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Tropical Storm - Kapitel 16 |
Tropical Storm Kapitel 16
Die leisen Geräusche aus der Küche strömten in ihre Ohren, als Dar schlaff und so vollkommen entspannt wie man als Mensch nur sein konnte ohne sich in Wackelpudding aufzulösen, auf der Couch lag. Mit geschlossenen Augen drifteten ihre Gedanken zu dies und das, ohne es bewusst wahrzunehmen. Obwohl sie recht unerfahren war, schien Kerry sie genau zu kennen. Sich kurz streckend, entspannte sich Dar wieder. Sowas war vorher noch nie geschehen. Gewöhnlich brauchte es Zeit, bevor man die Vorlieben und Abneigungen des anderen kannte, wie auch der andere deine erst lernen musste. Nicht dieses Mal. Dar verschränkte die Hände hinter ihrem Kopf und ausatmend schaute sie an ihrem halbnackten Körper herab. Es war beinahe, als ob sie schon... "Hey…" Kerry streckte ihren Kopf heraus und ließ lächelnd ihre Augen über die langen, nackten Beine streifen. "Hast du Hunger?" Schuldbewusst ihrem Ego nachgebend, genoss Dar den Blick. "Hast du welchen?" Fragte sie, kess eine Augenbraue anhebend, und begann zu lachen als Kerry knallrot wurde. Dar fand die Mischung aus liebenswürdiger Unschuld und kaum verschleiertem Wunsch unglaublich anziehend, und sich von der Couch rollend schlenderte sie zu ihrer Geliebten. Die grünen Augen senkten sich, als näher kam. "Hey." Sie fuhr mit ihren Fingern zärtlich durch Kerry's Haare und kippte ihren Kopf zurück. "Du bist wunderschön, wenn du rot wirst." Ihre Lippen leicht verziehend, blickte Kerry sie an. "Bin ich das?" Murmelte sie leise. Dar fuhr über die erhitzte Haut und beobachte wie Kerry ihre Augen schloss, bevor sie sich in die Berührung lehnte. "Ja, das bist du..." Antwortete sie wahrheitsgemäß und schob das helle Haar zurück. "Doch ich bin mir sicher, das du das schon früher gehört hast." Kerry schüttelte ihren Kopf. "Nein... gewöhnlich werde ich als... ähm... süß bezeichnet." Ihre Augen öffnend, lächelte sie ihre größere Begleiterin an. Sie runzelte ihre Nase. "Jedoch du dagegen..." Sie langte nach oben und fuhr mit einer Fingerspitze über Dar's Wangenknochen. "Einfach Aufsehen erregend." Sie wurde nun ihrerseits mit einem leichten Erröten belohnt. "Und erzähl mir nicht, das dir das noch keiner gesagt hat." Ermahnte die blonde Frau sie grinsend. Dar schlang ihre Arme um ihre Geliebte. "Noch nie von jemandem, von dem ich es wirklich hören wollte." Erschrocken stellte sie fest, wie ihr die Worte in einem ungewollt schneidenden Ton herausschlüpften. Äußerst geschmeichelt erwiderte Kerry einfach die Umarmung. "Komm schon... sonst brennt mir noch was an..." Sie schlang einen Arm um Dar's Taille und zog sie mit sich in die Küche. "Also... was hast du hervorgezaubert?" Erkundigte sich Dar, interessiert an dem Topf schnuppernd, der auf dem Herd vor sich hinblubberte. "Sieht wie Eintopf aus." "Oho." Die blonde Frau tätschelte sie. "Zum ersten Mal richtig geraten... nun ja, angesichts dessen, was ich zur Verfügung hatte, konnte ich nicht mehr tun... Er besteht aus diesen zwei Päckchen Fleisch für Schaschlikspieße, die du im Gefrierschrank hattest... etwas Gemüse aus der Dose, und Suppe aus deinem Hurrikan-Vorrat." Sie schielte zu Dar. "Morgen gehen wir einkaufen, okay?" Erklärte sie, Dar mit ihrem Kochlöffel an der Schulter antippend. "Gute Idee." Sagte Dar ungerührt. "Meine Frosties sind bald alle." Mit funkelnden Augen wich sie einem vorgetäuschten Schlag aus. "Hey... ich hab dir diese kleinen Karotten besorgt... und frisches Obst... krieg ich dafür keine Punkte?" Sie weiterhin ansehend glitten Kerry's Augen zur