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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

Tropical Storm - Kapitel 13

   

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Tropical Storm
by Melissa Good

Kapitel 13

 

Dar verwandte ihre Energie auf die Fertigstellung ihrer Arbeitsliste, klärte einige Dinge und lenkte sie in die richtigen Bahnen, während sie mit halbem Ohr zuhörte wie Kerry in der Küche rumhantierte. Sie wusste, dass Kerry durch Kyle's Besuch aufgewühlt war und beantwortete gereizt einige von den Dutzenden dringenden Mails, die sie schnell aus dem Weg haben wollte damit sie wieder zukehren konnte zu...

Zu was zurückkehren, Dar? Um herumzuspielen? Sie verzog ihre Lippen. Jawohl. Das war wesentlich interessanter als Jose zu sagen, dass er den Fehler bei zwei Abschlüssen beheben solle und eine offizielle Stellungnahme auf die Beschwerde von Peter zu schreiben.

Trottel. Seufzend rieb sie sich über ihre Stirn und überlegte wie sie die Antwort verfassen sollte. "Er hatte bei einem Kunden Mist gebaut und Les hat mich hingeschickt um ihm auf die Sprünge zu helfen, und das hab ich getan. Wo liegt das Problem?" Sie trommelte mit ihren Fingern auf die Tastatur und dann löschte sie die Zeile. "Nein... sie bringt mich um, wenn ich das so formulierte."

Kerry kam zu ihr und legte einen Arm auf ihre Schulter. "Was ist los?" In ihrer Hand, die in einem weichen Topflappenhandschuh steckte hielt sie einen Kochlöffel der sehr verführerisch duftete. Dar leckte sofort daran und grinste als die kleinere Frau überrascht quiekte. "Dar! Lass das!"

"Mmm... was immer das ist, es schmeckt großartig." Erklärte die dunkelhaarige Frau. "Das hier... Peter hat eine formelle Beschwerde über meine Handlungsweise eingereicht, und ich muss darauf antworten... ich versuche ihm gerade auf diplomatische Weise zu sagen, du kannst mich mal, ohne das sich Mariana die Haare ausrauft."

"Das ist Fleischklösschen-Soße... ich probier ein neues Rezept für Spaghetti mit Fleischklösschen." Antwortete Kerry abwesend während sie auf das Dokument schielte. "Ich denke, das es recht einfach ist."

Dar's Augen strahlten. "Das hab ich schon lange nicht mehr gegessen." Berichtete Dar. "In Restaurants bestelle ich so was für gewöhnlich nicht... dort schmecken die Fleischklösschen im Allgemeinen nach gepresstem Hafermehl."

Kerry nickte zustimmend. "Oh ja... hey, hör mal... warum sagst du nicht, das du gebeten wurdest den Stand der Dinge zu beurteilen und der Kunde dann beschlossen hat, direkt mit dir zu verhandeln." Sie blickte zu Dar. "So war's doch, oder?"

"Mehr oder weniger." Bestätigte Dar. "Die Wahrheit ist, das Gerald Easton ein alter Freund meines Vaters ist... er kennt mich seit meiner Kindheit." Seufzte sie. "Ihm gefiel nur ganz und gar nicht Peter's Stil, und da hat er angerufen und sich bei Les beschwert."

"Hmm." Kerry atmete aus. "Okay... du könntest sagen, dass du mit solchen Aufträgen schon frühere Erfahrungen hattest und der Kunde sich wohler fühlte mit dir zu verhandeln."

Ein schwaches Lächeln verzog Dar's Lippen. "Du bist in solchen Sachen sehr gut."

Grüne Augen funkelten. "Erinnre dich an den Debattierwettbewerb. Manchmal muss man die gleiche Sache in vier verschiednen Versionen vortragen um auf den Punkt zu kommen."

Die dunkelhaarige Frau lachte. "Ich hätte dich dort gern erlebt... es gibt nichts was ich mehr liebe, als eine gute Diskussion."

Kerry errötete ein wenig und grinste. "Der Wettbewerb den ich gewann, war der einzige bei dem mein Vater anwesend war... die Debatte hatte ein recht hohes Niveau, und es gefiel ihm sehr gut bei den Zuhörern die Sache mit dem der Apfel fällt nicht weit vom Stamm vorzubringen." Bemerkte sie leicht traurig blickend. "Es tat gut zu gewinnen."

"Hast du jemals daran gedacht selbst in die Politik zu gehen?" Erkundigte sich Dar.

Ein leises Schnaufen. "Nein danke... wenn ich mein Leben damit verbringen wollte Leute zu täuschen, dann würde ich ins Marketing gehen, darauf kann ich verzichten." Sie blickte Dar scheel an. "Du glaubst doch nicht etwa, das Staatsbeamte ihre Arbeit zum Wohl der Bevölkerung tun, oder?"

"Nein."

"Puh... ich würde nur ungern deine Illusion zerstören, Dar." Klärte Kerry sie auf. "Es ist ein widerwärtiges Geschäft."

Schweigend fragte sich Dar, ob ihre junge Begleiterin wusste wie widerwärtig es wirklich war. "Ich sag dir was... warum schreibst du nicht die Antwort für mich und ich rühr deine Soße um." Sie glitt aus dem Stuhl und rupfte den Löffel aus Kerry's Hand. "Ist das fair?"

Kerry setzte sich auf den, von Dar's Körper angewärmten, Stuhl und blickte auf. "Versuch nicht alles zu essen, okay?" Flachste sie und bekam als Antwort ein aufblitzendes Lächeln als sie ihre Konzentration auf den Bildschirm richtete.

Dar schlenderte in die Küche, und den Deckel von einem grußeisernen Topf auf dem Herd hebend, lies sie eine dampfende Wolke von Knoblauch und Gewürzen frei. "Oooh..." Vorsichtig die Soße umrührend dachte sie über den von ihr angeforderten Bericht über Kerry's Vater nach.

Größtenteils enthielt er das übliche. Kleine Bestechungsgelder, einige erwähnte Bestechungen... nichts konkretes. Doch es gab zwei anonyme Bankkonten, die sie weiter untersuchte, und eine sehr seltsame Serie von Transaktionen, die aussahen wie ein privater Kreditrahmen unter seinem Namen. Sie beschloss das es keinen Sinn machte, Kerry den Bericht zu zeigen, bis sie fertig war und sie etwas konkretes in der Hand hatte.

Und was dann? Dar atmete aus. Trotz allem vermutete sie, das Kerry ihre Eltern und Familie noch liebte... und etwas zu tun das ihren Vater verletze, würde auch sie verletzen, und so sehr Dar diesem Mann, den sie als widerliche Belästigung ihrer Freundin betrachtete, eine verpassen würde... fragte sie sich, ob es tatsächlich einem Zweck dienen würde?

Doch die Informationen könnten ihr, bei der Argumentation hier zu bleiben, nützlich kommen. Und soweit es ihr möglich war, wollte sie Kerry alles in die Hand geben, richtig?

Natürlich bestand immer noch die Möglichkeit, das es nicht funktionierte. Das Kerry sich überreden ließ zurückzukehren. Davor hast du Angst, oder nicht? Die Soße umrührend, schloss Dar ihre Augen. Du kennst sie erst seit einem Monat, Dar... der Gedanke, ohne sie zu leben kann doch nicht so verletzend sein.

Aber das war es.

Sie kam zu dem Schluss, das es so war, weil sie sich mit Kerry so behaglich fühlte. Ihre sonst übliche Vorsicht bei Menschen schien in der Nähe der blonden Frau zu verdunsten, und sie bemerkte, wie sie sich zum erstenmal seit langer Zeit, in der Wärme einer wahren Freundschaft sonnte. Sie hatte nicht vermutet das sie es so sehr vermisst hatte wie sie es anscheinend tat, und nun wurde das alles bedroht.

Sie kam mit Drohungen nicht gut zurecht. Sie gaben ihr das Verlangen verrückte Dinge zu tun, wie zum Beispiel Kerry zu bitten, nicht nach Hause zu gehen. Oder sie zu begleiten. Oh ja. Sie lachte unbehaglich in sich hinein. Einfach bei ihren Eltern aufzutauchen... würde dir den Beliebtheitspreis einbringen. Mal sehen... ähm... Hallo... die Firma startet ein neues Programm... Vorgesetzte müssen alle ihre Angestellten mindestens einmal während ihres Urlaubs besuchen, und ich fange mit Kerry an... sie haben doch nichts dagegen?

Das wär's.

Sie war so in ihre Gedanken versunken, das sie nicht mal hörte wie Kerry ihren Namen rief, bis sie eine warme Hand am Rücken berührte und sie zusammenzuckte. "Wa... oh... entschuldige." Sie trat vom Herd zurück und gab Kerry ihren Löffel zurück. "Hier... ich war gerade... ähm..."

"Eine Million Kilometer entfernt." Schlug Kerry neugierig blickend vor. "Bist du in Ordnung?"

"Oh ja... ich hab nur nachgedacht, das ist alles." Dar kicherte. "Bist du dort drüben fertig?" Sie war leicht verlegen, das sie beim Tagträumen erwischt worden war. "Ich... ähm... ich werde mich um den anderen Kram kümmern."

Kerry sah sie mit einem leicht besorgten Stirnrunzeln an, und nickte. "Okay... klar, wirf einen Blick auf das was ich geschrieben habe und entscheide ob es dir gefällt." Sie tätschelte Dar's Seite. "Magst du Knoblauchbrot?"

Dar nickte.

"Ich denke... das war eine blöde Frage... ich hab ein paar von diesen Baguettes im Gefrierer... ich werde sie auch backen."

Die größere Frau kicherte. "Du machst so was gerne, richtig?"

Kerry zuckte mit ihren Schultern. "Ich nehme es an... ich meine... ich glaube nicht das ich es für mich selbst tun würde... in der Tat weiß ich, das ich es nicht tue. Gewöhnlich komme ich von der Arbeit nach Hause und schnapp mir einfach ein paar Karotten oder so... aber es ist schön, sich für jemanden, der es zu schätzen weiß die Mühe zu machen."

Dar sah sie ernst an. "Ich schätze es." Erwiderte sie leise. "Sehr sogar."

Das brachte ihr ein strahlendes Lächeln ein. "Ich weiß... ich hab bemerkt, das deine Küche nicht sehr oft benutzt wird." Scherzte sie liebevoll. "Ich bekomme Alpträume, wenn ich an deine Eier-Muffins und Schokomilch denke."

Aus einem Reflex heraus musste Dar lachen. "Nee... da hast du mich vollkommen falsch verstanden." Erklärte Dar und schüttelte feierlich ihren Kopf. "Es sind entweder Croissantsandwichs oder gar nichts."

Ein Stupser. "Du solltest besser auf dich Acht geben." Bemerkte Kerry und täuschte einen finsteren Blick vor. "Eines Tages werden dich Deine Essgewohnheiten einholen."

"Leb ausgiebig... stirb jung." Erwiderte Dar in einem leicht scherzhaftem Tonfall.

"Es wäre mir lieber, du würdest das nicht tun." Entgegnete Kerry überaus ernst. "Ich möchte dich gerne noch eine lange Zeit um mich haben." Als perplexe blaue Augen sie ansahen entstand eine unbehagliche Stille. "Es tut mir leid." Murmelte Kerry schließlich. "So was zu sagen, war unglaublich vermessen von mir." Sich zum Herd umdrehend beugte sie sich über den Topf und spürte wie Hände sanft ihre Schultern ergriffen.

Sie blieb stumm, als Dar sie widerstandslos herumdrehte und sah in diese hellblauen Augen, die sie nun zärtlich anblickten. "Weißt du... als du reinkamst, habe ich mich gerade gefragt, was zum Teufel ich mache, falls du dich entschließt nach Hause zurückzugehen." Raunte sie liebevoll. "Und ich versuchte herauszufinden, wie jemand, den ich erst seit knapp einem Monat kenne, so wichtig für mich werden konnte."

"Oh." Erwiderte Kerry.

"Also nein... es war nicht vermessen... es ist schön das es dir nicht gleichgültig ist." Fügte Dar schüchtern hinzu. "Irgendwie ist es ein seltsames Gefühl, doch ich glaube, das ich es mag."

Die blonde Frau stieß einen erleichterten Seufzer aus. "Das hör ich gerne." Sie griff nach oben und verflocht ihre Finger mit Dar's. "Weil ich nichts gegen diese Empfindungen machen kann... und ich würde es hassen, wenn ich dich damit verrückt mache oder so."

Dar gab ihrem inneren Bedürfnis nach und umarmte sie. "Nee..." Sie ließ sie wieder los und trat dann lächelnd zurück. "Lass mich meine Sachen fertig machen." Sie drehte sich um und verließ die Küche.

Nachdenklich an dem Ende ihres Kochlöffels saugend wandte sich Kerry wieder ihrer Sauce zu, und langsam breite sich ein kleines, ungläubiges Lächeln auf ihrem Gesicht aus.

Dar ging zum Schreibtisch zurück, ließ sich auf den Stuhl fallen und ihr Kinn auf ihrer Hand abstützend schielte sie auf den Monitor. Sie musste dreimal den Text überfliegen damit sie den Inhalt begriff. Als eine Flut von zwiespältigen Gefühlen sie überspülte, schloss sie ihre Augenlider und nahm sich einen Augenblick um sich zu sammeln.

Eine Hälfte von ihr hatte eine scheiß Angst. Die andere, diese neue außerirdische Hälfte aus dem Universum, wollte auf die Knie fallen und sich mit dieser armen Frau, die sie kaum kannte, lebenslang verbinden. "Ich bin für diesen Hormonkram ein bisschen zu alt, oder nicht?" Grummelte sie ironisch. "Ich hatte dieses Gefühl nicht mehr, seit ich zwölf war und mich das erste Mal verknallt hatte."

