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Lest bitte die allgemeinen Hinweise im Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

Tropical Storm - Kapitel 15

   

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Tropical Storm
by Melissa Good

Kapitel 15

 

Das Hangartor rollte zurück und gab den Blick auf die F14 Tomcat in all ihrer bedrohenden Herrlichkeit frei. Dar nahm sich einen Moment um das Kampfflugzeug mit den pfeilförmigen Tragflächen zu betrachten, bevor sie kopfschüttelnd einen von den, wie ihr schien unzähligen, Riemen der Fliegerjacke festzurrte, auf die Jack bestanden hatte.

Drei schemenhafte Figuren standen bei dem Flugzeug und als Jack auf sie zuging, salutierten sie und machten Platz als er um die Maschine herumging und sie gewissenhaft durchcheckte. Nun war er vollkommen auf seine Aufgabe konzentriert und sprach in ruhigen, kurzen Sätzen zu der Crew, während sie die Betankung abschlossen und die Einstiegsleiter einharkten. Die Cockpitabdeckung schwang auf und Jack winkte Dar zu sich. "Du zuerst... auf diese Weise kann ich dir sagen, was du berühren und was du nicht berühren darfst."

Ihm entging der ironische Blick seiner Freundin, als sie die Leiter erklomm, über den Pilotensitz stieg, und sich auf den für sie überraschen bequemen Sitz niederließ. Sie war von Elektronik umgeben und einen Augenblick froh, dass die Abdeckung aus Glas war, was das klaustrophobische Gefühl ein wenig verringerte. "Okay."

Jack kam als nächster heraufgestiegen, stützte sich mit einem Stiefel auf den Rand der Cockpitabdeckung ab und zeigte hinunter. "Das ist das Waffenspektrum, das ist das Radar, das ist..."

"Das ist das Zielsystem, Kampfleitsystem, und die Navigation." Beende Dar trocken. "Und diese kleine Schönheit ist der Antriebsgenerator für den ich das Originalprogramm geschrieben hab."

Jack starrte sie an. "Oh." Bemerkte er einfältig grinsend. "Entschuldige."

Dar sah zu ihm auf. "Schon in Ordnung. Ich verspreche, nichts zu berühren." Versicherte sie ihm und spürte wie ihre Muskeln vor Aufregung zuckten. "Lass uns einfach von hier verschwinden."

Sie beendeten die Checkliste, dann zog sie ein kleines Fahrzeug aufs offene Feld zur Rollbahn, wo Jack seine Maschinen startete. Das Dröhnen war in seiner Intensität beinahe unterschwellig, und Dar konnte die Vibration bis hinauf zu ihrem zusammengepressten Kiefer spüren. Sie setzte den Kopfhörer auf und hörte zu wie Jack leise mit dem Tower des Flugplatzes sprach, seinen Flugplan durchgab und bestätigte, das er einen zivilen Flughafen anflog. Dann schlängelte sich die Tomcat entlang der Rollbahn, bis sie die, von blauen und roten Lichtern begrenzte Startbahn erreichten, und die grellweißen Lichter des Flugzeugs die Tarmac-Startbahn erleuchtete.

"Bist du bereit?" Erklang seine Stimme blechern im Kopfhörer.

"Jawohl." Erwiderte Dar und straffte ihre Gurte. Der Song, aus Liebe würde ich alles tun, begann zwangsläufig durch ihren Verstand zu laufen und seufzend hoffte sie, das die Nachbrenner der Düsen es auslöschen würden. Die Maschinen der Tomcat drehten höher und durch das Drosseln begann das Flugzeug zu beben, dann waren sie mit einem gewaltigen Ruck frei und rasten die Startbahn hinunter.

Im Gegensatz zu einem normalen Flugzeug schien es nur Sekunden zu dauern bis sie in der Luft waren, und in einem steilen Winkel nach oben stiegen. Spürend wie der Anpressdruck auf sie einwirkte atmete Dar gleichmäßig, schloss ihre Augen und wartete darauf das sich das Flugzeug einnivellierte.

Was es auch tat, und eine kleine Weile mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit dahinglitt, während Jack den Kurs von den normalen Flugrouten auf eine isolierte, nur für Militärmaschinen änderte. "Bist du bereit?" Fragte er wieder. "Es ist jetzt 1.30 Uhr und wir werden über ganz Maryland Teller zum Springen bringen... also halt dich fest."

"Okay... mach schon." Dar fragte sich kurz wie viel anders, außer der Schallgeschwindigkeit, so ein Flug sein sollte, dann schalteten sich die Nachbrenner zu und sie fühlte sich, als ob ein Pferdehuf ihr in die Brust getreten hätte. "Jesus." Die Beschleunigung stieg an und sie beobachtete wie die Mach-Anzeige immer höher stieg bis Mach 1 erreicht war und eine donnernde Schallwelle die Maschine umgab, jeden Teil davon zum Zittern, und ihre Ohren zum Summen brachte.

Dann war es still.

Sie beschleunigten bis auf Mach 2, dann drosselte Jack die Maschinen und eine gleichmäßige Fluggeschwindigkeit haltend, peitschten sie mit gleichgültiger Leichtigkeit über die Erde.

Es schien nur Augenblicke zu dauern in denen sie dasaß und versuchte sich keine Gedanken zu machen, bis sie den Druck in ihren Ohren spürte, was bedeutete das sie hinuntergingen. Das Flugzeug wurde langsamer, und während es wieder zu Dröhnen anfing, konnte sie hören, wie Jack leise und ruhig mit den Fluglotsen des Gebietes sprach. Kent County hatte anscheinend, nur für alle Fälle, einen Radar-Offizier und einen einzigen Lotsen zur Überwachung, doch es gab keine weiteren Flugzeuge in diesem Gebiet und Jack sagte ihnen, das es okay wäre, wenn sie einfach die Beleuchtung der Landebahn anschalten würden.

Unsicher fragten sie ihn noch einmal nach.

"Ich bin Pilot auf einem Flugzeugträger." Erwiderte er trocken. "Ich bin schon auf wesentlich schmaleren Streifen als eurem Feld gelandet."

Dann waren sie am Boden und Jack stellte seinen Jet in einem unbenutzten Hangar ab, sicherte die Maschine und übergab sie den wachsamen Augen eines MP's, der nur zu diesem Zweck hergeschickt worden war. Sie stiegen in den bereitgestellten Wagen und fuhren los.

Saugatuck, rechts vom Wasser liegend, war eine Fahrstunde entfernt. Noch bevor sie dort ankamen, konnten sie spüren, wie die Seebrise den Wagen umhüllte, und auf die Karte schielend gab Dar knappe, fahrige Richtungsanweisungen.

Dann hatten sie es letztendlich geschafft. Vor ihnen tauchte ein düsteres, weißes Gebäude mit Toren an der Vorderseite und zusätzlicher Sicherheitseinrichtung auf.

Jack sah sie unsicher an. "Wie sollen wir da reinkommen?"

Blaue Augen betrachteten ihn. "Du gar nicht... du bleibst hier bis zurückkomme... und wenn ich nicht zurückkomme, dann ruf diese Nummer an." Sie versuchte ihm eine Karte zu geben, doch er weigerte sich sie entgegenzunehmen.

"Keineswegs, Dar... ich geh mit dir da rein." Bemerkte er, dickköpfig sein Kinn hebend. "Ich bin den ganzen Weg hierher geflogen und jetzt werde ich mir den Spaß nicht entgehen lassen."

"Jack, du könntest dir damit Ärger einhandeln... ich möchte nicht daran Schuld sein." Wandte die dunkelhaarige Frau ein.

"In den irakischen Luftraum zu fliegen, bedeutet für mich Ärger." Konterte er unverblümt. "Ich geh auf jeden Fall mit."

Einen Moment schwieg Dar, dann seufzte sie. "In Ordnung." Sie nahm ihr Dienstausweis-Abzeichen aus ihrer Aktenmappe und steckte es sich an, dann schielte sie zu ihm. "Hier." Sie befestigte den Namensanhänger an seine Fliegerjacke. "Entferne deine Rangabzeichen... sie werden den Unterschied nicht bemerken."

Sie stiegen aus dem Wagen und ihren Fliegerdress ausziehend zog sie stattdessen den Trenchcoat über, den sie gegen die Kälte mitgebracht hatte. Sie schulterte ihr Laptop und stellte sich vor ihn. "Wir sind hier, um die Computer zu reparieren... okay?"

Seine Augenbrauen zogen sich zusammen während er seine Rangabzeichen abzog. "Was, wenn sie nicht defekt sind?"

"Sie sind es." Versicherte ihm Dar. "Sie haben eine offene Reparaturanfrage beim hiesigen Kundendienst."

"Was für ein Zufall, oder?" Erkundigte er sich vorsichtig.

"Nicht wirklich." Erwiderte Dar und machte sich auf den Weg zum Wachhaus. "Es ist ein langes Feiertagswochenende, sie müssen heute Abend ihre Gehaltsabrechnungen übertragen, und beide ihrer ortsansässigen Techniker sind bei ihren Familien, fünfhundert Kilometer entfernt. Für ein Problem ist es die schlechteste Zeit, folglich, gibt es eins." Sie zupfte ihre Manschetten gerade. "Computer sind so."

Jack dachte darüber nach. "Aha." Er schloss seine Jacke und hängte das Gepäckschildchen an seine Außentasche. "Das ist diese Sache mit Murphys Gesetz, richtig?"

Dar lächelte nur, währendessen erreichten sie das Tor, wo sich ein breiter Lichtstrahl durch die Fenster auf den dunklen Weg ergoss.

Als sie näher kamen glitt eine kleine Absperrung zur Seite und ein junger Wachmann mit vollem, lockigen blondem Haar und blauen Augen erschien. "Kann ich ihnen helfen?" Begann er zu fragen, dann fielen seine Augen auf ihr Abzeichen. "Oh... Gott sei Dank... Gott sei Dank... ich öffne ihnen das Tor."

Dar blinzelte zu Jack. "Nun, ich sehe es gern, wenn die Gesellschaft so empfangen wird." Jetzt, wo sie hier war und etwas tun konnte, hatten sich ihre Nerven beruhigt und sie fühlte sich wesentlich entspannter. Es war die Warterei, die sie umgebracht hatte.

Das Tor glitt auf und die Wache kam herausgeeilt. "Brauchen sie eine Begleitung?" Fragte er hilfsbereit.

Dar zog einen Lageplan zu Rate. "Mal sehen... der Computerraum befindet sich im..." Sie lehnte sich näher heran.

"Dritter Stock... neben der geschlossenen Abteilung." Half er ihr freundlich. "Fahren sie mit dem Fahrstuhl nach oben, steigen in der dritten Etage aus, und nach rechts gehend ist es die dritte Tür auf der linken Seite. Ich werde veranlassen, das der Raum für sie geöffnet wird."

"Prima... danke. Wir werden versuchen, den Fehler schnell zu beheben." Versprach Dar.

"Bitte... wenn dieses Band nicht übertragen wird, bevor morgen früh die Banken ihr Update durchführen, dann bin ich Toast." Bettelte der Mann. "Ich habe meiner Schwiegermutter versprochen, sie am Sonntag zum Brunch auszuführen, und wie es im Augenblick aussieht, wird es ein Gang zu McDonalds."

Dar klopfte ihm auf die Schulter. "Entspannen sie sich." Den Kiesweg hinuntergehend, knirschten die Steinchen unter ihren Stiefeln, und sie atmete aus. "Die erste Hürde ist geschafft."

Jack lehnte sich näher zu ihr. "Ist es nicht riskant, seine Hoffnungen derart zu schüren?"

Blaue Augen schossen kurz zu ihm. "Vertrau mir, wenn ich daran arbeite haben sie eine wesentlich bessere Chance ihr verdammtes System wieder zum Laufen zu kriegen, als wenn einer unserer Außendiensttechniker hergeschickt würde." Ihren Weg zum Haupteingang der Einrichtung fortsetzend, stiegen sie ein paar niedrige Stufen hinauf. "Weißt du, ich bin nicht nur Administrator."

"Ab... oh... nun ja, ich weiß, Dar... doch wir sind nicht hier um das tatsächlich zu machen... ich meine... willst du die Anlage wirklich reparieren?"

Dar seufzte. "Ich muss an ihren Hauptrechner, um das Problem zu lokalisieren, und auch um Informationen über Kerry's Aufenthalt zu bekommen... dann werde ich auch einen Blick darauf werfen."

Sie betraten das, zu dieser Uhrzeit, ruhige Gebäude und nickten zu der Wache am Empfang. Er blickte zu ihnen, und das Abzeichen sehend nahm sein Blick einen merklich erleichterten Ausdruck an. "Verdammt, sind wir froh euch Leute hier zu sehen... sie sagten, das niemand in diesem Gebiet verfügbar wäre... ich dachte, das wir wirklich in Schwierigkeiten steckten."

"Wir sind eingeflogen." Antwortete Dar wahrheitsgemäß, als sie am Empfang vorbeigingen und den Fahrstuhl betraten. Die Türen schlossen sich hinter ihnen, und sie atmete wieder aus. "Hürde Nummer zwei." Die Fahrt verlief schweigend bis die Türen in der dritten Etage aufglitten, und den Blick auf einen langen Gang mit grellmintgrünen Betonwänden freigaben. "Jesses... ich hasse diese Farbe." Murmelte Dar während sie nach rechts abbog.

Ihre Schuhe quietschten auf den polierten Fliesen, und dieses Geräusch ließ eine Krankenschwester am Schreibtisch erschrocken aufblicken. Eine kleine, schlanke Frau mit dunklen Haaren und leicht geschminktem Gesicht kam um die Ecke. "Kann ich... oh." Beim Anblick von Dar's Abzeichen weiteten sich ihre Augen. "Dank dem Herrn für Gottes Barmherzigkeit."

Dar lächelte und blieb vor dem Raum, den der Wachmann beschrieben hatte, stehen, und nickte. "Würden sie mich reinlassen?"

Die Schwester gab einen Code ein, und die Tür öffnete sich. Sie schob sie zurück und hielt sie respektvoll auf während sie eintraten. "Ach, sie wissen gar nicht wie wunderbar es ist, sie zu sehen... ich kann nicht glauben, das sie um diese Uhrzeit jemanden gefunden haben. Es ist unglaublich."

Dar betrat den Computerraum, stellte ihre Aktenmappe runter, und sich vor das Terminal des AS400 setzend prüfte sie die Anlage. Sie zog ihr Laptop aus der Tasche und bootete es, während Jack alles interessiert beobachtete.

"Kann ich ihnen beiden irgendetwas bringen?" Erkundigte sich die Krankenschwester freundlich. "Kaffee... einen Berliner... wir haben noch etwas Puter und Füllung da?"

Dar sah zu ihr hinüber. "Danke, Ms..." Sie schielte kurz. "Archer... Kaffee wäre prima." Sie hielt inne. "Ich möchte meinen mit allem."

Die Krankenschwester nickte und sah dann zu Jack.

"Für mich einfach schwarz, danke." Sagte er lächelnd.

"Sollen sie haben... bin gleich zurück." Erklärte sie und eilte davon.

Dar rief das Profil der Gesellschaft auf und wählte sich in den Zentral-Bereich ein, holte sich dort deren Verwaltungs-Login und das Passwort. Sie tippte es ein und wurde mit einem kompletten Zugriff auf ihr System belohnt.

"Wie macht ihr Leute das?" Flüsterte Jack. "Es ist, als ob ihr dafür Nachschlüssel oder so habt."