Seite als ihre Kreation umrührte. "Um ehrlich zu sein, ja die bekommst du... das war sehr fürsorglich, Dar." Bemerkte sie. "Das gibt mir das Gefühl zu Hause zu sein." Zärtlich legten sich Hände auf ihre Schultern und drückten sie. "Gut." Antwortete Dar kichernd. "Soll ich die Nudeln für dich abschütten?" Sie trugen ihr Essen auf die Terrasse, und stellten es auf den kleinen Steintisch mit Aussicht auf den Ozean. Dar verschwand nach innen und kam mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern zurück, stellte alles ab, und öffnete charmant die Flasche. Sie goss erst Kerry und dann sich selbst ein Glas ein, setzte sich hin und legte ihre Füße auf einen leeren Stuhl. "Was für eine schöne Nacht hier draußen." Kerry lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und benutzte den vierten als Fußschemel. "Sehr schön... nicht zu warm, doch auch nicht zu kühl." Sie nahm ihre Schüssel mit Nudeln und Eintopf und während sie auf den mondbeschienen Horizont sah, begann sie zu essen. "Sieh dir diese Lichter an... sind das Frachtschiffe?" Dar beugte sich vor, um zu sehen wohin sie schaute. "Mm... eins davon... die anderen zwei sind Kreuzfahrtschiffe... ich glaube, das eine ist die Norway." Sie verschob sich ein wenig, so dass sich ihre Schultern berührten, und lehnte sich dann mit ihrem Essen zurück." "Mm... ich wollte schon immer eine Kreuzfahrt machen..." Bemerkte Kerry, während sie ein Stückchen Fleisch in zwei Hälften biss und kaute. "Ich würde liebend gerne mit dir eine unternehmen... doch ich denke, das wenn wir beide für eine Woche zur gleichen Zeit verschwinden, dann würde das ein bisschen zu auffällig sein, was?" Dar kicherte ironisch. "Nur ein bisschen... schade, weil der letzte Bonus, den Les mir geschickt hat, zwei Tickets für eine Alaska-Kreuzfahrt war." Sie nahm einen mundvoll Nudeln. "Übrigens, das ist wunderbar... du bist erstaunlich." "Danke." Sagte Kerry lächelnd. "Eine Alaskafahrt, was? Oh Mann... ich wollte schon immer das Innere eines Gletschers sehen." Sie kaute an einem Stückchen Bohne. "Ich habe die Nordlichter zweimal gesehen... wenn Sonnenflecke auftraten, und man sie in Michigan während der Nacht sehen konnte... aber ich würde sie gerne an ihrem ursprünglichen Ort sehen... und ich habe gehört, das man sie auch hören kann." Dar nickte, lehnte ihren Kopf gegen die Wand und blickte zu dem riesigen Vollmond hinauf. "Angeblich, zischen sie... etwa wie die Brandung am Strand." Der Gedanke, mit Kerry eine Erkundungstour durch Alaska zu machen war plötzlich sehr, sehr attraktiv, und sie seufzte leise in sich hinein. "Oh ja, es ist zu schade." "Mm..." Grübelte Kerry. "Wanderst du gerne?" Ein Kichern. "Solange es am Ende des Pfades eine komfortable Herberge gibt... sicher... ich bin nicht so für das raue campen." Erwiderte Dar. "Ein weiterer Grund warum das Militär wahrscheinlich keine so gute Idee war." Sie hielt inne. "Vielleicht könnten wir ein langes Wochenende einlegen... nach Colorado fahren und ein wenig herumwandern... sie haben dort auch gute Reitmöglichkeiten." Kerry grinste. "Oh... das würde mir gefallen… ich bin schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geritten… ich vermisse es." Sie nahm einen Schluck von ihrem Wein. "Oh Mann... der ist gut... hey, warst du jemals in dem Weinstaat Kalifornien?" Dar schüttelte ihren Kopf. "Nein... nicht das ich wüsste... obwohl ich gehört habe, das es dort schön sein soll... warst du schon dort?" "Zweimal... vielleicht können wir dafür eine anderes langes Wochenende einplanen... man kann dort Touren durch alle Weinberge machen, und es ist wirklich schön