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Tropical Storm - Kapitel 14 |
Tropical Storm Kapitel 14
Als das Flugzeug auf der Landebahn ausrollte blickte Dar durch das kleine, regenverspritzte ovale Fenster auf den grauen Himmel und seufzte. Es war ein langer Flug gewesen, da eine Schlechtwetterfront ihr Flugzeug gezwungen hatte für dreißig Minuten zu kreisen, bevor sie in Dulles landen konnten, und sie verspürte in der kleinen, engen Kabine das dringende Bedürfnis sich zu strecken und zu bewegen. Während das Flugzeug am Flugsteig andockte öffnete sie ihren Sicherheitsgurt, und froh darüber das sie zumindest im vorderen Teil des Flugzeuges und neben dem Ausgang saß stand sie auf. Sie öffnete die Klappe des oberen Gepäckfachs und zog ihre Jacke heraus, dann nahm sie ihre Laptoptasche heraus und hing sie über ihre Schulter. Mit einen Windstoss feuchter, kalter Luft öffnete sich die Tür und unweigerlich zitternd zog sie die Jacke enger um sich und schloss den Reißverschluss, bevor sie dem Steward höflich zunickend die Maschine verließ und den Gang zur Ankunftshalle beschritt. Durch die Tür gehend war sie gerade mal drei Schritte gelaufen als sie den wartenden Jack erblickte und musste reflexartig lächeln als sein Gesicht bei ihrem Anblick zu strahlen anfing. Als er zu ihr herüber getrottet kam und sie kraftvoll umarmte, musste sie zugeben, das er wirklich ein Schatz war, wobei sie sich durch seine 1,90 Meter große und zudem noch militärische Gestalt ein wenig zwergenhaft vorkam. Die Umarmung erwidernd spürte sie unter ihren Händen seinen festen Körperbau und gab ihm einen Klaps auf den Rücken. "Hey Jack..." "Dar..." Er drückte sie noch einmal und ließ sie dann los. "Verdammt, tut es gut dich zu sehen... Ich bin so froh das du dich entschlossen hast zum Truthahntag herzukommen." Sie war auch froh. Es war gestern abend so einsam und ruhig in ihrer Wohnung gewesen, das sie beinahe verrückt geworden wäre und konnte ihre Reaktion kaum begreifen, nachdem sie so viele Jahre allein gelebt hatte. Ein paar Tage bei den Easton's würde Kerry's Abwesenheit überbrücken und im Stillen musste sie zugeben, dass sie eine Luftveränderung gebrauchen konnte. "Auch ich bin froh dich zu sehen... wie ich sehe hast du deine Haare wieder geschnitten." Sie strubbelte liebevoll durch seine extrem kurzen Haare. "Werdet ihr Jungs nach der Kürze eurer Haare bezahlt?" Er lachte. "Besser, als wenn einige Leute denken, wir Piloten würden... nach der Länge von etwas anderem bezahlt." Entgegnete er ironisch. "Auf geht's... hast du Gepäck abzuholen?" Dar nickte. "Eine Tasche... ja… ich wollte sie als Handgepäck mitnehmen, doch der Flug war so ausgebucht, das alle ihr Gepäck aufgeben mussten." Der Menge, die in alle Richtungen ausströmte, ausweichend folgte sie ihm zum Gepäckband. "Wie geht es Gerry?" "Dad geht es prima." Antwortete er fröhlich grinsend. "Er kann es auch nicht erwarten dich wiederzusehen... er war ganz außer sich, dass du dich entschlossen hast seine Einladung anzunehmen... genau wie Mom, sie hat ihn die ganze Zeit gelöchert, was du gerne magst... er hatte keine Ahnung, und so haben wir deine Sekretärin angerufen." Dar brach in Gelächter aus. "Oh Gott... jetzt bin ich in Schwierigkeiten... sie hat deiner Mutter wahrscheinlich erzählt, dass ich Grünzeug wie Brokkoli und Spinat mag... sie hasst meine Essgewohnheiten." Er grinste. "Genau... das hat sie, und als Mom sich an deine Vorlieben erinnerte wurde sie argwöhnisch... und hat noch ein wenig weiter herumtelefoniert, und irgendwie schaffte sie es deine Assistentin an die Leitung zu bekommen." "Hat sie das, ja?" Dar unterdrückte ein Grinsen. "Ich wette das sie dort etwas anderes zu hören bekommen hat." "Zum Teufel ja... und Junge war ich froh... weil ich Brokkoli nämlich hasse." Erwiderte Jack. "Kandierte süße Kartoffeln sind mehr nach meinem Geschmack." Er platzierte sich neben dem Laufband und verschränkte seine muskulösen Arme. "Welches ist deins." Gehorsam zeigte sie auf die Ledertasche und erlaubte ihm, sie von dem Laufband zu nehmen und zu schultern. Zuvorkommenheit amüsierte sie immer, doch bei Jack war es ehrlich gemeint... er nahm ihre Tasche, weil er der Ansicht war, das es sich so gehörte... nicht, weil er protzen oder gut dastehen wollte, oder ähnlichen Beweggründen, so wie es Jose's Art gewesen wäre. So was machte ein Mann eben, genauso wie Türen zu öffnen, gnädige Frau zu sagen, seinen Hut zu ziehen, einen Stuhl zurückziehen... es war für ihn eine Selbstverständlichkeit und es hätte in sehr befremdet, wenn sie sein Verhalten in irgendeiner Weise als chauvinistisch bezeichnet hätte, oder protestiert hätte, das sie ihr Gepäck selber tragen könne. Es war eine sympathische süße Unschuld, und eins von den Dingen, die Dar an dem Piloten am meisten mochte. Die Tatsache, das er zudem auf eine rustikale Art gut aussah und einen charmanten Humor hatte, war auch nicht zu verachten. Er hatte blonde Haare und interessante dunkelblaue Augen, und wenn er extrem albern war, wackelte er mit seinen Ohren, welche durch seine kurzgeschoren Haare besonders hervorstachen. "Also... wie läuft's bei dir?" Erkundigte sich Dar auf dem Weg zum Ausgang. "Wie ich hörte bist du auf einem Flugzeugträger stationiert?" Er rollte mit seinen Augen. "Oh ja... das bin ich wirklich... auf der USS Nimitz. Nach Weihnachten fliege ich zu ihr auf den Ozean hinaus." Er atmete aus. "Letzten Monat musste ich eine Nachtflugqualifikation ablegen, und eins sag ich dir Dar... das war das schrecklichste was ich erlebt hab, seit ich aus diesem Baumhaus gefallen bin als ich Zehn war und mir beinahe das Genick gebrochen hab." Dar lachte kurz. "Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen... auf einem winzigen Deck zu landen, geschweige denn in der Nacht!" "Bei hohem Seegang." Jack schüttelte seinen Kopf. "Ich verlor beinahe mein Mittagessen durch Körperöffnungen von denen ich nicht mal wusste das ich sie habe." Er machte die Tür auf, und sie für sie aufhaltend grinste er, als er sah wie Dar bei dem kalten Wind der ihr entgegenschlug zusammenzuckte. "Nicht daran gewöhnt, wie?" Den Kragen hochziehend schloss Dar ihre Jacke. "Da hast du recht." Murmelte sie. "Gestern Abend saß ich draußen unter den Sternen in meinem Jacuzzi." "Nun ja, du bist halt eine zarte verwöhnte Zimmerpflanze, Ma'am." Zog sie Jack mit funkelnden Augen auf. "Wenn du willst, ich habe einen dicken Mantel im Wagen... diese Jacke ist nicht sehr warm." Ihre Ärmel runterziehend grinste ihn Dar von der Seite an. "Danke... ich werde es überleben... ich glaube, das ich meine Handschuhe eingepackt habe." Sie war froh, dass sie sich entschlossen hatte eine dickere Jeans und ein paar Stiefel zu tragen, und machte sich eine geistige Notiz beim Umziehen noch etwas zusätzliches anzuziehen. Sie stiegen in Jack's Wagen, einem kastanienbraunen Ford Explorer mit bequemen Ledersitzen. Bevor er Dar's Tür schloss drückte er einen Knopf am Armaturenbrett, dann ging er um den Wagen herum, stieg ein, und nachdem er seine große Gestalt in dem Fahrersitz positioniert hatte, ließ er den Motor an. "Beheizte Sitze." Sagte er auf den Schalter zeigend und blinzelte sie an. Dar spürte wie die Wärme durch sie durchströmte und sich entspannend, streckte sie ihre langen Beine aus und schaute auf das Wetter, das ihr nun nichts mehr anhaben konnte. "So was verkaufen sie in Miami nicht." Bemerkte sie seufzend. "Freust du dich auf deinen Dienst auf dem Flugzeugträger?" Er nickte. "Das tu ich... es bedeutet, das ich meine Familie für eine Weile nicht sehe… aber dadurch bekomme ich die Möglichkeit auf etwas Action." Er sah zu ihr. "Ich meine... versteh mich nicht falsch... ich freu mich nicht darauf Bomben auf jemanden zu werfen, okay?" Blaue Augen schweiften zu seinem Gesicht, und Dar's Lippen verzogen sich zu einem leichten, verstehenden Lächeln. "Ich weiß." "Doch du trainierst und trainierst... eigentlich wäre es gut, das auch anwenden zu können, verstehst du? Irgendwie ist es langweilig... das Gefühl zu haben, den ganzen Tag nur Testabläufe durchführen zu können." "Das ist wahr." Bestätigte Dar leise. "Ich vermute, es ist nur, weil wir alle hoffen, das dieses Training nie zum ernsten Einsatz kommt... auch wenn es mehr und mehr danach aussieht, das wir letztendlich die Weltpolizei werden." Jack sah sie an und lenkte dann seine Aufmerksamkeit wieder auf die Strasse. "Dir gefällt diese Vorstellung nicht?" Fragte er neugierig. "Ich hätte nie gedacht, das du Probleme mit der Ausübung von Gewalt hast, Dar." Sie dachte über die Frage nach. "Weißt du... das hatte ich von mir auch nicht gedacht... Gott weiß, wie begierig ich darauf war in die Sondereinheit zu kommen... und ich weiß, das ich dort nicht hinter einem Schreibtisch gesessen hätte." "Dar, du wärst ein exzellenter SEAL gewesen." Grinste Jack. "Ich wette, das du ihnen in ihre trägen, blauen Hintern getreten hättest." Er blickte zu ihr. "Sollte keine Beleidigung für deinen Daddy sein." "Vielleicht." Dar lächelte gelassen. "Es ist ein reizvoller Gedanke… solch eine Macht zu haben… fähig zu sein... alles tun zu können... ich denke, das ich dazu fähig gewesen wäre." Sie erinnerte sich, das sie es wollte... erinnerte sich an den Geschmack von Blut auf ihrer Zunge, als sich darauf gebissen hatte als die letzten Bemühungen ihres Vaters sie in das Programm aufzunehmen gescheitert waren. Sie war so nah gewesen... so nah in diese Männergemeinschaft aufgenommen zu werden. Sie kannte die meisten Burschen... sie wusste, das sie sogar die Chance hatte, die Mauern dieser Männerdomäne niederzureißen, da sie sie kannten... sie kannten ihren Vater... sie kannten ihre Fähigkeiten. Sie wussten, das sie, wenn es hart auf hart kam vor nichts zurückschreckte, und auch zustechen konnte wenn es nötig war. Stattdessen wandte sie sich niedergeschmettert und wütend vom Dienst ab und schlug einen anderen Weg ein. Ein Weg der mit genauso hinterhältigen Feinden nicht ungefährlicher war, jedoch mit einem bedeutenden Unterschied. Dort im Dienst wäre sie eine Killerin geworden. Jetzt war sie es nicht. Sie hatte keine Ahnung warum das plötzlich von Bedeutung war. Jack bog in die Zufahrt von Easton's Haus, und ein paar Minuten später knirschten die Reifen auf abgestorbenen Ästen, die den Gehsteig säumten. Er stieg aus und nachdem er Dar's Tasche herausgeholt hatte gesellte er sich zu ihr auf den Weg zur Haustür. "Wir haben drinnen eine Überraschung." Murmelte er mit strahlenden blauen Augen. "Ich denke, es wird dir gefallen." Dar sah ihn misstrauisch an. "Jack, ich hasse