"Nun..." Dar schickte an ihre geduldige Datenbank eine Abfrage ab, und warte das der Bildschirm wieder hochfuhr. Dann notierte sie sich Kerry's Aufenthaltsort und den Code für ihren Raum. "Es ist so... wir übertragen die Daten der meisten Bankgesellschaften da draußen. Der größte Anteil, das sind die Mitglieder der Bankgenossenschaften, wissen das, weil wir dafür sorgen, das sie es tun... zum Beispiel mit gemeinsamen Werbeaktionen. Wir sponsoren Picknicks der Banken, wenn diese einen Kapitalzuwachs haben, in den wir involviert waren... somit können wir hingehen und sagen hey... wir wickeln den ganzen Datenkram für die CU ab... warum lassen sie uns nicht auch ihren abwickeln?" Dar veränderte einige Daten in Kerry's Datei, dann speicherte die Daten ab und kehrte zum Hauptmenü zurück."

"Und für gewöhnlich legen sie ihre Hände in den Schoß und erkennen, das es Sinn macht, weil wir Profis sind und wissen was wir machen... es ist kostengünstiger für sie, sich an unserem Netzwerk anzuschließen, als das sie ein eigenes einrichten - besonders WANS... diese T1 Leitungen sind höllisch teuer, und sie sind nicht unbegrenzt verfügbar." Dar fuhr alle Programme bis auf das Betriebssystem herunter und startete eine Diagnose.

"Okay... das ergibt einen Sinn." Stimmte Jack zu.

"Also... danach gehen wir hin und sagen... hey... wir wickeln die Daten für die CU ab, und wir stellen ihnen unser Netzwerk zur Verfügung, warum übertragen sie uns nicht auch den Rest ihrer IS an uns... wir stellen ihnen ein Support-Paket zur Verfügung, und sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern..." Erklärte Dar, während sie zusah wie das Diagnoseprogramm ablief. "Da ist das Problem." Murmelte sie, die Diagnose stoppend stand sie auf und ging zur Rückseite des Computers wo sie sich hinkniete. "Die müssen Ratten haben... das blöde Schnittstellenkabel ist angeknabbert."

Jack schielte sie an. "Du hast das Problem schon gefunden?"

Blaue Augen richteten sich auf ihn. "Das ist mein Job, erinnerst du dich?" Dar nahm einen Kabelverbindungssatz aus ihrer Aktentasche und reparierte schnell das Kabel, dann ging sie wieder zur Tastatur. "Da sie nicht wissen, das wir hier sind, kann ich auch die Reparatur durchführen, und dann holen wir so schnell wie möglich Kerry hier raus... sie schläft wahrscheinlich, und wir können ihr auch noch einige Minuten mehr gönnen." Sie tippte eine Reihe Kommandos ein und teste das Kabel. "Ah... so ist es besser."

"Somit... übertragen sie gewöhnlich ihre Arbeiten auf euch?" Erkundigte sich Jack fasziniert.

"Sehr oft, ja... weil die Aufrechterhaltung eines IS-Teams, besonders in dieser zurückgezogenen Gegend, ein qualvolles Unterfangen für sie wäre... es ist viel einfacher für sie, und es kostet beinahe das gleiche oder vielleicht ein wenig mehr, wenn sie uns das machen lassen. Und sie haben dadurch ein großes Problem weniger... weil wir groß genug sind, um ein etwaiges Problem beseitigen zu können."

"Wie jetzt." Lächelte Jack.

"Nun…" Kicherte Dar reumütig, während sie die Datenübertragung startete. "Sie wollten einen Techniker aus Chicago herschicken... ich habe den Auftrag storniert." Sie beobachtete wie der Zähler durchlief. "Die Arbeit ist erledigt, und wieder was verdient." Aufstehend staubte sie ihre Hände ab und drehte sich um, als die Krankenschwester mit dem Kaffee zurückkam. "Gute Nachrichten."

Den Kaffee reichend äugte die Frau zum Monitor. "Wirklich?"

"Oh ja... ihre Daten laufen durch." Informierte sie Dar. "Es wird ungefähr zwanzig Minuten dauern bis alles erledigt ist... wir werden solange hier rumhängen und sicherstellen, das alles übertragen wird."

"Gott segne sie!" Jauchzte die Krankenschwester vor Freude. "Oh mein Gott... ich muss es jedem sagen... danke... danke... sie sind ein Genie." Rief sie zu ihrer Station heraustürmend.

"Okay." Dar nahm einen kleinen Schluck von ihrem Kaffee. "Du bleibst hier. Ich werde zwanglos den Flur entlangschlendern und sehen ob ich in Kerry's Raum reinkomme." Sie nahm den Zettel mit der Zimmer-Nummer und dem Code und steckte ihn in ihre Tasche. "Dann muss ich mir überlegen wie zum Teufel wir hier raus kommen."

"Ach... also ist dieser Teil des Plans noch nicht fertig?" Fragte er nervös.

"Plan?" Dar warf ihm einen amüsierten Blick zu. "Was für ein Plan?" Sie schlüpfte aus der Tür und schlenderte, sich alles mit scheinbar informellen Interesse betrachtend, den Flur entlang. Die Krankenschwester sah sie, und ohne ihr Telefongespräch zu unterbrechen winkte sie ihr zu. Zurückwinkend setzte Dar ihren Weg fort und blieb vor jedem schwarzen Brett, mit dem die Wand gepflastert war, stehen und las die Anzeigen und Arbeitspläne.

Dar bemerkte, das sich Kerry's Raum am Ende des Ganges, in einer leichten Biegung der ansonsten geraden Wände befand. Als sie auf Höhe der Tür war und über ihre Schulter zurücksah, konnte sie, ausgenommen der Vorderkante des Schreibtisches, das Innere der Schwesternstation nicht mehr sehen. "Gut." Murmelte sie, dann schob sie die Klappe der Kontrollluke zurück und linste hinein. Das grellweiße Licht enthüllte einen beinahe völlig leeren Raum, mit einem Bett an der gegenüberliegenden Wand. Eine Gestalt lag eingerollt darin, nickend schloss Dar die Klappe, gab den Code ein, und öffnete behutsam die Tür.

Noch bevor sie es sah, spürte sie den Schlag auf sich zukommen und drehte sich reflexartig ab, als etwas hartes, kaltes ihre Schultern traf. Die Kraft des Schlages mitnehmend tauchte sie auf den Boden und rollte sich ab, dann kam sie wieder auf ihre Füße und mit einem verwunderten, benebeltebn Blick streckte sie verteidigend ihre Hände nach vorne.

Ihre Sterne vor den Augen wegblinzelnd, hörte sie einen erstickten, keuchenden Ton, dann konnte sie endlich wieder klar sehen und blickte in Kerry's perplexes Gesicht. "Oh Mann." Schaffte sie leicht zu scherzen. "Du schwingst aber einen gemeinen Stuhl."

"Oh mein Gott, ich bin…" Kerry kam aus ihrer Erstarrung, und die Distanz zwischen ihnen schließend, berührte sie erschrocken Dar's Nacken. "Dar... ich bin... ich wusste nicht, das du es w... ich dachte es wäre... du blutest... oh... Jesus..."

Dar rieb ihren Kopf. "Soll das bedeuten, das du froh bist mich zu sehen, oder nicht?" Sagte sie, die blonde Frau ironisch anlächelnd.

"Für einen langen Augenblick sah Kerry sie nur an, dann kam sie langsam nach vorne, lehnte sich gegen Dar's größeren Körper, und ihre Arme um die Taille ihrer Geliebten schlingend vergrub sie ihr Gesicht an Dar's Brust. "Froh dich zu sehen? Ich war in meinem ganzen Leben nicht so froh jemanden zu sehen." Seufzte sie bebend. "Oh Gott."

Als Dar ihre Arme um Kerry schlang und zärtlich ihren Kopf küsste, da spürte Dar, wie ihre ganze Welt zusammenfiel bis es nur noch sie beide gab. "Was dir zugestoßen ist, tut mir leid."

Ein Seufzen wärmte, sogar durch den Stoff, ihre Brust. "Ich kann nicht glauben, das er das getan hat... es war schrecklich, Dar... zuerst wollte er dich dafür verantwortlich machen... er sagte, es wäre alles deine Schuld, das du mich... dazu verführt hast..."

Dar atmete aus, doch sagte nichts.

"Und... ich konnte nicht... ich musste ihm sagen, das es nicht stimmte... und er..." Ihre Hand hervorziehend berührte Kerry ihre Wange. "Er hat mich geschlagen."

Um die Wange ihrer Partnerin betrachten zu können, zog sich die dunkelhaarige Frau leicht zurück. "Arschloch."

Kerry blickte sie nur traurig an. "Da war soviel Hass in seiner Stimme... ich versteh das nicht, Dar... wie können dich Menschen für etwas so wunderschönes, wie die Liebe für jemanden, hassen?" Sich miserabel fühlend ließ sie ihren Kopf wieder gegen sie fallen.

"Es ist ein Teil dessen, was uns zu Menschen macht, Kerry." Antwortete Dar erschöpft. "Wir wollen, das jeder so ist wie wir selbst... wir mögen keine Unterschiede... in antiken Zeiten hielt das unsere kleinen Stämme zusammen, und gegen diesen genetischen Einfluss kämpfen wir seit dieser Zeit." Erzählte sie ihr leise. "Komm schon... wir müssen dich hier rausbringen."

Kerry nickte. "Ich weiß... sie wollten morgen früh mit der Untersuchung beginnen… ich wusste, das ich hier raus musste, bevor sie damit anfingen... ich hatte Angst, dass sie..." Sie zögerte. "Ich wusste nicht, mit was für Drogen sie mich voll stopfen wollten... oder... ich meine, bei einigen Drogen könnte man alles sagen, und..." Sie hob ihren Blick und traf auf blaue Augen, die auf sie herabblickten. "Ich wollte nicht riskieren, unter Zwang etwas zu sagen, das ich nicht meinte."

Dar's Lippen verzogen sich zu einem grimmigen Lächeln. "Was wolltest du denn machen, nachdem du diese kleine Miss Sonnenschein k.o. geschlagen hättest?"

"Ein Telefon gesucht." Gab Kerry zu. "Und um Hilfe geschrieen." Sie zupfte an ihrem Krankenhauskittel. "Nachdem ich zum Anziehen einen Satz Personalkleidung gestohlen hätte." Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. "Übrigens, Dar... woher weißt du was mit mir passiert ist?"

Die größere Frau schnaufte. "Sie haben die Einweisung und Behandlung an deine Krankenversicherung weitergeleitet." Sie öffnete die Tür wieder und hinausblickend sah sie einen ruhigen, leeren Flur. "Lass mich sehen, ob ich deine Kleidung finden kann... und Jack mitteilen was los ist."

"Jack?" Fragte Kerry.

"Gerald Easton's Sohn... er hat mich hergebracht." Erwiderte Dar abwesend, während sie zu den Türen schielte und versuchte herauszubekommen, was sich wohl hinter ihnen befinden könnte.

"Er hat dich hergebracht?" Sie verharrte kurz. "Wie bist du so schnell hergekommen?"

"Mit einer Tomcat." Antwortete Dar spontan. "Von DC nach Grand Rapids in zwanzig Minuten, oder noch weniger. Was für ein Flug." Bemerkte sie lässig. "Okay... ich bin gleich zurück... entspann dich einfach, okay?" Sie klopfte auf ihre Tasche, und zog dann einen Zettel heraus. "Nur für den Fall." Sie gab ihn Kerry. "Das ist der Code die Tür."

Kerry blinzelte sie bewundernd an. "Wenn du schon dabei bist, dann bring etwas Verbandszeug mit, damit ich dein Genick verbinden kann." Seufzte sie. "Meine Heldin."

Dar blickte sie an und errötete, doch sie ging ohne ein Wort zu sagen.

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Wieder draußen ging Dar, nachdem sie den Kragen ihrer Jacke hochgezogen hatte, um den Schnitt an ihrem Genick zu verdecken, gelassen den Flur hinunter, und um die Ecke kommend sah sie, wie sich die Krankenschwester über einige Papiere beugte. Sie schaute auf als Dar näher zu ihr schlenderte und lächelte.

"Nun ja, mit Sicherheit sind sie die Heldin des Gebäudes." Sie legte ihr Klemmbrett runter und seufzte. "Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Leute hier wieder aufatmen können... bei mir zum Beispiel ist es so, das mein Kind morgen Geburtstag hat. Bis sie gekommen sind, wäre es bei einem Berliner mit einer Kerze drauf geblieben."

Dar lächelte sie aufrichtig an. "Freut mich, das ich helfen konnte." Auf ihre Uhr blickend lehnte sie sich gegen den Empfangstresen. "Es dauert nicht mehr lange." Bemerkte sie, ein Gähnen unterdrückend. "Sagen sie... sind diese Dinger tatsächlich bequem?"

Die Krankenschwester sah an sich herunter. "Oh... die Tracht? Jawohl... das sind sie... wesentlich besser als das gestärkte Polyester, das wir gewöhnlich tragen müssen, das kann ich ihnen sagen." Sie blickte Dar fragend an. "Hey... möchten ein Set probieren? Ich könnte ihnen eins holen... wir haben Tausende davon."

Es war zu leicht. "Könnten sie das?" Sanfte blaue Augen blinzelten sie dankbar an. "So was wollte ich schon immer ausprobieren."

Die Krankenschwester tätschelte ihre Hand. "Liebes, für sie tu ich alles." Sie drückte sich hinter ihrem Schreibtisch hervor und eilte davon.

Dar lächelte, und sich in der Schwesternstation umsehend blickte sie unter den Empfangstresen, um zu sehen ob sie irgendwelche Sachen von Kerry finden konnte, doch ohne Erfolg. "Hey, Jack... wie läuft's da drinnen." Rief sie im normalen Tonfall.

Jack's streckte seinen blonden Kopf heraus und blickte zu ihr. "Ähm… der rote Balken ist bei ungefähr fünfundsiebzig Prozent... war es das, was du wissen wolltest?"

Sie nickte.

"Alles Okay?" Er sah genauer hin. "Um Himmels Willen, Dar... du blutest." Zu ihr rüber gehend zog er den Kragen ihrer Jacke zurück. "Was ist passiert?" Fragte er leise. "Hast du Kerry gefunden?"

"Ja, man hat mich mit einem Hocker geschlagen, und ja." Murmelte Dar. "Kerry versuchte auszubrechen, und dachte ich wäre eine Krankenschwester."

"Gott… sie ist ein lebhaftes Mädchen, oder?" Lachte Jack halbherzig. "Ist sie in Ordnung?"

Die dunkelhaarige Frau nickte. "Es geht ihr gut... sie hatten keine Zeit, um ihr etwas anzutun... das war für morgen früh geplant." Seufzte sie. "Doch sie ist ganz schön erschüttert."

Das musste er erst verdauen. "Was für ein Ort ist das hier, Dar?"

Sie sah sich um. "Eine psychiatrische Klinik."

Er blinzelte. "Kein Scheiß? Was stimmt mit ihr nicht?"

Dar schüttelte ihren Kopf. "Nichts... außer, das herauskam, das sie lesbisch ist."

Völlig schockiert starrte er sie an. "Das meinst du nicht ernst."

