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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

Tropical Storm - Kapitel 2

   

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Tropical Storm
by Melissa Good

Kapitel 2

 

"Hier entlang, Ms. Roberts." Der Hotelpage verbeugte sich unmerklich und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Sie betraten den Aufzug und er drückte den Knopf für die oberste Etage, in der sich die für Geschäftsreisende reservierten Suiten befanden. "Kommen Sie von weit her?" Fragte er höflich.

Dar riss ihre Aufmerksamkeit von der gleichmäßig kriechenden Stockwerksanzeige. "Miami." Sie bewegte ihre Schultern unter ihrer braunen Lederjacke. "Es ist ein wenig kälter hier."

Der Mann kicherte, und hielt ihr die Tür auf als sie die richtige Etage erreicht hatten. "Da sind wir."

Dar ertrug seine langweiligen Kommentare noch einige Minuten länger, bis er ihren kleinen Koffer abgestellt hatte, dann gab sie ihm ein Trinkgeld und komplimentierte ihn hinaus. Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, schaute sie sich um und atmete aus. Nicht schlecht, wirklich nicht übel. Die Suite bestand aus einem Schlafzimmer mit einem King Size Bett, und einem Wohnraum mit einem Fernseher in recht passabler Größe, einer Sesselgruppe für Gäste, und einem voll ausgestatteten Schreibtisch, mit Bleistiften, Kugelschreibern, sowie einem Modemanschluss und einer Steckdose in leicht zugänglicher Höhe.

Sie schlenderte zum Schreibtisch, legte ihre Laptoptasche ab, und blätterte dann neugierig durch die Speisekarte des Zimmerservice. Das Hyatt führte für gewöhnlich ziemlich gute Speisen, und dieses Hotel hatte im Erdgeschoss neben der üblichen Cafeteria und Bar ein mexikanisches Spezialitätenrestaurant. "So weit, so gut." Bemerkte Dar zu dem leeren Raum während sie durch das Telefonverzeichnis des Hotels blätterte. Ah. Sie tippte mit einem Finger auf die Kunststoffoberfläche. Fitnesscenter, Schwimmbad, Film, Abendessen.

Mit dieser Entscheidung öffnete sie ihre Tasche und nahm eine Shorts, Turnschuhe und ein abgeschnittenes Sweatshirt heraus, schaltete dann den Fernseher an und sah nach was für Filme liefen. Sie kicherte. "Oh ho... The Rock... das ist zweifellos sehenswert."

Einige Minuten später hatte sie sich umgezogen und war wieder am Schreibtisch zurück, hob den Telefonhörer und wählte die Nummer des Zimmerservice. Sie wartete bis sich jemand meldete und überflog dann die Speisekarte. "Ich möchte bitte, gemischte Vorspeisen, Steak Fajitas, ein Stück Obstkuchen, und einen Kaffeemilchshake."

"Ja, Ma'am." Antwortete die Stimme, nachdem einige Schreibgeräusche zu hören waren.

"Könnte ich das bitte um 21:30 Uhr haben?" Fragte Dar als sie auf ihre Uhr blickte. Anderthalb Stunden sollten für ein vernünftiges Training und eine Runde schwimmen reichen. Es würde ihr auch erlauben die Ermüdung der Reise abzuschütteln, und sie wahrscheinlich in eine bessere Stimmung versetzen als sie beim Abflug in Miami hatte.

Alles würde nach diesem Tag eine Verbesserung sein... der restliche Morgen und Nachmittag bis zu ihrem Abflug war mit Sitzungen sowohl mit Mitarbeitern aus ihrer eigenen Abteilung wie auch mit anderen Geschäftsführern ausgefüllt gewesen. Es war keine angenehme Angelegenheit, und während sie sich ihren Weg durch den Miami International Airport zu ihrem Flugsteig kämpfte war sie kurz davor ihre Beherrschung zu verlieren.

Glücklicherweise war der Flug ruhig, es war ein Nahverkehrsflug ohne Kinder und einem zügigen Service. Dar hatte sich in ihrem Ersteklasse-Sitz entspannt, nahm ein Glas Weißwein entgegen und langsam daran nippend beobachtete sie wie der Horizont langsam verschwand. Die Sterne erschienen gerade am Himmel als sie in Washington National landete und sie fühlte sich ein wenig entspannter, weil sie wußte, dass sie zumindest den ganzen Abend für sich hatte, bevor sie Peter in die Parade fuhr.

Mit leichten Problemen fand sie die Trainigshalle, drückte die Tür auf und wurde von der erwarteten Stille begrüßt. Hotels stellten die Trainingsräume als eine Annehmlichkeit zur Verfügung, aber sie wußte aus langer Erfahrung, dass die meisten Geschäftsreisenden es vorzogen sich auf andere Art zu entspannen, meist hatte es mit Alkoholkonsum und Sportsendungen an der Bar zu tun.

Dar zog die Einsamkeit der Trainingsmaschinen vor und attackierte die kleine, aber recht gut ausgestattete Ausrüstung mit beschwingter Begeisterung, legte die Gewichte auf und führte die Übungen mit einer langjährig erworbenen Routine aus. Es war ein gutes Training und sie war sogar selbst überrascht über die 10 kg Gewichtszulage auf ihren Armhanteln, die ihre Schultern brennen ließen. Nach einer Stunde stellte sie die letzte Maschine in ihre Ruheposition und stand auf während sie ihr Gesicht mit einem kleinen Handtuch abwischte, dass sie in ihrem Hosenbund stecken hatte.

Zufrieden schlenderte sie zu der Waage, schritt darauf, und verschob mit einem Finger neugierig die Gewichte. "Mm." Grübelte sie angesichts dessen, dass sie überraschenderweise fünf Pfund abgenommen hatte. "Vielleicht nehme ich zwei Kaffeemilchshakes." Ein flottes Grinsen kam aus dem Spiegel gegenüber und sie schritt von der Waage während sie sich an die Weihnachtsfeier letztes Jahr erinnerte, als alle betrunken waren und ein Wettstreit ausbrach bei dem sie anfingen ihr Gewicht zu schätzen.

Keiner kam annähernd an die tatsächlichen 72 kg... die meisten rieten 10 kg oder noch mehr darunter, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es war, weil der größte Teil ihres Gewichtes Muskeln waren und sie deshalb leichter aussah, oder ob sie nur versuchten sie nicht unbeliebt zu machen, wenn sie zu hoch schätzten.

"Alles Weicheier." Informierte sie ihr Spiegelbild, dann schnappte sie sich ihr Handtuch und ging zum Schwimmbad. Dreißig Minuten später trottete sie mit dem Handtuch über ihren Schultern und ihre Trainingskleidung unter einem Arm geklemmt, zu ihrem Zimmer zurück. Sie dachte sich, dass nicht viele Gäste im Hotel waren und sie in ihrem einteiligen Badeanzug niemandem auffallen würde, was auch eine vernünftige Schlussfolgerung war bis sie den Fahrstuhl erreichte.

Dort standen vier Burschen die wie Holzfäller aussahen. Dar seufzte innerlich während sie das anerkennende Glotzen über sich ergehen ließ. Es waren mittelgroße Midwestern Typen die Büffellederhemden und Dockers trugen, sie waren glattrasiert aber offensichtlich ein wenig betrunken. Sie starrten.

Dar starrte zurück und lehnte sich mit einer Ausstrahlung völliger Gleichgültigkeit gegen die Wand.

"Hey Baby... willst du zu einer Party auf unser Zimmer kommen?" Fragte schließlich der Rothaarige mit einem Grinsen.

"Nein."; Entgegnete die große Geschäftsführerin als sie an ihnen vorbei in den Fahrstuhl schlüpfte.

Als sie ihr einen Augenblick später folgten und sich zwischen sie und die Tür stellten, welche mit einem Bums zuglitt, wusste sie, dass es ein Fehler war. Ihr Pulsschlag erhöhte sich und sie beobachtete sie, während sie ihr Gewicht vorsichtig auf ihre Fersen verlagerte und sie mit ihrem besten, ich mache keine Scherze Blick, ansah.

Der größte von ihnen, ein über 1,80 Meter großer, bärtiger Mann rückte näher. "Du weißt... dass du die Leute nicht so zum Narren halten sollst." Er schielte sie lüstern an. "Ein hübsches Ding wie du... lässt uns abblitzen... das ist nicht nett..."

Dar ließ den Zorn ins sich aufsteigen und wartete. "Ich habe nur die Vorzüge des Hotels in Anspruch genommen... das ist nicht rechtswidrig." Warnte sie ihn leise.

Dar fühlte einen Ruck als der Fahrstuhl stoppte und bemerkte, dass der am weitesten entfernte Mann ihn zwischen den Etagen angehalten hatte. Sie warf schnell ihre Kleidung auf den Boden und ballte ihre Hände zu Fäusten. "Seid nicht dumm, Jungs."

Eine Hand griff nach ihrem Hals und der erste Mann kam näher, seine Alkoholfahne warf sie fast um, als er sie gegen die Wand drückte.

Sie schnappte seine Hand und verdrehte sie, dann schlug sie mit ihrem Ellbogen gegen seine Nase, aus der sofort das Blut über sie beide spritzte. Ein brutaler Seitentritt knallte den zweiten Mann gegen die gegenüberliegende Wand, und dann war sie an der Tür, duckte sich unter den dritten Mann und schob ihn mit seinem Kopf voran gegen das Geländer der Fahrstuhlkabine.

Der vierte Mann stand ihr Auge in Auge gegenüber, sie knurrte ihn an, schnappte ihn an seinem Hemd und hob es an, als sie ihn von sich weg nach hinten stieß. Ihre Hand schlug auf den Kontrollknopf des Fahrstuhls und die Kabine setzte sich ruckend in Bewegung.

Verwirrt und verletzt starrten sie sie an.

Sie spannte ihre Halsmuskeln und starrte zurück, dann schnappte sie sich den nächststehenden, zupfte sich seinen Zimmerschlüssel aus seiner Hosentasche und schloss ihre Finger darum. "Ich will sicherstellen, dass ich weiß wen ich der Polizei melden kann."

"Wi... wa..." Der große Mann wischte seine Nase und starrte verwirrt auf das Blut. "Es war nicht so gemeint."

"Du hast gemeint deine geilen Fantasien an irgendeiner armen, hilflosen Frau auszuleben." Spukte Dar hinaus. "Du hast dir diesmal das falsche Opfer herausgepickt."

Der Fahrstuhl hielt auf ihrer Etage und beobachtend wie die Männer aus ihrer Reichweite krochen, nahm sie den kürzesten Weg auf die andere Seite der Kabine. Sie schnaubte als sie ihre Trainingskleidung aufhob und auf den mit Teppichboden ausgelegten Flur hinaustrat um die Tür hinter sich schließen zu lassen.

Dann stieß sie langsam einen bebenden Atemzug aus und hob eine zitternde Hand zu ihren Augen. Sie wartete eine Minute um sicherzustellen, dass ihr nicht die Beine versagten, ging dann zu ihrem Zimmer, machte die Tür auf und schlüpfte sehr erleichtert hinein. Sie setzte sich auf den nächst besten Sessel, ließ ihren Kopf gegen die Lehne sinken und starrte solange auf die weiße Stuckdecke bis sich ihr Puls normalisierte. "Mistkerle."

Sie stand auf und fuhr sich mir ihren Fingern durch ihr dunkles Haar, dann ging sie zum Schreibtisch, zog ihr Laptop heraus, und während sie mit ihrer freien Hand eine Nummer in das Hoteltelefon eingab, schloss sie ihr Laptop an die Strom- und Modemleitung an. Einen Augenblick später meldete sich die Angestellte von der Rezeption. "Hier ist Dar Roberts auf Zimmer 1430. Ich wurde gerade im Fahrstuhl von vier betrunkenen Idioten angegriffen, sie sind auf Zimmer..." Sie unterbrach sich und blickte auf den Schlüssel in ihrer Hand. "209... ich will ihre Namen."

Für einen Augenblick herrschte Totenstille, dann. "Mein Gott... Ich werde die Polizei anrufen." Die Stimme des Mädchens klang eindeutig erschüttert.

"Nein." Sagte Dar langsam und deutlich. "Ich will nicht, dass sie das tun, ich möchte das sie mir ihre Namen und die Firma bei der sie beschäftigt sind geben."

Es brauchte ungefähr zwanzig Minuten und zwei Rezeptionsmanager, aber sie bekam was sie wollte und währenddessen kam ihr Abendessen. Sie gestikulierte der großen, schlanken Blonden, die es servierte, das Tablett auf den Tisch neben dem Bett zu stellen und winkte das Mädchen für ihre Unterschrift heran.

Ein kurzer Blick auf die Rechnung, dann kritzelte sie ihren Namen mit einem angemessenen Trinkgeld auf die unterste Zeile. "Danke."

Das Mädchen ließ anerkennend ihre Augen über sie wandern. "Gern geschehen." Sie lächelte und machte kehrt um zu gehen.

Dar's Augenbraue hob sich und ein spekulatives Lächeln kam über ihre Lippen, dann seufzte sie als der Nachtmanager zurück ans Telefon kam. Wichtige Dinge zuerst. "Danke." Sie notierte ihre Namen und die Gesellschaft die ihren Hotelaufenthalt bezahlte. Diese Information ließ sie nochmals lächeln, aber diesmal war es nicht vergnügt.

"Aber...Ma'am...sind sie sicher, dass wir nicht die Polizei rufen sollen?" Protestierte der Mann. "Ich meine, mit Sicherheit... sollten sie zumindest aus dem Hotel entfernt werden."

"Nein nein..." Wandte Dar ein. "Ich werde mich darum kümmern... lassen sie sie einfach in Ruhe."

"Ms. Roberts... sind sie sicher?" Der Manager klang besorgt.

