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Tropical Storm - Kapitel 6 |
Tropical Storm Kapitel 6
Dar konnte, bevor sie überhaupt die Tür geöffnet hatte, die lauten Argumente hören, sie ließ die Tür absichtlich hinter sich zuknallen und ging zu dem großen Direktionskonferenztisch. Alle erschraken, dann fingen sie an sie anzubrüllen. Sie stellte ihre Ohren auf Durchzug, zog ihren Stuhl heraus und setzte sich hin, dann arrangierte sie peinlich genau ihre Papiere vor sich und legte ihre gefalteten Hände darüber. Der Lärm setzte sich fort und sie fixierte jeden der brüllenden Manager mit ihren hellblauen Augen, bis er oder sie die Klappe hielt. Schließlich blieb nur noch Jose Montarosa, der Chef vom Verkauf übrig, dessen Gesicht knallrot war, und dessen Adern am Hals so angeschwollen waren, das sie aus dem Kragen seines weißen, langärmligen Hemdes herausquollen. "Gottverdammt, Dar... ich habe heute morgen drei auf dem Spiel stehende Verträge in New Jersey, die wir vergessen können, wenn sie diese Scheiße nicht zum Laufen kriegen. Ich werde den Verlust von ihrem Gehaltsscheck abziehen!" Dar sah auf ihre Hände herunter, dann blickte sie ihn, mit hochgezogener Augenbraue, wieder an. "Versuchen sie es." Schnurrte sie lächelnd. Es entstand ein angespanntes Schweigen. "Außerdem, wenn ihre Sekretärin nur zwei Prozent ihres Gehaltes wert wäre, das ihr für diesen... Scheiß gezahlt wird... für den sie sie eingestellt haben, dann hätte sie ihnen über ihren Pager schon vor zehn Minuten mitgeteilt, dass wir wieder am Netz sind." Dar goss sich ein Glas Wasser ein und nippte daran. "Jetzt setzen sie sich hin und halten ihre Klappe, damit wir anfangen können. Ich habe noch andere Dinge um die ich mich kümmern muss." Montarosa starrte sie mit bebenden Lippen an, dann nahm er das Telefon im Konferenzraum und wählte eine Nummer. "Maria... wie ist der Stand?" Eine Pause. "Warum zum Teufel haben sie mich darüber nicht informiert?" Eine weitere Pause. "Erzählen sie mir nicht solch einen Mist... mein Pager ist..." Er hielt inne und sah auf seinen Gürtel. "Abgeschaltet." Er knallte einfach den Hörer auf und ließ sich mit einem finstern Blick in seinen Stuhl fallen. Duks lehnte sich zurück und um nicht loszulachen biss er in einen Bleistift. "Dar, ich habe gehört, dass es ein durchtrenntes Fiberglaskabel war... was ist passiert?" Die große Frau lehnte sich ebenfalls zurück, streckte ihre Beine unter dem Tisch aus und verschränkte sie über den Knöcheln. "Ein LKW hat das Kabel durchtrennt. Wir haben eine Umleitung über die regulären Flughafen T1's vorgenommen und den Verkehr parallel zum Backup geschaltet." "Aha." Nickte Duks und tat so, als ob er irgendeine Ahnung davon hatte, über was sie redete. "Kann ich einen Bericht darüber haben?" Ein nervöses Lachen machte die Runde und löste die Spannung. "Alles klar... in Ordnung... ich habe diese Woche den Vorsitz... kommen wir zur Tagesordnung." Kicherte Mariana von ihrem Platz neben Duks, als sie den Tagungsbericht der letzten Sitzung hervorzog. "Nun, da wir diese morgendliche Krise, dank Dar, überstanden haben, können wir zu unbedeutenderen Dingen übergehen." Sie räusperte sich. "Am kommenden Samstag findet der... Allgemeine Freiwilligen Hilfstag, an der Gesamtschule im Norden Miamis statt. Wir brauchen Leute, die dort Reinigungs- und Malerarbeiten, oder ähnliches machen." "Wie viele Freiwillige haben wir schon von der Belegschaft?" Fragte Evan Maitsen. Seine Abteilung war für den überwiegenden Teil der Dateneingabe zuständig und stellte traditionell die größte Anzahl von Freiwilligen für wohltätige Zwecke. "Ähm... bis jetzt sind es 206." Sagte Mariana. "Eine große Gruppe stellt die Associated - ich glaube sie wollen die Gesellschaftstypen beeindrucken." Ein allgemeines Gelächter machte die Runde. "Wer von uns ist dieses Jahr dran?" Fragte Jose, während er sein Kinn auf seine große Faust legte. "Ich hab es letztes Jahr gemacht... erinnern sie sich?" Dar überlegte einen Augenblick. "Ich glaube, ich bin dran." Bemerkte sie, als sie sich daran erinnerte, wie Kerry schon versucht hatte sie dafür zu gewinnen. Alle sahen sie leicht ungläubig an. Sie zuckte mit ihren Schultern. "Ich war noch nie dabei, also bin ich an der Reihe." Mariana starrte sie für einen langen Augenblick durchdringend an, dann schüttelte sie ihren Kopf und schrieb ihren Namen auf ihr Blatt Papier. "In Ordnung." Sie räusperte sich und ging zum nächsten Punkt. "Ich möchte daran erinnern, dass an diesen Freitag der Bosses-Day ist." Sie blickte in die Runde. "Ich weiß, dass die meisten die Regeln kennen, aber ich sage es noch mal, bitte sein sie vorsichtig... einige Leute benutzen diese Gelegenheit um unangemessene Geschenke zu überreichen." Ein Kichern erklang. "Ja... ich erinnere mich als jemand Dar ein Paar gefriergetrocknete Stierhoden geschickt hat." Kicherte Jose wobei er Dar süß anlächelte. "Was haben sie damit gemacht, he?" Dar, die vor sich hingekritzelt hatte, sah nach oben. "Ich habe sie an Les weitergeschickt." Antwortete sie gleichgültig. Duks fiel vor Lachen beinahe von seinem Stuhl und die anderen, außer Jose und einige seiner Kumpane, stimmten mit ein. "Nun, nicht alle von uns müssen sich Sorgen darüber machen eine Rohrbombe geschickt zu bekommen." Deutete er an. "Einige von uns mögen sie wirklich." Mariana blickte zu ihm. "Glücklicherweise bezahlt Dar ihre Leute für ihre Arbeit, und nicht dafür, dass sie ihre Kumpels sind." Erwiderte sie nüchtern. "Ansonsten wären wir alle in großen Schwierigkeiten." Sie zog eine Seite nach oben. "Weil wir gerade davon sprechen, wie wär's, wenn wir die Leistungsprüfungen durchgehen?" Dar wandte sich wieder ihrer Skizze zu, während sie mit halbem Ohr den gewissenhaft vorgetragenen Ausführungen der Personalchefin zuhörte. Sie hatte den gestrigen Tag damit verbracht ihre E-Mails abzurufen und auf der Couch ausgestreckt in der glücklicherweise wiedervorhandenen klimatisierten Luft zu entspannen, und war überrascht wie gut sie sich nach nur einem Tag auf dem Wasser fühlte. Sie sah auf, als Duks sie näher lehnte. "Du hast heute so gute Laune." Murmelte er leise. "Hab ich das?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau. "Ich schätze, das hab ich... ich hab am Wochenende ganz schön gefaulenzt." Duks schielte auf ihr Blatt, worauf lauter kleine Fische gezeichnet waren. "Gehst du Fischen?" Ein Kichern. "Nicht direkt... nachdem der Sturm sich gelegt hatte... war ich jedoch ein wenig Tauchen." Er pflaumte sie an. "Dar... du solltest wissen, dass man nicht alleine tauchen geht... danke, ich hab keine Lust die Ansprüche auf deine Lebensversicherung zu bearbeiten." Blaue Augen hoben sich mit einem milden Ausdruck zu seinen. "Ich war nicht alleine." Überrascht blinzelte er sie an, dann lachte er leise und drohte ihr mit einem Finger. "Ich hätte es mir denken können... kein Wunder, dass du so entspannt aussiehst." Dar's Augenbraue hob sich. "Es ist nicht..." Sie zögerte. "Nicht was du denkst." Er lächelte sie nur an und klopfte mit seinem Bleistift auf ihren Arm. "Sag nichts mehr." Armer Duks... Er denkt immer, das alles damit zu tun hat, dass die Leute miteinander schlafen, oder nicht? Dar lächelte in sich hinein. Er würde nie verstehen, dass zwei praktisch Fremde, durch bestimmte Umstände zusammenkommen, und dann Freunde werden können. Dies war ein sehr befriedigender Gedanke und Dar grübelte einen Augenblick darüber nach, als ein schwaches Lächeln ihr Gesicht überquerte. Es war schon sehr lange her, dass sie jemanden in ihr Leben gelassen hatte. Außer natürlich Duks und Mariana mit denen sie manchmal Sachen unternahm wie Abendessen, Mittagessen und Dingsbums. Sie kannte sie seit Jahren und sie waren auch schon einige Male auf der Insel gewesen, aber... Sie seufzte. Ein kranker Wind bläst niemanden gesund. "Dar?" Aus dem Tonfall konnte man heraushören, dass ihr Name nicht zum ersten Mal gerufen wurde und sie blickte abrupt auf. "Entschuldigung... was?" Alle Augen sahen neugierig und zweifelnd zu ihr. "Tut mir leid... ich bin gedanklich gerade etwas anderes durchgegangen." Sie verschränkte ihre Arme über ihrer Brust und schaffte es lässig und gleichgültig dreinzublicken. "In Ordnung... nun gut..." Betty Mavis schaute wieder auf ihre Liste hinunter. "Nun, da wir das Quartal abgeschlossen haben und das Vierte beginnen, haben wir ein paar Wochen, um zu entscheiden was wir mit Weihnachten machen." "Ich denke, wir sollten damit aufhören und alle Hindus werden." Sagte Duks schniefend. "Es ist viel einfacher... wir können jedem eine Tüte Reis schenken." Er wedelte mit seinem Bleistift. "Wenn ich mich recht erinnere, kostet ein Pfund siebzehn Cents." Jose warf ein Stück zerknülltes Papier zu ihm. "Gottlose Heiden." Schnaubte er. Duks war für seine atheistischen Ansichten bekannt. "Erinnern sie mich, dass ich sie niemals für so etwas wählen werde." "Haben wir dieses Jahr einen Etat dafür, oder müssen wir wieder rausgehen und bemaltes Toilettenpapier verkaufen?" Lästerte Dar, während sie einen Hummer zeichnete. "Wir sind im vierten Quartal, was meinst du?" Lachte Duks. "Ach... ich vermute, dass ich irgendwo etwas Geld abzwacken kann... was soll's den sein, ein Baum, ein paar gefüllte Schweine oder so, und eine Yucca? Ist es das?" Betty stöhnte. "Schon gut... ich werde die Planung übernehmen... vielleicht können wir diesmal etwas anderes als Piccadillo und Ropa Vieja nehmen." Sie warf Jose einen Blick zu, der mit seinen Schultern zuckte und seine Hände hob. "Keine Sorge... für sie werde ich mindestens ein gefülltes Schwein besorgen." Sie beendeten die Sitzung und Duks ging mit Dar zur Tür. "Hast du Zeit zum Mittagessen, DR?" Die dunkelhaarige Frau holte Luft. "Wahrscheinlich nicht, Dukky... ich habe noch Besprechungen... und ich weiß nicht wie lange die dauern." Sie lächelte ihn an. "Ein anderes Mal." Sie klemmte ihre Unterlagen unter ihren Arm und ging zum Treppenhaus, da sie auf diesem Weg schneller zum zehnten Stock kam, wo sich das Zentrum der Operations befand.