Überraschungen... du weißt das." Grinsend öffnete er die Tür. "Geh schon rein, Hasenfuss." Vorsichtig das Haus betretend strömte ihr der überwältigende Duft von warmem Zimt und gebackenem Brot entgegen, der sie daran erinnerte, das sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Das Innere des Easton Hauses war groß und weiträumig, ein riesiger Eingangsbereich führte zu einem tiefergelegenen Wohnzimmer und unmittelbar vor ihr befand sich die Küche, wo all die leckeren Gerüche herkamen. Als Mary Easton hörte wie sich die Tür öffnete, streckte sie ihren Kopf heraus. "Dar! Lass dich anschauen! Komm her!" Ihren Rührlöffel in ihrer Schürzentasche steckend flitzte sie lächelnd heraus. Sie war eine kleine, rundliche Frau mit einem freundlichen, offenherzigen Gesicht. "Hallo, Mama Mary." Dar konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern und schaffte es gerade noch rechtzeitig ihre Arme für eine duftende Umarmung auszubreiten. "Donnerwetter, bist du größer geworden?" Wollte die ziemlich kleine Frau wissen, während sie an ihr hoch blickte. "Liebling, du siehst wundervoll aus... bist du in Urlaub gewesen oder so?" "Nee..." entgegnete Dar kichernd, während sie ein kleinwenig befangen ihre Haare nach hinten warf. "Hatte nur kürzlich ein wenig Zeit in der Sonne verbracht... du musst wissen, dass wir dort unten welche haben." "Jack, bring die Tasche in das Gästezimmer... dann komm wieder runter und zeig Darry unsere neuen Freunde." Mary's Augen funkelten. "Ich habe frisches Apfelbrot... möchtest du eine Scheibe?" "Klar... es riecht herrlich." Erwiderte die größere Frau und öffnete ihre Jacke, nachdem sie ihr Laptop auf den niedrigen Tisch neben der Couch gelegt hatte. "Es ist prima dich wiederzusehen." "Komm schon mit." Mary schnappte ihren Arm und zog sie zur Küche. "Ich habe eine Menge zu tun... ich bin so froh, dass du dich von Gerry hast überreden lassen hierher zu kommen." Sie eilte in den großen offenen Raum mit größtenteils weißblau gefliesten Wänden, und wandte sich dem Abkühlgestell neben dem Herd zu. "Hier... genieß es... ich weiß, das du es magst." Dar kicherte. "Ach... ja… ich hörte, das meine Leute mich verpfiffen haben." Sie setzte sich auf einen der Stühle, und sich umsehend würdigte sie die fachmännische Effizienz des Raumes. "Jetzt... sei ihnen nicht böse..." Lachte Mary als sie Dar eine Scheibe von dem warmen, würzigen Brot reichte, auf das sie ein wenig Butter gestrichen hatte. "Zudem muss ich dir etwas sagen, Liebes... deine Assistentin dort unten in Miami ist einfach die reizendste Person mit der ich jemals in meinem Leben gesprochen habe." Dar lächelte mit vollem Mund und kaute einen Augenblick, bevor sie den Bissen herunterschluckte und erwiderte. "Kerry?" Mary nickte. "Ja... was für eine nette Frau… und weißt du, ich verstehe ja das es geschäftlich ist und ihr wahrscheinlich nicht viel Zeit damit verbringt nach Geschäftsschluss miteinander zu reden, bei uns hier ist es ja auch nicht anders, doch ich glaube das sie dich wirklich mag." "Ach wirklich?" Dar's Augen funkelten. "Wie kommst du darauf?" Mary strahlte sie an. "Es war einfach ihre Stimme... wenn sie deinen Namen aussprach, konnte man erkennen, das sie während der ganzen Zeit lächelte." Dar grinste leicht. "Nun ja, Kerry ist eine sehr, sehr nette Person, und in der Tat sind wir auch außerhalb der Arbeit enge Freundinnen." Kleine Heimlichtuerin... sie hatte mit keinem Wort erwähnt, dass Mary angerufen hatte... ich werde mir etwas ähnliches als Rache ausdenken müssen. "Es freut mich, das du sie magst." Jack kam zurück und zupfte an ihrer Jacke. "Hey... lass mich das nehmen... und komm mit mir." Die Überraschung. Sich fügsam erhebend zog Dar ihre Jacke aus, damit Jack sie über seinem Arm drapieren konnte, und folgte ihm dann zur Hintertür der Küche und zwei Stufen zu einem Hauswirtschaftsraum hinunter. "Bist du bereit?" Flüsterte er spitzbübisch. Dar konnte hinter der Tür, vor der sie stand, leise gedämpfte Geräusche hören, doch sie konnte nicht eindeutig erkennen, um was es sich handelte. "Ähm... klar." Erwiderte sie unsicher und ging einen Schritt zurück, als er die Tür öffnete und zur Seite trat. Eine lebendige Pelzmasse wickelte sich um ihre Beine und ihre Augen weiteten sich. "Ach du meine Güte!" Neun sich windende, stolpernde, quietschende Welpen scharrten sich um ihre Stiefel, zerrten an ihnen und beschnüffelten sie mit stürmisch wedelnden Schwänzchen. "Mach schon... sag Hallo." Bemerkte Jack grinsend. "Das sind Alabasters Welpen." Dar blickte nach oben, bevor sie sich nachgebend auf ein Knie fallen ließ und nacheinader die Welpen betrachtete. Alabaster war Gerald's sanfter, edler Labrador Retriever mit beinahe weißer Färbung, der sie auch ihren Namen zu verdanken hatte. "Sie sind großartig." Die Welpen kletterten winselnd an ihrem Bein hoch und sich hinsetzend ließ sie sie auf sich herumtollen. "Verdammt... sie sind so niedlich..." Sie hob einen hoch, einen winzigen Jungen der heftig zappelte als sie ihn an sich zog, und dann an ihrem Ohr knabberte. "Huch." Jack legte ihre Jacke auf die Seite und setzte sich, ganz begeistert über sein kleines Minirudel, neben sie. "Ja das sind sie, oder nicht?" Er kraulte einem großen Weibchen hinter den Ohren. "Sie sind fünf Wochen alt... und für einige haben wir ein Zuhause." Zusehend wie der Welpe sich in Dar's Armen kuschelte und sie schmachtend anblickte hielt er inne. "Welchen willst du?" Dar, die gerade mit der Pfote des Welpen spielte, blickte auf. "Nein... tut mir leid, ich..." Nachdenklich schwieg sie einen Augenblick. "Meinst du das ernst?" Jack legte seinen Kopf auf die Seite. "Sicher... Dad und ich haben darüber gesprochen... er macht sich Sorgen über dich, verstehst du... er glaubt, das ein Labrador genau das richtige für dich wäre." Er kraulte die Brust eines Welpen. "Sie sind treu, zutraulich... gehorsam... du könntest mit ihnen laufen... es wäre gut für dich." Dar antwortete nicht sofort. Sie schaute auf den kleinen Kopf, der sich nun an ihre Brust gekuschelt hatte, und dessen winzige schwarze Nase interessiert an ihrem Haar schnüffelte. Unschuldige braune Augen blickten zu ihr auf, und das kleine Mäulchen öffnend enthüllte er eine weiche, u-förmige, rosa Zunge. Zuerst Fische, jetzt ein Welpe? Was zum Teufel geschieht mit dir, Dar? "Lass mich darüber nachdenken." Sagte sie schließlich, süßsauer lächelnd. "Ich... weiß das Angebot wirklich zu schätzen." Jack grinste und drehte sich dann um als Alabaster hereinkam und mit einem besorgten Labrador-Stirnrunzeln ihre Welpen beschnüffelte. Dar erspähend gab sie ein erstauntes Wuff von sich, und pflügte sich dann einen Weg durch das Rudel um das Gesicht der Geschäftsführerin in effektiver Manier abzulecken. "Mach langsam..." Bemerkte Dar lachend und tätschelte ihre Flanke. "Oh ja… ich bin auch froh dich zu sehen, Mädchen." Sie lehnte sich seufzend gegen die Waschmaschine, und lies die Welpen über ihre Beine laufen. Nun ja, wenn sie nicht mit Kerry zusammen sein konnte, dann war dies keine schlechte zweite Wahl. Draußen heulte der Wind und Zweige schlugen gegen das Dach, doch sie grinste nur zu Jack hinüber und zeigte mit ihrem Kopf zum Wohnzimmer. "Hast du Lust auf ein Kaminfeuer?" Er erwiderte das Grinsen und streckte eine Hand aus um ihr aufzuhelfen. "Kannst du immer noch wie früher einen Holzscheit spalten?" "Ich nehme an, dass wir es herausfinden werden." Erwiderte Dar, während sie die Stufen hinaufging und dabei sorgsam darauf bedacht war auf keinen der Welpen zu treten.
Kurz gähnend als sie aufwachte, überflog Kerry den stillen Raum und erkannte mit einem winzigen Lächeln die Gestalt ihrer schlafenden Schwester. Draußen war gerade die Morgendämmerung hereingebrochen und kaum sichtbar konnte man die ersten Spuren von blassrosa-grauen Schleiern zwischen den Bäumen im Garten erkennen. Sie blieb für einen Augenblick liegen und kam dann zu dem Schluss, das sie nicht wieder einschlafen würde und krabbelte unter den Laken hervor, schlenderte über den Teppichboden und kniete sich vor ihre Sporttasche. Sie fühlte eine leichtes Kribbeln in ihrem Körper und beschloss das ein kurzer Lauf um den See keine schlechte Idee war, also zog sie eine Jogginghose und ein Sweatshirt über ein dickes T-Shirt und zog ihre Turnschuhe an. Laufen war nicht gerade ihr Lieblingssport, doch seit sie neuerdings mit Dar zusammen lief, wenn sie über Nacht auf der Insel blieb, und Dar sie zu nächtlichen Läufen überredet hatte, fand sie Gefallen daran. Zumindest redete sie sich das ein. Auf jeden Fall erforderte es keine spezielle Ausrüstung, richtig? Leise ging sie in Richtung der Hintertür die Stufen hinunter und hörte nur die schwachen Geräusche von jemandem der in der Küche hantierte. Das Schloss öffnend schlüpfte sie hinaus und nahm einen tiefen Atemzug von der kalten Morgenluft, die ihr entgegenschlug. "Oh Junge." Murmelte sie, machte schnell ein paar Dehnübungen und in einen leichten Trott fallend lief sie in Richtung des Pfades. "Am besten sorge ich dafür, dass mir schnell warm wird." Der Pfad war gut geschottert, und während ihr Körper langsam aufwachte hatte sie keine Schwierigkeiten in einen vertrauten leichten Rhythmus zu fallen. Die kalte Luft ließ sie zuerst ein wenig mit den Augen blinzeln, doch sie gewöhnte sich schnell daran und nahm einen tiefen Zug davon als sie die Abzweigung erreichte, die sie auf einen Rundkurs um den kleinen See führte. Es war still. Um diese Uhrzeit war sie hier draußen die einzige, und ihre Schritte hallten laut in ihren Ohren. Kein Geräusch, außer dem Wind war zu hören und sie erkannte, das ihr Miami's grüne Fauna so vertraut geworden war, dass die Abwesenheit von Vögeln und Grillen ihr seltsam und fremd vorkamen. Während sie am Seeufer hinunterlief, dachte sie an Bob die Ente. Bob war ein alter Freund, der in dem Abwasserkanal in der Nähe ihrer Wohnung lebte. In Sommernächten ging sie oft dorthin, um über das schwarze, gekräuselte Wasser zu blicken und sehr oft gesellte sich dann Bob zu ihr. Sie hatte sich angewöhnt, für die alte weiße Ente, Brotkrusten in ihren Taschen mitzunehmen, und in vielen Nächten hatte sie sich tatsächlich hingesetzt und ließ die schwüle Hitze von der leichten Brise abkühlen, bis die vertraute watschelnde Gestalt zu ihr kam. Kerry lächelte, während sie an den Enterich dachte, und sich an den argwöhnischen Blick erinnerte, den er Dar zugeworfen hatte, als sie ihre neue Freundin ihrem alten vorstellte. Es hatte zehn Minuten gedauert, bevor Bob widerwillig hergekommen war und sie mit seinem Schwanz