Die Geschäftsführerin seufzte und rieb sich müde, ihre vom Schlafmangel und der Anspannung blutunterlaufenen Augen. "Oh doch." Sie blickte auf, als die Krankenschwester mit einem Päckchen und fröhlich lächelnd zurückkam. "Hier, für sie... ich hoffe, sie genießen es." Sie reichte ihr die Sachen und schenkte dann Jack ebenfalls ein Lächeln.

"Danke." Dar nahm die Schwesterntracht entgegen und überlegte was wohl als nächstes zu tun sei. Die Probleme, Kerry sicher aus der Klinik herauszubringen, lasteten schwer auf ihren Schultern und sie realisierte, das ihr Verstand auf Sparflamme brannte. Sie hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, was sie tun würde, nachdem sie einmal drin war... größtenteils, weil sie keine Ahnung hatte wie die Lage war, oder welche Möglichkeiten sie hatte... vielleicht konnte sie Feueralarm auslösen... oder... war das dort in der Nische ein Wasserdruckrohr...

"Entschuldigung." Die Schwester berührte ihren Arm. "Hören sie… da sie ja ohnehin für eine Weile hier festsitzen, darf ich sie da um einen großen Gefallen bitten?"

"Wie?" Dar unterbrach ihre Grübeleien und wandte sich der Frau zu. "Tut mir leid... sicher."

"Ich würde mir gerne unten in der Cafeteria ein Sandwich holen... könnten sie aufs Telefon aufpassen?" Sie deutete darauf. "Wenn es klingelt melden sie sich einfach mit, dritte Etage, und nehmen die Nachricht entgegen."

"Oh... nun ja, sicher... natürlich... kein Problem." Versicherte ihr Dar, während sie krampfhaft versuchte ein skeptisches Grinsen zu unterdrücken. "Gehen sie nur... wir werden noch... ähm... mindestens... dreißig Minuten hier sein... die Übertragung dauert länger als ich dachte."

Schwester Archer strahlte sie an. "Sie sind großartig." Sie kam wieder hinter ihrem Schreibtisch hervor. "Soll ich ihnen ein Sandwich mitbringen? Sie haben heute Truthahn Croissant, und Tomatensuppe."

"Nein... nein... wir brauchen nichts... danke." Winkte Dar ab. "Lassen sie sich ruhig Zeit."

Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter ihrem weißen Hintern, und sie sahen sich an. "Nun gut." Dar rieb ihre Nase. "Du bleibst hier und gibst auf das Telefon acht, und ich hole Kerry." Ihr Glück noch immer nicht ganz fassend, spazierte die dunkelhaarige Frau den Flur hinunter zur Tür ihrer Geliebten, gab den Code ein, und der Türgriff wurde ihr von der ungeduldigen Blonden beinahe aus der Hand gerissen. "Hey!"

"Ich bin langsam nervös geworden." Flüsterte Kerry. "Ich dachte, das du vielleicht in Schwierigkeiten geraten bist."

Sich nach vorne beugend gab ihr Dar einen Kuss auf die Lippen, wobei sie den Kontakt etwas länger andauern ließ. "Ich bin in Schwierigkeiten." Schnurrte sie in die Ohren der kleineren Frau. "Hier." Sie reichte Kerry die Schwesterntracht, bei der sich sogar ein Paar dünne Schuhe befanden. "Es ist nicht elegant, aber zum Teufel, damit kommst wenigstens hier raus."

Kerry nahm das Bündel und untersuchte es interessiert. "Hm... so was wollte ich schon immer... obwohl ich nicht diesen Weg gewählt hätte, um welche zu bekommen." Sie öffnete das Päckchen und schüttelte die weißen Kleidungsstücke aus, zog ihren unbequemen Krankenhauskittel aus und schlüpfte in die Hose mit Zugschnüren am Bund. "Herrje." Sie zog an den Bundschnüren um sie passend zu machen und machte dann eine große Schleife, während Dar sich hinkniete und das gleiche an ihren Knöcheln machte. "Das ist besser... zumindest stolpere ich jetzt nicht." Murmelte die Blonde während sie das Shirt über ihren Körper zog. "Nun… das ist gar nicht so schlecht."

Dar lächelte, dann erhob sie sich, zog einen Kamm aus ihrer Tasche und fuhr durch Kerry's zerzaustes Haar. "Also... außer allem anderen, Mrs. Lincoln... wie war Thanksgiving?"

Das brachte ihr ein schwaches Lächeln der blonden Frau ein. "Oh... jede Menge Verwandte, jede Menge Mist... ich hatte die Gelegenheit ein nettes Gespräch mit Brian zu führen, und habe einige meiner Onkel und Tanten zu Gesicht bekommen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. "Doch ich vermute, das ich sie jetzt wohl nicht mehr sehen werde." Schloss sie leise. "Dar, er wird es nicht einfach dabei belassen."

"Überlass das mir." Erwiderte ihre Chefin todernst.

Kerry sah zu ihr. "Was soll das heißen?"

Dar beendete ihre Arbeit und drehte ihre Geliebte zum Licht. "Das wird reichen." Stellte sie fest. "Das heißt, das ich ein paar Tricks im Ärmel habe, und ich würde gerne sehen, wenn du mir einfach vertrauen würdest und mich die ganze Situation handhaben lässt."

Unsicher blickte Kerry zu ihr. "Willst du mir nicht sagen, um was es geht?"

Ernste blaue Augen betrachteten sie eingehend. "Nicht hier... und nicht jetzt... außerdem ist es einfacher, wenn ich es dir zeige. Ich verspreche dir, wenn wir zu Hause sind, werde ich dir alles darlegen." Sie hielt inne. "Vertraust du mir?"

Für einen langen Moment sah ihr Kerry direkt in die Augen. "Ich vertraue dir." Erklärte sie leise. "Doch... denk daran, Dar... was immer er auch sein mag, er ist mein Vater."

Dar tätschelte ihre Wange. "Ich weiß." Sie holte Luft. "Auf geht’s... bringen wir dich hier raus. Ich möchte, das du mit Jack nach unten gehst… ich warte bis die Krankenschwester wieder zurück ist, und komm dann zu euch. Es würde auffallen, wenn sich niemand auf der Etage befindet und ich will nicht, das ein Alarm ausgelöst wird."

Kerry nickte. "Was dann?"

Ein kühler, entschlossener Blick. "Dann fahren wir zum Haus deiner Eltern und holen deine Sachen."

"Was? Dar... nein... ich brauche das Zeug nicht... da gibt es nichts, was man nicht ersetzen könnte... ich will nicht dahin zurückgehen." Protestierte Kerry heftig.

"Kerry..." Begann Dar zu sprechen.

"Nein!" Unterbrach sie die grünäugige Frau. "Ich kann ihnen nicht gegenübertreten… nicht, nach dem hier… bitte Dar, verlang das nicht von mir." Sich selbst umarmend drehte sie sich ab. "Können wir nicht einfach von hier verschwinden?" Flüsterte sie.

Dar atmete aus. "Okay... lass uns gehen." Sie schritt nach vorne und legte einen Arm um Kerry's Schultern. "Es tut mir leid... ich bin an Konfrontationen so verdammt gewöhnt, das ich vergesse, das nicht jeder das tun kann."

Kerry ließ sich herumdrehen, und gemeinsam gingen sie zur Tür. "Welchen Nutzen würde es ohnehin bringen?"

"Sie einfach wissen zu lassen, das sie dich nicht besiegt haben." Entgegnete Dar leise, während sie die Tür öffnete und ihre Geliebte liebevoll auf den Flur führte, nachdem sie sich zuerst überzeugt hatte, das die Luft rein war. "Aber das ist nur mein Stolz der da spricht... und manchmal ist er ein wenig vorlaut."

Bei diesem ehrlichen Zugeständnis sah Kerry über ihre Schulter und spürte wie ein winziges Lächeln ihre Lippen verzog. "Wieder dieses Konfrontations-Gen, was?" Sie sah sich auf dem deprimierenden Flur um. "Igitt... dieser Ort ist ekelhaft."

Um die Ecke kommend, sahen sie Jack's einsame Gestalt lässig gegen den Schreibtisch gelehnt, während er wartete. Als er sie erkannte streckte er sich, und lächelte als sie näher kamen. "Hallo." Begrüßte er Kerry, zaghaft lächelnd. "Du musst Kerry sein."

Sie reichte ihm ihre Hand. "Und du musst Jack sein... es freut mich dich kennen zu lernen."

Dar begab sich hinter den Schreibtisch und begann in den Schubladen herumzusuchen. Als sie an eine verschlossene geriet blickte sie auf den Empfangstresen. "Nette Schwester." Sie schnappte sich den Schlüsselbund, den die Frau dort liegengelassen hatte, schloss die Schublade auf und durchstöberte sie. "Aha." Sie fand einen Satz Klink-Abzeichen mit sämtlichen Angaben darauf. "Lass mal sehen..." Sie sah sich die Abzeichen genau an. "Abgelaufen... abgelaufen... ausgeschieden... abgelaufen... verstorben... abgelaufen... gültig?" Sie beäugte das gültige. "Hmm... da haben wir's..." Sie nahm es heraus und reichte es Kerry. "Steck dir das an... das Bild sieht dir ähnlich genug."

Kerry tat es. "Was jetzt?"

Dar schloss die Schublade wieder ab, und legte die Schlüssel zurück. "Okay... ihr Zwei nehmt den Fahrstuhl nach unten und geht einfach aus der Vordertür hinaus. Kerry... du tust einfach so, als ob du ihn hinausbegleitest, okay?"

Die Blondine hatte sich wieder gefasst. "Es würde realistischer aussehen, wenn ich ein Auge auf ihn werfen würde." Bemerkte sie zu einem errötenden Jack blickend. "Er ist süß."

"Fein." Kicherte die Geschäftsführerin müde. "Sobald ihr draußen seid, wartet einfach auf mich, okay?"

Beide nickten. "Was wirst du machen?" Kam Kerry's vorhersehbare Frage.

"Dich entlassen." Entgegnete die dunkelhaarige Frau mit einem piratenhaften Lächeln. "Ich mag es, wenn die Dinge im Reinen sind, Nun geht." Sie überlegte kurz. "Jack, nimm mein Laptop mit, okay?"

Er nickte. "Verstehe... wir sehn dich unten." Er nahm die Laptoptasche, und Kerry zum Fahrstuhl führend machte er sich auf den Weg. An den Türen angekommen, drehte sich die blonde Frau herum und traf auf Dar's beobachtende Augen.

"Sei vorsichtig."

Dar lächelte. "Du auch."

Sie sah zu wie sich die Türen schlossen, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer augenblicklichen Aufgabe zu.

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Die Fahrt nach unten verlief still, und sich unruhig mit den Fingern durch ihre Haare fahrend, zappelte Kerry herum bis sich die Fahrstuhltüren im Erdgeschoss öffneten, und sie ausstiegen. Vor ihnen saß, auf seine Ellbogen gestützt, ein einzelner Wachmann hinter dem Empfangstisch. Er schaute auf als er sie sah, und ein gewaltiges Lächeln überquerte sein Gesicht.

"Hey... wie ich hörte, habt ihr Leute uns den Tag gerettet! Gratulation, Mann!"

Jack winkte ab. "Ja... es war ein angeknabbertes Kabel... doch wir haben die Sache wieder zum Laufen gebracht... ich bring gerade meine Utensilien weg." Bemerkte er, die Aktentasche anhebend. "Die Chefin ist noch oben, um für euch sicherzustellen, das alles ordentlich abgeschlossen wird."

"Prima... großartig... hören sie, können wir irgendetwas für sie tun?" Die Augen des Wachmanns fielen kurz auf Kerry, und dann wieder zu Jack zurück.

"Nee... wir wollen nur noch zum Motel und etwas schlafen... es war ein höllisch langer Tag." Lehnte er ab, und begann an dem Schreibtisch vorbeizugehen. "Bin froh, das alles geklappt hat."

"In welchem Hotel sind sie?" Erkundigte sich der Wachmann mit freundlichem Interesse. "Ich kenne die meisten guten, kostengünstigen Hotels hier in der Gegend."

Jack war in Verlegenheit. "Ähm..."

"Hattest du nicht gesagt, das es das Marriot Courtyard wäre? Ungefähr einen Kilometer von hier entfernt." Warf Kerry beiläufig ein. "Du hattest gesagt, das wir dort später etwas trinken gehen könnten..."

"Wow... die bringen euch aber in guten Hotels unter." Lachte der Wachmann. "Und als Krönung haben sie auch noch eine Verabredung... nun ja, gute Nacht... und nochmals danke." Er sah noch einmal zu Kerry, und schaute dann wieder in das Magazin, in dem er vorher gelesen hatte.

Die Eingangshalle durchquerend verließen sie das Gebäude. "Brr." Seufzte Kerry. "Diese Schwesterntracht ist nicht für November in Saugatuck gemacht."

Während sie mit knirschenden Geräuschen den Kiesweg hinuntergingen blickte sich Jack um. "Danke, das du mir da drin den Hintern gerettet hast... ich habe keine verdammte Ahnung, was für Hotels es in dieser Gegend gibt." Er sah sich um. "Sobald wir das Vordertor passiert haben, geb ich dir meine Jacke... okay?"

Kerry nickte ohne ein Wort zu sagen und spürte wie sich der kalte, harte Untergrund durch die dünne Oberfläche ihrer Schuhe drückte. Sie befanden sich nun auf Höhe des Vordertores und der Wachmann im Innern schaute auf. Kerry winkte ihm, und er winkte zurück, dann winkte er noch ungestümer zu Jack.

Jack lächelte. "Ich fühle mich wie ein gottverdammter Messias." Murmelte er. "So wurde ich nicht mehr begrüsst, seit wir Kuwait befreit haben." Er schaute zu dem strahlenden Wachmann. "Er hat noch nicht einmal bemerkt, das er dich nicht kennt, oder?" Langsam öffnete sich das Tor vor ihnen, und sie gingen hindurch.

Kerry schnaubte leise. "In dieser Gegend wohnen viele Holländer und Deutsche... blonde, weiße Frauen sind hier keine Seltenheit, vertrau mir... er sieht wahrscheinlich jeden Tag zwanzig Leute, die genau wie ich aussehen." Sie verließen den weißen Lichtkegel des Wachhauses, und als sich das Tor hinter ihr schloss, da spürte Kerry endlich, wie sie sich langsam entspannte.

Sie war frei. Sie hatte die schlimmste Situation, in der sie jemals gewesen war überstanden, und wollte nur ein warmes Fleckchen, wo sie sich zusammenrollen und weinen konnte. Um sie herum war es nun dunkel und Jack zog seine Jacke aus und legte sie um ihre Schultern. "Danke." Sagte sie dankbar nickend. "Ich weiß, das ich dir einen großen Dank schulde, und auch dafür, das du Dar so schnell hierher gebracht hast."

Am dunkelblauen Militärfahrzeug angekommen, kicherte er kurz und schloss die Tür für sie auf. "Ich würde alles für sie tun... wir sind schon seit unserer Kindheit Freunde. Sie hat mir mal meinen Hintern gerettet, nachdem wir ein Baumhaus in einem Feigenbaum gebaut hatten, der eine Grube überragte." Er wartete bis sie eingestiegen war, dann schloss er die Tür und stieg auf der anderen Seite ein. "Mein Dad hatte es mir verboten... doch ich war verdammt eigensinnig und tat es trotzdem... ich war gerade dabei das abschließende Geländer anzubringen, als ich daneben trat und über die Kante fiel, mit nichts außer O² zwischen mir und dem Grund der verdammten Grube." Er atmete aus. "Mein Gürtel hatte sich an dem Auswuchs eines Astes verfangen, und nun hing ich da, wie ein gefülltes Schwein an Weihnachten, und hab geschrieen wie am Spieß."