Sie rieb ihre Augen und zwang sich dann auf den Monitor zu konzentrieren und diesmal las sie den Text wirklich. "Oh... gute Arbeit." Lobte sie die abwesende Kerry. "Also... mir gefällt's..." Die Erwiderung war äußerst angemessen und höflich abgefasst. "Natürlich wird sie wissen, dass ich das nicht geschrieben habe." Kicherte Dar leise. "Doch das ist in Ordnung... das Merkmal eines guten Managers ist, seine Quellen richtig zu nutzen, richtig?" Sie erhob ihre Stimme. "Gut gemacht."

"Danke." Flötete es zurück und deutlich das Lächeln in diesem Wort heraushörend, drückte Dar die Sendetaste und schickte die Erwiderung ab. Die aus der Küche hereinströmenden, höchst interessanten Düfte ignorierend, lehnte sie sich zurück und arbeitete sie sich durch die nächsten Probleme, nur einmal ihre Arbeit kurz unterbrechend, als ein Donnergrollen über dem Gebäude hinwegzog. "Hmm."

Den Donner auch hörend kam Kerry herein. "Hört sich scheußlich an." Sie lehnte sich auf die Rückenlehne des Stuhls. "Bist du fertig? Das Essen ist fertig."

"Das riech ich." Bestätigte die dunkelhaarige Frau und streckte sich. "Jawohl... ich hab sechs Leute zusammengestaucht, drei Konferenzen abgeblasen und zwei vernichtende Antworten zu Leuten geschickt, die es eigentlich besser wissen sollten." Erklärte sie und seufzte. "Kein schlechter Tag."

"Hast du das wirklich?" Fragte Kerry und sah sie skeptisch an.

Sie süßsauer anblickend nickte Dar. "Ja, das hab ich." Sie stand auf und streckte sich. "Aber mach dir keine Sorgen... es sind alle daran gewöhnt. Wenn ich das nicht mache, dann glauben sie, das mit mir etwas nicht stimmt." Erklärte sie der blonden Frau. "Willst du alles hier draußen auf den Tisch anrichten?"

Kerry zögerte und grinste dann. "Nun ja... ich habe diese große Servierplatte... ich dachte es wäre ganz lustig, wenn wir einfach das Ding benutzen und essen gemeinsam davon... es hat kleine Füßchen... wir könnten es zur Couch mitnehmen und den Film ansehen."

"Hmm....." Dar senkte ihre Stimme zu einem nachdenklichen Brummeln. "Ich glaub die Idee gefällt mir." Plötzlich schmunzelte sie. "Ich frage mich, ob wir das Susi und Strolch Ding machen könnten."

"Das wa…" Verwirrt zogen sich blonde Augenbrauen zusammen, dann kam die Erleuchtung. "Oh... ach... du meinst die Sache mit den Spaghetti?" Kerry's Augen begannen zu leuchten. "Nun ja... klar... das könnten wir versuchen." Entgegnete sie lachend. "Los, komm mit."

Lachend gingen sie gemeinsam in die Küche.

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"Da haben sie sich schön herausgewunden." Murmelte Dar, auf den Bildschirm starrend. "Bienen, ach du meine Güte."

Kerry kicherte. "Ach komm schon… sie konnten nicht zulassen, das sie sich küssen... die Welt würde untergehen... es würden aus den Brüsten aller Leute Ungeheuer explodieren... der Raucher würde kündigen..." Ihren Kopf nach hinten neigend ließ sie den zärtlichen Angriff auf ihre Lippen zu. "Ich bin froh, das wir dieses Problem nicht haben..."

"Ich auch." Stimmte Dar kichernd zu während sie sich mit Kerry's Körper an ihren geschmiegt gegen die Couch zurücklehnte und auf den Fernseher sahen. "Gott, bin ich vollgestopft... das war wirklich gut."

An Dar's Körper gelehnt streckte sich Kerry aus und seufzte. "Ich auch... und Danke... das Rezept ist wirklich gut." Sie blickte hoch und langte dann lachend nach oben, um einen Soßenfleck vom Gesicht ihrer Begleiterin zu wischen. "Außer das die Sache mit den Spaghetti leicht chaotisch war."

"Mm... sag schon, was ist das Geheimnis dieser Fleischklösschen?" Wollte Dar wissen. "Sie waren so leicht... hast du Federn reingetan?" Bemerkte Dar, während sie die kleinere Frau an sich drückte und dann wieder ihre Arme um Kerry's Körpermitte schlang.

Ein leises Schnauben. "Du wirst es nicht glauben... aber das Geheimnis ist, Milch." Gab Kerry lachend zu.

"MILCH?" Protestierte Dar. "Du tust Milch in Fleischklösschen?"

Kerry benutzte Dar's Brust als weiches Kopfkissen und schmunzelte. "Jawohl... man vermischt eine halbe Tasse Milch mit einem Pfund Hackfleisch... dann fügt man Weißbrotwürfel hinzu, und lässt alles ziehen." Erklärte sie süffisant. "Und ein Ei." Sie hielt inne und warf einen Blick zu Dar. "Und... ähm... eine Prise brauner Zucker."

Dar lachte. "Milch, Eier und brauner Zucker... hört sich ganz nach meinem Geschmack an." Sie seufzte. "Was auch immer es war... es war großartig." Als das Telefön läutete drehte sie ihren Kopf und sie tauschten Blicke aus.

Kerry stellte den Fernseher leise und nahm das schnurlose Telefon zu sich. "Hallo?"

Die Stimme ihrer Mutter hallte in ihr Ohr. "Hallo... Kerry??"

Wer sollte wohl sonst dran sein, hmm? "Hallo Mutter." Sie hielt sie ihren Tonfall irgendwo zwischen Herzlichkeit und Vorsicht... immerhin hatte diese Frau beim letzten Mal einfach aufgelegt.

"Liebling, ich habe nachgedacht."

Das ist neu. "Ja, Mutter?" Sie hielt das Telefon so, das Dar mithören konnte, was nicht schwer war, da die größere Frau sich fast vollständig um sie gewickelt hatte.

"Vielleicht war ich neulich Abend ein wenig voreilig... ich habe mit deinem Vater gesprochen... und obwohl er äußerst aufgebracht ist, meint er, das du dich beruhigen wirst und mit uns darüber reden kannst, wenn du zu Hause bist..." Erklärte ihre Mutter blasiert. "Ich bin sicher, das wir eine Einigung finden... wir verstehen, das du an deinen Freunden dort unten hängst."

Hängen? Kerry sah auf die starken, um sie geschlungenen Arme hinunter. "Nun, ja Mutter... das könnte man so sagen... und gerade im Augenblick bin ich in recht interessante Dinge verwickelt."

Kurz ihr Gesicht an Kerry's Hals vergrabend schnaubte Dar lachend und kitzelte sie dabei.

Um nicht zu Kichern biss sich Kerry auf ihre Lippe.

"Sicher... selbstverständlich... wir sind hier alle erwachsen... und wir freuen uns sehr, dich wiederzusehen... Brian vermisst dich schrecklich."

Wirklich? Er hat seit August nicht ein mal angerufen. "Klar tut er das, Mutter." Entgegnete sie.

Es herrschte einen Augenblick Stille, dann räusperte sich ihre Mutter. "Du scheinst abgelenkt zu sein, Liebes ... störe ich dich gerade bei etwas?"

Kerry legte ihren Kopf zurück als ein Knabbern an ihrem Hals einen Nerv traf. "Nein... nein... ähm... ich seh' mir nur einem Film an..." Sie schluckte und schloss dann ihre Augen, als Dar's Hände an ihrem Bauch hinaufwanderten und ihre Haut der klimatisierten Luft aussetzten.

"Oh... nun gut, wir sehen uns Krieg und Frieden an." Ein Seufzen. "Dein Vater liebt diesen Film so sehr."

"Ich weiß." Schaffte Kerry zu erwidern. "Ich seh mir Akte X an."

"Kerry... du weißt, was ich von dieser Sendung halte." Entgegnete ihre Mutter missbilligend. "Ekelhaft... es ist gegenüber der Regierung so respektlos... wusstest du, das dein Vater einmal diesem schrecklichen Mann, der das ganze inszeniert hat, einen Brief geschrieben hat, und ein Antwortschreiben erhielt, in dem stand, das er ein paar Beruhigungspillen einwerfen solle??"

Merk dir. Beschloss Dar. Schick eine Fan-Mail an Chris Carter.

"Na ja, Mutter..." Kerry ließ ihren Kopf gegen Dar's Brust fallen, als das zärtliche Knabbern ihre Kehle erreichte. "Es ist ähm... nur eine Fernsehserie." Die herumstreifenden Finger fuhren in aufreizenden Kreisen um ihre Brüste und ihr entwich ein leiser, abgehackter Ton.

"Was war das, Liebling?" Holte sie die Stimme ihrer Mutter langsam in die Wirklichkeit zurück.

"Ähm... nur etwas, das ich gerade gesehen habe..." Erwiderte Kerry und sah ihre Geliebte beschwörend an. "Nichts, was du hören willst... ach ja... ist Kyle gut nach Hause gekommen?" Sie änderte ihren Tonfall. "Es war so nett von ihm, bei mir vorbeizuschauen als er hier unten war."

Es entstand eine peinliche Stille. "War er bei dir, Liebes? Ich wusste nicht... nun ja, sicher war er in der Gegend und natürlich hat er da bei dir vorbeigeschaut... du weißt wie sehr er dich mag." Man hörte ein gedämpftes Geräusch. "Roger, hast du gewusst das Kyle in Florida war? Ja... ach... nun nein... Kerry hat es gerade erwähnt... was?"

Blaue und grüne Augen tauschten verschwörerische Blicke aus.

"Oh... du meine Güte... der arme Mann." Kerry's Mutter kam ans Telefon zurück. "Armer Kyle... es gab eine Verwechslung am Flughafen bei der sein Rückflug irgendwie verlorengegangen ist, und er musste nach Tampa fahren, um einen Flug hierher zu bekommen… im Augenblick hängt er in Houston fest."

"Herrje. Das ist schrecklich." Bekannte Kerry aufrichtig. "Keine Anschlussflüge, wie?"

"Es scheint so... nun gut, ich bin froh das er die Möglichkeit hatte, dich zu sehen." Seufzte ihre Mutter.

"Oh... ja... es war wunderbar." Entgegnete Kerry leise. "Er ist sogar meiner Chefin begegnet."

"Wirklich?"

"Mmhmm.... sie war hier, um mit mir an einem Projekt zu arbeiten... sie gab ihm ihre Visitenkarte... sorg dafür das Daddy sie bekommt, in Ordnung?"

"Ach... nun gut, natürlich..." Eine Pause. "Ist das normal, Liebes? Ich dachte, du arbeitest in einem Büro."

"Das tu ich auch." Erwiderte Kerry. "Doch ich bin an einer besonderen Sache tätig... und Dar hegt sehr viel..." Sie schoss einen Blick zu dem, über ihre Schulter schielenden, gebräunten Gesicht. "Persönliches Interesse an diesen Dingen." Der Griff um sie festigte sich und den Hörer zuhaltend zuckte sie zusammen. "Nicht so fest... ich verlier mein Abendessen." Flüsterte sie ganz leise und holte tief Luft als sich der Griff löste. Dann öffneten Dar's Hände verspielt ihren Gürtel und den Knopf ihrer Jeans. "Besser?" Hauchte es ganz leise an ihr Ohr, während Dar's Finger eine zärtliche, beruhigende Massage begannen.

"Mm." Kerry entspannte sich und drückte den Hörer wieder an ihr Ohr. "Wie bitte, Mutter?"

"Ich fragte, ob du die Tickets bekommen hast?" Nun klang ihre Mutter leicht verärgert.

"Ja." Antwortete Kerry. "Ich hab sie vor ein paar Tagen erhalten."

"In Ordnung... also gut, ich muss etwas Kaffee für deinen Vater machen... wir sehn uns am Mittwoch, Liebes."

"Gute Nacht, Mutter." Erwiderte Kerry höflich, dann trennte sie die Verbindung und legte das Telefon weg, als sie nach hinten langte und ihre Finger in Dar's Haar vergrub. "Du bist eine Quälgeist."

Ein tiefes, erotisches Kichern ließ sanfte Stromstösse ihre Wirbelsäule hoch und runter laufen. "Aber sicher." Sie nahm ein verführerisches Ohrläppchen gefangen und biss zärtlich hinein. "War das eine Entschuldigung von deiner Mutter?"

Kerry zuckte mit ihren Schultern. "Ich vermute es... sie hasst Konflikte."

"Hmm." Dar legte ihr Kinn auf Kerry's Schulter. "Eine scheußliche Art, Thanksgiving zu verbringen."

Seufzend schlang Kerry ihre Arme um Dar. "Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich nur daran denke." Gestand sie ein. "Ich wünschte, ich könnte dich in meinen Koffer packen und mitnehmen... das werden die längsten fünf Tage meines Lebens." Sie dachte wieder darüber nach nicht zu gehen... und stattdessen die Feiertage mit Dar zu verbringen. Oh Junge. Es war wie ein Welpe der mit seinem Schwanz wackelt und sie musste dem Einhalt gebieten. "Es ist so, als ob man ein Zugunglück in Zeitlupe betrachtet."