wackelnd protestierend angequakt hatte. Ihr Atem bildete stetige, sichtbare Schwaden, und sich wünschend ihre Laufpartnerin wäre bei ihr sah sie sich um. Um mit Dar mithalten zu können, hatte sie sich wirklich anstrengen müssen, obwohl sie die größere Frau oft wegen ihrer Liebe zu Schokolade und anderen sündhaften Genüssen verulkte, war Dar in wirklich guter Form, was sich in der Leichtigkeit ihres Laufes, und ihre Fähigkeit kleine interessante Ergänzungen zu ihrem morgendlichen Training hinzuzufügen, zeigte. Wie etwa jonglieren. Als sie das erstemal gesehen hatte, wie Dar drei Steine aufgehoben hatte und dann während des Laufs um die Insel damit jonglierte, konnte sie es kaum glauben. Sie sagte, dass es die Balance und Koordination steigern und gleichzeitig die Muskulatur des Oberkörpers trainieren würde, da Laufen überwiegend nur die Beine und die unteren Köperpartien ausbildete. Jonglieren. Jesus... Kerry war sich sicher, dass sie nur bei dem Versuch etwas derartiges zu versuchen, auf ihr Gesicht fallen würde. Den Hügel hinunter setzte ihren Weg rund um den See fort, umrundete dann das hintere Ende und den Hügel wieder hinauf, machte sie sich auf den Rückweg. Sie gab zu, dass sie diesen Teil in Miami vermisste, wo die einzigen Hügel, die Überführungen der Autobahn waren. Sie konnte die Anstrengung in ihren Schenkeln und Waden spüren, doch sie biss sich durch die Steifheit, so wie es ihr Dar beigebracht hatte. Es war ein Rundkurs von 3,5 Kilometer und als sie außer Atem und schweißbedeckt den Gipfel des Hügels erreicht hatte, war sie froh das Haus zu sehen. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und als sie den Weg zur Küchentür erreichte verfiel sie in einem leichten Trott und versuchte wieder zu Atem zu kommen. Dar hatte ihr gesagt, dass sie nach einer Weile mehr Ausdauer bekommen würde und während sie die Stufen hinaufsteigend in den Vorgarten ging, überkam sie ein zufriedenes Gefühl über ihre Bemühungen. Vor einer lässig wartenden Gestalt, deren silbergraues Haar von dem Licht der Morgendämmerung umrissen wurde, blieb sie abrupt stehen. Kerry holte überrascht Luft. "Morgen Kyle." Sagte sie vorsichtig. "Soso." Kyle stieß sich von dem Pfosten ab, an den er sich gelehnt hatte und ging zu ihr. "Sehn wir taufrisch aus." Kicherte er. "Wirst eine richtige kleine Athletin, oder nicht?" Kerry starrte ihn gelassen an. "Das würde ich nicht sagen." "Würdest du nicht?" Erkundigte sich Kyle blasiert, während er mit einem Finger über den Schweiß auf ihrer Wange wischte. "Ich weiß nicht... du gehst in ein Fitnessstudio, nimmst Karatestunden... nun ja, das... verwundert mich." Er tastete sie mit seinen Augen ab. "Nicht sehr damenhaft." "Es schadet nichts, wenn Damen körperlich fit sind." Bemerkte die blonde Frau leise. "Und Kyle, ich glaube nicht, das es dich etwas angeht." Er betrachtete sie eingehend. "Du wärst überrascht Mädchen, was mich alles was angeht." Erwiderte er ruhig. "Besonders, wenn es etwas mit meiner zukünftigen Nichte zu tun hat... hast du mich verstanden?" Kerry's grüne Augen verengten sich. "Kyle, ich denke, dass du deine Grenzen überschreitest." "Und ich denke, das mit dir etwas vorgeht, dass mir nicht gefällt... und das auch deinem Daddy nicht gefallen würde... und mein süßer Keks, es wir herrlich sein, wenn ich herausfinde was es ist." Er ergriff ihr Kinn. "Geh duschen. Du stinkst." Dann drehte er sich um, und die Stufen hinuntertrabend ging er in Richtung Garage. "Nicht annähernd so schlecht wie du Arschloch." Flüsterte Kerry beißend. Sich umdrehend machte sie sich auf den Weg die Stufen hinauf zum Hintereingang, wo sie von Mary entdeckt wurde. "Oh... Guten Morgen, Mary." "Ms. Kerry... Guten Morgen." Die dunkelhäutige Frau mittleren Alters nickte ihr zu. "Waren sie Laufen? Du meine Güte... dafür ist es zu kalt, wenn sie nicht vorsichtig sind, könnten sie sich den Tod holen." Kerry fuhr sich mit ihren Fingern durch ihr Haar. "Ist schon in Ordnung... ich hab mich sehr schnell aufgewärmt." Sagte sie lächelnd zu der Bediensteten, die schon seit Kerry's Kindheit in ihrem Haushalt war. "Besteht irgendeine Aussicht auf ein paar Muffins?" Mary sah sich geflissentlich um, dann beugte sie sich näher. "Nun ja, wie sie wissen... hat uns ihre Mamma gesagt, das wir ihnen solche Sachen nicht geben sollen, weil sie glaubt, das es nicht gut für sie ist, aber ich muss schon sagen Ms. Kerry... meiner Ansicht nach sehen sie sehr gesund aus." Nun sah sich Kerry in beide Richtungen um, dann zog sie ihr Sweatshirt und T-Shirt aus und nur noch in ihrem Sport-BH dastehend breitete sie ihre Arme aus. "Seh ich so aus, als ob ein Muffin mir schaden würde?" Mary sah sie sich von oben bis unten an. "Mm mm... Nein Madam, danach sieht es nicht aus... ich hole ihnen diesen Muffin, aber ziehen sie bitte wieder ihre Sachen an, bevor einer der Herren sie sieht." "Danke." Lächelnd zog Kerry ihre Sachen wieder an und wartete geduldig während Mary verschwand, und dann mit einem kleinen Korb wiederkam. "Hier, nehmen sie... es sind zwei Heidelbeermuffins und etwas zum draufstreichen... nun machen sie schon und genießen es." Sie reichte Kerry den Korb und verscheuchte sie. Mit einem siegreichen Grinsen verschwand die blonde Frau auf den Flur in Richtung der Treppen und trottete sie hinauf, während Mary sie beobachtete. Elizabeth kam herüber und stieß ihre Kollegin an. "Nach was schaust du?" "Mm mm... das Mädchen hat sich mit Sicherheit prächtig entwickelt." Mary schnalzte mit ihrer Zunge. "Sie muss der Teufel geritten haben, derartig ihre Kleidung vor mir auszuziehen... was für ein hübscher kleiner Bauchnabel das war." "Du altes Luder." Kicherte Liz tief aus ihrer Kehle. "Kind, ich bitte dich... ich würde gerne wissen wer ihr letztendlich etwas gesunden Menschenverstand eingetrichtert hat... nebenbei war es eine verdammt gute Arbeit." Bemerkte Mary kopfschüttelnd. "Dieses Haus zu verlassen war das Beste was sie jemals getan hat." "Hm... es wäre besser für sie, wenn sie niemals hierher zurück gekommen wäre." Sagte Liz leise während sie die Tischtücher nahm um sie zusammenzulegen.
"Wusstest du, dass wir diesen Kram rund um die Uhr empfangen können?" Erklärte Gerald Easton und zeigte zum Fernseher. "Sie erzählen mir immer wieder, das es Kabelkanäle für alles gibt, jetzt glaub ich's..." Sie sahen sich den Militärkanal an, ein Sender, der ernsthafte Programme über den bewaffneten Militärdienst ausstrahlte. "Ich kann's nicht fassen... sieh dir das an, Dar... sie verkaufen Militäruniformen, als ob es der Home-Shopping-Kanal wäre." Dar streckte ihre Beine aus und sie verschränkend lehnte sie ihren Kopf gegen die weiche Rückenlehne der Couch. "Das bringt Geld... eine Menge Zivilisten sammeln und tragen das Zeug... Jesus... 88 Dollar für ein Paar einfache Stiefel. "Hmph." An seiner Pfeife ziehend schüttelte er seinen Kopf. "Moderner Mist... was zum Teufel will jemand mit einer Schachtel MRE's [Militärrationen] anfangen? Dieses Zeug würde ich nicht mal Alabaster füttern... sie würde mich geradewegs in den... ah... beißen." "Ins Bein." Schlug Dar trocken grinsend vor. "Nun ja Gerry, wir sind da in einer Zwickmühle... es übertrifft wiedereinmal die Sendung: Pilger, Die Neueroberung Amerikas." "Kommunisten." Schnaubte der General. "Heutzutage ist es modern die Geschichte im schlechtmöglichsten Licht zu sehen." Dar erstickte ein Grinsen, und sah auf, als Jack in der Tür auftauchte und einen Football hochhielt. "Dar, hast du Lust ein Spiel?" Fragte der große, blonde Mann grinsend. "Das Wetter hat aufgeklart... und ich hab mir gedacht wir könnten uns draußen ein wenig Appetit holen." "Aber sicher." Dar erhob sich, und ihm nach draußen folgend lachte sie, als Alabaster, den winzigen Zähnchen ihrer neun gefräßigen Welpen für eine Weile entfliehend, an ihnen vorbeisauste. Über den immer noch feuchten, nun von der Sonne bestrahlten Rasen gehend, nahm sie einen Atemzug von der kalten Brise und schob die leichte Beklemmung, die sich seit dem späten Vormittag in ihrem Magen festgesetzt hatte beiseite. Kindskopf… jetzt krieg dich wieder ein, Dar… gerade weil Kerry erst zweimal angerufen hat, bedeutet es wahrscheinlich, das alles gut läuft... sie ist mit ihrer Familie zusammen und vielleicht hat sie ja eine gute Zeit. "Mach schon voran." Jack warf den Football zu ihr, welchen sie mit einer Hand fing und dann genau ansah. "Schönes Teil." Beglückwünschte sie den Eigentümer und sah, das er schon oft benutzt wurde, dann schlang sie ihre Finger um die Nähte und warf ihn zurück. "Na... wie laufen die Dinge in der Gesellschaft?" Erkundigte sich Jack während er den Ball wieder zu ihr warf. "Ziehst du noch immer hinter den Kulissen an den Strippen der Welt." Dar fing ihn und warf ihn mit ein wenig mehr Drall zurück. "Mehr oder weniger... einige gewinnt man, einige verliert man... es lief dieses Jahr recht gut für uns." "Herrje..." Stöhnte Jack und schüttelte seine Hand aus, nachdem den Football gefangen hatte. "Jesus Dar... eins kann ich dir sagen, du kannst das Ding immer noch zum Singen bringen." "Tut mir leid." Entschuldigte sich die dunkelhaarige Frau grinsend. "Ja, klar." Jack schoss ihn zurück. "Hast du jemals bereut, das du diese Sache machst?" Fragte er spontan. "Ich meine… du verstehst schon, jemand mit deinen Fähigkeiten könnte beim Militärdienst gutes Geld machen." Mitten im Wurf stoppte Dar und stemmte ihre Hände in ihre Hüften, oder eher gesagt, eine Hand und einen Football. "Versuchst du mich abzuwerben?" Seine Hände in die Hosentaschen steckend blickte er durch jungenhafte Augenbrauen zu ihr. "Wer, ich?" Lachte er verlegen. "Ich weiß nicht Dar... du hast immer zum Militär gepasst... ich habe mich nur gefragt, ob du nicht manchmal daran denkst zurückzukommen." Dar jonglierte den Football und warf ihn dann zurück. "Dafür ist es zu spät." Erzählte sie ihm. "Ich bin zu sehr daran gewöhnt Befehle zu geben... es würde nicht mal eine Minute dauern." Sie wusste, das es stimmte. "Und ich würde irgendeinem Fünf-Sterne-Typen sagen, er solle seinen gestärkten Hintern aus dem Weg schieben, damit ich zum Großrechner kann, und es würde damit enden, das ich das Hauptquartier mit einem Brillenputztuch schrubbe." Jack fing den Ball und warf ihn wieder zurück. "War nur ein Gedanke." Bemerkte er. "Du kannst mir keinen Vorwurf machen, das ich es versucht habe, oder?" Sie spielten noch eine Weile länger, dann änderten sie die Spielweise, indem einer von ihnen den Ball nahm und versuchte an dem anderen vorbeizukommen. "Halten oder Angreifen?" Erkundigte sich Jack verspielt. "Ich