"Also, ich habe drei Leute gefunden, die diesen Tauchkurs mit mir machen." Kerry nahm einen Bissen von ihrem Hühnersalat-Sandwich und kaute darauf herum. "Wir haben diese Schule in Kendall angerufen, da sie alle in meiner Nähe wohnen und haben einen Vertrag mit Terminen an Samstagen mit Theoriestunden, zwei Stunden im Schwimmbad, vier Freiwassertauchgänge und einem Nachttauchgang ausgemacht." Sie nahm einen Schluck Eistee. "Hört sich das gut an?" Eifrig mit ihrem eigenen Teller beschäftigt, nickte Dar. Sie war viel später als gewöhnlich zum Mittagessen gekommen und musste es zwischen zwei Sitzungen schieben. "Ja... ist die Vermietung der Ausrüstung inbegriffen?" "Ja... jedoch... denke ich darüber nach, mir einige Teile selbst zuzulegen." Antwortete Kerry zögernd. "Zumindest den Lungenautomaten." "Das ist eine gute Idee." Die Geschäftsführerin nickte zustimmend. "Meiner ist von Dacor... du kannst ihn, so wie meiner, mit oder ohne Tauchcomputer, beziehungsweise mit oder ohne Oktopus kaufen." Verwirrt blinzelten sie grüne Augen an. "Wie bitte? Sie geben dir einen Oktopus zu deiner Tauchausrüstung dazu? Igitt... das ist ja ekelig." Sie nahm einen weiteren Bissen von ihrem Croissant, wobei sie eifrig versuchte die herunterfallenden Krümel aufzufangen. Dar lachte. "Nein... nein... das ist das zusätzliche Mundstück, dass du bei meiner Ausrüstung gesehen hast... man nennt es Oktopus." Sie schaufelte sich eine Gabel voll Kartoffelsalat in den Mund und kaute. "Es ist für Partneratmung gedacht." "Oh." Kerry errötete leicht. "Partneratmung... richtig." Sie zog ein Magazin hervor. "Das hab ich mir gestern gekauft... ich hab es gelesen als ich gewartet habe, bis dass Abwasser abgepumpt war." "Pro Diver... das ist ein gutes Magazin." Dar lächelte über ihre Begeisterung und erinnerte sich an ihre eigenen Tauchschein. Sie grübelte das es schon ewig her zu sein schien, dann sah sie auf ihre Uhr. "Halt ich dich von irgendetwas ab?" Grüne Augen hoben sich leicht schüchtern zu ihren. " Ähm... nun, nein... ich habe an diesen Projekten gearbeitet, und dann hab ich mich um einige E-Mails gekümmert, und... ähm... ich weiß nicht, ich glaube, ich hatte das Mittagessen total vergessen, bis du aufgetaucht bist und deinen Kopf durch die Tür gesteckt hast." Dar betrachtete sie neugierig. "Oh ja." Sie bemerkte das sanfte Erröten, am Hals der blonden Frau und biss auf ihre Gabel. "Nun, dann war mein Timing ja richtig." Sie realisierte, dass Kerry mit dem Mittagessen auf sie gewartet hatte, und sie fragte sich, ob sich die junge Frau durch die neue Umgebung ein wenig eingeschüchtert fühlte. Schließlich war Dar die einzige Person die sie wirklich kannte... und wahrscheinlich war es ihr unangenehm in die üblichen Mittagstischcliquen hereinzuplatzen. Sie machte sich eine geistige Notiz Maria zu bitten, sie einigen von den netteren Leuten vorzustellen. "Es ist schön jemanden beim Essen zu haben mit dem man reden kann... gewöhnlich hol ich mir einfach etwas." Kerry knabberte an ihrem Sandwich. "Bei der Associated hab ich das auch oft gemacht... es ist seltsam, ich mochte die Leute da, doch wenn ich mit ihnen ausgegangen bin, hatte ich immer das komische Gefühl, dass sie mir was vorspielten." "Mm." Dar nickte verstehend. "Das passiert mir auch sehr oft." Aber nicht bei Kerry, erkannte sie erleichtert. Die Frau war so geradeheraus wie man nur sein konnte. "Oh... und ich habe auch diese Angebotsseite durchgesehen... dieses Fitnessstudio ist wirklich gut ausgestattet... ich habe mich dort eingetragen." Sagte Kerry, wobei ihr die Worte etwas schneller heraussprudelten als gewöhnlich. "Ich habe mir gedacht... sogar wenn... ich meine, ich wäre verrückt, wenn ich es nicht täte, richtig? Sie haben dort ein paar wirklich gute Kurse." "Ich habe mich heute morgen auch eingetragen." Sagte Dar lässig. "Wir haben eine Verabredung am Mittwoch, erinnerst du dich?" Nun lächelte Kerry. "Ich erinnere mich." Sie entspannte sich ein wenig. "Wann ist dein Termin morgen?" Dar hatte versucht nicht daran zu denken. "Um acht." Antwortete sie leise. "Willst du... dass ich dich am Fährterminal auflese? Es macht keinen Sinn, dass du den ganzen Weg hierher fährst nur um... ich meine es liegt am Strand, richtig? Direkt an der Alton Road?" "Das klingt gut." Antwortete Dar. "Sicher... es ist direkt an der Alton, neben Mount Sinai... ich... ähm, ich weiß nicht wie lang es dauern wird." Kerry blickte sie mitfühlend an. "Ich werde einen Kitschroman mitnehmen... aber ich wette, dass es nicht lange dauern wird bis sie herausgefunden haben, dass alles okay ist." Dar atmete ruhig aus. "Erhalte dir diese positiven Gedanken, Kerry..." Sie hob ihren Kopf und blickte in die seegrünen Augen ihr gegenüber. "Ich kann jeden davon gebrauchen." Sie hielten den Blick für einen Moment, dann stieß sich Dar auf ihre Füße. "Noch mehr Besprechungen... es kommen einige Kunden um die ich mich kümmern muss... ich werde wahrscheinlich erst sehr spät ins Büro zurückkommen." "In Ordnung... ich werde an der Sache, die du mir gegeben hast, weiterarbeiten... wenn irgendetwas in die Luft fliegt, werde ich dich anpiepsen." Versprach Kerry. Sie wandte sich dem Rest ihres Essens zu, als ihr Dar zum Abschied auf die Schulter klopfte und ging. Es war erstaunlich wie warm es sich sogar durch den Stoff ihrer Jacke anfühlte, grübelte sie. Sie sah lächelnd nach oben als ein Schatten über sie fiel. "Hallo." "Hi." Eine kleine, blonde Frau stand lächelnd da. "Haben sie etwas dagegen wenn ich mich setze?" Kerry schüttelte ihren Kopf. "Nein... ich bin gleich fertig... möchten sie... diesen Tisch?" Sie konnte mehrere ähnliche Tische entdecken, die nicht besetzt waren, aber sie vermutete, dass die Frau sich an diesen besonderen Tisch setzen wollte. "Nein... es ist okay. Ich wollte mich nur vorstellen." Sie streckte eine beringte Hand aus. "Ich bin Eleanor Anastasia aus der Verkaufs- und Marketingabteilung... ich habe gehört, dass sie Dar's neues Mädchen sind." Die Frau setzte sich steif hin, und während sie Kerry's Gesicht studierte strich sie mit ihrer Hand das Tischtuch glatt. "Ich hätte nicht gedacht, dass sich Dar für jemand so Junges begeistern könnte... jedoch habe ich gute Dinge über sie gehört." "Danke." Erwiderte Kerry vorsichtig. "Ich bin ja erst ein paar Tage hier... und bin immer noch dabei mich mit vielen Dingen vertraut zu machen." Wohlweißlich ignorierte sie Elaine's hinterhältige Kommentare. "Es ist sehr nett, dass sie mir das sagen." Elaine lächelte spitz. "Wir sehen hier doch immer gerne ein frisches Talent... besonders in einem so wichtigen Bereich wie der Operations... Ich hoffe, wir können eine angenehme Arbeitsbeziehung aufbauen." Sie hielt inne. "Manchmal haben wir solch... nun, ich vermute man kann es Kommunikationsprobleme nennen... Ich bin sicher, sie werden lange brauchen, um das auszubügeln." "Nun, ich werde mit Sicherheit mein Bestes versuchen... wenn es mir möglich ist, bemühe ich mich mit jedem auszukommen." Antwortete Kerry lächelnd. "Wir müssen so viele Dinge aufeinmal tun, da fällt es schwer auf die sozialen Feinheiten zu achten." "Schätzchen, ihr größtes Kommunikationsproblem ist gerade den Flur hinuntergegangen... wir alle mögen die liebe Dar, aber sie kann manchmal ein bisschen schwierig sein." Elaine ließ eindeutig ihre Abneigung gegen ihre Geschäftsführerkollegin durchsickern. "Sind sie nicht meiner Meinung?" Kerry legte ihren Kopf leicht zur Seite. "Eigentlich... nein... ich empfinde es ausgesprochen leicht mit ihr zu arbeiten." Antwortete sie höflich. "Also bin ich mir nicht sicher, worüber sie eigentlich reden." "Tatsächlich?" Elaine blickte sie mitleidig an. "Nun, warten sie noch ein paar Tage, Süße." Herablassend klopfte sie auf Kerry's Arm. "Wir werden und wieder sprechen." Sie tätschelte sie noch einmal, dann stand sie auf und strich sich ihr enges hellrotes Kostüm glatt. "Zur Abwechslung ist es nett, jemanden mit Manieren dort zu haben." Lächelte sie Kerry an und ging dann quer durch den Raum zu einem Seitentisch, an dem vier weitere geschäftsmäßig gekleidete Leute saßen. Kerry lief es eiskalt über den Rücken und widerstand dem Drang sich mit einer Serviette, dort wo sie die Frau berührt hatte, den Ärmel abzuwischen. "Igitt." Sie hob ihr Tablett hoch und trug es zur Geschirrabgabe, stellte es dort ab und wischte sich ihre Hände ab. "Ich muss etwas für ihren Ruf tun." Tief in Gedanken versunken machte sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl.
Kerry legte die Zeitschrift weg und sah sich in dem Wartezimmer um. Dann blickte sie auf ihre Uhr und seufzte. Zwei Stunden. Der Raum war recht behaglich mit gepolsterten Stühlen, die in einer doppelten Acht angeordnet waren und niedrigen Tischen auf denen eine überraschende Auswahl an aktuellen Zeitschriften lagen. Sie hatte bereits durch die PC World, Windows, Infoweek und die Time gesehen und, blätterte gerade durch die People als sie beschloss eine Pause einzulegen. Es interessierte sie wirklich nicht, wer die fünfzig interessantesten Menschen 1998 waren, richtig? Sie lehnte sich zurück und überkreuzte ihre Füße während sie sich fragte was Dar gerade machte. Oder um es präziser auszudrücken, was sie gerade mit Dar machten. Sie hatte ihre Chefin um 7.30 Uhr aufgelesen und waren recht schweigsam den kurzen Weg zum Strand gefahren. Dar hatte ihre Gefühle recht gut kaschiert, doch Kerry hatte gesehen wie sie unentwegt schluckte und angespannt ihre Lippen verzog. Arme Dar. Sie fühlte sich so deprimiert für die größere Frau. So nervös zu sein war schon schlimm genug, aber vorzugeben, es nicht zu sein, war noch viel schlimmer. Kerry hätte ihr beinahe gesagt, dass in Ordnung war, Angst zu haben, doch sie dachte sich, dass Dar es nicht schätzen würde, wenn sie zu diesem Zeitpunkt Dar's Abwehr untergraben hätte. Seufzend stand sie auf und ging aus dem leeren Raum über den Flur zu einem kleinen Raum mit Verkaufsautomaten in der Nähe. Die Wände waren mit hellblauem Vinyl überzogen und die Böden waren hochglanzpoliert, aber das merkwürdigste waren die Gedenkplaketten. Die Gedenkplaketten befanden sich überall. Es gab Gedenkräume, Gedenkflügel, Gedenktreppenhäuser, einen Gedenkfahrstuhlschacht, und sie entdeckte, als sie während ihres Spaziergangs nach oben blickte, einen Gedenkspringbrunnen. Alles zu Ehren der Leute, die für das Herzinstitut gespendet hatten. Kerry war fasziniert und fragte sich ob es jemanden stören würde, wenn eine Plakette mit seinem Namen an der Toilettentür befestigt würde. Persönlich würde sie das Geld lieber für produktivere Dinge spenden, wie zum Beispiel für Krankenhausbekleidung die den Hintern nicht offenbarte. Mit Sicherheit könnten einige Forschungsgelder dafür entbehrt werden, richtig? Kerry drückte sich in den Verkaufsraum und schlenderte zum Kaffeeautomaten, steckte ihren Vierteldollar hinein und wählte einen Cappuccino. Sie nahm ihr schaumiges Getränk aus dem Spender und ging ins Wartezimmer zurück.