Dar kämpfte gegen den beinahe überwältigen Wunsch an, ihre Geliebte vor dem Zorn und Streit, in den sie zweifellos reinmarschierte, zu beschützen. "Ich wünschte auch, du könntest mich einpacken." Frotzelte sie schwach. "Ich würde gern ihre Gesichter sehen, wenn ich herausspringe."

Kerry fing an zu lachen. "Jesus... was für eine Vorstellung." Sie hielt inne. "Also... nun erzähl mir was über den Ort, wo du hingehst."

"Nun... wie ich bereits sagte, ist Gerry eine alter Freund der Familie... übrigens, ist er derjenige, der mir die zwei Verträge gab, die die Associated gerettet haben." Unterrichtete sie Kerry. "Er hat mich übers Wochenende eingeladen... er hat einen Sohn mit dem ich mich wirklich gut verstehe... seine Familie ist reizend, ich weiß nicht... auf eine altmodische familiäre Art"

"Ist sein Sohn gutaussehend?" Erkundigte sich Kerry neugierig.

"Mm... ja... wenn du den kurzgeschorenen, ernsten Typ magst... er ist ein Navi-Pilot der gerade seinen Dienst auf einem Flugzeugträger angetreten hat." Erwiderte Dar. "Wir sind mehr oder weniger zusammen aufgewachsen... ich weiß, das Gerry es gerne sehen würde, wenn wir uns etwas näher kommen würden, aber..." Sie kicherte. "Du weißt was abgeht."

"Mm..." Seufzte Kerry. "Ich denke, dass du eine wesentlich nettere Zeit als ich verbringen wirst..."

Das bezweifle ich. Grübelte Dar. Ich werde mir die ganze Zeit Sorgen über dich machen. "Nun ja, das nächste Thanksgiving laden wir alle auf die Insel ein... wie wäre das?" Die Worte waren heraus bevor sie richtig darüber nachdenken konnte was sie aussagten und sie biss sich auf ihre Zunge als sie erkannte was sie da gesagt hatte. Sie setzte tatsächlich voraus, das sie nicht nur nächstes Jahr noch zusammen waren, sondern... plötzlich schoss der Gedanke mit Kerry zusammenzuleben, wie eine übermütig spielende Ente im Regen in ihr Bewusstsein. Doch sie schaffte es sich zusammenzureißen und nicht sofort darauf zu reagieren.

Kerry verharrte einen Augenblick schweigend, dann drehte sie ihren Kopf und betrachtete Dar mit einem schüchternen Lächeln. "In Ordnung." Stimmte sie zu. "Da hab ich etwas, über das ich nachdenken kann während ich mich durch die Pläne meiner Eltern kämpfe." Sich halb umdrehend kuschelte sie sich an Dar's Brust und spielte abwesend mit den Knöpfen der größeren Frau. "Verdammt, ich wünschte ich hätte diese Woche bereits hinter mir... ich würde alles darum geben, wenn es schon Sonntagabend nächste Woche wäre.... und ich das alles hinter mir hätte... und..." Ein Seufzen. "Ich hab solch eine Angst davor."

Unbeholfen strich ihr Dar über die Haare. "Ich weiß... zum Teufel, sogar ich habe fast Bauchschmerzen." Erwiderte sie. "Doch hey... es ist in einer Woche vorbei... dann... können wir... ähm..." Sie suchte nach etwas, das Kerry lieben würde. "Eine Weihnachtsparty planen... okay?"

Kerry glitt mit ihren Augen über den straffen Hals und über die Erhebung an Dar's Kiefer, bis sie auf diese herrlich blauen Augen traf. "Mm... wie wär's mit einer Geburtstagsparty... okay?"

Erwischt. Autsch. "Ab…" Dar knabberte an ihrer Lippe. "Ke…" Die grünen Augen nahmen einen sanften und bittenden Ausdruck an. "Oh… in Ordnung." Seufzte sie, besiegt.

Lächelnd tätschelte ihr Kerry auf die Brust. "Um nichts auf der Welt würde ich das versäumen." Sie Umarmte Dar innig. "Zum Teufel mit Thanksgiving."

Dar grinste teuflisch in sich hinein. Nun, dafür lohnte es sich Geburtstag zu haben.

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"Dar?"

Marias Stimme durchbrach ihre Gedanken und sie sah leicht konsterniert auf. "Ja?" Damit aufhörend den Stift in ihren Händen zu drehen atmete sie aus.

"Hier sind ihre Flugtickets für morgen." Die Sekretärin huschte über den Teppich und legte das Ticketheftchen genau neben sie. "Ist Kerry's Abreise glatt gegangen?"

"Klar... bevor ich hergefahren bin, hab ich sie abgesetzt." Erwiderte die dunkelhaarige Frau. "Ihr Flug war um 8.00 Uhr." Sie sah auf ihre Armbanduhr. "Sie müsste bald da sein."

"Sehr schön." Bemerkte Maria lächelnd, dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck. "Nicht?"

Dar zog ihre Aufmerksamkeit von ihren neuen Fischen und blickte auf. "Oh... doch... sicher ist das schön... tut mir leid... ich war nur in Gedanken wo anders." Tatsächlich erinnerte sich ihr Körper an die heftige Umarmung von Kerry, als diese zu ihrem Flugsteig gegangen war und das sanft, geflüsterte Ich werde dich vermissen. Seufzend schob sie die Gedanken beiseite und lächelte Maria an. "Also… wie gefallen ihnen Ernie und Bert?" Sie hatte sie erst heute morgen mitgebracht, nachdem sie ihnen ein paar Tage in Kerry's Wohnung gegeben hatte um sich einzugewöhnen, bevor sie die beiden mit dem Büro bekannt machte.

Maria betrachtete die Fische. "Sie sind hübsch." Stimmte sie zu. "Ich hatte auch schon daran gedacht mir einen Goldfisch zuzulegen, doch ich lasse ständig Sachen auf meinen Schreibtisch fallen... ich müsste zuviel Zeit damit verbringen sie wieder aus dem Aquarium zu fischen." Sie kniete sich hin um das Becken zu begutachten. "Es ist schön."

Dar stützte ihr Kinn auf einer Hand ab. "Das dachte ich mir auch." Gab sie zu. "Ähm... ich habe heute nach dem Mittagessen eine Vorstandsausschuss-Sitzung... gibt es irgendeine schwebende Sache die ich vorher ansehen müsste?"

"Si." Maria reichte ihr die Akte, die sie bereits in der Hand hielt. "Die Pläne für das neue Gebäude." Erzählte sie ihr. "Nächste Woche haben sie ihre erste Zusammenkunft in dieser Angelegenheit."

Dar öffnete die Akte und sah sich das Deckblatt an. "Stimmt... der Mietvertrag für dieses Gebäude läuft nächstes Jahr ab, und Jose meint eine neue Örtlichkeit für uns gefunden zu haben... hm..." Sie studierte das Dokument. "Nun ja... ich denke nicht... ach." Sie verzog hämisch ihre Lippen. "Jetzt wird mir einiges klar... es gehört seinem Schwager."

Maria verrollte ihre Augen. "Dios mio... müssen es immer diese Spielchen sein?"

Die Direktorin schüttelte seufzend ihren Kopf. "Außerdem hasse ich diese Örtlichkeit... sieht ganz nach einer weiteren unvermeidlichen Schlacht aus." Mit einem Seitenblick zu den Fischen bemerkte sie. "Vielleicht hätte ich sie Dar und Jose nennen sollen... was denken sie?"

"Si." Entgegnete Maria lächelnd. "Dar, ich gehe in meiner Mittagspause auf die Bank... soll ich ihnen etwas mitbringen? In der Cafeteria gibt es heute Truthahn... und ich glaube, dass sie an diesem Wochenende genügend davon bekommen werden."

Die dunkelhaarige Frau lehnte sich zurück und verzog ihr Gesicht. "Nein... Danke... irgendwie spielt mein Magen heute verrückt… vielleicht hab ich gestern Abend etwas verkehrtes gegessen." Erklärte sie ihrer Sekretärin. Es war die Wahrheit. Seit dem frühen Morgen war sie nicht dazu fähig, mehr als eine Tasse Kaffee zu trinken, und nur bei dem Gedanken daran drehte sich ihr der Magen um. Sie schluckte heftig um die Übelkeit zu unterdrücken und seufzte. Es war eine schwere Woche gewesen, und was noch schlimmer war, sie hatte nicht viel von Kerry gesehen, die selbst bis über die Ohren in Arbeit steckte. Montag Abend hatte sie bis nach 23.00 Uhr in Sitzungen festgesessen und gestern Abend hatte sie sich zwingen müssen bei einem Geschäftsessen mit einem neuen Kunden von Jose teilzunehmen.

Daher ist sie an diesem Morgen schon recht früh bei Kerry aufgetaucht um sie abzuholen. Nun ja, okay, es war sehr früh... und sie wurde von verschlafenen grünen Augen begrüßt, die deutlich aufleuchteten als sie sie erkannten. Kerry hatte sie zurück ins Schlafzimmer gezogen und sie hatten eine Stunde mit Kuscheln verbracht, bevor die aufgehende Sonne sie daran erinnerte zum Flughafen zu fahren.

Seufzend sah Dar zu Maria auf. "Vielleicht mach ich einen Spaziergang nach unten und hol mir ein Mineralwasser oder so." Sie stand auf und streckte sich, dann legte sie ihre Jacke über ihre Schultern und machte sich auf den Weg zur Tür.

Am Fahrstuhl stieß sie mit Duks zusammen, der ebenfalls auf dem Weg nach unten war. "Guten Morgen." Begrüßte sie ihn und lehnte sich gegen Fahrstuhlwand. "Alles klar für die Sitzung heute Nachmittag?"

"Frag mich nicht." Duks rieb sich die Augen. "Seit den letzten zwei Tagen bin ich die Finanzen durchgegangen... ich kann dir nicht sagen, was für Kopfschmerzen ich habe." Beschwerte er sich mürrisch. "Wie steht's bei dir? Du weißt, das sie dich wegen dieser zusätzlichen Anlagen angreifen werden." Er betrachtete eingehend Dar's Gesicht und bemerkte die früher charakteristischen Falten und leichten Schatten unter den Augen, die in letzter Zeit durch einen deutlich entspannteren Gesichtsausdruck ersetzt worden waren. "Lass mich raten... du hast bereits alle Antworten."

Dar zuckte mit ihren Schultern. "Ich hab einige... und genug Ausflüchte um aus dem Rest das Beste zu machen..." Sie hielt die Tür auf, als sie das Erdgeschoss erreicht hatten. "Bist du auf dem Weg zur Cafeteria?" Erkundigte sie sich. "Ich spendier dir eine Tasse Kaffee... wie wär's?"

"So ein Angebot lehne ich niemals ab." Lachte Duks und ihr durch den Kassen-Gang folgend betrachtete er ihre Auswahl. "Keiner für dich??"

Die dunkelhaarige Frau winkte ab. "Muss mir einen Bazillus oder so eingefangen haben... mein Magen macht mir zu schaffen." Sie stellte die Flasche Mineralwasser ab, und zu der dampfenden Tasse in Duks Hand nickend reichte sie dem Kassierer einen Geldschein. Ihre Getränke nehmend gingen sie, abseits von der Menge die sich zu einen frühen Mittagessen versammelt hatte, zu einem Ecktisch. Dar bemerkte die ihr folgenden Blicke und erkannte das verschleierte Interesse darin. Träge fragte sie sich, welche Gerüchte diesmal die Runde machten. "Also." Sich auf ihre Ellbogen lehnend schraubte sie den Deckel von der Flasche und verzog ihr Gesicht als sie einen kleinen Schluck genommen hatte und dieser ihren leeren Magen erreichte. "Was denkst du, wird Jose versuchen?"

Einen Schluck von seinem Kaffee nehmend grübelte Duks über die Frage nach. "Er ist ruhig gewesen... zu ruhig." Sinnierte er. "Du gibst besser auf deine Rückendeckung acht, meine Freundin... ich glaube das du, was immer er auch vorhat, im Mittelpunkt stehen wirst."

Dar nickte. "Wahrscheinlich." Stimmte sie zu.

"Du machst keinen besorgten Eindruck." Bemerkte ihr Freund. "Meine Assistentin hat mitgehört wie zwei von Eleanor's blasierten Mädchen über Kerry gesprochen haben... es scheint so, das Eleanor davon überzeugt ist, sie auf ihre Seite zu ziehen zu können."

"Nun." Dar musste lächeln. "Sie kann es gerne versuchen... aber ähm..." Sie wedelte mit ihrer Hand. "Ich denke, dass ich mich recht gut auf ihre Loyalität verlassen kann."

Duks erwiderte das Lächeln. "Ein gutes Gefühl, oder?"

Der dunkelhaarige Kopf neigte sich fragend zur Seite. "Was... jemanden zu haben, der Eleanor's Interesse erweckt?"

Sanfte Augen betrachteten sie, als ein schwaches Grinsen Duks Lippen verzog.

"Oh." Dar spürte wie ein zartes Erröten an ihrem Hals hoch kroch und eingehend ihre Flasche betrachtend drehte sie sie in ihren Händen. Schließlich sah sie auf. "Ja... ja das ist es."

Er beugte sich nach vorne und senkte seine Stimme. "Dar... bitte glaub mir, wenn ich sage, das ich mich so... so sehr... für dich freue." Er beobachtete wie ihre Augen mit sichtbarem Unbehagen durch den Raum huschten. "Ich mag sie wirklich... ich denke, das du diesmal die richtige herausgepickt hast." Hellblaue Augen konzentrierten sich auf ihn. "Ein Hauptgewinn." Bemerkte er zwinkernd.

