Bild

Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

Tropical Storm - Kapitel 8

   

Button Home Neues Überfiction Forum Cover Gästebuch

 

Tropical Storm
by Melissa Good

Kapitel 8

 

Im Haus war es ruhig, als Dar die Tür aufschloss, eintrat und das Flurlicht anschaltete. Es war kühl im Haus, wofür sie dankbar war, doch plötzlich kam ihr alles so leer vor, ein Gefühl das sie vorher noch nie hatte.

Irritiert darüber schüttelte sie ihren Kopf, ging durch das Wohnzimmer, und schnappte sich die Fernbedienung des Fernsehers, und schaltete ihn ein, nur um ein paar Hintergrundgeräusche zu hören. Sie ging weiter in die Küche, wo ihre Post in einem Korb lag, den das Reinigungspersonal am Morgen dorthin gestellt hatte. Dar schaute sich um, während sie sich ein Glas holte und zum Kühlschrank ging, zog ihn auf und füllte es mit Milch. Sie hatte Kerry am Parkplatz des Büro abgesetzt, wartete bis die jüngere Frau sicher in ihrem Mustang saß, und hatte sich dann selbst auf den Heimweg gemacht, und seltsamerweise vermisste sie die Gegenwart der Blonden.

"Jetzt lass es gut sein, Dar... Nimm dich zusammen..." Tadelte sie sich selber, schnappte sich den Korb und trug ihn ins Wohnzimmer, wo sie sich mit einem Seufzen auf die Ledercouch sinken lies. "Also gut, du hattest deinen Spaß mit der Kleinen... in Ordnung, jetzt sind wir in der Normalität zurück, also schlag dir das hübsche Gesicht aus dem Kopf und lies deine verdammte Post."

Sie fing an, durch den Inhalt des Korbes zu blättern und fühlte dabei etwas größeres, massigeres. Verwirrt öffnete sie den Deckel und zog eine kleine Schachtel heraus, die an sie adressiert war, und eine Rücksendeadresse in Kissimmee hatte. Was zum Teufel... sie stellte den Korb hinunter, zog ihre Schlüssel vom Tisch und benutzte das kleine Taschenmesser an der Kette, um die Schachtel zu öffnen. Eine Luftpolsterfolie verhüllte den Inhalt, bis sie vorsichtig die Schutzfolien entfernt hatte und den Blick auf seinen Inhalt freigab. Mit ihren Fingern holte sie behutsam die Kristalldelphine heraus und betrachtete sie ungläubig.

Verwirrt sah sie noch mal in die Schachtel und entdeckte den zusammengefalteten Zettel. Mit ihrer freien Hand holte sie ihn heraus und öffnete ihn. "Happy Bosses Day... ich hoffe, du hattest einen schönen Tag. K."

"Oh, Kerry." Sie atmete langsam aus, drehte das handgeblasene Glas zum Licht und sah die unglaubliche Farbenvielfalt im Innern. "Du kleiner Idiot... das hättest du nicht tun sollen." Sie hasste persönlichen Nippes. Doch bei der Betrachtung der verspielten Meerestiere spürte sie, wie sich ein erfreutes Lächeln auf ihr Gesicht schlich, und bewunderte die feinen Farbnuancen der Grün- und Blautöne, die durch die Wellen schimmerten, auf denen sie sich tummelten. Sie stellte die Figur auf den Tisch, und sich auf ihre Ellbogen abstützend und ihr Kinn in ihren Händen ruhend, starrte sie die Glasfigur an.

Wenn sie dieses Geschenk annahm, dann bedeutete dies, das sie sich erlaubte immer näher an eine gewisse Grenze zu stoßen. Es bedeutete auch, dass sie Kerry erlaubte an einen Ort zu lassen, der seit langer Zeit versperrt war. Es war gefährlich, und wahrscheinlich ein Fehler.

"Nun ja." Sagte sie zu der Kristallfigur. "Ich hoffe, dass sie mag, was in ihrer Schachtel ist." Welche Grenze? Sie wusste, dass sie diese überschritten hatte, als sie Kerry als ihre Assistentin einstellte. Jeder andere Gedanke war eine Lüge, und obwohl es ihr nichts ausmachte andere anzulügen, versuchte sie, zu sich selber ehrlich zu sein. Und nachdem sie an dem Morgen, mit dem Wissen Kerry in den Armen gehabt zu haben, aufgewacht war, wollte sie die Erfahrung unbedingt noch einmal erleben... Sie wusste, dass sie eine Wahl treffen musste.

Aufhören, oder weitermachen. Ihre Freundschaft beenden und sich völlig von Kerry zurückziehen, oder den Dingen, mit dem Wissen was wahrscheinlich geschehen würde, ihren Lauf lassen. Und aufhören... schon allein der Gedanke tat weh, traf sie so tief, dass sie sich nicht dagegen wehren konnte. Sie wollte nicht aufhören.

Deshalb, würde sie einfach abwarten, was von jetzt ab geschah.

Dar rollte sich auf der Couch zusammen, legte ihren Kopf gegen die warme Armlehne, wo Kerry die vergangenen Woche geschlafen hatte, und beobachtete, wie die wechselnden Lichter, vom Bildschirm und dem hereinfallenden Mondlicht auf ihrem Geschenk funkelten und glitzerten.

Linie

Kerry schloss die Türen ihres Mustangs, schulterte ihre Sporttasche und schleppte sie gähnend in ihre Wohnung. Sie schaltete die Lichter an und ging zum Aquarium hinüber, warf einige Futterflocken hinein und winkte den zwei küssenden Guramis sowie den winzigen Guppys zu, die sie anfunkelten. "Hi Jungs." Die Guramis knabberten, blubbernd an den Flocken und sie lächelte sie an. "Ich bin wieder da... habt ihr mich vermisst?"

Kichernd schob sie die Abdeckung wieder auf das Aquarium, stellte dann ihre Tasche auf die Couch und ging zu dem kleinen Tisch in der Küche, wo Colleen ihre Post hingelegt hatte. Sie durchblätterte sie, zog die Rechnungen heraus und legte sie in den kleinen grünen Korb auf der Seite, dann sortierte sie den Rest nach Gewichtigkeit. Sie nahm die allgegenwärtige AOL-Diskette in ihrer farbenprächtigen Hülle und seufzte. "Freunde, lassen Freunde nicht mit AOL arbeiten, dass ihr das wisst... ich bin da äußerst rigoros." Sie warf den Umschlag in den Abfalleimer, ging dann zu ihrem Anrufbeantworter und drückte einen Knopf um die Mitteilungen abzuhören.

"Hallo Liebling, hier ist deine Mutter... Wir haben damit angefangen die Vorbereitungen für deine Heimkehr zu treffen... alle sind ganz aufgeregt. Ich denke, dass wir euch in dem Landhäuschen im Westen unterbringen, bis Brian sich entschieden hat, wo ihr wohnen wollt... er ist übrigens ganz aus dem Häuschen, das du zurückkommst, Liebling... Ich habe einige Verpflichtungen, bei denen ich dich gerne dabeihaben möchte, also werden wir, wenn du da bist, einen kleinen Einkaufsbummel machen müssen, deine Kleider von den letzten Jahren sind nicht mehr angemessen und du wirst etwas neues brauchen... Ach ja, dein Vater sagte, dass er selbstverständlich damit einverstanden ist, wenn du hier im Troy Office arbeiten willst, er kennt dort mehrere Manager und denkt nicht dass es ein Problem ist, dass du dort eine nette Beschäftigung findest... etwas bei dem du nicht diese gefährlichen Reisen unternehmen musst. Lass mich überlegen... was es sonst noch gibt? Ach ja... wir erwarten dich an Thanksgiving... die Tickets sind bereits auf dem Weg, also richte dich darauf ein am Mittwoch Abend abzufliegen und wir haben Vereinbarungen getroffen, dass du am Montag wieder abreist. Sag es deiner Chefin, ich bin mir sicher, dass sie nichts dagegen haben wird. Ich muss Schluss machen Liebes, ruf mich bitte an wenn du zu Hause bist, du weißt welche Sorgen ich mir mache."

Kerry hörte mit ausdruckslosem Gesicht zu, dann schlug sie auf die Löschtaste. Verdammt. Sie dachte, dass es nur eine übereilte Reaktion auf das Flugzeugunglück gewesen war... da sich das Ganze als mechanisches Versagen herausgestellt hatte, hoffte sie, dass sich die Aufregung gelegt hatte, und ihr Vater das Ganze vergaß. "Scheiße." Fluchte sie zu dem Gerät. "Das wird furchtbar."

Von den restlichen vier Mitteilungen waren eine von Colleen, zwei von Susan, und eine vierte von Ray, der wollte, dass sie heute abend mit zum Grove ging. Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihre Gedanken, und sie drehte sich um. "Herein."

Die Tür barst beinahe auf, und Colleen stürzte herein, sie trug ihre Skeatingklamotten und war mit einer dünnen Schweißschicht bedeckt. "Du bist zurück!"

Kerry streckte ihre Arme aus und blickte an sich herab. "Es sieht so aus, jawohl." Stimmte sie zu. "Was gibt es?"

"Warte... ich habe ein Paket für dich." Unterbrach sie Colleen. "Ich bin gleich zurück." Sie stürmte wieder hinaus und erinnerte Kerry dabei leicht an Tigger. Für kurze Zeit war es still, dann kam die Rothaarige zurückgestolpert und zog einen großen Karton hinter sich her. "Das ist heute gekommen... Ich war gerade da, als der Mann von UPS hier aufgetaucht ist... Ich hab für dich unterschrieben... es ist aus Orlando."

"Mach langsam, Col." Lachte Kerry und ging nach vorne um ihrer Freundin mit dem großen Paket zu helfen. "Was in aller Welt ist das? Ich habe nichts..." Sie schwieg und öffnete den Karton, zog die Klappe zurück und enthüllte etwas flauschig, goldenes. "Bestellt." Beendete sie ihren Satz, griff in den Karton und zog einen riesigen, lächelnden Winnie Pooh heraus, dessen Arme ausgebreitet waren, als ob er nur auf eine Umarmung zu warten schien. "Oh."

Colleen sah verwirrt zu ihr. "Hast du das nicht bestellt? Er ist furchtbar niedlich, Ker... und ich weiss, dass du Pooh liebst... du hast dir all die bezaubernden Figürchen gekauft, und erst dieses süße Keksglas in der Küche."

Kerry zog den Stoffbären näher an sich und schnupperte daran, dann hob sie ihn an ihr Gesicht und atmete ein. Langsam schlich sich ein erfreutes Lächeln auf ihr Gesicht. " Ähm... nein... ich hab es nicht bestellt... ich..." Sie sah in den Karton und erblickte eine kleine Karte mit einer Mickey Maus darauf. Sie nahm sie heraus und öffnete sie. "Danke für die gute Arbeit." Die Karte war nicht unterzeichnet, doch das musste sie auch nicht. "Er ist von Dar." Erzählte sie Colleen, und reichte ihr die Karte. "Ich habe heute die Präsentation gemacht und das half uns den Vertrag zu bekommen."

Colleen's Kiefer klappte runter, und sie hielt die Karte so, als ob es eine thermonukleare Vorrichtung wäre. "Heilige Scheiße!" Quiekte sie und sah Kerry ungläubig an. "Das ist von der Eislady?"

Kerry glättete liebevoll Pooh's Augenbrauen, und lächelte in sein schmunzelndes Gesicht. "Jawohl." Sie hob den Bären hoch, umarmte ihn zärtlich und schwelgte in dem, noch an seinem weichen Fell anhaftenden, Duft von Dar's Parfüm.

Colleen betrachtete sie für eine Minute, dann legte sie mit einem plötzlich sehr ernsten, sommersprossigen Gesicht, eine Hand auf ihren Arm. "Kerry?"

"Hmm?" Die ozeangrünen Augen sahen sie fragend an. "Oh... entschuldige." Kerry ließ den Bären los und setzte ihn auf die Couch. "Ich liebe Pooh... und er ist so weich... hast du sein Fell gefühlt?"

"Was ist los mit dir?" Fragte sie ihre Freundin behutsam.

"Mit mir? Nichts... warum?" Fragte Kerry, doch sie wandte ihre Augen ab. "Das war nett von Dar... Ich darf nicht vergessen mich bei ihr zu bedanken." Sie spürte wie Colleen ihren Arm ergriff und ließ sich von ihr zur Couch führen, wo sie sich neben den Bären setzte. "Es waren ein paar interessante Tage... wir kamen dazu, einige von den Parks zu sehen und ich durfte eine widerliche Angebotsverhandlung aus erster Hand miterleben."

"So so." Colleen betrachtete sie immer noch sehr eingehend. "Habt ihr zwei viel Zeit miteinander verbracht?"

Kerry wusste wohin das führte und seufzte innerlich. "Ja, ungefähr jede Minute." Sie sah schließlich zu Colleen hoch. "Und ich hatte eine wirklich gute Zeit... irgendwie haben wir uns tatsächlich angefreundet."

Ein schwaches Lächeln verzog Colleen's Lippen. "Irgendwie?" Sie legte eine Hand auf Kerry's Arm und rieb ihn. "Ich glaube, es ist ein bisschen mehr als das, Kindchen."

Die blonde Frau spürte wie sie tief errötete und schwieg, während sie versuchte die richtigen Worte zu finden, die Colleen's Vermutung widerlegen konnten.

Sie wusste, dass es eigentlich keine gab, wenn sie ihre Freundin nicht anlügen wollte.

Folglich zuckte sie kurz mit ihren Schultern. "Wir beide hatten eine gute Zeit, Colleen... wir haben herausgefunden, dass wir gerne... Zeit miteinander verbringen... dass ist alles, wirklich... Ich meine... Jesus... sie ist meine Chefin, erinnerst du dich?" Sie fühlte sich ein wenig in die Defensive gedrängt. "Es war nur... ich weiss nicht... irgendwie hat es zwischen uns geklickt... sie ist wirklich sehr lustig, wenn sie ihre Stacheln einzieht, und... und... verdammt, ich mag sie."

"Ssch... okay... okay..." Beruhigte sie Colleen und tätschelte ihren Arm. "Ich glaube dir, Ker... nimm's leicht... Wenn überhaupt, dann zeigt es nur, wie einfühlsam du gewesen bist... ich hätte nicht gedacht, dass sie einen netten Wesenszug hat."

"Nun, das hat sie." Kerry's Augenbraue zog sich zusammen. "Du musst tief graben, und sie öffnet sich nicht leicht, aber er ist da." Sie blickte auf. "Hey... du bist doch morgen auf dem Wohltätigkeitstag, richtig?"

Colleen nickte. "Na klar... ungefähr zwei Dutzend von uns werden da sein... warum?"

Kerry nickte. "Dar wird von unserer Gruppe auch da sein... ich werde sie dir vorstellen... du wirst sehen, Colleen... sie ist gar nicht so übel, ehrlich." Unbewusst langte sie zum Bären und streichelte ihn.