halte, was für ein Bulldozer sollte dich schon angreifen?" Schnaufte Dar. "Angsthase." Grinste er. Dar spürte, wie ihr Kampfgeist aufwallte. "In Ordnung... aber sag mir nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte..." Sich den Ball schnappend rannte sie davon und er lief grölend hinter ihr her. "Scheiße... Dar! Das ist nicht fair!" Er rannte schneller und rutschte an ihr vorbei, als sie ausweichend über eine kleine Hecke im Hinterhof sprang. Er sprang hinter ihr über die Hecke und dann lag nur noch offenes Feld vor ihnen. "Ah... jetzt hab ich dich." "Glaubst du, ja?" Seine entschlossenen Schritte hörend, beugte sich Dar nach vorne, beschleunigte und machte ausgreifende Schritte bis sie im vollen Tempo lief. "Mann, ihr Piloten verbringt zuviel Zeit auf euren Hintern." Rief sie zurück, während sie zwischen zwei großen Bäumen am Ende des welligen Geländes hindurchrannte, ihn dann langsamer werdend vorbeilaufen ließ, und dann in dem nassen Gras schlitternd zum Stehen kam. "Ha... mein Punkt." "Du... du..." Drohte ihr Jack mit dem Finger. "Verdammt Dar... für jemanden, der den ganzen Tag hinter einem Schreibtisch sitzt, hast du mit Sicherheit schnelle Beine." Sie schnippte den Ball zu ihm. "Du bist dran." Er überlegte, dann spurtete er, in professioneller Manier den Ball unter seinem Arm geklemmt, davon. Dar gab ihm einige Schritte Vorsprung, dann lief sie in einem leichten Winkel zu seinem Weg hinterher. Auf ihn aufschließend wartete sie darauf, das er auswich und dann exakt seinen nächsten Zug erahnend wechselte sie wieder den Winkel und beschleunigend warf sie sich mit ihrem Körper gegen seinen, schlang ihre Arme um ihn und wirbelte durch den Schwung und ihr Gewicht beide herum. Plumpsend landeten beide im Gras. "Scheiße." Stöhnte Jack. Ihn loslassend setzte sich Dar auf, staubte die Jeans über ihren Knien ab und begann herzhaft zu lachen. Jack blickte finster drein und lachte dann auch. "Ich hätte daran denken sollen, dich nicht herauszufordern." Gab er zu. "Du hast es schon immer geschafft an die Spitze zu kommen." Sie wollte gerade antworten, als das Handy an ihrem Gürtel piepste. Sie nahm es und klappte es auf. "Ja?" "Fröhliches Thanksgiving." Erklang Kerry's warmherzige, jedoch leicht angespannte Stimme. "Wünsche ich dir auch... wie laufen die Dinge?" Erkundigte sich Dar, ihre Beine ausstreckend und einen Grashalm herauszupfend, während Jack es sich im Gras gemütlich machte und den Kopf auf seine verschränkten Hände legend in die Wolken blickte. "Es ist okay." Seufzte Kerry. "Mom versucht mich schon den ganzen Vormittag davon zu überzeugen, das es angebracht sei, das ich jetzt nach Hause zurückkomme, damit sie in aller Ruhe die Hochzeit vorbereiten kann." "Ach." Pustete Dar. "Also hast du ihnen die Neuigkeiten noch nicht überbracht, wie?" Bemerkte sie mitfühlend. Alabaster kam herübergetrottet und kuschelte sich an sie, als sie den Labrador abwesend streichelte. "Das hört sich ganz nach einem bevorstehenden Urknall an." "Oh ja." Murmelte die blonde Frau ins Telefon. "Was machst du?" Dar wackelte mit ihren Turnschuhen. "Tatsächlich sitz ich gerade im Gras... ich hab etwas Fangen mit Jack gespielt." Gab sie zu. "Wir wollten uns ein wenig bewegen, bevor wir reingehen und Mamma Easton uns voll stopft, bis wir explodieren." "Krabumm!" Formte Jack mit seinen Lippen und breitete theatralisch seine Arme aus. Alabaster trottete hinüber und beschnüffelte ihn. "Ich wünschte, ich wäre bei euch." Bekannte Kerry. "Hört sich nach sehr viel mehr Spaß an, als hier... ich fahre mit Angela für eine Weile in die Stadt, nur um von dem ganzen Schwachsinn hier wegzukommen. Übrigens, ich hab einen Blick auf die E-Mails geworfen... und habe die eine, die du geschickt hast und ein paar andere beantwortet." "Braves Mädchen." Sagte Dar lächelnd. "Sich abzuseilen, klingt vernünftig… vielleicht haben sie sich ein wenig beruhig, wenn der Tag vorbei ist." "Vielleicht." Erwiderte Kerry zurückhaltend. "Nun ja, wie dem auch sei... ich mach mich jetzt fertig... ich wollte dir nur Hallo sagen, und hoffe, das du dein Essen genießt." "Du auch." Entgegnete Dar. "Das ist unwahrscheinlich." Kam die ungewöhnlich pessimistische Antwort. "Aber ich werde es mit dem alten Uni-Trick versuchen... wir reden später, Dar." Nachdenklich klappte Dar ihr Handy zusammen und steckte es wieder an ihren Gürtel. Verdammt, sie hört sich so deprimiert an. "Familien können manchmal die Hölle sein." Gab sie laut von sich. "Hmm?" Jack drehte seinen Kopf zu ihr. "Oh… ja, ich nehme es an … war das dein Büro?" "Nein... meine Assistentin... sie ist zu Hause und ihre Familie macht es ihr schwer." Langsam rollte sich Jack auf die Seite und stützte seinen Kopf auf einer Hand ab. "Dar... ich..." Er verstummte, dann zog er, ohne sie anzusehen, einen Grashalm heraus. "Ich brauche einen Rat." Dar zog ein Knie an und umschlang es mit einem Arm. "Klar." Er zögerte. "Hast du... jemals jemandem etwas sagen müssen… ich meine jemandem der dir wirklich etwas bedeutet, und von dem du wusstest, das es denjenigen verletzen würde... und ihm das Gefühl gab... enttäuscht von dir zu sein?" Auweia. Dar überlegte sorgsam, bevor sie antwortete. "Ja... das habe ich... warum?" Er sah auf und blickte mit seinen blauen Augen direkt in Dar's. "War es schwer?" Sie nickte. "Sehr." Er sah wieder auf den Boden. "Glaubst du manchmal... das es besser wäre, es nicht zu sagen?" "Nun ja..." Seufzte Dar. "Es hängt davon ab, um was es sich handelt, und wer der Betreffende ist... einem alten Großmütterchen zum Beispiel sollte man nicht erzählen, das ihr schon lange verstorbener Ehemann ein Betrüger war... das führt zu nichts." Er nickte. "Doch Jack, wichtige Dinge... kommen auf irgendeine Art und Weise sowieso ans Tageslicht." Die Heuchelei ihrer eigenen Worte schlug sie, und reflexartig zuckte sie zusammen. "Komisch, wenn du in die Lage kommen solltest." Erwiderte er leise. Ihre Augen konzentrierten sich auf den gebeugten Kopf und sie zog eine Augenbraue hoch. "Willst du mir erzählen, was los ist? Wie du weißt, kann ich meinen Mund halten." Er schluckte und befingerte nervös das Gras. "Dar, du kennst mich seit ich in kurzen Hosen herumgelaufen bin." Er atmete aus. "Wir sind zusammen aufgewachsen... ist dir jemals etwas an mir... nicht normal vorgekommen?" Dar prustete vor lachen. "Jack, du bist der normalste Mensch den ich kenne... du bist ein Musterbeispiel für einen Navy-Bengel, und du weißt das." Jack nickte. "Das dachte ich auch... das habe ich immer gedacht… bis letzten Mai." Für einen langen Moment schwieg er. "Ich hab einen neuen Rücksitz bekommen." Dar brauchte eine Minute um zu begreifen, das er über seinen Flugpartner und nicht über ein Autoteil sprach. "Oh ja?" Ermutigte sie ihn vorsichtig. "Ja... Robbie... wir nennen ihn Robin Hood." Erwiderte Jack, der es anscheinend äußerst interessant fand die Grashalme zu untersuchen. "Wir... ähm... kommen wirklich gut miteinander aus, verstehst du? Manchmal verstehst du dich mit ihnen, und manchmal nicht... ich hatte ein paar Rücksitze mit denen ich kaum reden konnte, und einige sind sogar jetzt noch meine Kumpel." "Soso." Murmelte Dar. "Netter Bursche, wie?" "Ja." Seufzte Jack. "Wir fingen an, zusammen herumzuhängen, und ich… ähm… ich… ich… mir ist vorher noch nie derartiges passiert, doch ich… ich wollte ihn… berühren." Dar schloss kurz ihre Augen und ihre Position verlagernd biss sie sich auf ihre Lippe. "Ja... und?" Fragte sie, darauf bedacht interessiert, jedoch nicht erschrocken zu klingen. "Und… zuerst dachte ich, das es nur… ich dachte, ich wäre krank, okay? Ich hatte schon seit einer Weile keine Freundin mehr, und... nun gut, du weißt schon." Er sah unglücklich aus. "Und ich... ich... ich redete mir ein, dass ich einfach in eine Ecke gehen sollte... und... und." "Ich verstehe." Warf Dar leise ein. "Und, was ist passiert?" Er rupfte ein paar Grashalme aus. "Ich kam gerade vom Duschen zurück... und... und er kam in mein Quartier... und er... ähm... er..." Er verstummte wieder. "Er hat dich berührt?" Erriet Dar und bekam ein fast unmerkliches Nicken. "Und es hat dir gefallen." Ein weiteres sachtes Nicken. "In Ordnung." Schließlich aufblickend sah Jack ängstlich in ihre blauen Augen. "Du glaubst nicht, dass das krank ist?" Dar streckte eine Hand aus und legte sie über seine. "Das wäre unglaublich heuchlerisch von mir." Totenstille. Jack blinzelte sie an. "Ab…" Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. "Du...?" Blaue Augen blickten gelassen in seine. "Glaubst du, dass es krank ist?" "Dar... das ist Wahnsinn... du könntest jeden Burschen haben, den du willst... ich nicht... ich meine... du bist einfach großartig... ich..." Stotterte er sich windend. Dar wartete. Schließlich seufzte sie. "Nein, ich denke nicht, das es krank ist… und du solltest das auch nicht." Er grübelte darüber nach. "Wir waren beide irgendwie... wir fanden es recht unheimlich." Seufzte er. "Doch nach einer Weile... schien es einfach in Ordnung zu sein." Er hielt inne. "Bis ich daran dachte, es meinem Vater zu sagen." Dar atmete aus. "Oh ja." "Dar, es würde ihn umbringen." Jack sah zu ihr auf. "Ich bin sein einziger Sohn... er möchte Enkelkinder... Jesus, er hat mir alles gegeben... alles für mich getan, was in seiner Macht stand... ich..." Er schüttelte vehement seinen blonden Kopf. "Ich kann ihm das nicht antun... ich liebe ihn zu sehr." Was für ein Schlamassel. Dar hatte mit beiden Mitleid, ihrem Freund und Gerald Easton, den die Neuigkeit mit Sicherheit niederschmettern würde. Sie tadelte Gerald nicht wirklich dafür... er war ein Gefangener seiner Generation, seiner Erziehung und seiner lebenslangen Hingebung zum Militärdienst. "Ich sag dir was... warte noch ein paar Tage... und lass mich darüber nachdenken. Vielleicht fällt mir ja was ein." Erzählte sie ihm mitfühlend. Er blickte gerührt zu ihr auf. "Dar, wenn du für mich einen ehrenhaften Ausweg finden kannst, dann stehe ich bis zum Rest meines Lebens in deiner Schuld. Sie strubbelte liebevoll durch sein Haar. "Dafür sind Freunde da, Jack... und ich hab nicht viele davon, also kann ich mich um die kümmern, die ich habe." Sie blickte ihn an. "Weißt du, ich habe deinem Vater gesagt, das wenn ich jemals heiraten würde, dann dich." Sein Gesicht verfärbte sich ein tiefes, loderndes Rot. "Hör zu..." Verulkte sie ihn liebevoll. "Wenn es zum schlimmsten kommt, dann bring ich deinem Dad ein Enkelkind zur Welt." Nun wurde er so dunkelrot, dass seine Augenbrauen völlig weiß hervorstachen. Durch seine Haare rubbelnd kicherte sie wieder.