Dar kaschierte ihre Verlegenheit indem sie einen großen Schluck von der sprudelnden Flüssigkeit nahm. Sie schätzte seine Einstellung, und Lou war seit vielen Jahren ein guter Freund, aber dennoch. Sie räusperte sich. "Es freut mich, das du dem zustimmst." Sie schaffte es einen fröhlichen Tonfall anzustimmen, doch sie wusste, das sich ihre Lippen zu einem hilflosen Grinsen verzogen und fühlte sich dabei peinlich bloßgestellt. Das Klingeln ihres Handys war eine willkommene Unterbrechung. "Entschuldige." Sie zog ihr Telefon heraus und klappte es auf. "Ja?"

"Hallo." In dieser Stimme lag ein Welt voller Anspannung.

"Hey." Erwiderte Dar, sich instinktiv beruhigend. "War der Flug in Ordnung?"

"Alles war prächtig bis wir am Flugsteig andockt haben." Bemerkte Kerry seufzend. "Ich ruf dich später an."

"Okay... nimm es auf die leichte Schulter." Entgegnete die dunkelhaarige Frau leise.

"Ich werde es versuchen." Kam als Antwort, und dann nach einer kleinen Pause. "Ich liebe dich."

Ihre Augen schließend verdrängte Dar ihre Umgebung. "Ich liebe dich auch." Bekannte sie klar und deutlich. "Wenn du irgendetwas brauchst, dann rufst du mich an, okay?"

Sie konnte das Lächeln durchs Telefon hören. "Das werde ich... Tschüss."

Dar klappte das Handy zusammen und als sie ihre Augen öffnete war sie dankbar, das Duks etwas furchtbar interessantes in seiner Kaffeetasse gefunden hatte, was ihr einen Augenblick zum Sammeln gab, bevor er aufsah.

In unbehaglichem Schweigen sahen sie sich eine kurze Weile an, dann lächelte der Direktor der Buchhaltung nachdenklich. "Weißt du Dar... in Momenten wie diesen... Momenten, in denen ich in uns etwas jenseits des tierischen sehe... da bin ich sehr nahe dran nachzugeben und an die Gnade von etwas höherem als mich selbst zu glauben."

Dann stand er auf, legte eine Hand auf ihre Schulter und drückte sie leicht, bevor er in das anschwellende Mittagessen-Geschnatter verschwand.

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"Ist das deins, Kerry?" Erschallte die Stimme ihrer Mutter in ihren Ohren und sie drehte sich herum.

"Ja… ich hab alles." Kerry langte hinüber, und den Griff schnappend hob sie die Reisetasche aus ihrer Sicherung und stellte sie neben ihre Füße. "Das ist alles... nur das und das Handgepäck." Sie befestigte den Riemen an die Ösen ihrer Sporttasche und warf alles über ihre Schulter. Seltsamerweise schien es leichter zu sein als gewöhnlich, doch sie schrieb das ihrer Nervosität zu. "Lass uns gehen."

"Musst du das tragen? Lass mich einen Kofferkuli holen, Liebes." Ihre Mutter betrachtete sie. "Du meine Güte, du hast zugenommen, oder?"

Kerry wickelte die Erinnerung von Dar's Stimme um sich wie eine bequeme Jacke. Eine mit Entenfedern von der alle Worte einfach abperlten. "Ja, das habe ich... danke... es geht mir großartig." Erwiderte sie. "Können wir gehen?"

Ihre Mutter sah aus als ob sie noch etwas sagen wollte, doch stattdessen nickte sie einfach. "Ja... ich wollte auf dem Weg noch in einem Laden gehen... ist das eine neue Jacke?"

Kerry bewegte leicht ihre Schultern. "Ja... es hat ein herausnehmbares Innenfutter..." Mit dem Wissen, das dies ihre Mutter ablenken würde öffnete sie eine Seite. "Gelegentlich gibt es bei uns einen kühlen Tag... dann kann ich das Futter einsetzen." Das fein strukturierte, schokoladenbraune Leder roch fantastisch und wenn sie konzentrierte, dann konnte sie einen Hauch von Dar's vertrautem Duft wahrnehmen.

Dar hatte sie fragend angesehen, als sie sie bat das Ding anzuziehen... die Ärmel reichten nur über die Hälfte der langen Arme ihrer Freundin, und das Material spannte an ihren breiten Schultern. Doch sie hatte es getan und sie ihr zurückgegeben, und dann vergnügt beobachtet wie Kerry ihre Nase darin vergrub und dann lächelte.

Und sie tat es wieder, während sie an den langweilig, braunen Granitwänden des Flughafens vorbeiging. Als sie aus dem Terminal in den bewölkten Novembertag hinaustraten, nahm sie einen tiefen Atemzug von der kalten Luft.

Eine leichter Nieselregen sprühte sie ein, als Kerry sich umblickte und die graubraune Landschaft betrachtete, wo die Bäume bereits ihre Blätter und das Gras seine Farbe verloren hatte. Kerry war schon so an die lebhaften Farben der Subtropen gewöhnt... das es ihre Augen befremdete, ja beinahe seltsam vorkam. Sie folgte ihrer Mutter zum Wagen, wo ein Fahrer wartete und die Tür öffnete als sie sich näherten. Er nahm Kerry's Taschen und sie stieg nach ihrer Mutter ein, und nachdem sie ihre Laptoptasche zwischen sich und der Wagentür deponiert hatte, lehnte sich in den weichen Sitz zurück und verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust.

Ihre Mutter sprach mit dem Fahrer und sie ließ ihre Gedanken zum frühen Morgen zurückdriften, bevor sie und Dar die Wohnung verlassen hatten. Dar betrachtete die Lithographie eines Sonnenuntergangs in ihrem Wohnzimmer, als sie aus dem Schlafzimmer kam und ging zu ihr.

"Dar... ich..." Sie hielt etwas in ihrer Hand. "Nach diesem Einbruch... ich... würdest du etwas für mich aufbewahren?"

Verdutzte blaue Augen wandten sich ihr zu. "Sicher."

Sie hatte ihre Hand ausgestreckt und reflexartig streckte auch Dar ihre Hand aus, und sie legte ein kleines rundes Objekt in die Handfläche. "Er gehört schon seit einer Ewigkeit meiner Familie... meine Großtante hat ihn mir gegeben."

Es war ein antiker Ring mit zarten, filigranen Linien und einer kaum sichtbaren Inschrift. Es war ein recht einfaches Design, ein Vogelkopf im Profil auf einem dunkleren Hintergrund, doch sie hatte ihn immer geliebt. "Gib auf ihn acht, bis ich ihn wiederhaben möchte, in Ordnung?" Hatte sie Dar gebeten.

Lange Finger hatten sich liebevoll darum geschlossen. "In Ordnung." Und Dar hatte verstanden, was Kerry ihr damit sagen wollte, indem sie ihr etwas gab, das so wichtig für sie war.

"Kerry?"

Sie sah zu ihrer Mutter. "Entschuldige? Ich war gerade mit meinen Gedanken wo anders."

Mama Stuart war eine dünne, aristokratische Frau mit verkniffenen Gesichtszügen und welligem, silberbraunem Haar. Ihre Augen hatten das gleiche Grün wie Kerry's, doch das war auch alles an Ähnlichkeit und außerdem war sie einige Zentimeter größer als ihre älteste Tochter. "Jetzt hör mir zu, Liebes... ich will, das du mir versprichst, nicht mehr von dem Blödsinn zu reden in Miami zu bleiben... dein Vater hat eindeutige Pläne mit dir, und ich will nicht, das er sich während der Feiertage aufregt."

Kerry starrte sie nur an. "Mutter, ich habe kein Problem damit meinen Mund zu halten... solange du verstehst, das ich keinen Absicht habe hierher zurück zu kommen."

Ihre Mutter seufzte. "Kerry... ich verstehe nicht, was in dich gefahren ist."

"Vielleicht bin ich nur erwachsen geworden, Mutter." Erwiderte Kerry in einem freundlicheren Ton. "Ich bin siebenundzwanzig... ich denke, das ich eine Recht auf ein eigenes Leben habe."

"Es geht darum, was das Beste für dich ist, Kerry... warum kannst du das nicht verstehen?" Erwiderte ihre Mutter nun aufgebrachter. "Du bist dort unten an einem gefährlichen Ort, ohne deine Familie in der Nähe... was, wenn dir etwas zustößt?"

Nun ja, lass mal sehen… ich hab mir den Kopf angeschlagen und das brachte mir einen persönlichen Besuch von einer Vizepräsidentin der Gesellschaft ein. "Ich habe dort unten eine Menge Freunde..."

"Freunde sind keine Familie, Kerrison... du weist das... und was ist mit Brian?"

Ein weiterer Punkt. "Was ist mit ihm?" Fragte sie, ihre Mutter anblickend.

"Liebling... du wirst ihn im Frühling heiraten... oder hast du das vergessen?" Erwiderte ihre Mutter nun noch aufgebrachter.

Zeit in den sauren Apfel zu beißen. "Mutter, ich mag Brian sehr... und er ist schon immer einer meiner besten Freunde... doch wir haben seit August nicht mehr miteinander gesprochen... ich glaube einfach nicht, das wir noch viel Gemeinsamkeiten haben."

Ihre Mutter starrte sie schockiert an. "Wage dich nicht so was zu sagen." Fuhr sie sie an. "Wage es nicht... weißt du wie lange wir das geplant haben?" Entgegnete sie, während sie mit ihrer Handtasche herumspielte und sie auf und zu machte. "Das sagst du deinem Vater besser nicht."

Ihre Augen schließend lehnte sich Kerry zurück. "Fein."

"Nenn mir einen guten Grund, warum ihr beide nicht heiraten könnt." Fuhr ihre Mutter fort. "Das ist lächerlich."

Ich könnte ihr die Wahrheit sagen. Sinnierte Kerry. Nun ja, Mutter... hier ist ein guter Grund… ich bin lesbisch und hoffnungslos in meine Chefin verliebt, die wesentlich besser aussieht als Brian. Nicht zu erwähnen, das sie höllisch gut küssen kann. Sie sah zu Ihrer Mutter und beschloss, das im Augenblick ein Herzanfall nicht die beste Idee war... "Mutter... lass uns später darüber reden... in Ordnung?"

Die Hände der älteren Frau zitterten. "Du hast mich sehr verärgert."

Kerry seufzte und sah aus der Seitenscheibe auf die wintergrauen Baumreihen. Es sah so aus, als ob es ein sehr, sehr langes Wochenende werden würde.

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Dar beschloss, das es zu ruhig war. Sie schloss die Tür ihres Apartments hinter sich und begab sich ins Wohnzimmer, legte ihre Sporttasche auf die Couch und atmete aus. Sie war müde, da sie die letzten drei Stunden im Fitnessstudio mit dem einstündigen Training des Anfängerkurses und einem anschließenden zweistündigen Training mit John verbracht hatte, wobei sie ihrem Körper wahrscheinlich ein bisschen mehr zugemutet hatte, als er im Augenblick verkraften konnte.

Jedoch eine angenehme Überraschung war, das sie nicht so eingerostet war wie sie befürchtet hatte, und am Schluss des Trainings hatte sie sogar eine erstaunliche Trittkombination fertiggebracht und den armen John mit seinem Hintern auf die Matte geschickt.

Es war ein verdammt gutes Gefühl... wenn man betrachtete, das der Mann fünf Jahre jünger war als sie und zudem noch besser in Form war. Ein schwaches Lächeln verzog ihre Lippen. Sie hatte fast vergessen, wie sehr sie dieses Gefühl liebte. Wie sehr sie die körperliche Herausforderung und die befriedigende Befreiung einer aufgestauten Aggression mochte, was ihr ein wesentlich entspannteres Gefühl verlieh.

Aber nicht völlig. Da gab es noch immer dieses besorgniserregende Gefühl in ihrem Magen, das den Namen Kerry trug, und sie fragte sich, wie schon den ganzen Tag über, wie es ihrer Freundin erging. Ihre Schultern dehnend, um die Verspannung, die sich dort während der Heimfahrt gebildet hatte zu lösen, stapfte sie seufzend in die Küche und während sie einen Blick auf ihr Terminal warf, nahm sie einen Becher aus dem Schrank. Mail. Natürlich. "Mail lesen." Sie goss Milch in den Becher und fügte Schokolade hinzu.

"Mail, sechzehn Nachrichten, drei dringend."

"Es ist ein Tag vor Thanksgiving… was zum Teufel könnte denn so dringend sein?" Fragte sich Dar bitter, während sie ihren Becher in die Mikrowelle stellte und das Gerät anschaltete. "Anzeigen."

Die Liste erschien und sie überflog sie. "Lies sechs."

Gesendet von: Stuart, Kerry - Zeit: 18:00 Uhr

Hallo.

Sie irren sich alle, Dar... Die Hölle ist keine feurige Grube. Sie ist ein zweistöckiges Herrenhaus in Michigan. Ich bin erst seit sechs Stunden hier, und habe schon das Verlangen jeden umzubringen. Meine Schwester wird gleich hier sein, danach findet das erste Familienessen statt. Mein Glück, das Brian erst morgen herkommt.

Bislang jetzt haben wir noch nicht über die Situation gesprochen... jedoch für alles andere bin ich bereits kritisiert worden... noch eine von diesen Bemerkungen, und ich könnte mich vergessen.

Du fehlst mir. Oh Mann, das hört sich albern an, oder? Nun ja, ich geh mich jetzt umziehen... ich könnte, nur um meine Eltern zu ärgern, dieses Navy-Sweatshirt von dir anziehen. Ich muss mir meinen Spaß holen, wo ich ihn bekommen kann, richtig? Wünsch mir Glück.