Kerry dämpfte ein leicht hysterisches Lachen. "Oh nein."

"Oh doch... Das nächste an was ich mich erinnern kann ist, das Dar da war, und es irgendwie geschafft hat sich ein Seil umzubinden, dann zu mir hinuntergeklettert kam und mir geholfen hat auf den nächsten Ast zu kommen... doch dann haben wir beide unser Gleichgewicht verloren, und sind gefallen... an dem Seil festgebunden hing sie an mir... und ich dachte, das wir nun beide in bösen Schwierigkeiten waren."

"Oh nein!" Kerry's Augen weiteten sich.

"Jawohl… doch sie ist höllisch stark, wenn du verstehst was ich meine, sogar damals, als wir noch klein waren, schaffte sie es ihren Körper zu so zu verdrehen, dass ich einen Ast greifen und mich hochziehen konnte. Dann kam sie sich neben mir hoch und wir waren in Ordnung."

"Puh." Die blonde Frau stieß ihren Atem aus. "Was ist dann passiert."

Er warf ihr einen säuerlichen Blick zu. "Dafür, das ich so verdammt blöd war, hat sie mir eine gescheuert."

Kerry brach in Gelächter aus, und hielt sich dann schnell mit ihrer Hand den Mund zu. "Oh... Gott. Entschuldige... das ist nicht komisch." Entschuldigte sie sich.

"Sicher ist es das." Lachte Jack. "Das ist Dar mit Leib und Seele ."

Die blonde Frau seufzte. "Oh ja... ich glaube, das versteh ich... auch wenn ich sie erst seit einer kleinen Weile kenne." Ihre Augen wanderten zu Jack. "Sie ist eine mutige Frau."

Er lächelte sie an. "Sie ist ein mutiger Mensch." Korrigierte er sie. "Sie ist der beste Freund, und der schlimmste Feind den du nur haben kannst... sie gibt niemals auf und sie ist immer da, wenn du sie brauchst."

Durch die Windschutzscheibe starrte Kerry auf die schwachen Lichter der Klinik. "Das ist wahr." Sagte sie schließlich leise. "Sie würde für jeden eintreten." Verstummend lehnte sie ihren Kopf gegen die Türstrebe, während ihre Augen auf dem zur Klinik führenden Pfad klebten.

Sie warteten, anscheinend eine Ewigkeit, was aber nur ungefähr zehn Minuten waren, bis Kerry's Augen fanden, nach was sie Ausschau gehalten hatten, eine große, schlanke Gestalt kam den Kiesweg hinunter, blieb am Tor stehen, wechselte dann einige Worte mit dem Wachmann, der lachend winkte, und durch die Schranke hindurch schritt sie in die Dunkelheit des Parkplatzes.

Einen Augenblick später, und Dar glitt mit einem ausgiebigen, erschöpften Seufzer auf den Rücksitz. "Gottverdammt zum Teufel noch mal, bin ich froh das es vorüber ist." Murmelte sie, sich gegen das Polster fallen lassend. "Diese verdammte Frau hat mir beinahe ein Ohr abgeschwatzt... sie versuchte mir Kuchen zu geben... wollte den Namen meines Chefs, um mich zu loben... Jesus!"

Kerry begann hilflos zu lachen. "Du hättest ihr den Namen geben sollen." Sagte sie ausatmend. "Und du liebst Kuchen."

Jack warf einen Blick zu ihr und dann in den Rückspiegel. "Wohin?"

Dar überlegte. "Gibt es ein Hotel in der Nähe? Ich denke, wir könnten alle etwas Schlaf vertragen. Bei mir ist es jedenfalls so... dann können wir Jack auf den Rückflug nach DC schicken, und einen Flug nach Hause nehmen."

"Was ist mit dem Marriot, das du erwähnt hast?" Erkundigte sich Jack bei Kerry.

Kerry schwieg einen Moment. "Ich... ähm..." Sich halb umdrehend legte sie ihr Kinn auf die Rücklehne des Sitzes und blickte zu Dar. "Ich... denke, du hast recht. Ich denke, wir sollten meine Sachen holen."

Eine dunkle Augenbraue stieg nach oben. "Ich dachte..."

"Ich weiß." Bestätigte Kerry, auf den Bezug blickend. "Doch ich hab damit angefangen und nun muss ich es auch zuende bringen." Sie blickte zu Dar. "Ich brauche nur eine kleine Rückendeckung."

Ein sanftes, stolzes Lächeln erschien auf Dar's Lippen. "Die hast du... Kerry, ich weiß, das dies schwer für dich ist... und ich weiß, das du deine Eltern immer noch sehr liebst... versuch dich daran zu erinnern, in Ordnung?" Sie Seufzte. "Lass dir das, durch das was passiert ist, nicht nehmen... egal, wie sehr sie es auch verdienen mögen."

Jack ließ den Wagen an und fuhr vom Parkplatz.

Während der ruhigen, von Dunkelheit umgebenen Fahrt, dachte Kerry über Dar's Rat nach.

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Das Haus war dunkel. Die Frontbeleuchtung brannte und tauchte das braune Gras davor in silbriges Licht, doch der Rest des Gebäudes war ruhig und grau. Jack hielt neben der Einfahrt und blickte zu Dar zurück.

"In Ordnung." Tief Luft holend versuchte Dar ihre Energie zu sammeln. "Jack..."

Der Pilot blinzelte sie an. "Er ist widerlich genug, seine eigene Tochter zu betäuben und in eine Klapsmühle zu bringen... ich gehe zu eurer Sicherheit mit." Er griff unter den Autositz, holte seine Dienstwaffe hervor und schnallte das Holster unter seinen Arm. "Und nur damit sie wissen, das ich befugt bin die Waffe zu tragen..." Sagte er, und befestigte seine Rangabzeichen wieder.

Dar legte eine Hand auf seinen Arm. "Nein." Widersprach sie leise. "Ich denke nicht, das es notwendig sein wird, und ich habe noch einige Karten in meinem Ärmel, falls er etwas dummes versuchen sollte... verwickle nicht das Militär darin, okay? Er ist Senator, und das könnte eine Menge großer Schwierigkeiten bedeuten, mein Freund."

"Dar hat recht." Fügte Kerry leise hinzu. "Mein Vater ist über die Macht des Pentagons stinksauer... gib ihm mit deinem Eingreifen, nicht noch die Munition dafür."

Jack blickte von einer zur anderen. "Okay... doch ihr habt dreißig Minuten. Wenn ihr bis dahin nicht zurück seid, dann komme ich nach."

"In Ordnung." Stimmte die dunkelhaarige Frau zu. "Bist du bereit?" Fragte sie Kerry, die nickte. "Dann lass uns gehen."

Sie stiegen aus dem Wagen, schlossen leise die Türen und machten sich dann auf den Weg zum Eingang. Vor der Tür stehend presste Kerry ihre Hände zusammen und entspannte sich wieder. Dann reichte sie nach oben und drückte auf die Klingel.

Einmal. Zweimal. Es läutete dreimal, bevor sie Schritte hörten. Dar legte beruhigend eine Hand auf den Rücken ihrer Geliebten und straffte ihren eigenen um ihre Sinne zu sammeln.

Mit einem Schwung öffnete sich die Tür, und vor ihnen stand der Senator, der sie verschlafen und zweifelnd anblinzelte.

Kerry trat nach vorne und stieg die Stufen bis zur Türschwelle hoch, dann holte sie aus und schlug ihm mit einem harten Schlag quer übers Gesicht.

Das Geräusch des Schlages prallte von den Wänden des Flurs ab, ließ ihn zurückstolpern und erschreckte Dar, die beim besten Willen keine Ahnung hatte, was ihre Geliebte vorhatte.

"Was zum…" Der Senator langte zum Lichtschalter und der Eingang, sowie der innere Flurbereich wurden erleuchtet. "Wie kannst du es wagen..."

"Wie ich es wagen kann?" Kerry stellte sich direkt vor ihn. "Wie ich es wagen kann?? Wie kannst du es wagen, mir etwas derartiges anzutun!!!"

Er starrte sie an, dann drifteten seine Augen langsam zu der großen, dunklen Gestalt, die hinter ihr aufragte. "Sie." Sagte er völlig angeekelt.

Dar schritt ins Innere und schloss die Tür hinter sich. "Ich glaube nicht, das wir uns schon begegnet sind, oder?" Sie legte eine Hand auf den Rücken ihrer aufgebrachten Freundin. "Mein Name ist Dar Roberts, und ich bin die Vorgesetzte ihrer Tochter."

"Ich weiß wer sie sind, sie Hure." Brüllte der Mann. "Verlassen sie mein Haus!" Er drehte sich zum Telefon. "Ich werde sie verklagen!"

"Wegen… was?" Fragte Dar, Kerry's heftigen Protest abwürgend. "Genau?"

"Wegen Einbruch!" Entgegnete er, eine Nummer wählend.

"Sie haben uns reingelassen." Erinnerte ihn Dar.

"In die Klinik, sie Missgeburt!"

"In der Tat, sind es Kunden von uns... ich habe mich wie jeder andere auch, in die Besucherliste eingetragen." Erwiderte Dar ruhig. "Und ich wurde infolge eines Computerproblems angefordert."

Er hörte auf zu wählen. "Sie haben sie da herausgeholt." Beschuldigte er sie.

"Aber nein... die Oberschwester hat sie entlassen." Bemerkte die Geschäftsführerin lächelnd. "Nachdem sie nichts abnormes bei ihr finden konnten."

"Irgendetwas stimmt mit ihr nicht." Er legte den Hörer auf. "Und das ist ihre Schuld. Sie haben sie korrumpiert, sie Miststück, und werde sie dafür drankriegen..."

Ein langer, kräftiger Finger hob sich. "Wenn sie ihre Klappe nicht halten, dann werde ich sie sowohl für Verleumdung, als auch Entführung und der gewaltsamen Festhaltung einer meiner Mitarbeiter anklagen." Auf ihn zugehend glitt sie gefährlich wie ein Panther vor Kerry und starrte ihm gelassen in die Augen. "Und jetzt... würde ich vorschlagen, das wir diese kleine Besprechung in ihrem, was auch immer sie als ihr Büro benutzen, fortführen, damit der Rest ihrer... Familie... nicht mitanhören muss was ich ihnen zu sagen habe, okay?"

"Sie glauben wohl verdammt klug zu sein." Fauchte der Mann.

"Nein... in der Tat glaubt das die Firma... sie bezahlt mich dafür klug zu sein... und ich möchte, das sie für ihr Geld auch etwas bekommen." Entgegnete Dar lächelnd. "Also... entweder sie setzen sich jetzt in Bewegung, oder wir holen einfach Kerry's Sachen und ich werde, sobald ich wieder im Wagen bin, eine Mitteilung an die Nachrichtendienste schicken. Es liegt bei ihnen." Teilte ihm Dar mit einer gefährlich kühlen Stimme und funkelnden Augen mit, wobei sie die Silben aalglatt über ihre Zunge rollen ließ.

Sich in Gang setzend drehte er sich um und ging zu einer Holztür, die sie von ihrem Standpunkt aus, an der Ecke des Wohnzimmers, sehen konnten. Dar folgte ihm und nachdem Kerry, sprachlos über den starken Auftritt ihrer Chefin, Luft geholt hatte, folgte sie ihr. Sie sah zur Seite und blickte direkt in die Augen ihrer Mutter, die aus der Schlafzimmertür herausspähte.

Die Augen verschwanden wieder und die Tür schloss sich. Seufzend folgte Kerry Dar's großer Gestalt, als sie das verdammte Arbeitszimmer betraten, doch diesmal war sie diejenige, die die Tür hinter ihnen schloss.

Dar schritt den Raum ab, blieb dann an seinem Schreibtisch stehen und setzte sich mit verschränkten Armen auf die Kante. Dar schwieg und betrachtete ihn einen Moment lang mit interessierten blauen Augen.

"Was wollen sie?" Fragte er schließlich, als sie immer noch nicht reagierte.

Dar ließ ihn noch ein bisschen länger zappeln, dann stand sie auf, lief ein wenig herum und blieb neben dem Fenster stehen. "Was ich will?" Wiederholte sie. "Ich will, dass sie vierundzwanzig Stunden zurückdrehen, und ihre eigene Tochter, nicht angegriffen, entführt und eingesperrt hätten. Das will ich."

"Ich habe nichts illegales getan." Belehrte sie der Senator schroff. "Sie wurde zur Beobachtung eingewiesen, und es liegt in meiner Verantwortung sicherzustellen, das meine Familie versorgt wird."

"Ach... wenn sie mich also morgen früh mit Drogen vollgestopft und versucht hätten eine Gehirnwäsche zu verpassen... dann war das aus... Beobachtungsgründen?" Fragte Kerry von ihrer Position an der Wand.

Er blickte zu ihr. "Ich wollte das sie mit dir reden, ja, und diese verrückten Ideen aus deinem Kopf treiben, bevor du dir dein Leben ruinierst." Er starrte zu Dar. "Sie ist diejenige, die dich einer Gehirnwäsche unterzogen hat."

"Zu was hab ich sie einer Gehirnwäsche unterzogen?" Schnaubte Dar. "Dazu, das sie selbstständig denkt? Nein danke… das kann sie von ganz alleine, ohne meine Hilfe." Sie hielt inne. "Ach... sie meinen ich habe sie dazu manipuliert, das sie denkt, wir seien ineinander verliebt... richtig..."

"Ich will davon nichts hören." Der Mann wandte ihnen den Rücken zu. "Ich akzeptiere nicht, das eins meiner Kinder ein Teil von etwas derartig ekelhaftem und entartetem sein soll." Er drehte sich um. "Und als Krönung auch noch zur Hölle verdammt ist." Er fuhr sich mit seiner Hand durchs Haar. "Nein!" Seine Augen drehten sich zu Dar's im Schatten liegenden Gesicht. "Warum verschwinden sie nicht einfach von hier und lassen anständige Leute in Ruhe? Ihresgleichen gehört nicht in dieses Land."

Dar schritt so schnell auf ihn zu, das er nicht mal Zeit hatte sich zu bewegen oder gar zu blinzeln, bevor sie ihn praktisch Nase an Nase stehend überragte. "Mein Daddy ist für dieses Land gestorben, sie ignorantes Dreckstück... also geben sie acht, was sie sagen." Ihre Stimme hatte sich zu einem bedrohlichen Grollen gesenkt. "Und er war mehr wert als Tausend von ihnen."

Kerry hielt ihren Atem an. So hatte sie Dar noch nie erlebt. Ihre Augen funkelten und ihr ganzer Körper schien spannungsgeladen zu sein. Die ungezügelte Wut war beinahe greifbar.

Totenstille. Dann. "Ich rufe die Polizei." Der Senator nahm den Telefonhörer ab. "Ich werde sie einsperren lassen, egal für welchens Vergehen, und was ich dem Polizeichef dafür bezahlen muss, und dann sehe ich genüsslich zu, wie ihr hässlicher Hintern in der Männerabteilung des Gefängnisses gesperrt wird und sie vergewaltigt werden bis sie schreien."