"Ja, ich bin mir sicher." Antwortete sie leise aber bestimmt. "Danke." Dar legte auf, dann bemerkte sie, dass die Bedienung vom Zimmerservice noch immer an der Tür stand.

"Entschuldigung, dass ich gelauscht habe..." Das Mädchen sah nicht so aus, als ob es ihr sehr leid täte. "Aber sprachen sie über diese Gruselgestalten von der ersten Etage?" Sie lehnte an der Tür und betrachtete Dar. "Die vier Burschen... die aussehen wie überalterte Footballspieler?"

Dar nickte. "Vermutlich... warum?"

Sie schüttelte ihren blonden Kopf. "Keiner außer den älteren Burschen aus der Küche willen da hoch gehen... sie grabschen alles an was einen Rock trägt."

Die Geschäftsführerin lächelte in sich hinein. "Oh wirklich?" Sie hatte ihr Laptop hochgefahren und beobachtete wie es sich mit dem System in Miami verband. Sie startete eine Terminal Sitzung, loggte sich in die Datenbank der Gesellschaft ein, sandte eine dringende Anfrage ab, und trommelte mit ihren Fingern während sie auf die Antwort wartete. Sie nickte, dann nahm sie das Telefon und wählte eine Nummer, während sie sich der haselnussbraunen Augen, die sie beobachteten, sehr gewahr war. Nach dem vierten Klingeln wurde abgenommen. "Gary Sanrichon?"

Die Stimme klang verwirrt. "Das bin ich... wer ist dran?"

"Dar Roberts." Keine Einleitung, keine Angabe der Gesellschaft. Sie vermutete, dass es nicht nötig sein würde.

"Oh... äh..." Sanrichon klang bestürzt. "Mein Gott... es ist... was kann ich für sie tun, Ms. Roberts?"

Sie las die Namen ihrer Angreifer vor. "Gehören die zu ihnen?"

Ein Pause. "Verkäufer... ja." Erwiderte Sanrichon vorsichtig. "Warum?"

"Sie sind betrunken und attackieren Frauen hier im Hyatt in DC." Antwortete Dar. "Sie könnten mir einen Gefallen tun und sie von hier entfernen. Sofort." Ihre Stimme senkte sich zu einem tiefen, fordernden Grollen.

Schockiertes Schweigen. Dann. "Ich werde mich darum kümmern." Nun waren Sanrichon's Worte hart und schneidend.

"Danke." Die Geschäftsführerin lächelte zufrieden. "Gute Nacht." Sie legte auf und blickte zu dem Mädchen, das sie mit großen Augen betrachtete. "Zu Schade, dass sie für einen Subunternehmer von uns arbeiten, wie?" Bemerkte Dar, als sie beobachtete wie der Laptop Mails herunterlud, dann schlenderte sie zum Tablett hinüber, nahm ihren Milchshake und schlürfte zufrieden daran. Ihre Augen blickten unter dunklen Wimpern zu dem Mädchen. "Wie heißen sie?"

"Sherry." Antwortete die Blondine leise. "Was wird mit den Burschen geschehen?"

Dar zuckte mit ihren Schultern. "Machen sie sich keine Sorgen darum... ich kann ihnen garantieren, dass sie bis morgen früh aus ihrem Blickfeld verwunden sind." Sie blickte unter die Abdeckhaube eines Tellers und schnappte sich eine Peperoni, biss hinein und kaute mit Genuss. "Vielleicht werden sie eine Lehre daraus ziehen."

"Vielleicht." Antwortete das Mädchen. "Ich werde... später zurückkommen um das Tablett zu holen." Sie zeigte darauf.

Dar hob ihre blauen Augen zu ihren und lächelte. "Hört sich gut an." Sie beobachtete wie das Mädchen schwer schluckte und dann aus der Tür schlüpfte, jedoch nicht ohne noch einmal zurückzublicken und süßsauer zu kichern, bevor sie die Tür hinter sich schloss. "Oh... Dar, du Verführerin von Minderjährigen... das war ungesittet." Sie seufzte, dann zog sie ihren noch feuchten Badeanzug aus und hängte den dünnen, schwarzen Stoff zum Trocknen über die Duschstange im Badezimmer.

Ihr Baumwoll T-Shirt fühlte sich nach der Feuchtigkeit gut an, sie breitete sich auf dem Bett aus, zog das Tablett näher an sich und untersuchte den Inhalt, dann knipste sie den Fernseher an und schaltete auf den Film um. Sie wollte gerade anfangen als sich ihr Laptop meldete und sie blickte ihn finster an. "Ich weiß, dass ich eine Mail habe. Ich habe immer Mails. Ich hatte sogar Mails, um 3:00 Uhr, als der gottverdammte Server für acht Stunden außer Betrieb war." Der Laptop ertönte wieder und sie seufzte, dann glitt sie vom Bett und ging leichtfüßig zu ihm hinüber, schnappte sich die Maschine und nahm sie, nachdem sie den Modemanschluss abgestöpselt hatte, mit zum Bett zurück.

Sie ließ sich auf der dunkelblauen Steppdecke nieder und blickte auf die Mail-Liste. "BS... BS... BS... Rundschreiben der Gesellschaft... oh, als wenn ich so was lesen müsste... BS... Dukky... BS... ah." Sie klickte auf die siebte Nachricht die recht früh am Vormittag abgeschickt worden war.

Kerry Stuart; Gesendet: 10:32 Uhr

Ms. Roberts - da gibt einige zusätzliche Punkte für die ich eine Klärung brauche. Erstens die Frage der Support-Unterstützung. Falls sie die Supports von diesen Produkten übernehmen wollen, dann werden sie bei ihrem bestehenden Support-Center mehrere zusätzliche hochwertige Einrichtungen hinzufügen müssen, die ihnen dort nicht zur Verfügung stehen.

Dies würde einen Hardware-Support für die POSIX nachgeschalteten Computer mit einschließen, die Thermaldrucker, und die Touch-Screens, keine von diesen, in dem bereits bestehenden Support Center vorhandenen Einrichtungen, haben sie gegenwärtig. Die Schulung für diese Einrichtung ist teuer und zeitaufwendig - ihre Kostenabteilung müsste für diese Schulung einen Etat zur Verfügung stellen, wir haben diese Fähigkeiten bereits.

 

Ebenso konzentriert sich ihre Programmierabteilung auf TPF, während unser Code in C geschrieben ist, und einen großen Anteil vom Assembler Modulen enthält, die für den Service-Sektor entworfen worden sind. Sie haben keine qualifizierten C-Programmierer, sie werden unsere anwerben müssen, oder ihre Mitarbeiter mit einer umfangreichen Ausbildung auf den neusten Stand bringen müssen. Unsere Kunden fordern häufige Verbesserungen und Aktualisierungen, da sich ihre Umgebungen ständig ändern, und sie sind von uns abhängig um sich der schnell wechselnden Lebensmittelbranche anzupassen.

Deshalb glaube ich, dass es in ihrem besten Interesse liegt den Service von unserer bestehen Abteilung mit unseren Mitarbeitern von Associated weiter zu führen. Mein Vorschlag betreffs ihrer Etatsforderungen wird eine dementsprechende Ausrichtung haben.

Teilen sie mir bitte mit, wenn diese Argumentation unzutreffend ist.

K. Stuart

Ich bitte für meinen Ton und mein Benehmen heute Morgen um Entschuldigung - aber sie können sich vorstellen wie peinigend die Aktionen ihres Übernahme-Teams waren.

Dar mampfte eine weitere Peperoni, nahm einen Schluck von ihrem Milchshake und ein Lächeln verzog ihre Lippen. Kerry hatte ihren Zugang zum System der Gesellschaft offensichtlich gut genutzt, und sie hatte einige sehr treffende Punkte dargelegt. "Gutes Mädchen, Kerry." Sie hielt inne, als sie sich an die abweisende Reaktion erinnerte, als sie ihren Vornamen gebrauchte, und einiges ihrer guten Stimmung verdunstete.

Warum zur Hölle sollte es mich kümmern? Die logische Antwort war natürlich, dass es sie nicht interessieren sollte, aber sie stellte fest, dass sie aus irgendeinem Grund von Kerry Stuart's Potential und ihrer Intelligenz gefesselt war, und sie wollte wirklich nicht die Feindin dieser verdammten Frau sein.

Sie seufzte. Der Ärger war, dass Kerry beschlossen hatte genau das in ihr zu sehen. Ihr erstes Zusammentreffen war eine Katastrophe gewesen... vielleicht... nun, die letzte Zeile deutete an, dass sie zumindest bereit war zuzuhören... vielleicht konnte Dar ein wenig die Wogen glätten.

Sie stopfte sich einen gefüllten Nacho in den Mund und fing dann an eine Antwort zu verfassen.

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Kerry kaute abwesend auf einem lauwarmen Stück Pizza als sie sich durch eine weitere Tabelle blätterte. Seit sie zu Hause war arbeitete sie mehrere Stunden daran, und sie bemerkte das sie eine Pause brauchte als der Bildschirm anfing vor ihren Augen zu flimmern.

Zufällig klopfte es zur gleichen Zeit an ihrer Tür. Sie stand auf und stöhnte als ihr Rücken sich über die lange Haltung in gleicher Position beschwerte, sie humpelte zur Tür, spähte durch den Spion und zog dann die Tür auf. "Hey, Colleen." Sie lächelte die kleine Rothaarige an, die an ihr vorbei in die Wohnung ging. Colleen McPherson war die erste Nachbarin die sie nach ihrem Einzug in den Komplex getroffen hatte, und seitdem waren sie enge Freundinnen.

"Hey, Kerry... was machst du?" Colleen runzelte ihre Nase und blickte sich um. "Oh Mann... halt dich fest... sag mir nicht, dass DU Pizza isst... nein nein... es muss sich um einen Doppelgänger handeln... ich werde das FBI rufen."

Kerry lachte leicht verlegen. "Ich hatte keine Wahl... ich arbeite an diesem Projekt und hatte keine Zeit zum Kochen... ich war am verhungern." Sie schloss die Tür und ging zu ihrem Schreibtisch hinüber. "Willst du etwas abhaben?"

Colleen lugte zu der Schachtel. "Oh-mein-Gott... und du hast die Hälfte davon gegessen... ich werde ohnmächtig." Ärgerte sie ihre Freundin. "Es ist noch nicht mal eine vegetarische Pizza."

Die blonde Frau setzte sich hin und legte ihre Arme auf ihre Schenkel. "Ich bin keine Vegetarierin, Col... das weißt du." Wandte sie ein. "Ich esse nur gerne gesund... ist das ein Verbrechen?"

Die Rothaarige nahm sich ein Stück und kaute darauf herum. "Ein Verbrechen ist, dass du kaum genug isst um ein Kaninchen am Leben zu erhalten, viel weniger einen Menschen..." Sie zog an Kerry's Shirt, das lose an ihr herumhing. "Nun... das ist nicht gesund."

Kerry zuckte ein wenig. "Mir geht es gut... ich habe nur..." Sie zögerte. "Ich bekomme zu Hause eine Menge Probleme wenn ich zunehme... es ist einfacher wenn ich mein Gewicht halte." Versuchte sie in einem lässigen Tonfall zu sagen und schaffte es fast.

Problem... war eine milde Bezeichnung. Das erste Jahr als sie hier runter kam waren die Dinge ein wenig hektisch, die Arbeit hatte sie sehr in Anspruch genommen und sie hatte wirklich nicht viel Zeit für etwas anderes als in ihr Büro zu gehen, wenn sie dann nach Hause kam versuchte sie ihre Wohnung einzurichten und lernte für den Abschluss ihrer Netzwerk-Zertifikationen. Dies führte zu langen arbeitsreichen Nächten und dementsprechend war ihr Essen ausgefallen und führte zu einer Gewichtszunahme von 20 Pfund, die ihr nichts eingebracht hatten außer Nörgeleien und Klagen als sie für die Weihnachtstage nach Hause ging.

Es war eine lausige Zeit und endete damit, dass sie den meisten Gästen aus dem Weg zu gegangen war, besonders ihrem Vater, und gelobte sich, dies niemals wieder erleben zu müssen. Also hatte sie ihre Ernährung auf Mohrrüben umgestellt, und gewöhnte sich an, viel zu laufen und mit dem Rad zu fahren, was die Dinge recht gut unter Kontrolle gebracht hatte. In der Tat war Colleen ihre Lauf- und Rollerblading Gefährtin, weil die kleine Rothaarige ständig ihre eigene Tendenz zur Rundlichkeit bekämpfte.

Und es war ganz schön schwer, seufzte Kerry, weil sie zugegebenermaßen ein Vielfrass war. Sie liebte es zu Essen und es war so schwer ständig nein zu sagen. Aber sie tat es, weil die kritische Stimme ihres Vaters zu hören sogar noch schlimmer war, und ihre Mutter niemals vergaß sie bei ihren wöchentlichen Telefonanrufen danach zu fragen.

Dann gab es da natürlich Brian. Ihr vorläufiger beinahe Verlobter. Sein Vater hatte ihrem Vater einen großen Gefallen getan, als er also bei ihm um ihre Hand angehalten hatte... hatte Daddy ja gesagt. Es war nicht so, dass Kerry Brian nicht mochte... er war groß, ein sehr gut aussehender junger Mann mit untadeligen Manieren, intelligent, mit guter Arbeitsauffassung, der gerade dabei war seinen Juraabschluss zu machen. Er war ohne Frage eine gute Partie, und er war verrückt nach ihr. Und um ehrlich zu sein, mochte sie ihn, sie waren seit Jahren befreundet und hatten zusammen eine Menge Spaß.

In der Tat, schienen sie wie füreinander geschaffen. Er hatte sie zum Schulball der Abschlussklassen mitgenommen, und eines von Mutters Lieblingsbildern war, wo beide aus diesem Anlass vor dem Haus in Abendkleidung und sehr ernsten Gesichtern standen.