Mit geschlossenen Augen versuchte Dar die winzigen Stiche und die Fremdartigkeit der Apparatur, die an ihrem Körper befestigt war, zu ignorieren. Kabel waren über ihrem Herzen, unter ihrem Arm und eines war auf ihrem Rücken befestigt, und neben dem Bett hatten sie gerade ein Gerät aufgestellt. An dem Gerät war ein kleiner Lesestift befestigt, und wie die Oberschwester ihr liebenswürdig erzählt hatte, würde es ähnlich wie die Apparatur, die zur Beobachtung von ungeborenen Babies benutzt wurde, Schallwellen aussenden und die zurückgeworfenen Wellen erzeugten dann ein Bild. Oh. Dar kaute auf Innenseite ihrer Lippe, um sich nicht auf die Schwester zu stürzen. Als ob ich noch nie etwas von einem Elektrokardiogramm gehört hätte. Willst du wissen wie man solche Bilder macht, sie in Lichtwellen umwandelt und dann wieder zusammensetzt, kleines Mädchen? Wie wär's, wenn ich den Strom umleite und du höllisch eine gewischt kriegst, wenn du das Ding anfasst? Herablassende kleine.... Aber nein, sie nahm sich zusammen, schloss einfach ihre Augen und wartete. Schließlich dröhnte eine Männerstimme neben ihr und sie öffnete ihre Augen um einen großen Mann mit leicht angegrauten, dunklen Haaren neben sich stehen zu sehen. "Hi." Grüßte sie. "Guten Tag, Ms. Roberts." Sagte der Mann und streckte ihr eine Hand hin. "Mein Name ist Richard Berger, und ich werde sie nun abhören, um zu sehen, ob ihre Pumpe Hilfe braucht." "In Ordnung." Antwortete Dar, ihr gefiel seine Offenheit. "Obwohl ich auf den unangenehmen Kabeln liege, wie?" Lächelnd steckte er sich sein Stethoskop in seine Ohren und wärmte das Ende zwischen seinen Fingern, bevor er es auf ihre Brust legte und konzentriert zuhörte. Dar gefiel diese Geste. Sie erinnerte sich, wie sie einmal einem Arzt geantwortet hatte, als dieser ihr fröhlich erzählt hatte, dass es nun etwas kühl werden würde, indem sie eine Bettpfanne nahm und zwischen seine Beine direkt gegen seine Hoden platziert hatte. Es ist nur für eine Minute kühl, hatte sie ihm geantwortet, bevor er in die andere Ecke flog. Sie beobachtete Dr. Berger's Gesicht, als dieser, mit einer normalen menschlichen Reaktion, seinen Kopf drehte um besser hören zu könne, obwohl das Stethoskop den Ton gleichmäßig an seine Ohren brachte. "Hmm." Murmelt er, dann nahm er den Lesestift und verteilte eine gelartige Substanz darauf und dann auf ihre Brust. Er drückte das Instrument hinunter und bewegte es in kleinen Kreisen während er zu dem Monitor über seinem Kopf blickte. Nach einem Moment blickte er stirnrunzelnd zu ihr hinunter. "Nichts offensichtliches, Ms. Roberts... sie haben jedoch einen verdammt niedrigen Blutdruck." Dar zog eine Augenbraue hoch. "Dafür kann ich nichts." "Nein... aber das macht es mir wirklich schwer etwas zu sehen... könnten sie... ähm... an etwas denken das ihren Herzschlag etwas beschleunigen würde?" "Ich weiß nicht... na gut, ich werde es versuchen." Antwortete Dar und schloss ihre Augen um sich zu konzentrieren. Mit überraschender Schnelligkeit kam ihr ein Gedanke und sie ließ dem Bild freien Lauf, während sie spürte wie ihre Atmung schneller wurde, ihr Plus sich beschleunigte und sich ihre Haut mit einem leichten Erröten erwärmte. "Wie ist es jetzt?" "Viel besser." Beglückwünschte sie der Arzt während er ihr auf die Schulter klopfte. "Okay... bleiben sie so... ich will noch ein paar Bilder mehr... fertig. Okay." Er drehte sich halb um. "Haben sie das auf dem EKG? Gut." Er warf ihr ein professionelles kurzes Lächeln zu. "In Ordnung... Ms. Connors hier wird sie von diesem Zeug befreien und sie können sich dann anziehen." "War's das?" Dar blickte ihn verwirrt an. Er nickte. "Das war alles was ich sehen musste. Ich geh nun das Band überprüfen und werde dann mit ihrem Arzt sprechen, okay? Ziehen sie sich an, danach können wir im Sprechzimmer darüber reden." Dar schluckte hart. "Okay." Er klopfte ihr nochmals auf die Schulter und ging dann mit der Kartusche, die er aus dem Gerät genommenen hatte, hinaus. "Schätzchen setzten sie sich für eine Minute auf, damit ich diese kleinen blöden Pads von ihrem Rücken entfernen kann, okay?" Die Krankenschwester kam auf sie zu und griff nach ihr. Dar ignorierte die Hände und setzte sich auf, wobei sie den Druck gegen ihre Bauchmuskeln spürte während sie sich nach vorne beugte. "Du meine Güte." Lachte die Krankenschwester, eine große, füllige, engelhafte Blondine. "Sie müssen Sport treiben, richtig?" Sie entfernte das Kabel von Dar's Rücken und fasste sie an der Schulter. "Okay, legen sie sich nun zurück." Dar legte sich wieder hin und versuchte ihren Verstand freizubekommen, während sie darauf wartete, dass diese idiotische Frau die elektronischen Anschlüsse von ihr entfernte. Plötzlich hatte sie nur noch einen Wunsch, sie wollte einen Teddybär, den sie umarmen konnte, und sie wünschte sich, dass sie einfach gehen könnte, ohne in dieses Sprechzimmer gehen zu müssen, und wollte nicht diesem sehr netten, und dennoch schrecklichen Dr. Berger bei dem zuhören was er ihr sagen musste. Sie wollte nicht krank sein. Sie hasste es krank zu sein. Dar schwang ihre Beine über den Bettrand, stand auf und nahm mit einem Nicken die Kleidung, die ihr die Krankenschwester reichte. "Danke." Langsam zog sie ihre vertraute Kleidung wieder an, stopfte ihr cremefarbenes Shirt hinein und zog den Reißverschluss ihres Rockes hoch, dann hing sie ihre Jacke über ihre Schulter und machte sich auf den Weg ins Wartezimmer. Besorgte grüne Augen blickten sie an und sie fühlte eine beruhigende Wärme, die ihre Furcht ein wenig linderte. Kerry sprang auf und schlenderte zu ihr hinüber, wobei sie eifrig Dar's Gesicht überprüfte. "Nun gut, es ist vorbei." Erzählte sie der blonden Frau. "Jetzt muss ich nur noch da rein gehen und mir die schlechten Neuigkeiten anhören." Kerry zögerte, ihre Lippen waren angespannt. "Denkst du, dass es schlechte Nachrichten sind?" Dar nickte nur ganz kurz. "Ja, das glaube ich." Die jüngere Frau umfasste mit ihren warmen Fingern ihren Arm und rieb mit ihrem Daumen über die weichen Härchen auf ihrer Haut. "Brauchst du... ähm... etwas moralische Unterstützung da drinnen?" Die Geschäftsführerin zögerte, holte Luft und atmete wieder aus. "Sicher." Gab sie leicht seufzend nach, es war ein gutes Gefühl jemanden bei sich zu haben und winkte Kerry zu dem kleinen Raum an einer Seite des Wartezimmers. "Bringen wir es hinter uns." Der Raum war sehr klein und war in Tat beinahe klaustrophobisch, mit zwei Stühlen und einem kleinen Schreibtisch für den Arzt und ein Bild darüber auf dem drei Äpfel, zwei Orangen und eine Banane abgebildet waren. Dar setzte sich auf einen Stuhl und verschränkte ihre Arme vor der Brust, während Kerry den zweiten Stuhl nahm, die Füße darunter klemmte und sich ein wenig nach vorne beugte. Dr. Berger kam herein, setzte sich hin und legte einen großen Umschlag auf den Tisch worüber er seine Hände faltete. Er blickte neugierig zu Kerry, fragte aber nicht wer sie war. Stattdessen wandte er seine Aufmerksamkeit zu Dar. "Nun, Ms. Roberts... sie sind ein sehr interessanter Fall." Dar war sich nicht sicher wie sie das verstehen sollte, also zog sie nur eine Augenbraue in die Höhe. "Sie haben einen angeborenen Herzklappenfehler." Fuhr der Arzt fort während er mit dem Umschlag spielte. Dar's Herz sank, doch nach außen blieb sie relativ unbeeindruckt. Obwohl sie das Gefühl hatte sich gleich übergeben zu müssen. "Jedoch..." Dr. Berger sah nach oben. "Irgendwie hat ihr Körper das kompensiert, und entwickelte ein... nun, hier, ich werde es ihnen zeigen." Er zog ein Foto heraus und zeigte mit seinem Füller auf einem Bereich. "Hier... ist es beinahe so, als ob ihr Körper das kompensiert hat, indem er diesen Muskelbereich hier... und hier... verstärkt hat..." Er schüttelte seinen Kopf. "Ich habe so etwas noch nie gesehen." Dar sah auf das Bild und dann zu ihm. Sie war sich Kerry's naher Gegenwart gewahr und die blonde Frau schielte auch auf das verschwommene, schwarzweiße Bild. "Was genau wollen sie damit sagen? Stimmt mit mir etwas nicht oder doch??" Der eiserne Griff, der ihre Brust zusammengedrückt hatte lockerte sich etwas. Ein kurzes Lächeln huschte über sein gutaussehendes Gesicht. "Das mit Sicherheit." Er zeigte mit seinem Bleistift zu ihr. "Aber mit den ganzen Tests die ich gemacht habe, gibt es mit diesem kleinen Arrangement keine Funktionsbeeinträchtigung, also... ich weiß nicht was ich ihnen sagen soll." Es sah zu ihr auf. "Ich denke, die Tatsache, dass sie offensichtlich eine sehr gesunde Lebensweise führen, hat einen großen Anteil daran... sie sind in einer sehr guten Verfassung, sie achten auf ihre Gesundheit und sie haben einen sehr niedrigen Blutdruck und niedrige Triglycerin und Cholesterinwerte." Dar und Kerry sahen sich an. "Was soll ich jetzt tun?" Fragte Dar schließlich. Er zuckte mit seinen Schultern. "Leben... versuchen sie den Stress einzuschränken... ich könnte ihnen eine künstliche Herzklappe einsetzen, falls sie das wirklich wollen, aber ihre Pumpe ist in Ordnung und arbeitet wie die Hölle." Es entstand ein sprachloses kurzes Schweigen. Dann blies Dar ihren lang angehalten Atem aus. "In Ordnung." Sagte sie langsam. "Ich werde versuchen diesen Rat zu befolgen." Berger streckte ihr seine Hand hin. "Würde es ihnen etwas ausmachen, wenn ich ihren Fall im AMA Journal veröffentliche? Dies wäre ein Musterfall der monatelang für Diskussionen sorgen würde." Dar stand auf, nahm seine Hand und schüttelte sie kurz. "Aber gerne... ich hoffe sie haben Erfolg damit." Sie lächelte ihn kurz an, dann folgte sie Kerry hinaus und keine von beiden sprach bis sie im Fahrstuhl waren und sich die Türen schlossen. "So ein hinterhältoger Kerl." Fluchte Dar leise. Kerry lächelte und ging zu ihr hinüber, dann legte sie impulsiv ihre Arme um die größere Frau und umarmte sie zärtlich. "Ich freue mich so für dich." Dar erstarrte für einen Augenblick, dann legte sie vorsichtig ihre Arme um sie und erwiderte leicht verlegen die Umarmung. "Oh... nun, das war das Netteste was mir den ganzen Tag passiert ist." Scherzte sie schwach als sie sich trennten und dabei Kerry's Erröten bemerkte. "Danke... Junge was für ein unerwartetes Ende dieser Situation." "Keine Scherze." Kerry wischte sich über die Augenbraue. "Ich dachte für einen Augenblick ich müsste wegen diesem Maschinengewehr anrufen... ich war noch nie in meinem Leben so erleichtert." "Ja." Aus purem Reflex musste Dar grinsen. "Oh Mann." Sie spürte wie ein gutes Gefühl durch sie floss und die nagenden Sorgen der vergangenen Tage von ihr nahm, und als die Türen aufglitten wandte sie sich an Kerry. "Wir werden erst am Nachmittag wieder im Büro erwartet... wir wär's wenn wir zu Mittag essen?" Kerry lächelte über die Ausgelassenheit ihrer Chefin, die trotz ihres Versuches sie zu unterdrücken, deutlich auf ihr Gesicht geschrieben war. "Sicher... an was hast du denn gedacht?" "Du magst Meeresfrüchte, stimmts?" Fragte Dar salopp grinsend. "Auf geht's... es ist nicht weit... es gibt dort Steinkrabben." Sie zog Kerry am Ärmel. "Und sie haben eine schöne Aussicht auf den Ozean." Die blonde Frau grinste zurück. "Das hört sich gut an... lass uns gehen."
Kerry hatte ihren Schreibtischsessel, in den sie sich hineingelümmelt hatte, herumgedreht, und sah mit einem schläfrigen Blick auf das Wasser hinaus. Das Mittagessen war fantastisch, aber etwas üppig gewesen, und wurde noch mit einem Glas Champagner gekrönt welches Dar ihr angeboten hatte, was die ganze Sache noch schlimmer machte. Am liebsten würde sie sich wie ein Ball zusammenrollen und schlafen, was sich noch verschlimmerte als sie die hypnotischen tanzenden Bewegungen der Wellen betrachtete. Doch es war ein so gutes Gefühl Dar glücklich zu sehen... sie sprudelte beinahe über, obwohl sie wirklich sehr hart versuchte nicht zu übertreiben. Nicht das Kerry sie dafür tadelte... sie wusste, dass die Sorgen wirklich an ihrer Chefin genagt hatten und sie dachte, dass Dar tatsächlich geglaubt hatte heute morgen schlechte Nachrichten zu hören. Natürlich hatte die gute Nachricht auch eine schlechte Seite, erinnerte sie die größere Frau. Sie musste wirklich ein wenig mehr entspannen, und dieser halb scherzende, halb tadelnde Kommentar hatte sich irgendwie zu einem Gespräch entwickelt welches mit einer Aufforderung für eine weitere Fahrt mit dem Boot endete. Zwar nicht dieses Wochenende aber an einem darauffolgenden. Mit der Aussicht auf einen weiteren Tauchgang. Als ob sie dazu hätte nein sagen können. "Ha ha ha ha..." Gluckste Kerry leise. "Das glaube ich doch selbst nicht." Sie schaute auf als es an der Tür klopfte, drehte sich herum und setzte sich aufrecht hin, bevor sie rief. "Herein." Maria schlüpfte herein und auf ihren Zehnspitzen quer durch den Raum gehend sah sie sich um, als ob sie Spione hinter Kerry's größtenteils nackten Wänden vermutete. "Chiquita... wissen sie was am Freitag ist?" Pflichtgemäß klickte Kerry ihren Kalender an. "Ähm... der Sechste?" Wagte sie zu vermuten. "Aye aye... es ist der Bosses-Day." Winkte Maria ab. "Wissen sie, eigentlich wollte ich ihr ein paar von diesen Quetschringen schenken... oder eine dieser verrückten Masken, die man in das Eisfach und dann auf das Gesicht legen kann, aber da sie gesagt hat das alles okay ist, denke ich das ich vielleicht... ich weiß es nicht." "Nun gut." Kerry dachte darüber nach. "Tatsächlich haben sie gesagt, dass sie ihren Stress abbauen soll, also wären diese Quetschringe gar keine so schlechte Idee, aber... hmm." Bosses-Day... sie hatte es total vergessen... oder um ehrlich zu sein, wusste sie gar nicht das es einen gab. Ein Tag für Bosse? Es ergab nicht viel Sinn, doch da sie eine Chefin hatte die sie mochte, könnte sie diese Tatsache gut nutzen. Sie blickte auf. "Oh... ich weiß wonach ich suchen werde." "Oye? Was?" Maria beugte sich über Kerry's Schreibtisch. Die Frau grinste. "Spielzeug." Vertraute sie ihr an. "Ich kenne einige sehr gute... zum Beispiel eine Dartscheibe." Sie zerknüllte ein Stück Papier, warf es dann zu ihrem Papierkorb und verfehlte ihn um mehrere Zentimeter. "Dios Mio." Maria hielt sich die Augen zu. "Erzählen sie mir nicht so was." Sie eilte hinaus und schloss leise die Tür hinter sich. Kerry kicherte leise und wandte dann wieder ihre Aufmerksamkeit dem Computer zu wo ihre Projektliste wartete. "Neues Projekt." Sie klickte zweimal. "Finde einen Weg um Dar zu entspannen." Sie klickte wieder. "Priorität, Dringend."
