecht. "National's ist ein großartiger Ort um zu arbeiten während sie warten... ich sollte es doch wissen." Ein Knacken kam durch die Leitung als er den Hörer an die andere Seite nahm. "Er wird diesen Account verlieren, Dar... und wir brauchen ihn. Außerdem werden einige Tage Abwesenheit der Associated die Möglichkeit geben sich zu beruhigen." Richtig. "Ich habe jemanden beauftragt einen Etatplan für sie auszuarbeiten... es könnte ganz gut sein, ihnen paar Tage Zeit dafür zu geben." Räumte sie ein. "Wann sind die Gespräche?" "Können sie heute Abend fliegen? Die Termine sind für morgen früh angesetzt... ich werde ihnen die relevanten Fakten des Accounts und meine Bedenken wo Weyrhousen die Sache vergeigt per Mail zusenden. Übrigens er weiß nicht das sie kommen." Prima. "In Ordnung." Für solche Fälle lag im Kofferraum des Lexus, eine bereits fertig gepackte Tasche. Peter Weyrhousen war... kein Freund von ihr. Eines war sicher, es würde ein heftiges Zusammentreffen werden. "Dafür schulden sie mir was, Les." Der CEO kicherte. "Honey, wir sprechen uns wenn der Bonus abgerechnet wird, in Ordnung?" Er seufzte. "Ich muß auflegen... ich muß in fünf Minuten auf der Ingenieur-Konferenz sprechen." "Viel Glück." Wünschte ihm Dar. "Ihnen auch." Kam die Antwort, bevor ein Klicken anzeigte, dass der CEO aufgelegt hatte. Dar legte ihre Arme auf den Schreibtisch und atmete tief aus. Sie drückte den Knopf der Sprechanlage. "Maria... ich brauche für den späten Nachmittag einen Flug nach IAD, der Rückflug ist offen." "Dios Mio." Antwortete die Sekretärin. "Irgendwann bring er sie noch um." Ein Papierrascheln. "Ich werde mich darum kümmern, Dar." "Danke." Sie trennte die Verbindung und setzte sich an einem Fingernagel kauend zurück. Dann zog sie ihre Tastatur zu sich und tippte eine Anfrage in die Datenbank, die auf ihrem Computer geöffnet war. Einen Moment später kam die Antwort, sie nahm wieder das Telefon und wählte eine Nummer. "Kerry Stuart." Die Stimme an anderen Ende der Leitung klang angespannt und gereizt. "Nun ja. Guten Morgen, Ms. Stuart. Es war nett mit ihnen per E-Mail zu kommunizieren." Antwortete Dar gelassen. Einen Augenblick Schweigen. "Oh." Kerry räusperte sich. "Hallo... ich ähm... danke, dass sie geantwortet haben, die Informationen waren sehr hilfreich." Ihr Ton klang wachsam und grenzte an Feindseligkeit. Dar's Augenbraue zog sich zusammen. "Kein Problem. Ich rufe an, um ihnen mitzuteilen, dass ich für einige Tage die Stadt verlasse... Wenn sie noch weitere Fragen haben sollten, dann können sie sie per E-Mail senden, aber es könnte einige Stunden dauern, bevor ich sie abrufe und beantworte." Ein langes Schweigen. "Warum wenden sie sich nicht an den Affenarsch den sie hierher geschickt haben?" Die offensichtliche Frustration in der Stimme der Frau verwandelte sich in Zorn. "Hören sie, ich weiß nicht was Leute wie sie sich dabei denken, wenn sie Menschen als eine Art Dreck behandeln den sie unter ihren Schuhsohlen zertreten können." "Oh Mann." Dar's Ton war schärfer als sie es beabsichtig hatte. "Machen sie mal halblang." Ein aufgeregter Atemzug war durch den Lautsprecher zu hören und Dar konnte die Emotion beinahe fühlen. "Was ist geschehen?" Wieder Stille. "Was geschehen ist? Was glauben sie was geschieht... ihre Goons marschieren hier durch, nehmen alles auseinander und unterbrechen alles... wenn sie die Firma einfach wegwerfen wollen, warum haben sie es noch nicht