dort." Erwiderte die blonde Frau begeistert. "Ich wollte schon immer mal wieder dorthin..." Dar spürte, wie ein albernes Lächeln ihr Gesicht verzog. Sie kaschierte es durch Heben ihres Glases und trank einen großen Schluck. "Das hört sich gut an." Stimmte sie nüchtern zu. "Hättest du... Lust, morgen ein bisschen zu tauchen? Das Wetter soll angeblich schön sein…" Ein Nicken. "Nachdem wir deine Vorräte in der Küche wieder aufgestockt haben." Bemerkte Kerry mit der Gabel auf sie zeigend. "Selbst meine Kreativität hat Grenzen... ich glaube nicht das es viel gibt, was ich mit Trauben, Milch, Pizza und Erdnüssen zubereiten kann." Sie schüttelte ihren Kopf. "Ich bergreife nicht, warum du noch nicht wegen Skorbut, oder was Leute kriegen, die nur von Eiscreme leben, aus den Latschen gekippt bist." Dar kicherte. "Ich nehme Vitamine." Gestand sie ein. "Wir sollten dir wahrscheinlich eine Tarierweste kaufen, die dir wirklich passt... und einen Bleigürtel... derjenige, den du benutzt, ist zu schwer... ich sag dir was, wir könnten zum Tauchladen bei dem riesigen Publix of Washington fahren, wie wär's?" Kerry aß den Rest ihres Eintopfs und leckte ihre Gabel ab. "Hört sich gut an..." Stimmte sie bereitwillig zu. "Obwohl... gib mir noch ein paar Monate, und ich vermute, das ich dann den schwereren Gürtel brauche." Auf ihren Magen klopfend warf sie Dar einen reumütigen Blick zu. "Nicht, das nicht jeder, außer meiner Mutter, mir gesagt hätte wie gut ich aussehe." Räumte sie ein. Dar betrachtete sie. "Zum Teufel damit, was die anderen sagen... wie fühlst du dich?" Fragte sie unverblümt. Auf den Ozean hinausblickend schwieg Kerry eine Weile. "Großartig." Antwortete sie schließlich nachdenklich. Sie ließ ihre Hand auf ihren nackten Schenkel fallen und ihn anspannend beobachtete sie, wie sich die Muskeln unter der Haut bewegten. "Ich glaube, ich brauche ein wenig mehr davon... anstatt diesem Pudding." Ließ sie zu. "Tatsächlich, fühlt es sich irgendwie gut an." Dar streckte ihre Hand aus und lächelte als Kerry sie nahm, und ihre Finger um die der größeren Frau schlang. "Nun... meiner Meinung nach, siehst du phantastisch aus... und ich bin diejenige, die dich am meisten nackt sieht, also..." Kerry brach in ein verlegenes Gekicher aus. "Dar!" "Hey... es stimmt doch." Protestierte die Direktorin lächelnd, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Wasser zu. "Kann ich dich zu einem kleinen Spaziergang im Mondlicht überreden?" Ein Drücken ihrer Finger. "Sicherlich." Dar stand auf und sammelte ihre Schüsseln ein. "Komm mit... ich höre einen heißen Toffee-Eisbecher, unten am Markt, nach mir rufen." Sich hinten an Dar's Shirt festhaltend folgte ihr Kerry in die Küche. "Wo du hingehst, da gehe auch ich hin." Versicherte sie der größeren Frau beschwingt. Sie blieben beide stehen und während simultan ein Prickeln an ihren Wirbelsäulen herunterlief sahen sie sich an. "Gut." Sagte Dar schließlich. "Ich denke, diese Vorstellung gefällt mir." Sich fragend woher diese Worte gekommen waren knabberte Kerry an ihrer Lippe. "Mm... ja, mir auch." Erklärte sie lächelnd. "Obwohl ich denke, das wir besser Shorts anziehen... ich treff' dich hier unten." Eine in Gedanken versunkene Dar zurücklassend, schlenderte sie die Stufen hinauf.