Unbefangen. Hm... sicher. Kerry atmete aus und setzte dann ein Lächeln auf. "Also... wie ich es sagte, es ist einfach leichter... Meine Familie macht es mir so schwer, du weißt wie das ist."

Colleen verrollte ihre Augen. "Auf jeden Fall." Sie setzte ihre Hände auf ihre Hüfte. "Colleen Katherine McPherson, wenn du nicht etwas unternimmst, wirst du eines Tages schwerer als Queen Mary sein." Ihre Stimme steigerte sich zu einem Singsang um ihre temperamentvolle irische Mutter zu imitieren.

Kerry lachte. "Oh Gott... genau wie sie." Colleen's Familie lebte in der Nähe und Kerry war mehrmals zum Essen eingeladen worden. Sie mochte die lebhafte Rothaarige und war froh jemanden zu haben mit dem sie manchmal einfach nur herumhängen konnte. Colleen arbeite als Hauptkassiererin bei der Barnett Bank und war fünf Jahre älter als Kerry. Sie war lustig und für alles offen, das Vermächtnis in einer großen, hitzköpfigen Familie aufgewachsen zu sein.

"Also... an was arbeitest du?" Colleen schaute sich in ihrer Wohnung um. "Jesses Maria, Ker... war eine Papierhexe hier und hat alles verstreut, oder was?"

Die blonde Frau lehnte sich gegen ihren Schreibtischstuhl zurück und nahm sich ein weiteres Stück Pizza. "Nein..." Seufzte sie. "Wir sind aufgekauft worden."

"Ach je... ich hab's gehört." Die kleinere Frau zog ein Gesicht. "Habt ihr Burschen Schwierigkeiten?"

"Klar." Gab Kerry zu. "Sie würden uns gern alle loswerden und nur die Kunden behalten, aber ich versuche einen Plan aufzustellen, bei dem zumindest einige von uns ihren Job behalten können." Sie ließ ihre Schultern sinken. "Obwohl ich nicht glaube, dass sie es mir abkaufen werden." Sie warf einen Blick zu ihrem Computer als dieser eine Mail anzeigte. "Hier ist wahrscheinlich die Bestätigung." Sie reichte hinüber, klickte auf den Umschlag und brachte damit die neue Nachricht auf den Bildschirm. "Jawohl." Bestätigte sie als sie den Namen des Absenders sah.

Dar Roberts; Gesendet: 22:45 Uhr

Ms. Stuart,

Sie führen da interessante Punkte an. Während ich das äußerste Vertrauen in unsere Support-Teams habe, die Verantwortung für ihre Produktgruppe zu übernehmen, so hat ihr Personal doch ein bestimmtes Wissensniveau, dass wir nur mit erheblichen Kosten erreichen würden. Fahren sie bitte mit ihren Vorschlägen fort.

"Oh... Mann." Keuchte Kerry als ihre Augen auf den etwas längeren Absatz unterhalb fielen.

Ich weiß, das ihr Versuch ein sehr schwieriges Unterfangen darstellt, und ich würdige die Bemühungen die sie daransetzen. Ich glaube, dass sie talentiert und intelligent sind, und ich möchte wirklich nicht das dies eine solch gegensätzliche Situation ist. Ich erkenne, dass unser erstes Treffen in die falsche Richtung gelaufen ist, und weiterhin hätte ich sicherstellen sollen, dass unser Projekt-Team sie über ihr oberes Management kurz darüber informiert, was sie erwartet, bevor wir den Prozess angefangen. Dafür bitte ich um Entschuldigung.

DR

Eigenartigerweise fühlte sich plötzlich leichter. Ein winziges Lächeln spielte auf ihren Lippen und sie lehnte sich mit einem Seufzer aus tiefstem Herzen zurück. "Weißt du was? Auf irgendeine Art hat sie es mir abgekauft."

Colleen lass über ihre Schulter hinweg alles ungeniert mit. "Hey..." Sie stieß Kerry in die Schulter. "Das ist nicht die Dar Roberts, oder doch?" Sie pfiff leise. "Sie machen unsere ACHTAPE Verarbeitung... eines Tages gab es einen Fehler und ein ganzes Band ging hinüber... unsere Manager ließen die Hölle los und haben sie fertig gemacht, dann tauchte diese Frau mit dem Namen Roberts bei uns auf, verbrachte zehn Minuten in dem Gewölbe und hat festgestellt, dass der Fehler bei uns lag." Sie rollte mit ihren Augen. "Gott, das Ende davon haben wir über Wochen zu hören bekommen."

"Nun." Kerry schüttelte ihren Kopf. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mehr als eine von ihr in der Gesellschaft gibt, also denke ich das sie es ist... groß, gebräunt, dunkles Haar?" Sie hielt inne. "Wirklich blaue Augen?"

Colleen grinste sie salopp an. "Das ist sie... Gerüchte sagen, dass sie eine richtige Hexe auf Rädern sein soll." Sie spähte auf die E-Mail. "Hmm... obwohl, es sieht so aus, als ob sie dich mag." Sie schaute beeindruckt zu Kerry. "Oha... sie glaubt das du talentiert und intelligent bist... ich denke, dass sie letztendlich doch einige Gehirnzellen hat."

Kerry errötete. "Hör auf damit." Sie las die Mail noch mal, und obwohl sie versuchte sich daran zu erinnern wie wütend sie auf Dar gewesen war, ließen sie die geschriebenen Worte recht gut fühlen. Vielleicht weil es so unerwartet war.

Sicher... das war's. Sie hatte nicht damit gerechnet eine positive Antwort von der Frau zu bekommen, oder überhaupt eine Antwort zu erhalten, und war deswegen so... überrascht. "Sie will mir wahrscheinlich nur den Kopf tätscheln." Sagte Kerry schließlich lässig. "Du verstehst... beunruhige die Eingeborenen nicht, bis du all ihre Diamanten gestohlen hast, diese Art von Ding."

"Vermutlich." Stimmte Colleen fröhlich zu. "Hey... mach 'ne Pause und lass uns zur Bäckerei runter gehen."

Kerry zögerte. " Ähm... okay, sicher... ich könnte eine Pause gebrauchen... hör zu, warum holst du nicht dein Fahrrad, und ich werde dich draußen auf der Strasse treffen?" Sie lächelte als Colleen schnell zustimmte und beobachtete wie die Rothaarige hinaustrottete und die Tür hinter sich schloss. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit auf ihren Bildschirm und tippte mit ihren Fingern an ihre Tastatur während sie überlegte was sie als Antwort schreiben könnte.

Soll ich freundlich... schnippisch... förmlich sein.

Was zur Hölle soll's. Das schlimmstes was ihr die alte Cruella antun konnte, war, sie zu feuern.

Hallo...

Danke für das was sie gesagt haben. Sie haben recht - dies ist eine schwierige Situation, und ich wünschte ich wäre nicht darin verwickelt. Aber ich bin es, und ich habe das Beste daraus zu machen, also werde ich es weiter versuchen.

Ich weiß, dass wir nur ein kleines Zahnrad in dieser gigantischen Maschinerie sind, und dass sie wirklich nicht auf die eine oder andere Art auf uns Rücksicht nehmen können - und ich verstehe, dass ich nur ein Problem von vielen bin mit denen sie fertig werden müssen. Ich denke, dass es für sie nach einer Weile langweilig werden muss, aber für mich ist dies eine Situation die ich niemals wollte, oder mir in meinen Träumen wünschen würde. Ich möchte nicht, das meine oder die Welt um mich herum auseinandergerissen wird. Aber ich vermute sie sind daran gewöhnt.

Ich weiß, dass sie nur ihre Arbeit machen, und ich bin froh, dass es nicht meine ist. Wir haben sehr schlecht angefangen, und ich glaube, das es teilweise auch mein Fehler war, weil ich meine Frustration über das Ereignis bei ihnen abreagiert habe, was ich vielleicht nicht so schnell hätte tun sollen. Im Nachhinein habe ich realisiert, dass sie mich auf der Stelle hätten feuern können, also war es wahrscheinlich nicht gerade das Klügste was ich jemals getan habe.

Sie starrte einen langen Augenblick auf den Bildschirm, bevor sie mit sich selbst streitend weitermachte. Schließlich vollendete sie ihre Nachricht und drückte dann den Sendebutton. "So viel dazu..." Sie nickte entschlossen, klatschte dann in die Hände und ging zum Abstellraum um ihr dunkelpurpurrotes Mountainbike herauszuholen und die Reifen zu kontrollieren. Sie blickte zu dem Helm auf dem hohen Regal und entschied sich, dass sie ihn für die kurze Fahrt zum Kendall Drive nicht brauchen würde.

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Mit den Händen hinter ihrem Rücken stand Dar ruhig da und blickte aus dem Fenster. Sie tat ihr Bestes um den frustriert herumrennenden und tobenden Mann hinter ihr zu ignorieren, der hin- und herlief und mit seinen Händen wild gestikulierte.

"Hören sie Peter... halten sie einfach die Klappe." Sagte die Frau schließlich während sie sich umdrehte. "Lassen sie mich da rein gehen und meine Arbeit tun, und später darüber streiten, okay?" Sie blickte ihn an. "Ich habe nicht darum gebeten hierher zukommen, ich habe nicht darum gebeten ihre kleine Party zu stören, und ich habe bestimmt nicht darum gebeten, dass sie vierzig Minuten lang heiße Luft von sich geben."

"Es ist alles unter Kontrolle." Sagte der Mann durch zusammengebissene Zähne. "Ich will verdammt sein, wenn sie da rein gehen und den Lohn für etwas einkassieren, wofür ich mir den Hintern aufgerissen habe."

Dar ging hinüber und blickte ihm direkt in die Augen. "Sie haben keine Wahl."

"Zur Hölle, und ob ich die habe!" Schrie Peter. "Ich werde Les anrufen!"

Ein strahlendes Lächeln schlug ihm ins Gesicht. "Wer glauben sie, hat mich wohl geschickt?"

In der Stille war seine Atmung plötzlich laut zuhören. "Sie lügen, sie eiskalte Hexe."

Dar ignorierte die Beleidigung und hob den nächstgelegenen Telefonhörer auf, mit hochgezogenen Augenbrauen und einem spöttischen Lächeln reichte sie ihm den Hörer. "Na los... rufen sie ihn an."

Die Nasenflügel des großen Mannes bebten und seine Lippen verzogen sich zu einem Knurren, aber er machte keine Anstalten den Hörer zu nehmen.

Der Hörer fiel mit einem Klacken zurück auf die Gabel. "Jetzt. Gehen sie mir aus dem Weg, und halten ihre Klappe." Wies ihn Dar zurecht, in dem Augenblick öffnete sich die Tür und zwei große Militärs kamen in den Raum. "Guten Tag General." Ihre Stimme senkte sich um eine Nuance und nahm einen charmanten Ton an, als sie auf den älteren der beiden zuschritt.

Die Augen des Mannes konzentrierten sich auf sie und erhellten sich. "Ms. Roberts... es ist mir immer wieder ein Vergnügen." Er nahm ihre Hand und küsste den Handrücken mit einer eleganten Verbeugung, dann winkte er mit seinem Arm zur Tür. "Kommen sie herein... lassen sie uns reden." Seine Augen wanderten zu Weyrhousen. "Danke... wir sehen uns später."

Dar, deren Gesicht durch ihre Position verborgen war, biss sich auf ihre Lippen um ein Lachen zu unterdrücken, sie räusperte sich als sich die Tür hinter ihnen schloss. "Das war nicht nett, Gerald."

Der ältere General kicherte. "Er ist ein Arschloch, Dar."

Sie zuckte leicht mit den Schultern, setzte sich auf den angebotenen Platz vor seinem Schreibtisch und lehnte sich zurück, während sich der Militär in seinem dick gepolsterten Sessel niederließ. "Er ist nicht ganz so übel... er hat nur nicht die Erfahrung mit den großen Jungs wie ich sie habe." Erklärte sie ironisch. "Ihr Soldaten verunsichert ihn."

Gerald Easton lächelte sie an. "Dar, du siehst gut aus." Sinnierte er, während er die große Frau vor sich eingehend betrachtete.

Sie neigte ihren Kopf. "So wie du... wie bekommt dir das Pentagon?"

"Eh." Er winkte ab. "Der größte Haufen Pferdemist östlich vom Potomac... und nun wollen sie, dass wir alles neu streichen. Hast du davon gehört? So ein Idiot kam herein, machte eine Studie, und erzählte irgendeinem verdammten Politiker, dass die Tarnung die wir seit 1908 verwenden, nicht wirken würde. Wir sollen alles in den Farbtönen rosa und beige anstreichen."

Dar zog ein Gesicht. "Igitt."

"Ja, igitt trifft es genau." Der General drehte sich zu seiner Adjutantin, die ruhig dastand und sie betrachtete. "Eileen, könnten sie Ms. Roberts und mir bitte einen Krug mit etwas Kaltem bringen?"

Die Adjutantin nickte zackig und verschwand.

In einem angenehmen Schweigen blickten sie sich für einen Augenblick an. "Dar, jedes Mal wenn ich dich sehe siehst du deinem Vater immer ähnlicher." Der ältere Mann seufzte mit einem freundlichen Ausdruck in seinen Augen. "Die gleiche Nase, das gleiche Kinn... verdammt Mädchen." Er hielt inne. "Ich vermisse ihn."

Dar's Augen senkten sich auf den Schreibtisch und sie atmete leise aus. "Ich auch."

"Er wäre mit Sicherheit stolz auf dich." Ein feines Funkeln trat in die Augen des Generals. "Die Vorstellung, das er sieht wie du praktisch diesen Laden schmeißt... ich stelle mir gerade sein Gesicht vor."