getan?" "Ms. Stuart..." "Sie öffnen die persönlichen Daten der Leute, sie haben meine Netzwerkleute aus ihren eigenen Büros rausgeschmissen..." "Ms. Stuart..." "Wollen sie mir etwa sagen, dass ich keinen Zugriff mehr auf meine eigenen Lohndateien habe???" "Kerry." Bellte Dar beinahe ins Telefon. Eine atemlose Stille. "Nur meine Freunde dürfen mich so nennen." Er war lächerlich, realisierte Dar. Sie war die Vizepräsidentin von der Operations für eine weltweit fungierende Gesellschaft, und hier war diese zweitklassige Managerin eines armseligen City-Service-Providers und beschimpfte Sie. Es war überraschend für sie zuzugeben, wie sehr es sie verletzte. "Geben sie mir Brady Evans." Der Telefonhörer wurde auf den Tisch geworfen und sie mußte warten, sie zählte schweigend bis Hundert, bevor sie die Schritte von zwei Personen zurückkommen hörte und der Hörer hochgehoben wurde. "Hier." Hörte sie Kerry's schnippische Stimme, dann knisterte es im Hörer. "Brady?" "Ja." "Samthandschuhe." "Ach scheiße... Sie können mich mal." Die knurrende Stimme ihres Sicherheits-Teamleiters reizte ihr Trommelfell. "Keinesfalls. Ich meine was ich sage." Bemerkte sie energisch. "Stuart hat VIP-Status." "Dar, sie haben keine Ahnung... Verdammt noch mal, die Löcher hier sind so groß wie mein Hintern, und Mark hat bereits einen Link geschaltet." "Das... interessiert... mich nicht." Bellte Dar. "Machen sie es einfach!" Ihre Stimme senkte sich zu einem tiefen Knurren. "Alles... in Ordnung... okay." Antworte Brady ernüchtert. "Okay... tut mir leid... ich wußte das nicht... in meinen Unterlagen steht nichts davon." "Ändern sie die Unterlagen." Antwortete Dar immer noch aufgebracht. "Ja, Ma'am." Antwortete der Teamleiter leise. "Bleiben sie dran." Er tippte etwas. "Teamleiter an Team." Ein Rauschen vermischt mit leisen Stimmen ertönte. "Hört auf mit euerer Arbeit... wir müssen zum Sanften-Verfahren übergehen." Ein Dezenter Protestgesang. "Order von oben." Übertönte sie Brady. "Macht es einfach." Er atmete aus und sprach wieder ins Telefon. "Erledigt." "Danke." Grollte Dar. Im Hörer raschelte es leise. "Ms. Stuart, ich bitte um Entschuldigung." Brady's Stimme hatte sich von grob, zu kultiviert verändert. "Wir werden versuchen ihnen nicht mehr im Weg zu stehen." Seine Schritte verhallten und leise Atemgeräusche waren zu hören. Langsam ausatmend wartete Dar. Sie fühlte das ihre Haut von dem Zorn noch erhitzt war und schloß ihre Augen um ihn zu beruhigen. Ihr Temperament war Legendär, und Brady wußte das... er wusste wie weit er gehen konnte, bevor sie zuschlug und ihm mehr Ärger machen konnte, als er sich je träumen lassen würde. Es zirkulierte da noch eine Geschichte über eine Vorstandssitzung, wo ein Senior VP sie herausgefordert hatte, indem er sie am Ende eines sehr langen Tages, so auf die Palme gebracht hatte, dass er sich durch Dar's Gewicht an die Wand gedrückt wiederfand während sie ihn aus vollem Hals anschrie. Dies war der Grund warum sie fast jeden Abend in dem gutgeführten Fitnesscenter der Insel verbrachte, um mit dem dort ansässigen Kampfsportler Teddy zu trainieren, und dort ihre verschiedenen schwarzen Gürtel vervollkommnete. "Ähm." Begann Kerry zögernd. "Danke." Dar holte Luft. "Bei manchen Firmen zu denen wir kommen, haben eine Menge Leute versucht, entweder Daten zu vernichten, oder haben sich mit internen Informationen davongemacht." Erklärte sie gelassen. "Ich weiß, dass es ihnen schwer fällt so etwas bei