"Was ist mit der hier?" Fragte Kerry, die am nächsten gelegene Weste nehmend und hielt sie hoch. "Sie ist... farbenfroh." Dar schaute auf und kicherte dann. "Oh ja... daran gibt es keinen Zweifel... darin könnte ich dich in 180 Meter Entfernung ausfindig machen." Die verwirrend grelle Dacor-Tarrierweste hatte hellrosafarbene und grüne Taschen. Kerry zog sie über ihre Schultern und stellte sich vor ihre Freundin. "Nun?" Zu ihr herüberschlendernd justierte die größere Frau die Weste, schnallte sie über Kerry's Brust zu und trat einen Schritt zurück, um das Ergebnis zu begutachten. "Nett." Kerry grinste, hopste ein wenig herum, dann öffnete sie die Riemen und zog die Weste wieder aus. "Okay... was noch... du hattest einen neuen Bleigürtel erwähnt, richtig?" In Gedanken rechnete sie die Kosten zusammen und nickte leicht. Ihre Rechnungen für diesen Monat waren bezahlt, und ihre Gehaltserhöhung erlaubte ihr ein wenig Luxus, wie diesen hier. Sie nahm einen Gürtel in dunkelrosa mit einer Menge kleiner rosafarbener Gewichte. "Wie wär's mit dem?" Dar sah ihn sich genau an und hob ihn dann hoch. "Ja... der könnte gehen." Stimmte sie zu. "Hier..." Sie fügte ein Paar passende Neopren-Füßlinge hinzu. "Oh..." Sie ging zu einem Gestell mit Taucheranzügen und zog einen mit kurzen Ärmeln und halblangen Beinen heraus. "Das auch." Kerry befühlte das dünne Neopren. "Oh... als Schutz gegen Quallen?" Dar schritt näher heran. "Nein... ich denke nur, das du darin echt gut aussehen würdest." Murmelte sie leise, mit funkelnden Augen. "Tsss... Dar." Kerry's Gesicht verzog sich zu einen leicht verlegenen Lächeln. "Lass mich das noch ein bisschen aufschieben... es übersteigt im Moment etwas meinen Etat." Blaue Augen schweiften über die Sachen und dann zu ihrem Gesicht. "Ich könnte... ähm..." Eine Hand berührte ihren Arm. "Nein." Sagte Kerry, ihre Stimme senkend und sich umblickend. "Dar, ich schätze dein Angebot… aber ich bin für mich selbst verantwortlich, okay?" Die dunkelhaarige Frau holte Luft und stieß sie durch ihre Lippen blasend langsam wieder aus. "In Ordnung... ich wollte nur..." Kerry lächelte sie an. "Ich weiß... und ich habe dich schon mit meinen Fischen... und diesen Flugtickes wegkommen lassen, doch es ist wichtig für mich auf meinen eigenen Füssen zu stehen." Dar stand beinahe wie ein begossener Pudel da. "Ähm..." Sie schaute sich um. "Sieh mal... die Wahrheit ist, neben meinem Gehalt und den Bonussen, die Les mir immer zukommen lässt, habe ich eine Menge Geld auf ein paar Konten bei der Bank... und ich habe..." Luftholend hielt sie inne. "Ich habe schon seit einer Weile niemanden in meinem Leben gehabt, für den ich es wirklich ausgeben wollte. "Sie zuckte kurz mit ihren Schultern. "Ich wollte dich damit keineswegs beleidigen oder so." Kerry war sprachlos. "Soso." Krampfhaft suchte sie nach einer Antwort und erkannte, das ihr keine einfiel. Also sah sie nur in Dar's Augen, und versuchte mit ihrem Blick auszudrücken, was sie in ihrem Herzen empfand. Ihre Begleiterin brachte ein kleines Lächeln zustande und sah sich in dem Laden um. "Sind wir hier fertig?" Für eine weltgewandte, intelligente, angriffslustige Frau, konnte Dar gelegentlich eine ausgezeichnete Imitation eines geprügelten Welpen darbieten, bemerkte Kerry traurig. Vielleicht war es die Art, wie sie ihre Hände in die Taschen ihrer Shorts gesteckt hatte. "Dar?" Diese schönen blauen Augen konzentrierten sich auf sie. "Ja?" Kerry nahm ihre Weste, Gürtel und Füßlinge, dann reichte sie ihrer größeren Bergleiterin den Tauchanzug und hob ihre Augenbrauen. "Nur weil du denkst, das es gut für die Optik ist." Ein weißes Blitzen leuchtete, als Dar lächelte und den Anzug an sich nahm. Es war ein Kompromiss. Argumentierte Kerry mit sich, während sie zur Kasse gingen. "Hey..." Sie blieb stehen als ihr Auge auf einen karminroten Badeanzug mit tiefgoldenen Streifen fiel. Dar schielte über ihre Schulter. "Nicht deine Größe." Bemerkte sie bedauernd. Grüne Augen sahen sie abschätzend an. "Nein... aber ich wette, es ist deine." Ihre Nase verzog sich zu einem verschmitzten Grinsen. "Fair ist fair." Langsam eine dunkle Augenbraue heben warf ihr Dar einen Blick zu, dann zog sie wortlos den Badeanzug vom Gestell und ging zur Kasse. "Hehe." Gluckste Kerry leise, während sie ihr folgte.