Colleen sah sie an. "In Ordnung... ich werde dich beim Wort nehmen..." Sie wandte ihren Blick zu dem riesigen Plüschtier. "Dagegen komm ich nicht an." Sie konnte spüren, dass sich Kerry noch immer unbehaglich fühlte, wenn das Gespräch auf ihre neue Freundin kam, also wechselte sie das Thema. "Hat sich deine Familie wieder einigermaßen beruhigt?"

Kerry war über den Themenwechsel froh, obwohl es ein bedrückendes war. "Gott, nein... sie machen Pläne, dass ich nach Hause komme... bevor ich bei einer der langweiligen Cocktailparties in Michigan ende, muss ich mir was einfallen lassen, um sie davon abzubringen."

"Mm... also, was hast du dir sonst noch geholt?" Colleen verdrängte resolut ihre Sorgen aus dem Verstand. "Ich sehe Tüten..."

Die blonde Frau lächelte. "Ach Gott... warte... ich habe dir eine der besten Schokoladen mitgebracht... hier." Sie kramte ihre große handliche Tasche hervor und fing an ihre Einkäufe zu präsentieren. "Versuch diese Buttertoffees..."

"Mm..." Colleen knabberte anerkennend an dem Toffee, während sie die Prospekte durchblätterte, die ihre Freundin mitgebracht hatte. "Habt ihr dort gewohnt?" Sie hielt ein Bild vom Grand Floridian hoch. "Oh Mann... dort muss es schööön sein..."

"Oh ja..." Bestätigte Kerry grinsend. "Sie hatten dort den besten Bananen-Frech-Toast zum Frühstück... und eine wirklich tolle Aussicht."

"French-Toast, wie?" Kicherte die Rothaarige. "Also, habt ihr Schlingel nicht von Wasser und Brot gelebt... das ist gut... hattet ihr ein gemeinsames Zimmer?" Kunstvolle Wende, dachte sie mit einem innerlichen Grinsen.

"Nein und nochmals nein..." Erwiderte Kerry fröhlich. "Ich schäme mich es zuzugeben, doch ich habe wie ein Ferkel gegessen, und ich habe jede Minute davon genossen... Wir hatten das Glück nach Epcot zu gehen, als dort gerade die internationale Lebensmittelmesse war... es war prima." Sie klopfte sich auf den Bauch. "Aber mit der verdammten Lauferei und dem ganzen anderen Kram, komm ich mit ein paar Pfunden Mehrgewicht davon... obwohl es das wert war... Ich hatte, trotz der Befürchtungen wegen der Angebotsverhandlung, eine wirklich großartige Zeit."

Während die blonde Frau in ihren Tüten herumkramte, betrachtete Colleen sie aufmerksam. Ihr lächelndes, interessanterweise sonnengebräuntes Gesicht konnte man in dem Lampenlicht ganz deutlich sehen, Kerry sah eher aus, als ob sie gerade vom Urlaub zurückkam, und nicht von einer Geschäftsreise. Die Rothaarige lächelte in sich hinein. "Nun, du siehst großartig aus... hast etwas Sonne abgekriegt, wie?"

Kerry nickte abwesend. "Wir waren sechs oder sieben Stunden im Blizzard Beach... und obwohl ich eine Sonnencreme aufgetragen hatte, hab einen wahnsinnigen Sonnenbrannt bekommen... doch es war toll. Diese Rutschen sind super." Sie zog eine Tüte heraus. "Ich hab dir ein T-Shirt mitgebracht..."

"Ho ho..." Lachte Colleen während sie es hochhielt. "Das ... er sieht mit diesem karierten Schottenmuster gut aus." Es war ein frecher Mickey, der einen grünen schottischen Kilt samt Dudelsack trug. "Blizzard Beach, wie? Sag schon... wie sieht deine Chefin in einem Badeanzug aus, he?"

"Sehr attraktiv..." Plapperte Kerry munter drauf los. "Sie ist zweifellos ein... Blickfang..." Als sie bemerkte was sie gerade sagte, hielt sie verlegen inne und sah Colleen leicht vorwurfsvoll an. "Col..."

Lächelnd tätschelte ihre Freundin ihre Wange. "Mach dir keine Sorgen, Mädchen... für mich es ist völlig offensichtlich, dass du dich bis über beide Ohren verliebt hast... und wenn du glücklich bist, dann freut mich das für dich, okay?"

"Ich bin nicht..." Protestierte Kerry aufgebracht. "Irgend so... etwas." Ihre Stimme stockte, und sie seufzte. "Oh mein Gott... ist das so offensichtlich?" Sie ließ ihre Schultern hängen.

"Hey... hey..." Lachte Colleen und legte einen Arm um sie. "Ich denke, es war die Tatsache, dass dein Gesicht jedes Mal aufleuchtet, wenn du ihren Namen sagst, da ist es mir zuerst bewusst geworden, aber mach dir keine Sorgen, Kindchen... ich denke, falls es irgendein Trost für dich ist, dass du einen großartigen Geschmack hast. Ich kann nicht behaupten, dass ich ihre Methoden mag, doch sie ist eine heiß aussehende Lady."

Kerry verschränkte ihre Arme vor der Brust. "Ich fühle mich wie ein vollkommener Trottel, Col... ich dachte, dass ich zu alt für solche Schwärmereien bin... es ist peinlich." Gestand sie reuig ein. Obwohl es gut tat, es jemandem anderen als nur sich selbst einzugestehen. "Doch es stimmt... sie lächelt und mein verdammter Blutdruck schießt raketenartig in die Höhe... und ich fange an zu stottern wie ein verliebter Teenager." Seufzend schüttelte sie ihren Kopf. "Ich werde darüber hinwegkommen... doch es macht mich ein wenig verrückt."

"Mmmhm..." Colleen war zufrieden, dass sie Kerry dazu gebracht hatte, es zuzugeben. "Was meint sie dazu?"

Kerry starrte sie an. "Wer... Dar? Oh Jesus, Colleen... sie weiß nichts davon... Ich meine, Herrgott noch mal, sie ist meine Chefin... sicher, sie mag mich... und sie denkt, dass ich eine gute Arbeitskraft bin, aber das war's auch schon."

Colleen zog den Bären am Arm und hob eine Augenbraue. "Bist du dir dessen sicher?"

"Natürlich bin ich mir sicher." Beharrte Kerry. "Wir kommen nur gut miteinander aus, das ist alles."

Die Rothaarige beugte sich nach vorne und schnupperte an dem Fell des Bären. "Ist das ihr Parfüm?" Fragte sie mit halb scherzendem, halb kokettem Tonfall.

"Oh..." Kerry atmete aus. "Klar."

"Nett." Erkannte Colleen an. "In Ordnung... nun ja, ich freue mich wirklich darauf, sie morgen kennenzulernen." Bemerkte sie mit funkelnden Augen.

Kerry schnappte sie am Arm. "Du wirst nichts zu ihr sagen." Sie bemerkte wie ihre Stimme heftiger wurde. "Colleen, ich warne dich..."

Eine Hand hob sich. "Nicht ein Wort, ich schwöre es." Versprach die Rothaarige feierlich. "Nun gut, ich werde dich etwas schlafen lassen... wir haben morgen einen langen Tag vor uns." Sie stand auf und strubbelte durch Kerry's Haar. "Süße Träume, meine Freundin."

Sicher. Kerry sah zu wie sie ging, dann lehnte sie sich gegen Pooh und seufzte schwer. Sie überlegte einen Augenblick, dann nahm sie das schnurlose Telefon vom Tisch und wählte eine Nummer, die sich irgendwie in ihr Gedächtnis eingebrannt hatte. Es läutete ungewöhnlicherweise fünfmal bevor abgehoben wurde. "Ähm... hallo... hör zu, ich weiß das es spät ist, aber ich..."

"Hey... nein... ich bin froh, dass du anrufst... ich bin auf der verdammten Couch eingeschlafen." Dar's Stimme klang ein bisschen verschlafen. "Was gibt's?"

"Ähm... danke für Pooh." Sagte Kerry leise. "Das war wirklich eine Überraschung."

Ein Kichern war zu hören, dass Kerry ein Zittern am Kreuz hinunterlaufen ließ. "Ich erinnere mich nicht, die Karte unterschrieben zu haben." Erwiderte Dar mit verspielter Stimme. "Aber gern geschehen... ich dachte, dass du ein kleines Andenken an deine erste erfolgreiche Angebotsverhandlung verdient hast." Sie hielt inne, und Kerry konnte hören wie sie sich leicht räusperte. "Und... ähm... das war verrückt von dir, jedoch danke für die Delphine. Ich liebe... sie."

Kerry wurde ziegelrot und fand keine Worte. "Klar... gern geschehen." Stotterte sie leise.

Sie konnte das Lächeln auf Dar's Gesicht beinahe fühlen, als dieses ihren Tonfall leicht veränderte und sie sagte. "Du kannst dir sicher sein, dass dies der beste Bosses Day war, den ich je erlebt habe." Versicherte ihr die dunkelhaarige Frau. "Hey... bist du noch dran?"

"Oh... ja... entschuldige... das freut mich wirklich." Entgegnete Kerry, die es geschafft hatte, den Knoten aus ihrer Zunge zu lösen. "Nun... du musst müde sein... ähm... seh' ich dich morgen?"

"Oh ja." Bestätigte Dar. "Bis morgen... gute Nacht, Kerry."

"Gute Nacht." Sagte die blonde Frau, und die Leitung verstummte. Sie konnte fühlen, wie eine tiefe Welle von Emotionen durch ihren Körper wogte, und legte das Telefon beiseite. Dann nahm sie den Bär in ihre Arme und vergrub mit hilfloser Leidenschaft ihr Gesicht in sein Fell. Nach einem langen Augenblick stand sie auf und zog ihr Nachthemd an, dann schaltete sie alle Lichter aus und ging, den glücklich aussehenden Pooh mit sich nehmend, ins Bett.

Linie

Der Morgen war zur Abwechslung mal kühl und frisch, was von einer Kaltfront herrührte, die am vorherigen Abend hereingezogen war. Kerry nahm einen tiefen Atemzug davon, schaute auf den tristen Betonbau und die Ansammlung von T-Shirt tragenden Arbeitern, die auf Bananen und Brötchen herumkauten, und Orangensaft tranken. Es war 8.00 Uhr, und es sollte in Kürze anfangen, doch die Gesellschaft war der Ansicht, dass ihre Freiwilligen vorher nicht verhungern sollten.

Kerry schätzte das, weil sie spät aufgewacht war, und nicht mal Zeit für einen Kaffee hatte, bevor sie aus ihrer Wohnung gestürmt und zur Schule im Norden losgesaust war. Als sie ankam hatte sie noch ein paar Minuten Zeit und trug sich dann in die Liste beim Arbeitskoordinator ein.

Danach hatte sie Zeit sich ihren Freunden zu widmen, die sie erspäht hatten und sich um sie versammelten.

"Hey, Kerry!" Rief Susan, während sie herangetrottet kam. "Netter Sonnenbrand."

Kerry zupfte lachend an ihrem T-Shirt. Sie hatte es in eine ältere Jeans gesteckt, und trug dazu ihre robusten Boots. "Klar... ich war die letzten Tage in Orlando... und hatte dort die Möglichkeit für kurze Zeit in die Sonne zu gehen." Sie blickte zu Susan. "Wie geht es dir? Ich hab' gehört, dass du ein neues Programmierprojekt leitest."

Susan nickte, wobei ihr silberdurchsetztes kastanienbraunes Haar im Licht tanzte. "Jawohl... es ist echt stark... Es gefällt mir tatsächlich... ich hab' eine tolle Programmierumgebung, und sie haben mir eine super tolle Ausrüstung bereitgestellt... einen Pentium II Dual Prozessor."

"Oho... hör sich einer diese Sprüchemacherin an." Ray kam auf die andere Seite und rieb Kerry's Arm. "Via, Chica... wie läuft es bei dir?" Er schritt zurück und sah sie an. "Hattest du bereits Urlaub? Du siehst großartig aus."

Kerry verrollte ihre Augen. "Zum hundertstenmal... nein... ich war die letzten zwei Tage in Orlando auf einer Sitzung... Ich hatte nur ein paar freie Stunden, das ist alles." Sie stemmte ihre Hände in ihre Hüften. "Wie ich sehen kann, ist es ja nicht so, dass ihr euch nicht lange genug von den Bildschirmen losreißen könntet, um an den Strand zu gehen."

"Nun ja, wir sind nicht alle herablassende Geschäftsführer." Stichelte Ray. "So wie El Chupa?"

"Richtig... hat sie dich schon irgendwelches rohes Fleisch essen lassen?" Fügte Susan grinsend hinzu. "Ich hab' gestern gehört, dass sie in ihrem Büroschrank kleine Kinder für ihren Nachtmittagssnack versteckt."

Kerry verzog keine Miene. "Sie ist tatsächlich ein feiner Mensch... du wirst die Möglichkeit haben, dich selbst davon zu überzeugen. Sie sollte heute hier sein."

"Was?" Schnaufte Susan ungläubig. "Du machst Witze, stimmt's? El die eingebildete und mächtige Geschäftsführerin macht niedere Arbeiten?"

"Nee.. Ich wette, sie wird hier auftauchen und jedem sagen was er zu tun hat." Gab Ray lachend von sich. "Ich kann sie schon in diesen Pfennigabsätzen vor mir sehen."

Kerry blickte über seine Schulter und ein Grinsen verzog ihre Lippen. "Ähm... nicht ganz." Sie hatte den Lexus entdeckt, der leise herangefahren war und sah wie Dar ausstieg, ein paar Handschuhe in ihren Gürtel steckte und herüberkam.

"Was?" Susan folgte ihrem Blick und verstummte. Ray ging es ebenso.

Durch ein seltsames Zusammentreffen, hatte sich die Geschäftsführerin entschieden, beinahe das gleiche zu tragen wie Kerry. Das T-Shirt von der Gesellschaft steckte ordentlich in dem Bund der ausgebleichten Bluejeans, und sie trug praktische Arbeitsschuhe, die denen der blonden Frau sehr ähnlich sahen. Die hochgerollten Ärmel ihres Shirts gaben den Blick auf ihre gebräunten Arme frei und ihr Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden. Ihre hellblauen Augen stachen gegen ihre gebräunte Haut hervor, und sie stellte einen recht unverbindlichen Gesichtsausdruck zur Schau.

Bis ihre Augen auf Kerry's trafen, in diesem Moment erhellte ein kurzes Grinsen ihr Gesicht, dass genauso schnell wieder verschwand, wandte sich dann an den Arbeitskoordinator und gab leise ihren Namen an.

"Puh." Murmelte Susan überrascht.

"Mamacita. Sie sieht heiß aus!" Flüsterte Ray zu Kerry, die nur mit ihren Augen rollte.