Kerry klappte ihr Handy zusammen und machte sich auf die Suche nach Angela. "Bist du fertig?" Fragte sie ihre Schwester, nachdem sie sie im Wohnzimmer gefunden hatte. "Mmhm... lass mich nur meine Tasche holen... warte hier." Bestätigte Angela nickend, ging aus dem Raum hinaus und kam einen Augenblick später wieder zurück. "Lass uns gehen... in der städtischen Kirche geben sie ein Chorkonzert... ich dachte, das du es vielleicht hören möchtest." Egal was. "Sicher." Stimmte Kerry bereitwillig zu und folgte ihr zur Tür hinaus. Sie stiegen in Angela's Wagen und auf die Allee fahrend passierten sie endlose Reihen hoher, schmächtiger, kahler Bäume. "Angie, dieser Ort ist deprimierend." Stellte die blonde Frau leise fest. Ihre Schwester betrachtete sie. "Das bemerkst du erst jetzt?" "Ich vermute, das ich vorher nie einen Vergleich hatte... du musst mich mal in Miami besuchen." Erwiderte Kerry. "Es ist so anders... ich könnte dir Bayside zeigen... oder Grove... vielleicht in die Keys hinunter gehen... ich glaub, es würde dir gefallen." Angela seufzte. "Vielleicht, enden wir bei dir unten, wenn Brian und ich von Zuhause fortlaufen müssen." Erzählte sie ihrer Schwester bitter. "Gibt es dort unten eine Nachfrage für seriöse Anwälte?" Kerry sah sie eine lange Zeit an. "Habt ihr darüber gesprochen, oder ziehst du mich nur auf?" Fragte Kerry. "Natürlich gibt es eine Nachfrage für Anwälte... machst du Witze? Er könnte allein von der Vertretung einer unserer Politiker bei Wahlbetrugsanklagen leben." Ihre Schwester atmete aus. "Wir haben darüber gesprochen." Gab sie zu. "Es hatte viel damit zu tun wie du... ich meine, du verstehst schon." "Auf die Neuigkeiten reagiere?" Vollendete Kerry lächelnd. "Mmm... mehr oder weniger, ja... ich weiß auch nicht... es ist ein solch riesiger Schritt, doch wenn ich versuchen würde mich auf gesetzlichem Weg von Richard zu trennen oder scheiden zu lassen, weißt du, dann komme ich niemals hier weg." Sie wechselte die Spur. "Verstehst du, er wird das Sorgerecht einfordern, und wie du weißt, wird Vater durchdrehen." "Ja." Bekannte Kerry leise. "Ich weiß nicht... es scheint sehr drastisch zu sein, Angie... doch ich würde lügen, wenn ich dir sagen würde, dass ich nicht froh wäre, dich dort unten zu haben." Sagte sie lächelnd zu ihrer Schwester. "In der Tat kenne ich eine nette Wohnung in Kendall die früher oder später freiwerden könnte." Angela warf ihr einen Blick zu. "Ach wirklich?" Sie setzte den Blinker und bog auf die Schnellstrasse in Richtung der Stadt ab. Niedrige, braune Backsteingebäude zogen an beiden Straßenseiten vorbei. "Das geht ja ziemlich schnell, oder?" Sich nach vorne beugend stützte sich Kerry mit einem Knie am Armaturenbrett ab. "Es war nur etwas das Dar gesagt hatte... bevor ich gegangen bin. Sie sagte, das wir Thanksgiving nächstes Jahr auf der Insel feiern würden. Es hat mich überrascht, da sie jemand ist, der seine Privatsphäre wirklich schätzt, verstehst du?" Sie atmete aus. "Doch wenn wir zusammen sind... dann es so es so, als ob keine... Privatsphäre vorhanden ist... wenn dir das etwas sagt." Nachdenklich hielt sie inne. "Jedenfalls erkannte ich, als ich vergangenen Sonntag aufgewacht bin, das ich für eine sehr lange Zeit neben ihr aufwachen will." Angela fuhr langsamer, um den Weg zur Kirche einzuschlagen. "Nun, geht die Sache nicht zu schnell an... ich weiß, das ihr euch wirklich mögt, aber das ist ein gewaltiger Schritt, Ker." Kerry lachte offenherzig. "Ich muss schon warten, bis sie mich fragt... verstehst du? Das kann Monate dauern... und ich habe mich schon gefragt wie sie es tun würde... wahrscheinlich sehr sachlich... Hör mal Kerry, es wäre viel kostengünstiger nur einen Wagen zur Arbeit zu nehmen, und meine Wohnung ist näher. Wie wär's?" Angela lachte. "Wirklich?" "Oh ja... so ist Dar... keine blumigen Reden oder so... sie ist sehr praktisch und direkt veranlagt." Versicherte ihr Kerry, dann hielt sie inne. "Obwohl, als ich einmal vom Essen zurückkam, fand ich auf meinem Schreibtisch eine Rose vor." Fügte sie nachdenklich hinzu. Angela parkte den Wagen und seufzte. "Das hört sich für mich verdammt romantisch an, Schwesterherz." Bemerkte sie melancholisch. Sie stiegen aus und quer über den Parkplatz gehend schlossen sie sich einer Gruppe anderer Leute an, die zum Eingang der Kirche gingen. Es handelte sich um ein großes Backsteingebäude mit eingelassenen bunten Kirchenfenstern und hochglanzpoliertem Mahagoni Kirchengestühl. Kerry begrüßte zusammen mit Angela mehrere langjährige Nachbarn, wobei sie sich einige gutgemeinte Scherze über ihre Sonnenbräune anhören musste, bevor sie sich hinsetzten, um den Chor zuzuhören. In dem Raum befand sich eine riesige Orgel, um die sich ein Halbkreis von Sängern versammelt hatte, die einen mehr als anerkennenswerten Vortrag verschiedener alter und gut bekannter Hymnen darboten. Kerry spürte wie sie sich bei den vertrauten Klängen entspannte und für einige Minuten schaffte sie es, alles zu vergessen und nur die Musik zu genießen. "Schönes Konzert." Murmelte Kerry, als zum Ende die letzten schallenden Töne der Orgel leise an den Innenwänden des Gebäudes verhallten. "Das letzte Stück hat mir sehr gut gefallen." Ihre Schwester lächelte. "Mir auch... komm mit... lass uns mit Pastor Robert reden." Sie schob sich aus der Bankreihe, und in den hinteren Teil, dem Amtsbereich der Kirche gehend, winkte sie kurz einigen Freunden zu, die zurückwinkten und sowohl ihr als auch Kerry Grüße zuriefen. Sie führte Kerry zu einer kleinen Tür und klopfte an. "Herein." Antwortete eine weiche, vibrierende Stimme. Die Tür aufdrückend streckte Angela ihren Kopf herein. "Pastor Robert?" "Angela... was für eine nette Überraschung. Komm herein." Rief der Pastor, sie zu sich winkend. Die Tür nun ganz öffnend zog sie Kerry mit sich hinein. "Sehn sie mal, wen ich mitgebracht habe." Der Pastor erhob sich. "Kerrison!" Sagte er lächelnd. Auf ihn zugehend erwiderte Kerry das Lächeln. Pastor Robert war mit seinen 2 Metern Größe und einem Gewicht von 113 Kilogramm, ein Bär von einem Mann. Sein bärtiges Gesicht nahm einen erfreuten Ausdruck an, als sie näher kam. "Hallo, Pastor Robert." "Kerrison… du meine Güte, lass dich ansehen." Er nahm sie bei den Schultern und strahlte sie an. "Du siehst wunderbar aus... ich kann es kaum glauben." Kerry lächelte. "Danke... sie sehen auch großartig aus." Bemerkte sie, auf seinen Arm klopfend. "Ähm... Mrs. Van Ardyn schuldet mir noch ein paar Rezepte, die geh jetzt holen... ich bin gleich zurück, Ker." Sagte Angela und ihrer Schwester ein ironisches Augenrollen ersparend, war sie fort, bevor diese sich umdrehen konnte. "Setz dich... setz dich." Erklärte der Pastor, zu einer Bank deutend die neben der stand, auf der er gerade gesessen und Notenblätter sortiert hatte. "Bist du letztendlich nach Hause zurück gekommen?" "Nur für einen Besuch." Bemerkte Kerry kopfschüttelnd. "Ich bin... sehr glücklich dort unten in Miami." "Ach." Er schien überrascht zu sein. "Aber ich dachte, das deine Mutter... nun gut, ist unwichtig." Er setzte hin und tätschelte ihr Knie. "Wie geht es dir?" "Mir geht es gut... ich hab einen neuen Job, der mir wirklich gefällt, und eine Menge echt guter Freunde... es ist großartig." Entgegnete Kerry leise. "Wie sieht's bei ihnen aus?" Er hob eine gewaltige Hand und ließ sie wieder sinken. "Wie immer... die Jahreszeiten wechseln, es wird kälter, es wird wärmer... doch es ist meine Lieblingsjahreszeit und ich kann mich nicht beklagen." Seufzte er und lehnte sich zurück. "Die Dinge in der Kirchengemeinde laufen gut... die Preise sind stabil... wir befinden uns nicht im Krieg... alles in allen nicht übel." Kerry betrachtete ihn. "Das hört man gerne." Sie zögerte, dann suchte sie den Augenkontakt mit ihm. "Pastor, darf ich sie etwas fragen?" Er nickte. "Ja, natürlich... hast du Schwierigkeiten dort unten eine Kirchengemeinde zu finden? Kann ich helfen? Kerry, wie du ja weißt, warst du einer von den Menschen die mir schon immer sehr am Herzen gelegen haben." Sie legte ihre Ellbogen auf ihre Knie und verschränkte ihre Finger. "Ich erinnere mich daran... wie sie Sonntags hin und wieder über... ähm... etwas redeten, das sie Seelengefährten nannten." Das Wort kam ihr vollkommen vertraut über die Lippen. "Ja... in der Tat sprach ich gerade letzte Woche während der Kanzelpredigt davon." Stimmte er zu. "Die alte Fabel, das jeder Mensch mit zwei Köpfen und vier Armen und Beinen zur Welt kam und dann in zwei Hälften geteilt wurde... um ihr ganzes Leben die Welt auf der Suche nach anderen Hälfte zu durchstreifen." "Mm... ja." Kerry rieb ihre Daumen zusammen. "Glauben sie an diese Geschichte?" Er schwieg einen Augenblick, bevor er antwortete. "Ja, das tue ich... falls du damit meinst, das ich an die besondere Art der Liebe glaube, in welcher zwei Menschen dazu bestimmt zu sein scheinen, jeder ein Teil des anderen zu sein, ja daran glaube ich... jedoch nicht, das ich damit die Schöpfungsgeschichte in Frage stelle, verstehst du?" Kerry lächelte zurückhaltend. "Ich verstehe." Versicherte sie ihm und tätschelte seinen Arm. "Aber… wie erkennt man, das man das Glück hatte so jemanden gefunden zu haben?" Fragte sie. Ihr Kinn anhebend blickte er feierlich in ihre Augen. "Weil man, wenn man denjenigen ansieht, alles sieht was man auf dieser Welt braucht um vollständig zu sein." Kerry schloss ihre Augen. "Oh." Bemerkte sie leise. "Hast du so jemanden gefunden, Kerry?" Erkundigte er sich ganz behutsam. Sie öffnete ihre Augen. "Ja... ich glaube, das habe ich." Sie atmete aus. "Es ist jemand, dem ich vor kurzem begegnet bin, der mir inzwischen jedoch sehr nahe steht... und es ist wie sie gesagt haben, wenn ich diese Person ansehe, dann hab ich das Gefühl, als ob ihre Hände ganz zärtlich mein Herz umschließen." Sie hielt inne. "Und es sicher bewahren." "Ich wusste nicht, das du eine Poetin bist, mein Kind." Langsam überquerte ein süßes Lächeln sein Gesicht. "Es ist aber nicht mein Freund Brian, oder?" "Nein." Erwiderte Kerry leise. "Er ist einer meiner besten Freunde, und ich liebe ihn, aber… nein." Pastor Robert stieß den lang angehaltenen Atem aus. "Und wenn ich es richtig verstehe, dann hast du es deinen Eltern noch nicht gesagt? Nein, natürlich nicht... deine Mutter denkt noch immer... oha... was für ein Durcheinander haben wir hier." Er grübelte nach. "Nun ja, vielleicht solltest du es ihnen begreiflich machen, so wie du es mir erklärt hast... ich bin sicher, das sich deine Eltern für dich freuen, sobald sie diese Person kennen gelernt haben." Kerry schüttelte traurig ihren Kopf. "Nein, Pastor Robert, das werden sie nicht... sie werden diese Person nicht akzeptieren." Sie blickte wieder nach unten. "Außer meiner Schwester, stehe ich meiner Familie nicht sehr nahe... doch das wird etwas zwischen uns treiben, das niemals wieder geheilt werden kann." Er seufzte. "Gott kann sogar die schlimmsten Wunden heilen, meine Freundin... wie schlecht kann diese Person sein, das sie dafür ihre Tochter aufgeben würden?" Kerry zögerte, dann holte sie tief Luft. "Sie ist überhaupt keine schlechte Person." Sagte sie nur, und ließ diese Bemerkung im Raum stehen. Einige Atemzüge lang schwieg er, dann zog er an seinem Bart. "Autsch." Seine Stimme hatte einen leisen nachdenklichen Tonfall. "Das ist ein schwieriger Fall." Kerry merkte wie sie lächeln musste. "Haben sie irgendeinen Rat? Ich höre gerne zu... einerseits möchte ich die ganze Sache hinter mich bringen, und andererseits bin ich zu Tode erschrocken, überhaupt damit anzufangen." "Hm." Er legte seinen Kopf schief. "Nun ja, ich vermute, das es der Weg der Feiglinge ist... aber ich würde bis zur Abreise nach... deinem Zuhause warten." Er lächelte sie an. "Und es ihnen dann einfach erzählen... nur eine flüchtige Darstellung, und dann gehen. Besorg dir jemanden der dich zum Flughafen bring, und geh einfach." Er umfasste ihre Hand. "Die Feiertage sind eine sehr emotionale Zeit... in diesem Stress ist es für die Menschen schwer mit solch einer Situation umzugehen, besonders an Thanksgiving, das so Familienbezogen ist." Sie dachte darüber nach. "Wissen sie, das ist ein guter Rat." Räumte sie ein. "Einfach bis dahin mitspielen... wird das Wochenende wesentlich angenehmer gestalten." Er nickte. "So hab ich's gemacht." Erzählte er ihr leise und legte dann einen Finger auf seine Lippen. Wie konnte Angela das wissen? Kerry blinzelte ihn leicht schockiert an. "Oh." Er tätschelte ihre Wange. "Ich verstehe." Ihre Augen schossen durch den Raum. "Aber... sie..." "Ja, und wenn es jemand wüsste, dann würde ich meinen Job verlieren." Sagte Robert leise. "Ich weiß also, was es heißt mit einem Geheimnis zu leben, Kerry... aber es gibt Dinge im Leben, die ein solches Risiko wert sind." Er hielt inne. "Ein Seelengefährte ist so etwas." Kerry nickte bedächtig. "Das ist jedes Risiko wert." Sie atmete aus. "Danke, Pastor Robert." Er sah sie liebevoll an. "Ich wünsch dir alle Freude dieser Welt, meine Freundin... ich werde für dich und das Verständnis deiner Eltern beten." Er stand auf, wartete bis sie sich auch erhoben hatte und umarmte sie dann. "Ich wünsch dir alles Gute." Lächelnd tätschelte sie seine Seite. "Das wünsche ich ihnen auch." Ein Klopfen an der Tür ließ sie aufblicken, und als diese sich öffnete streckte Angela ihr Gesicht herein. "Komm rein." "Silvia Cessnes möchte wissen, ob wir mit den anderen einen Kaffee trinken möchten… hast du Lust?" Fragte Angela. "Klar… das wäre nett." Stimmte Kerry zu. Silvia Cessnes war eine ihrer liebsten Gymnasiallehrer. "Fröhliches Thanksgiving, Pastor Robert." "Das wünsch ich dir auch Kerry... und dir auch, Angela... danke das ihr vorbeigekommen seid." Er führte sie zur Tür und winkte ihnen, bevor er die Tür hinter Kerry's Rücken schloss. "Alles okay?" Erkundigte sich Angela flüsternd. Kerry lächelte. "Alles ist prima... komm schon, ich wette das sie frische Linzertorte in diesem Café haben." Sie zog an Angela's Ärmel und führte sie den Flur hinunter. Die große, dunkle Gestalt, die beobachte wie sie gingen, und dann in der entgegengesetzten Richtung verschwand, sahen sie nicht.