K

"Rückantwort." Sagte Dar leise.

Hey... ich bin froh, das du mir eine Nachricht geschickt hast. Ich denke schon den ganzen Tag an dich, und habe mich gefragt wie die Dinge laufen." Dar hielt inne als die Mikrowelle bimmelte, und nahm den Becher heraus. "Ich bin gerade nach Hause gekommen... ich hab heute Abend diesen Kurs unterrichtet... hab dich dort vermisst.

Sie nahm einen Schluck.

Dann hab ich zwei Stunden lang mit John trainiert, und mein lieber Junge, ich spüre es ganz schön... ich nehm jetzt meine heiße Schokolade und setzt mich für eine Weile in den Whirlpool.

Sie lächelte zum Monitor.

Ich wünschte, du wärst hier bei mir.

"Senden." Dar beobachtete wie die Mitteilung abgesandt wurde und kontrollierte dann den Rest der Liste. "Lies zehn."

Gesendet von: Rosenthal, Les - Dringend - Zeit: 21:56 Uhr

Dar -

Was zum Teufel ist das denn:

»Beigefügte Mitteilung«

Mr. Roesanthal,

Im Interesse einer förderlichen und fortbestehenden, hervorragenden Beziehung zwischen unseren beiden Gesellschaften, sehe ich mich gezwungen, sie auf ein Vorkommnis hinzuweisen und hoffe, das sie dieses in angemessener Weise behandeln werden.

Während des Aufenthaltes an einer unserer Einrichtungen in diesem Monat, wurde eine ihrer leitenden Angestellten bei einer unangebrachten Beziehung zu einer Untergebenen beobachtet, und wir sind besorgt, dass diese Handhabung von Disziplin und Präsentation in ihrer Gesellschaft kein gutes Bild abgeben könnte.

Überprüfen sie bitte die Anlage nach ihrem Gutdünken und Handeln sie so, wie sie es für angemessen betrachten.

Michelle Graver

»Ende beigefügte Textmitteilung«      »Foto1.jpg« »Foto2.jpg« »Foto3.jpg«

Dar atmete aus. Miststück. "Rückantwort."

Hallo Les.

Nachdenkend hielt sie einen Moment inne.

Was das zum Teufel das ist? Michelle Graver wollte mit mir schlafen, und ich wollte nicht.

Sie trommelte mit ihren Fingern auf die Arbeitsplatte.

Wir haben diese Bilder bereits... sie erscheinen diesen Monat im Abteilungsrundschreiben... und außerdem wollten sie sowieso ein Foto von meiner neuen Assistentin sehen. Gibt es da ein Problem?

Sie überflog sie beigefügten Bilder.

Mir gefällt das Mittlere am besten.

"Senden." Einen Moment kochte in ihr die Wut, dann lächelte sie. "Verfassen eines Schreibens an meisner@disney.com."

"Bereit."

Mr. Eisner,

Zuallererst wünsche ich ihnen und ihrer Familie ein glückliches Thanksgiving. Vor nicht allzulanger Zeit hatte ich, während einer geschäftlichen Sitzung, das Vergnügen ihre Einrichtung in Orlando besuchen zu dürfen, und ich möchte ihnen ein Kompliment für die Qualität ihres Produktes machen, und ihnen mitteilen, wie sehr ich meinen Besuch dort genossen habe.

Um eine Sache mache ich mir allerdings Sorgen, es handelt sich um ihr Aufnahmesystem, das sie anscheinend für ihre Überwachungskameras verwenden. Wie sie aus den beigefügten Beispielen ersehen können, ist die Körnigkeit recht grob und die Justierung der Autofokus-Einrichtung scheint um mehrere Grad verstellt zu sein. Da wir ein System für den Betrieb und die Regelung dieser Kameras herstellen würde ich gerne die Gelegenheit wahrnehmen, und ihnen ein Angebot über ein neues, für sie zugeschnittenes System, unterbreiten.

Danke für ihre Zeit, und richten sie doch bitte ihrer ausgezeichneten Managerin dort, Michelle Graver, die so freundlich war und mir diese Bilder zugeschickt hat, einen Dank aus.

Mit besten Grüssen

Dar Roberts

Am Schluss fügte sie ihre Signatur hinzu. "Senden."

Du willst mir eins auswischen, ja? Leck mich am Arsch, Michelle. Knurrte Dar in sich hinein. Sie checkte die beiden anderen dringen Nachrichten von Duks und Mariana, welche beide den gleichen Inhalt hatten, und es sah so aus, als ob Mariana die Original Nachricht kopiert hatte.

"Mitteilung an Lou Dreafus." Dar kicherte.

Duks... entspann dich, und sag Mariana sie soll sich ebenfalls entspannen... es hat sich erledigt... Fröhliches Thanksgiving.

Sie schüttelte ihren Kopf. "Senden." Sie fragte sich kurz, warum sie sie nicht einfach angepiepst oder auf dem Handy angerufen hatten, dann fiel ihr ein, das sie das verdammte Ding im Fitnessstudio ausgeschaltet hatte.

"Eingehende Netmeeting-Anfrage von Les R." Zwitscherte der Computer.

Scheiße. "Einschalten." Dar lehnte sich gegen die Arbeitsplatte.

Les befand sich in seinem Arbeitzimmer und bei dem Anblick seines grellorangenen Pullovers zuckte sie beinahe zusammen und wollte schon den Kontrast an ihrem Monitor korrigieren. "Guten Abend, Les."

Er stütze sein glattrasiertes Kinn auf einer Hand ab. "Sie wollte mit ihnen schlafen?"

Dar kicherte. "Das hatte sie vor, ja... zuerst dort unten, und dann als sie neulich für einen Besuch hier war."

"IST sie hässlich?" Wollte Les wissen.

"Nein... sie sieht recht gut aus, warum?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau.

Les blinzelte sie an. "Ich wusste nicht, das sie wegen so was jemals Skrupel hatten... was ist los?" Er beugte sich nach vorne. "Sie könnte Schwierigkeiten machen... wenn es zur Verlängerung des Vertrages kommt."

Dar starrte ihn an. "Ich bin nicht ihre Firmenhure, Les." Fuhr sie ihn an. "Also nehmen sie ihre Vermutungen, und schieben sie sich in ihren Hintern."

Eine Hand hob sich. "Mann... oh Mann... immer mit der Ruhe, Tiger." Beschwerte sich Les. "Sie sind diejenige die immer damit geprahlt hat, Lady... wie ich mich erinnere, haben sie es sogar mir angeboten."

Betreten musste Dar eingestehen, das es die Wahrheit war. "Vielleicht bin ich für diesen Mist einfach zu alt geworden." Gab sie versöhnlich zu. "Oder vielleicht bin ich inzwischen nur klüger."

Les lächelte spitz. "Ich wäre für das Zweite... sie haben in den letzten Jahren eine Menge dazugelernt... und ehrlich, Dar... wenn diese Frau nicht schlau genug ist, sie zu überlisten, ohne mit ihnen ins Bett zu steigen... dann zum Teufel mit ihr... dann schafft sie es auch nicht im Sitzungssaal mit ihnen zurechtzukommen."

Dar entspannte sich ein wenig. "Entschuldigung... es war ein langer Tag. Ich bin gerade nach Hause gekommen und musste mich mit diesem Mist rumschlagen." Entschuldigte sie sich indirekt.

"Mm." Les verschränkte seine Hände auf dem Schreibtisch. "Nun ja, ich wollte ihnen nur mitteilen, das sie sich um die ganze Sache keine Sorgen machen müssen... ich habe eine Erwiderung abgeschickt und gefragt, warum Fotos von zwei Touristen besorgniserregend sein sollen... und das sie sich auf meine Veranlassung hin dort ein paar Tage frei genommen haben, und was ihr Problem damit sei?" Er hielt inne. "Nur in einem etwas freundlicheren Ton."

"Danke." Erwiderte Dar leise.

"Kein Problem, Dar... sie sind eine wertvolle Mitarbeiterin, und auch wenn ich es nicht oft sage, so schätze ich doch alles was sie für mich tun, das wissen sie doch, oder?"

Dar nickte. "Ich weiß."

"Süßes Kind."

Dunkle Augenbrauen zogen sich zusammen. "Was?"

"Ihre Assistentin."

"Oh... ja richtig. Kerry. Klar." Dar winkte ab. "Sie ist in Ordnung... manchmal eine bisschen zu nett, aber... sie ist neu."

Les nickte. "Sie werden das ändern." Bemerkte er blinzelnd. "Nun ja, ein fröhliches Thanksgiving, Dar... bleiben sie zu Hause?"

Ich werde das ändern? Nein... sie verändert mich. Gestand sich Dar ironisch ein. "Nein... ich fliege morgen früh... am Sonntag werde ich wieder zurück sein."

"Bis dann..." Les winkte freundlich und dann trennte sich die Verbindung.

Ihren Kopf schüttelnd nahm Dar ihren Becher und ging ins Wohnzimmer. Sie stellte ihn ab, ging dann ins Badezimmer, wo sie ihren Badeanzug anzog und warf sich ein Handtuch übers Genick. Augenblicke später lag sie bis zu ihrem Hals in sprudelndem, beruhigendem Wasser und betrachtete den Sternenhimmel über ihrem Kopf.

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Kerry sah zu wie die Mail abgeschickt wurde, dann schloss sie ihr Laptop und ging zum Bett auf dem ihr Koffer lag. Seufzend setzte sich daneben, öffnete den oberen Reißverschluss und nahm das Sweatshirt heraus, das sie zuletzt einpackt hatte. Als sie es herauszog blieb ein Gegenstand daran hängen und verwirrt griff sie danach.

Es war ein kleines, blaugrünes Stofftier das ihr irgendwie bekannt vorkam. "Wo hab ich dich schon gesehen?" Grübelte sie, den winzigen Salamander beäugend. "Oh... ich erinnere mich... du warst im Rainforest... aber wie bist du hierher gekommen?" Sie sah zu dem Koffer und erinnerte sich wer ihn vor der Fahrt zum Flughafen in den Fond des Wagens gelegt hatte. "Oh... bist du Tantchen Dar nach Hause gefolgt?"

Der Salamander blinzelte ihr zu. Kerry gab ihm einen Kuss auf die Nase und bemerkte Dar's vertrauten Duft auf dem Stoff. Sie legte ihn in den Koffer zurück als es leise an der Tür klopfte und blickte auf. "Herein."

Die Tür öffnete sich und sie war erleichtert das Gesicht ihrer Schwester zu sehen. "Hallo."

"Selber Hallo." Angela schlüpfte hinein und ging zu ihr. Ihre Arme ausbreitend stand Kerry auf und lächelte als ihre Schwester ihre Arme und sie schlang und sie umarmte. "Ich wette, das du froh bist ein freundliches Gesicht zu sehen."

"Oh... das kannst du laut sagen." Seufzte Kerry und ließ sie los.

"Lass dich ansehen." Ihre Schwester blieb in Armlänge vor ihr stehen und betrachtete sie eingehend. "Mom hat sich gar nicht mehr eingekriegt, wie sehr du zugenommen hast, aber du meine Güte, Kerry... du siehst fantastisch aus."

Eine solche Reaktion nicht erwartend leuchteten Kerry's Augen überrascht auf. "Glaubst du?"

"Mein Gott, ja..." Erwiderte Angela lächelnd. "Ich dachte sie meint... du treibst Sport, oder nicht? Und sieh dir nur diese Sonnenbräune an!"

Kerry schmunzelte. "Klar... ich verbringe jeden Sonntag auf dem Wasser... ich hab noch immer etwas Sonnenbrand." Gab sie zu. "Und ich habe sehr viel an der frischen Luft und im Fitnessstudio gemacht... ich war wirklich fleißig."

"Das sieht man... jetzt erzähl mit etwas über deinen neuen Job." Angela setzte sich aufs Bett während Kerry ihre kurzärmlige Bluse aus ihrer Jeans herauszog und anfing sie aufzuknöpfen. "Ich habe Dad sagen gehört, das deine Chefin neulich tatsächlich in deiner Wohnung war!"

"Nun ja..." Kerry legte ihre Bluse zusammen und legte sie weg, dann zog sie das dunkelblaue Sweatshirt über ihren Kopf. "Es gefällt mir wirklich... ich lerne eine Menge und es gibt so viele Möglichkeiten... ich habe ein großes Büro mit einem Fenster, und tolle Sozialleistungen... es ist fantastisch." Sie drehte sich herum und setzte sich neben Angela. "Und ich mag meine neue Chefin wirklich... sie... ähm... sie hat mein Interesse für viele Dinge geweckt."

"Wirklich? Wenn man Dad so reden hört, hätte ich gedacht das es schwer wäre für sie zu arbeiten." Bemerkte ihre Schwester. "Obwohl ich froh bin, das du sie magst." Sie lehnte sie näher heran und senkte ihre Stimme. "Also... du hast jemanden gefunden, ja?"

Kerry sah sie kurz an. "Wie kommst du darauf?" Entgegnete sie vorsichtig.

"Mm... lass mich nur soviel sagen, ich bin deine Schwester, okay?" Erwiderte Angela lächelnd. "Komm schon, spuck's aus... hast du Fotos mitgebracht?"

Kerry studierte ihre verschränkten Hände. Von ihrer gesamten Familie war ihre Schwester die einzige, bei der sie zumindest versucht hätte es ihr zu erzählen. Paradoxerweise war Angela doch auch die einzige Verbündete die sie hier hatte, und es bestand die Möglichkeit, das dies alles zerstören würde. Keine guten Aussichten. "Ach, du willst es bestimmt nicht hören."