"Hey... ist das die Eislady?" Fragte Colleen, die an ihre Seite gekommen war und sie anstieß. "Mit Sicherheit sieht sie ganz anders aus als ich mich erinnern kann."

"Seit nett Jungs." Bemerkte Kerry, die nur mit Mühe ihre Augen von der dunkelhaarigen Frau losreißen konnte. "Sie ist meine Chefin, erinnert euch daran, okay?" Sie nahm wahr, wie Dar näher herankam und blickte lächelnd zu der älteren Frau hinauf. "Hey."

Dar war zu ihnen aufgeschlossen und nickte höflich zu der Gruppe, bevor ihre Augen auf Kerry's trafen. "Guten Morgen."

Kerry erwiderte das Lächeln. "Das ist er mit Sicherheit... Dar, das sind..."

"Susan Barnes, Ray Ramirez und Colleen McNamara..." Unterbrach Dar sie freundlich, nickte Susan und Ray höflich zu und wandte sich dann an Colleen. "Sie sind bei Barnett beschäftigt, richtig?"

Sie waren alle baff. "Ähm... klar... ich glaube nicht, dass wir uns schon einmal begegnet sind." Schwafelte Colleen, was für sie recht untypisch war. "Doch ich habe sie ein oder zweimal in der Bank gesehen."

"Ja, während dem Vorfall mit dem Datensicherungslaufwerk." Antwortete Dar schlicht. "Ich erinnere mich." Sie wandte sich zu Susan und Ray, der sie freiheraus anstarrte. "Ich glaube nicht, dass wir uns seit der Übernahme gesprochen haben... doch wie ich hörte, haben sich die Dinge beruhigt."

"Ja, alles ist in Ordnung." Antwortete Ray etwas steif.

Ein flüchtiger ironischer Ausdruck überquerte Dar's Gesicht und sie ging einen Schritt zurück. "Na schön, ich bin zum Anstreichen eingeteilt worden." Mit einem Nicken und der Andeutung eines Winkens zu Kerry, drehte sie sich um und machte sich auf den Weg zu der kleinen Gruppe, welche die Außenwände des Gebäudes tünchen sollte.

"Du lieber Gott." Platzte Colleen heraus und warf Kerry einen Blick zu. "Das ist sie?"

Kerry sah zu wie die große Gestalt davonging, wobei die enganliegende Jeans und das T-Shirt den geschmeidigen, muskulösen Körper noch bewundernswert gut hervorhoben. "Oh ja."

Susan pfiff leise durch ihre Zähne. "Ich hab' sie so nicht in Erinnerung... ähm... sie sieht ganz anders aus." Murmelte die Programmiererin.

"Mir geht's auch so... sie sieht ganz anders aus, wenn sie kein Kostüm trägt." Pflichtete Colleen ihr bei. Sie sah zu Kerry, die geistesabwesend auf das Gras blickte. "Also... wir sind für den Abfall zuständig, stimmt's?" Verkündete sie und verteilte Mülltüten. "Teilen wir uns auf... wollt ihr jene Seite des Hofes nehmen, und wir diese hier?"

"Aber klar..." Stimmte Susan zu während sie ihre Tüte ausschüttelte. "Mal sehen, wer zuerst fertig ist."

Kerry's Körper arbeitete automatisch, während sie und Colleen den Schulhof reinigten und die Dosen, Flaschen und andere undefinierbare Dinge aufsammelten. Es gingen ihr eine Menge Sachen durch den Kopf, doch größtenteils drehten sie sich um die große Gestalt auf der Leiter, die ein Bein über das Ende geschwungen hatte, während sie fein säuberlich einen Abschnitt der Wand mit einer Farbe anstrich, die man als kotzgrün bezeichnen konnte. "Warum haben sie für eine Schule nur eine solch ekelhafte Farbe ausgewählt?"

"Nun ja, wir sollten uns glücklich schätzen, das es nicht Kotzbraun oder Pipirosa ist." Erwiderte Colleen, während sie Kerry's Augen beobachte und dann schnell ihr Grinsen unterdrückte. "Interessierst du dich neuerdings für Farben, Mädchen?"

Kerry blickte sie finster an und machte dann schweigend mit ihrer Aufräumarbeit weiter.

Sie arbeiteten den ganzen Vormittag und als sie mit dem Müll fertig waren, gingen sie ins Innere des Gebäudes, kratzten alte Poster von den Wänden, und trugen die kaputten, misshandelten Möbel aus den Klassenzimmern. Auf einigen der Pulte standen Bandensprüche, und Kerry schüttelte ihren Kopf während sie die vielen bösartigen Aussprüche, die in gekritzelten Buchstaben auf das alte Holz geschrieben waren, nachverfolgte. Sie war so fleißig bei der Arbeit, dass sie den Ruf zum Mittagessen überhörte, bis Ray, dessen Haare mit einem leuchtendroten Stirnband zurückgebunden waren, angetrottet kam und sie holte. "Hey Chica... Mittagessenszeit."

"Oh... entschuldige." Kerry legte ihre Tüte hinunter, staubte ihre Hände ab und folgte ihm keuchend nach draußen. Die anderen Arbeiter hatten sich unter einem weitausladenden Baum versammelt, wo Tische aufgestellt worden waren und nun Pizza mit Mineralwasser in Dosen verteilt wurden. Sie trottete hinter Ray her und gesellte sich zu Colleen und Susan als diese ihre Pizzastücke nahmen und sich nach einem schattigen Platz zum hinsetzen umsahen.

Auf der Grasfläche standen vereinzelt Bäume und Kerry erspähte unter einem von ihnen eine vertraute Gestalt, die auffallend alleine dort saß. Sie stieß Colleen an. "Komm schon... wenn kein anderer hier meiner Chefin Gesellschaft leisten will, dann werde ich es tun."

Susan und Ray zögerten, doch folgten ihnen dann seufzend, und warfen Dar vorsichtige Blicke zu als sie am Baum ankamen. Die Geschäftsführerin kaute gemächlich an ihrer Pizza und als sie näher herankamen blickte sie sie zurückhaltend freundlich an, wobei ihre Augen einen Moment auf Kerry ruhten. Sie setzten sich in einem Kreis um sie und begannen schweigen zu essen bis Susan den anderen einen verstohlenen Blick zuwarf und mit der größeren Frau ein technisches Gespräch über Programmierkonzepte anfing, das an den anderen Drei vollkommen vorbeiging.

Kerry seufzte erleichtert und nahm sich vor, Susan später dafür zu danken. Die Atmosphäre war wirklich affektiert geworden... und sie fühlte wie sie ihre Geduld, sowohl über die zugeknöpfte Abneigung ihrer Freunde, als auch über die eisige Zurückhaltung ihrer Chefin, verlor. Dar war über und über mit Farbspritzern bedeckt, und einer befand sich direkt über ihrer Augenbraue. Kerry fiel es sehr schwer, nicht nach vorne zu langen und ihn wegzuwischen. Stattdessen seufzte sie und setzte sich hin, wobei ihr Rücken knapp Dar's Beine berührte.

Sie konzentrierte sich auf ihre Pizza, pflückte die Peperoni herunter und aß sie, bevor sie ein kleines Stückchen von ihrer Pizza abbiss. Dann verschluckte sie sich beinahe daran, als sie einen leichten Stupser an ihrem Rücken spürte. Sie hörte auf zu kauen, dann spürte sie es wieder und warf einen Blick zu der zurückgelehnten Dar.

"Nein... das würde keinen Sinn ergeben." Sagte Dar mit tiefer Stimme. "Sie müssten es modulieren." Dann, nur für eine Sekunde, wanderten blaue Auge beiläufig hinüber und trafen mit einem winzigen Funkeln auf ihre.

"Ich weiß nicht..." Entgegnete Susan. "Sie wollen es als riesige, zusammenhängende Ausführung... Ich glaube, die sind verrückt."

"Wir holen noch etwas Pizza... wollt ihr auch noch welche?" Fragte Colleen, als sie und Ray aufstanden. Ihr Angebot galt für jeden, und sie blickte sogar schüchtern zu Dar.

Die Geschäftsführerin lächelte sie an. "Nein danke... für mich nicht."

"Ich geh' mit." Susan stand auf und gesellte sich zu ihnen. "Bin gleich zurück."

Sie gingen gemeinsam davon und ließen Dar und Kerry allein unter dem Baum zurück. Eine sanfte Brise kam auf, wehte über das Gras und raschelte in dem Laub über ihren Köpfen. Kerry gab ihrem Verlangen schließlich nach, und rieb den Farbfleck über Dar's Augenbraue weg. "Jesus... du siehst aus wie ein alberner Dalmatiner."

Dar grinste höhnisch. "Das hab' ich mit Absicht getan... ich dachte, es könnte das Eis mit deinen Kameraden brechen... weißt du, ich war schon in feindlichen Sitzungssälen von übernommenen Firmen, die freundlicher waren."

Kerry seufzte. "Tut mir leid."

"Hey... mach dir darüber keine Sorgen." Bemerkte Dar kichernd. "Glaub mir... ich bin es gewohnt." Sie nahm ein Stückchen Wurst und knabberte daran herum. "Außerdem ist es für eine gute Sache... hier sieht's schrecklich aus."

Kerry sah zu ihren Freunden, die gerade zurückkamen. "Ja... ich weiß... es erschreckt mich, mit wieviel Hass diese Kinder erfüllt sind." Sie lächelte als Ray sich wieder hinsetzte. "Wie ich sehe, seid ihr nun auf vegetarisch umgestiegen."

"Oh ja." Stimmte er fröhlich zu, während Colleen und Susan sich auch wieder hinsetzten und sowohl Dar als auch Kerry kurz anlächelten.

Oh ha. Kerry witterte eine Verschwörung.

"Also... wir haben uns gedacht, dass wir, nachdem wir hier fertig sind, zum Pelican gehen... und dort etwas zu Abend essen." Verkündete Susan. "Wollt ihr Zwei euch anschließen?" Ihre Augen richteten sich zuerst zu Dar und dann erst zu Kerry um klarzustellen, dass beide gemeint waren.

Dar's dunkle Augenbraue stieg bis zu ihrem Haaransatz hinauf. Sie blickte kurz zu Kerry, und die pure Überraschung auf ihrem Gesicht bestätigte ihre Vermutung, dass dies ein ungeplantes Ereignis war. Sie wusste nicht was die Gruppe vorhatte, doch den Abend mit ihrer jungen Assistentin zu verbringen gefiel ihr. "Sicher." Antwortete sie lässig, was ihr einen kurzen Seitenblick von Kerry einbrachte.

"Das hört sich nach Spaß an." Stimmte die blonde Frau eiligst zu und fragte sich, was in aller Welt ihre Freunde vorhatten. Glücklicherweise rief der Arbeitsaufseher sie alle wieder zur Arbeit zurück, und sie hatte damit die Möglichkeit Colleen zu schnappen und sie hinter einen Baum zu ziehen. "Was zum Teufel war das?"

Colleen sah sie verdutzt an. "Was das war... es war eine Aufforderung zum Essen, Kerry... Jesus... könntest du dich bitte entspannen?" Sie befreite sich von dem Griff der blonden Frau. "Wir haben uns nur unterhalten... und uns gesagt, dass du vielleicht recht hast... vielleicht sollten wir der Frau eine Chance geben... also haben wir beschlossen, dass sie zu fragen, ob sie mit uns zu Abend essen möchte, zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist... was denkst du denn, was es war?"

Kerry senkte ihren Blick und rieb sich die Schläfen. "Ich... es tut mir leid, Col... ich..."

"Hey..." Die Rothaarige strich über ihren Arm und sah sie besorgt an. "Hör zu... wenn dies alles zuviel für dich wird, dann vergessen wir die ganze Sache, okay? Ich wollte nicht, dass du ausflippst."

Kerry bekam ihre Fassung zurück. "Nein... nein... es ist okay... es ist nur... ich denke, dass ich mich bei euch so befangen fühle, weil ich immer nur höre, die Eislady ist dies und Chupacabra ist das, doch sie ist einfach nicht so... am liebsten möchte ich zu euch allen schreien, verdammt noch mal sie ist nicht so."

"Oh Mann... mach langsam..." Colleen sah sich um, dann nahm sie Kerry bei den Schultern und drückte sie behutsam gegen den Baum. "Nimm's leicht... wir haben's nicht anders gewusst, okay? Wir kannten nur das was wir auf der Arbeit gehört haben und was all die anderen sagen... du kennst sie offensichtlich besser als wir... Es tut mir leid... ich wusste nicht, dass dich die Sache so aufregt."

Kerry holte tief Luft. "Ich glaube, dass ich es auch nicht wusste." Gab sie zu. "Ich weiß nicht was heute mit mir los ist... vielleicht hab' ich PMS oder so was." Sie sah entschuldigend zu der Rothaarigen. "Tut mir leid."

Colleen ließ mit einem erleichterten Blick ihre Hände fallen. "Okay... also bleibt es dabei? Ich denke, dass es lustig wird... zumindest, wenn du mir einen Hinweis geben kannst worüber man mit der verdammten Frau spricht... Jesus, Kerry... sie ist so beeindruckend."

"Klar." Sagte Kerry und machte sich auf den Weg zum Schulgebäude. "Ich weiß... ähm... nun ja, sie liebt den Ozean... sie taucht... und sie war bereits an den meisten Riffen hier in der Gegend... du könntest darüber mit ihr sprechen." Sie entspannte sich ein wenig und ihre Besorgnis wandelte sich allmählich in freudige Erwartung und wünschte sich, das sie bald mit ihrer Arbeit fertig waren.

Linie

Der Rusty Pelican befand sich auf einer Landzunge, an der Seeseite einer der kleinen Key's die nach Key Bisbayne führten. Die Dämmerung brach gerade herein und ließ die Holzhäuser auf der Westseite mit einem tiefglühenden Rot erstrahlen. Das Restaurant war ein zweistöckiges Holzgebäude mit einer rustikalen Dekoration einschließlich Fischernetzen, alten Rudern und knarrenden Dielenbrettern, in deren Poren sich der intensive Geruch des Ozeans verankert hatte. Dar stieg die Stufen hinauf und nahm einen Atemzug von der Luft, und lächelte während sie Kerry die Tür aufhielt. Sie hatten sich in den Duschen der Schule sauber gemacht, frische Shirts und Jeans angezogen und sich entschlossen, dass es das Beste wäre, die dreckigen Sachen in den Kofferraum von Dar's Lexus zu legen.

"Es ist schön hier draußen." Sagte Kerry leise, als sie an der größeren Frau vorbeiging. "Mir gefällt der Park auf der anderen Insel."

"Mir auch." Stimmte Dar zu. "Vielleicht können wir nachher dort einen Halt machen."