Überraschenderweise lächelte Dar... charmant. "Ach... ihr wahres Gesicht." Schnurrte sie, ihr Temperament nun wieder unter Kontrolle habend. "Bevor sie mit dem Wählen fertig sind, sollten sie mal über die Nummer... 99344343... nachdenken."

Urplötzlich stoppte sein Finger über einer Taste, und er hob langsam seine bösartig blickenden Augen zu ihren hoch.

Ein Kichern. "Wussten sie Senator, das in unserer heutigen Zeit, alles was man tut über einen Computer läuft?" Dar ging um den Schreibtisch herum und setzte sich wieder auf die Kante. "Jedes Kreditkartengeschäft, jedes Bankgeschäft, jede medizinische Akte..." Sie lächelte wieder. "Geburtsurkunden... Sterbeurkunden… alles."

Er starrte sie nur an. Voller Hass.

Dar beugte sich nach vorne. "Sie legen den Hörer runter. Sie lassen mich Kerry's Sachen hier rausbringen, und dann belästigen sie sie nie wieder, oder ich werde eine riesige, scheußliche Akte mit einer Massenmail an jede gottverdammte Nachrichtenagentur in der Welt, als auch an den Generalstaatsanwalt senden." Sie hielt inne. "Mit einer persönlichen Notiz von mir an Janet, wenn sie verstehen, was ich meine."

"Sie bluffen." Flüsterte er.

Dar lehnte sich näher. "Nein, das tu ich nicht." Kicherte sie. "Und glauben sie mir, ich werde jede einzelne Sekunde ihrer Selbstzerstörung auf CNN genießen." Sie sah ihn teilnahmslos an. "Ich werde sogar eine Beileidskarte an Pamela schicken."

Seine Augen traten wütend hervor. Vom Schreibtisch gleitend, stand Dar auf und wartete.

"In Ordnung." Sich aufrichtend schien er seine Fassung zurückzugewinnen. "Was wollen sie wirklich? Auf was für ein Geschäft sind sie aus?"

"Geschäft?" Erkundigte sich Dar leise.

"Sie müssen hinter etwas her sein... was ist es, Geld?" Er blickte auf. "Sie können ihnen dort nicht so viel bezahlen... ist es das, was sie wollen?" Herumschreitend zog er sowohl ihre als auch Kerry's Aufmerksamkeit auf sich. "Wir können einen Handel abschließen... sagen sie einfach ihren Preis und wir..."

Dar's Körper bewegte sich mit einer solch heftigen Schnelligkeit, das sogar Kerry erschrak. Sie drehte sich halb um, und versetzte mit ihrem hochschnellenden Fuß etwas Hartem einen seitlichen Tritt, das es davonflog. Dann wirbelte sie herum und trat wieder zu, diesmal flog ein Körper mit einem hörbaren Bums gegen die Wand.

Als Kerry die Aktivitäten hörte, rannte sie zum Lichtschalter, und schaltete genau in dem Augenblick das Licht an, als Kyle mit einem gesprungenen Ausfalltritt voll in die Rippen getroffen wurde und wieder einen Abflug machte.

"Was ist los, Kyle... du bist zu sehr daran gewöhnt dich an kleinen Mädchen zu vergreifen." Verspottete ihn Dar, während sie unter einem Seitenhieb seiner Faust abtauchte. "Sie einzuschüchtern und ihnen ihre Welpen wegzunehmen?" Sie wirbelte herum und knallte mit einem Rundtritt gegen seinen Kiefer. "Dreckiger Scheißkerl."

Er stürzte sich auf sie, und sie um die Taille packend gingen beide zu Boden, doch er hatte nicht mit Dar's kräftigen Beinen gerechnet, die sich um ihn schlangen und beide herumdrehten, so das Dar auf ihm lag und ihm einen heftigen Schlag in seine Leiste verpasste.

"Miststück." Er schlug in ihre Seite, dann nochmals, und keuchte dann als ein Knie in seinen Magen gerammt wurde. Er kroch unter ihr hervor und sich wieder auf seine Füße stoßend wollte er sie sich schnappen.

Dar rollte sich weg und fing ihn ab, als er versuchte seinen Ellbogen gegen ihren Kiefer zu knallen, dann ergriff sie seinen Arm und warf ihn über ihre Schulter, woraufhin er mit einem schwammigen Krachen auf dem Parkettboden landete. "Oh ja... dieses Miststück hat dir gerade in deinen Arsch getreten, und jede Minute davon genossen." Dar fühlte, nachdem ihr Verlangen nach Gewalt für den Augenblick befriedigt war, wie sich ihre Atmung beruhigte und ihr Temperament abklang.

Dann war es still, bis Dar zur gegenüberliegenden Wand ging und die automatische Pistole aufhob, die sie aus Kyle's Hand getreten hatte, und nun in ihrer Hand jonglierte.

Kerry nahm wahr, wie die Gesichtszüge ihres Vaters einen ungewohnten Ausdruck annahmen.

Angst. "Hatte ich vergessen zu erwähnen, das sie ein Jahr lang Weltmeisterin in Karate war?" Murmelte Kerry. "Ich glaube, das hab ich." Nun war sie am Zug. Sie schritt nach vorne, bis sie am Schreibtisch ihres Vaters stand. "Was du mir angetan hast, war falsch."

Er sah sie nur an.

"Nicht nur gestern abend... schon seit ich ein kleines Mädchen war, wolltest du mich zu etwas machen, das ich nicht bin, und du hast mich damit sehr verletzt." Eröffnete ihm Kerry. "Doch du bist noch immer mein Vater, und ich liebe dich immer noch... ich kann nur nicht mehr bei dir leben."

"Ich bin nicht mehr dein Vater." Er wandte ihr seinen Rücken zu. "Verlass mein Haus, und nimm deine... Freundin... mit dir."

Seufzend blickte Kerry zu Dar, die gerade die Pistole entlud und die Patronen herausnahm. "Komm... ich habe hier nichts mehr verloren."

Dar warf die Automatik auf den Schreibtisch. "Bin direkt hinter dir."

Sie verließen das Büro und stiegen schweigend die Treppe hinauf. Dar legte ihre Hände auf die Schultern ihrer Geliebten. "Bist du okay?" Murmelte sie leise in ein rosafarbenes Ohr.

Kerry hatte das Bedürfnis sich einfach zurückzulehnen und sich in Dar's Körper zu verkriechen. "In meinem Inneren bin ich sehr verletzt." Gestand sie der dunkelhaarigen Frau ehrlich ein. "Ich glaube, das ich jetzt eine gute, lange Schmuseeinheit brauche, und das recht bald."

Dar küsste ihr zärtlich auf den Kopf. "Heute abend, und wenn du willst, jeden Abend für den Rest deines Lebens." Versprach sie, und realisierte erst nachdem die Worte heraus waren, was sie da gesagt hatte.

Vorrübergehend herrschte eine beinah schockierende Stille. "Ich will." Antwortete Kerry schließlich leise. "Komm schon... lass uns hier verschwinden... ich habe ein Leben um das ich mich kümmern muss."

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Kerry betrat ihr altes Schlafzimmer und ging zu ihren, immer noch vorhandenen, Sachen. Irgendjemand hatte alles aufgeräumt und sie hoffte, das es Angela gewesen war. Schnell sah sie ihre Laptoptasche durch, danach ihre Reisetasche, und nickte dann zu Dar. "Das ist alles." Eine Jeans und das Navy-Sweatshirt herausziehend zog sich schnell um, stopfte ihre Schwesterntracht in die Tasche, und setzte sich hin, um ihre Turnschuhe anzuziehen.

Dar ging hinüber und die Tasche hochhebend schwang sie sie über ihre Schulter. "In Ordnung... lass uns gehen."

Zögernd sah sich Kerry im Raum um. "Ich bin in diesem Zimmer aufgewachsen." Sagte sie leise. "Angela und ich."

Dar überflog mit ihren Augen den Raum, dann legte sie ihren freien Arm um Kerry's Schultern. "Dir ist doch klar, das du den Kontakt mit deiner Schwester nicht verlierst, oder?"

"Ja, das weiß ich." Seufzte die blonde Frau.

Bei einem Geräusch blickten beide auf, und sahen wie sich ein kastanienbrauner Kopf hereinschob. "Ker?"

"Angie."

Als Kerry nach vorne schritt, kam ihre Schwester hereingestürmt und umarmte sie. "Oh mein Gott, Kerry... was zum Teufel ist geschehen? Du warst verschwunden, und sie wollten mir nicht sagen was los ist... oder wo du warst, und ich..."

"Schh... oh ja... es war recht schlimm." Antwortete Kerry leise. "Sie haben mich betäubt und zu Roger's gebracht."

Angela ließ sie los und starrte ihre Schwester schockiert an. "Oh mein Gott." Als sie schließlich realisierte, das Kerry nicht alleine war, schwenkten ihre Augen nach rechts und sie keuchte leicht über die im schwachen Licht hellblau leuchtenden Augen. "Oh... ich..." Sie sah genauer hin. "Du musst... Dar... sein?"

Das Lächeln der größeren Frau verströmte ein weißes Glitzern in der Dunkelheit. "Das stimmt." Sie streckte höflich ihre Hand aus. "Freut mich dich kennen zu lernen, Angela... ich wünschte es wäre unter anderen Umständen."

"Oh... ähm... klar." Kerry's Schwester nahm behutsam ihre Hand und schüttelte sie. "Ich habe eine Menge über dich gehört..." Bemerkte sie zaghaft lächelnd und wandte sich dann wieder ihrer Schwester zu. "Also... was ist passiert?"

Kerry seufzte. "Nun gut… Dar ist aufgetaucht und kam mir zu Hilfe...."

"Als ich dort ankam, hast du dir verdammt gut selbst geholfen." Unterbrach Dar sie.

Grüne Augen schenkten ihr einen sanften, liebevollen Blick. "Dann sind wir hierher zurückgekommen, und ich... habe mich irgendwie mit Dad verkracht, und jetzt... gehen wir." Innehaltend blickte sie zu ihrer Schwester. "So wie es aussieht, für immer."

"Oh." Angela nahm ihre Hände und drückte sie. "Nun ja, es könnte sein, das ich die Nächste bin... und ich werde mit dir Verbindung bleiben, okay?"

Lächelnd umarte Kerry sie. "Bitte tu das... ich werde dich vermissen... würdest du Michael erzählen was geschehen ist?"

Als sie sich trennten, nickte Angela. "Ich ruf ihn morgen an... eigentlich bin ich froh, das er noch an der Schule feststeckt und nicht hier war... du weißt, das er ausgerastet wäre."

Kerry seufzte. "Ich weiß... nun, wir müssen uns auf den Weg machen... ich ruf dich an, wenn ich wieder in Miami bin."

"Tagsüber." Äußerte Angela leise. "Richard hat mir einen Vortrag über das Einmischen gehalten." Sie zog ein Gesicht. "Wir hatten deswegen eine heftige Auseinandersetzung."

"In Ordnung." Die blonde Frau schulterte ihre Laptop. "Auf geht's, Dar… bevor Jack noch hereingestürmt kommt." Sie umarmte ihre Schwester ein letztes Mal, und ihren grossen dunkeln Schatten hinter sich herziehend begab sie sich zur Tür. Sie gingen die Treppe hinunter, und durch den Lichtstrahl zur Haustür hinaus auf den Weg in Richtung zu einem ungeduldig aussehenden Jack, der mit einem Fuß auf dem Boden schon halb aus dem Wagen war. Als sie sich näherten stieg er wieder ein, und die Tür öffnend ließ Dar Kerry einsteigen. Sie wollte die Tür schließen, als Kerry eine Hand hochhielt, zur Seite rutschte und an ihren Mantel zog.

Dar warf die Tasche auf den Rücksitz und schloss die Tür, dann stieg sie neben ihrer Geliebten ein und atmete aus. "Lasst uns hier verschwinden."

Jack brauchte keine weiteren Anweisungen. Er ließ den Wagen an, dann wendete er und fuhr in Richtung der Strasse. "War scheußlich wie?" Fragte er nach einigen Augenblicken der Stille.

An einen wunden Knöchel saugend sah Dar zu ihm. "Sehr." Sie warf einen Blick zu der sehr stillen Kerry und legte dann eine Hand auf ihre Schulter. "Wie geht es dir?"

Kerry riss ihre Augen von der dunklen Landschaft, und langsam ihren Kopf drehend äugte sie zu Dar's, halb im Schatten liegenden, Gesicht. "Wirklich mies." Antwortete sie heiser. "Dar, warum kann ich sie nicht einfach hassen? Es wäre so viel einfacher."

Die dunkelhaarige Frau schlang tröstend ihren Arm um ihre Schultern und zog sie näher. "Tut mir leid... ich wünschte, ich hätte eine Antwort für dich." Sie fühlte wie sich Kerry an sie lehnte und sich ein Arm um ihren Magen wickelte, als ihre Geliebte ihr Gesicht an ihrer Schulter vergrub. "Ich wünschte, ich könnte sie umstimmen." Sie fühlte Kerry's heftiges Einatmen, und sie näherziehend rieb sie beruhigend über ihren Rücken.

Mit stiller Anteilnahme zu ihr herüberblickend gewann Jack Dar's Aufmerksamkeit. "Wohin?"

Dar seufzte. "Finde eine Hauptstrasse... und halte an dem ersten Ort, der nicht so aussieht, als ob sich Küchenschaben in den Ausgüssen befinden." Sie zog ihr Handy aus ihrer Tasche und wählte eine Nummer. "Guten Morgen." Sagte sie leise. "Hier ist Dar Roberts, Mitarbeiter-Nummer 4432234." Sie überlegte kurz. "Ich brauche zwei Tickets von Grand Rapids nach Miami, der erste Flug, Fluglinie ist unwichtig." Sie hörte eine Weile zu. "Das ist in Ordnung... benutzen sie meine Kreditkarte in den Unterlagen, aber... das geht auf meine private Rechnung."

Bei dieser Bemerkung rührte sich Kerry, doch Dar klopfte ihr auf den Rücken und fuhr mit der beruhigenden Massage fort. "Okay... das ist großartig... wie bitte? Ach..." Dar lächelte kurz. "Oh ja... das ist wahr... ja, machen sie das... es war eine wirklich lange Nacht, und ich denke, das ich etwas zusätzlichen Platz gebrauchen könnte." Sie hörte wieder zu. "Danke... ich hole sie am Flughafen ab... nochmals vielen Dank." Sie legte auf und lehnte ihren Kopf gegen die Rückenlehne. "Planänderung... fahr weiter zum Flughafen... der erste Flug geht um 11... bevor wir alle von hier verschwinden, können wir genauso gut noch ein paar Stunden schlafen." Sie sah zu Jack. "Kannst du von hier starten, ohne ein Chaos zu verursachen?"

Er nickte. "Aber sicher... ich werde zwar nicht so schnell wie hierher fliegen können, aber…" Er gähnte. "Sich ein bisschen aufs Ohr zu legen, klingt nach einer großartigen Idee… ich kann Dad anrufen, und bevor ihr Mädchen abfliegt, spendiere ich euch ein Frühstück, wie ist das?"

Dar spürte wie sich Kerry noch schwerer gegen lehnte und erkannte, das die Erschöpfung ihre Freundin eingeholt hatte. "Hört sich toll an." Stimmte sie zu. "Au... verdammt ich brauch ein Bett... ich fühle mich, als wenn ich von einem LKW überrollt worden wäre." Stöhnte sie.

Ihren Kopf anhebend schielte Kerry zu ihr hoch. "Nun... er hat dich ein paar mal geschlagen... ist da drin alles in Ordnung?" Sie tätschelte Dar's Brust.