Blaue Augen schweiften umher. "Das glaube ich nicht, Gerry." Dar schüttelte kurz ihren Kopf. "Ich glaube nicht, dass er es als sehr ehrenvoll ansehen würde... du weißt was wir machen." Sie hielt inne. "Er war immer auf der Seite der kleinen Leute... wir führen eine Firmenpolitik aus, die solche Leute bei lebendigem Leib verschlingt." Sie blickte ihn süßsauer an. "Aber hier bin ich... um was geht es?"

Alte Augen studierten sie für einen langen Augenblick, dann zog der General eine Akte aus seiner Schreibtischschublade und warf sie zu ihr hinüber. "Alles für dich, Frechdachs." Er kicherte liebevoll über den Ausdruck auf ihrem Gesicht. "Nee... das ist kein Geschenk... du hast ein sehr günstiges Angebot gemacht, und... lass es mich so sagen, ich fühlte mich einfach beruhigter einen Auftrag von dieser Größe, der unsere Verteidigung betrifft, an jemanden zu vergeben dem ich vertraue."

Dar zog die Akte zu sich und blätterte rasch durch die Seiten. Ihre Augenbrauen zogen sich nach oben.

"Ja... ich habe noch ein paar andere hinzugefügt... und den Vertrag über diesen verdammten IRS-Website-Support... bitte, Dar... halt mir das vom Hals, ja? Sie könnten das Ding nicht am Laufen halten selbst wenn ihr Leben davon abhinge."

"Ich werde mein Bestes tun." Antwortete Dar kopfschüttelnd. Peter würde vollkommen wahnsinnig werden wenn er das sah. Sie verbarg eine Grinsen. Arrogantes Arschloch. "Ich werde sicherstellen, das alles zu deiner Zufriedenheit erledigt wird."

"Das weiß ich." Sagte der General, dann zögerte er. "Hast du etwas von deiner Mutter gehört?"

Dar's Gesicht verzog sich leicht. "Nein." Entgegnete sie leise mit einem flüchtigen Zucken. "Nicht mehr seit der Beerdigung... ich glaube nicht, dass ich noch mal etwas von ihr hören werde."

"Miststück." Murmelte er kaum hörbar. "Als ob es dein Fehler war, dass er beschlossen hatte noch ein letztes mal ins Feld zu ziehen."

Dar starrte auf den kastanienbraunen Tweedteppich. "Sie waren unzertrennlich, Gerry... ich glaube, dass ich sie zu sehr an ihn erinnere." Ihre Stimme war ruhig und gleichmäßig. "Er war ihre ganze Welt." Und alles was sie tatsächlich behalten hatte waren ein paar, meist vergilbte Bilder, ungefähr acht oder zehn Fotos von ihrem großen, dunkelhaarigen Vater, bei einem hatte er seinen Arm um ihre Schultern gelegt und sie sahen beide eher wie Bruder und Schwester aus, denn als Vater und Tochter.

Sie erinnerte sich an seine Beständigkeit, den festen, kräftigen Körper dessen Schultern sie mit ihren Tränen bei mehr als einer Gelegenheit durchnässt hatte. Sie versuchte nicht zu oft an den letzten Abschied zu denken. Außer sie war mit den Sternen oder der unendlichen Weite des Meeres allein.

Der General atmete aus, dann stand er auf, ging um seinen Schreibtisch herum und streckte ihr seine Hand entgegen. "Komm her, Frechdachs." Er zog an der Hand die sie ihm hinstreckte und nahm sie in seine Arme. "Dein Daddy war einer meiner besten Freunde, du weißt das, richtig?"

Dar erlaubte sich den Luxus der Umarmung und fühlte die kratzige Wolle seiner Uniform an ihrer Wange. Der Geruch, eine Mischung aus Trockenreinigung, Leder, Messing und Stärke war ihr sehr vertraut. "Ich weiß das." Sie gab ihm einen Klaps auf den Rücken als er sie losließ. "Er war ein guter Mensch."

Der General lehnte sich gegen den Schreibtisch zurück während er sie betrachtete. "Er war ein sehr guter Soldat." Bestätigte er. "Halbwegs habe ich immer erwartet, dass du in seine Fußstapfen trittst." Er tätschelte ihren Arm. "Du hast seine Stärke, das weißt du."

Ein winziges Lächeln verzog Dar's Lippen. "Ich führe meine Schlachten in den Sitzungssälen, Gerry..." Sie hielt die Akte hoch. "Außer das man keine Kugeln braucht, kann es genauso gefährlich sein."

Die Adjutantin kam zurück und reichte beiden ein Glas eiskalten, bereits gesüßten Eistee. Dann gab sie dem General diskret ein Handzeichen. Sie prosteten sich gegenseitig zu, und Dar fühlte wie sie ein wenig entspannte als das kalte Getränk ihre Kehle hinunterglitt. Es war immer hart Gerald Easton zu sehen, aber es wurde jedes Mal leichter, und sie wusste, eines Tages würde sie den alten General ansehen können, ohne zuerst an ihren Vater denken zu müssen. "Nun, ich gehe jetzt besser... ich muss den Mittagflug nach Miami bekommen."

Easton stellte sein Glas ab und verschränkte die Arme vor seiner Brust. "Warum bleibst du nicht über Nacht, Dar? Mary wäre begeistert dich zu sehen und Jack ist in der Stadt." Wieder funkelten seine Augen. "Du weißt, dass er wahnsinnig in dich verliebt ist."

Dar grinste ihn reumütig an. Gerald's stattlicher, blonder Sohn umschmeichelte sie mit liebevollen, fast zögerlichen Aufmerksamkeiten wenn sie zusammen waren, und es machte ihr wirklich nichts aus mit ihm Sachen zu unternehmen. Sie hatten eine großartige Zeit zusammen verbracht, als sie letztes Jahr eine Reise zu den Kriegsschauplätzen in der Gegend unternommen hatten, und der Gedanke daran in Jacks friedlicher Gesellschaft zu entspannen war eine Versuchung. "Gerry... ich muss dir zugestehen... wenn ich jemals heiraten würde, dann wäre es Jack... er ist der süßeste Bursche den ich kenne."

Easton strahlte. "Weißt du Dar... dich in meiner Familie willkommen zu heißen wäre einer von den Glanzpunkten in meinen Leben." Er drohte ihr mit dem Finger. "Wirf den Gedanken an eine Heirat nicht so schnell bei Seite... ich weiß, dass deine Karriere dich in Anspruch nimmt, aber du solltest irgendeinmal daran denken... ach komm schon, bleib über Nacht."

Dar seufzte. "Ehrlich, ich wünschte, ich könnte es... aber ich bin da unten mitten in einer heißen Sache... ich habe keine Zeit dafür." Sie blickte ihn mit ehrlicher Aufrichtigkeit an. "Obwohl ich in nächster Zukunft darauf zurückkommen werde."

"Hm." Er blickte sie nachdenklich an während sein taktischer Verstand arbeitete. "Hey... warum kommst du nicht an Weihnachten?" Er richtete seinen grauhaarigen Kopf zu ihr auf. "Genieß die Feiertage mal richtig... mit Baum, vielleicht etwas Schnee, alles was dazugehört, wie?"

Darauf war die große Frau nicht gefasst. "Vielleicht werde ich das." Murmelte sie leise. "Danke für das Angebot, Gerry."

Er wackelte mit seinen grauen Augenbrauen und ein leicht triumphierendes Lächeln überquerte sein Gesicht. "Jederzeit, Frechdachs... nun mach das du rauskommst, bevor dieser arschkriechende Norweger da draußen aus den Schuhen kippt."

"Er ist Holländer." Korrigierte ihn Dar ironisch.

"Holländer, Norweger, ich bin ein Soldat, was weiß ich verdammt noch mal von all jenen neutralen Ländern?" Konterte er mit einem Grinsen. "Ich kann einen Deutschen von einem Franzosen, und einen Italiener von einem Japaner unterscheiden."

Dar, die ohne Schwierigkeiten unter Dutzend verschiedener lateinamerikanischer Völkergruppen in Miami unterscheiden konnte, lächelte einfach zurück. "Es war nett dich zu sehen Gerry... sag Mary und Jack viele Grüße von mir, in Ordnung?"

"Das werde ich mit Sicherheit." Versprach der General. "Ich wünsch dir einen guten Flug und pass auf dich auf, hörst du?"

"Das werde ich." Versprach Dar, dann nahm sie ihre Akte und glitt zur Tür hinaus, sie straffte ihre Schultern als sie sah wie Weyrhousen vom Fenster, vor dem er hin- und hergeschritten war, auf sie zukam. Ohne ein Wort reichte sie ihm die Akte, die er beinahe fallen ließ.

"Was ist..." Seine Augen überfolgen den Inhalt und sein Kiefer spannte sich an. "Dieser Sohn einer räudigen Hündin."

Dar atmete aus. "Leiten sie das weiter. Ich gehe jetzt."

Der Mann blickte sie verbittert an. "Was mussten sie tun um dies zu bekommen... haben sie es ihm auf seinem Schreibtisch besorgt?" Fragte er sarkastisch. "Es war doch leicht für sie einfach da rein zu gehen und ihm ihren kleinen Hintern zu zeigen, oder nicht?"

Für einen zu Eis erstarrten Augenblick kämpfte Dar gegen den Drang ihn zu schlagen. Sie wusste, dass es in ihren bleichen Augen zu sehen war, da Weyrhousen einen Schritt zurückwich, und sie konzentrierte sich auf ihre Atmung um die Wut, die sie zu überwältigen drohte im Zaum zu halten. Schließlich holte sie Luft. "Wissen sie Peter... für jemanden der zweimal die Woche ein Potenzmittel nehmen muss, hängt wohl alles vom Sex ab." Dar hatte vor langer Zeit festgestellt, das Krankenakten und ehemalige Hacker nützliche Dinge waren. "Vielleicht sollten sie sich von dem alten Burschen einige Tipps holen?"

Sie drehte sich um ohne seine Antwort abzuwarten und ging einfach.

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"Dar... wann gehen sie?" Maria stand mit ihrer Tasche über der Schulter in der Tür. Es war Freitagabend, dem Ende einer der schlimmsten Wochen an die sich die Sekretärin erinnern konnte. Sie betrachtete besorgt ihre Chefin, die hinter dem großen Holzschreibtisch mit der verblassenden Sonne im Rücken saß. "Dar?"

"Hmm?" Die Geschäftsführerin schaute von ihrem Monitor auf und blickte die Frau schief an. "Ich muss diesen verdammten Finanzbericht fertig machen, Maria... ich werde noch ein paar Stunden hier sein." Ihr Schreibtisch war mit endlosen Berichten übersäht, gewöhnlich trugen die meisten ihr auffallendes Logo auf der Oberseite, was bedeutete, dass sie diese selbst bearbeitet hatte. "Man nennt das Leichen vergraben, Maria... ich muss zwei hochgradige Katastrophen in diesen Zahlen verbergen und es irgendwie passend machen... ich denke, dass ich eine unterbringen kann, aber wenn Travel & Transportation nicht in ungefähr einer Stunde mit seinen Zahlen herüberkommt, dann werde ich dahin fahren und sie ihnen mit einem Baseballschläger herausprügeln."

Sie lehnte sich zurück und prüfte die Tabellen zum zigsten Mal. Es war wie mit einem Puzzle das zu viele Teile hatte. Du musstest das Beste Teil finden, und dieser Rest war heute Abend eine hässliche Angelegenheit.

Natürlich... Dar blickte auf die Akte mit den Associated Dateien. Es würde leichter sein, einfach den ganzen Account in den anwendbaren Bereichen als neues Geschäft zu deklarieren und die Kostenseite durch die Auflösung des Geschäftes entlasten. Es wäre einfacher und würde die Zahlen als Gewinn deklarieren und sie könnte nach annähernd sechsunddreißig Stunden Arbeit an dem Projekt nach Hause gehen.

Sie würde nichts verbergen müssen und die Zahlen von T&T wären nicht mehr von Bedeutung.

Tatsächlich hatte sie dies fast zweimal getan, ihre Finger schwebten über der Bestätigungstaste und sie hatte dann aus unerfindlichen Gründen ihre Finger wieder zurückgezogen.

Vielleicht war es der unbeirrbare Optimismus in Kerry's Berichten als die junge Managerin ihre Zahlen ständig überarbeitete und näher und näher an Dar's vorgegebenes Ziel kam.

Ein Ziel welches inzwischen wahrscheinlich irrelevant war, es sei denn es geschah ein Wunder.

Sie wusste, dass sie diese verdammte Frau einfach anrufen sollte und ihr sagen, dass sie aufgeben sollte... dass sie nach Hause gehen und sich mit der unangenehmen Wirklichkeit abfinden sollte, aber jedes Mal wenn sie ihre Nummer wählen wollte fielen ihre Augen auf Kerry's letzten Vorschlag und sie hielt inne und überprüfte nochmals ihre Tabellen.

Das Telefon summte und sie schlug auf den Knopf. "Ja?"

Duks war am Telefon. "Die Zahlen von T&T sind gerade verarbeitet worden." Er raschelte mit Papieren. "Sie sind miserabel."

Dar schloss ihre Augen und drückte auf den Aktualisierungsbutton als sie hörte, dass das Laufwerk seine Arbeit beendet hatte, öffnete sie ihre Augen wieder. Die untere Zeile fiel ihr ins Auge und eine überwältigende Abgespanntheit legte sich auf ihre Schultern. "Wir müssen dort jemanden feuern." Bemerkte sie erschöpft.

"Mm." Stimmte Duks mit ebenso müder Stimme zu. "Dafür ist es schon zu spät, dennoch... werde dir eine Liste meiner Abschusskandidaten erstellen." Wenn jemand ein Pragmatiker war, dann der VP des Finanzwesens, einer von Dar's engsten Verbündeten.