Kerry spürte bei diesen Worten ein leichtes Beben. "Sicher... das würde mir gefallen." Bemerkte sie grinsend, betrat dann das Gebäude und erspähte sofort ihre Freunde. Sie saßen an einem Tisch neben einem Fenster mit Blick auf den Ozean, wo die Lichter der Kreuzfahrt- und Frachtschiffe auf dem dunkeln Wasser zu erkennen waren. Sie saßen an einem runden Tisch, wobei Dar und Kerry nebeneinander saßen, und dann Ray, Colleen und Susan den Kreis schlossen. Nachdem die Bedienung die Bestellung für ihre Vorspeisen und Getränke aufgenommen hatte, senkte sich ein leicht unbehagliches Schweigen.

Dar seufzte innerlich, dann erinnerte sie sich, dass sie sich selbst in feindlichgesinnten Konferenzräumen behaupten konnte. "Wusstet ihr, dass ihr hier mitten im Bermuda Dreieck sitzt?" Bemerkte sie beiläufig.

Das brachte das Eis, in kürzester Zeit, zum brechen. Kerry drehte sich zu ihr. "Du machst Witze."

Die Geschäftsführerin schüttelte bedächtig ihren Kopf. "Nee... das hier ist der östliche Rand... es beginnt hier und verläuft entlang dem Key Biscayne... Ihr befindet euch in diesem Augenblick tatsächlich im Bermuda Dreieck."

"Dios Mio." Grölte Ray und sah hinter sich, als ob er erwarten würde, dass ein Geisterflieger durchs Fenster geflogen kam. "Ich wusste es... als wir hierher kamen... hab' ich mich so seltsam gefühlt... so eigenartig... ich wusste es."

"Verdammt..." Bemerkte Susan lachend. "Ich wusste, dass das Wetter hier draußen eigenartig ist... doch ich hab' nie realisiert, das es durch das Dreieck hervorgerufen wurde..."

"Es ist ein Mikroklima." Erklärte Dar fachkundig, während sie ihre Finger verschränkte. "Wegen des hohen Luftdrucks über der Küste... regnet es wesentlich weniger und der Feuchtigkeitsgehalt ist ein ganz anderer als auf dem Festland... man kann es hier auch an dem Laub sehen."

"Sind sie schon ihr ganzes Leben hier?" Fragte Susan, deren Zurückhaltung verschwand und ihr Kinn auf ihrer Hand abstützte während sie Dar interessiert ansah.

"Hin und wieder." Entgegnete Dar. "Ich habe Ökologie studiert als ich hier unten an der Uni war... Ich verbrachte eine Menge Zeit an der Naturwissenschaftlichen-Fakultät." Sie räusperte sich. "Es ist interessant... wenn man an die Spitze des Key's zum ehemaligen staatlichen Park geht... Dort wo Andrew den ganzen australischen Nadelwald niedergemäht hat, haben sie die natürliche Vegetation wieder aufwachsen lassen... und nun kann man es nicht mehr wiedererkennen."

"Oh Mann... ja... ich weiß..." Bestätigte Susan während sie sich nach vorne beugte. "Ich bin oft zum Picknick dorthin gegangen... nach dem Hurrikan war ich auch dort und hab' beinah geweint... dann haben sie mir gesagt, dass der ganze Wald aus... importierten... parasitischen Bäumen bestand... und dass sie die Restbestände niederbrennen wollten... Ich war wirklich sauer, bis mir jemand erklärt hat, was die Australische Kiefer alles angerichtet hat..."

Der Baum wurde als Windschutz gegen die Erosion eingeführt, doch es war außer Kontrolle geraten und hatte eine Vielzahl der einheimischen Arten verdrängt.

Die Spannung legte sich und es begann eine lebhafte Unterhaltung, welche sich auf die verschiedenen Schalentiergerichte auf der Speisekarte verlagerte. Kerry spürte wie sich der Knoten in ihrem Magen löste und fing an es zu genießen, scherzte mit Colleen und bestellte sich, trotz Susan's Ekel gegen derartige Meerestiere, einen Hummer. Dar hatte sich, wie sie bemerkte, eine gemischte Platte bestellt, und die Geschäftsführerin unterhielt sich mit Susan, die im letzten Jahr als sie auf den Bermudas war einen Tagestauchkurs gemacht hatte, über Riffe.

Okay... das läuft gar nicht so schlecht. Dachte sie glücklich. Wie dumm von mir... ich hätte wissen müssen, dass Dar mit diesen Burschen zurechtkommt. Sie beugte sich nach vorne und stieß dabei mit ihrem Knie gegen Dar's, sie hielt ihren Atem an, bis ihr bewusst wurde, dass die dunkelhaarige Frau nicht die Absicht hatte ihr Bein wegzuziehen. Es fühlte sich gut an. Sie lächelte und bekam dann große Augen als ihr Essen gebracht wurde, und sie einem riesigen, kampflustig aussehenden Hummer gegenübersaß, der sie mit schwarzen unheilverkündenden, Perlaugen anstarrte. "Du meine Güte."

Alle lachten und sie nahm die Scherenzange, die der Kellner ihr gereicht hatte und schielte unsicher auf das große Tier. "Heiliger Strohsack..."

"Hah... ich hab' dir gesagt, dass dieses Seeungeheuer zuviel für dich ist!" Prustete Susan während sie mit ihrer Gabel zu der blonden Frau deutete. "Du bestellst dir besser etwas anderes..."

"Keinesfalls... ich schaff das..." Hielt Kerry entgegen und stupste mit der winzig kleinen Gabel an den Panzer. "Irgendwie jedenfalls." Murrte sie und blickte finster auf das rote Objekt, das finster zurückblickte.

Und dann bedeckte eine warme Hand ihre und Dar's Stimme schnurrte in ihr Ohr. "Gib mir das." Sagte die Geschäftsführerin zu ihr und nahm ihr die Scherenzange aus der Hand. "Komm her..." Dar nahm eine der Scheren, legte die Zange darum, drückte fest mit ihrer Hand zu und brach die Schere auseinander. "Siehst du?" Sagte sie und hielt die Schere aus der das rosa Hummerfleisch hervorlugte hoch.

"Aha." Kerry nahm die Schere und untersuchte sie. "Okay... ich hab's kapiert."

"Gut." Dar reichte ihr die Zange und wandte sich wieder ihrem Teller zu.

Die blonde Frau knabberte an dem Hummer. "Mm..." Sie sah zu den Gesichtern hoch, die sie beobachtenden, und erschrak über das recht wissende Lächeln darauf. "Ich esse gewöhnlich Garnelen." Erklärte sie verlegen und blickte sie verwirrt an, als sie Blicke wechselten und mit ihren eigenen Essen anfingen. Ich frage mich was das alles soll? Grübelte sie, dann zuckte sie mit ihren Schultern und fing an ihren hartnäckigen Hummer zu bearbeiten.

Linie

Es war schon spät als sie fertig waren und sich von den anderen verabschiedeten. Kerry war glücklich... sie hatte eine gute Zeit und das gleiche dachte sie auch von Dar. Sie blickte zu ihrer Chefin als sie in den Lexus einstiegen und sie ließ sich stöhnend auf den Sitz fallen. "Oh Gott... ich glaube, ich platze."

"Das macht nichts... das Leder ist abwaschbar." Entgegnete Dar fröhlich. "Hast du immer noch Lust auf einen Spaziergang am Strand?"

"Aber ja..." Antworte Kerry und lachte leise. "Nach all dem... ist es bitter notwendig." Sie lehnte sich zurück. "Key Lime Pie... was für eine seltsame Kombination aus süß und sauer."

Dar kicherte. "Einige Leute sagen... das es eine direkte Wiederspiegelung von Südflorida ist... eine Menge Säure mit einem kleinen Schuss Süße um dich zum Narren zu halten."

Kerry grübelte darüber nach. "Ich weiß nicht... auf eine Art war es erfrischend... ich glaube, dass ich es mag." Beschloss sie, während sie die sanft wiegenden Palmen vor sich betrachte, als Dar über die letzte Landbrücke auf einen bekannten Parkplatz fuhr. "Welch eine Ironie." Bemerkte sie, als sie ausstiegen und die kühle Brise genossen. "Hier war ich an diesem Abend."

Dar musste nicht fragen welcher Abend. "Hmm..." Murmelte sie, als sie über den Gehweg gingen und nach rechts auf den hölzernen Fußweg abbogen. "Es ist schön hier draußen."

Auf der Promenade war es relativ ruhig und ihre Schritte hallten wieder, während sie den Parkplatz hinter sich ließen und sich der leicht rauschenden Küste annäherten. Der hervorgekommene Mond warf ein kräuselndes Licht über das Wasser das bis zum Strand führte und ihn weiß glühen ließ. Draußen am Horizont funkelte eine Boje während sie auf den Wellen tanzte, und schwach durch die Brise hergetragen, konnte Kerry die Musik von den Hotels am Südufer hören.

Als sie eine Rast einlegten und sich auf das Geländer des Fußweges setzen und den Wellen zuhörten, musste sie zugeben, dass es schön war. Das Mondlicht reflektierte Dar's Haar und ließ ihre hellblauen Augen farblos erscheinen, doch Kerry hatte keine Mühe sich vorzustellen wie sie aussahen als sie in das entspannte Gesicht der größeren Frau sah. Sie konnte spüren wie ihr normaler Herzschlag schneller wurde, als Dar's Augen den Horizont verließen, und sich ihren mit einem Lächeln auf den Lippen zuwandten. "Eine schöne Nacht." Brach Dar's leise raunende Stimme die Stille.

"Mm... ja, das ist es." Antwortete Kerry, und schwelgte in den Strömungen die sich zwischen ihnen abspielten. "Danke, dass du ihre Einladung angenommen hast... es hat besser funktioniert als ich dachte."

Dar glitt vom Geländer und lehnte sich dagegen, sodass ihre Köpfe beinahe auf gleicher Höhe waren. "Es war nicht schlecht." Sagte sie grinsend. "Mit dieser Bermuda-Dreieck-Geschichte hab' ich sie gekriegt."

Kerry erwiderte das Lächeln. "Das hast du mit Sicherheit... ist das wahr?"

"Aber klar..." Versicherte ihr Dar, während sie sich umdrehte und auf den Horizont zeigte. "In der Tat stehst du gerade mittendrin."

Die Drehung brachte ihre Schulter direkt gegen Kerry's Schenkel und diese konnte nicht wiederstehen ihre Hand auf den weichen Rücken zu legen und fühlte die Wärme durch den Baumwollstoff von Dar's Shirt.

Dar blieb ruhig stehen. Sie sah einfach weiter auf das Wasser, doch Kerry konnte sehen, wie sich die Muskeln in ihrem Kiefer ein wenig anspannten während sie schluckte. Die Finger der blonden Frau entwickelten ein Eigenleben und fuhren zärtlich einem zufälligen Muster entlang.

Der dunkle Kopf drehte sich sehr langsam, bis die blauen Augen sie direkt ansahen.

Sie sahen direkt durch sie hindurch, und sie spürte den Blick bis in ihre Eingeweide, als ihre Knie anfingen leicht zu zittern. "Dar?"

"Mm?" Ein schwaches, verspieltes Lächeln erschien, das etwas tief in ihrem Innersten zum Leben erweckte, wie sie es noch nie erlebt hatte.

"Darf ich dich etwas persönliches fragen?" Kerry wusste, dass es ihre Stimme war, doch sie hatte keine Ahnung woher die Worte kamen, und spürte wie ihr Herz anfing zu hämmern.

Es folgte ein anmutiges Muskelspiel und ein Wechsel von Licht und Schatten als Dar sich näher zu Kerry beugte, bis diese ihre ausstrahlende Wärme spüren konnte, dann brachte eine sanfte Berührung an ihrem Gesicht ihre Augen nach oben, als die größere Frau ihr Kinn anhob und sie eingehend betrachtete.

Kerry fühlte den weichen Baumwollstoff unter ihren Händen als sie an Dar's Körper hochglitten. Sie wollte den Kontakt als Dar anmutig ihren Kopf senkte und sie spürte wie Dar's Lippen ihre berührten. Eine Berührung so leicht wie eine Feder, dann wieder, diesmal jedoch fester, länger und mächtiger, ein Kontakt der lange genug anhielt, um ihrer Seele etwas sehr tiefes in ihrem Inneren wiedererkennen zu lassen.

Dann zog sich Dar zurück, und sie musste sich erneut auf diese Augen konzentrieren. "Beantwortet das deine Frage?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau kaum hörbar, wobei ihr Atem Kerry's Gesicht erwärmte.

Atmen schien noch nie so schwierig gewesen zu sein, doch irgendwie brachte sie es fertig genug Luft in ihre Lungen zu ziehen um ein hörbares "Ja." von sich zu geben. Sie öffnete ihren Mund um noch mehr zu sagen, doch ein Finger legte sich auf ihre Lippen.

"Langsam." Keuchte Dar. "Beruhige dich... Ich bin an das genauso wenig gewöhnt wie du."

Sie hatte das Gefühl zur gleichen Zeit lachen und weinen zu müssen, und sie wusste das Dar recht hatte. Dies war ein bisschen zu mächtig... sie brauchten beide Zeit zum Nachdenken und reagieren. Doch ihr Körper verlangte nach etwas, das sie nicht länger leugnen konnte. "D... da... darf ich..." Stotterte sie leise, kam näher und ihre Hände legten sich langsam und schüchtern auf Dar's Shirt. Die Arme der größeren Frau schlangen sich um sie, und als ihre Körper sich berührten strömte eine vertraute warme Woge durch sie.

Kerry ließ sich in die Umarmung sinken, legte ihren Kopf gegen Dar's Schulter und als sie fühlte wie sich Dar's Kinn auf ihren Kopf legte, vergrub sie ihr Gesicht in ihr Shirt. Es war eine Explosion von Gefühlen... eine tiefe, schmerzende Vertrautheit, die ihr die Tränen so schnell in die Augen trieb, dass sie sie nicht mehr zurückhalten konnte. "Oh Gott..." Keuchte sie leise und spürte wie sich Dar's Atem unter ihrem Ohr verfing. Es ist so lange her. Erklang eine Stimme von einem verborgenen Ort in ihrem Inneren.

Dar hatte keine Ahnung was sie mit dem Ansturm von Emotionen, die sie von jeder Seite bestürmten, anfangen sollte. Es war nicht ihre Absicht dies zu tun... sie wollte diese besondere Schranke nicht niederreißen. Doch als Kerry sie berührt hatte...

Und nun... war ihr Traum Wirklichkeit geworden. Sie konnte es fühlen... es war die gleiche Herzenswärme, das gleiche Gefühl, als die Sonne sie an jenem Morgen wachgerüttelt hatte.

Nichts anderes war mehr von Bedeutung. Sie war verloren.

Oder war sie vielleicht gefunden. Sie straffte ihren Griff und kippte, um die Sterne sehen zu können, ihren Kopf zurück. Sie waren in dem silbernen Licht des Mondes getaucht als die andere Hälfte ihrer Seele nach Hause kam.

Endlich.