"Gut das ich den großen Wagen genommen habe." Bemerkte Dar, während sie die letzte Tüte im Heck des Lexus verstaute, und warf ihrer Begleiterin einen teilweise erstaunten, teilweise alarmierten Blick zu. "Brauchst du die ganzen Sachen wirklich?" Kerry legte eine Hand auf ihren Rücken. "Ob du es glaubst oder nicht... ja... falls du wirklich anständiges Essen mit richtigen Erzeugnissen kochen willst, es gibt nicht nur dieses Fertigzeugs das man aus einer Schachtel zieht und aufwärmt." Dar schloss die Heckklappe und stemmte die Hände in ihre Hüften. "Aber es ist mit Sicherheit einfacher." Erklärte sie schelmisch. "Ja, das stimmt." Gab sie zu. "Aber es ist sehr ungesund für dich, weil sie soviel Mist dazugeben, um zu verhindern das das Zeugs kristallisiert, wenn sie es einfrieren... ich glaube, das du davon irgendwann blaue Ohren oder ähnliches bekommst." "Oha." Dar grübelte darüber nach. "Ich denke, das ergibt einen Sinn." Sie ging um den Wagen herum, stieg ein und wartete auf Kerry. "Hast du Lust auf einen Café con leche?" Apropos ungesund. Kerry warf ihrer Begleiterin einen ironischen Blick zu, doch willigte ein. "Sicher." Stimmte sie bereitwillig zu, während sie sich selbst eingestand das sie ein bisschen süchtig auf den süßen Kaffee mit den kleinen Gebäckstückchen, die immer dazugereicht wurden, war. Ihr Magen knurrte bereits voller Vorfreude, auf diejenigen mit Käse und Guave, die sie besonders gern mochte. Gekonnt durch die Strassen am Strand steuernd, fuhr sie auf den Parkplatz einer kleinen kubanischen Cafeteria und stellte den Wagen ab. Kerry nahm zufrieden einen tiefen Zug von der Morgenluft und schmeckte den starken Salzgehalt darin. "Schöner Morgen." Lobte sie das Wetter, mit seinen einundzwanzig Grad, und nicht so feucht wie in letzter Zeit war. Die Sonne war warm doch nicht drückend, und die Brise wehte den dünnen Stoff ihres T-Shirts gegen ihren Körper. Sie fühlte sich… als ob sie in der Schule wäre und gerade auf Sommerferien war, schloss Kerry, aber mit dem Wissen, dass sie nicht zurück musste. Auf eine Art war es, als ob sie gerade ihren Collegeabschluss gemacht hatte und nun ihren ersten richtigen Job anfing. Alles veränderte sich. Und jetzt wieder, als sie langsame, vorsichtige Schritte in ein ganz neues Leben tat, und sich erlaubte in die Realität einer Partnerschaft mit Dar sinken zu lassen. Es war ein seltsames Gefühl, doch auf unheimliche Art auch vertraut. Sie war verbittert über ihre Eltern, und sie wusste das. Sie wusste, das es eine lange Zeit dauern würde, bis sie wieder an sie denken konnte, ohne den Gram und die Ablehnung zu verspüren... doch auf der anderen Seite fühlte es sich extrem gut an, sich nicht mehr an ihren Maßstäben messen zu müssen. Nun war sie frei, ihre eigenen Maßstäbe zu setzen. Die Ozeanbrise wehte erfrischend über sie und eine Möwe kreiste über ihrem Kopf, als Kerry zu den flaumigen weißen Wolken lächelte, die träge über ihrem Kopf dahinschwebten. Wie war das mit den Eiern die man zerbrechen musste, um Omeletts zu machen? Ihre Augen glitten zur zu der großen Gestalt, die neben ihr lief. Was für eine Art Omelett bist du, hmm? Ich denke, mein liebstes. Dar spürte, wie sich eine behagliche Zufriedenheit über sie senkte, und sie war verblüfft, wie leicht