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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

Tropical Storm - Kapitel 5

   

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Tropical Storm
by Melissa Good

Kapitel 5

 

Verschwommen realisierte Dar, das es ein Traum sein musste. Sie befand sich auf einem großen, offenen Feld mit dem Zirpen von Grillen um sie herum, und das einzige was noch zu hören war, war das Rauschen des Windes. Kein Verkehrslärm, keine Flugzeuge... nur dieses eindrucksvolle, schöne Schweigen, dass ihre Seele mit Frieden erfüllte.

Sie lag mit geschlossenen Augen da, nahm das Sonnenlicht in sich auf und genoss die weiche, kühle Brise, die die Halme um sie herum bewegte. Sie war nackt, aber das störte sie nicht, und sie konnte das feste, warme Gewicht von einem anderen Menschen fühlen, der über ihr lag und sanft gegen die Haut ihres Halses atmete.

Es war friedlich. Sie war glücklich und zufrieden.

Es war perfekt.

Und so, wie es Träume an sich hatten, verblasste er langsam und erlaubte der realen Welt an sie heranzutreten, und sie gehorchte wiederwillig, schleppte sich in die Gegenwart zurück, die sie zwang ihre Augen zu öffnen und sie sah das sanfte Licht ihrer Uhr neben dem Bett, welche anzeigte, dass es acht Uhr war, und sehr dunkel.

Sie realisierte das es dunkel war, als ihre Ohren das Heulen des Windes und das Prasseln von Regen gegen das Fenster wahrnahmen. Und es war stürmisch. Sie rollte sich langsam auf die Seite, bewegte vorsichtig ihren Kopf und war erleichtert als sie keine Schmerzen hatte. Ihr Mund fühlte sich trocken an, und sie blinzelte zur Decke, dann versteifte sie sich, als ihre unterschwelligen Sinne ihr sagten, dass sie in dem Apartment nicht allein war.

Dann erinnerte sie sich. "Ach ja." Ein abgespanntes, beunruhigtes Stirnrunzeln trat auf ihr Gesicht und trübe erinnerte sie sich an Kerry's liebevolle Berührung als sie einschlief. Aus irgendeinem Grund erinnerte es sie an ihren Traum und verärgert verdrängte sie ihre Gedanken. Ach, beruhige dich, Dar... das Kind hat nur versucht zu helfen... es war ihr wahrscheinlich höllisch unangenehm, also denk daran dich bei ihr zu bedanken.

Sie rollte sich gähnend aus dem Bett, stapfte zum Badezimmer und blinzelte stirnrunzelnd über ihren zerzausten Anblick. Sie fuhr mit ihren Fingern durch ihr Haar um es ein wenig zu ordnen, gab es dann auf und ging leise ins Wohnzimmer wo sie abrupt stehenblieb.

Ein schwaches Lächeln kam über ihre Lippen als sie über Kerry's schlafende Gestalt blickte, die zusammengerollt, mit ihrer Hand auf einem Stapel Papiere liegend, in der Ecke einer Couch lag. Ihr Kopf lag auf der weichgepolsterten Armlehne, und um sich warmzuhalten, hatte sie ihre Jacke über ihre Schultern gelegt. Schlafend hatte sie den offenen und unschuldigen Gesichtsausdruck eines Kindes, und Dar spürte wie sich in ihr eine unwiderstehliche Zuneigung für diese blonde Frau aufbaute. Schweigend ging sie in ihr Schlafzimmer zurück, zog eine weiche Decke aus dem Einbauschrank und kehrte zurück, um sie zärtlich über Kerry's schlafenden Körper zu legen, bevor sie ihren Weg zur Küche fortsetzte.

Das Wetter peitschte gegen die Fenster auf der Seeseite und Dar schaute hinaus, sie war überrascht, zu sehen wie an der gewöhnlich ruhigen Küstenlinie Schaumkronen auf- und abstiegen. Die kaum sichtbaren Bojen schaukelten heftig und warfen ihre roten und grünen Signale stürmisch über die Oberfläche des Ozeans. "Oh ha." Sie langte hinter sich, schaltete den kleinen Fernseher an, der auf dem Schrank stand und zappte schnell durch die Kanäle. "Lass mal sehen... aktuelle lokale Nachrichten... das muss Kanal sieben sein." Sie schaltete dorthin und sah eine Wetterkarte und einen besorgt dreinblickenden Wetteransager mit einem schlecht sitzenden Toupet. "Ach herrje." Sie stellte den Ton etwas lauter.

Das Tief, das im Norden Kubas niedergegangen war, steigt plötzlich an der Meerenge Floridas auf und hat sich intensiviert, ein Hurrikan-Jagdflugzeug von NOAA bestätigt das Zentrum eines tropischen Sturmes.

"Gottverdammter blöder Mist..." Fluchte Dar. "Verdammt, es ist November."

Der nationale Wetterdienst in Miami hat für die gesamte Südküste Floridas, von Cape Sable bis hinunter nach West Palm Beach, Sturmwarnung herausgegeben. Betroffene des Gebietes sollten sich für die nächsten zwölf bis vierundzwanzig Stunden auf einen tropischen Sturm vorbereiten.

"Ach... ist das blöd." Seufzte Dar verbittert. "Ich dachte, das hätten wir dieses Jahr hinter uns." Ein leiser Ton hinter ihr veranlasste sie, sich umzudrehen und sie sah wie Kerry mit der Decke über ihren Schultern und einem verwirrten, etwas besorgten Blick die Küche betrat.

"Was ist los?"

Dar zeigte zum Fernseher. "Ein Tropischer Sturm." Sie atmete aus. "Aus dem Nichts aufgetaucht!"

Kerry schielte zum Fernseher und dann zu ihr hinauf. "Was bedeutet das?"

Eine dunkle Augenbraue hob sich. "Nun... zum einen bedeutet das, dass du hier festsitzt." Sie nahm das Telefon, wählte eine Nummer und wartete mit trommelnden Fingern bis jemand abhob. "Hallo, Rocky... hier ist Dar Roberts... wie sieht's aus?" Sie lauschte. "Das hab' ich mir gedacht. Danke." Sie legte auf. "Jawohl... die Fähren haben für die Dauer des Sturms den Betrieb eingestellt... die Boote werden nur eingesetzt, wenn Leute wegen eines Notfalles auf oder von der Insel müssen."

Kerry dachte darüber nach. "Hm... entschuldige... ich glaube, ich hätte gehen sollen, als ich die Möglichkeit dazu hatte... Ich wollte nur die Berichte fertigmachen, dann bin ich... ich denke das ich müde war, also hab ich mich einfach für eine Minute hingelegt..." Sie blickte Dar entschuldigend an. "Wie fühlst du dich?"

Ein Anflug leichter Besorgnis überquerte Dar's Gesicht. "Es geht mir gut." Antwortete sie knapp. "Das Zeug hat großartig gewirkt." Sie schaute sich um. "Ich hole besser Kerzen und Taschenlampen... wer weiß wie lang wir ohne Strom sein werden." Sie schritt an die Ecke des Fensters und drückte auf einen verborgenen Schalter. "Ich lass nun besser die Rollläden herunter."

Mit einem mechanischen Summen glitten die schützenden Aluminiumrollläden knarrend über die großen Fenster mit Ozeanblick herunter und kamen wimmernd zum stehen. Dar machte das gleiche mit dem Küchenfenster und zeigte dann Kerry wo die Schalter für die anderen Räume waren. Während die blonde Frau sich auf den Weg machte, ging sie in den Wäscheraum und zog einen verschlossenen Korb hervor, stellte in auf die Insel in mitten des Raumes und öffnete ihn. In seinem Inneren befanden sich ordentlich verpackte Taschenlampen, Kerzen, Petroleumlampen und andere Gegenstände.

"Okay... alles erledigt." Berichtete Kerry als sie zurück in die Küche kam. "Was kann ich sonst noch tun?"

Dar blickte zu ihr, dann ging sie noch einmal in den Wäscheraum und als sie herauskam warf sie ihr eine Shorts und ein T-Shirt zu. "Es wird dir ein bisschen zu groß sein, aber es wird, wenn der Strom ausfällt, wesentlich bequemer sein als das was du trägst." Erklärte sie ironisch. "Wenn die Klimaanlage ausfällt wir es hier recht warm."

Kerry fing die Kleidungstücke auf und schaute sie an, dann sah sie ironisch grinsend zu Dar. "Das ist einleuchtend." Mit den Kleidungstücken ging sie in das kleine Bad neben dem Arbeitszimmer und zog sich schnell um, sie musste ein Kichern unterdrücken, da die recht großen Sachen ihr das Gefühl verliehen, ein Kind zu sein. "Heiliger Strohsack." Sie nahm den Gürtel aus ihrem Rock und wickelte ihn um das lange T-Shirt, dann faltete sie ihre Kleidung und ging barfuss in die Küche zurück. Die Marmorfliesen fühlten sich kalt an und der Terracottaboden im Wohnzimmer war auch nicht viel besser.

Dar war noch in der Küche, gegen die Anrichte gelehnt blickte sie schweigend auf ihre verschränkten Hände. Kerry konnte die Besorgnis auf ihrem Gesicht sehen und lehnte sich lächelnd neben sie. "Also... ist das jetzt eine Hurrikan-Party?"

Die dunkelhaarige Frau drehte ihren Kopf und betrachtete sie. "Ich nehme an, das es eine wird..." Sie zwang sich zu lächeln. "Ich... in der Abstellkammer gibt es Konserven, ein Notvorrat bei Stürmen... ansonsten hab ich hier nicht viel." Sie zeigte zum Kühlschrank. "Ich bestelle mir meistens was von den Inselrestaurants."

Kerry lehnte sich auf ihre Ellbogen zurück. "Was für Konserven sind das?"

Dar zeigte zur Abstellkammer. "Ich hab' keine Ahnung... ich hatte jemanden beauftragt mir eine Auswahl zu liefern... ich war zu beschäftig um es selber zu machen."

"Oh ja." Kerry stieß sich von der Anrichte ab und erkundete die Abstellkammer. "Nun... ich denke, das ich daraus etwas interessantes machen könnte." Sie sah über ihre Schulter. "Du kochst nicht oft, oder?"

Dar schüttelte ihren Kopf. "Überhaupt nicht... ich habe Müsli zum Frühstück und ich kann Kaffee kochen... das war's schon." Sie bemerkte, das keine von beiden erwähnte was geschehen war, bevor sie eingeschlafen ist, und darüber war sie erleichtert.

Kerry seufzte, wählte einige Sachen aus und legte sie auf die Anrichte. "Nun ja, ich bin selbst dran Schuld, dass ich dir im Weg rumstehe, also kann ich mich auch nützlich machen." Sie ging zum Kühlschrank und betrachtete dessen Inhalt. "Hmmm... ich liebe Herausforderungen... oh..." Sie suchte im Gefrierfach herum und holte mehrere vereiste Schachteln heraus, die sie auch auf die Anrichte legte. "Hast du etwas... ähm... so was wie einen Topf?"

Schweigend wies Dar zum Geschirrschrank. "Was machst du da?"

Seegrüne Augen betrachteten sie mit gelindem Vergnügen. "Ich koche. Ich kann das, verstehst du?" Sie grinste über Dar's Gesichtsausdruck. Dann wandte sie sich dem Wandschrank zu. "Lass mal sehen... du hast gesagt, das du Müsli hast..." Sie öffnete die Tür, dann drehte sie sich um und setzte ihre Hände auf ihre Hüften. "Dar Roberts... ich sehe in diesem Schrank dort nicht Tony the Tiger, oder doch?"

Dar ließ ihren Kopf hängen und blickte mit einem betretenen Grinsen durch dunkle Wimpern zu Kerry. "Mais und Zucker sind zwei Lebensmittelgruppen, richtig?" Erkundigte sie sich hoffnungsvoll. "Lass mich raten... du isst Trauben und Nüsse."

Kerry schaute sich um, dann schlich sie zu ihr und flüsterte. "Schoko-Krispies, aber sag es NIEMANDEM."

Sie grinsten sich verschwörerisch an, dann begriffen sie beide fast zur gleichen Zeit, dass sich etwas verändert hatte. Schweigend sahen sie sich aufmerksam an... Dar atmete aus und nickte kurz. Kerry nickte zurück, und auf zarte Weise wurde eine Verbindung geschlossen, sie fühlten und akzeptierten beide, dass der Grundstein für eine Freundschaft gelegt worden war.

"Richtig... nun, las mich anfangen... du musst hungrig sein, ich bin es jedenfalls." Sagte Kerry schließlich während sie auf ihre Auswahl blickte.

"In Ordnung... ich werde mich einloggen und sicherstellen, dass das Gebäude auf den Sturm vorbereitet ist." Antwortete Dar sie immer noch anblickend. "Falls du etwas brauchst, findest du mich im Arbeitszimmer."

Grüne Augen hoben sich und trafen für einen langen, bedeutungsvollen Augenblick auf ihre und schweiften dann ab. "Okay... ich habe eine Menge Sachen fertiggestellt... und ich habe die Berichte, die du gesucht hast, nochmals ausgedruckt."

Dar nickte, schlüpfte aus der Küche und ließ Kerry mit ihren Gedanken und dem selten benutzten Bereich allein.

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Die Seite auf dem Monitor war sicherlich eine wichtige E-Mail. Dar fuhr mit ihren Augen zum sechstenmal darüber und las sie immer noch nicht, mit widerwärtiger Leichtigkeit drifteten ihre Gedanken in andere Reiche. Verlockende Düfte aus der Küche lenkten sie ab, und sie versuchte sich zu erinnern, wie lange es her war, das jemand tatsächlich speziell für sie gekocht hatte, ohne dafür auf die eine oder andere Art bezahlen zu müssen.