Linie

Dar hatte keine Ahnung wie lange sie dastanden. Obwohl es eine lange Zeit gewesen sein muss, lang genug um die Tränen auf Kerry's Gesicht zu trocknen, und lange genug, das sich ihre Körper an die gegenseitige Berührung gewöhnten. Dar empfand einen ruhigen inneren Frieden und sie vermutete, dass sie, wenn sie noch lange genug dastanden, im Stehen einschlafen würde.

Sie dachte darüber nach was als Nächstes zu tun sei, während ihre Hand zärtlich in müßig kreisenden Bewegungen über Kerry's Rücken fuhr, und sie das Gefühl ihrer weichen Haut unter dem Stoff genoss. Schließlich atmete sie wiederwillig aus und verlagerte ein wenig ihre Position, worauf die blonde Frau ihre Augen öffnete und sie mit einem Blick ansah, der solch ein Vertrauen ausstrahlte, dass es beinahe erschreckend war. Sie sahen sich einen Moment lang an, dann lächelte Dar. "Das war nicht geplant."

Kerry erwiderte ihr Lächeln. "Nein." Stimmte sie zu. "Das war es sicherlich nicht."

Ein Nicken. "Bist du in Ordnung?"

Kerry dachte über die Frage aus verschiedenen Perspektiven nach. "Ja... und du?"

Dar musste wirklich darüber nachdenken. "Ich... ja, ich denke schon." Murmelte sie verwundert. "Ich mach das gewöhnlich nicht... ähm..." Sie bemerkte wie sie mit ihren Fingerspitzen die Konturen von Kerry's Gesicht nachfuhr. "A.. aber..." Sie zog ihre Hand zurück und atmete aus. "Ich weiß nicht was über mich gekommen ist..."

"Ich weiß es auch nicht... aber können wir es festhalten?" Entgegnete Kerry mit einem schelmischen Grinsen. Sie nahm Dar's Hand und spürte wie sich die Finger um ihre schlangen. Dar so sprachlos zu sehen war sehr niedlich und äußerst liebenswert. "Willst du dich kurz hinsetzen? Hier in der Nähe steht eine Bank."

Dar verspürte eine gewisse Schwäche in ihren Knien und erkannte, dass es wahrscheinlich eine gute Idee war. "Sicher... klar..." Sie ließ sich zu der besagten Bank führen, und sie setzten sich nebeneinander hin. "Okay... ähm..." Sie lachte kurz und rieb sich mit einer Hand über ihr Gesicht. "Ich nehme an, dass wir wissen... ähm..." Ihr fehlten wieder die Worte. "Lieber Gott, ich hab' keine Ahnung was zum Teufel mit mir los ist."

Kerry lehnte einfach ihren Kopf gegen die baumwollbedeckte Schulter. "Ich bin mir ziemlich sicher, das dies nicht in dem Arbeitnehmer-Handbuch abgedeckt ist." Sie tätschelte Dar's Rücken und ließ ihre Hand einfach da liegen. "Oder vielleicht doch, und ich habe dieses Kapitel nur noch nicht gefunden... das Ding ist riesig." Sie wusste, dass sie schwafelte, doch sie dachte, dass es Dar vielleicht ein wenig entspannen ließ. Dann hielt sie inne, als ihr etwas einfiel. "Ich vermute, das dies bedeutet, dass ich die ETIPS studieren muss, wie?" Nachdem was sie gelesen hatte, war es das Kapitel des Handbuches, das sich mit Beziehungen zwischen den Mitarbeitern befasste, und was sie und Dar gerade geteilt hatten war ein gewaltiges keinesfalls.

"Ähm..." Dar kämpfte mit ihrer Fassung. "Nun ja... technisch... klar... vermute ich mal... doch... ähm... warte mal." Sie holte tief Luft und atmete wieder aus. "Lass uns einfach... Ich hab endlich eine vernünftige Assistentin gefunden... Ich bin nicht bereit dich einfach gehen zu lassen. Lass uns sehen, ob wir... die Arbeit und dies hier... auseinanderhalten können."

"Mm." Kerry spürte wie ihre Hand anfing sich in sanften kreisenden Bewegungen über Dar's Rücken zu bewegen. Sie hatte kein Verlangen ihren Job zu wechseln... vielleicht konnten sie einfach sehen wie sich die Dinge entwickelten. Langsam hatte Dar gesagt... geh die Sache langsam an. "Okay." Stimmte sie leise zu. "Irgendwie mag ich nämlich meine Chefin."

Einen Augenblick lang hörte man nur die Wellen und den Wind in den Palmenblättern. "Deine Chefin mag dich irgendwie auch." Erwiderte Dar leise. "Ich hatte nicht erwartet, dass es so verläuft." Sie hielt nachdenklich inne. "Ich konnte es einfach nicht mehr zurückhalten."

Kerry seufzte erleichtert. "Es wurde für mich auch sehr schwer." Gab sie schüchtern zu. "Ich dachte es wäre die lächerlichste Sache auf der Welt... ich meine... wie verschroben muss man eigentlich sein? Um sich in seinen Boss zu verknallen?"

Ein süßsaures Lächeln antwortete ihr, während Dar ihre Augenbrauen hochzog. "Eine schöne junge Assistentin ohne irgendwelche Erfahrung einzustellen?" Ihre blauen Augen funkelten. "Ich hatte verdammtes Glück, als es sich herausgestellt hat, dass du wirklich so gut bist."

Kerry errötete. "Ich hatte keine Ahnung um was für einen Job es sich dabei handelte, und es hat mich auch nicht interessiert." Gab sie wahrheitsgetreu zu. "Da war einfach irgendetwas... oh Junge... ich konnte nicht mehr aufhören an dich zu denken."

Unfähig, sich das alberne Lächeln zu verkneifen, atmete Dar aus. "Okay... nun, jetzt da wir das geklärt haben... können wir fortfahren." Überlegte sie. "Lass mal sehen... wir haben bereits einen Hurrikan überstanden, erlebten einen Autoüberfall und haben zusammen in einem Bett geschlafen... Ich nehme mal an, dass wir die obligatorische Verabredung in einem Café überspringen können, wie?"

Kerry kicherte. "Oh... sicher." Sie rieb ihre Nase. "Lass mich mal das versuchen... hast du morgen abend Lust auf ein Abendessen und Kino?" Sie sah nach unten und dann wieder auf. "Ich werde kochen."

"Solange es nicht Titanic ist." Stimmte Dar lächelnd zu. "Oder irgendetwas mit Untertiteln."

"Iiee." Kerry zuckte zusammen. "Ich bin mehr der Starship Trooper Typ." Bekannte sie leicht schuldbewusst.

"Puh." Dar tat so, als ob sie sich den Schweiß von der Augenbraue wischte. "Da bin ich aber erleichtert."

Sie sahen sich schweigend an. "Es hat sich schön angefühlt als du mich umarmt hast." Sagte Kerry schließlich zärtlich. "Ich habe so etwas vorher noch nie empfunden... ausgenommen in meinen Träumen."

Dar sah sie nüchtern an. "Ich auch nicht." Zögernd legte sie ihren Arm um Kerry's Schultern und spürte wie sich die kleinere Frau sofort gegen sie sinken ließ. "Das gefällt mir." Sie lehnte sich an die Rücklehne der Bank, und ihr blieb beinahe der Atem stehen, als Kerry ihren Arm über ihren Bauch legte und ihren Kopf gegen Dar's Schulter kuschelte. Für eine Weile beobachteten sie friedlich die Wellen, bis Dar bemerkte, dass Kerry Mühe hatte ihre Augen offenzuhalten. "Hey... komm schon. Es ist Zeit dich nach Hause zubringen."

Ich bin zu Hause. Beharrte eine winzige Stimme, als Kerry sich zwang aufrecht hinzusetzen und Dar's Wärme wiederstrebend aufgab. "Klar... am Strand einzuschlafen klingt in Geschichten schön, doch sie vergessen den Sand, der überall hingerät, zu erwähnen." Blödelte sie, während sie sich auf ihre Füße stieß und der noch sitzenden Dar eine Hand hinhielt.

Sie gingen die Promenade wieder zurück und der Sand knirschte leicht unter ihren Schuhen während sich an den Händen fassten.

Linie

"Ma'am?" Die Stimme klang gereizt. Dar's Kopf schwang nach oben und sie blinzelte den Fährmatrosen an, der äußerst ungeduldig darauf wartete, dass sie von der Fähre fuhr.

"Tut mir leid." Dar winkte entschuldigend und verließ das Boot, fuhr zu ihrem Apartment und parkte den Lexus, ohne wirklich zu wissen was sie da eigentlich tat. Sie stieg aus und schloss die Türen ab, dann erklomm sie die Stufen zum Apartment, öffnete die Tür, schloss sie hinter sich wieder und schaltete mechanisch die Lichter an.

Ihre Schritte führten sie in die Küche, wo ihr Blick auf den Monitor fiel und war froh, dass keine Mail eingegangen war, da sie im Augenblick dazu wirklich keine Lust hatte. Sie mixte sich eine großes Glas Schokoladenmilch und ging ins Schlafzimmer, während sie ihre Jeans und ihr T-Shirt auszog stellte sie das Glas ab, und zog ihren Lieblings-Baseball-Pullover und ihre Flanellshorts an. Es fühlte sich ein bisschen seltsam an, und an sich herabblickend sah sie, das sie die Sachen verkehrtrum anhatte. Leise fluchend zog sie die Sachen wieder aus und zog sie richtigherum an. "Ach du liebe Zeit." Sie nahm ihr Glas und wanderte ins Wohnzimmer zurück, schaltete den Fernseher an, ließ sich auf die Couch sinken und sah, ihrem Verstand nun freien Lauf lassend, auf den Bildschirm ohne wirklich etwas zu sehen.

Jesus Christus... was in aller Welt ist gerade mit mir geschehen? Es sollte nicht derartig eskalieren... ich war einfach... sie war einfach... wir waren... Dar nahm einen großen Schluck Milch, deren vertrauter, besänftigender Geschmack sie beruhigte. Okay... okay... okay. Lass uns über die Situation klar werden. Wir finden uns... gegenseitig anziehend. Das ist keine Überraschung... das wusste ich vorher. Okay? Okay... sie ist attraktiv... sie hält mich für attraktiv... wir haben den gleichen Geschmack... sie ist klug... es ist also nicht wirklich eine Überraschung, Dar... Also krieg dich wieder ein.

Jetzt fühlte sie sich besser. Doch diese Erkenntnis erklärte beim besten Willen nicht, warum es sich so gut angefühlt hatte, Kerry in ihren Armen zu halten und wie sehr ihr Körper nach mehr verlangte, das Verlangen war so überwältigend, dass sie wusste, wenn die blonde Frau hier gewesen wäre, hätte sie ihre Hände nicht bei sich behalten können, um diese weiche Haut zu berühren, oder mit ihrem Haar zu spielen, oder...

Dar senkte ihren Kopf langsam gegen die Rückenlehne der Couch und fühlte wie sich die kühle Oberfläche an ihrer Haut erwärmte. Dieses Gefühl war neu für sie. Es war so intensiv, und leicht außer Kontrolle geraten, doch es war warm und süß, uns extrem verwirrend. Sie wusste, dass sie damit fertigwerden musste, doch im Augenblick war sie damit zufrieden einfach dazusitzen und sich an ihrer Milch nippend diesem emotionalen Strudel hinzugeben.

Sie war überrascht als das Telefon läutete und einen Augenblick lang starrte sie es an, bevor sie sich auf ihre Füße hochzog und zum Tisch ging, es nahm und dabei einen Blick zur Uhr warf. "Hallo?"

"Ms. Roberts, hier ist MidsOps." Sagte die leicht nervöse Stimme. "Ähm... sie stehen auf meiner Notfall-Liste."

"Ach ja?" Fragte Dar neugierig. "Was haben wir verloren?"

"Ähm... Netops." Antwortete die Stimme. "Sie hatten in dem Gebäude einen Brand, und mussten evakuieren... Die Feuerwehr gestattet ihnen nicht auf das Notstromaggregat umzuschalten, somit..."

"Unsere Leitungen sind ausgefallen." Bemerkte Dar.

"Ähm... Ja."

"Völlig am Boden." Fügte Dar hinzu. "Alles... das Netzwerk und die Großrechner."

"Ja."

"Dann vermute ich mal, dass sie nach Hause gehen können, wie?" Entgegnete die Geschäftsführerin lässig.

"Oh..."

"Es ergibt keinen Sinn, dass sie dort sind, wenn sie nicht an den Großrechnern arbeiten können... das interne Netzwerk hat ein automatisches Backupverfahren." Stellte Dar fest. "Also... gehen sie Heim."

"Oh... alles klar... Ms. Roberts... wenn sie es sagen."

"Sicher..." Versicherte ihm Dar. "Auf Wiederhören."

Die Leitung wurde getrennt, und sie legte das Telefon weg, tappte zur Couch hinüber und setzte sich wieder hin, nahm einen Schluck von ihrer Milch und ging in ihren Gedanken noch einmal das Gespräch durch.

Dann spuckte sie die Milch über den halben Tisch. "Heilige Scheiße!!!!" Brüllte sie, sprang auf und schnappte sich wieder das Telefon. "Scheißkerl..." Sie wählte hektisch eine Nummer und wartete. "Ja... ich habe noch einmal darüber nachgedacht, bleiben sie dort. Nein... nein... es ist meine Schuld... nein... wen haben sie sonst noch benachrichtigt? Machen sie weiter." Sie legte auf und schlug sich dann ein paar Mal an ihren Kopf. "Jesus!"

Sie suchte in ihrer Aktenmappe nach ihrem Adressbuch, öffnete es und nahm das Buch sowie das Telefon zur Couch zurück. Sie wählte eine Nummer. "Wer ist dran? Okay, hier ist Dar Roberts... ja, ich weiß... wer lässt sie das Backup nicht einschalten? Wie ist sein Name? Okay... in welcher Abteilung ist er? Land oder Stadt? Danke... wie groß ist der Schaden am Gebäude?" Sie hörte eine lange Zeit zu. "Ist die Feuerlöschanlage angesprungen?" Eine weitere lange Pause. "Herrgott... haben wir für die 3270'er Ersatz?"

Während sie zuhörte bootete sie ihr Laptop und verband die Telefonleitung in ihrem Apartment mit ihrem Computer. "Nun ja, es wendet sich besser jemand an die Infrastruktur in Plano, um zu sehen ob sie irgendwo ein paar eingemottete rumstehen haben." Sie legte auf und betrachtete ihren Monitor. "Zum Teufel... alles ist ausgefallen..." Sämtliche Systemleuchtanzeiger auf der höchsten Ebene des Netzwerkes blinkten rot auf. Mit ihrer freien Hand wählte sie erneut eine Nummer und hörte eine bekannte Stimme. "Hey."

Kerry klang ein wenig überrascht, jedoch keineswegs enttäuscht. "Hey... was ist los?"

"Nichts... bei Netops hat es gebrannt und das ganze Netzwerk ist am Boden." Erzählte ihr Dar seufzend. "Irgendein Idiot bei der Feuerwehr erlaubt ihnen nicht das Notstromaggregat in Betrieb zu nehmen."