"Dich geschlagen?" Zur Seite blickend schoss Jack's Kopf nach oben. "Wer? Was?"

Kerry legte ihren Kopf wieder zurück. "Der Bodyguard meines Vaters... Er hat versucht, Quick Draw McGraw hier, zu überwältigen... die ihm so in den Hintern getreten hat, das er quer durch den Raum geflogen ist."

Jack's Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. "Quick Draw, wie?" Bemerkte er leise lachend.

Dar stöhnte. "Fahr einfach." Brummte sie.

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Das Flughafenhotel war klein, und der Empfangschef rieb seine Augen, als er sie schließlich bemerkte und herauskam. "Ein Zimmer?" Nuschelte er.

"Zwei." Antwortete Jack, einen Seitenblick zu Dar werfend. "Zusammenhängend."

Sie erhob keinen Einspruch. Sie bekamen ihre Schlüssel und schleppten sich zu den Zimmern hoch, die nach modrigen und feuchten Ziegeln rochen. Die langen Tage hatten Dar eingeholt, und instinktiv die Klimaanlage einschaltend ging sie zum Bett. Sie legte sich auf den Rücken und spürte sofort wie ihre Muskeln erlahmten. "Verdammt." Sie hatte wirklich nicht damit gerechnet, mit Kyle zu kämpfen... sein plötzliches Erscheinen hatte ihre Sinne alarmiert und eine Woge Adrenalin freigesetzt, die ihr beim Kampf gegen Kyle half, doch jetzt... "Ich werde für diesen Kram zu alt." Murmelte sie.

Jack verschwand in sein Zimmer und Kerry trank ihre Soda aus, die sie sich aus dem Automaten geholt hatte, und schaltete dann das Licht aus. Sie kroch neben Dar ins Bett und sich auf die Seite legend betrachtete sie das scharfe, so nahe Profil. "Ich glaube nicht, das ich mich bei dir schon bedankt habe."

Dar rollte ihren Kopf zur Seite und sah sie erschöpft an.

"Weißt du, es ist ein seltsames Gefühl..." Bemerkte Kerry, ihr Kinn auf ihrem Unterarm abstützend. "Seinen eigenen Ritter in glänzender Rüstung mit allem Drum und Dran zu haben."

Ein leises Schnauben. "Ich bin nichts derartiges." Entgegnete die dunkelhaarige Frau. "Und wir beide wissen das."

Kerry schüttelte ihren Kopf. "Du magst das wissen... aber ich nicht." Erwiderte sie völlig in Gedanken. "Oh... den Teil mit dem Eintreffen in einem Überschall-Jet könnte ich vielleicht streichen... hey... das war opportunistisch, richtig?"

Dar rollte herum, und nur einige Zentimeter voneinader entfernt betrachtete sie sie. "Richtig."

"Mm... aber nicht, wie du meinem Vater gegenübergetreten bist... und nicht, wie du Kyle verdroschen hast... übrigens, ich habe gehört was du zu ihm gesagt hast." Kerry fuhr fort. "Also... danke... Dar... ich hatte mein ganzes Leben geglaubt, das Menschen nur in ihrem eigenen Interesse handeln… und nun weiß ich, das dies nicht der Fall ist."

Eine dunkle Augenbraue stieg in die Höhe. "Wer sagt denn, das es nicht in meinem eigenen Interesse war. "Es lag sehr wohl in meinem Interesse, sicherzustellen, das du sicher und wohlbehalten warst..." Sie rieb mit ihren Knöcheln über Kerry's Wange. "Ich wollte dich sehr selbstsüchtig zurück haben."

Leicht errötend senkte Kerry ihren Kopf.

"Ich meine das so... das war purer Eigennutz... da gab es keinerlei Edelmut." Dar schüttelte energisch ihren Kopf. "Außerdem, hast du eine Ahnung wie lange ich brauchen würde, um einen nur halb so guten Assistenten wie dich zu finden?"

"Dar, ich habe versucht, ernst zu sein." Protestierte die blonde Frau warmherzig.

Weiche Fingerspitzen streichelten über ihren Wangenknochen. "Welche Anstrengungen es auch gekostet hat... sie waren es Wert, Kerry... glaub mir." Antwortete Dar ebenso ernst.

Die blonde Frau legte fragend ihren Kopf zur Seite. "Du sagtest, du hättest gewusst wo ich wäre, weil sie die Kosten über meine Krankenversicherung abrechnen wollten... doch wie hast du das herausgefunden, Dar?"

"Mm." Dar rollte sich auf ihren Rücken und sich streckend spürte sie, wie die Erschöpfung durch sie wogte. "Ich hatte einen... ich weiß auch nicht, ich denke einen Alptraum... sicher ist, das ich schweißgebadet aufgewacht bin... um ungefähr Halbeins." Zurückdenkend schloss sie ihre Augen.

"Halbeins?" Murmelte Kerry. "Das ist ungefähr als... ja, um diese Uhrzeit haben sie mich betäubt... ich erinnere mich auf meine Uhr geschaut zu haben, direkt bevor ich ins Arbeitszimmer ging."

"Nun gut, mir war klar, das ich nicht mehr einschlafen würde... also hab ich mich im Büro eingewählt... und als ich verbunden war, meldete sich das, im Hintergrund laufende, Robotprogramm, und ließ mich wissen, das deine Versicherungskarte benutzt worden war, und ich..."

"Moment mal... du hast dafür ein Robotprogramm?" Fragte Kerry verwirrt. "Hattest du es für möglich halten, das etwas geschehen würde?"

"Oh…" Dar schielte aus dem Augenwinkel zu ihr. "Nicht direkt…"

Kerry krabbelte näher heran und legte ihr Kinn auf Dar's Schulter. "Nicht direkt?"

"Nein… nun ja, seit du diesen Zusammenstoss mit dem Milchlaster hattest, ich ähm..." Dar war verlegen und sie spürte, wie sich ihre Haut errötend erhitzte. "Nun... ich habe das Programm nur für alle Fälle eingesetzt. Ich will sagen, es ist ja nicht so, das du eine Kontaktkarte bei dir trägst... ich meine, wenn dir etwas zustößt... was auch immer... dann würde ich... ähm..."

"Dar, das ist sehr lieb." Sagte Kerry, sie anstarrend.

"Praktisch." Widersprach die Direktorin. "Das simple Bedürfnis nach Information."

Sie sahen sich an, und Kerry küsste zärtlich die Schulter, an der sie lehnte. "Danke, das du dir Sorgen um mich machst, Dar." Hauchte sie. "Du kannst dir nicht vorstellen, was das gerade im Augenblick für mich bedeutet."

Die größere Frau zog sie zärtlich näher und schlang beide Arme um sie. "Kerry, es tut mir leid, das es mit deiner Familie nicht geklappt hat..." Sie drückte den blonden Kopf gegen sich und küsste ihn.

Kerry erlaubte sich schließlich in die tröstende Wärme zu sinken, und Dar's unverwechselbaren Duft einatmend legte sie ihren Kopf auf die breiten Schultern ihrer Geliebten. "Mir auch." Seufzte sie. "Ich vermute, das ich nun keine Familie mehr habe." Fügte sie traurig hinzu.

"Sicher hast du das." Murmelte Dar, ihre Augen schließend.

Ihren Kopf nach hinten kippend betrachtete sie sie schweigend, dann lächelte sie zu sich selbst und sich schließlich dem Schlaf hingebend legte sie ihren Kopf wieder zurück.

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Ihr Piepser ging um neun Uhr los, und Dar musste sich zwingen ihre Augen zu öffnen, während sich ihr Körper dagegen wehrte das warme Schlaflager, in das sie gekuschelt lag, zu verlassen. Im Innern des Zimmers war es angenehm dunkel, da der dünne Vorhang den größten Teil des Tageslichts aussperrte.

"Pfui Teufel." Stöhnte sie leise, und den Schlaf aus ihren Augen reibend sah auf die immer noch schlafende Kerry hinunter. Die blonde Frau lag ausgebreitet halb über ihr und Dar konnte noch immer Anzeichen der Anstrengung und Erschöpfung auf dem Gesicht ihrer Freundin sehen.

Armes Kind. Abwesend strich Dar über das auf ihrer Brust ausgebreitete weiche, goldene Haar. Ich kann nicht glauben, das sie ihr das angetan haben... das hat sie nicht verdient. Seit sie ihr Elternhaus verlassen hatte, war Kerry sehr verschlossen, und die dunkelhaarige Frau wusste, das sie wahrscheinlich noch unter Schock stand.

Kaum fähig zu glauben was sie durchgemacht hatten, nahm sich Dar einen Augenblick, um über die letzten 24 Stunden nachzudenken. "Verdammt." Murmelte sie leise zu sich selbst. "Bin ich froh, wieder nach Hause zu kommen."

"Ich bin zu Hause." Murmelte Kerry, einen Seufzer herauslassend, und größtenteils noch immer schlafend, festigte sie ihren Griff.

Die größere Frau lächelte und rieb dann über den Rücken ihrer Geliebten. "Ker?" Rief sie leise.

Hellgrüne Augen flatterten langsam auf und konzentrierten sich auf sie. "Was?"

"Wir dürfen das Flugzeug nicht verpassen." Erzählte ihr Dar leicht bedauernd, das helle Haar von ihrer Stirn schiebend.

"Oh... stimmt." Mit offensichtlicher Mühe stieß sich Kerry auf ihre Ellbogen, dann ließ sie ihren Kopf auf Dar's Arm fallen. "Oh Gott... ich fühle mich, als ob mich ein LKW überfahren hätte." Stöhnte sie.

Dar gähnte. "Ich auch… muss die ganze Aufregung sein." Sie rollte auf die Seite und ihre Luft anhaltend hielt sie inne, als sich die Prellungen, die sie sich einige Stunden zuvor eingefangen hatte, nun bemerkbar machten. "Autsch... oh Mann."

Kerry rutschte hinüber und ergriff ihren Arm. "Was ist los?" Fragte sie besorgt. "Bist du okay?"

Ihre größere Begleiterin streckte sich behutsam. "Es geht mir gut... nur ein paar Wehwehchen." Sie stand auf und nachdem sie vorsichtig ihren Körper aufgerichtet hatte, schleppte sie sich zum Badezimmer, schaltete das Licht an und ließ Wasser ins Waschbecken laufen. "Jack hat uns ein Frühstück angeboten... das können wir machen, dann gehen wir zum Flugsteig und verschwinden von hier." Sie spritzte Wasser in ihr Gesicht und atmete aus. "Unglücklicherweise müssen wir in Detroit Zwischenlanden und eine andere Maschine nehmen."

"Klingt wunderbar." Murmelte Kerry. "Je eher desto besser." Seufzte sie. "Detroit, wie? Nun ja... ich kann mir dort ein Lions Sweatshirt holen… ich hab sie schon immer gemocht."

Jack schob seinen Kopf durch die Zwischentür ihrer Zimmer. "Habe ich meinen Namen gehört?" Erkundigte sich der Navy-Pilot strahlend. "Und etwas über einen Löwen?"

Sie wuschen sich und begaben sich dann zum Frühstück.

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Der Flug verlief ereignislos, und Kerry war glücklich den größten Teil davon, in ihrem Erste-Klasse-Sitz neben dem Fenster, mit Dar's tröstender Gegenwart auf der anderen Seite, zu verschlafen. Die sinkende Sonne weckte sie, und aus dem Fenster spähend sah sie, wie sich unter den Tragflächen des Flugzeugs ein endloses Meer von Gras ausbreitete, ein Patchwork aus Grün, seltsam unterbrochen von dunkelblauen und waldgrünen Flicken. Ihren Kopf drehend blickte sie zu Dar, die mit halb geschlossenen Augen in die Ferne starrte. "Dar?" Sie berührte Dar's Arm.

Die blauen Augen drehten sich zu ihren. "Hmm? Wir sind fast zu Hause."

Kerry nickte. "Wir sind über den Glades... wie ist das Wetter?"

Ein Lächeln. "Angenehme 26°, sonnig, mit der Möglichkeit das es heute abend regnen könnte."

"Ach... was für ein eigenartiger Tag." Die blonde Frau lächelte zurück, und fuhr mit ihren Fingern zärtlich über Dar's gebräunte Haut. "Du siehst wirklich groggy aus."

"Das bin ich." Gab Dar zu. "Ich konnte vorletzte Nacht nicht schlafen, dann hatte ich den frühen Flug... wir sind gestern herumgerannt und haben Football gespielt, dann letzte Nacht..." sie atmete aus. "Im Moment hält mich nur meine Sturheit aufrecht."

Kerry beugte sich herüber und legte ihre Wange gegen Dar's Arm. "Dann leih mir eine Weile etwas von deiner Sturheit, okay?"

Das Flugzeug setzte seinen Sinkflug fort, und das Grün der Everglades wurde von Betongebäuden, und dann von den asphaltierten Stellflächen, der am äußeren Rand liegenden Lagerhäuser ersetzt. Dann glitt das riesige Industriegebiet unter den Tragflächen vorbei, deren Lagergebäude direkt in der Flugschneise des Flughafens lagen.

Sie sanken immer tiefer, und schließlich sah Kerry den unverkennbaren Bogen des Freeways 826 unter ihnen vorbeiziehen. Kerry lehnte sich gegen Ledersitz zurück, als das Flugzeug auf dem Boden aufsetzte und mit einem weichen Hopser auf der sonnenausgebleichten Rollbahn landete. Grüne Bäume umgaben sie, und Kerry fühlte sich erleichtert, als das Flugzeug am Terminal ausrollte und an einem Flugsteig andockte.

Sie holten ihr Gepäck und Dar reichte ihren Parkschein dem Serviceangestellten. "Das ist einfacher, als wenn ich selbst parke." Erklärte sie Kerry, die sich sehr still verhielt. "Willst du, das ich dich an deiner Wohnung absetze, oder...?" Sie war sich nicht ganz sicher was Kerry wollte, doch sie wollte ihre Geliebte nicht drängen, falls sie etwas Zeit für sich brauchte, um über alles nachzudenken.

Die blonde Frau schwieg eine Weile, dann sah sie auf, als der Lexus gebracht wurde. "Ähm... Dar, um ehrlich zu sein... im Augenblick weiß ich nicht, was ich mit mir allein anfangen soll." Gestand sie ein. "In meinen Wohnblock ist keiner da, und..." Sie blickte Dar ins Gesicht. "Und ich glaube, das ich eine Schulter zum Anlehnen brauche."

Ein Lächeln zog sich über das Gesicht der größeren Frau. "Ich kenne da eine Insel, die dich interessieren könnte." Bemerkte sie leise. "Ich glaube, ich habe sogar noch etwas Putenrollbraten."

Kerry nickte. "Das würde mir sehr gefallen." Sie wusste das die Reaktion auf die Ereignisse sie bald einholen würde, und die Ruhe in Dar's Apartment war sehr verlockend. Mit Sicherheit wollte sie jetzt Colleen, oder einem ihrer anderen Freunde keine Erklärungen abgeben müssen.

Sie stiegen in den Wagen, und vorsichtig fädelte sich Dar in den ausfahrenden Verkehr, wobei ihr immer noch müder Verstand nicht den Wagen registrierte, der hinter ihnen herauszog und ihnen vorsichtig folgte.