An dem Morgen als ihr Vater für sie Eier mit Schinken gemacht hatte, seine einzige Spezialität, saß er frech im Wohnzimmer und seine frisch gebügelte Uniform spiegelte sich beinahe in ihren Möbeln. Auf meinem Weg zum Einsatz, hab ich einen kurzen Zwischenstop eingelegt... hatte er gesagt.

Er meinte seinen Einsatz nach Saudi Arabien. Und es bedeutete seinen Tod. Dar schaute auf das Bild und spürte wie eine Hand ihr Herz zusammenpresste. Es war nicht so, dass sie die letzten Jahre viel Zeit miteinander verbracht hätten. Es war, dass er der Einzige von allen gewesen war, der sie immer verstanden hatte.

Er verstand den Kampfgeist, die grimmige Entschlossenheit und den Wunsch zu Siegen. Es schien, als ob diese Eigenschaften sich in direkter Linie vom Vater auf die Tochter übertragen hatten. Und sie hatte ihn, in seiner ganzen Komplexität verstanden. Seine Anerkennung war das einzige was sie brauchte, und als dieses Bild aufgenommen wurde... Ihre Augen wanderten zu dem Bilderrahmen. Nachdem sie den Wettkampf gewonnen hatte, war er zu ihr gekommen, hatte seine Arme um sie gelegt und jedem der zuhörte gesagt, "das ist mein Kind." Das hatte sie mit einem Sinn von Zusammengehörigkeit erfüllt, was mit nichts und niemandem zu vergleichen war.

Dann war er fort. Und an seinem Grab hatte sie geschworen, dass sie niemanden, jemals wieder ihr Herz derart berühren lassen würde.

Niemals.

Aber nun, klopfte jemand sanft und zärtlich an diese Tür. Jemand, der so verschieden von ihr war, wie sonst keiner den sie kannte. Ihr Verstand sagte ihr, das sie verrückt wäre, wenn sie dies geschehen ließ. Ihr Herz sagte ihr, dass sie es nicht verhindern konnte. Ihr Gewissen erinnerte sie daran, dass ihre Zeit... nicht grenzenlos war.

Der Wind rüttelte an den Jalousien, und es hörte sich an, als ob Knochen klapperten. Dar nickte schweigend und diesmal las sie die E-Mail.

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Kerry schmeckte ein letztes Mal ab und sah dann zufrieden zu ihrer Schöpfung. Sie hatte einige gefrorene Hühnchenfilets, Shrimps und zwei Päckchen weiße Erbsen gefunden, von denen sie einen Eintopf zubereitet hatte dem sie noch einige Gewürze zufügte, die noch nie benutz worden waren. Dann machte sie eine Soße aus Erdnussbutter, Milch, ein wenig Zucker, noch mehr Gewürzen und etwas Ingwer. In einem Topf hatte sie noch Reis gedämpft, den sie im hintersten Winkel des Schrankes gefunden hatte genauso wie Dar's Pflaumenwein. "In Ordnung..." Sie nahm zwei Teller heraus, wusch den Staub von ihnen, dann ging sie zum Arbeitszimmer und lugte hinein.

Dar schaute auf den Monitor, dessen Licht die gebräunte Haut ihres Gesichts überspülte und ihre Augen Funkeln ließ. Nach einer Weile, fuhren diese Augen herum und begegneten ihren, und eine dunkle Augenbraue stieg fragend in die Höhe.

"Kommst du zum Essen?"

Sie bekam als Antwort ein aufrichtiges Lächeln. "Riecht interessant." Dar stand auf und streckte sich, dann kam sie hinter dem Schreibtisch hervor und folgte Kerry wie ein neugieriger Welpe in die Küche. Sie schielte über die Schulter der kleineren Frau zum Topf und schnupperte anerkennend. "Mm."

Sie trugen ihre Teller ins Wohnzimmer und, anstatt den großen Tisch zu benutzen, setzten sie sich auf die Couch vor den Fernseher. Dar hatte eine Kerze angezündet und stellte sie, einfach nur zum Vergnügen mitten auf den Couchtisch, und aßen dann bei Kerzenschein und dem Flimmern des Fernsehers, welchen Dar angeschaltet hatte.

Quickdraw McDraw gewann gerade eine weitere Schlacht, und sie errötete ein wenig. "Ähm..."

Kerry kicherte. "Mach dir deswegen keine Gedanken... ich mag Space Ghost." Sie sah zu, wie Dar zum Wetterkanal wechselte, und dort blieb, als Warnungen und andere Informationen über den Bildschirm liefen. Währen sie einen Moment zusah, machte sie sich eine geistige Notiz Colleen anzurufen, um sicherzustellen, dass ihre Wohnung gut gesichert war, dann drehte sie sich, und sah wie Dar schweigend auf ihren Teller blickend bedächtig und abwesend aß.

Okay, wir stecken hier für eine unbestimmte Zeit fest. Es belastet sie etwas, doch sie ist ein sehr reservierter Mensch. Ich sollte meine Nase nicht in ihre Angelegenheiten stecken. Richtig? Richtig. Sie aß noch einige Bissen, dann betrachtete sie Dar's Profil.

Und fügte sich dem Unvermeidlichen. "Willst du darüber reden?" Aus irgendeinem Grund fühlte es sich wohltuend an diese Worte zu sagen.

Dar hielt mitten im Kauen inne und sah sie verblüfft an. "Reden, worüber?"

"Über das, was auch immer dich belastet?" Antwortete Kerry sanft. "Sieh mal, ich weiß das es mich nichts angeht, aber nun sitzen wir hier und ich kann gut zuhören." Nach einem kurzen Schweigen fuhr sie fort. "Manchmal ist es leichter mit jemandem zu reden, den man nicht so gut kennt."

Dar kaute bedächtig und schluckte dann während sie über das Angebot nachdachte. Dann holte sie Luft und ohne es groß zu bedauern gab sie nach. "In Wirklichkeit betrifft es dich doch." Sagte sie gelassen. "Ich... werde am Dienstag nicht zur Arbeit kommen... du wirst mich, in der Personalsitzung um zehn Uhr, vertreten müssen." Sie aß ein weiteres Stück Hühnchen. "Ich muss zur Untersuchung ins Krankenhaus. Sie wollen eine Menge Tests durchführen." Sie überlegte kurz. "Wegen meinem Herzen."

Kerry war sprachlos. Das hatte sie nicht erwartet. "Nun..." Sie zögerte. "Es sind nur Tests. Wahrscheinlich werden sie überhaupt nichts finden, verstehst du?"

"Ich weiß was sie herausfinden werden." Erwiderte Dar leise. "Sie werden feststellen, dass ich eine... Herzmuskelschwäche habe." Sie sah auf ihre aufeinandergelegten Hände. "Mein Vater hatte das auch." Nach außen hin sehr gefasst, hob sie ihre Gabel und nahm einen weiteren Bissen.

Die blonde Frau schluckte diesen Hinweis. "Die Ärzte können etwas dagegen unternehmen, richtig? Ich habe gehört, dass es neuerdings Medikamente geben soll, die unglaubliches leisten."

Mit zusammengepressten Lippen nickte Dar zustimmend. "Vermutlich."

Kerry sah sie an. "Wie kannst du so ruhig bleiben? Ich an deiner Stelle wäre bereits ein nervöses Wrack."

Ein kurzes Achselzucken. "Es gibt nichts was ich tun könnte... ich werde Dienstag früh dorthin fahren... vielleicht muss ich über Nacht bleiben."

"Dar?"

"Mm?"

"Ich möchte nicht zu dieser Personalsitzung gehen." Sagte Kerry. "Ich würde den Tag lieber frei nehmen und mit dir dorthin gehen."

Dar starrte sie in aufrichtiger Überraschung an. "Warum?"

"Keiner sollte so etwas alleine durchstehen müssen." Antwortete sie leise. "Nicht einmal Vizepräsidenten, die ganz nebenbei heimliche Helden sind."

Flackernd gingen die Lichter aus. Sich gegenseitig anstarrend saßen sie nun in dem schwachen, goldenen Kerzenlicht, welches sie in Ocker- und Schwarztöne hüllte. Dar blickte schließlich auf ihren Teller. "In Ordnung." Willigte sie ruhig ein. "Es wird ein langer Tag werden, der überwiegend aus Warten bestehen wird.... und ich weiß eine intelligente Unterhaltung zu schätzen."

Kerry fühlte eine ruhige, befriedigende Akzeptanz. "Gern geschehen." Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Teller zu und beobachte wie Dar das gleiche tat, diesmal jedoch etwas enthusiastischer. "Ist das Essen okay?"

Ein kurzes Zögern, dann blinzelten ein Paar blaue Augen, die in dem Kerzenlicht beinahe haselnussfarben schimmerten. "Es ist Prima... hab ich das noch nicht gesagt?" Sie nahm einen Mundvoll Reis. "Wie hast du das mit den Sachen, die ich da hatte, hingekriegt? Magie?"

"Phantasie." Lächelte Kerry und zog dann ihren Kopf ein als das Gebäude erbebte. "Dar... sind wir hier sicher?"

"Wie? Oh ja... sicher... ich habe Andrew hier überstanden." Mit merklich verbesserte Laune, winkte Dar mit ihrer Gabel. "Es ist nur ein kleiner tropischer Sturm."

Es krachte etwas gegen die Jalousien, und Kerry fuhr mit einem schwachen Aufschrei in die Höhe. "Oha!"

Dar kicherte leise. "Hier... komm auf meine Seite herüber, okay?" Sie tauschten ihre Plätze und Dar setzte sich näher ans Fenster. "Besser?"

Ein weiterer Schlag und Kerry sprang wieder auf, diesmal direkt gegen ihre größere Begleiterin. "Entschuldigung." Murmelte sie während sie sich zurückzog. "Ich hasse Stürme... wir waren einmal für zwei Wochen eingeschneit, und ich..." Sie zögerte. "Ich mag sie einfach nicht." Beendete sie schließlich unbeholfen ihren Satz.

Dar lehnte sich hinüber und stieß die kleinere Frau mit ihrem Ellbogen an. "Mach dir darüber keine Sorgen."

Kerry betrachtete sie und erwiderte schüchtern den Stoss. "Du hast leicht Reden."

Sie lächelten sich an und wandten sich wieder ihren Tellern zu. Kerry bemerkte, das Dar recht hatte. In dem Apartment schien es, nun da die Klimaanlage ausgefallen war, recht warm zu werden. Jedenfalls wurde ihr ganz schön warm.

Nachdem sie mit dem Essen fertig waren schlug Dar vor ins Arbeitszimmer zu gehen, wo sie bei einem kleinen Fenster auf der Nordseite die Jalousie nicht heruntergelassen hatte um es öffnen zu können. Sie stellte eine große, leicht nach Zimt duftende Kerze auf den Schreibtisch und setzte sich dahinter, während Kerry es sich auf der kleinen Couch an der Wand bequem machte. Dar öffnete das Fenster und eine kühle, feuchte Brise blies herein, die durch ihr Haar und die Papiere auf dem Schreibtisch wehte.

Es war sehr ruhig, nur das Heulen des Windes und das Geklapper der Jalousien übertönte das unaufhörliche Dröhnen der Brandung.

"Ich nehme an, das es bei Andrew wesentlich schlimmer war, wie?" Fragte Kerry leise, während sie ihre Beine unter sich zog und sich auf die Armlehne der Couch lehnte.

Dar nickte. "Oh ja... sie hatten die Insel evakuiert, doch einige von uns sind hier geblieben... und ein paar Sicherheitsleute... sie hatten uns immer erzählt wie sicher diese Häuser wären... und es hat es bewahrheitet. Wir hatten nur sehr geringe Schäden... überwiegend waren es Schäden an der Kaimauer, durch die Brandung, außerdem waren einige Boote gegen das Dock geknallt, weil ihre Eigentümer entweder zu blöd oder zu faul waren, sie richtig zu sichern."

"Mm." Kerry legte ihr Kinn auf ihren Arm. "Hast du ein Boot hier?"

"Klar... eine 11 Meter Yacht... nichts weltbewegendes. Sie gehörte meiner Tante... es gehört hier irgendwie dazu." Antwortete die dunkelhaarige Frau während sie sich zurücklehnte und ihre nackten Füße auf den Schreibtisch legte. "Ich benutz es nur selten... nur um ein wenig um die künstlichen Riffe herumzuschippern, oder um etwas zu tauchen, solche Sachen eben."

Ein bedächtiges Nicken. "Ich mag Bootfahren... wir gingen im Sommer gewöhnlich mit Segelbooten, den richtig großen, auf den Lake Michigan... Ich habe Segeln auf einem von den Rennseglern gelernt... das hatte eine Menge Spaß gemacht." Bemerkte sie. "Obwohl du dort nicht oft schwimmen gehst... es ist ein wenig kalt dort droben." Sie schaute hoch. "Gehst du gerne Tauchen und solche Sachen?"

"Ja... tatsächlich mag ich es sogar sehr." Antwortete Dar, während sie mit einem Bleistift spielte, der auf dem Schreibtisch gelegen hatte. "Doch es ist nicht klug allein raus zu gehen, und ich..." Sie zögerte. "Ich habe jetzt nicht mehr viel Zeit dafür."

Kerry verstand vollkommen, die gesprochenen, wie auch die unausgesprochenen Worte. "Ich wollte schon immer wissen wie das ist... Ich habe voller Staunen die ganzen Jacques Cousteau-Filme angesehen."

Ein kurzes Lächeln überquerte Dar's Gesicht. "Möglicherweise können wir das arrangieren." Bemerkte sie spontan. "An einem schönen, sonnigen Tag ist es da draußen wunderschön... wenn die See ruhig ist... und die Sonne das Wasser durchdringt, dann kannst du die verschiedensten Fische... in allen Farben sehen." Sie beugte sich nach unten und zog die Schreibtischschublade auf, nahm ein Album heraus und blätterte durch den Inhalt... dann gab sie es Kerry. "Hier... sieh es dir selbst an."