"Danke Dukky." Antwortete die grosse Frau. "In Ordnung... ist Mariana noch da?" Mariana Cruz war die Personal VP, die mit Dukky Hand in Hand zusammenarbeitete und einige sagten sie würde mit ihm schlafen. Dar kümmerte es nicht und dachte sie würden ein niedliches Paar abgeben, aber Gesellschaftsvorschriften waren Gesellschaftsvorschriften.

"Sie ist hier."

"Ich werde die gesamte Belegschaft von Associated feuern müssen, Mari." Sagte Dar leise. "Du kannst anfangen die Abfindungspakete aufzustellen... schick die Arbeitsliste zu mir."

"In Ordnung, Dar." Antwortete die leicht akzentuierte Stimme. "Sie wurden nie wirklich übernommen, also ist es nur eine W4 Meldung."

"Ich weiß... die Jungs werden noch nicht mal zwei Wochen kriegen." Dar atmete aus. "Lass mich das hier fertig machen... und du wirst in Kürze ein Update bekommen."

Sie legte den Hörer auf und starrte den Bildschirm an, holte dann ihren alternativ Plan in den Vordergrund und ließ ihn verarbeiteten. Die untere Zeile löste sich nach einem kurzen Flackern auf, und sie nickte schwach. "Tut mir leid, Kind." Sie holte tief Luft und nahm den Telefonhörer, wählte eine Nummer und wartete. Jeder der denkt, dass dies alles Spaß macht, hat dies niemals tun müssen. Grübelte sie und nahm sich zusammen als der Hörer am anderen Ende abgenommen wurde und sie Kerry's weiche Stimme hörte.

"Associated Synergenics, Kerry Stuart."

"Ms. Stuart." Dar hielt inne um ihre Gedanken zu sammeln.

"Oh... hallo." Kerry räusperte sich. "Hören sie...ich weiß, dass der Termin immer näher rückt...aber ich glaube das ich es habe... es dauerte ewig, aber schließlich habe ich eine Möglichkeit im Einrichtungsetat gefunden..."

"Es tut mir leid, Ms. Stuart. Es passt nicht in unsere Pläne." Sagte Dar ruhig. "Es war ein guter Versuch und sie waren auf dem richtigen Weg, aber es ist nicht möglich."

Totenstille. "Sie Miststück..." Kerry's Stimme klang erstickt, Dar konnte nicht sagen ob es vor Zorn oder Tränen war. "Ich hoffe sie fahren geradewegs in die Hölle, weil das genau der Ort ist wo sie hingehören."

Der Hörer wurde hinuntergeknallt und die Leitung war tot.

Dar legte schweigend den Hörer auf und ließ ihre Hände in ihren Schoss fallen. Es war mit Sicherheit nicht das erste Mal, dass ihr das gesagt wurde und wahrscheinlich war es auch nicht das letzte Mal, aber nach sechsunddreißig Stunden ohne Schlaf war ihre emotionale Abwehr verbraucht und es schmerzte. Es durchdrang ihre sorgfältig aufgebaute und abgehärtete Haltung. Als sich die Stille des größtenteils leeren Gebäudes auf sie niederlegte, schloss sie ihre Augen und legte ihren Kopf gegen die hohe Lehne des Stuhles.

Schließlich stand sie auf und öffnete die obere Schublade, nahm ihre Schlüssel heraus und warf ihre Jacke über ihre Schultern. Sie hatte bis Mitternacht Zeit um die Bücher zu schließen. Jetzt wollte sie nur einen einsamen Ort und salzige Luft um sich haben.

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Kerry schleuderte den Stuhl zurück, stand auf und schritt zu der Wand und starrte sie an. Sie lies ihre Wut bis an die Belastbarkeitsgrenze aufbauen, lies sie dann frei und schlug mit ihrer Faust knirschend gegen die harte Oberfläche der Wand. Schockiert über den Schmerz riss sie ihren Arm hoch und zog ihre Hand zurück, um eine Delle von der Größe eines Baseballs in der Wand zu sehen, was ihre Wut nicht im geringsten verminderte.

"Warum du gottverlassenes Stück... Ich kann nicht glauben, dass sie das getan hat."Ärgerte sie sich und lehnte mit ihrem Kopf gegen die missbrauchte Wand. "Eine ganze Woche Schinderei, für Nichts. Für NICHTS!" Sie wusste, dass sie sich keine Sorgen machen brauchte gehört zu werden, da sie allein im Gebäude war. Sie hatte den Rest der Belegschaft, mit der Andeutung, dass sie am Montag vielleicht gute Neuigkeiten für sie haben könnte, früher nach Hause geschickt.

Es war so gut gelaufen... ihre letzten zwei Entwürfe hatten ihr ein vorsichtiges Lob von Dar eingebracht, und sie hatte die Hoffnung, dass sie tatsächlich fähig sein könnte es zu schaffen. Alle waren in einer guten Stimmung gegangen und sie hatte gehört wie mehrere Gruppen planten zusammen ins Grove oder zur Bayside zu gehen, der auch einer ihrer eigenen Lieblingsplätze war.

Sie setzte sich auf den Rand ihres Schreibtischs und hätte heulen können. Dann beschloss sie, dass sie dafür einfach zu müde und zu wütend war. "Dann kann ich ebenso gut hier raus gehen." Sie nahm ihre Sachen und verließ den Schreibtisch so wie er war, bedeckt mit Entwurfsvorschlägen und Stapeln von Berichten, sie blickte nicht einmal zurück als sie das Licht ausmachte und die Tür schloss.

Eine Zeitlang fuhr sie nur ziellos herum, nahm die I-95 die aus dem Zentrum der Stadt hinausführte und sah wie die Lichter aufleuchteten als die Abenddämmerung über die Stadt hereinbrach. Die Sonne, die gerade im Westen unterging verströmte ein tropisches oranges Licht über die großen Gebäude das von der spiegelnden Oberfläche reflektiert wurde. Der Himmel war mit Wolken bedeckt und während sie sich über den Horizont ausbreiteten nahm jede Formation einen anderen Pastellton von glänzendem Orange über Rosa zu Lavendel an.

Als die warme, feuchte Brise herein wehte, fuhr Kerry an die Seite neben der Kreuzung und nahm den starken Verkehr ignorierend von ihrem Mustang das Verdeck ab. Der Sonnenuntergang tauchte es in seine Farben als sie beobachtete wie die Abenddämmerung im Osten die Lichter angehen ließ während die letzten Strahlen über dem Highway fielen.

Es roch nach Regen und sie fröstelte als eine kühle Brise über ihren Arm wehte den sie auf die runtergekurbelte Seitenscheibe gelegt hatte.

Es war angenehm, und nun kamen die Tränen und sie ließ sie an ihrem Gesicht herunterrollen während ein Hauch von Karibischer Musik zu ihr wehte.

Sie saß da bis der Himmel sich verdunkelt hatte und die orangenen Phosphorlichter angingen, die den Highway in ein unwirkliches Licht tauchten und dabei die Sterne verblassen ließen. Dann ließ sie wiederwillig den Motor an und ordnete sich in den Verkehr ein, einen Augenblick war sie unschlüssig welche Abfahrt sie nehmen sollte, einige Minuten später hatte sie eine Entscheidung getroffen und bog dann in Richtung Osten ab.

Die Lichter verblassten als sie zur Rickenbacker Chauseway fuhr, den Virginia Key kreuzte und das Old Dinner Key Auditorium hinter sich ließ. Letztes Jahr hatte sie hier eine Ostermesse während der Morgendämmerung besucht, sie hatte liebevolle Erinnerungen an die aufsteigende Sonne und die frische Frühlingsluft die ihr eine neue Bedeutung über den Feiertag vermittelt hatten.

Sie fuhr weiter über die zweite große Brücke nach Key Biscayne, die erste Insel einer langen Kette welche Floridas Küstenlinie umsäumten, und dann weiter hinunter zur letzten, Key West, welche der südlichste Punkt der Vereinigten Staaten war. Hier draußen war sogar die Ökologie anders und Kerry mochte den Strand vom Crandon Park, wo sie nun ihren Wagen abstellte und ausstieg.

Der Sand war weich und knirschte leise unter ihren Schuhen während sie an den Seetrauben, die im Abendwind raschelten, vorbeiging und zum Wasser stapfte. Der Ozean rauschte leise als er über das Ufer lief, und die Küstenbrise wehte einen scharfen Salzgeruch zu ihrer Nase als sie eine verwitterte Bank fand und sich darauf fallen ließ.

Es war hier so andersartig. Sie seufzte und nahm einen tiefen Atemzug von der schweren Luft. Sie konnte die zartweißen Schaumkronen der Brecher über der Sandbank direkt an der Küste, und die blinkenden Lichter der Schiffe, die in den Hafen fuhren sehen. Im Norden grenzte ein grün- und rotbeleuchteter Pfad den Kanal ab, und gerade in diesem Augenblick glitt würdevoll ein Kreuzfahrschiff wie ein hell erleuchtetes Schloss über die Wellen. Hier gab es so verschiedenartige Menschen und Gesinnungen... Sie mögen die Kultur nicht? Gedulden sie sich einen Augenblick, war der Spruch der Einheimischen. Es war eine Mischung aus karibischen und südamerikanischen Einheimischen und Einwanderern, exotischer und ursprünglichster Süden. Sie konnte in der Entfernung von einer Stunde Fahrt, ein Western Rodeo, ein Indianerreservat, Little Havanna, Little Haiti, Old Florida oder das glitzernde Miami Beach besuchen.

Es war so anders. So viel offener und toleranter als die abgeschlossene Welt in der sie aufgewachsen war.

Ihre Finger rieben teilnahmslos große Sandkörner über das Holz als die salzhaltige Luft ihre Haut fühlbar trocknete. Nach vorne gebeugt starrte sie zwischen ihre Füße und hob eine braun-weiß gesprenkelte Muschel auf, sie fühlte sich gut in ihrer Hand an während sie mit ihren Fingerspitzen über die feinen Rillen fuhr.

Vielleicht konnte sie einen anderen Job finden. Wer weiß... Wenn sie es umgehend tat, konnte sie sagen, dass sie es mit Absicht getan hätte, und bis ihre Eltern herausgefunden hätten was wirklich geschehen war, hätte sie bereits eine neue Position eingenommen. Vielleicht konnte sie sogar etwas besseres finden als bisher. Robert würde ihr eine exzellente Empfehlung schreiben, und Susan hatte einen Personal-Managementfachmann erwähnt, mit dem sie wirklich zufrieden war.

In Ordnung. Aber zuerst musste sie den Montag überstehen, und sie hatte keine Illusionen, dass Ms. Cruella die Hexe, ihnen auf irgendeine Weise helfen würde... wahrscheinlich würde sie morgens diese Goon-Mannschaft vorfinden, um sicherzustellen, dass sie keine Bleistifte auf dem Weg nach draußen mitnahmen.

Sie fühlte sich sehr einsam als sie sich an die optimistischen Stimmen ihrer Freunde erinnerte. Sie hoffte, dass sie ihr dafür vergeben würden, dass sie ihre Hoffnungen geweckt hatte, und nun nicht fähig war ihr eigenes Versprechen zu halten. Dieser letzte Plan hätte auch funktioniert... trotz der Einschnitte. Tatsächlich wären es einundfünfzig Leute gewesen. Aber einhundertzweiundsiebzig hätten bleiben und weiter arbeiten können... sie hatte überall Abstriche gemacht, einschließlich der Ausbildung und den Büromöbeln, den Zuschüssen und den voraussichtlichen Gehaltserhöhungen, der neuen Telefonanlage die sie geplant hatten, und die Subventionierung eines Imbissautomaten. Es wäre eng geworden und nicht so komfortabel wie es war, aber...

Aber.

Kerry warf eine Muschel in die Luft und sah zu wie sie in den dichten, cremefarbenen Sand fiel. Alles war umsonst. Sie ging an den Rand des Wassers, ließ die überschwappenden Wellen über ihre Schuhspitzen laufen und starrte auf den unbewegten Atlantik bis ein dicker Regentropfen auf ihren Arm fiel. Seufzend drehte sie sich um und machte sich auf den Rückweg zu ihrem Wagen, als sie ihn erreichte schlug ihr der Geruch von feuchtem, erhitzten Asphalt entgegen.

Sie hatte die Uferstraße schon hinter sich gelassen und war auf dem Highway, bevor ihr Blick auf die Benzinanzeige fiel. Sie fluchte leise als das rote Licht erbarmungslos blinkte und sie sah sich nach der nächstgelegenen Ausfahrt um. "Verdammt."

Northeast 2nd Street war die nächste Abfahrt, an der Ausfahrt angekommen bog sie nach links ab und fuhr die ruhigen, unheimlichen Strassen am Stadtrand entlang. Als sie an der nächsten Ampel anhalten musste fing der Motor an zu stottern. Sie sah sich um, dann wurde die Ampel grün und sie fuhr sie weiter, aber der Motor stotterte wieder und gab dann seinen Geist ganz auf, und trotz der ausgefallenen Servolenkung schaffte sie es den Wagen an den Straßenrand zu manövrieren.

"Das ist einfach nicht mein Tag heute." Seufzte sie, als sie ihren Kopf gegen das Lenkrad legte und zuhörte wie der Regen auf das Verdeck ihres Kabrios trommelte. Draußen rannten dunkle Gestalten herum, die Schutz unter den überstehenden Eingängen der ruhigen Gebäude suchten, deren Beschäftigte nach Hause gegangen waren. Zu ihrer Rechten zeichnete sich der Highway ab und sie konnte den Verkehr vorbeirauschen hören die die Stadt seinen vorübergehenden Nachtbewohnern überließen.