ihren Kollegen zu unterstellen, aber wir machen das aus Erfahrung, und nicht weil wir uns entschieden haben harte Arschlöcher zu sein." "Ich... ich verstehe das." Antwortete die blonde Frau. "Es ist... es ist nur so erniedrigend." Dar schwieg verwirrt. So hatte sie es nie gesehen. "Ich denke das ist es... es tut mir leid." Sie erinnerte sich an Kerry's Augen, die anfangs so vertrauensvoll waren und dann so schnell desillusioniert wurden. "Aber es ist..." "Nichts persönliches, ich weiß." Antwortete Kerry entschieden. Beide schwiegen für einen Augenblick. "Fünfzehn Leute haben heute gekündigt." Sagte Kerry schließlich, ohne wirklich zu wissen warum. "Der Rest sagte sie würden abwarten und sehen was passiert." Dar starrte aus ihrem Fenster und sah kaum die Wolken die vorbeizogen. "Das ist ziemlich gut." Murmelte sie. "Sie haben da eine Loyale Mannschaft." "Sie sind von mir abhängig." Ach Kind... Die große, dunkelhaarige Frau schüttelte langsam ihren Kopf und blickte zum Himmel. Lad das nicht auf deine Schultern. "In Ordnung." "Ich werde sie nicht hängen lassen." Die Stimme war sehr fest. "Gleichgültig was Sie tun oder sagen." Dar seufzte. "Ms. Stuart, ich bin nicht ihr Feind." "Sie sind nicht mein Freund." Kam die feste Antwort. "Nein." Schweigen. "Ich denke, das bin ich nicht." Nun war es an Kerry zu schweigen. "Nun, danke das sie ihm gesagt haben aufzuhören, ich würdige das wirklich sehr." Sie atmete aus. "Und... ähm... ich werde noch mehr Fragen schicken." "In Ordnung." Dar zögerte. "Hören sie... schreiben sie sich diese Nummer auf." Sie wartete bis ein leises weiter aus dem Hörer kam. "305-975-6647." "Ich hab sie." Sagte Kerry. "Wenn sie mit ihm irgendwelche Probleme haben, dann rufen sie einfach diese Nummer an." Wahrscheinlich ihr Wachhund oder so was. Dachte Kerry. "In Ordnung." Sie hielt inne. "Haben sie... ähm... haben sie eine gute Reise." Ihr einen Unfall zu wünschen würde politisch unkorrekt sein, vermutete sie, und außerdem... hatte sie Kerry gerade einen riesigen Gefallen getan. Es machte keinen Sinn eine Frau zu verstimmen, die gerade einen 2 Meter großen und 135 kg schweren Mann so weiß hat werden lassen wie Casper's Ghost und der praktisch auf ihren Teppich gepinkelt hat, richtig? Richtig. Dar's Stimme wurde weicher als sie antwortete. "Danke." Es war ein wärmerer Ton, der ein unerwartetes Lächeln auf dem Gesicht der jüngeren Frau erzeugte. "Keine Ursache." Antwortete Kerry leise. "Auf Wiedersehen." Sie legte den Hörer auf und blieb für einen langen Augenblick bewegungslos stehen, sie starrte das Telefon an und fragte sich was in aller Welt mit ihr geschah. Sie schaute auf, als ein Klopfen am Türrahmen sie wieder in die Gegenwart holte. "Komm rein, Ray." Der Support-Manager huschte über den Teppich und glitt in ihren Besucherstuhl. "Was ist passiert?" Kerry starrte ihn an. "Wir sind von dieser Fröhlich-Gigantischen-Mongolen-Bande übernommen worden, erinnerst du dich?" "Aye... Chica... nein... ich meinte die Gorillas." Ray blickte sich um und dann zu ihr zurück. "Wer hat sie zurückgepfiffen? Sie sind jetzt so nett, es ist beängstigend." "Oh." Die blonde Frau faltete ihre Hände. "Nun... ich habe mich sozusagen beschwert bei... ähm..." "Dieser Cruella?" Erkundigte sich Ray. "Ja." Kerry nickte. "Also, sie hat mit diesem Ober-Goon gesprochen, und er sagte ihnen sie sollten es langsam angehen lassen... Ich denke es wird jetzt besser werden." "Unsere Heldin." Er grinste. "Gut