ihre einsame, manchmal etwas stachelige Wesensart, Kerry's nahe und beständige Gegenwart akzeptierte. Sie zweifelte selber an ihrer Fähigkeit sich daran zu gewöhnen, doch ihr Unterbewusstsein hatte ihr anscheinend die ganze Zeit nur vorgegaukelt, das sie dachte, allein glücklicher zu sein. Das stimmte nicht, und nun wusste sie es. Sie hatte nur den richtigen Menschen finden müssen. Sie fragte sich kurz, ob Kerry genauso dachte. Sie hoffte es. Das tat sie wirklich von ganzem Herzen. Dar freute sich darauf eine dauerhafte Beziehung mit ihrer blonden Begleiterin aufzubauen. Dar öffnete die Tür der Cafeteria, und der berauschende Duft des starken kubanischen Kaffees sowie der Backwaren strömte in die salzhaltige Luft. Sie gingen hinein und sie gab die Bestellung in routiniertem, leicht akzentuierten Spanisch auf, was Kerry veranlasste ihr einen erstaunten Blick zuzuwerfen. "Was?" "Ich hatte keine Ahnung, das du spanisch sprichst." Stotterte die Blonde. Dar zuckte mit ihren Schultern. "Klar… es reicht, um mich zu verständigen." Sie setzte sich auf einen freien Hocker und deutete ihrer Begleiterin an, das Gleiche zu tun, während sie auf ihre Bestellung warteten. Die Cafeteria war gefüllt mit anderen Gästen, die größtenteils die verschiedenen Kaffeesorten genossen, oder entweder die Backwaren oder ein komplettes Frühstück zu sich nahmen. "Oh... hmm..." Sich umdrehend bekam sie die Aufmerksamkeit der Bedienung und deutete auf einen Teller in der Nähe. Die Frau nickte und lächelte sie an. "Was ist das." Fragte Kerry zu ihr schielend. "Kubanische Eier McMuffins." Antwortete Dar grinsend. "Eier, Käse und Schinken auf getoastetem kubanischem Brot. Sie sah wie Kerry sich die Augen zuhielt. "Du kannst die Hälfte davon abhaben." "Jesus." Stöhnte Kerry. "Du verdirbst mich so." Seufzte sie, das warme Blätterteiggebäck nehmend, das die Bedienung vor sie gestellt hatte, und einen Biss nehmend, genoss sie die Kombination aus Süße und Schärfe. "Während Thanksgiving habe ich mich die meiste Zeit gefragt, warum alles so verdammt geschmacklos war... dann erinnerte ich mich, das meine Mutter angeordnet hatte, alles ohne Salz, Butter oder Sahne zu kochen." "Igittigitt." Stöhnte Dar an ihrem Sandwich kauend und schob die andere Hälfte auf Kerry's Teller. "Was für einen anderen Zweck sollten Kartoffeln haben, als die Unterlage für alle diese drei Dinge zu sein?" Fragte sie sachlich. Kerry warf ihr einen Blick zu und knabberte dann an einer Ecke des Sandwichs. "Mm... das ist auf alle Fälle besser als ein Eier McMuffin." Gab sie zu. Ein Kichern. "Entspann dich... sieh dich um." Dar überflog mit ihren Augen den Raum. "Das ist kubanisches Standardessen... siehst all die alten Leute hier? Es wird dich nicht umbringen." Sie stand auf und nahm ihre Tüte mit den Pastalitos. "Auf geht's... wir bringen diese Sachen besser in den Kühlschrank. Das Café verlassend gingen sie um die Ecke des kleinen Gebäudes zum Parkplatz, der sich zwischen der Cafeteria auf der einen, und einem Wohnkomplex auf der anderen Seite befand. Zwei dunkle Gestalten tauchten auf, und der unverwechselbare Ton einer Waffe, die gespannt wurde, ließ beide abrupt stehen bleiben, während Kyle, geschickt eine Automatik in seiner Hand haltend, um sie herumging. "Soso." Dar stellte sich vor Kerry, und starrte ihn mit beunruhigt hämmerndem Herzen an. "Weißt du nicht wann Schluss ist?" Fragte sie ihn leise. Kyle lachte. "Dachtest du, das der Senator dich einfach mit seiner Tochter gehen lässt?" Er winkte seinen Partner etwas näher heran. "Wenn sie sich auf mich zugbewegt, dann erschieß das Miststück... ich