"Dar, Mr. Head von T&T auf Leitung eins." Maria's Stimme durchbrach die Gedanken der Geschäftsführerin als sie, ohne etwas zu sehen aus dem Fenster blickte. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf dem Ozean und sie hatte die Segelboote gezählt die die Bucht überquerten, während ein Bericht auf ihrem Computer ungesehen von selber ablief. "Okay... ich gehe ran." Antwortete sie und drückte den zuständigen Knopf. "Guten Tag, Uthai." Ein völlig unverständliches Gemurmel kam durch die Leitung. "Das ist schön... was kann ich heute für sie tun?" Dar lehnte sich zurück und betrachtete zufrieden ihren Bleistift, den sie auf ihrer Fingerspitze balancierte. Eine weitere Flut Kauderwelsch. Dar schaute auf als Maria das Büro betrat, dann stützte sie ihren Kopf auf ihrer Faust ab. "Sicher, Uthai... schicken sie es einfach an meine Arbeitsliste." Eine kürzere Erwiderung. "Ein paar Tage, schätze ich." Leise ausatmend unterdrückte Dar ein Gähnen. Das ausgedehnte Mittagessen hatte sie zweifellos träge gemacht, und trotz der Menge Arbeit die im Büro auf sie wartete, war es sehr schwierig gewesen sich ins Büro zurückzuschleppen. Nach dem morgendlichen Stress dachte sie ernsthaft daran, den Rest des Tages freizunehmen, um sich zu beruhigen damit sie zu ihrer gewohnten Geschäftroutine zurückkehren konnte. Wie dem auch sei. Dar hörte dem Kauderwelsch weiter zu. Sie hatte hier die Verantwortung. "Gern geschehen... einen schönen Tag noch, Uthai." Ein fröhliches, oder vielleicht auch verwirrtes Gebrabbel kam zurück, dann war die Leitung tot. "Dar... es ist einfach fantastisch wie sie diesen Mann verstehen können... ich versteh nicht ein Wort von dem was er sagt." Bekannte Maria kopfschüttelnd. Ihre Chefin grinste kurz. "Das tu ich nicht." Gab sie zu. "Ich werde später einen Blick auf meine Arbeitsliste werfen, und nachsehen was ich ihm da versprochen hab." Sie sah auf, als das Telefon wieder summte und gestikulierte Maria, dass sie selbst drangehen würde. "Dar Roberts." "Na so was, hallo Dar." Erklang Les' Stimme extrem freundlich, was für gewöhnlich nichts anderes als Ärger bedeuten konnte. "Wie ist das Wetter bei ihnen?" "Teilweise bewölkt, am Nachmittag könnte es Regenschauer geben. Warum?" Erwiderte Dar. "Darf man nicht mal nachfragen?" Erkundigte sich der Generaldirektor. "Nein... natürlich nicht... ich dachte mir nur, dass sie eine kleine Abwechslung schätzen würden." Die Geschäftsführerin verrollte ihre Augen. "Wie klein?" "Orlando." Entgegnete Les. "Wir bieten um eine Ausschreibung bei Disney mit." Dar's Augen weiteten sich in ehrlicher Überraschung. "Die machen Ausschreibungen? Ich dachte sie wären so verdammt stolz darauf alles allein zu machen, sie würden eher Mickey seine Minnie betrügen lassen, bevor sie etwas in andere Hände geben." Ein gewaltiges Gekicher. "Nicht, seit sie das Management gewechselt haben... sie sind schließlich auch darauf gekommen, dass es besser ist den Kram zu vergeben... alle großen Anbieter sind dort, aber ich will den Auftrag haben." Les räusperte sich. "Wir haben dort ein gutes Angebotsteam, doch es braucht... nun, John Byers, der Accountmanager wird von den IBM-Leuten ganz schön fertiggemacht... er braucht uns, um zu zeigen das das ganze Gewicht hat... außerdem kennen sie den Repräsentanten von IBM, Jerry Andrews." "Ach... Jerry." Dar lachte bitter. "Er wird nicht froh sein mein Gesicht zu sehen, das kann ich ihnen sagen, Les... das letztemal als ich ihn sah, hat er einen Schreibtischstuhl nach mir geworfen." "Richtig." Stimmte Les heiter zu. "Das ist genau was John braucht um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken." Er blätterte ein paar Papiere durch. "Die Verhandlungen sind morgen und am Donnerstag... aber ich möchte, dass sie schon heute abend fliegen." Dar überlegte. "Ich könnte eine kleinere Kurzstreckenmaschine nehmen... in Ordnung. Ich werde mich darum kümmern, Les." "Prima."Seufzte der CEO. "Sie haben heute so gute Laune... was ist los?" "Nichts besonderes... ich hatte nur einen guten Morgen, das ist alles." Antwortete Dar abwinkend. "Lassen sie mich damit anfangen die Disney-Dateien herunterzuladen, Les... wir reden später." "Bis dann... machen sie denen die Hölle heiß, Dar." Les legte auf. Maria stöhnte. "Wieder vereisen? Meine Güte, Dar..." Die dunkelhaarige Frau arbeitete einen Augenblick konzentriert an ihrer Tastatur, dann schaute sie auf. "Maria, ich brauche für heute Abend einen Flug... buchen sie für heute Nacht und morgen ein Zimmer irgendwo in der Nähe des Verwaltungszentrums von Disney World... sie wissen schon, das Übliche..." Nachdenklich hielt sie inne. Okay... Les will eine Show abziehen, und sie wollte ihre neue Assistentin ins Spiel bringen, vielleicht konnte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen... "Tatsächlich glaube ich, dass dies eine gute Gelegenheit wäre Kerry zu zeigen wie so eine Vertragsverhandlungsschlag abläuft... buchen sie zwei Plätze und Zimmer... und sagen sie unsere ganzen Termine bis Freitag ab." Beschloss sie forsch und wählte dann eine Telefonnummer. "Kerry?" "Am Apparat." Antwortete Kerry leise über den Klicklauten einer Tastatur. "Ich arbeite gerade an einigen E-Mails." "Wir müssen für ein paar Tage nach Orlando... ist das ein Problem? Wir bieten da droben bei einer Ausschreibung mit." Dar war fleißig dabei die Unterlagen abzurufen. "Ach ja..." Kerry's Stimme klang überrascht. " Ähm... sicher... nein, kein Problem... das kann ich machen... für wie lang?" "Zwei Tage... wir werden noch heute abend fliegen, und kommen wahrscheinlich am Donnerstagabend zurück." Erwiderte Dar. "Ich hätte gerne, dass du den Ablauf aus erster Hand mitbekommst." "Gewiss." Stimmte Kerry zu. "Kein Problem... Ich werde an diesen Projekten weitermachen und versuchen sie noch bis heute abend fertigzustellen." "Gut." Dar legte auf. "Okay... lassen sie mich nur diese Sachen ausdrucken... Maria, ich werde nach Hause fahren müssen und eine Tasche packen, da ich heute nicht selbst gefahren bin... planen sie jedoch einen Flug für 19.00 Uhr oder so ein... den letzten der rausgeht." Sie fühlte wie die prickelnde Herausforderung ihrer wettkämpferischen Natur ihre Energie ansteigen ließ. Wenn sie Disney an Land ziehen könnte... ooohh.... Voller Vorfreude bebten ihre Nasenflügel. "Si, das werde ich." Maria macht sich schnell Notizen auf ihrem Block. "Wollen sie die zwei Zimmer beieinander?" "Ja, sicher." Nickte Dar abwesend während sie die Informationen in sich aufsaugte. "Das ist fein." Murmelte sie zu sich selbst als Maria hinausging und sie Seite für Seite durch den Drucker laufen ließ. "Aye... Dios Mio." Maria setzte sich hin und zog ihr Adressbuch heraus, suchte eine Nummer und fing an zu wählen. Sie hielt jedoch inne als sich die Außentür öffnete und Kerry hereinschlüpfte. "Oye, Chiquita... sie gehen auf ihre erste Reise, hmm? Es ist nicht so weit." Kerry setzte sich auf den Rand des Schreibtischs. "Verstehe ich das richtig? Wir fliegen nach Disney World?" Maria lächelte. "Si... es ist jedoch geschäftlich... keine Mickey Mouse bei den Sitzungen." "Hmm... Also... wo werden wir übernachten?" Ein schelmisches Funkeln trat in die seegrünen Augen. Maria zog einen Reiseplaner heraus und überprüfte die Auswahl. "Die Village Region ist in der Nähe... sie hat Zugang zu den Verwaltungsbüros. Ich denke, das Hyatt... es ist nett." Kerry trommelte mit ihren Fingern auf den Schreibtisch. "Ich hab mir schon so was gedacht... Was, wenn es ausgebucht ist?" Erkundigte sie sich. "Aye... nun, in dieser Region gibt es sieben oder acht Hotels... es ist noch keine Ferienzeit." Bemerkte Maria während sie ihr einen neugierigen Blick zuwarf. "Nun... was, wenn sie... was, wenn sie alle ausgebucht sind?" Beharrte die blonde Frau. "Was, wenn..." Sie zog den Monitor zu sich und blätterte durch die Auswahl. "Was, wenn wir... hier übernachten?" Maria betrachtete den Bildschirm. "Chiquita, das ist mitten im Park." "Ich weiß." Versicherte ihr Kerry. "Was für kleine Pläne schwirren in ihrem Kopf herum?" Wollte die Sekretärin wissen. "Wenn ich sie da unterbringe, wird Dar wahnsinnig werden." Nichtsdestoweniger überprüfte sie das Profil. Das Floridian war eins der schönsten Hotels auf dem Disneygelände, und das Bild zeigte ein grosses, graziles, weißes Gebäude im viktorianischen Stil. "Es ist schön." "Mm." Stimmte Kerry zu. "Hören sie... ihr Arzt nervt sie damit Ferien zu machen... und ich weiß das dies eine Geschäftsreise ist, aber diese Sitzungen können ja nicht den ganzen Tag dauern, und vielleicht kann ich sie dazu überreden eine Pause zu machen und für eine Weile zu entspannen, verstehen sie?" "Ahhhhh..." Maria lächelte und tätschelte ihre Hand. "Chiquita, sie sind so süß... und sehr listenreich. Das ist eine gute Sache." Sie nahm das Telefon. "Ich werde es machen... wenn sie sauer wird, dann wird sie halt sauer." Kerry lächelte. "Wenn es funktioniert, ist es das wert gewesen." Sie stand auf, als sie in Dar's Büro eine Bewegung hörte. "Hoppla... ich muss los... hören sie, ich werde ihnen einen ausgestopften Pluto oder etwas ähnliches mitbringen." Sie schlüpfte aus dem Büro und ging den Flur hinunter. Maria schüttelte ihren Kopf. "Pluto... aye, Chica... sorgen sie lieber dafür, dass sie nicht ausgestopft werden."
Der Miami International Airport hatte einst als kleiner Flughafen, mit nur einem Terminal, angefangen. Als Miami größer wurde, war auch der Flughafen gewachsen, als sich mehr Fluggesellschaften ansiedelten kamen mehr Terminals und Hallen hinzu. Nun war er das Tor nach Südamerika und die Karibik, und beförderte sieben Tage die Woche rund um die Uhr eine erschreckend große Menschmenge. Leider war die Gestaltung der Anlage nicht im gleichen Masse wie die Größe gewachsen, und die Hallen waren lange, endlose Korridore ohne Laufbänder, die ewig zu gehen schienen. Sie waren immer voller Menschen, die Eindutzend verschiedene Sprachen kauderwelschten und über den Köpfen dröhnten Lautsprecherdurchsagen in englischer und spanischer Sprache. Dar schritt, mit einer Reisetasche über ihrer Schulter, durch die Menge, während sie die Reisedokumente kontrollierte, die ihr Maria durch das Reisebüro der Gesellschaft überreicht hatte. "Wo zum... Jesus... sie hat uns in diesem verdammten Park untergebracht..." "Wirklich?" Kerry musste sich anstrengen um mitzuhalten und schielte neugierig über ihren Ellbogen. "Oh... Mann... es scheint schön dort zu sein... ich habe Bilder davon gesehen." Dar warf ihr einen Blick zu. "Wir werden nicht viel davon zu sehen kriegen." Warnte sie die blonde Frau, als sie den versteckten, enttäuschten Blick in diesen interessanten grünen Augen sah, zögerte sie. "Nun... vielleicht ein wenig..." Lenkte sie ein. "Immerhin können wir mit Mickey frühstücken." Kerry lächelte. "Ich war noch niemals in Disney World... ich wollte schon immer dorthin, wir hatten bei der Associated geplant irgendwann, nur für ein Wochenende, hinzugehen, doch wir konnten uns nie über die Details einigen." Als sie an die Sicherheitskontrolle kamen wich sie einem rollenden Gepäckwagen aus. Sie stellten beide ihre Laptops auf das Laufband, und Dar legte ihr Handy und ihren Piepser in eine kleine Schale, die der Beamte hinhielt. Dann gingen sie durch die Absperrung und sammelten ihre Sachen am Ende des Röntgenbandes wieder ein. "Weißt du, ich habe weniger Schwierigkeiten durch die Sicherheitskontrollen in Miami zu kommen als an jedem anderen Ort." Erläuterte Dar, als sie den langen Gang hinuntergingen. "In Iowa haben sie meinen ganzen Koffer durchsucht und ließen mich sogar mein Laptop einschalten und ich musste mein Handy benutzen." Kerry kicherte während sie sich beeilte mit Dar schrittzuhalten, hin und wieder machte sie kleine Sprünge um Dar's wesentlich größere Schritte auszugleichen. "Ich denke, sie haben mehr Zeit als diese Burschen hier." Sie war froh, dass sie die Möglichkeit hatte sich umzuziehen und in ihren normalen Sachen fliegen konnte, da sie ja erst morgen zu der Vertragsverhandlung mussten. Sie fühlte sich in ihrem babyweichen, grünen Flanellhemd, das in ausgewaschenen Baumwolljeans steckte und ihren halbhohen Stiefeln wesentlich wohler. Dar sah in ihrem frisch gebügelten beigen Hemd und einer bestickten schwarzen Weste über einer geknöpften Fliegerjeans sowie bequem aussehenden Sportschuhen... Kerry betrachtete ihre Begleiterin. Wie immer, lässig elegant aus. Roll dein Kostüm einfach zusammen und steck es in deine Reisetasche, hatte ihr Dar ironisch gesagt. Selbst wenn du es in einem Kleidersack transportierst, muss es dennoch gebügelt werden, also kannst du es dir sparen, dass verdammte Ding auch noch tragen zu müssen. Kerry gab zu, das dies Sinn machte und packte, nur für den Fall, außerdem ihren Badeanzug und ein paar Shorts ein. Nur für den Fall. Sie grinste in sich hinein. Ich wette, dass ich sie zumindest zu einem Gang nach MGM überreden kann... Als sie zum Flugsteig kamen wurde ihr Flug gerade aufgerufen. Dem Beamten dort übergaben sie ihre Bordkarten und gingen dann über die mit Teppichboden ausgelegte Einstiegsrampe in die 727. Sie gingen zu ihren Plätzen in der ersten Klasse, verstauten ihre Taschen über ihren Köpfen und ließen sich in den großen, bequemen Sitzen nieder. "Nun ja." Sagte Kerry während sie ihren Sicherheitsgurt anlegte. "Das nenn ich stilvoll reisen." Dar lehnte sich zurück, streckte ihre langen Beine aus und verschränkte sie über ihren Knöcheln. Sie saßen in der vorderen Reihe, wo besonders viel Beinfreiheit vorhanden war. "Vorzüge der wechselseitigen Geschäftsbeziehungen." Sie zuckte kurz mit ihren Schultern. "Wir führen für sie die gesamte Hard- und Softwareunterstützung durch, im Gegenzug erhalten wir bei unseren Flügen einige Privilegien... und wenn genug Platz vorhanden ist, dann bekommen wir Plätze in der vorderen Reihe." Sie lächelte als der Steward auf sie zukam. "Guten Tag... Willkommen an Bord... darf ich ihnen etwas bringen bevor wir starten?" Fragte er in seiner forschen, jedoch freundlich zurückhaltenden Art. Dar atmete aus. "Haben sie Schokoladenmilch?" Fragte sie unschuldig. Kerry verrollte ihre Augen. "Für mich bitte Orangensaft." Sie stieß Dar kurz an. "Du bist schrecklich." Eine dunkle Augenbraue stieg in die Höhe, und Dar zeigte auf ihre Brust. "Ich?" Sie schaute auf, als der Steward mit den gewünschten Getränken in Kristallgläsern zurückkam. "Milch ist sehr gesund für dich, Kerry..." Sie beugte einen Arm und die Muskeln, unter dem weichen Baumwollstoff des lässigen Khakihemdes das sie trug, bewegten sich geschmeidig. "Sie macht dich groß und stark." Trotz ihres langen Tages war sie immer noch in einer recht guten Stimmung, und freute sich, ungeachtet des augenscheinlichen Widerspruchs, wirklich auf ihre Aufgabe. Einen Moment lang fühlte sie sich schuldig Kerry mitgenommen zu haben, doch... Sie betrachtete das Profil ihrer jüngeren Begleiterin und erkannte die hartnäckige Strenge des festen Kinns und die zielbewussten Augen. Wenn sie diese Arbeit machen will, dann muss sie irgendwo anfangen. Besser jetzt und besser hier unter meinen Fittichen, richtig? Außerdem musste sie zugeben, dass es wesentlich angenehmer war mit jemandem zu reisen mit dem man reden konnte, als dies allein zu tun. "Ich schwöre auf das Zeug." Beharrte sie einen Schluck nehmend. "Mm..." Kerry bemerkte die Verspieltheit in ihrer Stimme und ging darauf ein. "Dann musst du dir eine eigene Kuh zulegen... und wo willst du die dann unterbringen?" Dar lachte, hob ihr Glas und stieß mit Kerry an. Sie nahmen beide einen Schluck und für einen Augenblick trafen sich ihre Augen, bevor Dar ihre wieder senkte, um die Reisedokumente auf ihrem Schoss zu studieren. "Das Floridian, wie? Nun, wir werden morgen früh eine ganz schöne Fahrt vor uns haben, doch zumindest weiß ich, dass wir heißes Wasser haben werden." Sie versöhnte sich mit ihrem Schicksal. "Und sie haben zum Frühstück einen ausgezeichneten French-Toast gefüllt mit Bananen." Kerry beugte sich über ihre Armlehne und zog eine Augenbraue in die Höhe. "French-Toast mit Bananen gefüllt?" "Mmhmm." Nickte die dunkelhaarige Frau durchtrieben grinsend. "Ich liebe Bananen." Kerry hielt sich die Augen zu. "Jetzt bin ich in Schwierigkeiten." Dar kicherte und lehnte sich seufzend zurück als sie sich in dem Ledersessel entspannte. Vielleicht würde es gar nicht so schlecht werden... es gab in der Nähe des Hotels einen kleinen Wasserpark... vielleicht konnten sie sich zwischen den Sitzungen eine Stunde frei nehmen und ein wenig herumplätschern. Das könnte lustig werden. Genau.