"Oha... brauchst du Hilfe?"

Oh... es war sooo verlockend. Dar seufzte. Das würde mir gefallen... doch du kannst wirklich nichts tun, also wäre es nur, um meine persönliche Laune zu befriedigen. Erzählte sie sich reuevoll. "Da du noch nicht auf der Liste stehst... wollte ich nur, dass du Bescheid weißt."

"Oh." Kerry klang enttäuscht. "Nun gut... okay... doch wenn es irgendetwas gibt was ich tun kann, dann..."

Dar trommelte mit ihren Fingern auf ihr Bein. " Ähm... hör zu, wenn ich die Feuerwehr nicht zur Kooperation bewegen kann, dann müssen wir eine Menge Sachen umleiten... ich könnte bei der Suche und Nachforschung, nach verfügbaren Leitungen, Hilfe gebrauchen."

"Wirklich?" Erklang Kerry's aufgemunterte Stimme.

Dar lenkte ein und schließlich gab sie auf. "Sicher... wenn du willst, dann kannst du dich hier in die zweite ISDN-Leitung einklinken..."

"Ich bin gleich da." Versicherte ihr die blonde Frau.

Gegen ihren Willen verzog ein Lächeln Dar's Lippen, und sie nahm sich einen Augenblick um den Sicherheitsdienst anzurufen, dann wandte sie sich wieder ihrer Suche zu. Sie fand den Namen nach dem sie suchte, und sah dann auf den Bildschirm des Fernsehers, auf dem der Disney-Kanal eingeschaltet war. "Ach... Die Schöne und das Biest... ich liebe diese Kerzenleuchter." Sagte sie fröhlich, während sie eine Nummer wählte. "Hallo... ich muss mit Walter Blakelock reden... nein, es ist geschäftlich." Eine Pause. "Es ist mir verdammt egal, ob er gerade mit der Frau des Bürgermeisters beschäftigt ist, ich muss ihn sprechen."

Eine weitere Pause. "Entweder sie holen ihn ans Telefon oder ich werde auch seinen Chef aus dem Bett holen... danke, ich warte."

Linie

Kerry blendete ihre Scheinwerfer ab als sie auf den Parkplatz der Tiefgarage fuhr und schaltete, nachdem sie neben Dar's Lexus geparkt hatte den Motor ab. Sie blickte auf ihr Spiegelbild im Rückspiegel und hielt sich selbst einen kleinen Vortrag. "Das hier ist geschäftlich, Kerrison. Du bist hier, weil die Gesellschaft in einer Krise steckt und es ein Teil deiner Arbeit ist." Erzählte sie ihrem Spiegelbild streng. "Keine Rehblicke, kein Wimpernklimpern und kein Rückenstreicheln, hast du verstanden?"

Sie atmete aus, dann räusperte sie sich und stieg ihre Laptoptasche mit sich nehmend aus dem Wagen. Sie trottete die Stufen hinauf und hörte, nachdem sie geläutet hatte, Dar's antwortende Stimme. "Es ist geschäftlich, es ist geschäftlich, es ist geschäftlich." Wiederholte sie schweigend während sie die Tür aufdrückte und hinein ging.

Dar lag mit ihrem Nachtgewand auf der Couch ausgebreitet, ein langes, nacktes, muskulöses Bein baumelte über dem Ende des Möbelstücks und ihr Shirt war zur Hälfte aufgeknöpft. Nun ja. Soviel dazu, seufzte Kerry, als jedes einzelne Hormon in ihrem gesamten Körper wach wurde und "Hallooo!" schrie.

"Hey." Sie brachte es fertig Dar zerknirscht zuzunicken, legte ihre Laptoptasche ab und holte ihr Laptop heraus. "Lange nicht gesehen."

Dar, immer noch am telefonieren, verrollte ihre Augen. "Hören sie... Jim, es interessiert mich nicht wie lange es dauert, ich brauch das Gebäude wieder online." Sie beugte sich nach vorne und stützte ihren Kopf auf ihrer Hand ab. "Sie können nicht auf Notstrom umschalten, weil die Feuerwehr ihnen nicht beglaubigt, dass die elektrische Anlage sicher ist... das bedeutet, dass ich dort einen Elektroingenieur brauche, und ich brauche ihn dort sofort, nicht erst morgen oder am Montag... haben sie mich verstanden?"

Kerry brachte ihr System zum Laufen und stand dann auf. "Ich wette, du kannst etwas Kaffee gebrauchen." Vermutete sie und bekam einen rührseligen, dankbaren Blick von ihrer Chefin. "Hab ich mir gedacht... ich werde welchen machen."

Okay... ich schaff' das... wir kommen klar miteinander. Kerry fühlte sich ein wenig erleichtert und ihre innere Nervosität verblasste während sie in der Küche herumwirtschaftete und die Kaffeemaschine in Gang setzte. Sie ging zur Tür zurück, lehnte sich gegen den Rahmen und beobachtete wie Dar beharrlich eine Reihe von Leuten bedrohte, umschmeichelte, ihnen Vorhaltungen machte, und schließlich in zwei verschieden Sprachen fluchte, und als Dar das Telefon hinterdonnerte hob Kerry beide Augenbrauen.

Dar sah finster auf das Telefon, dann blickte sie auf, um auf warmherzige, grüne Augen zu treffen. "Alles Idioten."

Kerry verschwand wieder und kam dann mit einer Tasse dampfenden Kaffee zurück, welche sie Dar hinüberbrachte und der dunkelhaarigen Frau reichte, bevor sie sich neben sie auf die Couch setzte. "Kein Glück gehabt, wie?"

Dar lehnte sich seufzend zurück. "Ich habe einen Elektroingenieur von Süd Carolina kommen lassen... und zwei Ersatzrechner werden in Plano vorbereitet... aber... es reicht nicht." Sie nahm einen Schluck von dem Kaffee und sah dann zu Kerry. "Du hast daran gedacht wie ich ihn mag."

Die blonde Frau lachte. "Dar... komm schon... du nimmst soviel Zucker und Sahne, dass es schon nicht mehr nach Kaffee schmeckt, und hier hast du ihn." Sie tätschelte das Bein ihrer Partnerin und fühlte, als Dar ihr Bein ein wenig ausstreckte, das feine Muskelspiel unter ihrer Hand.

"Ja... das stimmt." Gab die dunkelhaarige Frau zu und sah sie dabei liebevoll an. "Gott... was tun wir als Nächstes..."

Kerry durchsuchte die Datenbank. "Jesus... das Netzwerk sieht einem Weihnachtsbaum erschreckend ähnlich." Während sie sich tiefer in das weiche Leder sinken ließ, zog sie sich ihr Laptop auf den Schoss und saß nun mit übergeschlagenen Beinen neben Dar. Sie blickte auf. "Hey... Die Schöne und das Biest... Ich liebe diese Kerzenleuchter." Bemerkte sie grinsend und schüttelte ihren Kopf, wobei sie Dar's überraschten Blick übersah. "Herrje, Dar... das ist schrecklich... wir haben tatsächlich keine Auswahlmöglichkeit, wenn wir diese Einrichtung verlieren." Sie sah zu ihrer Chefin, die bedächtig nickte. "Oh Mann."

"Ich weiß... die Entscheidung, keine zweite Ersatzeinrichtung zu bauen, wurde vor drei Jahren bei einer Geschäftsführersitzung getroffen... ich habe wie verrückt darum gekämpft, doch keiner wollte das Geld dafür zur Verfügung stellen... Ich wollte die Verarbeitung aufteilen, aber sie wollten sich einfach nicht darauf einlassen." Entgegnete Dar seufzend. "In solchen Momenten wünsche ich mir, dass ich unrecht hatte."

Kerry schüttelte ihren Kopf. "Nun gut... wir können diese kritische Sache hier und das hier umleiten... doch sie haben alle Router da oben, Dar... wir haben für all diese Vernetzungen nicht genügend Alternativen."

"Vollkommen richtig... darum bemühe ich mich ja, das Gebäude wieder ans Netz zu bekommen." Stimmte Dar verdrossen zu. Das Telefon läutete und sie nahm es ab. "Ja?"

"Dar, hier ist Jose." Erklang Montarosa's aufgeregte Stimme. "Wissen sie was los ist?"

"Klar. Wir sind am Boden." Erwiderte Dar knapp. "Nun gehen sie gottverdammt noch mal aus meiner Telefonleitung, damit ich etwas dagegen unternehmen kann."

Kerry blickte zu ihr, dann nahm sie eine Hand von ihrer Tastatur und in rieb in zärtlichen Kreisen über Dar's Rücken. Sie konnte die Anspannung ihrer Chefin fühlen, und untersuchte mit ihren Fingern die Knoten, die sie an ihrem Nacken gespürt hatte.

Es war kurz still und dann erklang wieder Dar's Stimme. "Entschuldigung, Jose... was hatten sie gefragt?" Ihr Tonfall hatte sich leicht entspannt. "Nein... im Gebäude hatte es gebrannt... Die Großrechner sind in Ordnung, doch wir haben keinen Strom, da die Feuerwehr uns nicht gestattet auf den Generator umzuschalten." Dar schloss ihre Augen, als starke, sensible Finger ihre schmerzhaft verspannten Muskeln untersuchten." Was? Oh... sicher, nein... wie sie wissen sollten, haben wir keine Auswahlmöglichkeit... Sie selbst hatten dagegengestimmt, erinnern sie sich?"

Kerry stellte ihr Laptop beiseite, kroch an die hintere Seite der Couch und arbeitete nun mit beiden Händen.

"Ich... das habe ich nicht... Es kommt ein Elektriker herunter, der eine Sicherheitsbescheinigung für das Gebäude austellen soll... also, klar, wahrscheinlich... ich werde jedoch weiter auf die Feuerwehr einreden. Vielleicht können sie irgendwann meine Stimme nicht mehr ertragen, und geben nach... nein, okay... Ich werde sie informieren... Ade." Dar ließ ihre Hand mit dem Telefon fallen und stöhnte. "Das machst du sehr gut."

"Danke." Murmelte Kerry. "Du bist wirklich verspannt." Als die dunkelhaarige Frau sich nach vorne beugte, arbeitete sie sich an Dar's Rücken herunter und dann wieder hinauf. "Fertig... ist es nun besser?"

Sich halb umdrehend sah Dar sie mit ihren blauen Augen an. "Wesentlich besser."

Kerry grinste und glitt wieder neben sie auf die Couch. "Also... was kommt als Nächstes?"

Dar legte einen Arm um ihre Schultern. "Bleib einfach hier und leiste mir Gesellschaft, während ich die Leute anschreie, okay?"

Okay? Kerry drückte sich mit einem leisen, zufriedenen Seufzer, enger gegen Dar's warmen Körper. "Klar." Sie legte ihre Beine zu Dar's auf den Couchtisch, wobei ihre grünen Socken einen seltsamen Kontrast zu Dar's nackten Füssen abgaben, dann zog sie ihr Laptop an sich und nahm die Suche nach verfügbaren Umleitungen wieder auf. "Wir könnten diese Router verschieben und einige der Bankverbinden wieder herstellen, oder... warte mal... ich hab's, und bekommen damit auch die Interline wieder zurück."

Dar schielte über ihre Schulter. "Mm... mach das... mir ist jedoch lieber, das wir NOTAMS und den Wetterdienst für die Fluglinien wieder zurückbekommen... es ist Wochenende, die Banken können warten."

Den letzten Abschnitt hörte Kerry fast nicht, da Dar's Atem äußerst ablenkend an ihrem Ohr kitzelte. "Oh... okay... verd.... huch, ich hab vergessen, dass ich dies benutzen kann... oh, Moment mal, ich kann diese Anfragen über Plano umleiten... hab's gleich."

"Du bist also auch darin sehr gut." Dar's Stimme ließ sie beinahe ausversehen den Hauptrouter rekonfigurieren. "Dar?"

"Hmm?" Entgegnete die Geschäftsführerin während sie auf den Monitor schielte.

"Wenn du nicht willst, dass ich den Satelliten von NBC in den Iran umleite, dann solltest du einfach, für eine Minute still sein."

Hellblaue Augen blinzelten sie schelmisch an. "Sorry."

"Kein Problem." Kerry versuchte nicht daran zu denken wie nah diese netten, einladenden Lippen waren. "Wo war ich gerade? Ah ja..." Sie arbeite kurz an ihrer Tastatur. "Okay... Oh je, das ist peinlich."

Das Telefon läutete und Dar nahm es ab. "Ja? Oh... richtig... okay, gut... geben sie mir Bescheid." Sie legte auf und streckte sich dann. "Der Elektriker ist gerade dort eingetroffen... hey, magst du etwas Eiscreme?"

Kerry musste kein zweites Mal darüber nachdenken. "Sicher." Sagte sie kurz und setzte ihre Suche fort. "Oh... ich kann ATM im Nordosten zurückbekommen... warte..."

Dar stand auf und während sie in die Küche schlenderte, dachte sie wieviel mehr Spaß solch ein Desaster machte, wenn Kerry anwesend war. Und als sie das gefrorene Vergnügen verteilte dachte sie daran, wie alles mit Kerry mehr Spaß machte. Sie trug die Schüsseln zurück und reichte Kerry ihre, dann setzte sie sich auf ihren Platz zurück und nahm wieder das Telefon zur Hand.

Es war beinahe 5.00 Uhr, bevor der Elektriker mit seiner Inspektion fertig war, und Dar musste fünfzehn Minuten mit ihm diskutieren, bis er zustimmte den Bericht sofort zu erstellen. "Hören sie... ich hab sie nicht um 1.00 Uhr aus ihrem gottverdammten Bett geholt, damit sie ihren Bericht erst morgen schreiben... machen sie es einfach!" Knurrte Dar. "Geben sie mir George ans Telefon."

Die tiefe, brummige Stimme des Netops Chefs ertönte. "Ja, Dar..."

"Sehen sie zu, dass sie diesen Bericht bekommen... ich hab es endlich geschafft, und dieser verdammte Feuerwehrchef ist auf dem Weg zu ihnen... geben sie ihm den Bericht und sagen ihm, dass er endlich die Freigabe erteilen soll..." Sie verstummte als Kerry ihr einen Löffel mit Eiscreme in den Mund schob. "Mfufh..." Sie schluckte. "Entschuldigung.... ich wollte sagen, sagen sie ihm, dass er die Sigel öffnen und sie in den Kontrollraum lassen soll, um den Strom einschalten zu können."

"Klar, mach ich... bleiben sie dran... er kommt gerade. Wollen sie mit ihm reden?" Erwiderte Gregory kichernd.

"Nein." Seufzte Dar. "Er will mit Sicherheit meine Stimme nicht mehr hören, dass kann ich ihnen sagen."