Kerry stand auf, setzte sich auf den Schreibtisch und drehte das Album zum Kerzenlicht. Bedächtig betrachtete sie die Bilder und begutachtete sie fasziniert. Der überwiegende Teil waren Aufnahmen von phantastisch geformten Korallenformationen mit Fischschwärmen. Kerry wünschte sich, sie könnte sie bei Tageslicht betrachten, damit sie die Farben besser sehen konnte, doch auf einem Bild war ein riesiger, flacher, gestreifter Fisch der direkt in die Kameralinse zu schauen schien. "Oh... Mann..." Sie sah zur ruhig wartenden Dar. "Hast du diese Bilder aufgenommen?"

"Mmhmm... die meisten sind vom John Pennekamp unten in den Keys... aber diese hier... und diese zwei sind von den Bermudas." Dar zeigte mit ihrer Fingerspitze auf den gestreiften Fisch. "Er mochte es gar nicht, dass ich ihn aufgenommen habe... direkt nachdem ich das Bild gemacht hatte, schwamm er direkt in mein Gesicht und verpasste mir eine mit seiner Schwanzflosse."

Kerry beugte sich, den Fisch betrachtend, näher an das Licht. "Mm... ich wette, dass hat weh getan."

Eine Hand hob sich und schob zärtlich ihr Haar zurück. "Vorsicht... du willst doch kein Feuer fangen." Bemerkte Dar. "Du kannst dir nicht vorstellen was für einen Berg an Papierkram ich ausfüllen müsste."

Sie schob die gefährdete Locke hinter ihr Ohr zurück und lächelte. "Huch... du hast recht." Sie wandte sich dem nächsten Bild zu, eines auf dem Dar in einem geschmeidigen, schwarzen Badeanzug, einer Tauchflasche an ihrem Ellbogen und einem großen Hummer in der anderen Hand zu sehen war. "Heiliger Strohsack... wie viel hat das Ding denn gewogen?"

Dar schielte über ihren Arm. "Ich oder der Hummer?" Kicherte sie. "Zehn Pfund... er war riesig... der verdammte Bursche hat mich über das halbe Riff geschleppt, bevor er müde wurde und ich ihn fangen konnte."

"Mm." Kerry betrachtete das Bild und ein schwaches, neugieriges Lächeln zuckte um ihre Lippen. "Hast du ihn gegessen?"

"Nee." Erzählte ihr die dunkelhaarige Frau fröhlich. "Bei dieser Größe... nun ja, wenn sie mehr als vier Pfund wiegen schmecken sie nicht mehr... nein, ich hab das Bild gemacht und ihn dann wieder freigelassen."

"Ach... das hab ich auch schon gemacht... als wir Fischen waren." Gab Kerry zu. "Alle waren sauer auf mich... ich hatte diesen schönen, großen Fisch gefangen und die Jungs hatten eine Stunde zu kämpfen bis sie ihn schließlich an Bord hatten, und ich hab ihn dann wieder freigelassen." Sie betrachtete das Bild noch ein Weilchen länger, dann wandte sie sich dem Nächsten zu.

"Hast du eine große Familie?" Fragte Dar freundlich.

Kerry behielt ihre Konzentration weiter auf den Bildern. "Oh... nun ja, nicht wirklich... natürlich meine Mutter und meinen Vater... ich habe einen jüngeren Bruder, Michael, er ist auf der juristischen Universität, und eine jüngere Schwester Angela, die verheiratet ist und ein Kind hat und ein weiteres ist unterwegs."

"Wie ist es so, wenn man Geschwister hat?"

Kerry spürte wie sich ihre Brust zusammenzog. "Ich denke... das es ... ganz in Ordnung ist... es gibt immer so etwas wie einen Konkurrenzkampf..." Sie sah zur Seite. "Hast du keine?"

Dar schüttelte ihren Kopf. "Nein... ich habe mich immer gefragt wie es sein würde... obwohl es schön wäre eine Schwester zu haben, oder so." Sie machte eine Pause und forschte feinfühlig weiter. "Dein Vater ist Senator, richtig?"

Der blonde Kopf nickte knapp. "Ja."

Hmm. Dar's hartnäckige Neugier war entflammt. "Das muss etwas seltsam sein... alles ist irgendwie öffentlich, wie?"

Kerry's Augen klebten auf ihren Händen die sie fest um das Album geklammert hatte. "Mehr oder weniger... ja."

Ein Schweigen senkte sich. Dar räusperte sich. "Willst du... darüber reden?"

Grüne Augen schossen hoch und trafen erschrocken und... leicht ängstlich auf ihre. Das flackernde Kerzenlicht warf ihren Schatten in bedrohlicher Größe gegen die Wand, und sie betrachtete Dar's Gesicht für einen unendlich langen Augenblick, bevor ihr Blick auf den Schreibtisch fiel. "Nicht wirklich, nein."

Dar spürte einen kleinen Stich, doch sie zuckte schweigend mit ihren Schultern. "In Ordnung."

Kerry's Kiefermuskeln arbeiteten unmerklich und sie sah langsam nach oben. "Ich... ähm... ich glaube es kling sehr hart... wenn es von jemandem kommt der dich vor Kurzem das gleiche gefragt hat, wie?"

"Es ist dein Leben." Antwortete Dar gelassen. "Es ist dein gutes Recht es für dich zu behalten."

Wieder wurde es ruhig und diesmal hielt die Stille länger an. Kerry schloss ihre Augen und hörte dem Wind zu, der draußen über die Brandung und die Bäume peitschte, welche gegen die Außenwand schlugen. "Meine Eltern sind sehr... Sie stellen sehr hohe Erwartungen an uns." Sie glitt vom Schreibtisch herunter, ging zur Couch zurück und rollte sich an einem Ende zu einem Ball zusammen. "Mein Vater glaubt, dass es für seine Familie eine Pflicht ist... ein perfektes Beispiel für Amerika zu sein."

Dar verhielt sich still, und behielt ihre Meinung über die Politik und auch Kerry's Vater bei sich. Sie war mehr als einmal mit dem Senator zusammengeraten, und gegenwärtig versuchte er sie von mehreren Staatsverträgen fernzuhalten, um sie einem Konkurrenten zu geben, der ihn höchstwahrscheinlich dafür bezahlte. "Damit ist schwer zurechtzukommen." Sagte sie sehr leise. "Aber über dich kann er sich sicherlich nicht beklagen."

Ein kurzes bitteres Lachen. "Ich bin nicht verheiratet und stehe mit zwei Kindern barfuss in der Küche." Kerry starrte auf die Wand. "Ich musste am College so tun, als ob ich etwas machte... das schicklich für mich war... sie wollten das Wort Karriere nicht hören."

Bei Dar fiel der Groschen. "Aha, das erklärt den doppelten Abschluss in Englisch." Bemerkte Dar leise.

Kerry sah sie überrascht an, dann rieb sie ihre Schläfen. "Ich vergaß, dass du meinen Lebenslauf kennst." Sie schaffte ein schwaches Lächeln. "Ja... als ich dann promoviert habe, war es für sie zu spät zu protestieren, und ich hatte meinen Abschluss." Sie holte Luft. "Bei Sperry nahm ich eine Absolventenstellung an... Gott, wie sie es gehasst hatten... jeder Tag war ein neuer Kampf... das einzige was mich gerettet hat war, das Brian immer noch zur Schule ging."

Dar war verwirrt, sie wusste, dass Kerry einige Jahre im IS-Bereich tätig war. "Was war geschehen?"

Ein ironisches, zynisches Lächeln überquerte das Gesicht der jüngeren Frau. "Bill Clinton ist geschehen. Oder... um es präziser auszudrücken, Al Gore ist geschehen." Sie hob ihr Kinn. "Plötzlich war es ein günstiger Umstand jemanden in der Familie zu haben der, wusste wie diese Leute dachten, und wie die Technologie funktionierte."

"Aha." Dar verdaute das. "Aber sie machen es dir immer noch schwer." Riskierte sie zu vermuten.

"Klar." Seufzte Kerry und legte ihr Kinn auf ihren Arm.

"Wer ist Brian?"

Grüne Augen sahen zu ihr auf. "Mein sogenannter Verlobter."

Beide Augenbrauen Dar's schossen bis zu ihrem Haaransatz hoch und verliehen der größeren Frau einen beinahe komischen Hauch von Erschrockenheit. Nach einem kurzen Moment wurde ihr Gesichtsausdruck wieder gelassener. "Ich... ähm... was meinst du mit sogenannter?"

Kerry seufzte. "Wir sind zusammen aufgewachsen... wir sind seit ewigen Zeiten Freunde, praktisch seit wir laufen können... er ist ein wirklich süßer Bursche, sieht nett aus und macht gerade seinen Abschluss auf der juristischen Universität... er mag mich..."

"Aber?"

"Aber... wenn ich ihn ansehe, dann sehe ich einfach nur einen Freund." Antwortete Kerry verdrießlich.

"Aha... kein Herzflattern?" Scherzte Dar liebevoll. "Kein... versinken in seine Augen... diese Art von Ding?"

Einige Herzschläge lang starrte Kerry sie schweigend an. "N... nein." Stotterte sie schließlich. "Nein... im Grossen und Ganzen... ist es... bei ihm nicht so." Sie hielt inne. "Was meinst du mit Herzflattern?"

Dar betrachtete ihre verschränkten Finger. "Ich kenne es nicht aus eigener Erfahrung..." Sie sah mit einem Grinsen nach oben. "Aber man hat mir erzählt, dass wenn du auf deine wahre Liebe triffst, dann geschieht so etwas." Sie kicherte kurz. "Du verstehst... ähm... es ist so, als ob dein Körper es schon vor dir weiß."

"Mm... oh ja... richtig... ich habe davon gehört." Kerry schob ihr Haar hinter ihr Ohr. "Gott... du hattest recht... es wird ganz schön warm hier drin, oder nicht?" Sie sah hinauf, um zu sehen wie verhüllte blaue Augen sie betrachteten, und ein kleines, beinahe verwirrtes Lächeln Dar's Gesicht überquerte. "Also... das ist meine Geschichte... meine Familie macht es mir schwer, weil ich hier lebe... sie glauben, das das Leben hier dekadent und zügellos ist." Sie seufzte. "Wenn ich an Weihnachten nach Hause komme, ist alles was ich zu hören bekomme, die Pläne für meine Hochzeit und wo ich leben werde, und..."

Dar stand auf, umrundete den Schreibtisch und hockte sich dann neben sie, ihre Gesichtsmerkmale wurden durch den Schatten des Kerzenlichtes beinahe vollkommen verdeckt. "Du weißt, das du nicht tun musst, was sie wollen, oder?"

Kerry's Augen strahlten einen schwachen, verschlossenen Kummer aus. "Du hast leicht reden." Sie legte ihre Wange auf ihren Unterarm. "Ich habe eine Verpflichtung gegenüber meiner Familie."

Den Blick von ihrer jüngeren Begleiterin abgewandt setzte sich Dar hin, und lehnte sich mit ihrem Rücken gegen die Couch. "Früher hatte ich das auch geglaubt." Murmelte sie. "Nachdem mein Vater gestorben war, dachte ich, dass es meine Pflicht sei, mich um meine Mutter zu kümmern... ich wollte... meinen Job aufgeben... und nach Richmond ziehen..."

Kerry blickte auf den dunklen, seidigen Kopf nur wenige Zentimeter von ihr entfernt. Fast hypnotisiert beobachtete sie, wie ihre Finger sich um eine verirrte Locke wickelten. "Warum hast du es nicht getan?" Fragte sie leise.

"Sie sagte, dass sie mit mir nichts zu tun haben wollte." Sagte Dar mit ruhiger und sachlicher Stimme. "Ich erinnerte sie zu sehr an das, was sie verloren hatte." Ein leichtes ziehen an ihren Haaren fühlend, drehte sie ihren Kopf und blickte zu Kerry. "Ab diesem Zeitpunkt hatte ich begriffen, dass die einzige Person für die ich verantwortlich war, ich selber bin." Sie hielt den Blick der jüngeren Frau. "Folge deinem Herzen, Kerry... lebe nicht für die Träume eines anderen."

So nah waren sie noch nie zusammen gewesen, nur einige Zentimeter trennten sie und sie waren so nah beieinander, dass sie die gleiche Luft atmeten. So nah, dass Kerry die beinahe unsichtbare Narbe über Dar's rechtem Auge sehen konnte und die kristallklare Intensität ihrer hellblauen Iris. Sie war sich eines Tones gewahr, von dem sie später bemerkte, dass es ihr eigener Herzschlag war, der in ihren Ohren hämmerte. "Ich... werde versuchen... daran zu denken." Stotterte sie.

Dar richtete ihre Augen zur Tür und brach damit die Spannung. "Kann ich dein Interesse für etwas mehr von diesem Erdnusszeugs wecken?"

Kerry schluckte einige Male. " Ähm... sicher... es waren nur kleine Portionen."

Sie tauschten ironische Blicke aus und lachten dann mit leicht verborgener Erleichterung auf.

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Das sich verschlimmernde Wetter betrachtend streckte Dar ihren Kopf zum Fenster hinaus. Die Bäume draußen waren durch den Regen kaum zu sehen, der Wind riss Zweige herunter, die gegen das Gebäude schlugen und dessen Blätter dunkelgrüne Streifen auf den Wänden hinterließen.