"Danke." Kerry lächelte den Hotelangestellten an, der sie zu ihren Zimmer geführt hatte und mit einer Verbeugung den Raum verließ und die Tür hinter sich schloss. Sie blickte sich neugierig um, und nickte zustimmend als sie die freundliche, legere Ausstattung und das frische, saubere Laken betrachtete. Im Zimmer befand sich ein grosses Bett und ein Kleiderschrank der von einer großen Konsole flankiert war, die einen Fernseher und einen kleinen Kühlschrank beinhaltete. Eine Wand war aus Glas und wurde von einem Vorhang bedeckt welcher zur Hälfte auf die Seite geschoben war und einen farbenprächtigen Blick freigab. Kerry stellte ihre Tasche auf das Bett, ging hinübe und zog den Vorhang ganz zurück und spähte hinaus. "Oohh." Vor dem Hotel erstreckte sich ein dunkler See auf dessen Oberfläche verschwommen die Lichter der Gebäude glitzerten. Die Boote, die den See überquerten wurden in das gleiche Licht getaucht und gegenüber erleuchtete der Lichterglanz der Main Street und die in den Himmel steigende, silberne Spitze des Cinderella Schlosses. Das fröhlich glitzernde Licht betrachtend drückte Kerry ihre Nase gegen das Glas. Auf der anderen Seite konnte sie auf einer Insel im Zentrum des Wassers Fackeln schimmern sehen, sowie auch die Fackeln die das weitläufige Ufer säumten. Sie war so sehr auf mit ihren Betrachtungen beschäftigt, dass sie nicht hörte wie sich die Verbindungstür zu dem anderen Raum öffnete und erschrak sich, als sie eine warme Gegenwart hinter sich wahrnahm. Kerry blickte auf und sah hellblaue Augen die ihr Spiegelbild in dem Glas betrachteten und lächelte als sich ihre Augen trafen. "Oh... hi... du hast mich erschreckt." "Mm." Dar wandte ihren Blick nach Draußen. "Nun ja... das alte Schloss sieht recht schön aus." Kerry atmete aus. "Ich muss unbedingt dahin... es sieht nach einer Menge Spaß aus." Sie hielt inne. "Hey... wir haben noch ein paar Stunden... willst du hingehen?" "Oh nein..." Kicherte Dar kopfschüttelnd. "Ich muss noch Berichte durcharbeiten." Oh nun, ein guter Versuch. "Ich glaube, das sollte ich auch tun." Kerry lächelte. "Es ist wahrscheinlich überfüllt und laut, und wir müssen morgen früh aufstehen, richtig?" Dar nickte. "Genau." Hm... ich versuchs einfach noch einmal auf die andere Art... "Außerdem sollst du es leicht angehen lassen... es ist besser, wenn du einfach hier rumhängst und entspannst." Erzählte ihr Kerry unschuldig. "Du willst dich doch nicht überanstrengen." Eine dunkle Augenbraue stieg in die Höhe. Kerry durchquerte ihr Zimmer und öffnete ihre Tasche. "Ich werde den Zimmerservice für diese Suite bestellen... soll ich sie auch für dich bestellen?" Dar verschränkte ihre Arme und blickte auf die glitzernden Turmspitzen. "Weißt du, wenn ich es mir noch mal überlege, könnte es nichts Schaden, sich ein wenig umzusehen." Funkelnde grüne Augen blickten auf ihren Rücken. "Nein... es ist spät Dar... und du hattest einen wirklich langen Tag." Die größere Frau fuhr herum und betrachtete sie. "Spät?" Schnaufte sie leise. "Es ist gerade die beste Zeit, Kerry... ich denke es wäre eine gute Idee zumindest den Park zu erkunden... aber wenn du nicht willst, dann kannst du ja hier bleiben." Irgendwie schaffte es Kerry nicht zu grinsen. "Nein... wenn du denkst das es wichtig ist... dann schaff ich das schon." Dar nickte ihr zu und ging dann in Richtung ihres Zimmers. "Das tue ich... überdies ist draußen schönes Wetter und es könnte gut sein sich umzuziehen." Sie verschwand und Kerry rieb kichernd ihre Fingernägel an ihrem Hemd. "Achtung Pluto... ich komme."
Der Hotelpage überreichte ihnen freundlich zwei Eintrittskarten und sie schlenderten an lachenden und entspannten Leuten vorbei durch die Eingangshalle. Die Eingangshalle enthielt mehrere Bars sowie die üblichen Restaurants und Kerry fiel plötzlich ein, dass sie noch nichts gegessen hatte. Nun, ich bin sicher das es dort zumindest Popcorn geben wird. Seufzte sie und folgte Dar's großer Gestalt über den Teppich zur Monorail Station. Die Station war mit Menschen überfüllt die in verschiedenen Richtungen wollten und ein lautes Stimmengewirr drang zu ihnen. "Oh Mann." Kerry hielt sich an einem niedrigen Geländer fest und spähte nach dem Zug Ausschau haltend auf die Schienen. "Es sind sehr viele Leute hier..." Seufzte sie während sie auf die Leute sah die um sie herumstanden. Dar mit ihrer wesentlichen größeren Statur, von über 1.80 Meter, schaute sich um, dann klopfte sie ihr auf die Schulter als sie durch die Absperrung ging und beugte sich zu einem adrett gekleideten, lächelnden Aufseher. Kurz danach nickte der Aufseher und winkte sie heran und schließlich fand sich Kerry, abgesondert von der übrigen, neugierig starrenden Menge, in einem kleinen angrenzenden Bereich neben dem Kontrollschalter wieder. "Dar?" "Hm?" Die größere Frau blickte auf sie herab, jedoch durch die ankommende Monorailbahn blieb ihr die Antwort erspart. Sie zischte mit einem elektronischen Quietschen leise in die Station und blieb ungefähr zwei Meter von ihnen entfernt stehen. Als der Aufseher die Fahrertür öffnete und ihnen winkte, legte Dar eine Hand auf Kerry's Rücken und schob sie vorwärts. "Geh schon." Leicht zweifelnd betrat Kerry die Fahrerkabine und lächelte den jungen Mann, der dort saß, an. In dem beinahe dreieckigen Raum, dessen Front aus Plexiglasscheiben bestand befanden sich gepolsterte Bänke und Kerry glitt auf eine während Dar sich auf der anderen niederließ. "Hi... Leute... Willkommen auf der Monorail Purple." Begrüßte sie der Junge fröhlich. "Der nächste Halt ist Magic Kingdom." Er schaute zur Seite, als die Türe zuknallte, setzte dann den Zug in Bewegung und zog auf den Schienen vom Hotel weg. "Kommt ihr von weit her?" Kerry betrachtete fasziniert die anrückenden Lichter. "Nein... wir kommen aus Miami." "Oh... Genossen aus Florida... das ist prima. Meine Familie ist aus Palm West Beach.... wir sind erst letztes Jahr hier hergezogen." Plapperte er glücklich. "Ist das Wetter nicht großartig? Es ist für einen Rundgang durch den Park genau richtig." "Wird es ihnen nie langweilig den ganzen Tag immer im Kreis herumzufahren?" Fragte Dar, die mit verschränkten Armen halb im Schatten saß. "Oh nein." Der Junge schüttelte seinen Kopf. "Es ist jeden Tag anders... manchmal fahren wir so herum, manchmal andersherum und sie wechseln uns auf den Linien auch aus. Und wenn man für die Mono qualifiziert ist, dann darf man morgens die abgestellten Bahnen herausfahren... das macht riesigen Spaß." Dar und Kerry tauschten Blicke aus. "Also... ist es sowas wie eine besondere Auszeichnung, richtig?" Fragte Kerry während die Monorail langsamer wurde als sie in die Station vom Magic Kingdom einfuhr. "Sind die Monorailfahrer die größten?" Er kicherte. "Oh nein... das sind die Seepiloten... die die Boote steuern." Er hielt den Zug an und drückte auf einen Knopf um ihnen die Tür zu öffnen. "Oh Mann... es war toll mit ihnen zu reden... ich hoffe sie beehren die Monorail Purple bald wieder." Dar stand auf und grinste ihn kurz an. "Danke... haben sie noch eine schöne... ähm..." Sie kreiste mit ihrem Finger. "Fahrt." Kerry schlüpfte an ihr vorbei und duckte sich durch die Tür nach draußen, wo sie auf ihre Chefin wartete und leise lachte als diese zu ihr aufgeschlossen war. "Oh mein Gott... was tun die hier in den Kaffee?" "Die sind hier alle so." Versicherte ihr Dar. "Ich denke es ihre Geschäftspolitik... obwohl deine Bemerkung, mit den Drogen in dem Trinkwasser, auch möglich sein könnte." Sie folgte Kerry die lange abfallende Rampe hinab und dann durch die elektronischen Drehkreuze, welche ihre Eintrittskarten schluckte und auf der andren Seite wieder ausspuckte. Kerry nahm ihre heraus und steckte sie in ihre Tasche. "Souvenir." Sie holte tief Luft und ging dann unter der Bahnstation durch in Richtung der schimmernden Lichter der Main Street. Halb im Dunkeln verborgen, lächelte Dar als sie hinter ihrer jüngeren Begleiterin den Park betrat. Vor ihnen befand sich ein Bereich mit der Bahnstation im Vorderteil, zwei großen Gebäuden auf jeder Seite in der die Feuerwehrwache und das Rathaus untergebracht waren, und weiter entfernt sah man die lange Strasse mit Geschäften. Sie überquerten das Kopfsteinpflaster und schlugen die Richtung zur Main Street ein und als das brillant glitzernde Schloss vor ihnen auftauchte holte Dar kurz Luft. Auf beiden Seiten befanden sich Geschäfte im historischen Stil in denen man alles mögliche kaufen konnte, und als Dar an einem vorbeiging blieb sie abrupt stehen. "Hey." "Wa..." Kerry beobachtete wie sie durch eine Tür schlüpfte, sie folgte ihr und wurde von einer heftig nach Toffee und Schokolade erfüllten Luft empfangen. "Oh Junge." Sie drückte sich an einem Verkäufer vorbei und erspähte ihre Chefin, die an einer Glasabtrennung gelehnt beobachtete wie eine Maschine immer wieder lange Streifen duftender Karamellen herauszog. Ein Regal mit Schokoladen fing ihre Aufmerksamkeit, sie änderte ihre Richtung und fand sich vor einer ordentlich sortierten Auslage wieder. "Buttertoffee." "War das eine Schlussfolgerung oder ein Fluch?" Erklang Dar's Stimme hinter ihr. "Beides." Stöhnte Kerry. "Ich liebe Buttertoffee." Sie lächelte die keck grinsende Verkäuferin an. "Könnte ich bitte eine Tüte von den Schokoladentoffee haben?" "Nur Schokolade?" Neckte sie ihre Chefin. "Sie haben auch welche mit Erdnussbutter." "Nee... ich bin eine Puristin." Kerry nahm ihren Geldbeutel und gab dem Mädchen das Geld. "Danke." Dar kaufte sich selbst auch ein paar kleine Tüten und gingen dann, an einer Straßenbahn mit müden Insassen vorbei, in die andere Richtung weiter. "Hast du Hunger?" Fragte sie plötzlich als sie an einem kleinen Eissalon im viktorianischen Stil vorbeikamen. "Ja... ein wenig." Gab Kerry fröhlich zu. "Da drüben ist ein Hotdog Stand..." Die größere Frau schnaufte leise. "Es ist hier eine Regel von mir, das es keine Pluto Pups und keine Astro Burgers gibt, okay?... komm schon." Sie führte Kerry über den Platz am Ende der Main Street direkt ins Schloss, wo sie abrupt in einen kleinen Alkoven abbog und Kerry beinahe in sie gekracht wäre. Vor ihnen befand sich ein kleiner Stand bei dem eine, in fescher mittelalterlicher Tracht gekleidete, Frau stand. "Hallo Leute... willkommen in der King Stefan's Banketthalle... möchte sie zu Abend essen?" "Zwei Personen." Informierte sie Dar lächelnd und zog Kerry am Ärmel. "Hm?" "Gibt es hier ein Restaurant?" Dar grinste. "Oh ja... ich hoffe du magst Prime Rip." "Prime Rip?" Kerry folgte ihr zum Fahrstuhl und sie stiegen im ersten Stock aus. "Aber das hier ist Disne..." Sie blieb überrascht stehen. Im ersten Stock befand sich von Fenstern umgeben, ein großer, offener Speiseraum. Massive Holztische auf denen Zinnteller und Tassen standen waren in zwei verschiedenen Ebenen angeordnet und eine recht große Anzahl Gäste saß bereits an den Tischen. "Oh. Cool." Sie setzten sich an einen kleinen, gemütlichen Tisch in einer Ecke und bestellten aus der begrenzten Auswahl der Speisekarte. "Prime Rip, großes Prime Rip, halbe Kühe und Hühnchen." Kicherte Kerry. "Ich denke, ich nehme das Prime Rip Steak, danke... und etwas Punsch bitte." "Das Gleiche für mich." Dar lehnte sich zurück und betrachtete sie. "Diesen Ort hier kennt nicht jeder... es ist wesentlich besser als dieses Fastfood Zeugs das sie meistens verkaufen... es gibt neben dem Liberty Square auch noch ein gutes Geflügel- und Fischrestaurant, heute war mir jedoch mehr nach Rindfleisch." "Keine Einwände von mir." Kerry schaute auf als ein Korb mit Butter hingestellt wurde. Sie begutachtete die Butter. "Oh... Dar sieh mal... da sind kleine Mickey Mäuse eingedrückt." Sie nahm den Zinnteller hoch und zeigte es ihrer Begleiterin. "Ist das nicht niedlich?" Erbarmungslos schappte sich Dar einen hilflosen Mickey und strich ihn auf ein Brötchen. "Anbetungswürdig." Stimmte sie kauend zu. "Nun, nachdem du es geschafft