Ihre Schwester war sprachlos. "Was meinst du?" Fragte sie verwirrt. "Natürlich, will ich es wissen... ich konnte es kaum erwarten das du hier ankommst."

"Es ist... nicht was du denkst." Fing Kerry sehr vorsichtig an. "Es ist nicht, was du erwartest."

Angela sah wieder zur Tür und legte dann ihre Hände über die ihrer älteren Schwester. "Ker... was immer es auch ist, du kannst es mir sagen. Ich bin deine Schwester, denk daran." Innehaltend betrachtete sie Kerry's verschlossenen und regungslosen Gesichtsausdruck. "Hast du schließlich rausgefunden, das du Mädchen magst, und keine Jungs?"

Vollkommen schockiert und mit aufgerissenen Augen sah Kerry zu ihrer Schwester. Einen Augenblick lang konnte sie nicht sprechen. "Du wusstest es?"

"Kaum zu glauben." Angela musste über ihren Gesichtausdruck lachen. "Schließ deinen Mund... du lockst die Mücken an." Sie drückte Kerry's Hände. "Hör zu... ich hätte schon früher mit dir darüber reden sollen... ich war nur... ich weiß nicht... vielleicht hinderte mich die Indoktrination, der wir während unserer Jugend ausgesetzt waren."

Eine Mischung aus Erleichterung und Schock fühlend hob Kerry eine Hand und rieb sich ihre Schläfe.. "Ich..."

"Hey... nimm's leicht." Angela schlang einen Arm um ihre Schultern. "Nur weil ich ein eintöniges Leben führe, bedeutet das nicht, das ich keine Gehirn habe, Schwesterherz."

"Ich weiß... ich..." Kerry lachte halbherzig. "Ich hatte nur eine andere Reaktion erwartet."

Angela seufzte. "Ich weiß... doch Richard hat letztes Jahr diesen Computer gekauft... und weißt du, er ist nie zu Hause? Nun ja, ich habe mir selbst beigebracht wie man im Internet surft... das hat mich tatsächlich dazu gebracht bei einer Menge von Dingen eine ganz neue Denkweise an den Tag zu legen."

Ihre Schwester lächelte süßsauer. "Die Wunder der modernen Technologie."

"Also... hast du nun Fotos mitgebracht?" Erkundigte sich Angela mit hochgezogener Augenbraue.

Einen Moment sah Kerry sie eingehend an, dann stand sie auf und ging zu ihrer Laptoptasche, öffnete den Reißverschluss des Dokumentenfachs und holte eine Aktenmappe heraus. Mit einem angespannten Lächeln reichte sie ihn ihrer Schwester. "Das ist sie."

Erfreut nahm Angela die Aktenmappe, schlug sie auf und sah sich prüfend die darin befindlichen Fotos an. Kurz darauf sah sie zu ihrer Schwester auf. "Meine Güte... sie ist großartig."

Kerry spürte wie ein Grinsen ihre Lippen anspannte. Sie setzte sich wieder aufs Bett und schielte über Angela's Schulter. "Oh ja, das ist sie... nicht wahr? ...Ich liebe das hier." Es war eine hübsche Aufnahme von Dar auf dem Boot, wo sie im Bug an der Außenseite der Kajütenwand lehnte, ein Knie war angewinkelt und die Wassertropfen auf ihrer Haut glitzerten im Sonnenlicht. Der Badeanzug überließ nicht sehr viel der Fantasie, und wenn man seinen Blick davon losriss, sah man auf ihr Gesicht und wurde von diesen erstaunlichen hellblauen Augen gefesselt.

"Oh Mann." Angela drehte es herum und sah sich das nächste an, ein Bild von der Aussicht des Apartments. "Wo ist das?"

Kerry räusperte sich. "Ihre Wohnung... das Boot gehört auch ihr." Sie warf ihrer Schwester einen recht schrägen Blick zu. "Es ist eine Privatinsel an der Spitze von South Beach."

Ein leiser Pfiff. "Toll... Wo hast du sie kennen gelernt?"

Eine verlegene Pause. "Ähm... sie ist... meine Chefin."

Völlig perplex sah Angela sie an. "Das ist Dar?"

Kerry nickte. "Oh ja... ich weiß, das es sich seltsam anhört… aber es hat uns beinahe seit unserer ersten Begegnung erwischt... ich meine, es war eine tolle Gelegenheit ihre Assistentin zu werden, und zuerst habe ich... ich dachte es wäre nur von meiner Seite, verstehst du... nur eine alberne Schwärmerei."

Angela schüttelte ihren Kopf. "Weißt du Schwesterherz... stellvertretende Generaldirektorin der Gesellschaft, ein Boot, eine teuere Wohnung... außer einem kleinen Detail würde Dad einen Orgasmus bekommen, wenn du mit so jemandem involviert wärst." Sie schielte zu ihrer Schwester. "Wie ernst ist es?"

Kerry nahm das Bild, das sie sich gerade ansah, es war eines auf dem sie Dar tatsächlich dazu gebracht hatte zu lächeln. Reflexartig lächelte sie zurück. "Es ist ernst."

"Dir ist klar, das Dad ausrasten wird." Erklärte Angela leise. "Ich bin mir nicht sicher, ob du überhaupt etwas sagen solltest... vielleicht solltest du sie einfach für eine Weile hinhalten, und machen das du hier verschwindest."

Bevor Kerry antworten konnte, hörten sie die Stimme ihrer Mutter. "Mädchen! Kommt jetzt, das Abendessen ist serviert."

Die zwei Schwestern sahen sich an. "Danke für dein Verständnis." Sagte Kerry liebevoll zu der jüngeren Frau. "Du kannst dir nicht vorstellen wie viel mir das bedeutet." Sie stand auf. "Auf geht's... bringen wir es hinter uns."

Angela stand auf und umarmte sie. "Ker... was immer du auch tust... ich halte zu dir, okay?"

Kerry erwiderte die Umarmung. "Das Gleiche gilt umgekehrt auch... wie ich gehört habe werde ich wieder Tante."

Scharf Luft holend starrte ihre Schwester sie an. "Ja... aber das Baby ist nicht von Richard."

Kerry klappte der Kiefer runter. "Oh Junge." Murmelte sie.

"Mädchen!" Erschallte die leicht ungeduldige Stimme ihrer Mutter.

Angela lächelte gezwungen. "Wir reden später darüber."

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Kerry schob die Ärmel ihres Sweatshirts hoch und Angela fuhr sich mit ihren Fingern durch ihre lockigen braunen Haare, als sie Seite an Seite das Esszimmer betraten. Richard saß bereits neben ihrem Vater und Kerry hatte die Möglichkeit einen Blick auf sie zu werfen bevor sie selbst gesehen wurde.

Ihr Vater. Ein untersetzter Mann von mittlerer Größe mit silberfarbenem Haar, und einem akkurat gepflegten Schnur- und Backenbart, der ihm den Eindruck von ausgeprägter Macht verlieh. Neben ihm saß ihr Schwager Richard, der halb so alt wie er aber größer war, mit dünnen braunen Haaren und einem schroffen, aber leicht verschobenen Gesicht. Seine Nase war während seiner Football-Zeit mehrmals gebrochen, und niemals richtig begradigt worden.

Ihr Vater blickte auf und sie sehend, fixierte er sein Augen auf sie während er sich zurücklehnte.

Kerry rief sich das Bild von Dar in Erinnerung, als diese den feindlichen Sitzungssaal in Orlando betrat, und sie hob ihr Kinn ein wenig als sie den Parkettboden überquerte und sich auf einen der noch freien Stühle setzte. "Hallo, Richard." Bemerkte sie leise, während sich ihre Schwester auf den Stuhl neben sie setzte. "Dad."

"Schön dich zu sehen, Ker." Richard schenkte ihr ein freundliches Lächeln. "Nettes Shirt."

"Wusste gar nicht das es dort unten einen Navy-Stützpunkt gibt..." Kommentierte ihr Vater. "Du siehst... gesund aus... Kerrison."

Kerry lächelte ihn direkt an. "Danke... und nein, es gibt dort keinen Stützpunkt... eine Freundin hat es mir geschenkt." Sie nahm ihre Serviette, öffnete sie und legte sie akkurat auf ihren Schoss. "Wie laufen die Dinge bei dir?"

"Recht gut... du weißt wie das mit Aktien ist." Richard lachte kurz. "Mal bist du oben, mal bist du unten... im Augenblick versuchen wir durchzuhalten, während der internationale Kram den Bach runter geht." Er schielte zu ihr. "Wir haben hier nicht die Möglichkeit den ganzen Tag draußen in der Sonne zu sitzen, wie ihr Burschen dort unten in Miami."

Die Spöttelei akzeptierend schob Kerry ihr Haar hinter ihr Ohr. "Es hat zweifellos seine Vorteile." Stimmte sie fröhlich zu. "Letzten Sonntag war ich im Meer schwimmen... es war wundervolles Wetter."

"Ich dachte, das dein Job dich so sehr in Anspruch nimmt." Schnaubte ihr Vater.

"Das stimmt." Erwiderte seine Tochter. "Ich bin schon vor 8 Uhr im Büro und normalerweise gehe ich nicht vor 19 Uhr... danach geh ich gewöhnlich ins Fitnessstudio oder in meinem Wohnkomplex Rollerbladen."

"Wie ich gehört habe arbeitest du auch Samstags." Bemerkte Roger Stuart seine Tochter anstarrend.

"Gelegentlich." Erwiderte Kerry. "Das hängt davon ab an welchem Projekt ich gerade arbeite." Sie sah auf als ihre Mutter hereinkam und sich hinsetzte. "Falls es nötig ist kann ich meine System zu Hause mit dem im Büro verbinden."

Ihr Vater grunzte. "Ich hörte, das deine Chefin dich besucht."

Keine Skrupel direkt zum Punkt zu kommen, obwohl noch nicht mal die Suppe serviert ist, wie? Seufzte Kerry innerlich. "Sicher... an einigen Dingen arbeiten wir sehr eng zusammen... und weiß du was, trotz aller Geschichten, die ich über sie gehört habe, mag ich Dar wirklich."

Ihre Schwester verkniff sich ein Lächeln.

Senator Stuart sah auf, als seine Suppe vor ihn hingestellt wurde, dann nahm er seinen Löffel und richtete ihn auf sie. "Das ist eine gefährliche Frau... du hältst dich besser von ihr fern." Er nahm einen Löffelvoll und kostete. "Mehr Pfeffer, verdammt."

Wortlos reichte ihm Angela den Salz- und Pfefferstreuer.

"Das kann sie sein, das ist wahr." Erwiderte Kerry auf seinen Kommentar. "Aber meines Erachtens kann ich mich glücklich schätzen diese Position bei ihr erhalten zu haben... und das ist der Hauptgrund, warum es für mich keinen Sinn ergibt das alles aufzugeben und fortzugehen." Sie versuchte ihre Stimme ruhig und sachlich zu halten. "Dieses Potential an Lern- und Aufstiegsmöglichen... finde ich hier nicht."

"Wozu brauchst du das?" Wandte ihre Mutter ein. "Wenn du verheiratet bist und dich hier niedergelassen hast... wozu ist es denn dann noch nötig?"

"Komm schon, Mutter... es ist eine tolle Gelegenheit." Widersprach ihr Angela. "Sobald Kerry diese Position länger inne hat, kann sie überall hingehen, und einen gleichwertigen Job auf diesem Niveau bekommen... natürlich hat sie den Wunsch das noch länger zu machen... ich wette, das sie eine Gehalterhöhung bekommen hat, oder hast du das nicht?"

Kerry blickte lächelnd zu ihrer Schwester. "Junge, das hab ich." Bemerkte die lachend. "Ich war überrascht... als sie mich übernommen haben dachte ich, sie würden mir das Gleiche zahlen wie vorher, aber nein... es war eine dreißigprozentige Erhöhung."

Sogar ihr Vater sah beeindruck aus.

"Aber darum brauchst du dir keine Sorgen machen." Hielt ihr ihre Mutter beharrlich entgegen. "Brian wird dir ein sehr gutes Leben ermöglichen, Liebes."

"Er ist gerade mit seinem Studium fertig, Mutter." Warf sich Angela in den Disput. "Es wird ein Weile dauern... und außerdem kann man niemals genug Geld haben, stimmt's Dad?"

Roger Stuart grunzte.

Es entstand eine unbehagliche Stille.

"Also... Wie steht's mit den Lions?" Fragte Richard mit erzwungener Fröhlichkeit. "Das war vielleicht ein Spiel neulich, was?"

Froh darüber das die Unterhaltung zu einem anderen Thema gewechselt hatte, stürzte sich Kerry auf ihre Suppe. So weit... so gut, doch wenn sie einen Blick auf dem verschlossenen Gesicht ihres Vaters warf, dann vermutete sie, das er bereits einen anderen Plan im Ärmel hatte. Zumindest war Kyle nicht hier, seufzte sie innerlich. Sein selbstzufriednes, arrogantes Gesicht sehen zu müssen, hätte das Abendessen noch unerfreulicher gemacht.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und Elena, die Köchin des Hauses, streckte ihren Kopf herein. "Ist hier alles nach ihren Wünschen, Gnädige Frau?"

Cindy Stuart sah auf. "Die Suppe ist ein bisschen fade, Elena, der Senator wünscht mehr Pfeffer darin."

Kerry nahm die Augen der Köchin gefangen und lächelte sie an. "Meiner Meinung nach ist es prima... ich habe ihre Kochkünste vermisst, Elena."