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Dar ging voraus, hielt die Tür für Kerry auf und schloss sie dann hinter ihnen, als der kühle, beruhigende Frieden des Apartments sie umhüllte. "Na schön." Dar warf ihre Tasche auf die Couch, dann nahm sie Kerry's und hielt sie einen Moment fest.

Kerry ging zu den Glasschiebetüren hinüber und hinausschauend, presste sie ihre Fingerspitzen gegen das Glas, und sog das riesige, sich am Horizont ausbreitende Grün in sich auf. "Es ist so schön hier draußen." Bemerkte sie leise.

Dar Betrachte sie eingehend, dann kaute sie leicht an ihrer Lippe. "Ähm.." Es war ein schreckliches Timing, aber... "Kerry?" Rief sie zögernd.

Sich halb umdrehend sah die blonde Frau zu ihr. "Ja?" Überrascht durch die plötzlich, schmerzhaft auffallende Unbeholfenheit ihrer Geliebten, schielte sie zu ihr. "Was gibt's?"

"Ähm... weißt du, du... verbringst viel Zeit hier... und ich..." Dar blickte angestrengt auf die Fliese. "Ich meine, ich hoffe, das du noch viel mehr Zeit hier verbringst, aber... es ist... ich will sagen, es ist irgendwie sinnlos die ganzern Sachen immer hin und herzutragen, also habe ich gedacht..." Sie bemerkte selber, wie sie, ganz untypisch für sie, nach Worten suchte. "Ich dachte, das du vielleicht... Nun ja, ich habe da oben so viele leere Räume, und ich dachte... das du vielleicht einige... deiner Sachen... ähm... hier haben möchtest."

Ihre auf der Tasche liegenden Hände wurden bedeckt, und erschrocken aufblickend sah sie, wie Kerry sie, direkt vor ihr stehend, ansah. Kerry schulterte die Sporttasche und nahm dann Dar's Hände in ihre. "Dar, das ist unglaublich lieb und großzügig von dir... ich weiß, wie sehr du deine Privatsphäre schätzt."

Dar erforschte kurz ihr Gesicht. "War das nun ein ja oder ein nein?" Erkundigte sie sich schwach lächelnd.

"Ich… ähm… ich… ja." Brachte Kerry schließlich heraus. "Das würde ich wirklich gern... danke."

"Gut." Die größere Frau atmete erleichtert aus. "Du kannst dir… ähm... heraussuchen welches du willst… obwohl ich… mir denken könnte, dass dir das eine am Ende gefallen könnte." Sie rieb ihr Genick. "Ich werde etwas Kaffee machen... ich denke, wir beide können ihn gebrauchen." Ihren Nacken reibend täuschte sie eine Lässigkeit vor, die sie beileibe nicht empfand.

Kerry nickte. "Gute Idee... ich geh jetzt… ähm…" Sie klopfte auf die Tasche. "Das Zeug wegräumen." Sie lächelte zu Dar. "Bin gleich zurück."

Dar schaute ihr nach, wie sie die Treppe hinaufgehend verschwand, und zur Küche gehend, gestattete sie sich, ihr Gesicht zu einem entspannten, erfreuten Grinsen zu verziehen. Es war ja nicht so... okay, es war ein winziger Schritt, mit Kerry zusammenzuziehen... doch sie wusste, das sie beide noch nicht bereit dafür waren. Obwohl dies... ein guter erster Schritt zu sein schien, und es war praktisch. So konnte sie testen, ob sie tatsächlich mit jemandem zusammenleben konnte, woran zumindest sie, nicht gewöhnt war.

Sie wusste, das sie Kerry liebte... daran gab keinen Zweifel, doch Dar war auch realistisch, und sie kannte sich selbst sehr gut... sie lebte nun schon seit vielen Jahren allein, und sich einem Mitbewohner anzupassen, egal wie sehr man ihn liebte, würde eine Herausforderung sein.

Oder nicht?

Dar nahm sich eine getrocknete Aprikose aus dem Kühlschrank und knabberte an einem Stückchen, während sie eine Kanne Kaffee aufstellte, wobei sie die neu gelieferte aromatische Mischung verwendete, die eingetroffen war, kurz bevor sie das Haus verlassen hatte. Haselnuss, sie schnupperte anerkennend, bevor sie nochmals in den Kühlschrank schaute und war erleichtert eine zwar dürftige, jedoch angemessene Auswahl an Lebendmitteln vorzufinden. "Oho." Sie beugte sich nach vorne und untersuchte eine schöne Rebe grüner Trauben, dann sah sie im Gemüsefach nach, ob die kleinen Babykarotten, an denen Kerry so gerne knabberte, geliefert worden waren.

"Ich frage mich, ob sie die Dinger in Schokolade gedippt mag?" Grübelte Dar, abwesend eine herausholend und betrachtend. "Nein... das ist wohl keine so gute Idee, oder?" Sie biss in das Ende der Karotte und kaute. "Hmm..." Sie rollte den süßen Brei im Mund herum und schlucke ihn hinunter. "Für ein Gemüse." Gab sie zu. "Ist das gar nicht so übel."

Sie kontrollierte den Rest der Lebensmittel, und schlenderte dann grübelnd ins Wohnzimmer. "Ich muss da oben die zweite ISDN-Leitung installieren lassen... das andere Zimmer könnte ein weiteres Büro werden..." Nachdenklich kaute sie ein anderes Stückchen Aprikose. "Das könnte funktionieren."

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Kerry erreichte den oberen Treppenabsatz und innehaltend lehnte sie sich, ihre Augen schließend gegen die Wand. Es geschah alles einfach zu schnell, in ihrem Verstand wirbelte noch immer die Situation mit ihrer Familie, und nun das...

"Okay." Sie schüttelte das Haar von ihren Augen und versuchte sich zu beruhigen. "Es war einfach eine wirklich riesig nette Geste von Dar, wahrscheinlich weil sie weiß, wie ich im Augenblick durch den Wind bin." Sie bemerkte jedoch, wie ein Lächeln ihre Lippen verzog, und langsam von Raum zu Raum gehend schaute sie in jeden hinein, bis sie denjenigen am Ende erreichte.

Sie drückte die Tür auf, und sich an die Weiträumigkeit und die schöne Aussicht erinnernd lugte sie hinein. Oh ja. Kerry ging nun ganz hinein und den dicken, komfortablen Teppich unter ihren Füssen spürend sah sie sich um. Der Raum war in einer hellen grünblauen Schattierung mit hellen Holzmöbeln gehalten. Es gab eine große Frisierkommode, mit sechs Schubladen an der einen, und einem großen Schubladensatz auf der anderen Seite, mit einem schön gerahmten Spiegel in der Mitte.

Eine Tür in der Ecke führte zu einem begehbaren Einbauschrank, der größer als die Küche in ihrer Wohnung war, und an der anderen Wand befand sich eine Tür, die zu einem eierschalen- und kobaltfarbenen Badezimmer führte, das komplett mit einer Eckdusche und einer, zum besseren einsteigen erhöhten, Whirlpool-Badewanne ausgestattet war. "Soso." Kerry lehnte sich gegen die Wand und sah sich in dem Raum um. "Du glaubst also Dar, das mir dieses gefallen würde, wie?" Sie ging zu der großen Frisierkommode und zog eine Schublade auf. "Du hast recht... es gefällt mir..."

Sie packte ihre Tasche aus und räumte alles weg, dann begab sie sich zum Fenster und ließ sich von der leichten Dünung des Ozeans beruhigen. Ein nussiges Aroma lenkte sie jedoch ab und sie ging, mit ihren Fingern ihr Haar ordnend, zur Tür und wäre beinahe mit Dar zusammengestoßen. "Oh Mann."

Die größere Frau hielt ihr eine Tasse entgegen. "Hier." Bot sie an. "Ist hier drin alles zu deiner Zufriedenheit?"

Kerry nahm einen kleinen Schluck des duftenden Getränkes und schluckte ihn hinunter. "Mm..." Sie blickte sich um. "Natürlich ist es das... und du weißt das." Sei atmete aus. "Danke." Sie sah auf und bemerkte Dar's blutunterlaufene Augen und ihren erschöpften Gesichtsausdruck. "Komm mit..." Sie legte ihre Hand in die Armbeuge ihrer Geliebten. "Ich muss mich hinsetzen."

Sie gingen hinunter, und sich in die Ecke der Couch setzend, nippte sie an ihrem Kaffee und lehnte sich mit ihrem Kopf gegen das weiche Leder, während Dar die Fernbedienung hervorzog und den Breitwand-Fernseher anschaltete.

"Wie geht es dir?" Fragte die größere Frau als sie sich neben Kerry auf die Couch setzte, ihren Kaffee abstellte und mit einer Hand das Knie der blonden Frau umfasste.

Kerry unterdrückte ein Gähnen. "Oh... es geht mir gut... nehme ich an." Antwortete sie leise. "Ich versuche, einfach nicht darüber nachzudenken." Die wütende, angeekelte Stimme ihres Vaters hallte noch immer in ihren Ohren. "Weißt du... ich... ich bin mir nicht sicher was ich zu erwarten hatte..." Grübelte sie. "Wut... oh ja... ich dachte, er würde toben und schreien... aber..." Sie hielt inne. "Doch das hatte ich nicht erwartet."

"Wie solltest du auch?" Entgegnete Dar sachlich.

"Ach... ich weiß nicht, Dar... zumindest hätte ich es vorhersehen können." Erwiderte die blonde Frau bitter. "Es war ziemlich naiv von mir zu glauben, wir könnten einfach darüber reden, wie? Das er vernünftig zuhören würde, oder..." Sie ließ ihre Schultern hängen. "Oder das ich ihm als Mensch, und nicht nur als Aushängeschild, etwas bedeuten würde." Endete sie leise.

"Das hattest du nicht vorhersehen können." Beharrte ihre Geliebte. "Zum Teufel... das habe nicht mal ich vorhergesehen, und ich erwarte, im Gegensatz zu dir, immer das schlimmste von den Menschen."

Kerry seufzte. "Ich weiß nicht... vielleicht ist deine Einstellung die Bessere."

Dar hob ihr Kinn leicht an. "Lass dir das von ihnen nicht nehmen, meine Freundin... mir ist es wesentlich lieber, wenn du das Beste von den Menschen denkst... nicht das Schlimmste... wo wäre ich letztendlich, wenn du das tun würdest?"

Die blonde Frau lehnte ihren Kopf gegen ihre Hand. "In Washington, deinen Urlaub genießen." Murmelte sie. "Anstatt müde und verletzt hier zu sitzen und der Geschichte meines Desasters zuzuhören."

"Kerry." Dar legte mitfühlend eine Hand auf ihren Rücken. "Dort wo ich mich gerade befinde, würde ich für nichts und niemanden in der Welt tauschen."

Verschleierte grüne Augen schauten zu ihr hoch.

"Ehrlich." Bemerkte Dar leise. "Ich weiß, das es hart für dich ist… und es tut mir leid, das du das durchmachen musstest... doch ich für meinen Teil, bereue keine einzige Sekunde der letzten vierundzwanzig Stunden."

Ein winziges Lächeln. "Du bist eine gute Freundin, Dar." Kerry nahm ihre Hand, hob sie an und presste sie gegen ihre Lippen. "Du bist die beste Freundin, die man sich nur erhoffen kann." Sie spürte Tränen hervorquellen, und ihre Augen schließend, kämpfte sie dagegen an. "Und sie können nicht verstehen, warum ich dich liebe." Sie konnte ein Schluchzen nicht zurückhalten. "Oh Gott."

Dar zog sie an sich. "Ruhig... lass dich gehen... ich hab dich."

"Nach allem was er getan hat..." Flüsterte Kerry. "Allem was er mir genommen hat... konnte ich nicht zulassen, das er dich mir auch fortnimmt." Sie fühlte, wie sie ihre Fassung verlor und eine Woge voller Emotionen überschwemmte ihre Sinne. "Ich brauch dich so sehr."

Dar schluckte, sie spürte das Kerry psychisch zusammenbrach, ihre Worte lösten sich in hicksende Schluchzer auf, die ihren Körper leicht erzittern ließen. Sie holte tief Luft, und sie einfach festhaltend, gab sie ihr jeden Trost den sie ihr nur bieten konnte, und die kleinere Frau in ihren Armen wiegend, flüsterte sie beruhigend zu ihr.

Kerry brauchte das. Sie brauchte Dar's Berührung, die Wärme ihres Körpers und der sie umgebende tröstende Duft. "Sie hassen mich." Brachte sie heraus. "Dar... ich will nicht, das sie mich dafür hassen."

Die dunkelhaarige Frau biss ihre Zähne zusammen und atmete langsam aus. "Ich weiß." Sie spürte wie ein Ruck durch Kerry's Körper ging, als sie versuchte zu Atem zu kommen und leise stöhnte. "Schh..."

"Das ist nicht fair." Flüsterte Kerry.

"Nein... das ist es nicht." Erwiderte Dar, ihren Rücken reibend.

Es entstand eine lange Pause und Dar konnte fühlen wie die Schluchzer langsam verebbten. Sie streichelte sie zärtlich weiter, bis Kerry's Atmung sich normalisierte und gleichmäßiger wurde, und spürte, wie ihre Geliebte langsam ihre Fassung zurückgewann.

"Waren die Dinge, die du zu ihm gesagt hast wahr?" Flüsterte Kerry schließlich mit heiserer Stimme.

Dar zögerte, sie wollte ihre Freundin nicht noch mehr verletzen. Doch Unaufrichtigkeit, war zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht. "Ja... es gelang mir diese zwei Informationen herauszufiltern... ich... wenn du willst, kannst du es dir später ansehen."

Eine weitere lange Pause entstand. "Wer ist Pamela?"

"Kerry, du musst jetzt nicht darüber reden... warte ein wenig." Bat Dar. "Die Informationen gehen nicht verloren... ruh dich einfach aus… es war ein höllisch langer Tag, und wir sind beide erschöpft."

Rotgeränderte, grüne Augen schielten zu ihr hinauf. "Antworte einfach." Schniefte sie und wischte mit einer Hand über ihre Augen.

Dar seufzte. "Eine Frau, die dein Vater seit zwanzig Jahren unterstützt... sie hat drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen... es sind seine."

Kerry's Kiefer klappte herunter.

"Oh ja... und er hat die Dreistigkeit etwas über dich zu sagen." Sagte Dar mit düsterer Stimme. "Das allein würde seine Karriere zum Fenster hinauswehen." Ihre Augen verengten sich. "Ich hasse Heuchler." Bemerkte sie, zärtlich mit ihrem Ärmel an Kerry's Augen tupfend.

"Oh Mann." Keuchte Kerry leise. "Ich kann mir das gar nicht vorstellen... kein Wunder, das er kreidebleich geworden ist als du ihren Namen gesagt hast." Plötzlich fühlte sie sich besser. "Woher weißt du, das es seine Kinder sind."

Ein leises Schnaufen. "DNA-Testergebnisse werden in einen Computer eingegeben."

"Ach." Die blonde Frau schloss ihre Augen. "Kann ich mir später Alles ansehen?"

"Sicher." Kerry zärtlich mit sich hinunterziehend, legte sich in die Couchecke zurück und positionierte die kleinere Frau zwischen sich und der Rückenlehne. "Entspann dich jetzt einfach... du bist hier sicher."

Kerry nickte. "Ich weiß... Dar?"

"Mm?"

"Denkst du, das ich meiner Mutter davon erzählen soll?"