"War sie nicht köstlich?" Bemerkte Kerry lachend, als sie und Angela die Stufen zu dem Raum hochstiegen, den sie vergangene Nacht geteilt hatten. "Sie hat sich kein bisschen verändert." Sie drückte die Tür auf, ging hinein und blieb dann stehen. Es war kein offensichtliches Durcheinander, doch irgendjemand hatte ihre Dinge durchstöbert. Angela blieb auch stehen und sah die, um die Laptoptasche verstreuten Papiere. "Was ist los?" Mit hämmernden Herzen ging Kerry hinüber und sah mit zittrigen Fingern in das Reißverschluss-Fach. "Oh Scheiße." "Was ist?" Ihre Schwester sah besorgt über ihre Schulter. "Die Fotos." Keuchte sie. "Wie konnte ich nur so blöd sein." Reflexartig griff sie nach ihrem Handy und hielt dann inne. Was soll ich ihr sagen, wie blöd ich war? "Scheiße." Angela stieß hörbar die Luft aus. "Mann, Kerry... ich kann nicht glauben, das sie hereinkamen und deine Sachen durchstöbert haben... das ist ekelhaft." "Ich hätte dran denken sollen… es war doch das Standardverfahren als wir zur Hochschule gingen, erinnerst du dich? Sie suchten nach Gott weiß was." Kerry schob ihr Haar zurück und versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Waren die Fotos so kompromittierend? Ein paar waren von der Insel... recht harmlos... das Boot... es konnte überall sein... die beiden Bilder von Dar im Badeanzug... nun ja... dann seufzte sie. Und das letzte, welches Colleen von ihnen beiden auf der Couch im Apartment aufgenommen hatte, Dar's Arme lagen über ihrer Schulter und Kerry's linkes Bein lag über Dar's Knien. Beide lächelten, und sogar die Kamera hatte die unverkennbare Zuneigung in Dar's Augen eingefangen. Oh Scheiße. "Was wirst du jetzt machen?" Murmelte Angela. "Dir ist doch klar, dass er durchdrehen wird." "Ich weiß." Murmelte Kerry. "Ich rate, das ich einfach die Wahrheit sage… doch Angie, es könnte sein, das schnell von hier weg muss…" "Ich fahr dich... keine Sorge." Erwiderte ihre Schwester sofort. "Und Brian wird auch bald hier sein." Sie rieb liebevoll Kerry's Rücken. "Es tut mir leid... ich dachte nicht, dass sie so was tun würden." Kerry schloss ihre Augen. "Ich auch nicht... doch ich hätte es... besser wissen müssen... besonders, nachdem was neulich passiert ist." Sich herumdrehend lehnte sie sich gegen den Schreibtisch. "In meine Wohnung wurde eingebrochen... alles war auf den Kopf gestellt und durchwühlt worden, und irgendjemand hatte meine Fische vergiftet." Angela starrte sie schockiert an. "Du denkst doch nicht..." "Zufälligerweise kam Kyle am nächsten Tag zu Besuch." Entgegnete Kerry knapp. "Dar war da... sie hatte sich versteckt, doch er begann... mich zu betatschen, und sie..." Sie hielt inne. "Sie stoppte ihn." Angele musste das verdauen. "Kyle kann wirklich beängstigend sein... Brian glaubt, dass er... seit dem Vorfall beim Militär... leicht wahnsinnig ist oder so." "Dar kann auch furchteinflössend sein." Erwiderte Kerry. "Sie ist so groß wie er und sie sieht nicht wie jemand aus, mit dem man sich anlegen will." Sie grübelte. "Wahrscheinlich hat sie seinem Ego einen gewaltigen Tritt verpasst." "Er wird versuchen, sich an ihr zu rächen." Sagte Angela leise. "Er ist wirklich gerissen, Ker... und er hat eine Menge Tricks im Ärmel... ich wette, das er in deinen Sachen herumgeschnüffelt hat." Einen Atemzug lang stand Kerry da, dann klappte sie ihr Handy auf und drückte eine Taste. "Hey." Sagte sie leise, als Dar antwortete. "Hey..." Dar klang überrascht. "Nicht das es mich nicht freuen würde... doch ich hatte nicht erwartet so schnell von dir zu hören... was gibt's?" "Ich bin ein Idiot." Gestand Kerry leise ein. "Dar ich hab etwas sehr blödes getan... ich hab diese Fotos in meiner Laptoptasche gelassen, und irgendjemand hat meine Sachen durchsucht und sie gefunden." "Ach." Erklang die nachdenkliche Stimme der Geschäftsführerin. "Also ist die Katze aus dem Sack, wie? Nun ja, ich hoffe ihnen gefällt mein Badeanzug." Innehaltend spürte Kerry, wie eine beruhigende Woge sie überspülte. "Du denkst nicht, das ich eine völlige Närrin bin?" Dar zögerte. "Warum hast du die Bilder mitgenommen?" Fragte sie ruhig. "Ähm..." Kerry errötete. "Um mit dir bei meiner Schwester anzugeben." Ein leises Kichern erwärmte ihr Herz. "Und ich soll denken, dass das närrisch ist? Nee… Pech gehabt, aber... behalt deinen Verstand zusammen, und wenn sie Fragen haben, dann antworte ihnen einfach. Lass dich von ihnen nicht unter Druck setzen." "In Ordnung." Die blonde Frau straffte ihre Schultern ein wenig. "Danke, Dar." "Halt mich auf dem laufenden, okay?" Ermutigte ihre Chefin sie. "Oh ja... das werde ich." Beruhigte Kerry sie. "Tschüss." Sie klappte das Handy zusammen und steckte es an ihren Gürtel. "Dar sagt, das ich die Ruhe bewahren und abwarten soll, was geschieht." Angela legte einen Arm um sie. "Als Krönung zu allem anderen, hört sie sich auch noch wie eine Freundin an." Kerry nickte abwesend. "Das ist sie... ich weiß, das ich mich auf sie verlassen kann." Sorgfältig räumte sie ihre Sachen weg. "Okay... ziehen wir uns um, und gehen runter... der Rest der Familie sollte inzwischen angekommen sein, und das verleiht mir zumindest während des Abendessens eine Schonfrist." Sie knöpfte das grüne Flanellhemd, das sie während ihres Stadtbesuches getragen hatte auf und zog es aus ihrer Jeans heraus, sie zog es aus und legte es ordentlich zusammen, bevor sie es in ihre Tasche steckte. "Ich vermute, dass ich sie einfach zum explodieren bringen könnte, indem ich meine Jeans zum Abendessen trage." Angela holte neben einem rosa besticktem Pullover, einen beigefarbenen Faltenrock und eine langärmlige Bluse aus ihrer Tasche. "Kerry..." Sie lächelte. "Ich mach nur Spaß." Ihre Jeans folgte dem Hemd in die Tasche, und sie zog das blaugrüne Kostüm heraus, das Dar bei Macy's für sie herausgesucht hatte. Die seidene Bluse folgte und sie holte ihre guten Schuhe heraus. "Na also... darüber können sie sich nicht beklagen." "Wow." Bemerkte Angela, während sie das Kostüm anzog. "Das ist sehr hübsch, Ker." Ihre Schwester steckte akkurat die Seidenbluse in den Rock, schloss den Reißverschluss und legte ihre Jacke über ihre Schultern. "Danke... das ist eins von den neuen Sachen, die ich mir gekauft hatte, als ich den Job gewechselt habe... es gefällt mir sehr." Nachdem Angela mit ihrem Outfit fertig war ging sie hinüber, wischte ein Staubkörnchen von Kerry's Manschette und begradigte ein wenig ihre Ärmel. "Schöne Anstecknadel." Grüne Augen sahen hinunter und dann wieder auf. "Ein Geschenk... obwohl ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste... Dar hat es herausgesucht... sie war aus Gefälligkeit mitgegangen, damit ich wusste, was ich im Büro tragen kann." Sie nahm ihre Bürste und begann ihr vom Wind zerzaustes Haar zu entwirren bis sie mit dem Ergebnis zufrieden war, dann holte sie eine kleine Flasche aus ihrer Tasche und trug einen Hauch Parfüm auf. "Mm… was ist das?" Fragte Angela und schnuppernd. "Polo…" Antwortete Kerry abwesend. "Eigentlich nehme ich es nicht oft… aber…" "Mir gefällt es." Erklärte ihre Schwester lobend. "Auf geht's... lass uns runter gehen." Kerry betrachtete sich im Spiegel, die weiche Raumbeleuchtung betonte ihr blondes Haar und ließ ihre grünen Augen funkeln. "In Ordnung." Antwortete sie. "Lass uns gehen." Zusammen die Treppe hinunter gehend hörten sie das leise Gemurmel in der Halle und betraten, die Richtung zum Esszimmer einschlagend, den Flur. Als sie sich näherten richteten sich die Augen auf sie und Kerry versteifte sich, als sie das starre und wütende Gesicht ihres Vaters bemerkte, der neben Kyle stand. Sie hob ihr Kinn und wandte ihre Aufmerksamkeit stattdessen ihren anderen Verwandten zu, als ihre Onkel und Tanten über sie erspähten. Quer durch den Raum erspähte sie einen sehr nervös aussehenden Brian, und nachdem sie es geschafft hatte Blickkontakt herzustellen, lächelte sie ihn an und blinzelte kurz. Er entspannte sich merklich. "Wie machst du das, Kerry... du siehst einfach reizend aus." Ihre Tante Agatha ging altersschwach zu ihr. "Was für eine bezaubernde Farbe die du da trägst, meine Liebe... du siehst so erwachsen aus!" "Ich bin siebenundzwanzig." Erzählte ihr Kerry liebenswürdig. "Ich dachte, es wäre an der Zeit." "Oh... du bist so klug." Die alte Frau tätschelte ihren Arm. "Eustace sieh nur, wie wundervoll unsere Nichte aussieht." Sie linste über Kerry's Schulter. "Liebling, deine Tochter sieht einfach großartig aus." Sich umdrehend sah Kerry wie ihre Mutter den Weg zu ihnen einschlug. Stehen bleibend betrachtete sie Kerry, und neidisch dem Erscheinungsbild ihrer Tochter zustimmend nickte sie. "Nun ja, natürlich weiß sie, wie sie aufzutreten hat." Sagte die ältere Frau arrogant. "Liebling, dein Onkel Milton will dir unbedingt Guten Tag sagen." "Sicher." Erwiderte Kerry. "Wo ist… ah, alles klar. Ich sehe ihn." Ihr Onkel überragte den Rest der Menge um gut fünfzehn Zentimeter. "Okay... ich geh rüber." Sie machte sich auf den Weg zu ihm, wurde aber aufgehalten, als ihre Mutter sie ein wenig auf die Seite zog, und sie begutachtete. "Du siehst sehr hübsch aus, Kerry." Erkannte schließlich an, während sie an einer Strähne von Kerry's blonden Haaren zog. Kerry's Lächeln spiegelte sich in ihren Augen wieder. "Danke Mom... ich bin mit meinem Aussehen sehr zufrieden... und alle anderen auch... könntest du aufhören, mich zu kritisieren?" Ihre Mutter versteifte sich. "Ich habe nicht..." "Es tut weh." Entgegnete Kerry sehr leise. Ihre Mutter starrte sie völlig ratlos an. "Nein, so was." Sie schüttelte ihren Kopf und entfernte sich mit einem fassungslosen Blick von Kerry. "Jesus... allein um ihr einen Anhaltspunkt zu geben, müsste ich eine Kreditkarte beantragen." Seufzte Kerry, als sie ihren Weg zu ihrem Onkel fortsetzte. Sie wurde von Brian abgefangen, der zuerst vorsichtig, dann etwas sicherer auf sie zukam, als sie ihn zu sich winkte. Er war ein großer Mann mit sandfarbenem Haar und einem legeren, schlenkernden Gang, großen, kräftigen Händen und einem gutaussehenden jungenhaften Gesicht. "Hallo Bri." Ihn in eine Umarmung ziehend hörte sie, wie er tief Luft holte. "Es ist okay." Flüsterte sie. "Wirklich okay." Sich Entspannend, erlaubte er sich seine Arme um sie zu legen, und die Umarmung zu erwidern. "Kerriboo, es tut mir leid..." Wisperte er. "Ich hätte dich anrufen sollen... ich..." "Schh..." Kerry klopfte ihm auf den Rücken. "Es ist in Ordnung… mach dir darüber keine Sorgen… mir geht es gut... es ist besser so, ehrlich." Ihre Arme noch lose umschlungen lösten sie die Umarmung. "Du bist noch immer, einer meiner besten Freunde, okay?" Lächelnd berührte er mit seiner Stirn ihre, während die Tanten und Onkel sich nicht mehr einkriegten. "Sind sie nicht niedlich?" Grüne Augen trafen auf Graue und begannen gemeinsam zu rollen. "Komm schon... wenn ich schon Spießruten laufen muss, dann solltest du zumindest bei mir sein." Flüsterte die blonde Frau, ihn am Arm nehmend und begann den Raum zu durchqueren. Das Abendessen, an dem riesigen Tisch in dem offiziellen Esszimmer zog sich in die Länge. Kerry saß zwischen dem Geschnatter ihrer älteren Verwandten, während Brian etwas weiter unten am Tisch saß und ihre Schwester am anderen Ende. Glücklicherweise saßen ihr Vater und Kyle ebenfalls am anderen Ende. Sie unterhielt ihre Tischnachbarn mit Geschichten über Miami, bis das Essen vorüber war und sich alle erhoben, um sich im Wohnzimmer zu unterhalten und Drinks zu sich zu nehmen. Vielleicht hatte sie Glück, sinnierte Kerry, und sie würden erst morgen darauf zu sprechen kommen... im Beisein der ganzen Familie würde es keinen guten Eindruck machen. Sie ließ sich in mehrere Unterhaltungen ziehen, und bevor sie es wusste schlug die Uhr Mitternacht, und die Gäste begannen sich zu verabschieden. Aufstehend bekam sie Angela's Aufmerksamkeit und nachdem sie Gute Nacht gesagt hatte ging sie zur Treppe. "Kerrison." Die Stimme ihres Vaters. Kerry