Sie überlegte wo sie war und realisierte, dass es innerhalb mehrerer Meilen keine Tankstelle gab, und wenn sie die nächstgelegene erreichen wollte bedeutete dies, dass sie durch den Regen über den Highway oder durch das Geschäftsviertel gehen musste, was für eine Frau nachts alleine, nicht gerade die Beste Wahl war.

Eine andere Sache machte ihr zu schaffen. Sie hatte das Büro ohne ihre Aktenmappe verlassen, was bedeutete, dass sie ihre Brieftasche mit allen Ausweisen, ihrer Kreditkarte und die ATM-Karte nicht dabei hatte. Sie kramte in ihrem Handschuhfach und entdeckte, dass sie genau drei Dollar und sechzehn Cent hatte, was für genug Benzin reichen würde um ins Büro zurückzukommen, aber es war nicht genug für ein Taxi zur Tankstelle, und ihr Adressbuch mit allen Telefonnummern einschließlich der vom Automobilclub lag auf ihrem Schreibtisch.

Sie atmete aus und zog dann ihr Handy heraus. Ein Versuch Colleen zu Hause anzurufen schlug fehl, und bei zwei oder drei Kollegen von den sie die Nummer aus dem Kopf wußte war es das gleiche. Natürlich... es war Freitag Nacht. Sie waren alle unterwegs.

Sie blickte entrüstet das Telefon an, dann entdeckte sie das Stück Papier das unter dem Clip klemmte. Sie zog es heraus und starrte auf die Nummer, dann ließ sie es auf den Beifahrersitz fallen. Sie trommelte mit ihren Fingern auf das Armaturenbrett, lehnte sich dann nach vorne und spähte durch den Regen zu mehreren dunklen Gestalten, die dort standen und sie scheinbar beobachteten.

Ihre Augen gingen wieder zu dem Zettel und sie hob ihn auf. "Nun, das Miststück schuldet mir zumindest einen Anruf beim Auto-Club." Murmelte sie, dann wählte sie die Nummer. "Ich werde ihren Handlanger anrufen und ihm sagen, dass er mir ein paar Liter Benzin herschickt."

Es läutete viermal und sie hätte beinahe aufgelegt, bevor das Klingeln stoppte und ein Knistern anzeigte, dass die Leitung offen war. "Hallo." Die leise Stimme war beinahe nicht zu erkennen.

Erschrocken zögerte Kerry und räusperte sich dann. Oh verdammt... warum habe ich nur nicht damit gerechnet, dass es ihre Nummer sein könnte? "Hi... ähm... nichts für ungut." Unfähig eine Frau um Hilfe zu bitten, der sie vor anderthalb Stunden die Meinung gesagt hatte, trennte sie die Verbindung.

Der Regen prasselte härter und beinahe hätte sie den leisen Ton ihres Telefons überhört. Überrascht blickte sie es an und drückte die Sprechtaste. "Hallo?"

"Ms. Stuart?" Dar's Stimme war nun vertrauter und enthielt einen kühlen befragenden Ton. "Kann ich etwas für sie tun?"

Nun gut. Kerry seufzte. Zumindest schimpft sie mich nicht aus. "Dies ist eine blöde Situation, und ich... nun, ich wusste wirklich nicht, dass es ihre Nummer war... ich suchte nur nach jemanden der für mich einen Anruf tätigen kann. Ich bin... ich habe mein Telefonbuch nicht bei mir." Es war so peinlich.

Am anderen Ende herrschte vorübergehend Schweigen. "Also... wie ist die Nummer?"

Kerry zögerte. "Nun, ich kann nicht... das Problem ist, dass ich sie nicht weiß... ich habe einige Schwierigkeiten und brauche den Auto-Club." Sie biss in den sauren Apfel und fuhr fort. "Sehen sie... ich habe kein Benzin mehr, und brauche nur jemanden der mir ein paar Liter Benzin bringt damit ich ins Büro zurück fahren kann."

"Oh." Dar schien darüber nachzudenken. "Wo sind sie?"

Kerry erzählte es ihr.

"Das ist keine gute Gegend." Bemerkte die Geschäftsführerin.

"Ich weiss." Antwortete die blonde Frau. "Im Moment ist es recht gruselig." Sie hielt inne. "Danke, dass sie nicht gleich aufgelegt haben."

Es folgte ein weiteres ausgiebiges Schweigen. "Bis ich am Montag meine Arbeitsliste bearbeitet habe, sind sie immer noch meine Angestellte. Sie benutzten meine Geschäftsnummer. Sie haben jetzt ein Problem und gute Gründe für eine richtig große Klage."

Kerry fehlten die Worte. "Wa... warum nehmen sie an, dass ich das tun würde."

"Sie nehmen von mir ja auch das Schlimmste an, ich dachte, dass ich das Kompliment zurückgeben sollte." Antwortete Dar. "Bleiben sie dran, ich suche die Nummer heraus." Im Hintergrund war kaum hörbar der Ton eines zweiten Telefons zu hören.

Kerry war zu müde um wütend zu werden. "In Ordnung. Danke, dass sie den Anruf für mich machen." Antwortete sie leise. Ihr Auge fing eine Bewegung und sie blickte aus der leicht beschlagenen Windschutzscheibe. "Ähm." Die Gruppe dunkler Gestalten hatte ihre Position verändert und war nun direkt vor ihr. "Vielleicht sollten sie stattdessen besser die Polizei anrufen."

"Warum?" Dar's Stimme verschärfte sich.

"Oh... mein Gott..." Kerry duckte sich, als das Schlagholz auf die Windschutzscheibe auftraf und Glas auf ihren Körper verstreute. Hände schnappten nach ihr und ergriffen sie während ihr Handy aus ihrer Hand gerissen wurde. Als sie sich wehrte, hörte sie spanische Flüche und keuchte als Finger ihren Oberarm ergriffen und sie zu der zersplitterten Scheibe zerrten. Ihr Shirt zeriss und sie fühlte den Regen auf der nackten Haut ihrer Brust, dann ergriffen grausame Finger nach dem Riemen ihres BH's und zogen daran.

Eine Hand schlang sich in ihr Haar und zog heftig daran, wodurch sie gezwungen wurde das Lenkrad loszulassen, an dem sie sich mit einem Todesgriff festgehalten hatte, während das Wasser nun durch die offene Scheibe prasselte und sie konnte den Geruch von Schmutz, Alkohol und altem schalen Knoblauch riechen.

Das Prasseln des Regens wurde lauter und sie wehrte sich gegen die Hände, gebrochenes Glas kratzte über ihren Körper als plötzlich Lichtblitze die Szene erhellten. Sie hörte ein Knirschen, dann einen Schrei und eine Hand löste den Griff. Sie wehrte sich verzweifelt gegen die andere als sie ein seltsam knackendes Geräusch hörte, dann waren die Hände verschwunden und sie keuchte vor Schreck, während sie sich wie ein Ball auf dem Vordersitz zusammenrollte und den Kopf mit ihren Armen bedeckte.

Dann traf Licht auf ihre geschlossenen Augen und sie hörte wie sich jemand an der Beifahrertür zu schaffen machte. Als die Tür geöffnet wurde drang ein Windstoss und Regen herein und sie presste sich tiefer in den Sitz, dabei biss sie so fest auf ihre Lippe bis sie Blut in ihrem Mund schmeckte.

Eine Hand berührte ihren Arm. Es war ein sanfter Griff, nicht fest zupackend. "Hey."

Kerry fühlte wie sie einen Schock bekam und hob ihren Kopf, als sie ihre Augen öffnete sah sie in hellblaue Augen, die sie, umrissen von dem Licht einer grellen Taschenlampe, anblickten. "Oh... sie sind das."

Dar blinzelte und zog ihre Hand zurück. "Ja, ich bin's."

"Wo..." Kerry blickte sich, auf der Suche nach ihren Angreifern, ängstlich um. "Wo sind sie..."

"Sie sind abgehauen." Antwortete Dar leise. "Ich vermute sie dachten wohl, dass ich die Kavallerie oder etwas ähnlich verrücktes wäre."

Die blonde Frau flüsterte schaudernd. "Oh mein Gott." Sie richtete sich vorsichtig auf, hob ein Stück der zerbrochenen Windschutzscheibe auf und ließ es wieder fallen. "Ein perfektes Ende für einen perfekten Tag." Murmelte sie völlig erschöpft. "Aber danke... dass sie gekommen sind und sie verscheucht haben."

Außerhalb Kerry's Sicht, spannte Dar ihre Hand an und zuckte bei dem Schmerz zusammen. "Kein Problem." Sie schaute auf das Wetter und dann auf die zusammengesunkene Gestalt vor ihr. Ein Teil von ihr wusste, dass sie einfach gehen, und diese Frau, die sie hasste, ihren eigenen Problemen überlassen sollte.

Seufzend ergab sie sich dem andren Teil, der davon nichts hören wollte. "In Ordnung... kommen sie und steigen in meinen Wagen... ich werde die Cops anrufen." Sie wartete darauf, dass Kerry protestierend ihren Mund öffnete, und hob eine Hand hoch als diese es tat. "Hören sie, ich werde nur warten bis die Polizei hier ist, dann werde ich aus ihrem Blickfeld verschwunden sein... ich weiß, dass ich im Augenblick nicht gerade ihre Lieblingsperson bin."

"Tun sie das nicht." Kerry legte eine Hand auf ihren Arm. "Bitte, rufen sie keine Polizei." Sie fuhr mit ihren Fingern durch ihr feuchtes Haar. "Ich habe einen Freund der das reparieren kann... ich will die Berichte und das alles nicht." Sie wollte auf keinen Fall, dass ihr Vater etwas davon erfuhr, und sie wusste dass er eine Menge Freunde in der Polizeidirektion hatte, die ihre Augen nach solchen Dingen offen hielten.

Dar betrachtete die blassen Finger, die sich um ihr Handgelenk geschlossen hatten, dann blickte sie Kerry leicht verwirrt ins Gesicht. "In Ordnung." Sie starrte die kleinere Frau an. "Sie müssen aber diese Schnitte behandeln lassen."

Kerry blickte müde auf ihre Arme. "Ich werde mich darum kümmern." Unsicher zog sie die Fetzen ihres Shirts um sich herum und blickte zu Dar auf. "Ich denke, ich brauche nur ein paar Liter Benzin."

Die große, dunkelhaarige Frau starrte sie für einen Augenblick nachdenklich an, dann schüttelte leicht ihren Kopf. "Ich habe einen besseren Vorschlag." Verkündete sie. "Ich werde ihren Wagen abschleppen, und dahin bringen lassen wohin sie ihn haben wollen, und ich werde sie nach Hause fahren."

"Das kann ich nicht annehmen." Antwortete die Blonde leise. "Aber danke für ihr Angebot."

"Sie haben mich um nichts gebeten, und ich mache ihnen kein Angebot." Antwortete Dar. "Sie brauchen Hilfe, und ich bestehe darauf." Sie zog ihr Handy aus ihrer Gesäßtasche, klappte es auf und wählte aus dem Gedächtnis eine Nummer. "John?" Erkundigte sie sich als sich eine Stimme meldete. "Ich brauch einen Abschleppwagen. Hier ist Dar."

Eine lange Pause. "Nein, diesmal bin nicht ich es. Northeast 2nd und Flagler... ein waldgrünes Mustang-Cabriolet." Eine weitere Pause. "Bleib dran." Sie blickte zu Kerry. "Wo soll er hingebracht werden?"

Kerry debattierte herum, dann gab sie auf und nannte ihre Adresse, welche Dar gewissenhaft weitergab. "Klebt die Seitenscheibe auf der Beifahrerseite ab, sie ist gesplittert." Fügte sie hinzu und trennte dann die Verbindung. "Okay, lassen sie uns gehen."

Ein Seufzer. "Sie akzeptieren kein Nein als Antwort, oder?"

"Also nein, für gewöhnlich tue ich das nicht." Erzählte ihr die größere Frau knapp. "Kommen sie." Sie schob sich aus der Beifahrertür und wartete auf Kerry, die vorsichtig auf der Fahrerseite auftauchte, sie zuckte zusammen als der Regen auf sie niederprasselte und keuchte als sie ihr linkes Bein belastete. "Autsch."

Dar stöhnte und ging zum Lexus hinüber, der vorschriftswidrig vor dem Mustang geparkt war und dessen Scheinwerfer die Szene beleuchtete. Sie öffnete die Tür und bugsierte Kerry in den Wagen, schloss sorgfältig die Tür hinter ihr, und ging dann um den Wagen, um auf der anderen Seite einzusteigen.

Mit einem gejagten Blick auf ihrem blassen Gesicht, hatte sich Kerry mit umschlungenen Armen gegen die Tür gedrückt. Sie zupfte gedankenlos an den zerrissenen Teilen ihres Shirts.

"Hier." Dar griff hinter sich und zog ein dunkelblaues Sweatshirt hervor, das sie der jüngeren Frau reichte. "Ziehen sie das an... die Luft hier drin ist ein wenig kühl."

Die Blonde starrte das Shirt an. "Nein... es ist okay." Sie lehnte sich leicht zurück.

"Hören sie... vergessen sie für ungefähr fünfundvierzig Minuten, dass sie mich wie die Pest hassen, danach ist alles vorbei, in Ordnung?" Murrte Dar, deren Temperament durch die gestresste Situation kurz vorm überkochen war.

Hellgrüne Augen blickten sie an. "Ich hasse sie nicht." Kerry nahm vorsichtig das Shirt. "Ich kann es nicht..." Sie fuhr fort als Dar schwieg. "Ich weiß, dass ich es sollte, aber aus irgendeinem Grund kann ich es nicht." Wie betäubt zog sie das Sweatshirt über ihren Kopf und strich es glatt. Quer über das Shirt war in goldenen Buchstaben das Wort Navy gestickt und duftete leicht nach Dar's Parfüm.