Die ältere Frau lächelte zurück. "Das freut mich zu hören, Miss Kerrison." Sie zog ihren Kopf zurück und schloss die Tür hinter sich.

Kerry nahm sich ein Brötchen von dem mit einer Serviette bedeckten Brotkorb und es aufschneidend genoss sie den vollen, warmen Duft und ignorierte den schockierten Blick ihrer Mutter als sie Butter draufstrich. "Wusstest du, das meine alte Firma die Computer der IRS [US-Finanzbehörde] betreut, Dad?"

Senator Stuart sah erstaunt zu ihr. "Was?"

Kerry nahm einen Bissen von ihrem Brötchen und kaute. "Mmhm... diese große Webseite, auf der sich die Leute Informationen und Formulare holen können."

"Was... willst du damit sagen, das sie ihre Steuererklärung selbst bearbeiten können?" Bemerkte Richard lachend. "Dazu war ich nicht mehr in der Lage, seit ich das College verlassen hatte."

Das kann ich mir denken. Kerry verkniff es sich ihre Augen zu verrollen. "Ich füll meine elektronisch aus... ich geh einfach auf die Übermittlungs-Webseite, füll ein paar Felder aus und drück die Sendetaste. Fertig." Sie nahm einen weiteren Bissen von ihrem Brötchen und einen Löffel von der Kartoffelsuppe. "Und die Rückerstattung wird automatisch auf mein Konto überwiesen."

"Ah... die Unkompliziertheit eines sorglosen Lebens." Entgegnete Richard lächelnd. "Warte bis du anfängst Geld anzulegen."

Kerry lächelte ebenfalls. "Das lass ich meinen 401K für mich machen, danke... wir haben eine Gesellschaft, die sich darum kümmert, sowohl um die Aktienoptionen... wie auch den Rentenfond." Sie kaute an ihrem Brötchen und schluckte. "Ich brauch mich nur um meine Arbeit zu kümmern, den Rest erledigen sie."

"Wow... das ist ein tolles Leistungspaket." Erklärte Angela, an ihrer Suppe nippend. "Das sind bessere Konditionen, als bei der vorherigen Firma."

Kerry nickte. "Sehr viel besser... andererseits ist es auch eine viel größere Gesellschaft... das Gebäude ist auch nett. Wenn es euch interessiert, ich habe Fotos dabei, die ihr euch später ansehen könnt." Sie leerte ihren Suppenteller. "Einschließlich einer Aufnahme aus meinem Bürofenster... wartet ab, bis ihr die Aussicht seht."

"Wie gewonnen, so zerronnen." Bemerkte ihr Vater. "Von dem, was ich von deiner Chefin gehört habe, könnte sie dich jederzeit rauswerfen." Er nahm sich ein Brötchen und biss ein Stückchen ab. "Ich mag ihr Geschäftsgebaren nicht, und wenn es das letzte ist was ich tue, so werde ich doch versuchen, sie aus unseren staatlichen Verträgen herauszuhalten."

Kerry biss sich auf ihre Zunge, um sich von einem Kommentar zu Dar's Verteidigung abzuhalten. "Erfüllt dieser Vertrag nicht was er soll."

Senator Stuart sah sie streng an. "Wie zum Teufel soll ich das wissen? Nach all dem Blödsinn den diese Leute daherlabern... ich weiß nur, dass wir um ein paar simple Dinge gebeten haben, und man erzählte uns das dies nicht möglich sei, und so etwas sagt mir niemand." Er schlug mit seiner Hand auf den Tisch. "Besonders nicht diese gottverdammte Klugschwätzerin."

Als Kerry sich weigerte darauf einzugehen entstand wieder eine unbehagliche Stille. Schließlich räusperte sich ihre Mutter. "Angela, erzähl uns etwas über den Kirchenbasar, den du neulich organisiert hast."

Sie beendeten ihr Essen, und mutig verwickelte Richard den Senator in eine Debatte über die Fischereirechte an der Küste, welche der ältere Mann als einen Teil seiner Arbeit überprüfte, während die beiden Hausmädchen, Mary und Elizabeth, schweigend den Tisch abräumten.

Sich zurücklehnend verschränkte Kerry ihre Arme über dem Bauch und sehnte sich nach einer Ausrede, den Tisch verlassen zu können. Deshalb drehte sie sich zu Angela, als diese ihre Serviette weglegte. "Wow... das war prima, nicht wahr... hast du Lust auf einen Spaziergang?"

Vergnügt verzog Angela ihre Lippen und nickte. "Klar... wir könnten zum See gehen... ich glaube, dass sie dort bereits angefangen haben, die Weihnachtsbeleuchtung anzubringen." Sie stand auf. "Richard, wir machen einen Spaziergang zum See... kann ich dich mit Daddy allein lassen?"

Ihr Ehemann sah sie verdutzt an. "Wie? Oh... ja... sicher, Liebling... geh nur... viel Spaß." Gönnerhaft tätschelte er ihr Knie. "Ich weiß, wie langweilig diese geschäftlichen Gespräche für dich sein müssen."

Kerry erhob sich, holte ihre Jacke aus dem Schrank, und klopfte gegen die Taschen um sicherzustellen, das sie ihr Handy dabei hatte. Dann nahm sie die Jacke ihrer Schwester vom Haken und reichte sie ihr, als sie an der Tür auf sie traf. "Danke." Flüsterte sie.

"Keine Ursache... dieser Mist langweilt mich." Erwiderte ihre Schwester leise. "Oh... nicht das ich der Meinung wäre, das Küstenrechte nicht wichtig wären, überhaupt nicht... doch ich hab jetzt das gleiche Argument schon sechsmal gehört... Richard hat etwas Geld in Fischereiaktien gesteckt und er glaubt, das er Daddy's Abstimmung bei den Maßnahmen beeinflussen kann."

Durch die Eingangshalle schlendernd gingen sie zur Haustür hinaus, schlossen sie gewissenhaft und verschwanden in eine klare, kalte Nacht. Kerry schloss ihre Jacke und als ihr Atem vor ihren Augen aufstieg kicherte sie leise. "Daran bin ich gar nicht mehr gewöhnt."

Angela sah sie an. "So schnell?" Frotzelte sie liebevoll. "Das alte Blut wird schnell dünn, wie?" Sie langte nach oben und schob ihr lockiges braunes Haar aus dem Gesicht.

"Das siehst du richtig." Gab ihre Schwester zu. "Mir gefällt es am Weihnachtsmorgen die Zeitung in einem T-Shirt zu holen." Sie versetzte einem Stein vor ihr einen Tritt, während sie sich vom Haus entfernten, und den Pfad nahmen der sie zum See führte. "Dar hat mir die lustigsten Geschichten über ihre erste Fahrt bei Schnee und Eis erzählt... es endete damit, das sie beinahe in einem Gully steckengeblieben wäre."

Angela lachte. "Das kann ich mir vorstellen... zum Teufel, bei meiner ersten Fahrt ist mir das auch beinahe passiert… und wenn ich mich richtig erinnere, hast du auch ein paar schreckliche Dinge angestellt." Sie stupste Kerry in die Schulter. "Erinnerst du daran als du die Kuh angefahren hast?"

Kerry schlug sich ihre Hände vor die Augen. "Oh... Gott... erinnre mich nicht daran... diese flehenden braunen Augen... es brauchte das komplette Diskussionsteam um den Wagen aus dem Feld zu ziehen und die Kuh aufzurichten." Seufzend rollte sie ihren Kopf von einer Seite zur anderen um ihre Nackenmuskeln zu entspannen. "Ich brauchte diesen Spaziergang... ich bin vielleicht vollgestopft."

Ihre Schwester kicherte. "Hast du das nur gemacht, um Mom auf die Palme zu bringen?" Erkundigte sie sich. "Ich dachte sie bekommt einen Herzanfall, als sie beobachtet hat was du alles in dich hineingestopft hast."

Kerry lachte überrascht auf. "Nein... das war wirklich nicht meine Absicht... ich hatte nur Hunger. Außer ein paar Erdnüssen gab es in dem Flugzeug nichts, und zum Essen war ich heute Morgen zu nervös." Um die Wahrheit zu sagen, hatte sie, ohne es zu bereuen, ihre Zeit zum Frühstücken gegen Kuscheln eingetauscht. "Ich hätte daran denken sollen, ich meine an Mom, aber..." Sie seufzte. "Ich nehme an, das ich im letzten Monat mit meiner Selbstverleugnung aufgehört habe." Am Tisch ihrer Mutter gab es immer nur winzige Portionen, erinnerte sie sich im nachhinein. Keinen Nachschlag und nur winzige Bissen. Na ja. "Ein Sargnagel mehr, richtig?"

Angela lachte. "Meiner Meinung nach, war es großartig... ich hab dich seit unserer Kindheit nicht mehr so essen sehen... und um ehrlich zu sein, Schwesterherz... als ich dich das letzte Mal gesehen hab, hatte ich den Eindruck... das du wirklich zu dünn warst."

"Mm... das sagte Dar auch." Bekannte Kerry sachlich. "Und... das haben mir auch all meine Freunde gesagt... und ich denke, das ich es tief in meinem Inneren wusste, doch... ich machte weiter wie vorher... ich dachte, das es sich nicht lohnen würde, etwas dagegen zu tun." Gab sie seufzend zu.

"Ich hab das Mom gesagt... doch sie hat mich mit dieser eigenartigen, spartanischen Mentalität abgewimmelt." Bemerkte Angela sarkastisch. "Also... wie hat es Dar geschafft, dich zu überzeugen?"

Kerry lächelte. "Mich überzeugt? Sie hat mich unterminiert." Erklärte sie lachend. "Nachdem ich angefangen hatte in dem Gebäude zu arbeiten, fand ich immer diese Plätzchen und Gott weiß was noch auf meinem Schreibtisch... und schließlich hab ich sie zur Rede gestellt, und sie in etwa gefragt, was soll das Dar?"

Sie griff nach unten, hob einen Stein hoch und warf ihn auf die Seite. "Dann sagte sie mir, sie wäre besorgt, das es mich aus dem Fenster wehen würde, wenn sie im Obergeschoss die Sturmtüren öffneten... ich meine, sie war irgendwie recht niedlich mit ihrer Verlegenheit und so... also..." Kerry zuckte mit ihren Schultern. "Irgendwie hab ich mich überwunden." Erinnerte sie sich. "Es war... härter als ich zuerst dachte, ich wollte dumme Sachen machen... wie etwa, mich nach dem Essen zu übergeben... doch mein Verstand setzte ein und ich hab es nicht getan... und dann sind wir nach Disney World geflogen, wo ich das, selbst wenn ich gewollt hätte, nicht hätte machen können, da Dar praktisch jede Minute mit mir zusammen war, und danach..." Sie kicherte leise. "Zudem hatte ich seitdem viel mehr Energie... ich meine, davor bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen... war dann ein oder zwei Abende mit Colleen zum Skaten draußen, doch überwiegend hab ich mich einfach hingelegt weil ich so müde war... jetzt ist das anders... ich geh entweder ins Fitnessstudio, oder Rollerbladen, oder ich bin mit Dar unterwegs... oder... nun ja, ich bin kaum noch müde."

"Übrigens, falls ich es dir noch nicht gesagt haben sollte..." Angela sah zu ihr. "Du siehst wirklich fantastisch aus, Schwesterherz..." Sie sah zu wie Kerry den Pfad entlang von Stein zu Stein hüpfte. "Es ist, als ob du ein anderer Mensch wärst... als ob du lebendiger wärst... und deine Augen funkeln wie wahnsinnig..."

Kerry blieb stehen und sah sie an. "Ich bin mir ziemlich sicher, das es nicht nur an den Schokoplätzchen liegt." Bemerkte sie süßsauer, hüpfte von dem letzten Stein und schlenderte zu Angela. "In den letzten Wochen habe ich mich besser gefühlt als in meinem ganzen Leben." Sie schloss ihre Augen und nahm einen tiefen Atemzug der kalten Luft, dann stieß sie die Luft zufrieden aus und beobachte wie sie als Wolke um ihren Kopf schwebte.

Angela schüttelte kurz ihren Kopf. "Ich wusste immer, das wenn du dich einmal verlieben würdest, dann würde es etwas Schwindelerregendes sein." Sie sah ihre Schwester prüfend an. "So ist es doch, oder?"

Ihre Arme weit ausbreitend warf Kerry ihren Kopf zurück und schwelgte in dem Sternenhimmel über sich. "Ja." Keuchte sie. "Und es ist wunderbar." Sie ließ ihre Arme fallen, legte ihren Kopf zur Seite und sah ihre Schwester an. "Es ist so, als ob ich mein ganzes Leben darauf gewartet hätte... und es war so seltsam, weil ich es in dem Augenblick fühlte, als ich sie gesehen habe." Sie musste lachen. "Und dabei waren es die schrecklichsten Umstände... aber... oh mein Gott, Angela... ich hatte keine Ahnung das man für jemanden oder etwas so starke Gefühle haben kann... aber das habe ich."

Ihre Schwester legte einen Arm um ihre Schultern. "Ich bin wirklich froh, das zu hören... das macht mir das, was ich dir sagen muss sehr viel leichter."

Kerry schlang einen Arm um ihre Taille und legte ihren Kopf zur Seite. "Um was handelt es sich?"

Ein gezwungenes, leicht verlegenes Lächeln zog sich über das Gesicht ihrer jüngeren Schwester. "Der Vater des Babys..." Sie legte eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. "Brian ist der Vater."