"Okay... er macht's... wir sind drin." Gregory's Stimme verblasste und mehrere Klirr- und scharfe Knackgeräusche kamen durch die Leitung. "Bleiben sie dran... oh Mann... ich das staubig hier drin... Gott sei Dank testen wir das Ding jede Woche... okay... halten sie sich die Ohren zu."

Das überwältigende Dröhnen des Generators kam durch die Leitung. "Stabilisieren... die elektrische Spannung baut sich auf... okay..." Gregory sprach an einer anderen Telefonleitung. "Jawohl! Wir haben's geschafft, wie?" Er kam zurück. "Der Strom ist wieder da, Dar... ich werde dem Generator zehn Minuten geben um seine volle Leistung zu erreichen, dann mach ich kurzen Prozess und schalte die Anlage wieder online."

"Hoppla... die Router kommen zurück." Informierte sie Kerry während sie die Hauptübersichtskarte beobachtete. "Booten sie automatisch?"

Dar nickte. "Die Router kommen zurück, Greg." Sie beobachte wie die roten Lichter langsam wieder grün wurden. "Die Backbones sind wieder da." Dar fühlte, wie ein müdes Lächeln um ihre Lippen spielte.

"Die Datenpakete gehen durch." Berichtete Kerry grinsend. "Der Überseelink hat sich gerade wieder aufgebaut." Sie zeigte auf die auf die zahlreichen Verbindungen, die Daten über den Atlantik transportieren.

Dar strubbelte durch ihr Haar und legte dann einen Arm über ihre Schultern während sie den Monitor betrachteten. "Okay... das sieht gut aus, Greg."

"Oh ja... danke Dar... eins ist verdammt sicher, ohne sie hätte ich das nicht geschafft." Erzählte ihr Gregory fröhlich. "Bis dann... sehen sie zu, dass sie etwas Schlaf bekommen, ja?"

"Gute Nacht, Greg." Erwiderte Dar und trennte die Verbindung. "Verdammt, das war vielleicht eine Scheiße."

Kerry nickte und drehte dann ihren Kopf, um die dunkelhaarige Frau zu betrachten. "Du hast Eiscreme auf deinen Lippen." Bemerkte sie während sie auf den Klecks schielte.

Dar sah sie beschaulich an. "Hab ich das?"

Kerry beugte sich nach vorne und entfernte den Klecks zärtlich und bedächtig, während sie versuchsweise mit ihrer Zunge die Oberfläche schmeckte. Sie spürte das leichte Einatmen und eine erfahrene Berührung an ihrem Genick sandte ein Prickeln an ihrem Rücken hinunter, als Dar den Gefallen erwiderte und sich dabei recht viel Zeit nahm. Kerry konnte die warme Nähe ihrer Körper spüren und inhalierte ihren angenehmen Duft, als sie das einfache, anspruchslose Vergnügen genoss.

Sie wusste, dass sie beide zu müde waren um weiter zu gehen, doch es fühlte sich sehr gut an, einige Minuten in dieser zärtlichen Erkundung auszugeben, die beiden die Möglichkeit gab sich aneinander zu gewöhnen. Sie holte Luft, als Dar sich ein wenig zurückzog und mit ihrer Nase an ihrer rieb. Das veranlasste sie zu lächeln und sie ließ seufzend ihren Kopf gegen die Couch fallen. "Das hat sich schön angefühlt."

Dar nickte, während sie ihr mit müßigen Fingern das Haar zurückschob. "Mmhmm... auf geht's... du kannst nun aus erster Hand herausfinden wie es sich anfühlt in einem Wasserbett zu schlafen."

Kerry muss leicht erschrocken ausgesehen haben, da die dunkelhaarige Frau leicht lachte und ihr über die Wange strich. "Langsam... langsam... nur um darin zu schlafen... wir gehen es ruhig und langsam an, erinnerst du dich?"

Kerry erwiderte ihr Lächeln. "Es ist nur alles ein bisschen neu für mich." Erklärte sie. "Doch egal was für eins, ein Bett hört sich im Augenblick wirklich gut an."

Dar nickte im stillen Einverständnis. "Ist es dein erstes Mal, Kerry?" Sie kannte die Antwort, doch sie wartete.

Die grünen Augen senkten sich und ein zartes Erröten bedeckte den Hals der blonden Frau. " Äh... nein... mit einer Frau, ja." Brachte sie schließlich heraus und blickte auf. "Ich... ähm..."

"Ssch... es ist okay... irgendwie hab ich das vermutet." Antwortete Dar und tätschelte beruhigend ihren Arm. "Nimm's leicht... keine Eile, kein Druck."

Dar stand auf und unterdrückte ein Gähnen, dann streckte sie einladend eine Hand aus. "Komm schon... Zeit ins Bett zu gehen... ich bin wirklich erledigt."

Es war... Kerry legte ihr Laptop beiseite und stand auf, ihren Schlafanzug hatte sie bereits angezogen. Es war gleichzeitig erschreckend und amüsant. Sie nahm Dar's Hand und folgte ihr in das kühle, blau angestrichene Schlafzimmer, wo sie die Ruhe des Ortes mit einem erwartenden Gefühl empfing. Sie sah zum Bett. "Heiliger Strohsack, Dar... es ist riesig!"

Die Geschäftsführerin kicherte. "Klar... ich weiß... komm schon." Sie zog die Decken zurück und legte sich in die Mitte des Bettes. "Siehst du? Es ist groß genug für Sechs..."

Kerry nahm lachend die Einladung an, und war überrascht wie sanft sich die Oberfläche bewegte. "Oh... ich dachte, es würde sich mehr bewegen."

"Es ist in Doppelkammern unterteilt." Erklärte Dar. "Es gibt da diese kleinen Schaumblasen im Innern, in denen sich das Wasser fängt und dadurch bewegt es sich nicht mehr so stark." Sie klopfte auf die Oberfläche. "Siehst du?"

Kerry legte sich hin. "Mm... oh Mann... es ist bequem." Sie bemerkte, dass sie eine Menge Platz hatte und ein schönes weiches Kissen. Ihre Besorgnis legte sich und sie entspannte sich, während sie beobachtete wie Dar die Deckenbeleuchtung ausschaltete.

"Bist du okay?" Durchbrach die tiefe, vibrierende Stimme die Dunkelheit.

"Sicher... mir geht's gut." Antwortete Kerry schlaftrunken. "Gute Nacht."

Dar legte ihre Hände hinter ihren Kopf und sah auf die im Dunkeln nicht zu sehende Decke. "Gute Nacht."

Eine friedliche Stille senkte sich, und sich des warmen Körpers in ihrer Nähe sehr bewusst, wartete Dar müde darauf, dass sie einschlief. Was für ein Tag. Sie schüttelte leicht ungläubig ihren Kopf. Ihr Leben veränderte sich... es veränderte sich so schnell, dass sie kaum wusste wie sie damit umgehen sollte. Innerhalb eines einzigen Tages... um ehrlich zu sein, einer einzigen Nacht... stand sie plötzlich einer Facette ihres Lebens gegenüber, die sie nie erwartet hatte, doch nun, da es eingetreten war, da lag sie hier und fragte sich, wie sie ohne dies jemals hatte leben können.

Das Bett bewegte sich sanft, und grinsend fühlte sie, wie Kerry's Wärme näher rückte. Es brauchte noch weitere zehn Minuten bis sie eine Berührung spürte, sie rutschte hinüber und legte ihren Arm um die schlafende Frau, die sich augenblicklich an sie kuschelte, einen Arm über ihre Taille legte und sich mit einem entspannten Seufzer an Dar's Schulter anschmiegte.

Es fühlte sich wunderbar an. Dar schloss ihre Augen, und diesmal bewillkommnete sie die Träume. Das Erwachen würde sie übertreffen.

Linie

Diesmal befanden sie sich vor einem Wasserfall. Sie blickte über einen kleinen, mit dichtem Moos bewachsenen Felsvorsprung, der sich über einem tiefen See befand, der das mit dumpfen Getöse hinunterstürzende Wasser aufnahm. Es war Nachmittag und das Wetter war perfekt, es war schön kühl, jedoch sonnig.

Außer dem Rauschen des Wassers, konnte sie nur die Vögel hören, und ein leichtes Rascheln, dass durch die Eichhörnchen in ihrer Nähe herrühren könnte. Ansonsten war es so still, dass man das Gras hätte wachsen hören können.

Eine an sie geschmiegte Wärme bewegte sich und sie sah nach unten, um einen blonden Kopf zu sehen, der gegen ihre Schulter gekuschelt war und eine gebräunte Hand lag auf ihrem Bauch, der noch austrainierter war, als zu der Zeit als sie vor einigen Jahren aufgehört hatte an Wettkämpfen teilzunehmen.

Es war Kerry... und auch wieder nicht. Obwohl das Haar verstrubbelt war, war es anders geschnitten und auf der Hand, die auf ihr lag, befand sich eine unbekannte kleine Narbe zwischen der Krümmung ihres Zeigefingers und dem Daumen.

Der an sie gelehnte Körper war auch gebräunter und muskulöser, sie konnte die Auswirkungen davon und die ausgeprägten Rundungen unter ihrem Arm, den sie um die kleinere Frau geschlungen hatte, fühlen.

Seltsam. Und auch wieder nicht. Eine grob gewebte Decke bedeckte sie von den Hüften herunter und trotz der unebenen Oberfläche auf der sie lag, fühlte sie sich äußerst bequem und vollkommen entspannt.

Sie beobachtete, wie ein Schmetterling hinunterflatterte, dessen gelbe und schwarze Flügel einen starken Kontrast zu dem Grün um sie herum abgab, und auf einer blassrosa und lachsfarbenen Blume landete, die sanft unter dem Gewicht des Insektes schwankte.

Um die Balance zu halten, breiteten die sich die Flügel aus, und sie beobachtete wie sie sich beinahe hypnotisierend öffneten und wieder schlossen, und sah dabei die seltsamen dunklen Augen die sich auf jedem Flügel befanden.

Sie blickte nach oben und sah einen Habicht, der seine Kreise am Himmel drehte und seinen Körper anspannte um zu landen.

Eine Feder in braunen und lohfarbenen Tönungen segelte herab und landete auf der Decke oberhalb ihres Schenkels.

Dann lullte sie das Geräusch des Wassers wieder in den Schlaf.

Dar wurde sich langsam ihrer Umgebung gewahr, die aus einer Mischung von der vertrauten Bequemlichkeit ihres Wasserbettes und dem unvertrauten, wunderbaren Gefühl, dass sie jemand umarmte bestand. Sie öffnete langsam ihre Augen und sah wie die Sonnenstrahlen durch die geschlossenen Jalousien kamen und Lichtstreifen über ihren und Kerry's Körper verteilte.

Die blonde Frau lag noch in der selben Stellung, in der sie in der Nacht zuvor, oder besser gesagt am frühen Morgen, eingeschlafen war, eng an ihrer linken Seite eingerollt, wobei sie einen Arm über Dar's Körpermitte geschlungen hatte. Genau wie in dem Traum, grübelte sie. Außer, dass sie in einem Bett in Miami lagen, und nicht irgendwo draußen, nackt an einem verdammten Wasserfall.

Was für ein seltsamer Traum. Dar schüttelte behutsam ihren Kopf, dann reckte sie ihren Hals zu Kerry's Hand, wo sie in dem Traum die Narbe gesehen hatte.

Außer glatter Haut war da nichts und ihre Augenbrauen zogen sich verwirrt zusammen. Was sollte das Ganze? Warum sollte sie sich etwas derartiges einbilden? Eigenartig. Sehr eigenartig.

Sie verdrängte die Bilder ihres Traumes und wandte ihre Aufmerksamkeit der Gegenwart zu. Dort wo sich ihre Körper berührten, konnte sie Kerry's leibhaftige Wärme spüren, und sie hielt beinahe ihren Atem an, als sich die Hand der jüngeren Frau bewegte und durch den Stoff hindurch leicht ihren Bauch streichelte. Ihre Augen schließend genoss sie die Berührung, und versuchte nicht daran zu denken wie lange es her war, dass sie sich das gewünscht hatte was sie mit Kerry teilen wollte.

Kein Sex... Nun ja... ihre Lippen verzogen sich ein wenig. Kein Sex, aber die Nähe, das Vertrauen zwischen zwei Menschen, das sie nur zweimal in ihrem Leben erfahren hatte, und zweimal...

Zweimal hatte sie eine harte Lektion gelernt. Jeder hat seine eigenen Ambitionen, Dar... niemand gibt nur um des Gebens Willen... er will auch etwas dafür erhalten. Etwas das sie möchten. Etwas das du möchtest.

Danach hatte sie aufgehört zu vertrauen. Du willst Sex? Sicher... das kannst du haben. Es bedeutet überhaupt nichts. Keiner kommt an dein Innerstes... keiner kommt dahin, wo es wehtut, wenn es hässlich wird, oder sie einfach gehen, oder einem sagen... danke, aber ich habe bekommen was ich wollte und nun ist es aus... nein. Zweimal war genug.

Und nun lag sie nach all den Jahren hier, und dachte darüber nach wieder jemandem zu vertrauen. Darüber, Kerry in ihr Innerstes zu lassen, sie ihre kleinen Stückchen von immer noch vorhandener Verwundbarkeit erreichen zu lassen, und ihr zu vertrauen, dass sie nicht wiedereinmal grob verletzt wurde.

Sie kannte Kerry kaum. Was dachte sie sich dabei? Zum Teufel, sie wusste nicht einmal ob sie dazu überhaupt noch fähig war... unbeachtet dessen, ob es eine solch gute Idee war. Seufzend sah sie auf die Uhr. Elf... nun gut, sie hatte zumindest etwas Schlaf bekommen... ich stehe jetzt besser auf, und informiere mich was im Büro los ist, und...

Kerry kuschelte sich mit einem leisen, zufriedenen Ton näher heran, und erwärmte mit ihrem Atem, durch den Baumwollstoff hindurch, Dar's Haut. Es fühlte sich so gut an... die Berührung ihrer Haut... ihr Geruch... es war wie ein Ertrinken. Sie festigte ein wenig den Griff ihres Armes um die kleinere Frau und atmete sachte aus.

Als sich ihr Körper gegen Kerry entspannte, bemerkte sie, wie sich ihre Augen unerwarteterweise wieder schlossen, und wie sie die friedlich schlafende jüngere Frau wieder in den Schlaf lullte. Nun gut... stellte sie fest, es gibt keinen Grund das Kind zu zwingen aufzuwachen... sie hat letzte Nacht schwer gearbeitet, stimmt's? Ein paar Minuten mehr können nichts schaden...

Diesmal wusste Kerry, bevor sie ihre Augen öffnete, wo sie sich befand. Sie hielt ihren Atem an, geriet jedoch nicht in Panik, als sie den sicheren Griff des um sie geschlungenen Armes fühlte, und erkannte, dass Dar wusste, dass sie da war und nichts dagegen hatte.