atmete aus und nahm sich einen Moment um sich zu fassen, bevor sie sich herumdrehte. "Ja?" Er stand extrem grimmig in der Tür. "Ich will dich in meinem Arbeitszimmer sehen, sofort." Na ja... es wäre auch zu schön gewesen. Mit einer Hand durch ihr Haar fahrend nahm Kerry all ihren Mut zusammen. "In Ordnung." Erwiderte sie, und ging zur Tür des Arbeitszimmers. Sie öffnete die Tür und ging hinein. Kyle befand sich, auf dem ausladenden Schreibtisch ihres Vaters sitzend und einem Grinsen auf dem Gesicht, im Raum. Sie hörte wie hinter ihr energisch die Tür geschlossen wurde, und Kerry wusste, während sie innerlich zitterte, das sie in Schwierigkeiten war. An ihr vorbeigehend ging ihr Vater hinter seinen Schreibtisch, und schob dann eine äußerst bekannte Mappe zu ihr. "Ich möchte, das du mir das hier erklärst." Kerry schwieg während sie ihre Möglichkeiten überdachte. Nun ja, eine friedliche Einigung schien nicht möglich zu sein, also... "Nur wenn du mir erklären kannst, warum du es für notwendig erachtest in meinen persönlichen Sachen herumzustöbern." Erwiderte sie ruhig, während sie ihre Hände auf die Rückenlehne des Stuhles, der vor dem Schreibtisch stand, legte und sah ihn gelassen an. "Reiß mir gegenüber deinen Mund nicht so weit auf, Mädchen." Warnte ihr Vater sie. "Das tu ich nicht... doch ich bin erwachsen... und ich habe das Recht, in meiner Aktenmappe alles mitzunehmen was mir gefällt, Dad." Erklärte sie vernünftig. "Und ich muss mir keine Sorgen machen müssen, das Personen in meinem eigenen Elternhaus, darin herumwühlen." Fügte sie hinzu und merkte wie ihr Temperament anstieg. Er blätterte durch die Fotos und schaute dann auf. "Weißt du was ich denke? Ich denke, das ich den Grund kenne warum du plötzlich in dieser Höllengrube bleiben willst." Kerry gab darauf keine Erwiderung. "Ich denke, dass es rein gar nichts mit deinem verdammten, erbärmlichen Job zu tun hat, sondern nur mit diesem Miststück, für das du arbeitest." Er schlug mit seiner Faust auf den Tisch. "Was hat sie dir angetan, Kerry?" Ihre Augen bewegten sich leicht während sie in betrachtete. "Nichts." "Nichts? Das nennst du nichts?" Er nahm die Mappe und warf sie zu ihr, wodurch sich die farbenprächtigen Fotos über den Teppich verstreuten. "Ich werde sie verklagen! Kerry, für mich ist es offensichtlich was da vor sich geht, Tatsache ist, dass ich nicht glauben kann, das du es mir nicht gesagt hast!" Bemerkte er hin und her schreitend. "Hast du nicht daran gedacht, das ich dir helfen könnte?" Kerry's Augenbrauen zogen sich zusammen. "Sag mir... einfach... was denkst du denn, was sie getan hat?" Fragte sie ehrlich verwirrt. "Sie hat dich natürlich zu dem Job gezwungen! Ihr Ruf... nun ja, das kann ich vor dir nicht wiedergeben, doch ihre Absichten sind offensichtlich... mein Gott, Mädchen!" Er warf seine Hände in die Luft. "Als erstes müssen wir dich da rausholen... dann werde ich eine offizielle Beschwerde einreichen... du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Mädchen... sie wird dir nichts anhaben können." "Halt mal!" Kerry hob eine Hand. "Versteh ich das richtig … du denkst, das Dar versucht, mich zu verführen?" Ihr Vater errötete. "Halt deine Zunge im Zaum , junge Dame." Er räusperte sich. "Ist das nicht offensichtlich?" Kerry atmete aus. "Nein... Dad... sie versucht mich nicht zu verführen... und fernerhin hat sie mich nicht in diese Position gezwungen... es war meine eigene Entscheidung." "Hör auf, sie zu beschützen!" Brüllte Senator Stuart. "Das ist nicht gut, Kerry... es sei denn, du kannst mir eine andere vernünftige Erklärung für diese Fotos geben!" Lange war es still. "In Ordnung." Sagte Kerry schließlich sehr leise. "Es ist wesentlich einfacher als du glaubst… wir lieben uns." In der Totenstille, die ihren Worten folgte, konnte sie das Rascheln der Teppichfasern hören. Das Gebäude knarrte und sie wurde sich ihrer eigenen Atmung gewahr. Den jetzigen Verlauf der Unterhaltung hatte sie nicht im entferntesten erwartet. "Was?" Sagte ihr Vater schließlich, ging um seinen Schreibtisch herum und stellte sich vor sie. Kerry verspürte eine merkwürdige innere Ruhe. "Dar ist etwas ganz besonderes, und wir lieben uns." Wiederholte sie. "Und sie hat mich dazu nicht gezwungen..." Als ihr ihr Vater eine kräftige Ohrfeige verpasste, wurde sie von der Wirkung gegen den Aktenschrank neben dem Schreibtisch geknallt. "Wage nicht, so etwas zu sagen." Zischte er. "Keine meiner Töchter ist eine von diesen." Ihn anstarrend richtete sich Kerry wieder auf, und berührte mit einer Hand ihre Wange. "Du wirst bei dieser gottlosen Gesellschaft kündigen, und ich will, das du deine Wohnung auflöst und alles her bringst." Erklärte er leise. "Und wir werden so etwas nie wieder von dir hören, nicht wahr?" An ihrem persönlichen Scheideweg angekommen, konnte Kerry hören, wie ihr Herzschlag in ihren Ohren hämmerte. Schwer atmend starrte sie ihn einen langen Moment an, dann holte sie noch einmal tief Luft. "Geh zur Hölle." Fauchte sie ihm ins Gesicht. "Ich würde lieber als Obdachlose leben, als hierher zurückzukommen." Er stürmte nach vorne, doch sie wich aus und brachte einen Stuhl zwischen sich und ihn. Sie war so auf seine Aktion fixiert, das sie die andere Person im Raum vergessen hatte. Bis eine Hand um Ihr Genick glitt, und etwas faulig und scharf riechendes gegen ihre Nase und Mund gepresst wurde. Sie wehrte sich heftig, doch der Griff war zu stark und sie war gezwungen das Zeug einzuatmen. Ein taubes Gefühl überkam sie, ihr wurde schwarz vor Augen, und mit ihrem letzten Gedanken sandte sie einen schweigenden Hilferuf an die einzige Heldin, die sie kannte.
Dar wachte schweißgebadet auf und völlig desorientiert rollte sie fast aus dem Bett, während sie krampfhaft versuchte die unbekannte Umgebung zuzuordnen. Mit hämmerndem Herzen und schwer atmend ergriff sie mit zitternden Fingern die Bettkante. "Jesus." Sie sah sich verwirrt um und konnte nur das friedliche Mondlicht, das durch die Doppel-Kippfenster in Easton's Gästezimmer strömte, sehen. "Was zum Teufel war das?" Murmelte sie mit ihren Fingern durch ihr Haar fahrend und die Übelkeit in ihrem Magen herunterschluckend. "Nehme mal an, das ich zuviel gegessen hab." Folgerte sie reumütig, und realisierte, das sie von dem schamlosen, übermäßigen Genuss wahrscheinlich schlecht geträumt hatte. Nun völlig wach und mit dem Wissen, das sie nicht wieder einschlafen würde, erhob sie sich langsam. "Vermute, ich könnte ein Buch lesen." Murmelte sie. "Außer, das ich keins dabei habe, und das einzige was ich unten sah, war Jane's Military Hardware... und das habe ich bereits gelesen." Seufzend stand sie auf und ging zu dem kleinen antiken Schreibtisch neben dem Fenster, setzte sich hin und während sie auf sie silbrig diesige Landschaft sah, holte sie ihr Laptop aus ihrer Tasche. Sie bootete den Computer und wartete mit trommelnden Fingern bis er hochgefahren war, dann stöpselte sie das Modem ein und stellte eine Netzwerk Verbindung her. "Dann kann ich genauso gut die E-Mails kontrollieren... und sehen ob es irgendeine Krise gibt..." Murmelte sie zu sich, und blickte zur Zeitanzeige auf ihrem Laptop. Es war erst kurz nach Mitternacht... sie hatte nur ungefähr anderthalb Stunden geschlafen, seit die Easton's nach militärischer Tradition früh zu Bett gegangen waren und früh aufstanden, und sie hatte nichts dagegen einzuwenden, da sie sehr früh aufgestanden war um ihren 6.00 Uhr Flug zu erwischen. Der Computer baute die Verbindung auf und sie begann ihre E-Mails herunterzuladen, während sie müde zusah und die Kopfzeilen überflog. Dann sah sie die blinkende Box in der Ecke, und ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Eins von ihren automatischen Suchprogrammen? Verwirrt klickte sie es an und sah zu wie sich die Box öffnete.
Dar's Herz fing wieder zu hämmern an und plötzlich verspürte sie eine Leere. Mit zitternden Fingern tippte sie eine Suchanfrage für Bryan's ein und fand sie in der Kundendatenbank. Sie öffnete deren Profil.
"Oh mein Gott." Keuchte Dar. "Diese Scheißkerle." Langsam ließ sie ihre Hände auf den Schreibtisch gleiten und ihre Augen schließend zwang sie sich zu beruhigen. "Okay... lass uns über einen Ausweg aus dieser Sache nachdenken." Wichtigste Sache. Sie musste nach Michigan. Mit diesem Entschluss, schaltete sie den Computer aus und räumte ihn weg, dann zog sie sich leise an und packte ihre Tasche. Dann ging sie den Flur zu Jack's Zimmer hinunter, wo ihr Freund über seinem Bett ausgebreitet wie ein Toter schlief. "Jack." Sich hinkniend berührte sie seine Schulter und beinahe postwendend bewegten sich blonde Wimpern. "Wach auf." "Wa... oh..." Jack rollte sich auf die Seite und linste zu ihr. "Dar? Was ist los?" "Hör zu... ich habe eine Freundin, die in großen Schwierigkeiten steckt... ich muss nach Michigan... kannst du mich zum Flughafen fahren?" Er blinzelte sie an. "Um diese Uhrzeit gehen keine Flüge mehr, Dar." "Ich werde einen Flug chartern." Sagte ihm die Geschäftsführerin vollkommen ernst. "Doch es muss schnell gehen... jede Minute zählt." Jack knabberte an seiner Lippe. "Jede Minute zählt, ja? Er rieb sein Gesicht. "Was hältst du von Mach 2?" Nun blinzelte Dar. "Was?" "Komm schon... der Stützpunkt liegt näher als der verdammte Flughafen, und mein Kätzchen steht einfach da rum und verstaubt... ich werde dich hinbringen." "Jack, das kannst du nicht einfach machen." Erklärte Dar leise. "Nicht, das ich dein Angebot nicht zu schätzen wüsste, aber deinen Hintern dafür zu riskieren, ist es nicht wert." Er lachte. "Dar, für dich riskier ich jederzeit meinen Hintern, aber er ist nicht in Gefahr." Er stand auf und zog seine Flanell-Pyjamahose hoch. "Warte eine Minute... ich hol mir nur Dad's Zustimmung." Den Flur hinunter schlendernd ließ er Dar zurück, deren Augen ihn leicht perplex verfolgten. "Wir sind in Schwierigkeiten, wie?" Hallte General Easton's Grollen durch den Flur, gefolgt vom General persönlich. "Probleme Dar?" "Eine Freundin ist in Schwierigkeiten." Erwiderte Dar leise. Easton's Augen betrachteten sie eingehend. "Das reicht mir völlig." Er nahm das Telefon in Jack's Zimmer. "Zieh dich an, mein Sohn... du kannst dieses verdammte Flugzeug nicht in deinen Unterhosen fliegen." Er winkte Dar, sich zu ihm umzudrehen. "Sieh zu mir, Dar... Mister Prüde dort, schämt sich, halb nackt vor dir zu stehen." Wenn Dar sich nicht so viele Sorgen machen würde, dann hätte sie gelacht, doch sie sah zum General und hörte wie Jack fluchte, als er sich in seiner Shorts verhedderte. "Wer ist dran? Richtig... hier spricht General Easton von den Joint Chief's." Easton wartete ein paar Sekunden. "Für diesen Mist haben wir keine Zeit... hören sie einfach zu... ich habe einen Piloten für einen Flug von hier nach..." Er dachte kurz nach. "Nein... Wurtsmith ist zu weit, Kent County ist wahrscheinlich die beste Lösung." "Das ist ein ziviler Flughafen." Murmelte Jack während er ein Shirt über seinen Kopf zog. "Dort ist es jetzt nach Mitternacht... es wird nichts ausmachen." Flüsterte sein Vater zurück, während er den Hörer zuhielt. "Kent County, und ich will, das dort ein Wagen für ihn bereitgestellt wird." Zuhörend hielt er inne. "Das stimmt... guter Mann." Er legte auf. "In Ordnung... alles arrangiert." Dar betrachte ihn still. "Ich schulde dir was, Gerry... ich schulde euch beiden was." Ein schwaches Lächeln zog sich über das Gesicht des älteren Mannes. "Betrachte es als Bezahlung für eine lang zurückliegende Schuld, meine Freundin." Er schüttelte kurz seinen Kopf. "Irgendwann trinken wir ein Bier zusammen und ich erzähl dir davon." Dar nickte. "In Ordnung." Sich umdrehend sah sie, wie Jack in seine Lederjacke schlüpfte. "Fertig?" Er fuhr mit einer Hand durch seine kurzgeschorenen Haare. "Sieht mein Haar gut aus?" Fragte er mit einem liebevollen Funkeln in seinen Augen. "Wie ein Kurzflor-Teppich." Dar atmete aus. "Lass uns gehen."