hast mich hierher zu kriegen, gibt es irgendetwas was du besonders gerne sehen möchtest?" Ihre blauen Augen funkelten liebenswürdig. "Ich?" Kerry zeigte auf ihre Brust. "Aber Boss... es war deine Idee!" Sie grinste Dar jedoch schelmisch an. "Danke für deine Nachsicht, meiner manchmal etwas kindlichen Launen." Die Kerze auf dem Tisch flackerte und warf interessante Schatten auf Dar's ebenmäßiges Gesicht. Während die größere Frau die Leute betrachtete, waren ihre blauen Augen und die Hautpartie darum in ständiger Bewegung. Ihr dunkles Haar, das sanft um ihre Schultern fiel, rahmte ihr Gesicht ein und plötzlich wurde sich Kerry der Tatsache bewusst, dass sie ihr Gegenüber anstarrte. Sie fand etwas anderes zum anblicken, nahm eine breite, zweizinkige Gabel und drehte sie herum. Dar räusperte sich leise. "Also... gibt es irgendetwas das du sehen möchtest?" Kerry dachte nach. "Warum schlägst du nicht irgendetwas vor? Du scheinst dich hier ja ganz gut zu auszukennen... ich denke, dass die Achterbahnen ganz amüsant wären." "Ah.... Space, Thunder und Splash Mountain... okay... das können wir in ein paar Stunden schaffen." Stimmte Dar zu. "Der Park ist bis Mitternacht geöffnet... und nach der Parade wird es auch ein bisschen ruhiger." Wie auf Stichwort drangen die Töne eines lauten Marsches durch die Fenster und Kerry drückte ihre Nase gegen das gewellte Glas um eine Kapelle vorüberziehen zu sehen. Dar beobachtete sie nachsichtig lächelnd und nahm die Gelegenheit wahr das sanfte Profil ihrer Begleiterin eingehend zu betrachten. Kerry hatte eine kleine, gerade Nase und ein festes jedoch ebenmäßiges Kinn mit abgerundeten Backenknochen und weiche, blonde Wimpern. Gerade in diesem Augenblick blinzelten diese Wimpern während sie die Parade betrachtete, wobei sie den bizarren Glanz der Kerze einfingen, genauso wie die kleinen Falten um ihre Mundwinkel als sie lächelte. Dar gestand sich ein, dass es schön war einfach mit jemandem am Tisch gegenüber zu sitzen, der reizend und intelligent war, und keine hintergründigen Gedanken dabei hegte, mit ihr das Abendessen zu teilen. Oh Mann. Sie grübelte über ihre Aussage nach. Intelligent, ja. Das war Kerry mit Sicherheit. Reizend? Woher kam das denn jetzt? Sie schielte zu der jüngeren Frau, die immer noch in die Parade draußen vertieft war. Nun ja, sie war reizend, folgerte die Geschäftsführerin. Einfach auf eine Art süß und nett und... nun... reizend. Komm schon Dar... hör auf dir selbst was vorzumachen... du weißt, das sie reizend ist und noch mehr als das, ansonsten hätte die Vorstellung von ihr in diesem Badeanzug heute morgen, deinen Herzschlag nicht beschleunigt, oder? Die Geschäftsführerin atmete bitter aus und verwarf diesen Gedanken. Nicht dein Typ, Kindchen. Plötzlich trafen grüne Augen auf ihre und sie bemerkte zum ersten Mal die kleinen goldenen Punkte in ihnen. Es waren interessante Augen... sie erinnerten sie an das Sonnenlicht Unterwasser und sie betrachtete sie neugierig bis die hochgezognen Augenbrauen sie darauf aufmerksam machte, dass sie starrte. Okay... genug davon. "Ist die Parade interessant?" Kerry legte ihren Kopf schief. "Parade?" Fragte sie leise und errötete dann leicht. "Oh... ja... sie ist sehr drollig... gerade ist ein Floss vorbeigefahren auf dem Mickey und Minnie getanzt haben." Sie schaute auf als der Kellner mit ihrem Essen kam. "Heiliger Strohsack." Sie schaute auf den Teller der vor sie hingestellt wurde. "Mein Gott, diese Kuh muss die Größe von einem Elefanten gehabt haben!" "Tatsächlich ist es Dumbo, Ma'am." Erklärte der Kellner gelassen. "Er ist Minnie auf den Schwanz getreten, und aus war es mit ihm." Beide Frauen starrten ihn an und brachen dann in Gelächter aus. "Jesus... verliert ihr Medikament seine Wirkung?" Prustete Dar. "Sie geben uns keine." Vertraute ihr der Mann an, während er Dar's Portion vor sie hinstellte. "Wir müssen mit Steakmessern und heißen Kochplatten umgehen... dass könnte gefährlich werden." Er verbeugte sich leicht, zupfte seine Ärmel gerade und zog sich zurück. "Genießen sie ihr Essen." Während sie ihr Prime Rip zerteilten, sprachen sie über nebensächliche, geschäftliche Dinge, und als Dar ihren letzten Besuch im Park erwähnte, schwenkte das Gespräch langsam zu einer persönlicheren Ebene. Kerry bemerkte, dass ihr der Klang von Dar's Stimme, die tief und vibrierend mit einem leichten melodiösen Anflug war, gefiel. Sie fragte sich, ob es ein Akzent war oder nur die Art und Weise wie Dar sprach. Und das brachte sie zu einer anderen Frage. Sie wartete bis ihre Chefin mit ihrem Bericht über den Aufbau einiger Epcot-Gebäude fertig war und sah dann auf. "Dar?" Diese bemerkenswert klaren, blauen Augen sahen sie an, und eine Augenbraue stieg in die Höhe, was ein ja bitte? bedeutete, wie Kerry herausgefunden hatte. "Darf ich dir eine persönliche Frage stellen?" Erkundigte sich Kerry leicht schüchtern. Dar war äußerst dankbar dafür, dass die Dunkelheit ihr Erröten verbarg. " Ähm... ich kann nicht garantieren, das ich sie beantworten werde, aber klar, frag schon." Sie fühlte ein leicht nervöses Flattern in ihrem Magen. Kerry beugte sich nach vorne. "Ist dein Name eine Abkürzung für etwas, oder ist es einfach nur Dar?" "Oh." Die dunkelhaarige Frau durchbohrte eine Röstkartoffel und stopfte sie in ihren Mund, was ihr eine Chance zum nachdenken gab. Sie könnte sagen, dass es einfach nur Dar ist, da sie den Namen hatte legalisieren lassen. Allerdings... "Nun, meine Mutter war... ich vermute... ist immer noch... eine Fanatikerin von spanischen Liebesromanen... sie hatte einen Lieblingscharakter... Paladar. Danach bin ich benannt worden." Verlegen räusperte sich die Geschäftsführerin. "Ich hab ihn gehasst... und als ich achtzehn wurde hab ich ihn ändern lassen." Fasziniert stützte Kerry ihr Kinn auf ihrer Hand ab. "Paladar... ich weiß nicht... ich mag ihn irgendwie... er klingt schön." Sie bemerkte Dar's alarmierten Gesichtsausdruck. "Obwohl du dir keine Sorgen machen musst... wenn du es nicht magst... werde ich ihn nicht gebrauchen." "Ab... ähm... gut..." Dar spielte mit ihrer Gabel. "Es war einfach so blöd... ich meine dieser Charakter war eine wahnsinnige Frau, die sich andauernd Hals über Kopf in jemanden verliebt hat und Ärger bekam... ich bin einfach... ich habe einfach keine Ähnlichkeit mit ihr, also..." Sie zuckte mit ihren Schultern. "Und die Kinder in meinem Alter, die wussten woher der Name stammte... haben mich ständig damit aufgezogen." Sie spießte ein weiteres Stückchen von dem kurzgebratenen Prime Rip auf und dippte es in die kleine Sauciere. "Was ist mit dir? Ist Kerry eine Abkürzung für etwas?" Ein charmantes Lächeln rahmte das Gesicht der jüngeren Frau ein, während sie ihre Begleiterin betrachtete. "Kerrison. Es ist ein Name aus der Familie... gewöhnlich werden die Jungs so genannt, aber mein Vater hatte gleichgültig dessen beschlossen, das sein erstgeborenes diesen Namen erhält. Also, muss ich damit leben." Sie biss eine grüne Bohne entzwei und kaute darauf herum. "Ich benutz ihn nicht sehr häufig... sogar in meinem Lebenslauf steht Kerry... und auch in all meinen offiziellen Arbeitspapieren." "Mm... ich weiß... darum hab ich gefragt." Dar schaute grinsend nach oben. "Ich hätte mich auch einfach einloggen können und es auf diese Art herausfinden können." Die blonde Frau zog ihre Augenbrauen zusammen. "Das ist so eigenartig... du weißt alles über mich, und ich... es ist einfach seltsam." Sie lachte kurz. "Ich meine, es ist ja nicht so, das ich mich einfach einwählen und etwas über dich herausfinden könnte." Mit einem winzigen Lächeln das um ihre Lippen spielte, blickte Dar sie an. "Kerry, du weißt bereits mehr über mich, als du in den Computern der Gesellschaft herausfinden könntest." Antwortete sie leise. "Deine Mitarbeiter wären erstaunt, wenn sie zum Beispiel wüssten wie mein Haus aussieht oder das ich tauche, oder wie mein richtiger Name lautet." Für einen Moment fühlte sich Kerry etwas atemlos. "Oh." Sie errötete diesmal so, dass man es auch in dem gedämpften Licht sehen konnte. "Nun... das lässt mich doch gleich besser fühlen..." Um ihre Verwirrung zu vertuschen, nahm sie einen großen Schluck Punsch aus ihrem Glas. "Hör mal... ich möchte keinen wunden Punkt auf den Tisch bringen, aber dein wirklicher Name erinnert mich an etwas." "Oh ja?" Dar nahm ihr Getränk und nippte daran. "An was... eine Packung Marshmallows? Das war die übliche Version, als ich jünger war." "Oh... wie Mallomar?" Kerry lachte leise. "Nun ja, sie sind süß und verführerisch gut." Dieses mal ließ das Erröten ihre blonden Augenbrauen hervorstechen und sie zuckte zusammen. " Ähm... das ist nicht... ich meine, ich wollte nicht... ähm..." Dar kicherte leise. "Ja... klar... ich weiß was du gemeint hast... entspann dich." Sie hielt inne. "An was hattest du sonst gedacht?" "Ähm..." Kerry rieb ihr Gesicht, als ob sie die Röte wegreiben wollte. "Tatsächlich meinte ich Paladins... ich habe neulich ein Buch über sie gelesen, und sie... ähm..." Sie blickte zu Dar, die verwirrt zu sein schien. "Oh... richtig... du liest wahrscheinlich solche Bücher nicht... sicher.. nun, Paladins sind Ritter, aber sie sind eine besondere Art von guten Rittern, die für die Menschen nicht für den Gewinn eintreten, sie tun es einfach, weil es für eine gute Sache ist... sie waren Leute... die einfach Dinge taten, weil es das richtige war, nicht weil es für sie persönlich von Vorteil war." Dar beugte sich nach vorne. "Kerry... vertrau mir... ich bin nicht so eine Art von gutem Menschen, okay? Ich verspeise Leute zum Mittagessen... ich feure Leute bei der geringsten Kleinigkeit... ich strukturiere Firmen um, um den Gewinn unserer Gesellschaft zu steigern... jeder hasst mich wie die Pest. Also... versuch dich daran zu erinnern, ja? Oder wirst, wenn wir zu diesen Verhandlungen gehen, den Schock deines Lebens bekommen." "Nicht jeder." Entgegnete Kerry leise. "Wie?" Dar sah sie fragend an. "Nicht jeder hasst dich." Erklärte die blonde Frau wobei sie ihr Kinn ein wenig anhob. "Ich tue es nicht." Als sich ein Schweigen zwischen sie senkte starrte Dar sie an. "Du kennst mich noch nicht sehr... lange." Antwortete sie schliesslich. "Ich will nicht, dass du mich als jemanden siehst, der ich nicht bin, Kerry... Ich meine das sehr ernst." Du erzählst ihr also selbst, wie schrecklich du bist, damit es nicht so weh tut, wenn es ein anderer macht, ist das richtig? "In Ordnung. Ich verspreche dir, dich als niemanden zu sehen, der du nicht bist, okay?" Erwiderte sie liebenswürdig. "Okay... dann hätten wir das ja geklärt." Antwortete Dar nickend. "Richtig." Stimmte Kerry zu während sie ihr Essen beendeten. "Oh ...... war das gut." Sie lehnte sich zurück und lächelte der emsigen Hilfskraft zu, als diese ihre Teller entfernte, und dann mit einem Teller Erdbeerbiskuit zurückkam. "Oh Gott...." Sie blickte die kichernde Dar sehr entrüstet an. "Ich gebe es auf... ich werde mich eben damit abfinden müssen wie Miss Piggy auszusehen." "Mach dir keine Sorgen darüber... wir werden es uns ablaufen... dieser Park ist wirklich sehr weiträumig." Versicherte ihr Dar. "Zuerst Space Mountain?" Kerry fing mit ihrem Nachtisch an. "Hört sich gut an... ist dort wirklich schon jemandem der Kopf abgetrennt worden?" Die dunkelhaarige Frau schnaufte leise. "Es ist eine Legende der Einheimischen... obwohl es eine gute ist... du hörst sie immer von jemandem der vor ihm gefahren ist und gesehen hat wie der Kopf mehrere Wagen vor dem Rest des armen Kerls angekommen ist." "Igitt... ich werde versuchen, nicht daran zu denken." Kerry schnitt ein Gesicht. "Und ich werde meinen Sicherheitsgurt fest anlegen." "Oh, das wirst du nicht...." Nachdenklich hielt Dar inne. "Nun, wenn ich jetzt darüber nachdenke..." Ein träumerisches Lächeln überquerte ihr Gesicht. "Du wirst sehr sicher sein." Sich fragend, was sie damit meinte, sah Kerry sah sie neugierig an.