Eine nasse, feuchte Brise blies durch ihr Haar, und um sich etwas abzukühlen hielt sie ihr Gesicht hinein. Sie hatte auf der gegenüberliegenden Seite des Apartments ein Fenster geöffnet um Durchzug zu bekommen, doch es war im Inneren immer noch sehr stickig und das würzige Essen tat sein übriges. Dar blickte hinter sich, wo Kerry mit verschränkten Händen über ihre schlanken Taille und geschlossenen Augen auf dem Boden lag. Sogar in dem flackernden Licht konnte Dar den Schweiß auf dem Gesicht der jüngeren Frau sehen und fühlte Mitleid mit ihr, als von ihrer eigenen Schläfe eine Schweißperle tropfte.

Es war schon weit nach Mitternacht, aber Schlafen war zumindest für Dar, die die klimatisierte Bequemlichkeit ihres Wasserbettes gewohnt war, fast unmöglich. Sie genoss ihren Komfort und wollte ihn nicht missen... die Vorstellung im Freien mit Käfern und Schlangen zu verbringen behagte ihr nicht. Mit einem Seufzer legte sie ihr Kinn auf die Fensterbank und genoss den weichen Wassernebel der ihre Haut durchnässte.

Doch sie war froh, dass Kerry da war. Die Gegenwart der jüngeren Frau lenkte sie von ihren Problemen ab. Sie fing auch an sich mit ihr behaglich zu fühlen, sie spürte wie sich ihre ansonsten sehr steife und stachlige Außenschale ganz heimlich entspannte und nur halbherzig versuchte sie dies zu unterbinden.

"Gibt es etwas interessantes da draußen?" Erklang leise Kerry's Stimme.

"Regen und Wind." Murmelte Dar. "Es ist nur ein wenig kühler." Eine Wärme in ihren Rücken spürend, bewegte sie sich instinktiv zur Seite, um Kerry Platz zumachen, die neben sie glitt und ihre Nase in die Dunkelheit streckte. "Siehst du?"

Kerry streckte sich nach oben, lehnte sich hinaus und schüttelte ihren blonden Kopf als der Regen darauf tropfte. "Mm... Gott, man kann gar nichts sehen... noch nicht mal die Lichter der Stadt." Sie beugte sich noch weiter nach vorne und fühlte plötzlich einen warmen Druck auf ihrem Rücken, als Dar eine Hand ausstreckte um sicherzustellen, dass sie nicht herausfiel. Trotz ihres überhitzten Körpers fühlte es sich gut an, es war ein angenehmes, sicheres Gefühl, dass ihr die Kühnheit verlieh sich noch ein wenig weiter herauszulehnen, um mehr zu sehen.

"Hey... Vorsicht." Warnte Dar und rückte für den Fall der Fälle ein wenig näher. Kerry hatte jetzt ihren Kopf völlig im Regen und schaute sich interessiert um. Der Wind wehte ihr feuchtes Haar zurück und für einen Augenblick sah sie sehr stark wie ein Cockerspaniel in einem Kabriolett aus.

"Oh Mann... sieh dir diese Palmen an, Dar!" Kerry hob eine Hand und zeigte zu ihnen, bevor sie sich wieder am Sims festhielt. "Sie fliegen fast fort!"

"Du fliegst fast fort." Protestierte Dar, legte ihren Arm schützend um die Taille der kleineren Frau und lehnte sich auf einen Ellbogen gestützt hinaus. "Oh... ja, ich seh' sie... hey... pass auf!" Sie fuhr zurück und zog Kerry mit sich als eine Kokosnuss gegen die Fensterbank knallte und eine braune Spur hinterließ. Unter ihrem angespannten Arm konnte sie Gelächter spüren und sie ließ ihre Begleiterin leicht schnaubend los. "Kerry, du hättest am Kopf getroffen werden können."

"Was für eine großartige Geschichte das gegeben hätte..." Kicherte Kerry. "Kannst du dir das vorstellen? Ich komme am Montag mit einem Kopfverband ins Büro... und muss jedem erzählen, dass ich von einer Kokosnuss getroffen wurde die durch dein Fenster gesaust kam?"

Dar musste kichern. "Das würde ein bisschen schwer zu erklären sein." Gab sie zu. "Dieser blöde Sturm richtet schon genug Schaden an - Mark wird sechs Stunden brauchen, nur um die nicht eingeplanten Backups durchzuführen, nicht zu erwähnen, die ganzen Umleitungen nach Charlotte."

Kerry schüttelte sich heftig und überschüttete Dar und den Teppich mit einem Schauer von Regentropfen. "Oh..." Sie legte verlegen eine Hand auf ihren Mund. "Entschuldige, Dar."

Die ältere Frau fing an zu lachen. "Du bist lustiger als ein Welpe, weißt du das?" Sie schüttelte ihren Kopf, ging zu einem Abstellraum neben dem Arbeitszimmer und kam mit einem flauschigen, hellblauen Handtuch zurück, das sie ihr reichte. "Hier..."

Das Handtuch war weich und roch frisch gewaschen. Kerry vergrub ihr Gesicht darin und trocknete sich mit stiller Zufriedenheit ab. Unter feuchten Wimpern und einem noch feuchteren Pony sah sie zu Dar hinauf. "Lustiger als ein Welpe, wie?" Sie war aufgeweckt genug um zu bemerken, das irgendeine chemische Verbindung zwischen ihnen vorging. Ein kraftvolles Gefühl, das halb aus Verspieltheit und halb aus etwas tieferem bestand das ernster wurde.

Dar war ihre Chefin. Sie wusste, dass sie dies nicht vergessen durfte. Aber sie wusste auch, dass diese große, dunkelhaarige Frau eine Freundin wurde, und sie hatte nicht die Absicht dies aufzuhalten. Dar war zu interessant... eine zu... komplexe Herausforderung für sie, um darauf zu verzichten. Sie wollte mehr über sie erfahren, sie wollte wissen warum sie die Dinge tat, die sie tat... so viele Menschen waren so oberflächlich, so leicht für Kerry zu durchschauen, das es beinahe langweilig war. Dar...

Faszinierte sie. In Gegenwart dieser Frau fühlte sie den Nervenkitzel von Abenteuer.

Kerry liebte das. Genauso wie sie Achterbahnen, Rennboote und Abfahrtslauf liebte. Sie sah durch ihren Pony zu Dar hinauf und grinste.

Dann bellte sie wie ein Hund.

Dar bedeckte einfach mit einer Hand ihre Augen und lachte. "Ich glaube dieses Wetter bringt eine ungeahnte Seite von dir zutage." Sie nahm die Kerze und winkte zur Tür. "Komm mit... es macht keinen Sinn zwei Liter Eiscreme schmelzen zu lassen."

"Eiscreme?" Kerry war mit dem Abtrocknen fertig und drapierte das Frotteehandtuch über ihre Schultern während sie Dar in das dunkle Wohnzimmer folgte. "Lass mich raten... eine weitere Lebensmittelgruppe von dir?" Der Kerze folgend trottete sie in die Küche und blieb abrupt stehen als sie beinahe in ihre Begleiterin gekracht wäre. Dar öffnete den immer noch ausgeschalteten Gefrierer und zog etwas heraus, was eine Welle kalter Luft mitbrachte. "Oohh... können wir nicht einfach da reinklettern?"

"Nein." Dar schloss die Tür, kramte in einer nahegelegenen Schublade herum und holte zwei Löffel hervor. "Hier... halt das." Sie reichte Kerry die Kerze und gab ihr einen Schubs zurück ins Arbeitszimmer. "Espresso Chip... es ist großartig."

Sie stellten den Behälter auf den Boden und setzten sich bewaffnet mit ihren Löffeln von Angesicht zu Angesicht auf den Boden. Dar nahm den ersten Löffel und lutschte selig daran.

Kerry nahm ein klein wenig auf ihren Löffel und probierte es, dann grinste sie "Ooh."

Für einen Augenblick schwiegen sie, dann richtete sich Kerry ein wenig zurecht und legte ihre Ellbogen auf ihre Knie. "Also... ähm... das Bild da oben... ist das eine Art Karate was du da machst?"

"Tae Kwan Do." Antwortete Dar spontan. "Ja..."

"Mm... machst du es immer noch?" Grüne Augen betrachteten sie neugierig.

Bevor sie antwortete nahm Dar noch einen weiteren Löffel. "Ja... unter anderem... ich habe auch einige andere Disziplinen ausprobiert... aber größtenteils mache ich das und eine Mischung aus Judo und Jiu-Jitsu." Sie kicherte. "Es sind alte traditionelle Kampfsportarten... nicht dieser neumodische Kram... ich liebe Traditionen."

"Das muss eine Menge Training bedeuten... mein Bruder hatte das auch für einige Jahre gemacht. Er kam bis zu..." Kerry überlegte. "Einem braunen Gürtel, aber er hatte es für ein Jahr unterbrochen und als er dann versuchte weiterzumachen... hat es nicht funktioniert."

"Fast jeden Abend treffe ich mich mit einem Trainer im Fitnessstudio auf der Insel." Erklärte Dar. "Wir arbeiten für ungefähr zwei Stunden... hängt davon ab wie der Tag gelaufen ist." Ein schwaches Lächeln verzog ihre Lippen. "Manchmal habe ich keine so gute Laune und werde ein bisschen grob."

"Oh... ich verstehe... Stressabbau." Kerry schaufelte sich einen Löffel von dem cremigen Vergnügen in den Mund. "Das hört sich nach einer guten Idee an."

Dar nickte. "Ja... das ist es... ich werde meine Frustrationen los und komme damit nicht in Versuchung in einer dieser verdammten Konferenzen über den Tisch zu springen." Unauffällig betrachtete sie Kerry. "Es hilft auch den Kopf klar zu kriegen... und ist in manchen Gegenden von Miami recht nützlich." Ihre Augen funkelten nachdenklich. "Du könntest darüber nachdenken Unterricht in deinem Wohngebiet zu nehmen."

Kerry leckte ihren Löffel ab. "Ich wollte es machen als ich jünger war. Als Mike mit dem Unterricht anfing... hab ich gebettelt und gebettelt... aber es war nichts zu machen, sie wollten mich nicht lassen." Sie überlegte. "Ich denke, dass ich auch besser als er gewesen wäre... er ist kleiner als ich, und er ist wirklich tollpatschig." Sie hob ihre Augen zu Dar's. "Es ist ein wenig zu spät für mich mit dieser Sportart anzufangen... ich laufe viel und fahre Inlineskates... solche Sachen halt. Ich hab auch Aerobic gemacht, aber das wurde mir wirklich zu langweilig."

"Nicht genug Herausforderung, wie?" Erkundigte sich Dar unschuldig.

"Na ja... etwas in der Art." Gab Kerry zu.

Aha... aus erster Quelle. "Nun...du hattest wahrscheinlich noch keine Möglichkeit dir die allgemeinen Angebotsseiten anzusehen... aber wir haben gerade einen Vorzugsvertrag mit dem neuen Fitnesszentrum gegenüber vom Büro abgeschlossen... ich habe mir überlegt dorthin zu gehen... sie haben eine nette Kletterwand und eine gute Auswahl an Kursen... wenn du willst könnte ich dir einige Grundübungen beibringen, um zu sehen ob du Interesse hast weiterzumachen." Bemerkte Dar beiläufig, dann hielt sie inne und sah mit leerem Blick zur Kerze. "Ich meine, nachdem ich am Dienstag herausgefunden habe was los ist."

Kerry bemerkte den Stimmungswandel und folgte ihren Instinkten, sie legte ihren Löffel weg und griff hinüber um ihre Finger um Dar's Hand zu wickeln. "Alles wir in Ordnung gehen... ich glaube das wirklich, Dar. Und ich würde gerne von dir lernen."

Dar fühlte wie sich ein ruhiger Frieden über sie legte und nickte. "In Ordnung... wir werden dann am Mittwoch anfangen, okay?" Was würde es denn für einen Unterschied machen, wenn sich ihre Befürchtungen bestätigen würden? Sie lebte schon seit Jahren mit dieser Möglichkeit, und sie traf die ruhige Entscheidung, dass sie ihre Lebensweise nicht ändern würde, egal welche Resultate herauskamen.

Das war der Weg den ihr Vater gewählt hatte. Und am Ende hatte es ihn umgebracht, aber sie wusste in ihrem Herzen, dass es ein Tod war wie er ihn gewollt hatte. Ein nobler, im Dienst für sein Land.

Er hatte nur vergessen wie hart es für die anderen sein würde.

Nun, darüber musste sie sich keine Sorgen machen, sie war außer für sich selbst, für niemanden verantwortlich. "Komm schon... das Zeug schmilzt."

Kerry stimmte zu, dann half sie Dar ein paar Decken auf den Boden zu legen, wo es am kühlsten war, und sie legten sich zum Schlafen hin. Die große Kerze, die sicherheitshalber auf einem kleinen Teller stand, vergoss ein goldenes, flackerndes Licht über sie, und sie saß, nachdem Dar in einen unruhigen Schlaf gefallen war, nachdenklich da.

Ein Profil betrachtend, dessen Umrisse ihr in dem Feuerschein nicht länger fremd waren.

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Sie fand sich in einem kühlen Laubwald wieder und merkte wie das Gras gegen ihre nackten Schenkel kitzelte als sie über einen wunderschönen See blickte, dessen Oberfläche sich sanft kräuselte. Es musste Nachmittag sein, da die Sonne sich gegen Westen neigte und die Strahlen die durch die Blätter linsten warfen ein Muster von Licht und Schatten über ihre ausgestreckten Beine.

Sie fühlte sich träge und entspannt und war sich des warmen Körpers gegen den sie lehnte und dessen Arme sicher um sie gewickelt waren, sehr bewusst. Sie ließ ihren Kopf zurückfallen, nahm einen Kieselstein, warf ihn in den See und hörte ein leises, tiefes Kichern das durch ihren Körper hallte.