Es fühlte sich seltsam tröstend an.

Dar startete schweigend den Wagen und zog ihn vom Bordstein weg.

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Kerry ging langsam, immer noch leicht benommen, in ihr Büro. Als sie auf den Highway fuhren, hatte sie sich daran erinnert, dass sie noch all ihre Sachen im Büro hatte, also hatte Dar ohne etwas zu sagen genickt und war zu ihrem Büro gefahren.

Als die große, dunkelhaarige Frau nun hinter ihr eintrat, bemerkte Kerry zum ersten Mal, dass sie mit Sicherheit nicht eines ihrer majestätischen Kostüme anhatte. Regennasse Jeans in denen ein abgeschnittenes Sweatshirt steckte und hohe Turnschuhe, zeichneten ein völlig anderes Bild als jenes das sie in Erinnerung hatte.

Zum einen sah sie darin viel jünger aus und zum anderen bemerkte Kerry plötzlich, dass die Geschäftsführerin nicht viel älter als sie sein konnte. Ihre gebräunte Haut schien das Licht zu absorbieren und die erbarmungslos fluoreszierende Beleuchtung enthüllte gut proportionierte Muskeln an ihren Armen und Schultern, die sich leicht bewegten als sie im Büro herumging.

Dar's Augen hielten am Schreibtisch und sie betrachtete die Papierstapel die darauf verstreut waren. Ein reuevoller Blick trat auf ihr Gesicht und sie hob ihren Kopf um Kerry anzusehen. "Ich weiß, dass sie eine Menge Arbeit da reingesteckt haben."

Kerry setzte sich auf den Rand ihres Schreibtisches und blätterte durch einen Ausdruck. "Ich wünschte, ich hätte es nicht getan... ich hatte das Gefühl so nah dran zu sein..." Sie ließ die Papiere fallen und schaute auf. "Warum?"

Dar setzte sich auf den Stuhl neben ihr und legte ihre Unterarme auf ihre Schenkel. "Es ist kompliziert." Antwortete sie leise. "Eine Menge Dinge... wollten nicht zusammenpassen, und ich brauchte die Zahlen." Sie rutschte hin und her. "Es war die letzte Möglichkeit." Sie griff hinüber und stieß den Bericht an. "Zum Schluss kam noch ein Stapel Berichte herein und es blieb mir keine andere Wahl."

Kerry ging um ihren Schreibtisch herum und während sie sich hinsetzte schob sie die sehr langen Ärmel des Sweatshirts zurück. "Also... sind wir einfach zu Zahlen geworden." Bemerkte sie leise. "Ich glaube nicht, dass ich das ganz verstehe."

Ein Schulterzucken. "Das sind wir doch alle."

"Mm." Murmelte die blonde Frau. "Sogar sie?"

Dar nickte müde. "Wenn es irgendein Trost für sie ist, es tut mir sehr leid."

Kerry blickte sie nachdenklich an. Sie schien nicht mehr die eiskalte, praktische Geschäftsführerin zu sein. Dies war ein Mensch. Einer mit dem man unter anderen Umständen... "Mir auch." Antwortete sie. "Ich werde vermutlich wieder zu Hause landen... ich werde eine Menge Dinge hier vermissen."

Die dunkelhaarige Frau schaute auf. "Es gibt andere Jobs hier... wenn sie möchten könnten wir auch etwas für sie haben..."

Kerry schüttelte ihren Kopf. "Nein." Sie sah Dar's verwirrten Gesichtsausdruck. "Es ist kompliziert." Sie spielte nervös mit einem Bleistift, den sie immer wieder in ihren Fingern drehte. "Wissen sie... es ist wirklich zu schade, Ms. Roberts... weil ich denke, dass sie und ich an einem anderen Ort... zu einer anderen Zeit... Freunde hätten werden können." Sie blickte bedauernd nach oben und wurde von blauen Augen gefangengenommen, die das völlig unerwartete zu verarbeiten hatten.

Aber es dauerte nur einen Augenblick, dann seufzte Dar und stand auf. "Vielleicht." Sie fuhr mit einer Hand durch ihr dunkles Haar. "Aber jetzt sollten wir sie nach Hause bringen." Erklärte die Geschäftsführerin. "Ich muss in mein Büro zurück und meine Sachen fertig machen."

Kerry spielte mit ihrem Bleistift und bis kurz auf den Radiergummi bevor sie aufblickte. "Kann ich mitkommen und einen Blick auf ihre Zahlen werfen?"

Es war... ungeheuerlich. Es war indiskutabel, vollkommen unangebracht und jenseits jeglichen guten Geschäftsgebarens. Sie war erschöpft, sie waren beide durchnässt, Kerry war verletzt... es war spät... es war wahnsinnig überhaupt daran zu denken.

"Sicher." Dar war sich nicht sicher ob es überhaupt ihre Stimme war. Was zur Hölle dachte sie sich dabei? Dann dachte sie darüber nach. Nun, was könnte es schaden? Das Kind war scharfsinnig, und vielleicht könnten ein paar frische Ansichten... "Ich habe dort Verbandszeug für diese Schnitte."

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Kerry ließ sich in den Ledersitz zurückfallen und weigerte sich darüber nachzudenken was sie gerade tat. Dadurch hatte sie die Muße den Regen zu betrachten der gegen die Windschutzscheibe prasselte, als sie quer durch die Stadt fuhren und hörte der sanften Musik zu, die Dar ausgewählt hatte.

Ihre Schnitte taten weh, aber sie waren nicht so schlimm und ihr Knie schien nur verzerrt zu sein. Es war nicht so unangenehm wenn sie saß, obwohl sie vermutete, dass sie für einige Tage hinken würde. Okay. Also... sie überlebte einen Überfall. Ihre Augen glitten zur Seite und betrachteten das markante Profil ihrer heutigen Retterin. Was Dar Robert's rechtzeitigem Eingreifen zu verdanken war.

Die größere Frau veränderte ihren Griff am Lenkrad während sie nach links blickte als sie die Spur wechselte, und Kerry bemerkte eine schlimme Prellung über ihren Fingerknöcheln. Eine hatte sogar einen Kratzer und in dem gedämpften Licht des Armaturenbrettes konnte man getrocknetes Blut sehen. "Was ist mit ihrer Hand geschehen?"

Dar schaute hinunter, dann wandte sie ihre Augen wieder auf die Strasse. "Ich bin gegen etwas gestoßen." Antwortete sie abwesend.

Kerry blickte auf ihre eigene Hand, die von ihrem vorherigen Kontakt mit der Wand geprellt war, und hob eine Augenbraue bei der Ähnlichkeit der Verletzungen. Hmm. Sie vermutete, dass sie noch schockiert sein könnte... und vielleicht war sie es, aber sie konnte fühlen wie ihr natürlicher Optimismus zurückkam und war ein wenig überrascht wie wohl sie sich hier mit dieser rätselhaften Dar fühlte.

Jedoch wusste sie, dass ihr Körper mit Adrenalin vollgepumpt war und sie hoffte, dass sie zu Hause in ihrem Bett war, wenn ihr die volle Tragweite bewusst wurde. Sie hatte die letzte Nacht nur einige Stunden geschlafen, weil sie an dem Bericht gearbeitet hatte, und die langen Stunden der Arbeit fingen an sich bemerkbar zu machen.

Ein weiterer Blick auf Dar's Profil und sie fragte sich, ob die ältere Frau das gleiche Problem hatte. Soweit sie es bei dem trüben Licht sehen konnte, hatte sie Schatten unter ihren Augen, und sie blinzelte oft, etwas das Kerry tat wenn sie sehr müde war. "Ich denke, sie haben auch sehr hart an dieser Sache gearbeitet, wie?"

Blaue Augen schnellten zu ihrem Gesicht. "Ja, es ist eine lange Woche gewesen." Dar steuerte den Lexus zu einem Parkplatz des Gesellschaftshauptgebäudes, und parkte ohne die Parkabgrenzungen zu berücksichtigen unter dem Vorbau des Einganges. Sie stieg aus und winkte dem Sicherheitswachmann als er auf sie zukam. "Ich bin's nur, Jack."

Der Mann winkte zurück und ging wieder aus dem Regen in seine trockene Wachstation. Dar warte auf Kerry, dann führte sie sie in das Gebäude und am Eingang zog sie in einer geschmeidigen Bewegung ihre Sicherheitskarte durch das Schloss.

Als sie die Eingangshalle betraten kippte Kerry ihren Kopf zurück und schaute zu dem Atrium hoch, das über die ganze Länge des Gebäudes reichte. "Oh Mann." Sie zog das Sweatshirt enger um sich und war froh über seine Wärme als die kalte Luft sie traf. "Das ist... ähm..." sie versuchte eine politisch korrekte Beschreibung zu finden. " Ähm... es ist..."

"Überheblich." Kommentierte Dar sarkastisch als sie den Fahrstuhl aufschloss. "Das soll es auch sein." Sie hielt für ihre kleinere Begleiterin die Tür auf, wartete bis sich die Tür schloss und drückte dann auf die vierzehnte Etage, als der Fahrstuhl sich hupend beschwerte schob sie ihre Karte in den Leser. "Gewöhnliche Sterbliche sollen in der Eingangshalle vor Ehrfurcht erstarren."

Kerry lehnte sich gegen die Wand und unterdrückte ein Gähnen. "Sein sie vorsichtig, Ms. Roberts." Warnte sie. "Wenn sie so weitermachen könnte ich glauben, dass sie einen Sinn für Humor haben."

Dar blickte sie an, dann verzogen sich ihre Lippen langsam zu einem hauchdünnen Grinsen. "Tut mir leid." Widersprach sie. "Den verliert man, wenn man seine Schlüsselkarte bekommt." Sie hielt besagten Gegenstand hoch, dann zeigte sie Kerry an vor ihr herzugehen als der Fahrstuhl seinen Bestimmungsort erreicht hatte.

Dar's Büro war durch ihren 21" Monitor und die kleine Schreibtischlampe, bei deren Licht sie nachts gewöhnlich arbeitete, schwach beleuchtet. Ihr Bildschirmschoner war an und Jungeltiere durchstreiften den dunklen Untergrund mit leisen Tönen. Als sie auf den Schreibtisch zugingen schrie leise ein Brüllaffe, Dar griff hinüber, gab ihrem Trackball einen Stoss und auf dem Monitor erschien das Arbeitsblatt an dem sie vorher gearbeitet hatte. "Sehen sie sich das an." Bot sie an. "Ich werde etwas Verbandszeug holen... möchten sie einen Kaffee?"

Kerry setzte sich auf den Rand von Dar's sehr bequemen Ledersessel und schaute sich um. "So... lebt also die andere Hälfte, wie?"Murmelte sie, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit zu der dunkelhaarigen Frau. " Ähm... wo kriegen sie um diese Uhrzeit einen Kaffee her?"

Dar blickte sie an. "Aus der Küche. Ja oder nein?"

Eine blonde Augenbraue zog sich in die Höhe. "Sie haben eine Küche hier? Lassen sie mich raten... da gibt es einen Mikroprozessor der das alles für sie kocht, richtig?" Sie sah wie sich Dar's Lippen wieder verzogen und lächelte selber. "Okay... okay... sicher. Ich hätte gerne etwas Kaffee."

"Sahne und Zucker?"

Kerry seufzte. "Wenn ich brav wäre müsste ich zu beidem nein sagen, aber..."

Dar schnaufte und ging.

Die blonde Frau wandte ihre Aufmerksamkeit auf den Monitor, vorher aber schaute sie sich verwundert in dem großen Büro um. Der Schreibtisch war aus Ebenholz und auf seiner Oberfläche stapelten sich, genau wie bei ihr, die Berichte. Der dicke Teppich war burgunderfarben und auf der rechten Seite stand eine lange niedrige Couch. Die ganze hintere Wand war aus Glas und ermöglichte eine Aussicht über die Bucht bis zum Ozean, nun konnte man nur die glitzernden Lichter und die dichten Regenschwaden, die gegen die Scheiben prasselten, sehen.

Es roch nach Holzpolitur und der Wolle des Teppichs mit einem Hauch von Dar's Parfüm.

Das Shirt, dass um ihren Körper gewickelt war, trug diesen Duft auch.

Sie stellte fest, dass sie den Duft mochte.

Einen Augenblick später kam Dar, mit zwei dampfenden Tassen und einem kleinen Verbandskasten, den sie unter ihren Arm geklemmt hatte, zurück. Sie stellte die zwei Tassen vor Kerry ab und setzte sich auf den Rand ihres Schreibtisches, zog ein Bein unter sich und lehnte sich nach vorne um auf den Monitor zu zeigen. "Genau hier ist das Problem." Sie markierte eine Spalte. "Beobachten sie was geschieht, wenn ich ihren Fall mit einbringe." Sie tat es und die Zahlen veränderten sich. "Ich kann das nicht gebrauchen." Eine Fingerspitze deutete auf das letzte Feld.

Kerry nahm einen kleinen Schluck von dem Kaffee, dann starrte sie ihn an. "Was ist das?" Sie leckte ihre Lippen. "Mm."

"Café con leche." Antwortete Dar abwesend. "Kubanischer Milchkaffe mit Zucker."

"Verdammt." Kerry lachte. "Wenn sie ihn mir so serviert hätten, dann hätte ich ihn öfter getrunken."

Sie verbrachten eine Stunde damit die verschiedenen Ansätze durchzugehen, und Kerry verstand nun viel besser was Dar versuchte zu bewerkstelligen. "Oh... Gott... sie müssen dies alles als Unkosten verzeichnen?" Sie deutete auf ihren Abschnitt. "Aber sie können wegen der letzten Daten nichts davon als Gewinn verbuchen?"

"Richtig." Seufzte Dar und biss auf den Rand ihrer Tasse.