Puh. Eine Fangfrage. "Lass uns ein wenig schlafen, bevor wir darüber reden, okay?" Schlug ihr Dar vor. "Im Augenblick bin ich zu müde um jetzt darüber nachzudenken."

Kerry sah nach oben und schenkte ihr ein kleines, zögerndes Lächeln. "Entschuldige... in meinem Kopf dreht sich nur alles... du hast recht." Sie schloss ihre Augen und kuschelte sich enger heran. "Ich liebe dich."

Dar fühlte, wie sie der Wunsch nach Schlaf überwältigte. "Ich liebe dich auch." Murmelte sie, sich dem Verlangen ihres Körpers hingebend.

Ozeangrüne Augen betrachteten sie mit leidenschaftlichem Stolz, bevor auch sie zufielen.

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Kurz vor Sonnenuntergang wachte Kerry auf und sah, das Dar, um den Körper der blonden Frau geringelt, noch fest schlief. Was gut war, da es ihr die Möglichkeit gab, einfach nur dazusitzen und die letzten vierundzwanzig Stunden an sich vorbeiziehen zu lassen.

Obwohl sie sauer auf ihre Eltern war, und wie schrecklich es für sie war, über diese viel zu langen Feiertage nach Hause zu fliegen, musste sie zugeben, das es weh tat. Aber andererseits war es auch irgendwie erleichternd, nun alles offen dargelegt zu haben, und nicht ständig etwas vorspielen oder sie hinzuhalten zu müssen. Nun war sie frei und konnte ihr Leben selber gestalten und tun was immer sie wollte.

Auch weil das, egal was es auch war, diese große, wunderschöne Frau einschloss, sie sich in mehr als nur einer Weise recht stark für Kerry eingesetzt hatte. Und als sie dasaß und darüber nachdachte, das Dar tatsächlich in das Cockpit eines Kampfjets gestiegen war, nur um sie zu finden, verzog ein albernes, ungläubiges Grinsen ihr Gesicht. Es war tatsächlich wie in einem Märchen... im realen Leben würde niemals jemand so etwas tun, oder? Natürlich nicht.

Dennoch hatte sie so getan, als ob das ein Alltagsereignis für sie gewesen wäre. "Meine Heldin." Wisperte Kerry liebevoll und wickelte eine dunkle Locke um ihren Finger während sie auf das schlafende Gesicht ihrer Geliebten blickte.

Ihre Augen fielen auf das saubere Pflaster über dem Schnitt, der durch den Schlag mit dem Hocker entstanden war, und sie verzog ihre Lippen. Sie hat Glück das sie sich so schnell bewegt, sinnierte Kerry süßsauer. Andererseits hätte ich sie niedergeschlagen... Armes Ding. Plötzlich verspürte sie den unbändigen Drang ihre große Freundin zu beschützen und fühlte, wie eine starke Woge simpler Zuneigung sie erfasste, die nichts mit ihrer körperlichen Beziehung zu tun hatte.

Langsam bildeten sich Worte in ihrem Kopf, sie ließ ihnen eine Weile freien Lauf, und begann sie dann zu ordnen. Schließlich lächelte sie melancholisch in sich hinein. "Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht." Flüsterte sie, ihre Finger um Dar's schlingend, die auf ihrer Hüfte lagen. "Ich dachte nicht, das ich mich erinnern würde wie es geht... doch Dar, da gibt es etwas in dir, das etwas tief in meinem Inneren berührt... das mich die Dinge so stark empfinden lässt, als ob ich das Leben anstatt in wenigen, plötzlich in Millionen verschiedener Farben sehe." Die Worte flossen wieder durch ihren Verstand, und ihre Augen schließend rezitierte sie sie schweigend, mit aller ihrer Tiefgründigkeit.

Die Stürme des Lebens ziehen ihre Kreise
Über dem Gras und unter den Bäumen,
Berühren mein Herz und heben mich in die Höhe.
Und während meine Augen auf dich fallen,
Umfängt mich ein uraltes Lied,
Das unsere Seelen mit sicheren Händen verbindet.
Die Zukunft liegt auf einem ungewissen Pfad,
Unter einem dunklen und stürmischen Himmel,
Doch neben dir, werde ich auf ewig im Licht der Sonne wandeln.

Kerry lächelte in beschaulicher Verwunderung, dann flatterten ihre Augen auf, als eine Fingerspitze an den Konturen ihrer Lippen entlangfuhr. "Oh..."

"Was ist so komisch?" Erkundigte sich Dar neugierig, mit noch vom Schlaf heiserer Stimme.

"Das Leben." Antwortete die blonde Frau leise. "Du musst nicht aufstehen… schlaf noch ein wenig, Dar... du siehst immer noch recht müde aus." Sie schob eine verirrte Strähne von den Augen der größeren Frau. "Ich gehe auf einen Erkundungsgang und sehe ob ich etwas aufstöbern kann, womit ich uns ein Abendessen zubereiten kann."

Ein offenes, träges Grinsen erschien. "Aufstöbern ist wahrscheinlich das angemessene Wort... ich glaube, das ich Trauben, Milch, etwas gefrorene Pizza und eine Dose Frucht-Cocktail habe." Gestand Dar ein. "Vielleicht sollten wir etwas bestellen."

"Ah ah ah..." Kerry drohte ihr verspielt mit dem Finger. "Wo bliebe denn da die Herausforderung? Ich mach das gern, Dar... dadurch bekomme ich die Möglichkeit meine Phantasie walten zu lassen... gib mir eine Minute, ja?"

Blaue Augen nahmen einen zärtlichen Ausdruck an. "Fühlst du dich besser?"

Kerry atmete aus. "Ja... jetzt, da der Schock irgendwie vorbei ist... will ich nur noch mein Leben leben, verstehst du?" Sie spielte mit dem Saum von Dar's Ärmel. "Die Erkenntnis, das ich mich über ihre Meinung nun keine Sorgen mehr machen muss, ist ein wenig unheimlich." Sie zuckte mit ihren Schultern. "Und... ich glaube es lag auch daran, das ich nur wirklich müde war... und meine Wiederstandsfähigkeit irgendwie am Boden war."

Dar ließ sich wieder auf das weiche Leder nieder und wanderte mit ihren Händen über das baumwollbedeckte Bein, das über ihrem lag. Sie konnte spüren wie sich die Muskeln bei ihrer Erkundung anspannten, und kräftiger drückend, wechselte sie zu einer zärtlichen Massage. "Vielleicht ändern sie nach einiger Zeit ihre Meinung." Bemerkte sie. "Kerry, egal was geschehen ist, du bist immer noch ihre Tochter."

Kerry atmete langsam aus. "Glaubst du, das deine Mutter jemals ihre Meinung ändern wird?" Fragte sie, direkt in Dar's Augen sehend.

Dar's Blick fiel auf die Couch hinunter. "Das ist etwas anderes... sie ist... wütend mit mir, weil sie glaubt, das ich nicht verstehe, wie sehr sie ihn geliebt hat..." Sagte die dunkelhaarige Frau leise. "Ich hatte ihr gesagt... nach seinem Tod hatten wir eine heftige Auseinandersetzung, als ich ihr sagte, das er den Weg gegangen ist, den er immer wollte, und das sie ihn einfach loslassen sollte."

"Mm." Kerry verschränkte ihre Finger mit Dar's.

"Sie sagte mir, das ich es nicht verstehen würde... und wahrscheinlich auch nie werde." Dar schwieg einen Moment. "Vielleicht hat sie recht."

"Sie muss ihn sehr geliebt haben." Murmelte Kerry.

"Er bedeutete ihr alles... wenn sie ihn ansah, hätte man meinen können er wäre ein... Gott… oder so." Dar seufzte. "Sie wusste es, bevor sie zu uns kamen... sie war den ganzen Tag so merkwürdig."

"Vielleicht... vielleicht waren sie Seelengefährten." Sagte Kerry zögernd, das Wort hinterließ einen süßen, als auch eigenartigen Nachgeschmack auf ihrer Zunge. "Du weißt schon... diese alte Geschichte... mit den zwei Hälften."

Während Dar über ihre Worte nachsann, war es einen langen Moment Still. "Ich... ich habe niemals an solche Dinge geglaubt... doch..." Sie zuckte mit ihren Schultern. "Wer weiß?" Sie sah zu der blonden Frau. "Glaubst du... das es so was gibt?"

Kerry schwieg, während sie über die Frage nachdachte. "Eigentlich nicht." Räumte sie schließlich ein. "Ich habe mich nie als einen romantischen Menschen gesehen... oder als jemanden, der an die große, sagenhafte Liebe glaubt." Sie hielt inne. "Aber... ich weiß nicht... es wäre durchaus möglich, verstehst du?"

"Ja." Murmelte Dar.

"Als ich in Michigan war... kam ich dazu mit meinem alten Pastor, Pastor Robert zu reden... früher hatte er immer davon gesprochen, also..." Kerry blickte gebannt auf ihre Hände. "Und... ähm... nun ja, er hat mir davon erzählt... und wie man es erkennt... ich meine, wenn man seinen gefunden hat."

"Ach ja?" Dar räusperte sich. "Nur… aus Argumentationsgründen… was hat er gesagt?" Sie stützte ihren Kopf auf einer Hand ab und betrachtete äußerst interessiert auf eine Naht im Leder.

Ihre Augen hebend blickte Kerry beschaulich auf den gebeugten Kopf. "Ich... ähm... hu... ähm, er sagte man kann es daran erkennen... weil man, wenn man diesen Menschen ansieht, alles sieht was einen vervollkommnet."

Leicht verdutzte blaue Augen hoben sich und begegneten ihren.

"Was... irgendwie einen Sinn ergibt. Nehme ich an." Fügte Kerry leise murmelnd hinzu.

Einfach nur Luft holend schwieg Dar einen langen Moment. "In... interessante Theorie." Brachte sie schließlich leicht heiser heraus und räusperte sich, während ihre Augen immer noch mit Kerry's verbunden waren.

"Nicht wahr?" Erwiderte Kerry leise.

"Es... ähm..." Ausatmend rieb Dar ihr Genick. "Hat eine gewisse Logik." Sie verzog ihre Lippen und sah wieder in Kerry's Augen. "Hattest du etwas von Abendessen gesagt?"

Ein kleines durchdringendes Glücksgefühl in ihrer Brust spürend, lächelte Kerry. "Oh... ja... lass mich sehen, was ich finden kann." Sie beugte sich nach vorne und mit ihren, die Lippen ihrer Geliebten berührend, genoss sie die aufsteigende prickelnde Hitze in ihrer Magengegend. "Andererseits..." Murmelte sie, sich der Ablenkung erfreut hingebend, als ihr Körper das Abendessen vergaß und sich stattdessen auf etwas ebenso wohlschmeckendes konzentrierte.

Dar's Hand glitt langsam von ihrer Hüfte, und sie spürte die verführerische, erforschende Berührung ihrer Rippen unter ihrem T-Shirt. "Mmm..." Murmelte Kerry leise, Dar's Baumwollshirt aufknöpfend und aus dem Bund herausziehend. "Übrigens... habe ich dir schon gesagt wie anregend du bist?"

Verführerisch knabberten Zähne an ihrem Ohr. "Anregend?" Erkundigte sich die tiefe Stimme neugierig. "Wie das?"

"Du entfachst meine Träume." Erwiderte Kerry leise, während ihre Hände hungrig auf Entdeckungsreise gingen. Dar's Haut war erstaunlich weich und hatte eine warme, seidige Struktur, die sie wirklich liebte. Die Muskeln fühlten sich unter der weichen Oberfläche, fest und stark an, und mit einer sinnlichen Freude fuhr die blonde Frau an den Konturen entlang.

"Tu ich das?" Dar klang leicht überrascht. "Stell dir nur vor." Sie glitt mit ihren Händen an der Taille der kleineren Frau hinunter, und mit einem leisen Plop, öffneten lange Finger den obersten Knopf ihrer Jeans. "Zufällig..." Ein weiteres Plop und der zweite Knopf war auf. "Beherrschst du..." ein Dritter. "Meine Träume." Der letzte Knopf war offen und sie glitt mit ihren Händen unter den schweren Stoff. "Schon vor unserer Reise, habe ich von uns beiden geträumt."

Ihren Rücken wölbend spürte Kerry, wie ihre Jeans langsam an ihren Schenkeln herunterglitt und die kühle Luft des Raumes über ihre nackte Haut strich. "Genau wie ich." Flüsterte sie, als sie den Gürtel von Dar's Dockers öffnete. "Ich vermute, das es vorbestimmt war." Sie beugte ihren Kopf, damit Dar ihr das T-Shirt ausziehen konnte, während sie langsam die Baumwollhose ihrer Geliebten hinunterschob. "Mm..." Brummte Kerry leise, als sie zusammenrutschten und Dar's Bauchnabel küssend, arbeitete sie sich verführerisch weiter nach oben.

Eine bedächtige, verführerische Berührung wanderte an ihrem Schenkel hoch, und Kerry stöhnte leise, als ihr Körper schauderte, begierig nach den Aufmerksamkeiten ihrer Geliebten. Dar stieß sie zärtlich zurück und glitt mit einem Bein zwischen ihre, während sich Kerry ihr entgegen schob, um die so aufreizend nahe, weiche Haut zu erreichen. Jede Berührung löste das Verlangen nach mehr aus und sie spürte, wie ihre Sinne vergaßen wo sie sich befand, und sich auf die Berührung, den Geschmack und Duft ihrer Partnerin konzentrierten.

Bis die erfahrenen Bisse, Kniffe und Berührungen ihren Körper zum Höhepunkt brachten, und dann in einer stürmischen Woge von Empfindungen freibrach und sie hilflos zitternd keuchen ließ. "Gott..." Schnaufte sie, leicht Dar's Brust tätschelnd, als die größere Frau sie in eine liebevolle Umarmung nahm. Ihr Herz hämmerte und an Dar geklammert atmete sie tief durch.

An ihren Hals gekuschelt streichelte Dar zärtlich ihre Seite. "Bist du okay?"

"Puh." Kerry holte tief Luft und stieß sie wieder aus. "Oh ja. Mir geht's großartig." Sie knabberte zärtlich an Dar's Schlüsselbein und bewegte sich dann tiefer. "Also... woher stammt diese Narbe?" Sie leckte über die besagte Stelle, nahe der Schulter der größeren Frau.

"Mm…" Dar hatte Mühe sich zu konzentrieren, als Kerry mit ihrer Hand erforschend an ihrem Bauch herunterglitt. "Ein Angelhaken hat mich... ah... erwischt."

"Soso... und die eine hier?" Bemerkte Kerry, entlang der Rundung ihrer linken Brust, tiefergleitend.

"Ah…"

Das Zucken der Muskeln bei ihren Berührungen spürend, setzte Kerry ihre Erkundungen fort. "Ah? Ich glaube, das ich nicht weiß, was ein ah ist." Frotzelte sie liebevoll.

"Bin vom Fahrrad gefallen." Schaffte Dar zu keuchen.

"Ach ja?" Kicherte Kerry, die sich in eine bessere Position brachte. "Hat es wehgetan?"

Dar hatte keine Ahnung von was sie sprachen, während sich ihr Körper schamlos, Kerry's neugierigen Berührungen hingab. "Nein... es fühlt sich herrlich an." Murmelte sie schließlich, als schmunzelnde Lippen ihre gefangennahmen und dann wieder abglitten und ihren Weg fortsetzten.

 

~~~ ENDE - Kapitel 15 ~~~

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Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 16 lesen.

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