Sie nahm einen tiefen Zug von dieser vom Moos, dem See und der Erde erfüllten Luft und schloss ihre Augen in vollkommener Zufriedenheit. Sie war glücklich, entspannt und von Liebe umgeben.

Kerry erwachte und hielt ihren Atem an als sie aus ihrem Traum in die Wirklichkeit gerissen wurde, ihr Kopf dröhnte als das trübe Licht in den Raum drang und Dar's, noch schlafende Gestalt enthüllte, die nur eine Armeslänge von ihr entfernt lag. Mit einem leisen Keuchen ließ sie sich aufs Kissen zurückfallen, wickelte ihre Arme darum und drückte es, als ob dies sie, wenn auch nur für einen Moment, in ihren Traum zurückbringen würde.

Es war so real. Sie konnte das Moos beinahe wieder riechen. Sie rollte sich auf ihren Rücken und rieb ihre Augen um dieses wunderbare Gefühl von Frieden aus ihrem Verstand zu vertreiben. Draußen regnete es, aber der heulende Wind hatte aufgehört, oder zumindest nachgelassen, doch Strom war immer noch keiner da. Kerry fröstelte und sie holte mehrmals tief Luft um zu sich zu kommen. Dann drehte sie ihren Kopf auf die Seite und erstarrte als sie auf hellblaue Augen traf die sie ansahen. "Jaaah!"

Die blauen Augen weiteten sich und Dar versuchte ein Grinsen zu verbergen. "Was ist los... ist mir über Nacht ein Horn oder so gewachsen?"

Kerry atmete aus. "Nein... nein... ähm..." Sie hielt eine Hand hoch. "Ich war... ich hatte diesen Traum und irgendwie bin ich aus ihn gerissen worden, und ich war noch nicht... buh... mein Gehirn arbeitet noch nicht." Sie legte ihren Arm über ihre Augen und schloss sie.

Dar gähnte, dann streckte sie sich und zuckte, über die Steifheit von dem Schlafen auf den Boden, zusammen. "Leute die sagen, das Schlafen auf dem Boden gut für einen sei, sind verrückt." Bemerkte sie, stieg auf ihre Füße und rieb ihre Augen. Sie ging durch das dunkle Wohnzimmer in die Küche und schaltete das batteriebetriebene Radio an, um die neuesten Nachrichten zu hören.

Der Sturm löst sich auf, seine Überreste bewegen sich zum Golf von Mexiko. Inzwischen wachen in Südflorida eine halbe Millionen Menschen ohne Strom und entwurzelten Bäumen auf.

"Yippee." Bemerkte Dar trocken. Sie schnappte sich die manuelle Kurbel unter dem Waschbecken, öffnete die Tür zur Terrasse und streckte ihren Kopf in die Brise des unbeständigen Wetters. Der Regen nahm ab und die See, obwohl noch immer unstet, zeigte, so wie am Tag vorher, keine Schaumkronen mehr. Dar steckte die Kurbel in seine Vorrichtung und rollte die Jalousien hoch, um Licht in das Apartment zu lassen. Dann ging sie wieder rein und öffnete die eingerasteten, mit hartholzumsäumten Glastüren um die frische Seeluft hereinzulassen. "Ah. Das ist besser." Sie ging auf die Veranda, legte ihre Hände auf das Geländer und nahm einen tiefen Zug von dieser reinen Luft und schmeckte das Salz auf ihrer Zunge.

Sie war überrascht wie gut sie sich, trotz der unbequemen Nacht fühlte, und streckte sich wieder, wobei sie die angenehme Spannung ihrer Muskeln auf dem Rücken spürte während sie ihre Arme ausstreckte und ihre Hände zu Fäusten ballte.

Eine Hand berührte ihren Ellbogen und Kerry duckte sich unter ihren Arm durch und schielte neugierig zum Ozean während ihr zerzaustes Haar in der Brise wehte. "Mm... das fühlt sich gut an."

Dar stützte sich mit ihren Ellbogen auf dem Geländer ab. "Sicher tut es das." Sie sah sich um. "Eine Menge Orte haben noch keinen Strom..."

Kerry seufzte. "Ich ruf besser bei mir zu Hause an... mal sehen was passiert ist." Sie schlüpfte hinein und nahm eines von den zwei Analogtelefonen, die Dar den Abend zuvor herhausgeholt hatte und wählte Colleen's Nummer aus dem Gedächtnis. Um sich zu versichern das das Gebäude gut abgesichert war, hatte sie mit ihrer Freundin den Abend zuvor kurz gesprochen. Colleen hatte Witze über den Sturm gemacht, schließlich hatte sie ja auch Andrew überstanden, und war mitten in den Vorbereitungen für eine Hurrikan-Party als Kerry angerufen hatte.

Ihr Aufenthaltsort wurde mit einem wissenden Schweigen zur Kenntnis genommen, was ein Prickeln über ihren Rücken laufen ließ, doch sie hatte tatsächlich noch keine Zeit darüber groß nachzudenken. Beim dritten Klingeln wurde am anderen Ende abgenommen.

"Hallo?"

"Hey Col... wie sieht's aus?"

"Ahh... die auf mysteriöse Weise verschollene Ms. Stuart..." Antwortete Colleen süffisant. "Wie laufen die Dinge dort wo du bist, he?"

Kerry verrollte ihre Augen. "Colleen... um Himmels Willen..."

Die Rothaarige lachte. "Alles ist hier in bester Ordnung, meine Freundin... ein paar Bäume und Strommasten sind umgestürzt... wir haben keinen Strom und es ist so unbehaglich wie in der Hölle hier, doch wir sind alle draußen und haben den Grill aufgestellt. Es ist nicht so übel... wir können in die Autos gehen wenn es zu heiß wird." Sie hielt inne. "Wie geht es euch?"

"Oh... nun, etwa genauso." Erzählte ihr Kerry. "Wir haben keinen Strom... und haben gerade die Türen und Fenster geöffnet... es war letzte Nacht ganz schön schlimm, aber... es sieht nicht so aus, als ob es große Schäden gegeben hätte, nur einige Zweige sind abgebrochen... und..." Sie beschattete ihre Augen um einen Blick nach draußen zu werfen. "Ich glaube an der Ostspitze der Insel ist ein Boot gekentert."

"Mmhm... es muss letzte Nacht... ganz schön stickig und unbequem gewesen sein, wie?" Fragte Colleen in einem leicht verspielten Tonfall.

"Das war es... aber wir hatten an der geschützten Seite des Apartments ein Fenster geöffnet..." Antwortete Kerry, die die Frage ernst nahm. "Und wir hatten Eiscreme, also..." Sie lachte leise. "Es hat ganz gut funktioniert... ich bin gerade aufgewacht." Sie sah nach oben als die Sonne schwach erschien und Dar's Schultern in ein blasses Licht tauchte. "Die Sonne kommt heraus."

"Scheint sie auf etwas interessantes?" Fragte Colleen schelmisch.

Kerry starrte mit hochgezogenen Augenbrauen auf den Hörer. "Geht es dir gut?" Sie sah nach draußen. "Sie scheint auf den Ozean und einige Boote die ich sehen kann... und auf die Terrasse... warum?"

Die Rothaarige lachte leise. "Schon gut, Kerry... wirst noch länger dort bleiben?"

"Ähm... wahrscheinlich... ich glaube sie brauchen Strom für die Rampen der Fähre."

"Oh... ja richtig..." Stimmte Colleen zuvorkommend zu. "Nun, deine Wohnung hat alles recht gut überstanden... wir hatten keine Überschwemmung oder ähnliches, also werden wir alle hier sein wenn du hier eintrudelst."

Kerry lächelte. "Das ist prima... ich bin froh das alles okay ist." Sie beobachte wie sich Dar umdrehte und sie von draußen auf einen Arm gelehnt betrachtete. "Ich... ähm... werde später mit dir reden, okay?" Sie legte auf, ging zur Tür und schaute blinzelnd hinaus. "Nun, bei mir zu Hause ist alles okay." Sie hatte das Telefon noch bei sich und streckte es der älteren Frau hin als diese darauf zeigte.

"Es könnte nichts schaden herauszufinden wie die Aussichten auf Strom sind." Erklärte Dar während sie schnell wählte. "Und ich schätze es wird auch gut sein, wenn ich sicherstelle, dass im Büro alles seinen richtigen Weg läuft."

Kerry nickte. "Ähm..." Sie biss grinsend auf ihre Lippe. "Willst du, dass ich dir einige Frosties bringe?" Ihre Augen funkelten. "Ich denke es ist besser als Eiscreme zum Frühstück... obwohl..." Sie räusperte sich. "Nicht wesentlich."

Dar warf ihr einen Blick zu während sie jemandem am Telefon zuhörte und legte dann auf. "Der Strom wird wahrscheinlich nach dem Mittag wieder da sein... und sie haben am Beach Club einen Generator in Betrieb, also denke ich, das wir dahin fahren werden und ich mich somit nicht mit der Auswahl meiner Frühstückkörner herumschlagen muss." Sie hielt inne und trommelte mit ihren Fingern auf das Telefon, dann wandte sie ihren Blick auf die ruhige See. "Hör mal... bist du in der Stimmung für eine Fahrt?"

"Eine Fahrt?" Die blonde Frau folgte ihrem Blick. "Oh... du meinst mit dem Boot?" Sie seufzte. "Das würde ich gern... aber dafür bin ich nicht gerade richtig angezogen."

"Oh." Dar grinste. "Das können wir ändern."

"Können wir das?" Erkundigte sich Kerry. "Nun... okay... sicher... ich würde mich freuen... da wir hier ohnehin feststecken, und ich glaube es wird da draußen auch ein bisschen kühler sein."

Anderthalb Stunden später saßen sie in einem Golfwagen mit Dar's Apartmentnummer, fuhren auf der Strasse die um die Insel führte und wichen den Zweigen aus. Es waren noch andere Golfwagen unterwegs, in einigen saßen Schaulustige, die sich langsam fahrend die Gegend ansahen und in anderen saß Dienstpersonal von der Insel, die den Schutt aus dem Weg räumten.

Als sie die letzten Apartments hinter sich ließen, lehnte sich Kerry die Fahrt genießend zurück, sie umfuhren eine große Anlage, dann umkreisten sie den Yachthafen und endeten bei einer Ansammlung von Läden, von wo man das Grollen des Generators hören konnte.

Sie hüpfte hinaus und folgte der größeren Frau, die zu den Türen zeigte an denen sie vorbeigingen. "Videothek, Buchladen, Reformhaus, Inselmarkt... ah... hier sind wir." Sie drückte die Tür eines kleinen Ladens auf, der verschieden zusammengewürfelte Artikel und Strandkleidung führte. "Glaubst hier etwas finden zu können?" Erkundigte sich Dar. Kerry ging schnurstracks zu einem Gestell mit einteiligen Badeanzügen in lebendigen Farben. "Oh ja." Grinste sie, kontrollierte die Größen und suchte sich einen Purpurfarbenen heraus, dann wählte sie noch eine Shorts und ein Tank-Top heraus. Sie reichte dem Angestellten eine Kreditkarte und war überrascht als er nur ihre Quittung abstempelte und ihr die Kreditkarte samt einem Kugelschreiber für ihre Unterschrift zurückgab. "Danke." Sie lächelte ihn an und erhielt ein schüchternes Lächeln zurück. Ihr Päckchen nehmend folgte sie Dar hinaus und schloss zu ihr auf als diese sich auf den Weg zum Markt machte. "Dar... er hat meine Kreditkarte nicht überprüft."

"Nein." Dar blickte sie von der Seite an. "Nein... nun, lass es mich so erklären, Kerry... auf dieser Insel... laufen Geschäfte in Billiardenhöhe ab. Man stört sich nicht an so kleinen Sachen wie einem Badeanzug." Sie hielt die Tür zu dem kleinen Lebensmittelladen auf. "Außerdem... der einzige Weg auf diese Insel zu kommen, ist mit einem Anwohner... er weiß, dass ich einer bin... er nimmt an, dass ich mich darum kümmern würde, wenn etwas nicht stimmen würde." Sie hielt inne. "Was ich natürlich auch tun würde."

Kerry blieb abrupt stehen. "Du musst dir darüber keine Sorgen machen."

Sanfte blaue Augen betrachteten sie. "Das habe ich auch nicht." Antwortete sie leise. "Lass uns ein paar Sachen holen die wir mit aufs Boot nehmen... damit wir uns einen schönen Nachmittag machen können."

Mit einem niedlichen kleinen Korb gingen sie hinaus, Dar entdeckte das er einen Satz Teller und Besteck enthielt, und groß genug für Sandwiches und schmackhafte Beilagen war. Sie klappte ihr Handy auf und wählte, nach dem zweiten Klingeln hatte sie Mark Polenti an seinem Handy. "Hey."

"Hey." Antwortete Mark über dem schwachen Ton eines Tastaturklapperns. "Alles hat überlebt... keine Probleme... wir haben nur noch keinen Strom... es wird am Montag höllisch nach Schimmel riechen."

"Gut." Murmelte Dar.

"Du magst Schimmel?" Erwiderte Mark verwirrt.

"Nein nein... ich meine, gut das alles überlebt hat." Erklärte Dar. "Konnten alle Verarbeitungen rechtzeitig umgeleitet werden?"

"Klar... außer der Bank von Neuseeland... Ich bin hingegangen und hab ihre Prozessoren auf den Generator geschaltet und somit wieder zum Laufen gebracht." Murmelte der MIS Chef. "Ich habe mich eingewählt und verwalte sie von hier aus... sie hatten gestern einen Lohnlistentransfer, und wenn man diese Jungs nicht bezahlt werden sie wirklich unangenehm."

Dar lächelte. "Gute Arbeit, Mark... danke, dass du das für mich erledigt hast."