Alle schauten der Parade zu. Das bedeutete, dass es nur eine kleine Schlange gab, Kerry grinste als sie sich dieser anschloss und legte ihre Hände auf das Geländer der Absperrung, die die Menschenmenge unter Kontrolle hielt. Space Mountain war eine große konische Struktur in der Mitte von Tommorroland mit einem weißen Dach und einer Spitze, außerdem waren ringsherum Warnungen angebracht, dass keine schwangeren Frauen, Kinder, kleine Leute, Leute mit Herzleiden und Mormonen... halt, warte mal, Kerry las die Warnung noch einmal. "Oh... richtig... Mütter mit Neugeborenen." Auf der Achterbahn fahren sollten. "Als ob jemand ein Neugeborenes dorthin mitnehmen würde." "Lach nicht." Erklang Dar's Stimme direkt hinter ihr. "Wetten, dass ich schon jemanden gesehen habe, der versucht hat ein Meerschweinchen mit hierauf zu nehmen." Kerry fuhr herum. "Das hast du nicht." Protestierte sie lachend. "Hör auf damit, Dar." "Doch, das hab ich." Beharrte ihre Chefin. "Sie hatten es in einem Rucksack und waren direkt vor mir... es streckte seine kleine rosa Nase heraus und hat damit gewackelt." "Was hast du gemacht?" Fragte die blonde Frau neugierig während sie sich vorwärts bewegte. "Sichergestellt, dass ich nicht hinter ihnen saß, als es anfing zu spucken." Erwiderte Dar trocken. "Vorwärts... den Weg hinunter." Der Pfad teilte sich und sie gingen die Rampe zu einem neonbeleuchteten Einstiegsbereich hinunter. Sie sah zu wie sich die Wagen füllten und bemerkte, dass jeder Wagen in zwei Sitzbereiche aufgeteilt war. Man konnte sich alleine in den größeren Bereich setzen und auf sich selbst aufpassen, oder zu zweit fahren und sich von der Person hinter einem festhalten lassen. Oh oh... nun bin ich in Schwierigkeiten. Kerry blickte zu ihrer Begleiterin, die die ganze Prozedur mit mildem Interesse beobachtete. "Ähm..." Sie brauchte ihre Verlegenheit nicht zu vorzutäuschen. "Kann ich dich um einen Gefallen bitten?" Das auf ihr Gesicht fallende Neonlicht ließ ihre blauen Augen violett schimmern. "Sicher." Kerry nickte zu den Wagen. "Würde es dir sehr viel ausmachen, wenn wir zu zweit fahren? Ich liebe Achterbahnen, sie erschrecken mich jedoch auch ein wenig." War das ein Grinsen, das kurz auf Dar's Gesicht erschien? Es war viel zu Dunkel um das mit Sicherheit sagen zu können. "Sicher... kein Problem." Antwortete Dar gelassen. "Du solltest einmal zu Bush Gardens gehen... nun das sind wirklich Achterbahnen." "Aha." Kerry ging nach vorne wo man in die nächsten Wagen einsteigen konnte. "Ich war mal in einer außerhalb der Staaten gewesen, wo man mit dem Kopf nach unten hängt... Glaubst du, wenn du dich da oben übergeben musst, dass du tatsächlich deinen eigenen Fuß treffen kannst?" Dar arbeitete sich physikalisch an die Frage heran. "Oh Mann. Nein, das würde ich nicht." Gab sie zu, während sie zu ihrem Wagen geführt wurden. Sie setzte sich und lehnte sich gegen die Rückenstütze als Kerry sich leicht unsicher zwischen Dar's Beine setzte. Als der Wagen sich in Bewegung setzte, um Platz für den nächsten zu machen, rutschte Kerry dadurch ein wenig nach hinten, und sie konnte die Knie der größeren Frau, die an ihre Hüften drückten und die Wärme ihrer Haut durch Dar's Jeans spüren. Es fühlte sich angenehm an. Sie kippte ihren Kopf zurück und beobachtete wie die Wagen sich auf einer Schiene in Bewegung setzten, dann um eine Ecke in die Dunkelheit abbogen und aufwärts stiegen. "Oh je..." Kerry bemerkte, dass sie ohne einen festen Halt nicht fähig sein würde aufrecht zu bleiben. "Entspann dich... und lehn dich zurück." Versicherte ihr Dar's Stimme während sie ihr auf die Schulter klopfte. "Ich mach das schon." Der Anstieg wurde steiler und sie hatte kaum eine andere Möglichkeit als den Griff an den Seiten des Wagens zu lösen und sich gegen die Brust der größeren Frau zurückzulehnen, und spürte wie Dar einen sicheren Griff um ihre Taille einnahm. "Okay... ich hab dich." Erzählte ihr die Geschäftsführerin beschwingt. Oh ja. Kerry sog dieses Gefühl in sich auf. Sicher hast du das. Sie wusste, das sie sich eigentlich sehr, sehr nervös, und sehr unbehaglich fühlen sollte, doch aus irgendeinem Grund war es einfach nur... Schön. So, als ob sie alte Freunde wären. Ein wenig entspannter lächelte sie und betrachtete die künstlichen Sterne als sie sich gemächlich zur Spitze der Steigung zubewegten. Sie konnte Dar's langsame, stetige Atmung spüren, entspannte sich noch mehr und ließ ihren Kopf gegen das Schlüsselbein der dunkelhaarigen Frau fallen und fühlte wie ihr Griff geringfügig fester wurde. Sie schloss ihre Augen und erschrak, als plötzlich ihr Traum, von dem Morgen nach dem Sturm, kurz aufblitze. Es hatte sich, ja... ein wenig wie dieser Traum angefühlt... zumindest das Gefühl so beschützt zu sein. Sie ereichten den Gipfel des Anstiegs und der Wagen schoss, die Fahrt beginnend, nach vorne. Es war dunkel sowie kurvenreich, und es gab wirklich nicht viel zu sehen, also behielt sie ihre Augen geschlossen, und überliess es vollkommen Dar's kräftigem Griff sie zu beschützen. Ohne das es überraschend war, schaffte es Dar, und sie sorgte auch dafür, dass ihr nicht der Kopf abgetrennt wurde, was eine gute Sache war. Die Fahrt war viel zu schnell vorbei und sie pendelten in einer Zielplattform aus. Dar ließ sie los und Kerry setzte sich grinsend auf. "Oh Mann... das war lustig." Sie stand auf und hopste, von der größeren Frau gefolgt, aus dem Wagen. "Obwohl es sehr dunkel war... sind sie alle so?" Dar schüttelte ihren Kopf. "Thunder Mountain ist nicht so... auf den anderen bin ich noch nicht gewesen... doch ich glaube es nicht. Dort gibt es mehr Wasser als alles andere." Sie gingen in eine sternenklare Nacht hinaus, wo man immer noch die schwachen Töne der Parademusik wahrnehmen konnte. "Danke, dass du mich beschützt hast." Kerry lächelte sie an. "Keine Ursache." Antwortete Dar, kurz grinsend. "Ich sag es dir ja nicht gern, doch was glaubst du, was ich von der Personalabteilung zu hören kriege, wenn ich dich bei einer Geschäftsreise verlieren würde. Mariana würde mich köpfen." Beide kicherten und Dar winkte nach rechts. "Hier entlang... wir können an der hinteren Seite von Frontierland vorbei zum Big Thunder gehen." "Oh... ist das dort, wo dieser Country Bear Jamboree ist?" Fragte Kerry abrupt. "Ich hab ihn schon oft im Fernsehen gesehen..." Dar schaute sie nachsichtig an. "Okay... ich hab den Hinweis verstanden... komm schon." Sie warf ihr einen Seitenblick zu. "Ich bin überrascht, dass du Haunted Mansion nicht sehen willst." "Oohh..." Kerry zog ein Gesicht. "Das hab ich ganz vergessen... ist es hier in der Nähe?" Dar lachte nur und änderte die Richtung. "Hier entlang."
Sie waren unterwegs, bis die letzte Monorail abfuhr und saßen nun selig auf regulären Plätzen in dem eleganten Zug auf dem Rückweg zu ihrem Hotel. Dar lehnte, ungläubig das sie die ganze Nacht im Magic Kingdom verbracht hatte, an der Scheibe und schielte nach draußen. Heiliger Strohsack. Das wird besser nicht bekannt, ansonsten bekomme ich es bis in alle Ewigkeit zu hören. Sie betrachtete die Lichter der Boote an denen sie vorbeikamen und beobachtete wie ihr Atem die Scheiben beschlagen ließ. Doch es war nicht übel... und es war ja nicht so, dass sie für den Abend etwas vorgehabt hätte... die meisten Berichte war sie bereits durchgegangen, bevor sie das Hotel verließen, und ansonsten hätte sie sich im Hotel eine andere Unterhaltung suchen müssen. Sie beschloss, das dies hier genauso gut war, und der Spaziergang im Park war sicherlich auch gesünder gewesen. Sie hatten es irgendwie geschafft alle bedeutenden Bereiche des Parks innerhalb zwei Stunden zu absolvieren und als der Park geschlossen wurde waren sie die Main Street hinuntergelaufen und sahen zu wie Mickey Maus Ballons aus müden Kinderhänden in die Höhe schwebten. Sie schaute zu ihrer linken, und verbarg ein Grinsen, als sie die Tüten unter dem Arm ihrer Begleiterin sah. Aus einer lugte ein ausgestopfter Büffel mit komisch schielenden Augen und einer winzigen rosa Zunge. Aus der anderen schaute ein glücklich aussehender Pluto hervor, der sich wohlig an Kerry's Schulter geschmiegt hatte, und dessen schwarze Schlappohren sich von ihren blonden Haaren abhoben. Kerry hatte sich, sehr zu ihrer Verwirrung, in Buff dem animierten Büffel im Country Bear Jamboree verliebt, und war erst zufrieden als sie, in einem Shop im Frontierland, einen gefunden hatte den sie mit nach Hause nehmen konnte. Sie hatte versucht Dar davon zu überzeugen sich eine Waschbärmütze zuzulegen, doch die Geschäftsführerin hatte ein Blick auf den flaumigen Schwanz geworfen, der über ihrem Ohr hing, und warf die Mütze auf das oberste Regal, wo Kerry nicht hinkam. Nein, sie ließ sich nicht erweichen, auch nicht, als im Geschäft eines Glasmachers ein filigraner, mundgeblasener Glasdelfin auf einer aufsteigenden Welle sie in Versuchung geführt hatte. Schließlich beschloss sie, dass das Ding beim Transport wahrscheinlich zerbrechen würde und ließ ihn dort. Dann hatte sie Kerry einen Moment aus den Augen verloren und sah sie einige Minuten später mit Pluto und einem zufriedenen Lächeln wieder. Das Emporium vor dem Ausgang war immer der letzte Ort, für fanatische Reiseandenken Sammler, der geschlossen wurde, und sie schlenderten, bei ihrem Weg nach draußen, dort hindurch und Dar erlag dem überwältigenden Konsumdruck indem sie sich ein fesches, schwarzes Polohemd mit einem silbernen Mickey auf der Brust kaufte. "Oh... das ist festlich." Frotzelte Kerry. Dar kicherte spöttisch. "Gehört zur Angriffsstrategie. Ich werde es morgen bei der Verhandlung unter meinem Jackett tragen." Ihre Augen funkelten böse. "Gutes psychologisches Gespür... dieses Disney Völkchen sind seltsame Burschen... sie sind Geschäftsleute, doch es gibt dort immer noch eine starke alte Familienkonzession... sie verhalten sich dem Markennamen gegenüber sehr loyal, und sie sehen es gern, wenn man sich für ihr Produkt begeistert." "Hmm." Kerry dachte, während sie hinausgingen, darüber nach. "Interessant.... als was betrachten sie denn ihr Produkt?" Dar hatte sie angeblickt. "Träume, wenn man Walt Disney gefragt hätte." Jetzt saß sie, mit ausgestreckten Beinen, die sie auf der Bank gegenüber liegen hatte, gegen ihren Sitz gelehnt. Sie waren fast alleine in dem Wagen und der Zug hielt an mehreren Haltestellen, bevor er die ganze Schleife umfahren hatte die am Floridian endete. Sie fuhren an dem Contemporary, das erste von den Hotels in dem Bereich, im hawaiijanisch, polynesischen Stil vorbei, bevor die Fahrt sich verlangsamte und vor dem würdevollen, weißen Grand Floridian hielt. "Das ist unsere Station." Dar stand auf und streckte sich, dann schlüpfte sie aus der Tür und betrat die Eingangshalle. Es waren noch immer Leute da, die sich meist an den Bars aufhielten und die Fahrstühle waren ziemlich voll als sie sich auf den Weg zu ihren Zimmern machten. Dar schob ihre Tür auf und schlenderte zur Garderobe hinüber, deponierte ihre Tüte mit den Süßigkeiten und sah dann, als sie sich umdrehte, dass das Licht für Mitteilungen auf dem Telefon blinkte. "Was zur Hölle ist das?" Sie zog ihr Handy von ihrem Gürtel und kontrollierte es. "Oh Nein... ich dachte es wäre eingeschaltet... wer zum Teufel sollte mir hier eine Nachricht hinterlassen?" Kopfschüttelnd setzte sie sich hin und fing an, mit einer Hand ihre Sportschuhe auszuziehen während sie mit der anderen den Telefonhörer nahm und die Nummer der Vermittlung wählte. "Ja, hier ist Dar Roberts... ich habe eine Mitteilung?" Sie schrieb den Namen und die Telefonnummer auf einen Notizblock beim Telefon, und nachdem sie sich bei dem Telefonisten bedankt hatte legte sie auf. "Na so was, John..." Sie nahm den Hörer, wählte wieder und hörte dem Freizeichen zu. Nach dem vierten Klingelton wurde abgenommen. "Hallo, John... sie haben ausrichten lassen, dass ich nach Erhalt der Nachricht anrufen soll, also..." "Ach... oh Dar, ja. Danke." Die Stimme des Mannes klang mitgenommen. "Ich war gerade dabei die letzten Teile für ein neues Angebot zusammenzustellen... hören sie, ich bin froh, dass sie hier sind." Das war neu. "Was ist los?" "Sie haben uns gebeten, dass wir morgen unser Angebot vorstellen, doch sie führen die Verhandlungen zusammen mit dem Team von IBM durch... sozusagen von Angesicht zu Angesicht." "Oha... wirklich." Dar zog ihren anderen Sportschuh aus und rieb ihre Zehen. "Das ist eine andere Sache... erwarten sie von uns, dass wir das mit Armdrücken oder ähnliches ausmachen?" "Ich weiß es nicht." Antwortete John seufzend. "Aber der andere Teamleiter hat mir schon einen Tritt in den Hintern verpasst... wenn ich es richtig verstanden habe, dann kennen sie ihn?" "Oh