Somit entspannte sie sich und genoss das überwältigende Gefühl, während ihr Kopf auf einer sehr angenehmen Schulter und ihr Ohr auf Dar's Brust lag, ließ ihre Sinne die Nähe und ihren unverkennbaren Duft aufsaugen, der hauchdünne Spuren von Parfüm, Seife... und dem frischen Geruch ihres Schlafanzuges enthielt... es waren alles gewöhnliche Düfte, doch in dieser Kombination zeichnete es ein einzigartiges Profil ihrer neuen Freundin. Kerry beschloss, dass sie ihn mochte.

Sie konnte den langsamen, gleichmäßigen Herzschlag hören und spürte die Atembewegungen der älteren Frau, und entschied, dass es zum Aufwachen ein wirklich angenehmes Geräusch war. Sie öffnete ihre Augen, und ein wenig ihre Position verändernd, schielte sie auf das kantige Gesicht über sich und sah, dass Dar vollkommen entspannt schlief.

Jesus... sie sieht so jung aus. Dachte Kerry leicht überrascht. Sie hatte nicht diesen, für Dar so charakteristischen, zurückhaltend nachdenklichen Gesichtsausdruck, doch in dieser entspannten Haltung sah sie nicht älter als Kerry aus, und die blonde Frau fragte sich, ob das sein könnte. Sicher musste jemand in ihrer Position... mit dieser Erfahrung, älter sein.

Richtig? Und dennoch... es gab kein Anzeichen von Silber auf diesem dunklen Kopf, und die Falten um ihre Augen hatte Kerry sogar bei noch ganz jungen Erwachsenen hier gesehen, die durch das ständige Anblinzeln gegen das grelle Sonnenlicht entstanden. Natürlich wäre es recht einfach dies herauszufinden... sie brauchte bloß bei eine Anfrage beim Archiv von Dade County über das Datum ihres staatlichen Schulabschlusses zu stellen.

Oder du könntest sie einfach fragen, meinte ihre, mehr praktisch veranlagte Seite. Ich meine, Jesus Kerry... du schläfst praktisch auf ihr... ich glaube nicht, dass sie etwas dagegen hat, wenn du sie fragst wie alt sie ist. Ironisch lächelnd ließ sie ihren Kopf wieder sinken. Obwohl ich mir nicht sicher bin, dass es gewöhnlich so abläuft... sollte man vorher nicht einige Stationen durchlaufen, in der Art... Begegnung... Verabredung... etwas Trinken gehen... gemeinsam auf große Partys gehen... bevor man zusammen im Bett endet?

Zärtlich wölbte sie ihre Finger über der weichen Oberfläche. Sie konnte dort, wo sich Dar's Rippen unter ihrer Hand bewegten, die Erhebungen spüren und bemerkte wie ihr Daumen über die Haut rieb die zu ihrem Nabel führte. Sie so zu berühren fühlte sich nicht seltsam an... tatsächlich erschien es ihr so normal, das es fast erschreckend war.

Wie hatten die Schranken, die zwischen zwei Menschen existierten, zwischen ihnen nur so schnell fallen können? Kerry war schon immer ein Mensch, der die Berührung brauchte... sie sprach mit ihren Händen und sie neigte dazu, egal mit wem sie zu tun hatte, denjenigen zu berühren, doch dies hier...

Es war beinahe, als ob sie sich schon lange kannten... es war diese Geborgenheit.

Eigenartig.

Sie fuhr abwesend eine Linie an Dar's Bauch hinunter. Nun ja, ich war schon immer eine gelerige Schülerin. Obwohl ich hoffe, dass ich schnell genug lernen kann... ich habe absolut keine Ahnung, was ich nach dem Küssen tun soll. Ich frage mich, ob es darüber Lektüre gibt. Grübelte sie angesichts des Gedankens.

Sie hielt inne während sie Dar's warmen Duft inhalierte. Ich wette, dass ich etwas im Internet finden kann. Lass mal sehen... Yahoo, Suchbegriff: Sex und Frauen, doch nichts perverses. Antwort: Wir haben sechs Zillionen siebenhundert Millionen Hinweise auf ihre Anfrage, bitte spezifizieren sie ihren Suchparameter. Kerry kicherte leise in sich hinein.

"Was ist so komisch?" Dröhnte eine tiefe, vibrierende Stimme unter ihrem Kopf. Kerry brachte es fertig nicht aufzuspringen, doch sie blickte zu den verschlafenen blauen Augen, die sie amüsiert betrachteten...

"Ähm..." Druckste sie und unterdrückte ein weiteres Kichern. "Ich wollte dich nicht wecken... es war... nichts... wirklich... ich habe... nur... ähm... über Zeichentrickfilme nachgedacht."

Beide dunkle Augenbrauen hoben sich. "Zeichentrickfilme?" Entgegnete Dar ungläubig.

"Klar... weißt du... wie Space Ghost." Erwiderte Kerry, deren Gehirn rasend arbeitete. "Wusstest du, dass er neulich abends Emeril Lagasse interviewt hat?" Fragte sie, um aus dieser Geschichte wieder auszusteigen. "Ich hab' keine Ahnung warum wir immer so enden... ich wollte nicht... ähm."

"Hey..." Dar tätschelte ihren Rücken. "Es ist okay... du machst das einfach im Schlaf... es stört mich nicht." Versicherte sie der kleineren Frau, da sie ihr Unbehagen spürte. Sie hatten Zeit... und Kerry würde sie brauchen, um sich an die wachsenden körperlichen Dimensionen zu gewöhnen. Das war ganz in Ordnung... Auch sie würde etwas brauchen, um sich daran zu gewöhnen...

"Nun ja..." Kerry rollte sich auf den Rücken und streckte sich. "Du hast recht... obwohl es behaglich ist." Sie lächelte Dar an. "Ich überlege, ob ich mir auch ein solches Bett zulege." Dann seufzte sie. "Nachdem ich weiß, was ich mit meinen Eltern mache."

Dar rollte sich auf die Seite und legte ihren Kopf schief. "Deine Eltern? Was haben sie mit einem Wasserbett zu tun?" Erkundigte sie sich neugierig.

Kerry schwieg für einen Augenblick, dann sah sie auf. "Sie setzten mich stark unter Druck, dass ich nach Hause komme." Sie hielt nachdenklich inne. "Doch ich werde es nicht tun... ich muss nur einen Weg finden, es ihnen schonend beizubringen, um keinen nuklearen Holocaust bei meiner Familie auszulösen."

Dar kratzte sich an der Nase. "Sie wollen immer noch, dass du den Burschen heiratest?" Erkundigte sie sich, wobei ihre blauen Augen gespannt Kerry beobachteten.

Die blonde Frau nickte grimmig. "Oh ja... Brian wird dieses Semester seinen juristischen Abschluss machen... bis zu den Ferien wird er damit fertig sein, und darauf... haben sie nur gewartet."

"Ich vermute mal, dass sie nicht wissen das du... ähm..." Dar gestikulierte zwischen ihnen beiden.

"Oh... nein." Sagte Kerry zusammenzuckend. "Das ist eine verhältnismäßig neue Entwicklung." Sie hielt inne. "Ich... ähm... Ich meine, ich tat immer was auch die anderen taten... der Schulball und all das andere... doch ich habe niemals wirklich... ich meine, ich konnte nicht herausfinden was daran so toll war, verstehst du?"

Dar unterdrückte ein Grinsen. "Ich verstehe." Sie warf der blonden Frau einen verständnisvollen Blick zu... "Selbst erlebt, selbst getan."

Kerry lächelte sie an. "Klar... ich denke, dass du das hast... also... als ich dann hierher kam, war alles so anders... und an einem Samstag haben mich einige meiner neuen Freunde mit nach South Beach genommen."

"Oha." Rief Dar, und schlug sich die Hand vor ihren Mund. "Ich nehme an, dass dies eine Offenbarung war."

"Für jemanden aus Saugatuck? Oh ja." Entgegnete Kerry, fing an zu lachen und atmete dann aus. "Das seltsamste was ich bis dahin gesehen hatte war das Saugatuck Festival... dass kann ich dir sagen, mein Horizont hat sich an diesem Wochenende beträchtlich erweitert."

"Komm schon Kerry... ich bin mir sicher, dass es sogar in Saugatuck Homosexuelle gibt." Bemerkte Dar kichernd.

"Nun ja... sicher... in der Tat, wenn ich so zurückdenke, weiß ich jetzt was ich gesehen habe, jedoch kann ich mich daran erinnern, das keiner darüber sprach... es wurde wie man so schön sagt, hinter verschlossenen Türen gehalten." Erklärte Kerry. "Mit Sicherheit wurde in meiner Familie nicht darüber gesprochen." Sie atmete aus. "Doch andererseits... nun ja, ich brauchte eine Weile, doch schließlich hab' ich herausgefunden was ich fühlte... und warum mir der Gedanke, Brian zu heiraten und einen Stall voll Kinder zu haben, so schwer fiel."

"Das muss hart für dich gewesen sein." Bemerkte die Geschäftsführerin anteilnehmend. "Mein Vater hatte es erraten... und er nahm mich eines Tages auf die Seite und sprach mit mir darüber... Ich wusste bereits was mit mir los war, somit war es eine große Erleichterung."

Kerry sah sie an. "Es hat ihm nichts ausgemacht?"

Ein Schütteln des dunklen Kopfes. "Nein... ich war selbst überrascht... Ich hatte solch eine Angst es ihm zu sagen, weil er beim Militär war, und du weißt, dass sie dort nicht gerade liberal denken. Doch wenn ich darüber nachdenke wie er war... dann hätte es mich nicht überraschen sollen."

Kerry verfolgte diese Richtung weiter. "Was war er denn?" Fragte sie leise.

"Navy Seal." Entgegnete Dar, und lächelte über ihre großen Augen. "Ja... einer von den ganz Wilden."

"Oh Mann... Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein würde." Keuchte Kerry. "Es würde... für mich ganz anders sein. Sie würden es nicht verstehen."

"Ach." Dar nickte. "Das ist hart." Sie dachte einen Augenblick nach. "Mit Sicherheit kommst du mit deiner Karriere hier weiter als in Michigan... im Troy Office machen sie nichts worin du wirklich gut bist."

Kerry setzte sich auf, und während sie ihr Haar nach hinten schob legte sie ihre Beine übereinander. "Das ist ihnen egal... meine Mutter hat gestern abend eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter hinterlassen und gesagt, dass ich im Troy Office eine Anstellung als Sekretärin bekommen könnte, damit ich meine kleinen Finger beschäftigen kann, solange ich darauf warte schwanger zu werden."

"Was?" Dar beugte sich nach vorne. "Kerry, hat ihnen schon jemand gesagt das wir in den Neunzigern leben und in das Jahr 2000 gehen?"

"Das gilt nicht für meine Familie." Stellte die blonde Frau leise fest. "Ich denke, dass sie in den Vierzigern hängengeblieben sind." Sie knabberte an ihrer Lippe. "Ich nehme mal an, dass ich es ihnen jedoch sagen könnte."

"Vielleicht solltest du es langsam angehen lassen... etwa in der Art, dass du ihnen zuerst mitteilst, dass du in Miami bleiben willst." Riet ihr Dar vernünftigerweise. "Bevor du damit herausplatzt Ich werde ihn, egal wer er ist, nicht heiraten. Und Oh ja, da wir gerade dabei sind, ich treffe mich mit meinem Boss." Fügte die größere Frau ironisch lächelnd hinzu.

"Mm... da hast du wahrscheinlich recht." Pflichtete ihr Kerry bei. "Doch dafür, dass ich mich mit meinem Boss treffe, würde ich zumindest zwanzig Sekunden lang einen Punkt bekommen, bis er sich daran erinnert, wer das ist." Obwohl es ein verlockender Gedanke war.

"Du stehst... wenn ich es richtig verstehe, deinem Vater nicht sehr nah?" Fragte Dar liebevoll.

Kerry starrte auf die Wand während sie die Welle von Übelkeit unterdrückte. "Nein." Murmelte sie schließlich. "Das kann man so sagen."

Die dunkelhaarige Frau beugte sich nach vorne und nahm ihre Hand. "Mach dir keine Sorgen... wir werden uns etwas einfallen lassen." Versprach sie. "Zum Teufel, und wenn es ganz schlimm kommt, dann werde ich seine IRS-Berichte zu MSNBC umleiten."

Die blonde Frau verrollte ihre Augen. "Das wäre sehr lustig, aber nutzlos... er ist ein Pfeiler moralischer Rechtschaffenheit. Ich bezweifle sogar, dass er uns als Familiengehörige betrachtet hatte, bis wir ein Jahr alt waren, nur um sicherzustellen, das wir lebensfähig waren." Bemerkte sie seufzend. "Jedoch danke, Dar... es hilft schon, wenn man mit jemandem darüber reden kann." Sie lächelte ihre Chefin an und drückte die Finger, die ihre Hand hielten. "Und ich werde mir deine Option in Reserve behalten."

Lachend rollte sich Dar auf den Rücken, streckte sich, und streckte beide Arme aus. "Okay... nun gut... jetzt da es Nachmittag ist..." Zur Decke blickend schüttelte sie ihren Kopf. "...Da denke ich, es ist wohl besser, wenn ich mal im Büro nachsehe... ich bin mir sicher, dass es morgen ein halbes Dutzend Notfallsitzungen geben wird, die darüber diskutieren, warum unsere nicht vorhanden Reserveeinrichtungen nicht funktionieren."

Kerry dachte darüber nach, und dann an die vielen unerledigten Dinge, die sie zu Hause noch tun musste und seufzte. So gern sie den Tag hier mit Dar verbringen würde... "Hör zu... warum unternehmen wir nicht nächstes Wochenende etwas zusammen? Da ich die letzten Tage nicht daheim war, habe ich eine Tonne Wäsche und eine Menge andere Sachen zu erledigen." Schlug sie bedauernd vor.

Dar spürte eine leichte Enttäuschung, doch sie wusste, das Kerry recht hatte. Sie hatten beide Dinge zu erledigen, und eine Arbeitswoche vorzubereiten. "Hört sich nach einer guten Idee an." Stimmte sie zu. "Auch wenn es mir nicht zusagt... Bist du immer noch interessiert ins Fitnesscenter zu gehen? Die Kurse beginnen am Mittwoch?"

Kerry hatte das fast vergessen. "Oh... stimmt ja! Absolut... Gott ja... wenn ich weiter mit dir rumhänge, dann werde ich es dringend brauchen." Entgegnete sie grinsend. "Danke für die Erinnerung."

Die Geschäftsführerin rollte sich aus dem Bett und stand auf. "Nun ja, dann lass uns in Gang kommen... ich nehme an, dass ich noch genug Frosties habe, wenn du interessiert bist."

Kerry schüttelte lachend ihren Kopf und gesellte sich zu ihr. "Siehst du was ich meine?"

 

~~~ ENDE - Kapitel 8 ~~~

Linie

Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 9 lesen.

Linie

 

Button Home Neues Überfiction Forum Cover Gästebuch