"Mmph." Mark räusperte sich. "Ich habe gehört, dass du dich nicht so gut gefühlt hast... bist du okay?"

Ein schwaches Lächeln überquerte das Gesicht der dunkelhaarigen Frau. "Klar... mir geht's gut... ich hatte nur höllische Kopfschmerzen... wahrscheinlich vom Wetter." Sie machte eine Pause. "Die arme Kerry hatte angeboten mich nach Hause zu fahren und saß dann durch den Wetterumschwung fest."

"Ähm... ich denke, das erklärt auch ihren Protokolleintrag von deinem Computer." Kommentierte Mark. "Und warum ihr Wagen noch auf dem Parkplatz stand... wir haben ihn mit ein paar anderen in einen geschützten Bereich im hinteren Teil des Gebäudes gebracht."

"Danke... ich bin sicher, dass sie froh sein wird das zu hören." Kicherte Dar. "Nun, ich muss Schluss machen...ich hab mein Handy bei mir, falls du mich brauchst." Sie legte auf und steuerte den Golfwagen entlang dem Yachthafen. "Wie wär's wenn ich dich hier rauslasse und dann losgehe um noch ein paar Muffins oder so zum Frühstück zu holen?" Schlug sie vor. "Übrigens, sie haben deinen Wagen in Sicherheit gebracht."

Kerry nickte. "Ich weiß... Ich habe gestern Abend mit Andreas von der Sicherheit gesprochen... das war wirklich nett von ihnen." Sie hüpfte hinaus als Dar an einer besonderen Anlegestelle hielt, an welcher ein nett proportioniertes Boot angedockt war. "Ist es das?"

Dar nickte. "Jawohl... hier..." Sie reichte Kerry einen Satz Schlüssel. "In der Kabine sollte ein Vorrat an Handtüchern und sonstige Sachen sein... und ich habe erst letzte Woche getankt."

"Prima." Ein feines Lächeln. "Danke für den Versuch mich bei Laune zu halten, Dar... du musst das nicht, verstehst du... ich mach dir keinen Vorwurf, dass ich hier fest hänge."

Blaue Augen betrachteten sie geheimnisvoll. "Ich weiß... aber wir haben nichts besseres zu tun, also..." Sie winkte und verließ die Anlegestelle während Kerry vorsichtig auf das sanft schaukelnde Deck des Bootes ging.

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"Vorrat, hatte sie gesagt." Kerry unterdrückte ein Kichern als sie die ordentliche Kabine des Kreuzers erkundete. Sie hatte ein kleines Badezimmer mit einer Salzwasserdusche, und ein winziges Schlafzimmer, mit einem Bett, dass gerade groß genug war, das vielleicht zwei Leute darin Platz fanden.

Obwohl sie vermutete, dass Dar mit ihrer Größe wahrscheinlich Schwierigkeiten haben würde. Das Innere bestand aus warmen, poliertem Holz, und blaugrünem Bettzeug und Vorhängen vor den Luken. Es fühlte sich... sie strich mit ihren Fingern über den Stoff.

Sie mochte es. Es war angenehm hier und sie bewegte sich, durch jahrelange Erfahrung, im Einklang mit dem Schaukeln des Bootes. "Nun, zum nächsten Bereich... die Küche." Sie setzte ihre Tasche hinunter und duckte sich in die kleine Kombüse, die einen kompakten Kühlschrank enthielt. Sie öffnete ihn und war überrascht das er kühl war, dann realisierte sie, dass das Boot an die Stromversorgung des Docks angeschlossen sein musste. Sie legte das Mittagessen hinein und schloss die Tür. Sie war sich sicher, dass es kühl genug gehalten wurde bis Dar die Maschinen startete.

Auf einer Seite befand sich eine Mikrowelle, ein Herd und eine Spüle mit Anschlüssen für sowohl Salzwasser als auch einem begrenzten Tank mit Süßwasser. Ein Geschirrschrank enthielt Töpfe, zwei Pfannen, und unzerbrechliche Tassen die an Haken hingen und leicht baumelten als das Boot sich bewegte. "Es ist wirklich cool hier." Bemerkte sie zu sich selbst während sie sich herumdrehte und die Kabine überblickte.

Außerhalb der Kombüse befand sich ein kompakter Sitzbereich mit einem Holztisch der von zwei Bänken die an einer Ecke zusammenstießen umgeben war. Ein weicher, bequem aussehender Sessel stand am offenen Ende des Tisches und oberhalb befand sich in wasserdichten Schränken ein Fernseher und eine Stereoanlage.

Kerry grinste, dann schlüpfte sie in das Schlafzimmer und zog ihren neuen Badeanzug an, ihr Spiegelbild überprüfend verzog sie leicht ihr Gesicht. Dann zog sie ihre Shorts und ihr Tanktop darüber und legte ihr geborgtes T-Shirt in eine Schublade, bevor sie die Stufen zum Deck hinauftrottete.

Es war in zwei Ebenen aufgeteilt, eine enthielt die Brücke mit den Kontrollen und das untere Deck enthielt dick gepolsterte Sitze an den Längsseiten und im hinteren Teil des Hecks. Sie hob einen hoch und fand eine Rettungssausrüstung, Schwimmwesten, Leuchtsignale, Rettungsringe... und in der anderen zwei komplette Tauchausrüstungen, inklusive zwei Pressluftflaschen, die in Halteklammern am Boden befestigt waren. "Und du benutzt diese Sachen nie." Schimpfte sie ihre abwesende Chefin aus. "Was sollen wir nur mit dir machen, Dar?" Für einen Moment setze sie sich auf ein Kissen und schüttelte nur ihren Kopf. "Junge... Wenn ich ein Haus wie dies hätte... und ein Boot... dann würde ich..." Sie stellte sich vor wie es sein würde, wenn ihre Freunde hier wären und was für großartige Parties sie feiern könnten.

Dann hielt sie inne und dachte an die Worte von Dar am Vorabend. "Du solltest es nicht alleine machen, und ich... habe keine Zeit mehr dafür."

Keine Zeit? Oder war es vielmehr so, dass all diese schönen Dinge recht nutzlos waren, wenn man sie mit niemandem teilen konnte? "Komm schon Dar... mit deinem Aussehen... erzähl mir nicht, dass du keinen Freund finden kannst." Murmelte sie. "Die müssen doch keinen Funken Verstand haben, wenn sie nicht Zeit mit dir verbringen wollen."

Nachdenklich ließ sie ihre Beine baumeln und schlug mit ihren Fersen gegen das Fiberglas.

Das leise Rattern eines sich annähernden Golfwagens unterbrach ihre Träumereien, sie drehte sich um und sah wie Dar das Vehikel auf einen kleinen Platz neben dem Bug, der speziell dafür gemacht zu sein schien, einparkte. Sie trug ein paar Taschen und sprang mit salopper Anmut auf das Deck und lies sich kichernd auf das untere Deck fallen. "Die haben ein höllisches Geschäft gemacht..." Sie stellte die Taschen ab. "Ist alles in Ordnung?"

"Sieht alles Prima aus." Sagte Kerry, die bemerkte das ihre Begleiterin einen Halt am Apartment gemacht haben musste, da sie einen Badeanzug unter einem langen T-Shirt trug. "Dies ist eher wie ein schwimmendes Hotelzimmer."

Dar schnaufte leise. "Ja... Tante May hatte einen erlesenen Geschmack.... ich brauchte eine Weile um mich daran zu gewöhnen. Ich tendierte mehr zu einem 5 Meter großen Tauchboot mit einem Deck und einem Stuhl als Annehmlichkeit."

Kerry grinste. "Aber letztendlich hast du dich daran gewöhnt."

Die größere Frau kicherte entschuldigend. "Na ja... als ich älter wurde, hab ich eine ekelhafte Tendenz zur Bequemlichkeit der menschlichen Kreatur entwickelt." Sie ging um das Boot herum und löste die Leinen. "Halt dich jetzt fest."

Kerry kicherte. "Als Crewmitglied einer Rennyacht die dreißig Knoten macht, habe ich gelernt wie man sich festhält... danke." Sich auf ihren Händen abstützend lehnte sie sich zurück und sog die Sonne in sich auf. "Wenn du jemals von einem heruntergefallen bist, dann erinnerst du dich daran."

Dar setzte sich an die Kontrollen, startete die Maschinen und drosselte den Motor bis sie einen gleichmäßigen Ton hörte. Dann manövrierte sie das Boot geschickt aus dem Yachthafen indem sie wendete und den Motor soweit drosselte bis er kurz vor dem Leerlauf war.

Die Brise wurde stärker als sie in Sichtweite der äußeren Boje kamen und Dar drehte den Bug nach Südosten, wobei sich das Boot gleichmäßig über die noch unsteten Wellen in Richtung eines dunstigen Horizontes hob. Kerry setzte sich neben sie, genoss die salzhaltige Luft und den kühlen Sprühnebel, der vom Boot hochspritzte während es durch die Wellen pflügte. "Oh Mann, es ist das schön hier draußen." Murmelte sie.

Dar schloss kurz ihre Augen und nahm einen Lungenzug von dieser Luft, wobei sie für einen langen schmerzhaften Moment Erinnerungen über sich rieseln ließ. "Klar, ist es das." Sagte sie schließlich leise und schluckte den Kloß in ihrer Kehle herunter.

Sie ankerten vor einer der kleinen Insel die entlang der Küstenlinie verliefen, und spürten wie das Boot in ein träges ruhiges Schaukeln überging. Als die Maschinen abgestellt waren konnte man den rhythmischen Ton der Wellen und das sanfte Klirren der Takelage hören. Die Sonne war nun völlig herausgekommen und nur hohe, wattebauschartige Wolken trübten den perfekt blauen Himmel.

"Ich gehe Schwimmen." Erklärte Dar während sie ihr T-Shirt auszog und es ordentlich auf die Kontrollen legte. "Hast du Interesse?"

Kerry schlenderte zur Reling hinüber und spähte hinunter. Das Wasser hatte ein kräftiges Blaugrün und roch nach Salz und Geheimnis. "Das hängt davon ab... gibt es hier Haie?" Sie schielte über ihre Schulter zu der größeren Frau, die lässig an der Kabinentür lehnte.

Sie beschloss, dass Dar in einem Badeanzug wirklich gut aussah. Sie hatte eine von diesen Schwimmerstaturen, mit gerade genug Weichheit über ihren Muskeln, das sie nicht wie eine Bodybuilderin oder so ähnlich aussah. Nur... stark und fest. "Im See gab es keine Haie." Rechtfertigte sie sich.

Dar kicherte. "Nun... es könnten einige da sein, aber ich schwimme seit meinem vierten Lebensjahr in diesen Gewässern... und bis jetzt hat mich noch keiner angeknabbert." Sie ging zu der Reling, sprang hinauf und tauchte dann elegant ins Wasser, um einige Meter vom Boot entfernt wieder aufzutauchen.

Kerry beobachtete sie für einen Augenblick als sie wieder abtauchte, dann wieder erschien und anfing träge um das Boot herumzuschwimmen. "Ich vermute das es ein wenig früh für einen Haifischimbiss ist, also..." Sie zuckte mit ihren Schultern, dann zog sie ihr Shirt und ihre Shorts aus und legte die Sachen ordentlich gefaltet auf das Kissen. Dann ging sie zu einem übersichtlicheren Platz am Heck, bevor sie auf die Fiberglasreling kletterte und hineinsprang.

"Oh." Sie tauchte ruckartig wieder auf. "Ist das warm." Sie tunkte ihren Kopf unter Wasser, öffnete ihre Augen und blinzelte gegen das schmerzhafte Salz an. Die Sonne durchdrang die grüne Oberfläche einige Meter und enthüllte Schwärme goldener Partikel die in den Tiefen verschwanden. Sie konnte nur für einen Moment in dieser Stellung verharren, bevor ihre Augen so brannten, dass sie auftauchen musste. "Oh Mann."

Dar war wassertretend mit nassem, glatt zurückgestrichenem Haar neben ihr. Sie hielt ihr mit einem leichten Grinsen eine Tauchermaske hin. "Hier... damit geht es besser."

"Danke." Sie justierte die Maske, wobei sie leichte Schwierigkeiten hatte gleichzeitig Wasser zu treten, dann steckte sie ihr Gesicht wieder ins Wasser und schaute interessiert nach unten. Eine Schule winziger Fische schwamm unter ihr durch, er sah aus wie ein Vogelschwarm, sogar das auseinaderstoben und wiedervereinigen in verschiedenen geheimnisvollen Mustern ähnelte ihm. Kerry hob ihren Kopf. "Mann... es muss da unten wahnsinnig interessant sein."

Dar hielt sich an der Ankerleine fest und grinste. "Es ist hier nicht sehr tief... vielleicht mal gerade neun bis zehn Meter." Erklärte sie. "Hier gibt es ein Korallenriff das die Küstenlinie entlang läuft... also... wenn wir da runter gehen, würden wir alle Arten von Fischen sehen."

Kerry schwamm mit effizienten Zügen zu ihr hinüber und hielt sich auch an der Ankerleine fest. "Du machst mich neidisch... nun weiß ich, dass ich einen Tauchkurs machen muss... Ich habe versucht einige von den Leuten bei Associated dafür zu interessieren, aber sie hatten alle die Hosen voll. Obwohl ich glaube, dass ich ein oder zwei Leute im Büro dafür gewinnen könnte."

Dar betrachtete sie für einen langen Augenblick schweigend, dann nickte sie leicht. "Warte hier." Sie griff nach oben auf das Unterdeck, zog sich aus dem Wasser und schwang ihren Körper über die Reling.

Kerry blinzelte. "Oh Junge... das könnte ich nicht, selbst wenn ich sechsmal die Woche Gymnastik machen würde." Flüsterte sie beeindruckt. "Zum Teufel, ich glaube, dass sogar die Burschen die Ringen so was nicht hinkriegen würden."