Kerry fiel ihr Kinn herunter und sie starrte ihre Schwester verblüfft an. "Heilige Kuh!" Für einen kurzen Moment war sie schockiert, fühlte sich beinahe verraten, dann lachte sie. "Kein Wunder, dass er mich seit August nicht mehr angerufen hat."

Angela schielt zu ihr. "Du bist nicht böse?"

Ihre Schwester seufzte. "Wie könnte ich das sein? Du weißt was ich für Brian empfinde... er ist süß, er ist einer meiner besten Freunde... ich liebe ihn wie einen Bruder." Sie hielt inne. "Das war's auch schon. "

"Er hatte solch eine Angst, das du nie wieder mit ihm reden würdest." Erläuterte ihr ihre Schwester. "Darum ist er heute Abend nicht hier... wir haben abgesprochen, dass ich... ähm..."

"Die Neuigkeit überbringst?" Warf Kerry ein.

"Ähm ja... etwas in der Art." Bestätigte Angela nickend. "Und wenn es zu befürchten war, dass du in die Luft gehen würdest, hätte er eine Ausrede gefunden um die Woche am College zu bleiben."

"Angsthase." Bemerkte die blonde Frau lachend. "Nicht das ich ihn dafür tadle… da wir gerade über peinliche Situationen reden…" Innehaltend sah sie auf den Pfad auf dem sie noch immer gingen. "Was wirst du tun?"

Angela führte sie zu einer Bank von der sie den dunklen See überschauen konnten, und setzten sich nebeneinander hin. Ein leichter Wind raschelte durch das abgestorbene Laub um ihre Füße und den kahlen Ästen über ihren Köpfen. "Ich weiß es nicht." Antwortete sie schließlich. "Wie du weißt, wollte ich Richard nie heiraten."

Kerry nickte. "Ich weiß... Dad hat dich dazu gezwungen… genauso wie er es mit mir und Brian vorhat, doch ich hatte Glück."

Haselnussbraune Augen wandten sich ihr zu und betrachteten sie. "Das ist kein Glück... du bist klug, Kerry... sehr klug, und du hattest die Möglichkeit fortzugehen... ich hatte das nie." Angela hatte ihren Abschluss in Literatur gemacht. "Oh... ich könnte immer noch... Lehrerin werden, weißt du." Sie seufzte. "Es gab für mich nie einen Grund fortzugehen... außerdem war es nicht so übel... ich meine, Richard ist kein schlechter Bursche, weißt du?"

"Ich weiß." Kerry sah sie mitfühlend an. "Und da ist auch noch Sally." Ihre zweijährige Nichte.

"Oh ja... sie liebt ihren Daddy wirklich." Seufzte Angela. "Ich wünschte, ich könnte das auch." Sie sah zu Kerry. "Brian lässt mich so besonders fühlen... er hört mir zu, und es ist wie..." Sie hielt inne und blinzelte. "Er mag dich wirklich, Ker... er möchte dich nicht als Freundin verlieren."

Kerry lächelte. "Wie könnte er?" In liebevollem Mitgefühl rieb sie ihrer Schwestern über den Rücken. "Er hat mich gerade vor einer Aufgabe gerettet, vor der ich mich furchtbar gefürchtet hatte."

Angela sah auf. "Es ihm zu sagen?"

Kerry nickte. "Ich wollte ihn nicht verletzen... ich bin froh, dass ich jetzt davon erlöst bin." Sie hielt inne. "Hast du ihm von mir erzählt?"

Angela zögerte. "Ich erzählte ihm... dass ich vermute, das du da unten mit jemanden zusammen bist." Erwiderte sie vorsichtig. "Ich bin nicht in Einzelheiten gegangen... da ich ja keine hatte, richtig?"

"Mm." Kerry knabberte an ihrem Fingernagel. "Denkst du das er ausflippt?" Fragte sie. "Wir sind schon lange befreundet, doch das ist... ich weiß nicht... jemandem, der so wie er aufgewachsen ist, ist das schwer zu erklären."

Angela dachte darüber nach. "Ich weiß es nicht... wir haben nie darüber gesprochen." Entgegnete sie ehrlich. "Ich würde gerne sagen, dass er es gut aufnimmt... aber ich weiß es nicht... er ist recht konservativ."

"Mm." Seufzte Kerry. "Nun ja, wir werden ihm auf den Zahn fühlen müssen... was ich auf keinen Fall will, ist, das Kyle es herausfindet." Sich zurücklehnend blickte sie in den klaren Himmel. "Eine schöne Nacht." Sinnierte sie auf ihre Uhr sehend, dann holte sie ihr Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer. Es klingelte zweimal bevor abgenommen wurde. "Hallo du." Sprach sie langgezogen ins Telefon.

"Selber Hallo." Dröhnte Dar's warmherzige, samtweiche Stimme zurück. "Wie läuft's."

"Mm... Tatsächlich besser als ich erwartet hatte." Sie sah zu ihrer Schwester, die interessiert zuhörte. "Da haben sich einige... ähm... Komplikationen ergeben... die ich nicht erwartet hatte... anscheinend hat mir meine Schwester Brian weggeschnappt, und erwartet ein Kind vom ihm."

Sie hörte ein überraschtes Gejohle und Plätschern. "Was?" Fragte Dar ungläubig.

"Wo bist du?" Erkundigte sich Kerry neugierig.

"In der heißen Wanne... was sagst du da?" Erwiderte Dar. "Ich dachte, dass deine Schwester verheiratet ist."

"Das ist sie." Antwortete die blonde Frau feierlich. "Warum bist du in der heißen Wanne? Es ist halb elf nachts, Dar."

Als Antwort kam ein Seufzen. "Weil ich mit John zwei Stunden trainiert habe nachdem ich den Kurs unterrichtet hatte, und ich bereu es." Erwiderte Dar. "Das ist eine Komplikation... was wird sie machen?" Ein weiteres Plätschern. "Hast du es ihr gesagt?"

"Oh ja." Antwortete Kerry und gab ihrer nun kichernden Schwester einen Stups. "Sie war nicht... ähm... überrascht."

"Wirklich? Das sind Pluspunkte für sie." Lachte Dar. "Hey… ich bin froh das zu hören… klingt so, als ob die Dinge da oben recht gut laufen."

"Ja... sicher... nicht übel..." Seufzte Kerry. "Ich denke, dass ich es überleben werde... hey, du steigst jetzt besser aus der Wanne, bevor du dich in eine Rosine verwandelst."

"Getrocknete Traube."

Ein durchdringendes Prickeln lief Kerry's Kreuz rauf und runter und sie sah verblüfft auf das Telefon. "Was hast du gesagt?"

Plätschernde Geräusche, dann das leise Rauschen einer sich öffnenden und schließenden Schiebetür. "Meine Mutter hatte immer diese Diskussion mit meinem Vater... er sagte gewöhnlich, einen verdammten getrockneten Apfel nennt man getrockneten Apfel, getrocknete Pfirsiche nennt man getrocknete Pfirsiche, also sehe ich nicht ein, zu einer kümmerlich kleinen getrockneten Traube Rosine zu sagen."

"Oh." Kerry lachte. "Entschuldige... es hörte sich so seltsam an..." Innehaltend lauschte sie einfach den beruhigenden Tönen von Dar's Bewegungen zu, als diese in die Küche ging und etwas holte, bei dem sich Kerry sicher war, das es ein Glas für Milch war. "Nun ja... ich sollte dich nun abtrocknen lassen... ich wollte dir nur sagen, das hier alles recht gut läuft." Sie hörte wie sich die Kühlschranktür öffnete und lächelte als sie das leise Zischen des Milchspenders wahrnahm. "Genieß deine Milch."

Ein Kichern. "Du kannst das hören?" Fragte Dar beschwingt. "Ich bin froh, das du angerufen hast... ich hatte gerade in die Sterne gesehen und mich gefragt was du gerade machst."

"Komisch... ich dachte an genau das Gleiche." Gab Kerry zu. "Hier oben ist es kalt... ich bin froh, das ich mir die neue Jacke gekauft habe... darunter hab ich dein Sweatshirt an." Berichtete sie. "Ach... und ich fand diese kleine Eidechse in meinem Koffer... hast du irgend eine Idee wo die herkommt?" Erkundigte sie sich mit nun neckendem Tonfall.

"Eidechse?" Erkundigte sich Dar unschuldig. "Was für eine Eidechse?" Dann kicherte sie. "Hab sie nun schon eine ganze Weile... hör zu, Michelle hat heute wieder zugeschlagen... sie hat Kopien von diesen Fotos an Les geschickt."

"Was?" Kerry's Augen weiteten sich. "Wie hast du reagiert?"

"Ich hab sie an ihren Chef weitergeleitet, und angeboten ihm eine Angebot für die Software seines Aufnahmesystems zu unterbreiten." Entgegnete Dar trocken. "Mach dir keine Sorgen... ich hab mit Les gesprochen... es ist alles okay." Fügte sie hinzu. "Wenn du Lust und die Möglichkeit hast, dann kannst du mal in eine Mail reinschauen... irgend so ein Idiot hat mir die Leitung für das Arrangement der Weihnachtsfeier in der Firma übertragen... und ich brauch ein paar Ratschläge."

Kerry unterdrückte mit ihrer Hand ein Kichern. "Ach... okay... das mach ich." Versprach sie. "Hör zu... ich wünsch dir für morgen einen guten Flug, okay? Gib auf dich acht."

"Das werde ich... gib auch auf dich acht." Erklang die zärtliche Erwiderung. "Ruf mich an, wenn du irgend etwas brauchst."

"Darauf kannst du dich verlassen. Gute Nacht, Dar." Kerry lächelte. "Ich liebe dich."

Ein leises Kichern. "Ich liebe dich auch... übrigens hast du mich damit heute ganz schön in Verlegenheit gebracht... weißt du wo ich war, als du angerufen hast?"

"Ähm... nein." Kerry biss sich auf ihre Lippe.

"In der Cafeteria... war gerade mit Duks eine Kaffee trinken." Erwiderte Dar. "Ich glaube, dass es sein kleines, atheistisches Herz ein bisschen erwärmt hat."

"Oha. Tut mir leid." Gluckste Kerry, der es nicht wirklich leid tat.

"Mir nicht." Antwortete Dar leise. "Nun ruh dich etwas aus, damit du morgen den Puter in Angriff nehmen kannst."

"Das mach ich... gute Nacht." Antwortete Kerry, klappte das Handy zusammen als die Leitung getrennt war und steckte es in ihre Tasche. Dann lehnte sie sich gegen die Bank zurück und sah nachdenklich einen Augenblick schweigend in den Sternenhimmel. "Sie ist so ganz anders als ich... doch wenn wir zusammen sind, dann ist es, als ob ich sie schon mein ganzes Leben kenne... manchmal verstehe ich es nicht."

Angela betrachtete sie schweigend, dann langte sie nach oben und bedeckte Kerry's Hand mit ihrer. "Ich weiß, das es nicht wirklich erklärt was..." Sie hielt inne. "Nun ja, vergangenen Sonntag, redete der Pastor darüber, das irgendwie jeder von uns da draußen jemanden hat, der in vollständig macht. Der seine andere Hälfte... sein Seelengefährte ist." Sehend wie Kerry's Körper sich versteifte schwieg sie kurz. "Vielleicht seid ihr das."

Seelengefährten. Das Wort hallte durch ihren Verstand, erreichte Ecken und Winkel, und durchbrach die verschlossenen Türen ihres Geistes. Bis es sich Schließlich niederließ, und wie ein Seidentuch um ihr Herz legte. Sie schloss ihre Augen als sie die Wahrheit dessen akzeptierte. "Du könntest recht haben." Flüsterte sie. "Ich habe nie daran gedacht... ich erinnere mich, wie Pastor Robert darüber sprach, als ich auf dem College war."

Angela nickte. "Das tut er noch immer... und wenn er darüber spricht, dann frage ich mich, ob er seinen gefunden hat, weil sein Gesicht dann immer so aufleuchtet." Sie rieb Kerry's Finger. "Vielleicht solltest du mit ihm reden... Kerry, er mochte dich schon immer. Er erkundigt sich jedes Mal nach dir."

Kerry wandte sich mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu ihr. "Ich glaube nicht, das er es versteht, Angie... er ist ein Pastor."

Verständnisvolle, haselnussbraune Augen erwärmten ihr Herz. "Ich denke, das er dich besser verstehen wird als du denkst, Schwesterherz." Sie betrachtete eingehend Kerry's Gesicht. "Du gehst dort unten nicht in die Kirche, oder?"

Ein Schütteln des blonden Kopfes. "Nein... in der Gegend gibt es keine unserer Konfessionen... zumindest dort wo ich wohne. Es gibt ein paar oben in Broward, aber..." Sie sah auf den Boden. "Manchmal vermisse ich es... vielleicht rede ich mit ihm." Sie unterdrückte ein Gähnen. "Dar hat recht... es war ein langer, schwerer Tag... bleibt ihr zwei über Nacht?"

Angela nickte. "Ja... Sally ist bei Richard's Mutter... hey, wie wär's, wenn ich Richard für die Nacht allein lasse und bei dir übernachte, so wie wir es früher gemacht haben... wie wär's?"

Kerry lächelte sie an. "Weißt du... das würde mir wirklich gefallen." Sie stand auf und streckte ihrer Schwester eine Hand entgegen. "Auf geht's... ich stibitze mir aus der Küche etwas heiße Schokolade und du kannst dir den Rest von meinen Bildern ansehen."

Angela ließ sich von ihrer kleineren Schwester hochziehen, dann schlang sie einen Arm um sie und sie machten sich auf den Rückweg.

 

~~~ ENDE - Kapitel 13 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 14 lesen.

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