ja." Kicherte die dunkelhaarige Frau. "Das könnte man so ...... lassen sie es mich so ausdrücken, er wird wahrscheinlich nicht gerade froh sein mich zu sehen." Sie knöpfte ihre Weste auf und stand auf. "Hören sie... mailen sie mir das Angebot herüber und ich werde einen Blick darauf werfen. Um wie viel Uhr ist morgen die Sitzung?" "Sie ist um 10.00 Uhr im Verwaltungszentrum." Antwortete er hörbar erleichtert. "Michelle Graver ist die Leiterin der Vergabegruppe... Dar, sie ist bösartig." Er räusperte sich. "Sie hatte heute in der Sitzung jeden bedeutenden Fehler, den wir in den letzten zehn Jahren gemacht hatten, auf den Tisch gebracht... ich hab keine Ahnung wo sie die Informationen her hat." "Wahrscheinlich von Jerry Andrews." Antwortete Dar während sie ihre Weste auszog und dann ihre Aktentasche öffnete. "Also, ist das diese Art von schmutziger Verhandlung, wie? In Ordnung... ich werde das Büro anrufen und sehen was ich schmutziges gegen sie ausgraben kann... sie werden morgen ihre eigenen Früchte zu spüren bekommen." Sie hielt inne. "Wissen sie, dass ich hier bin?" "Nicht das ich es wüsste... außer sie spionieren in dem zentralen Reservierungssystem die Buchungen unserer Gesellschaft aus." Antwortete John nun wesentlich fröhlicher. "Ich bin verdammt froh, dass sie hier sind, Dar... ich wäre ansonsten morgen mit einer Uzi unter dem Arm da rein gegangen." Dar schnaufte. "Danke." Sie schaltete das Laptop ein und stöpselte das Modemkabel in die freie Buchse am Telefon. "In der Tat stellen sie sicher, das morgen zwei Plätze mehr da sind... ich habe meine neue Assistentin als Beobachterin mitgebracht." "Oh ja? Prima..." Antwortete John. "Sogar noch besser... wir werden ihnen dann zahlenmäßig überlegen sein." Er zögerte. "Und es ergibt eine bessere Mischung unseres Teams... auf dieser Verhandlung habe ich nur Männer, und ich denke, das es Michelle nicht gefällt." "Was ist mit den anderen?" "Machen sie Witze? Auf dieser Angebotsebene? Alles Burschen, alle in blauen Anzügen, alle mit weißen Hemden, schwarzen Krawatten, schwarzen Schuhen und IBM Krawattennadeln." Der Angebotsleiter kicherte. "Zumindest tragen wir unterschiedlich gefärbte Unterwäsche." "Das sollte lustig werden." Seufzte Dar. "Schicken sie das Angebot rüber... ich werde mich einwählen." Sie wartete bis er aufgelegt hatte, legte dann den Hörer zurück und wies ihr Laptop an, die Verbindung fertigzustellen. "Probleme?" Fragte eine leise Stimme und sie sah zu Kerry, die in einem überlangen T-Shirt mit einem großen, frechen Tweety darauf, in der angrenzenden Tür stand. "Ich habe gehört wie du dich eingewählt hast." Sie zeigte auf das Laptop. Dar überging die Reaktion ihres Magens als sie ihre Assistentin in ihrer Unterwäsche sah und zuckte mit den Schultern. "Es könnte sein... das das IBM-Team auf die schmutzige Art spielt... nicht das wir das natürlich nicht auch tun würden, wenn wir könnten, sie haben jedoch den Leuten hier Insiderinfos gegeben, und John hatte damit einige Schwierigkeiten." Sie blickte zu dem Monitor und winkte dann Kerry heran. "Setz dich... er schickt mir gerade das neue Angebot, um einen Blick darauf zu werfen." Kerry setzte sich bereitwillig an ihre Seite auf das Bett und reichte Dar ein Stück von dem Butterkaramell an denen sie gerade knabberte. "Was für Insiderinfos?" Dar kontrollierte die Downloadanzeige. "Verdammt... ich muss Megabytes an E-Mails haben... wir waren doch nur sieben Stunden weg... was ist da unten nur los?" Sie aß das Toffee und leckte dann ihre Finger. "Mm... die sind sehr gut." "Keine Ahnung... ich habe meine auch abgefragt.... und ich hatte auch eine Menge." Versicherte ihr Kerry als sie ihr ein weiteres Stück reichte. "Hey, das sind deine." Protestierte Dar, nahm es jedoch an. "Die Insiderinfos waren Sachen bei denen wir Mist gebaut hatten... zuweilen versprachen wir etwas, was wir nicht liefern konnten, oder mussten einen Vertrag wegen Nichterfüllung aufheben, solche Sachen eben." Sie startete eine Verbindung zum Hauptcomputer und tippte eine Anfrage ein. "Komm... mach schon... du gottverdammtes langsames Stück von einer beschissenen Analogleitung." Kerry erstickte ein Grinsen. Dar hatte ihre Sportschuhe und Weste ausgezogen, zupfte nun ihre Bluse heraus und sah reizvoll zerknittert aus. "Was wirst du nun machen?" "Ein paar schmutzige Details über sie zusammentragen." Antwortete Dar abwesend, während sie eine Anfrage an die riesige Datenbank herausschickte, die von der Programmierabteilung für sie geschrieben worden war. "Bekämpfe Feuer mit Feuer, und dergleichen." Goldene Wimpern blinzelten. "Warum machen wir nicht einfach das bessere Angebot?" Erkundigte sie sich. "Oder ist das eine sehr naive Frage?" Dar's blaue Augen hoben sich funkelnd. "Nun... nicht naiv... nur... ein wenig zu... ähm... optimistisch." Sie stellte das Laptop aufs Bett, stand auf, zog ihre Bluse aus und griff nach ihrer Tasche. "In einer idealen Welt, würden wir alle nach unseren Verdiensten gemessen werden. Dies ist keine ideale Welt." Sie streifte ihr Baseball T-Shirt über und zog ihre Jeans aus, die sie ordentlich faltete und in ihre Tasche steckte. "Also, nutzt du jeden Vorteil, den du finden kannst... einschließlich aller Möglichkeiten die dir zur Verfügung stehen, um den anderen Burschen aus dem Feld zu schlagen." "Hmm." Kerry nickte kurz. "Das hört sich sehr feindselig an." "Das kann es auch sein." Stimmte Dar zu, legte sich entspannt auf ihre Seite und streckte ihre Beine quer über dem Bett aus, während sie den Download kontrollierte. Sie dachte eine Minute nach, dann startete sie eine weitere Abfrage nach Informationen über Michelle Graver. Sie hatte in der Vergangenheit vage von der Frau gehört... war es im Zusammenhang mit Merryl Lynch? Doch sie waren sich niemals begegnet und sie wusste nichts über sie. Keine guten Voraussetzungen, um in eine Vertragsverhandlung zu gehen. "Der Teamleiter von IBM hat mich das letzte Mal beinahe über den Tisch hinweg angesprungen." Kerry's Augen weiteten sich. "Wirklich? Oh Gott, Dar... das ist schrecklich." "Nein." Ihre Chefin schaute mit einem teuflischen Grinsen auf. "Das war ein göttlicher Spaß... er konnte es nicht tun, weil seine Hose gerissen ist als er aufstand, und er musste sich gleich wieder hinsetzen, oder er hätte den Kunden mit seinem großen, weißen Hintern geblendet." Sich daran erinnernd musste sie kichern. "Ich habe mich beinahe kaputtgelacht." Kerry verbiss sich ein Kichern. "Ich wäre gestorben... wird er überrascht sein dich zu sehen?" "Ooohhh.... Ja." Kicherte Dar böse. "Es hilft auch das Image des Teams zu verbessern... John glaubt, dass Michelle Graver, die Leiterin von Disney, nicht erfreut darüber ist, dass in beiden Teams nur Männer sind." Sie blickte zu Kerry. "Sie hat es John ganz schön schwer gemacht." "Glaubst du, dass sie es dir schwer macht?" Erkundigte sich die blonde Frau. Dar studierte die Ergebnisse der zweiten Anfrage. "Hm... das könnte sie." Ihre Augenbrauen stiegen in die Höhe. "Nach dem Papier ist sie recht gefährlich... sie hat einen Doktor in Psychologie und einen Magister in Geschäftswesen... sie ist seit zehn Jahren bei ihnen und wird als eines ihrer Top Talente gehandelt." Sie drehte ihr Laptop zu Kerry. "Hier... werf mal einen Blick drauf." Sie sah Kerry beim Lesen zu, deren Augen dabei in heftiger Bewegung waren. "Siehst du etwas interessantes?" Ein kleiner Test, den ihre intelligente, junge Freundin wohl bestehen sollte. "Sie ist eine Fallschirmspringerin." Murmelte Kerry während sie den Bildschirm mit ihrer Fingerspitze berührte. "Das weist auf eine besondere Persönlichkeit hin, oder nicht? Jemand der nach einem Adrenalinkick sucht?" "Mmhmm." Dar lächelte sie zustimmend an. "Gut beobachtet." "Also... das bedeutet, dass sie wahrscheinlich Konflikte genießt... weswegen sie die Verhandlung morgen auf diese Art ablaufen lässt, richtig?" Sie blickte auf. "Zu beobachten wie die Burschen aufeinander losgehen gibt ihr einen Nervenkitzel." "Das könnte sein." Stimmte ihre Chefin zu. "Also... besteht deine beste Möglichkeit darin, cool zu bleiben, richtig?" Dar kicherte. "Genau... sie wartet darauf, dass der eine oder andere von uns sein Temperament verliert... und das, meine Freundin, werde nicht ich sein." Meine Freundin. Kerry gefiel dieser Klang. "Ich vermute, dass ich einfach ruhig dabeisitze und mir Notizen mache?" "Kerry, wenn du etwas zu sagen hast... dann sage es." Antwortete Dar ernst. "Aber betrachte diese Leute als Haie... die auf der Suche nach Leckerbissen sind, gleichgültig wie zivilisiert sie erscheinen, denk immer daran, dass es dort keine Freunde gibt." Sie lächelte. "Außer uns." Dar sah von ihrem Bildschirm auf und lächelte zurück. "Jawohl." Kerry sah auf die Bettdecke hinunter, dann schaute sie wieder nach oben. "Danke, dass du heute Abend mit mir den Park besucht hast, Dar... ich weiß, dass dies eine Geschäftsreise ist, doch es hat mir riesigen Spaß gemacht." Dar stützte ihren Kopf auf ihrer Hand ab. "Ich hatte auch eine schöne Zeit... ich sag dir was... wenn diese verdammten Sitzungen morgen nicht solange dauern, gehen wir nach Epcot und ich werde dich zu einem Essen in die Mongolei oder irgendwo anders hin einladen, wie wäre das?" Ein sanftes Lächeln spielte um ihre Lippen. "Das musst du nicht tun... ich kann jederzeit ein anders Mal hierher kommen." Dar fuhr mit dem Finger dem Muster des Stoffes nach, dann blickte sie unter ihren dunklen Wimpern hervor. "Ich weiß, dass du das kannst... aber ich will es nicht, also lass mir diese kleine Selbstdesillusionierung, okay?" Entgegnete sie ironisch. "Ach... oh ja... entschuldige... okay... ich hab's kapiert." Kerry lächelte sie bezaubernd an. "Mach dir keine Sorgen... ich verspreche, dass ich niemandem sagen werde, dass du manchmal wirklich Spaß haben kannst." "Danke." Kicherte Dar. "Und... ähm... hör mal, danke, dass du heute morgen mit mir gegangen bist... ich habe es ehrlich geschätzt ein freundliches Gesicht um mich zu haben." "Keine Ursache... ich bin nur froh, das alles gut ausgegangen ist." Antwortete Kerry ehrlich. "Weißt du... es ist so seltsam... wir kennen uns erst ein paar Wochen, doch ich empfinde es als viel länger." Sie zuckte kurz mit ihren Schultern. "Ich meine... es ist einfach so eigenartig." "Ja, das ist es." Stimmte die ältere Frau bedächtig zu. "Ich bin niemand, der schnell Freundschaften schließt... dies ist eine Ausnahme für mich." Sie hob eine Hand und ließ sie wieder auf die Bettdecke fallen. "Das muss Schicksal sein." Kerry lief ein Prickeln über ihr Rückgrat. "Das muss es sein." Stimmte sie seufzend zu. "Nun gut, wenn morgen die große Schlacht stattfindet, bekommen wir besser etwas Schlaf." Sie stand auf und hob eine Hand. "Gute Nacht, Dar." Nachdenkliche blaue Augen betrachteten sie. "Gute Nacht." Nachdem Kerry gegangen war legte sich eine Stille über den Raum, und Dar nahm nur das leise Klicken der Klimaanlage, und das leise Summen des Downloads über das Diskettenlaufwerk war. Es war... leicht verwirrt zogen sich ihre Augenbrauen zusammen. Es schien nun, nachdem das Kind gegangen war, so leer zu sein. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich wünschte, Kerry käme zurück, auch wenn sie nur still in einer Ecke die Akten studiert hätte. Das gab ihr schwer zu denken. Okay. Ein Atemzug. Sie war von ihrer Assistentin angezogen. Das war eigentlich keine große Sache... es geschah oft genug, und Kerry war, vor jeglicher Anmache ihrerseits, so sicher wie ein Baby in der Wiege. Es waren Gesellschaftsregeln, und das war eine Grenze, die Dar Roberts niemals überschritten hatte. Obendrein sah sie gut aus, war klug, hatte einen großen Sinn für Humor, schöne Augen und einen schönen Körper... wer würde von ihr nicht bezaubert sein? Also war es normal. Kein Problem. Sie konnte damit umgehen, es würde nach einiger Zeit verschwinden und Kerry würde den Unterschied niemals bemerken. Aber. Etwas zog sie auf einer viel tieferen Ebene zusammen. Sie konnte es fühlen, und sie vermutete, dass es bei Kerry genauso war. Es hatte nichts mit fleischlicher Begierde zu tun, sondern es hatte alles mit dem friedlichen, zufriedenen Gefühl zu tun, das sie auf der sehr kurzen Achterbahnfahrt mit Kerry empfunden hatte, als diese sich eng an sie gekuschelt hatte, als ob es die natürlichste Sache auf der Welt sei. Es schmerzte sie danach, es wieder zu fühlen. Und das... das erschrak sie. Mit körperlicher Anziehungskraft konnte sie umgehen. Dies hier... war jedoch etwas vollkommen anderes. Sie wünschte sich nur, sie wüsste was es war.
~~~ ENDE - Kapitel 6 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 7 lesen.
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