Dar kam zurück und nahm ein Stück von der Reling heraus, stellte es nach hinten und setzte sich hin. "Okay... mit den Sachen die ich hier habe können wir einen wirklich schnellen, wirklich kurzen, einfachen Tauchgang machen." Sie reichte Kerry eine Taucherweste. "Zieh das an."

Kerry gehorchte, schnallte die Weste um ihre Brust und befestigte die Riemen bis alles bequem saß. "Okay."Sie fühlte eine prickelnde Aufregung. "Was kommt als nächstes?"

Dar reichte ihr ein Paar Füßlinge. "Nun diese." Sie wartete. "Okay, nun zieh diese über die Füßlinge und befestige sie straff um deine Fersen." Sie gab Kerry ein Paar Schwimmflossen.

"Das ist ein wenig... oh, okay... ich hab's." Kerry nickte und biss sich während sie sich konzentrierte flüchtig auf ihre Lippe. Die Weste gab ihr glücklicherweise einen leichten Auftrieb und nach einem Moment sah sie nach oben. "Okay." Sie bewegte ihre Füße, fühlte die kraftvollen Schläge gegen das Wasser und grinste. "Oh... das fühlt sich toll an."

Dar hielt ihr einen Schnorchel nach unten. "Zieh das durch die Schlaufe an der Maske... ja, so ist es richtig... nun dreh dich um und halte dich an der Ankerleine fest."

Auf den Horizont blickend machte Kerry was ihr gesagt wurde. Sie spürte ein Plätschern als Dar hinter ihr ins Wasser sprang, dann bemerkte sie einen Stoss als etwas an ihrem Rücken befestigt wurde. Sie spürte sofort den Gewichtsunterschied. "Oh... ist das die Pressluftflasche?"

"Jawohl." Dar's Hand erschien plötzlich neben ihrem Ohr und hielt ein rundes Objekt mit einem Mundstück hin. "Okay... so funktioniert es."

Ihre Stimme war direkt neben Kerry's Ohr und sie brauchte einen Moment und die Worte zu erfassen. " Ähm... okay, das ist der Lungenautomat." Wiederholte sie.

"Richtig." Bestätigte Dar. "Siehst du diesen Knopf?" Sie zeigte auf einen runden Gegenstand am Lungenautomaten. "Nun, dass ist eine Schnellentlüftung." Sie drückte das Mundstück unter Wasser. "Wenn Wasser eindringt, dann kannst du hierauf drücken..." Sie tat es und Blasen sprudelten hervor. "Hast du das verstanden? Du steckst das in deinen Mund und atmest einfach normal weiter."

Kerry fixierte das Mundstück zwischen ihre Zähne, saugte daran und war leicht überrascht als Luft herauskam. "Fowf."

Dar klopfte ihr auf die Schulter. "Okay... ich werde den Tauchcomputer oder ähnliches nicht mitnehmen - da wir heute nur einige Meter tief heruntergehen werden... halt dich hier fest während ich meine Ausrüstung anziehe."

"Owflk." Kerry nickte, sah sich um und gewöhnte sich an das Mundstück des Lungenautomaten in ihrem Mund. Nach nur wenigen Augenblicken, so schien es ihr, war Dar mit der gleichen Ausrüstung zurück. Sie zog ihre Schwimmflossen an, dann schwamm sie näher und Kerry spürte eine Berührung an ihrer Taille als sich die Arme der größeren Frau um sie legten.

Sie hielt den Atem an. "Uff..."

"Das ist der Gürtel mit den Gewichten." Sagte Dar sachlich. "Du brauchst ihn um deinen Auftrieb zu kompensieren." Lächelte sie und klopfte auf die Weste.

"Uff." Nickte Kerry verstehend, als ihre Lungen wieder anfingen zu arbeiten. Dar legte ihren eigenen Gürtel um, missmutig justierte sie ihn ein wenig und setzte dann ihre Tauchmaske auf.

"Okay... mach einfach nach was ich mache. Lass die Leine los und lass dich sinken. Doch atme dabei einfach normal weiter."

Als sie gehorchte und anfing sich sinken zu lassen beschloss Kerry, dass es die seltsamste Empfindung war die sie je erlebt hatte. Die herausströmenden Luftblasen des Lungenautomaten umgaben sie mit einem kontinuierlichen Ton, doch als sie sich beim Abtauchen umschaute, sah sie, wie sich die Sonnenstrahlen brachen und ihre Farbe verloren.

Genau wie Dar es gesagt hatte, war es nicht tief und tatsächlich, als sie nach oben schaute konnte sie den massiven Rumpf des Bootes direkt über sich sehen.

Aber hier unten... sie tarierte sich aus und schwamm knapp über dem Grund, welcher mit einer dichten Korallenformation bedeckt war.

Ihre Augen weiteten sich, als ein Schwarm kleiner, kräftig gelber und blauer Fische direkt an ihr vorbeischwamm, wobei ihre Flossen wie Schmetterlinge leicht ihre Haut streiften. An ihnen vorbei schwamm ein großer, einzelner Fisch. Die Körper der Fische wogten vor und zurück als sie im königlichen Glanz das Riff durchkämmten.

Ein winziger, grellroter Fisch stürmte im Zick Zack an ihr vorbei und wurde von einem größeren, flachen, schwarzen Fisch mit je einem Auge an seinem Körper, verfolgt.

Sie sah nach unten und zeigte auf die Stelle. Ein Hummer bewegte sich über dem Grund, wobei sich seine stachlige Schale bei jeder Bewegung bog.

Dar nickte und beobachtete sie nur. Sie ältere Frau schwamm mit ihren Armen über ihrem Bauch gefaltet und leicht nach oben angewinkelten Beinen. Sie hob eine Hand und machte mit ihren Fingern ein Okay-Zeichen, dann zog sie fragend eine Augenbraue hoch.

Kerry nickte so heftig, dass sie beinahe das Mundstück ihres Lungenautomaten verloren hätte.

Dar nickte zurück, dann machte sie sich sehr langsam auf den Weg und deutete ihr an, ihr zu folgen.

Sie blieben für ungefähr zwanzig Minuten unten, während Dar ihr eine kleine Führung gab und auf Dinge zeigte die sie nicht berühren sollte. Zum einen das Riff, bei dem jede Berührung einer Koralle das Todesurteil für die Koralle bedeutete. Zum anderen Feuerkorallen, die die menschliche Haut empfindlich verbrennen konnten. Kugelfische, welche Stacheln hatten... Aale, an die sie ohnehin nicht näher als einige hundert Meter gekommen wäre, und verschiedene andere Kreaturen.

Dann führte Dar sie langsam an die Oberfläche zurück, wobei sie an der Ankerleine aufstiegen bis sie durch die Wellen brachen und ihre Mundstücke herausnahmen.

"Oh mein Gott... das war beeindruckend!" Platzte Kerry sofort heraus. "Hast du diesen silbernen Fisch gesehen? Sie haben mir Gesichter geschnitten!" Sie zog ihre Maske ab und schob ihr nasses Haar zurück. "Und diese purpurnen Dinger... was waren diese purpurnen Dinger? Da gab es auch diese kleinen durchsichtigen Dinger die wie Tintenfische aussahen... was waren das für welche??"

Dar hielt lachend eine Hand hoch. "Oh Mann... lass uns aufs Boot zurückgehen und dort darüber reden, okay?" Sie ließ sich von Kerry die Ausrüstung reichen und legte sie auf das Deck, dann zog sie sich selbst hoch und streckte eine Hand zu der kleineren Frau aus. "Hier... halt dich fest."

Kerry fühlte wie sie hochgezogen wurde und hielt sich an der Reling fest, damit war sie einfacher auf's Deck gekommen als sie sich's vorgestellt hatte. "Oh Mann." Lächelte sie Dar erfreut an. "Danke... ich mein das wirklich so."

Die dunkelhaarige Frau lächelte zurück. "Es ist doch immer schön einen anderen Enthusiasten zu sehen." Kicherte sie, duckte sich in die Kabine und kam mit zwei Handtüchern zurück. "Trocknen wir uns ab... und ich wette, dass du hungrig bist."

Kerry spürte wie ihr Magen grollte. "Okay... du hast gewonnen... woher weißt du das?"

Dar wedelte mit ihren sonnengebräunten Fingern. "Tauchen verursacht das... ich hab auch Hunger."

Sie setzten sich in die Sonne, trockneten sich ab und teilten ihr Essen, während Kerry ihre Begleiterin mit Fragen über das Meeresleben bombardierte. Dar streckte sich auf einer gepolsterten Bank aus, legte ihre Hände hinter ihren Kopf und schloss ihre Augen während sie die Fragen beantwortete.

Schließlich gingen Kerry die Fragen aus, nahm auf einer anderen Bank platz und lehnte sich mit einem zufriedenen Seufzer gegen die raue Oberfläche. "Ein widriger Wind, weht niemandem etwas Gutes zu, wie?" Bemerkte sie ironisch.

"Mm." Dar drehte leicht ihren Kopf und betrachtete die jüngere Frau. "So könnte man es sagen." Sie studierte die schlanke, geschmeidige Gestalt in ihrem purpurfarbenen Stoff, dann schloss sie wieder ihre Augen, während die Sonne sie in ein kräftiges goldenes Licht tauchte. "Gut das wir daran gedacht haben Sonnencreme mitzunehmen."

"Oh ja... andererseits würde ich so rot wie ein Krebs werden." Stimmte die blonde Frau zu.

Ein Schweigen senkte sich und Kerry grübelte eine Weile vor sich hin, dann wandte sie sich zu Dar, um ihr eine Frage zu stellen, und schluckte sie hinunter als sie sah, dass die andere Frau friedlich schlief.

Zärtlich lächelnd machte sie es sich ein wenig bequemer, dann sie schloss auch sie ihre Augen.

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Eine kreischende Möwe weckte Dar, sie öffnete wiederwillig ihre Augen und erschrak leicht, als sie sah wie tief die Sonne schon stand. Oh verdammt... sie gähnte und streckte sich und rieb mit einer Hand ihr Gesicht während sie sich aufsetzte.

Das Boot schaukelte sanft und sie schaute sich um, da sie ihre Begleiterin nicht sah, bis sie halb stand und sie ganz vorne im Bug entdeckte, wo sie mit angezogenen Knien auf den Horizont blickte. Die Sonne strahlte auf ihren Rücken und erzeugte sanfte rote Glanzlichter auf ihr ansonsten blondes Haar, und Dar fühlte wie sich ein Lächeln auf ihren Lippen breit machte über das sie keine Kontrolle hatte.

"Hey." Sie kletterte auf den Bug und setzte sich an Kerry's Seite. "Du hättest mich nicht solange schlafen lassen sollen."

Augen in der Farbe des sie umgebenden Ozeans schielten unter sonnengebleichten Augenbrauen hervor. "Ich bin selbst erst aufgewacht... und du sahst so friedlich aus, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe dich zu wecken." Lächelte Kerry. "Ich weiß, dass die letzte Nacht nicht sehr bequem war, also..." Sie zuckte mit ihren Schultern. "Haben wir es auf diese Weise nachgeholt."

Dar lehnte sich gegen die Kabinenwand und nickte. "Das ist wahr... obwohl ich denke das wir besser in Gang kommen... der Strom sollte inzwischen wieder da sein, und ich kann dich nach Hause bringen."

"Ja." Murmelte Kerry und legte ihr Kinn auf ihr Knie.

Schweigen ließ sich nieder und man konnte nur das sanfte Kräuseln der Wellen hören. Schließlich räusperte sich Dar leicht. "Hör mal... ich... ähm... ich wollte mich entschuldigen."

Kerry's Augenbrauen zogen sich zusammen und sie wandte ihren Kopf zu Dar. "Für was? Dar, es ist nicht deine Schuld, das der Sturm aufgekommen ist..."

"Nein." Die dunkelhaarige Frau hielt eine Hand hoch. "Für das, was bei der Associated passiert ist."

"Mmpf." Eine Pause. "Nun... es ist schon gut, ich meine... es hat ja noch geklappt."

Dar seufzte. "Aber das hätte es nicht." Gab sie zu. "Wenn du nicht beschlossen hättest dich gegen mich zu wehren, und mich dazu gebracht hättest einen zweiten Blick auf meine Arbeit zu werfen." Für einen Augenblick blieb sie still. "Ich mache das schon seit einer sehr langen Zeit, und ich habe nie darüber nachgedacht wie die Leute sich fühlen, denen ich das antue."

"Oh." Kerry verarbeitete das. "Es war schwer." Gab sie zu. "Ich fühlte mich manchmal so hoffnungslos... und dann als du angerufen hast... Junge." Kopfschüttelnd sah sie auf das Wasser hinaus. "Es hat weh getan." Sie schaute zur Seite und sah wie sich Dar's Augen verengten, während sie weiter auf den Ozean blickte. "Aber du hast nur deinen Job gemacht."

"Ja." Murmelte Dar. "Ich weiß... darum bin ich auch so verwirrt, dass du mir nach all dem auch noch dabei helfen willst."

"Vielleicht kann ich dich, wenn ein ähnlicher Fall eintritt, dazu bringen ein zweites Mal darüber nachzudenken." Antwortete Kerry einfach.

Blaue Augen sahen direkt in ihre. "Und wenn es dir nicht gelingt?"

Kerry dachte darüber nach. "Dann werde ich es weiter versuchen." Antwortete sie leise. "Ich habe eine Menge Geduld."

Dar zog ihren Kopf ein und kicherte leise. "Einverstanden." Erklärte sie, stieß sich dann auf ihre Füße und ging an die Kontrollen zurück. "Halt dich fest... ich lichte den Anker."