gemacht, Mädchen." Die blonde Frau blickte auf ihre Hände und lächelte. "Ja, es war ziemlich gut... ich weiß nicht was sie zu ihm gesagt hat, aber er sah aus wie ein Welpe der gerade Prügel bekommen hatte." "Tss... er wird das wahrscheinlich mögen." Ray lachte. "Vielleicht ist sie seine... wie nennt ihr das... seine Herrin... du verstehst, das Ding mit der Peitsche und den Ketten. Sie legt ihm wahrscheinlich ein Halsband mit einem Glöckchen um." Kerry bedeckte mit einer Hand ihr Gesicht und unterdrückte ein Kichern. Sie war von ihrer Nachtarbeit so müde, dass die Vorstellung von dem stämmigen, schroffen Brady mit Glöckchenhalsband beinahe zuviel für sie war. "Gott, Ray... tu mir das nicht an... was für eine Vorstellung." Er stand auf. "Teresita geht zu Laurenzo's... soll sie dir eine Colada mitbringen?" Die Frau blinzelte. Sie neigte dazu bei kubanischem Kaffee vorsichtig zu sein und betrachtete ihn als eine Mischung aus schwarzer Schmiere und Raketenbrennstoff, aber nachdem wie sie sich heute fühlte war es vielleicht einen Versuch wert. "Okay... sicher. Das könnte eine gute Idee sein... ich bin ziemlich müde." Sie nahm den Zettel mit der Telefonnummer und blickte neugierig darauf, dann steckte sie ihn in die Tasche ihrer Bluse. Sie wandte sich wieder ihrem Computer zu und las noch einmal ungefähr Dutzend Fragen und Erklärungen die sie an diese Crue... an Dar Roberts hatte. "In Ordnung... du hast danach gefragt." Während sie mit ihrem Bleistift auf ihre Unterlippe tippte, setzte sie sich zurück und dachte darüber nach was gerade passiert war. Dar hatte angerufen, anscheinend nur um ihr zu sagen das sie ihr weiter Sachen senden konnte, und es hatte damit geendet, dass sie auf die Geschäftsführerin losgegangen war. Daran führte kein Weg vorbei, genau das hatte sie getan... und anstatt ihr den Mund zu verbieten, oder sie zu feuern, was Dar höchstwahrscheinlich tun konnte, hatte die VP der Gesellschaft... ihr Problem gelöst. Seltsam. Sehr seltsam. Mit Sicherheit hatte sie Dar keinen Grund gegeben nett zu ihr zu sein, Tatsache war, dass sie grob gewesen war, um es zutreffender zu sagen, hatte sie nun zweimal eine Insubordination begangen, und die ältere Frau hatte einfach ihre Kommentare ignoriert, als ob sie sie nicht gesagt hätte. Nein... das stimmte nicht. Als sie Dar sagte, das sie nicht ihre Freundin sei, hatte sie zugestimmt. Es war beinahe so... Kerry zog ihr jeansbedecktes Bein hoch, legte einen Arm darum und seufzte. Sie wußte nicht was es gewesen war, aber sie fühlte sich ein wenig schlecht so grob gewesen zu sein. Sie war gewöhnlich nicht so, und sie hatte keine Vorstellung was sie an Dar Roberts sie so reizte. Sie drehte sich zu ihrem Bildschirm wo ungefähr ein Dutzend Fragen und Erklärungen geschrieben standen und prüfte sie nach. Diesmal ließ sie die abfälligen Kommentare weg, da sie das letzte Mal solch vernünftige Antworten erhalten hatte und schrieb nun zögernd eine Schlusszeile, bevor sie schnell den Sendebutton drückte, ehe sie es sich noch einmal überlegte. Na, also. Es war keine großartige Entschuldigung, aber... schließlich war sie diejenige die fertig gemacht wurde, sie und der Rest ihrer Belegschaft, also... Dar Roberts konnte es akzeptieren oder nicht, es interessierte sie wirklich nicht ob sie es tat oder nicht. Richtig?
~~~ ENDE - Kapitel 1 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 2 lesen.
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