Kerry lehnte sich benommen zurück. "Aber das ist nicht fair!" Protestierte sie.

Die größere Frau rieb einen Moment ihre geschlossenen Augen. "Ich weiß. Aber so sind die Regeln." Stimmte sie müde zu.

"Was geschieht, wenn sie diese Zahl nicht verändern?" Kerry zeigte auf das letzte Feld.

Dar starrte blinzelnd auf den Monitor. "Nun... wir haben kein beständiges Wachstum... und die Aktionäre gehen in die Luft. Das bedeutet, dass wir strenge Maßnahmen ergreifen müssen, und dass... bedeutet für gewöhnlich, dass ein paar Leute entlassen werden."

Kerry dachte darüber nach. "Wie viele Leute wären das?"

"Zwischen Fünf- und Siebentausend." Antwortete die Geschäftsführerin leise.

Grüne Augen blickten zu ihr auf. "Einfach so?"

Dar nickte.

Kerry verarbeitete das. "Also nehme ich an, dass meine popligen 230 Leute nicht so ins Gewicht fallen." Bemerkte sie leise, während sie zu Dar aufblickte. "Nichts persönliches, richtig?"

Dar's Lippen verzogen sich und sie schaute nach unten. "Gewöhnlich, ja." Gab sie zu. "Man verschwendet keine Ressourcen, aber..." Eine nackte Schulter zuckte. "Manchmal muss man tun was man tun muss."

Kerry betrachtete den Bildschirm während sie durch die zwölf anderen Szenarien blätterte, an denen Dar gearbeitet hatte. Alle bis auf eine schlossen ihre Lösungsvorschläge ein. Sie legte ihre Hand auf Dar's Knie und betrachtete forschend das Gesicht der älteren Frau. "Ich hatte es nicht verstanden." Sagte sie leise. "Und ich verstehe es immer noch nicht richtig... aber danke, dass sie es versucht haben."

Dar blickte auf ihre Uhr. "23:30 Uhr. Ich muss das bis Mitternacht aktualisieren." Sie starrte auf den Bildschirm. "Verdammt... ich wünschte ich könnte einfach..." Sie fuhr mit ihrem Finger über eine Spalte. "Einen Weg finden dies hier in ein Plus zu verwandeln."

"Mm." Kerry begutachtete den Bereich. "So wie mit dieser Gruppe aus Miami... weil sie von außerhalb Aufträge annehmen, können sie die Kosten ausgleichen."

Dar erstarrte, nur ihre hellblauen Augen schossen über den großen Bildschirm. "Merde." Flüsterte sie. "Beherrschen ihre Leute den Internet Support? TCP/IP?"

Kerry starrte sie an. "Uh... ähm... was, klar, natürlich... die ganze Support-Abteilung läuft über Intranet... wir haben drei ständig anwesende Webmaster... aber was..." Sie stöhnte und machte schnell Platz als Dar in ihren Sessel tauchte und mit ihren Fingern über die Tastatur raste, dass die Tasten klapperten.

"Scheißkerl... Scheißkerl..." Fluchte die Geschäftsführerin leise. "Wo bist du... ah." Sie forderte eine andere Datei an und überflog den Inhalt. "Alles klar." Eine Hand griff hinüber und tippte eine Reihe von Zahlen in das Telefon. Es klingelte dreimal, dann antwortete eine Stimme. "Hallo Peter."

Eisiges Schweigen. "Was zur Hölle wollen sie?"

"Ich werde diese zwei zusätzlichen Verträge nehmen." Informierte ihn Dar. "Machen sie sich nicht die Mühe zu protestieren. Gute Nacht." Sie legte auf und summte leise, als sie die Projekte neu Kodierte und ihnen eine neue Klassifikation gab. Einige Klicks, dann trommelte sie mit ihren Fingern während sie darauf wartete, dass der Großrechner die Spalten aktualisierte. "Ahhhhh..." Eine Hand griff nach vorne, kopierte den Bereich und fügte ihn in ihr Arbeitsblatt ein. Sie berechnete das Dokument neu, dann lehnte sie sich zurück und lächelte triumphierend.

Kerry betrachtete sie nur verwirrt.

Dar zeigte auf den letzten Bereich. "Ich habe meine Zahlen."

Die blonde Frau studierte das Blatt. "Aber da sind wir mit drin."

"Genau." Stimmte Dar zu. "Sicher sind sie das."

"Wie haben sie das gemacht?" Fragte Kerry, während sie das Lächeln erwiderte, dass sich nun auf dem Gesicht der Geschäftsführerin ausbreitete.

Und nun breiter wurde. "Ich habe fünfzig Prozent ihrer Leute zu einem Profitcenter umgewandelt... und habe ihnen zwei bedeutende Regierungsverträge zugeteilt."

"Wirklich?" Kam die überraschte Antwort. "Können sie das machen?"

Eine dunkle Augenbraue zog sich nach oben. "Ich habe es gerade getan." Dar grinste dann wurde sie wieder nüchtern. "Sie werden immer noch diese Einschnitte machen müssen." Sie bearbeitete noch einmal rasend schnell ihre Tastatur, dann drückte sie den Sendebutton. "Fertig."

Kerry blinzelte. "Aber alle anderen können bleiben?"

Dar nickte. "Ich habe ihre Liste, mit den Leuten die übernommen werden, bekommen... ich glaube sie ist hier..."

"Ich bin nicht darauf." Sagte die Blonde sehr leise.

Dar erstarrte, dann blickte sie sie an. "Was?"

Kerry atmete aus. "Meine Stelle... hätte zwei von ihnen bedeutet... ich konnte nicht noch zwei Stellen streichen." Sie blickte zu Dar auf.

Jemand wie sie, ist viel mehr wert als zwei von denen." Dar hörte wie sie die Worte sagte, und konnte sie nicht mehr zurücknehmen. Ihre Erschöpfung verhinderte es und sie warf beinahe das Telefon herunter als es läutete. "Ja?" Verärgert schlug sie auf die Taste.

"Ich habe gerade das Update bekommen, Dar... eindrucksvoll." Les' fröhliche Stimme rieb an ihrem Gehörgang wie Sand. "Großartige Arbeit... was schulde ich ihnen dafür? Nehmen sie endlich mein Angebot an mein Chalet zu benutzen um endlich mal Urlaub zu machen?"

Dar starrte im frustrierten Schweigen das Telefon an. "Was sie mir schulden?" Fragte sie schließlich. "Ich sag ihnen was ich will. Ich will fünfzig mal, sechs und sechs, und eine Stellenausschreibung."

Les war sprachlos. Sie könnte ihn leicht husten hören. "Wa..."

"Sie haben mich gehört." Beharrte die große Frau. "Kommen sie Les... dieser zweistellige Gewinn steigert die Aktien um zwanzig Prozent. Sie können sich das leisten."

"Nun... sicher, Dar... ich werde die sechs und sechs einrichten... aber für was brauchen sie eine Stellenausschreibung?" Antwortete Les, nachdem er sich schließlich gesammelt hatte.

"Für mich." Antwortete Dar leise. "Ich habe achtundvierzig Stunden ohne Schlaf an dieser Sache gearbeitet, Les... ich kann das nicht ewig so machen. Das bringt mich um. Ich brauche einen Assistenten."

Die Haltung des Mannes veränderte sich sofort. "Nun, warum haben sie das nicht gleich gesagt, sie alter Pirat... Ich versuche nun schon seit Jahren sie dazu zu bringen sich einen Schatten zuzulegen." Der Klang einer Tastatur war deutlich zu hören. "Sie haben mich für eine Minute beunruhigt... bleiben sie dran... warten sie... wie ist ihre Nummer, 54010?"

"Mm." Erwiderte Dar während sie mit dem Füller spielte.

"Fertig." Kicherte Les. "Es ist auf ihrer Arbeitsliste, Baby... jetzt werde ich mir ein Glas Champagner genehmigen... das sollten sie auch tun."

Dar schloss müde ihre Augen. "Sicher, Les." Seufzte sie. "Gute Nacht."

Schweigen ließ sich über dem Büro nieder. Dar behielt weiterhin ihre Augen geschlossen.

"Achtundvierzig Stunden?" Sagte Kerry schließlich ungläubig.

Die dunkelhaarige Frau nickte.

"Das ist wahnsinnig... das ist kein Job, das ist eine Strafe." Stotterte die Blonde.

Dar nickte wieder.

"Sie müssen die beste Arbeitsplatzsicherung der Welt haben, wissen sie das? Niemand mit einem klaren Verstand würde ihren Job haben wollen."

Zum drittenmal ein Nicken. "Sehr wahr." Dar öffnete ihre Augen und blickte die jüngere Frau bedauernd an. "Sind sie bereit nach Hause zu gehen, Ms. Stuart?" Fragte sie leise. "Wir können am Montag über ihren Vertrag verhandeln... ich bin sicher, dass ich sie wieder da rein bringen kann." Sie hielt inne. "Falls sie bleiben wollen."

Kerry saß tief in ihren Gedanken versunken auf dem Rand des Schreibtisches. "Ich weiß es nicht." Antwortete sie ehrlich. "Ich muss darüber nachdenken."

"Ich verstehe." Sagte Dar und zwang sich auf ihre Füße.

"Ms. Roberts?"

"Mm?"

"Was bedeutet sechs und sechs?" Fragte Kerry neugierig.

"Oh." Dar streckte sich um die Verspannung aus ihrem Nacken zu bekommen. "Ein Abfindungspaket für ihre Leute." Seufzte sie. "Sechs Monate Gehalt, und sechs Monate Krankenversicherung." Ihre Augen erforschten Kerry's schockiertes Gesicht. "Das sollte es am Montag ein wenig leichter für sie machen." Sie schritt um ihren Schreibtisch herum und machte sich auf den Weg zur Tür. "Vorwärts... lassen sie uns hier verschwinden."

Kerry folgte benommen der größeren Frau hinaus. Sechs Monate Gehalt? Wenn sie sich entschloss nicht zu bleiben, hätte sie ein halbes Jahr Zeit etwas anderes zu finden... und sechs Monate Krankenversicherung... würde sie absichern bis sie etwas gefunden hätte. Ihre Eltern würden nichts erfahren bis sie eine neue Stelle gefunden hätte.

Ihre Augen studierten den stoffbedeckten Rücken der vor ihr gehenden Frau. Sie dachte darüber nach, was sie für Dar Roberts vor Sonnenuntergang empfunden hatte und wie sie jetzt empfand. Es war ein Gefühl als hätte die Nacht ein halbes Leben gedauert und hatte ihr in einem so kurzen Zeitraum so viel neue Erfahrungen beschert. Sie war durch Verzweiflung, Zorn und Schrecken gegangen... an einem Abend änderte sich frustrierter Hass zu neidvoller Anerkennung.

Wollte sie die Direktorin bei Associated Dynamics bleiben? Sie war dort seit zwei Jahren und fing gerade an bequem zu werden. Die Routine wurde alltäglich... beinahe... langweilig.

Sie vermutete, dass das Leben um Dar Roberts herum nie langweilig werden würde. Und plötzlich wusste sie, wo genau sie sein wollte.

Sie fragte sich noch nicht einmal warum. "Also." Sie trottete hinter der großen Geschäftsführerin her und schloss zu ihr auf als sie die Tür erreichten. "Was genau beinhalten diese anderen Verträge?"

"Oh." Dar stieß die Tür auf. "Sie werden das IRS unterstützen."

Kerry blieb abrupt stehen. "Sie machen Witze."

Hellblaue Augen betrachteten sie. "Das kann nicht sein. Ich habe keinen Sinn für Humor, erinnern sie sich" Antwortete Dar ausdruckslos. "Gute Nacht, Jack." Sie winkte zu der Sicherheitswache. "Ms. Stuart?" Sie hielt die Tür des Lexus auf.

Die blonde Frau schritt neben sie und blickte forschend nach oben. "Könnten sie mich bitte Kerry nennen?" Fragte sie mit einem Lächeln. "Sie klingen sonst wie der Bibliothekar an meinem College."

Dar's Gesichtsausdruck wurde augenblicklich weicher und ein kurzes Lächeln veränderte ihr Gesicht. "Ich dachte, dass nur Freunde sie so nennen." Wandte sie ein.

Kerry rieb ihr Kinn. "Nun, Freunde und Leute die mein Leben gerettet haben. Sie verstehen." Sie fühlte wie sie leicht errötete. "Dafür muss ich eine Ausnahme machen."

"In Ordnung." Stimmte die Geschäftsführerin leise zu. "Aber nur, wenn sie mich Dar nennen."

Kerry lächelte. "Abgemacht." Sie schüttelte kurz ihren Kopf. "Wissen sie, sie kommen mir so bekannt vor... ich wünschte, ich könnte mich erinnern woher ich sie kenne."

"Ja." Stimmte Dar zu. "Ich habe auch das Gefühl... ich glaube, eines Tages wird es uns einfallen."

"Ich nehme es an." Kerry kletterte auf den komfortablen Ledersitz und warte, bis die größere Frau auf der anderen Seite einstiegen war. "Also." Sie faltete die Hände auf ihrem Schoss. "Was muss ihr Assistent machen?"

Dar schoss einen kurzen Blick zu ihr während sie ihre Position veränderte und anfing den Wagen aus dem Parkplatz hinein in den Regen zu steuern. "Ich weiß es nicht... Ich hatte noch nie einen." Sie hielt inne. "Es wird wahrscheinlich eine schwierige, unangenehme, undankbare, wilde Angelegenheit sein."

Kerry rümpfte nachdenklich ihre Nase, dann schnallte sie sich an, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und blickte zur Seite.

Sie bemerkte, dass Dar sie anblickte.

Und sie fuhren in die Nacht hinaus.

 

~~~ ENDE - Kapitel 2 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 3 lesen.

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