Kerry kletterte vom Bug herunter und setzte sich wieder auf die gepolsterte Bank, lehnte sich gegen die Reling und streckte ihre Beine in die untergehende Sonne. Die Stadt wurde in goldenes Licht getaucht und sie wünschte sich eine Kamera dabeizuhaben, um den Anblick festzuhalten, der auch noch erhalten blieb als Dar das Boot wendete und in Richtung der Küste fuhr.

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"Guten Morgen, Maria." Dar lehnte sich in ihren Sitz zurück als die Fähre ihren Weg zum Kanal nahm.

"Dios Mio, Dar... sie können sich nicht vorstellen wie es hier heute morgen riecht... es stinkt, als ob tausend Katzen auf den Teppich gepinkelt hätten." Informierte sie die Sekretärin. "Ich hab mir eine Orangenscheibe in meine Nase gesteckt."

"Hat die Wartung schon einen Teppichreinigungsdienst beauftragt?" Erkundigte sich Dar, während sie bei dem Gedanken an den Gestank zusammenzuckte. "Schon gut... stellen sie mich einfach zu Jack Eierdall durch." Sie wartete einen Moment, dann antwortete eine schroffe Stimme. "Jack? Hier ist Dar Roberts." Sie hörte der Stimme an anderen Ende zu. "Jack, wir brauchen heute eine Dampfreinigung... nicht erst in zwei Tagen. Das ist nicht akzeptabel." Ein weiteres Warten mit lautem Protest. "Ich geben keinen Pfifferling auf ihren Cousin... ich will, dass eine professionelle Mannschaft herkommt und ich werde ihnen die Rechnung plus Spesen schicken, wenn sie nicht heute erscheinen."

Dar inspizierte einen Fingernagel, dann bog sie ihre Hand, da die Haut durch den Sonnenbrand, den sie sich am Samstag geholt hatte, ein wenig spannte. "Hören sie mir zu... vergessen sie den Mist. Wenn ich beim Gebäude ankomme will ich ihren LKW dort sehen, oder ich rufe bei der Stanlay Steamer Gesellschaft an. Auf Wiederhören, Jack." Sie legte auf und wählte dann erneut. "Maria?"

"Si." Näselte die Sekretärin. "Oye... Entschuldigung, Dar." Sie blätterte durch einige Papiere. "Denken sie daran, dass sie um 8.30 Uhr eine Geschäftsführerkonferenz haben... und danach haben sie drei Kundenbesprechungen."

Dar seufzte. "Ich weiß... hören sie, stornieren sie all meine Termine morgen Früh... bis zum Nachmittag, und Kerry's Termine auch." Sie hielt inne. "Sie wird mich ähm... sie muss mich zu einem Termin fahren."

Ein schockiertes Schweigen. "In Ordnung... das werde ich tun." Sagte Maria langsam. "Ist es... ein geschäftlicher Termin, ich..."

"Nein." Sagte die Geschäftsführerin leise. "Ich muss ein paar Tests machen... es ist in Ordnung... nichts weltbewegendes, ich weiß nur nicht was sie mir für Medikamente geben werden, und ich will es nicht riskieren selbst zu fahren."

"Dios Mio... in Ordnung... ich werde mich darum kümmern... ich muss nur ihre Rechenschaftsbericht-Sitzung mit Travel & Transport absagen, Dar."

"Ach herrje." Heuchelte Dar. "Könnten sie so nett sein, und den Termin auf einen für sie äußerst ungelegenen Zeitpunkt verschieben?"

"Tsss... Dar." Lachte Maria. "Sie sind so böse." Sie zögerte. "Ich habe meinen Rosenkranz hier... Was für Tests sind es denn, damit ich weiß für was ich beten soll?"

Für einen Moment sprachlos, blinzelte Dar das Telefon an, dann atmete sie aus. "Es ist nichts... ich... sie sind sich nicht sicher, ehrlich Maria... vielleicht einfach nur eine Durchblutungstörung oder so... es ist wirklich nichts um sich darüber Sorgen zu machen, aber danke für das Angebot."

"Mi Madre." Seufzte die ältere Frau. "Aye... Guten Morgen." Sie nahm den Hörer von ihrem Ohr. "Entschuldigung, was?"

Dar hörte einen gedämpften Wortwechsel, dann kam Maria wieder an die Leitung. "Dar, sie haben irgendeine große Sache in New York verloren."

"Oh... wie furchtbar." Dar bedeckte ihre Augen. "New York an einem Montag Morgen am Boden... was hab ich getan um das zu verdienen?" Sie steuerte den Lexus auf die Rampe und bog dann links auf die Causeway ab. "Hören sie... ich bin in ungefähr zehn Minuten da... suchen sie jemanden in der MDF der dafür zuständig ist, und finden sie heraus was genau zusammengebrochen ist, und warnen sie die Nordostregion, dort besonders den Notdienst, und teilen denen mit, dass wir ein Problem haben."

"Okay okay... ah... Guten Morgen... danke, danke Chiquita." Maria's Stimme erwärmte sich, und Dar konnte im Hintergrund eine weitere Stimme hören, was ein Lächeln auf ihrem Gesicht erscheinen ließ. "Dar, Kerry ist hier, sie sagt, dass sie sich darum kümmern wird."

"Guten Morgen, Kerry." Kicherte Dar. "Danke... wie war der Rest von deinem Wochenende?"

"Ugh..." Kerry's Stimme war zurückhaltend... "Lass uns über was anderes reden... sagt dir der Begriff Abwasserrohrbruch etwas?"

"Autsch." Zuckte Dar zusammen als sie links auf die Brickell abbog.

"Ja... es ist beinahe so schlimm wie hier." Erzählte ihr Kerry. "Nun, ich werde jetzt Netops anrufen... bis du hier ankommst werde ich versuchen den aktuellen Stand herauszufinden." Die Tür schloss sich und Maria seufzte.

"Sie ist eine solch nettes Mädchen, Dar." Erzählte ihr die Sekretärin lobend. "Es war so süß von ihr, sie am Freitag nach Hause zu fahren..."

"Ja, das war es." Stimmte Dar zu, als sie auf den Parkplatz fuhr und fröhlich bemerkte, wie ein Lastwagen hinter ihr einbog. Der LKW fuhr direkt zum Lieferanteneingang, vier Männer stiegen aus und holten Teppichreinigungsartikel aus dem Fahrzeug. Sie grinste unbarmherzig. "Ich bin gleich da." Sie trennte die Verbindung, stieg aus dem Wagen, schnappte ihre Aktentasche und ging zur Eingangstür.

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Kerry trug einen Stapel Papiere mit sich als sie den hinteren Flur entlangging, an die Tür zu Dar's Büro klopfte, und hörte wie die Stimme der älteren Frau zu einem grollenden Geschrei anstieg. "Oh... Junge." Brummte sie, dann drückte sie die Tür auf und schlüpfte hinein.

Dar schritt aufgebracht hinter ihrem Schreibtisch herum, und sah eher aus, wie ein gutangezogener Panther. Sie schrie eine unglückliche Person vom Netzwerk Operations Zentrum an, und schmetterte seine Versuche, eine Erklärung abzugeben, mit einem Stakkatogebrüll ab. "Erzählen sie mir nicht so einen Mist, es interessiert mich nicht wie Sprint ein Fiberglaskabel unter dem Flughafen durchtrennt hat... ich will, dass die Schaltkreise umgeleitet werden."

Kerry blieb stehen, bevor sie den Schreibtisch erreicht hatte, hielt das oberste Blatt hoch und reichte es dann Dar als diese ihre Hand ausstreckte. "Es ist ein großes Problem, Dar... ein Flughafen Transportfahrzeug ist von der Rampe gerutscht und in das Kommunikationszentrum gekracht... dadurch sind das gesamte Schaltzentrum inklusive der internen Kommunikation des Flughafens lahm gelegt."

"Jesus." Dar's Augen weiteten sich. "Sind die Rechner ausgefallen?"

Kerry nickte. "Jawohl... sie leiten den Verkehr über La Guardia um, aber es herrscht ein Chaos."

Dar trommelte mit ihren Fingern auf ihren Schreibtisch während sich ihre Augen heftig bewegten. Dann setzte sie sich hin, fragte Informationen von ihrer Datenbasis ab und trommelte wieder mit ihren Fingern. "In Ordnung... in Ordnung... hören sie zu, Netops..."

"Wir sind hier." Kam eine müde klingende Stimme zurück. "Wir sind seit zwei Uhr heute Morgen hier."

"Sie haben dreißig T1 Leitungen von T&T zur Verfügung gestellt bekommen... die können sie für das Hauptnetz verwenden." Dar verfolgte ein Spinnennetz von Verbindungen auf ihrem Monitor und winkte Kerry zu sich. Die blonde Frau legte eine Hand auf die Sessellehne und schielte auf den Bildschirm.

"Ja... aber darüber läuft der Terminalverkehr." Knisterte es durchs Telefon.

"Wenn sie die Endpunkte der Router von den Backbones sechs und sieben auf eins und zwei verlegen, dann können sie die Kommunikation des Flughafens darüber laufen lassen und bekommen somit den Flughafen zurück... parallel schalten sie die Reserve Funktion zur Verbindung." Sagte Dar fieberhaft. "Das bring das Netzwerk hier auch wieder zum Laufen, und macht den Weg für die Bank von New York frei, deren Rechner vollkommen ausgefallen sind, und die mir bereits Feuer unterm Hintern machen."

Totenstille auf der anderen Seite.

"Haben sie mich gehört?" Bellte Dar und blickte zurück als Kerry ihr beruhigend auf die Schulter klopfte. "Hallo?"

"Oh... ja... sicher... okay... wir haben sie gehört... bleiben sie dran, das ist... verdammt, John... konfiguriere diese Tiger-Kontrolleinheit, damit wir die Reserven auf die Rechner schalten können... irgendjemand soll das MTC anrufen und ihnen sagen, dass wir die Umschaltung vornehmen, damit sie nicht ausflippen, wenn ihre Leitungen ausfallen."

"Ich warte." Rief Dar gereizt.

"Wir arbeiten daran..." Erwiderte die Stimme hastig.

"Arbeitet schneller." Warnte Dar. "Es ist 8:52 Uhr, wenn diese Banken um 9:00 Uhr nicht ihre Geschäfte aufnehmen können, dann werden sie in so viele Richtungen um sich schlagen, dass es für niemanden mehr Deckung gibt."

"Okay! Okay!"

Dar öffnete auf ihrem Monitor eine Übersicht des Netzwerkes und ließ sich alle ausgefallen Verbindungen anzeigen. Dann wiederholte sie missmutig diesen Befehl nochmals und aktualisierte ihre Anzeige.

"Ich wollte dir vorschlagen etwas Kaffee zu holen." Murmelte Kerry. "Aber vielleicht ist das keine so gute Idee."

Der dunkle Kopf drehte sich und blaue Augen betrachteten sie, als sie ihre Lippen verziehend ein Grinsen unterdrückte. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Monitor zu. "Noch drei Minuten... wo sind meine Schaltkreise?!"

"Warten sie... bleiben sie dran... schalt das um... nein... NEIN!!!"

"Zwei Minuten!!!" Schrie Dar. "Ich brauche diese Umleitung!!!!"

"Okay... wir müssen die zweitrangigen Tabellen auf diesen Backbone laden... Serial 1... okay... okay... versuchen sie es jetzt!"

Dar aktualisierte ihren Bildschirm und lächelte. "Danke." Schnurrte sie. "Es war nett mit euch Jungs zu arbeiten." Sie trennte die Verbindung. "Nein." Bellte sie zum Telefon, dann schlug sie kopfschüttelnd auf eine Taste.

"Elaine Aberman, Servicedienst." Meldete sich eine nervöse, besorgt klingende Stimme.

"Guten Morgen, Elaine." Sagte Dar in einem beruhigenden Ton.

"Nein! Das ist es nicht!" Jammerte die Frau. "Es ist schrecklich! Es ist eine Tragödie! Wir werden sterben!"

"Sie sind wieder am Netz." Sagte die Geschäftsführerin ruhig.

"Sie können sich nicht vorstellen was für ein Chaos hier herrscht, wir müssen die Serviceleistungen nach New York bereitstellen, und... Was war das?"

"Sie sind am Netz. Wir haben den Verkehr ein wenig umgeleitet... es könnte ein bisschen langsam sein, aber alle Leitungen stehen." Informierte sie Dar.

"OH." Quiekte die Frau. "Jungs! Jungs! Wir sind am Netz! Ehre sei Gott in der Höhe, wir sind am Netz!!!"

Kerry legte eine Hand auf ihren Mund und erstickte ein Lachen.

"Tschüss, Elaine." Dar legte auf und lehnte sich mit einem Seufzer entspannt in ihren Stuhl zurück. "Nette Art einen Montag anzufangen." Sie drehte ihren Kopf und blickte zu der noch immer kichernden Blonden. "Abwasserrohrbruch, wie?"

Kerry ließ eine Hand auf Dar's Schulter fallen und drückte sie. "Oh mein Gott, ja... es war schrecklich... schließlich musste ich einfach fort, und bin in den kleinen Park in der Nähe meiner Wohnung gegangen, und hab dort gewartet bis sie das Abwasser abgepumpt hatten."

"Mm... hört sich toll an." Dar stieß sich auf ihre Füße. "Ich werde auf einer Geschäftsführersitzung erwartet... würdest du das für mich im Auge behalten? Ruf mich auf meinem Handy an, wenn es wieder hässlich wird." Während sie ihren Stuhl vorschob tätschelte sie Kerry's Rücken. "Bis später."

Kerry sah zu wie sie ging, dann sammelte sie ihre Papiere zusammen und machte sich auf den Weg in ihr Büro.

 

~~~ ENDE - Kapitel 5 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 6 lesen.

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