Das erste, dessen sich Kerry bewusst wurde, waren ihre heftigen Kopfschmerzen. Mit geschlossenen Augen ließ sie das Hämmern und ihren Herzschlag erst ein wenig abklingen, bevor sie ihre Augenlider hob. Sie lag in einem fahrbaren Krankenhausbett, in einem schmerzend weißen Raum. "Oh mein Gott." Keuchte sie leicht, während sie sich umsah. Der Raum mit nackten Betonwänden und polierten Bodenfliesen war klein, mit einer Tür an der Außenwand und einer weiteren an der Innenwand. Das einzige kleine Fenster zu ihrer rechten war vergittert und mit einem Vorhang zugezogen. Das Bett war zweckmäßig, doch sie entdeckte einen kompletten Satz Riemen, welche, obwohl sie geöffnet waren, eine stumme Bedrohung für sie darstellten und eine Welle der Angst durchwogte sie. Langsam erhob sie sich, glitt mit ihren Beinen über die Bettkante und ließ sich mit ihren nackten Füssen auf die schmerzhaft kalten, Fliesen hinunter. Die Kleidung war ihr weggenommen worden, und sie trug nur einen dünnen, baumwollenen Krankenhauskittel, welchen sie um sich herumwickelte als sie zur Tür hinüber tapste und versuchte den Griff zu betätigen. Verschlossen. Sie schlenderte zum Fenster, und den Vorhang beiseite schiebend linste sie hinaus, um eine öde Landschaft abgestorbener Bäume, welche das Gebäude umgaben, zu sehen. "Oh mein Gott... ich kann nicht glauben, das er das getan hat." Sie hatte keine Ahnung wo sie sich befand. Sie hatte keine Möglichkeit mit irgendjemandem Kontakt aufzunehmen. Ihre Augen fielen nach unten und sie bemerkte, das man ihr auch ihre Uhr abgenommen hatte, was es ihr unmöglich machte, zu sagen wie viel Zeit vergangen war. Ihr Aufenthalt hier, hätte Minuten, aber auch Stunden sein können... Sie ging hinüber und stützte sich mit ihren Ellbogen auf dem Bett ab. "Kerry, du bist in großen Schwierigkeiten." Murmelte sie. "Du hättest einfach bei Putenrollbraten in Miami bleiben sollen." Wie lange würden sie sie hier behalten? Lange genug, um die Gesellschaft glauben zu lassen, das sie ihre Arbeit aufgegeben hatte? Sicher. Lange genug, bis sich Dar, nachdem sie nichts mehr von ihr hörte, fragen würde, ob sie es sich einfach... anders überlegt hätte? Nein. Mit Sicherheit würde Dar wissen, dass etwas nicht stimmte. Selbst wenn sie es sich anders überlegt hätte, würde sie niemals verschwinden ohne vorher persönlich mit ihrer Chefin gesprochen zu haben. Dar wusste das. Wusste sie es? Es war Dar's wunder Punkt, und sie kannte ihn... eine Verwundbarkeit, die nur flüchtig zu Tage kam, aber die sie hart getroffen hatte, und sie sogar bei ihrer Verabschiedung verfolgte, als die größere Frau sie umarmt hatte und sagte. "Ich seh dich am Montag... richtig?" Sie würde Dar niemals verlassen. Und Dar wusste das. Doch sie erkannte auch, das es für Dar, irgendwo tief in Inneren verborgen, schwer war es zu glauben, und diese Seite machte ihre Geliebte so zerbrechlich. "Ich muss hier raus." Kerry trommelte mit ihren Fingern auf das Bett. Die winzige Klappe in der Tür schob sich zurück und Augen spähten hindurch, dann öffnete sich die Tür, und eine Schwester in weißer Krankenhaustracht erschien. Die Frau trug ein Klemmbrett und mehrere kleine Becher mit sich. "Nun gut... es freut mich, das sie wach sind." Kerry beschloss ruhig zu bleiben. "Wo bin ich?" Die Krankenschwester machte mehrere Einträge auf ihrem Klemmbrett, bevor sie antwortete. "Sie befinden sich in einem Krankenhaus, Liebes... aber keine Sorge, es wird alles wieder gut." Sie verdaute das. "Nun ja, anhand der Garderobe hab ich es mir schon gedacht... aber was für ein Krankenhaus ist es?" Eine kurze Pause. "Bryan's." Niedergeschlagen nickte Kerry. "Hm... das erklärt die Gitter." Sie hielt inne. "Wie spät ist es?" "Nun ja, machen sie sich darüber keine Sorgen, Schätzchen... wir haben manchmal Leute, die nicht sehr glücklich sind, und wir müssen sie schützen, das ist alles." Beruhigte sie die Frau. "Und es ist halb Vier." Drei Stunden. "Also... warum bin ich hier?" Fragte Kerry gelassen. "Das letzte Mal, als mich umbringen wollte war, als ich vergessen hatte Akte X aufzunehmen." Die Krankenschwester sah sie unsicher an, dann lachte sie. "Oh... ich verstehe, sehr komisch... nun, ihre Familie hat sie herbracht, weil sie Probleme haben, und wir werden mit ihnen arbeiten damit sie sich besser fühlen." Kerry stützte sich auf ihre Ellbogen ab. "Was für Probleme soll ich den haben?" Erkundigte sie sich. "Ich bin sicher, das sie das besser wissen als ich, Liebes." Bemerkte sie Krankenschwester lächelnd. "Aber der Arzt wird in den Morgenstunden zu ihnen kommen, und in der Zwischenzeit möchte ich, das sie diese Tabletten für mich einnehmen, okay?" "Was sind das für Tabletten?" Offensichtlich ihre Geduld verlierend seufzte die Krankenschwester. "Es ist nur ein schwaches Beruhigungsmittel, damit sie bis zum Morgen schlafen können." "Ein Beruhigungsmittel... nun ja, wissen sie, ich bin sehr ruhig... ich glaube nicht, das ich es benötige." Wandte Kerry ein. "Für gewöhnlich schlafe ich recht gut." Die Krankenschwester trat direkt vor sie. "Hören sie... ich weiß, das sie glauben recht schlau zu sein, doch hören sie mir gut zu, in Ordnung? Ihr Vater gab uns strikte Anweisungen, und wir werden ihnen nachkommen... nun gut, sie können tun, um was ich sie gebeten habe, oder ich kann die Sanitäter holen um sie festbinden zu lassen, und gebe ihnen die Medikamente intravenös." Mit kalten Augen hielt sie inne. "Es ist ihre Wahl." Kerry starrte sie an. "Was sie tun ist gegen das Gesetz, wissen sie das, ja?" Erwiderte sie. "Ich stimme dem nicht zu, und es gibt nichts, was mit mir nicht stimmt." "Tun sie sich selbst einen Gefallen, Schätzchen." Erwiderte die Krankenschwester nun bissig. "Kooperieren sie... sie wissen nicht, auf was sie sich hier einlassen." Kerry lächelte. "In der Tat, sind sie es, die nicht weiß auf sie sich da einlässt. Meine Chefin ist die Generaldirektorin einer Gesellschaft, die Söldner beauftragt hat um ein paar Angestellte zu retten, die als Geiseln im Iran festgehalten wurden." Die Augen der Krankenschwester verengten sich. "Nun ja, sie müssen sie erst finden, oder nicht." Fuhr sie sie an. "Ich verstehe nun den Anhaltspunkt ihres Vaters." "Haben sie meine Daten in einen Computer eingegeben?" Erkundigte sich die blonde Frau. Überrascht blinzelte die Krankenschwester. "Nun... ja." Kerry lächelte. "Sie werden mich finden." Sie hopste ins Bett, nahm die Pillen aus der Hand der Krankenschwester und warf sie in ihren Mund. Dann nahm sie einen Schluck von dem Wasser, das ihr die Frau hinhielt. "Danke... Ms..." Sie schielte zu dem Namensschild. "Archer." Ihren Kopf wieder auf das Kissen zurücklegend schloss sie ihre Augen. Die Frau blieb einen Augenblick länger stehen, dann stürmte sie davon, schloss die Tür auf und ließ sie hinter sich zuknallen. Kerry lauschte, sie hörte wie die Klappe leise zurückgeschoben wurde und verhielt sich still. Dann hörte sie, wie die Klappe eindeutig wieder geschlossen wurde und öffnete ein Auge. "Miststück." Sie lehnte sich nach vorne und ihr Gesicht verziehend spuckte sie die zwei Tabletten wieder aus. "Igitt... mein Gott... mit was haben sie das überzogen... mit Zitronenpfeffer?" Angeekelt stieg sie aus dem Bett, nahm die Kapseln auseinander und leerte das Pulver in die Radiatorheizung. Es zischte. Dann setzte sie die Teile wieder zusammen, steckte sie in ihrem Mund und schluckte sie mit dem Rest des Wassers, das die Frau ihr dagelassen hatte, herunter. Halb Vier. Das bedeute, das sie... wahrscheinlich viereinhalb Stunden hatte, bevor sie sich ernsthaft mit ihr beschäftigen würden... und was, falls sie ihr Drogen mit einer Nadel verabreichten... Kerry biss sich auf ihre Lippe. Sie könnten sie lange genug unter Drogen setzen, das alles passieren konnte. Mit ihren Augen den Raum abtastend, sah sie den kleinen Hocker in der Ecke, der darauf wartete vom Hinterteil des Arztes aufgewärmt zu werden. Sie sah zu dem Hocker und dann zur Tür. "Ich war nie ein Mensch der Gewalt, aber weißt du... manchmal muss man tun, was man tun muss." Zielbewusst fing sie zu arbeiten an, plusterte die Decken auf und arrangierte die Kissen so, das es aussah, als ob sie zusammengerollt im Bett lag. Dann ging sie zur Tür hinüber und dahinterstehend war sie zufrieden, das niemand, der durch die Klappe schaute, sie sehen konnte. Sie holte den Hocker, stellte ihn hinter die Tür, und sich hinsetzend bezog sie ihren Posten. "Angenehm, was?" Murmelte sie. Und sie wartete. Sie vermutete, das ihre Freundin Ms. Archer zurückkommen würde um sie zu kontrollieren, da sie so wichtig war und alles was dazu gehört, und sie nahm an, das sie allein kommen würde. Kerry hoffte nur, das sie es nicht vermasselte, da sie nur diese eine Chance hatte, und zudem schien die Tracht der Schwester ihre Größe zu haben. Sie wartete weiter. Es vergingen fünfzehn Minuten, dann dreißig. Schließlich hörte sie ganz leise Schritte, die den Flur entlang kamen und periodisch halt machten. Sie vermutete, dass die Schwester jedes Zimmer kontrollierte. Die Schritte kamen näher und näher und schließlich hielten sie vor ihrer Tür. Geräuschlos stand Kerry auf und hob den Hocker in die Höhe. Die Kontrollklappe glitt zurück, dann schloss sie sich wieder und eine Reihe von kurzen Pieptönen war zu hören als die Frau die Tür öffnete. Sie spürte wie ihr Herz hämmerte und während sie sich bereitmachte leckte sie sich über ihre Lippen. Der Türknopf drehte sich und die Tür wurde nach innen aufgestoßen. Sie wartete bis die Person um die Ecke kam, und schlug dann mit aller Kraft den Hocker hinunter...
~~~ ENDE - Kapitel 14 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 15 lesen.
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