gehe keinerlei Risiko ein." Kerry schob sich vor ihre größere Begleiterin. "Was willst du, Kyle? Mein Vater hatte seine Wünsche recht deutlich klargemacht, und das hieß, ich sollte verschwinden. Das hab ich getan." "Oh nein." Kyle schritt ein wenig näher an sie heran. "Ich habe ihn umgestimmt. Ich lass mir von so einem kleinen Stinktier wie dir, nicht meine Pläne ruinieren." Er lächelte sie an. "Nun komm wie ein kleines braves Mädchen hierher, und wir steigen in diesen Wagen und verschwinden." Er blickte zu Dar. "Und du hör mit deinen Drohungen auf... wir wissen, das alles nur ein Bluff war." Dar betrachtete ihn eingehend. "Ich bluffe nicht." Sagte sie gelassen. "Das wirst du sehr bald herausfinden." Er ignorierte sie. "Komm hierüber... Kerry." Befahl er ihr, mit der Waffe auf sie zeigend. "Beeil dich... wir müssen das Flugzeug kriegen." Langsam ausatmend setzte sich Kerry in Bewegung. Sie ging jedoch rückwärts, bis sie angepresst an Dar's warmen Körper lehnte. "Nein." Sie blickte ihm in die Augen. "Verdammt noch mal, du hast mir alles genommen, was ich im Leben geliebt habe. Das hier wirst du mir nicht nehmen, du Scheißkerl." Presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Sei nicht dumm, Mädchen." Sagte Kyle zähneknirschend. "Du weißt, das es zu deinem Besten ist... nun beweg dich!" Befahl er, seine Stimme zu brüllenden Befehlston erhebend. "Du kannst mich mal." Erwiderte Kerry. "Jetzt verschwindest du besser, bevor ich die Polizei rufe, und deinen ekelhaften, hässlichen Hintern einsperren lasse." Er hob die Waffe und zielte damit auf Dar. "Fein... ich kann die Straßensperre schon sehen... noch eine erschossene Leiche mehr in Miami... wen zum Teufel interessiert das schon." Er zeigte zu Dar. "Geh von ihr weg." Kerry griff hinter sich und hielt ihre Begleiterin fest. "Nein." "Zimzicke." Kyle zielte auf Dar's Kopf. "Eigentlich wollte ich mir die Kosten neuer, nicht blutbespritzter, Kleidung für dich sparen." Er zielte genau. "Sag deiner Geliebten Lebewohl, du perverses Stück." Kerry spürte, wie sich Arme um sie schlangen. "Geh jetzt." Die tiefe Stimme fuhr ihr durchs Rückenmark. "Es wird mir nichts geschehen." Sie fühlte, das sie wütend wurde. "Kyle, warum machst du das? Selbst wenn ich mit dir gehe, so werde ich doch niemals bleiben... wir beide wissen das... warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen?" "Weil keine hirnlose Frau mich fertigmacht, darum." Entgegnete Kyle scharf. "Du kommst mit mir, und ich werde dafür sorgen, das du dahin zurückgehst, wo du hingehörst, so wie ich es deinem Vater versprochen habe." Er winkte sie zu sich. "Nun beweg dich, oder ich erschieße deine Kameradin." Kerry zögerte, dann drehte sie sich um und umarmte Dar. "Ich werde zurückkommen." Murmelte sie leise. "Ich verspreche es dir." Dar sah den triumphierenden Blick in Kyle's Augen, und begriff was dies zu bedeuten hatte. Sie legte ihre Arme um Kerry, und erwiderte die Umarmung. "Pass auf dich auf." Flüsterte sie. "Ich liebe dich... vergiss das nie." Es tat weh. Kerry versuchte nicht daran zu denken, wie glücklich sie noch vor einer halben Stunde war, dann ließ sie Dar los, und einen Schritt zurücktretend, drehte sie sich mit einem grimmigen Blick zu Kyle um. "Dafür wirst du bezahlen." Eine Hand ausstreckend zog er sie zu sich, und schob sie zu dem wartenden Wagen. "Oh nein... aber ich werde diesen Augenblick lange genießen." Er hob die Waffe und zielte auf Dar. "Ich schick dich zur Hölle du Miststück... grüß den Teufel von mir." Dar sah ihm grimmig in die Augen. "Nein!" Schrie Kerry, sich zwischen die Waffe und ihrer Geliebten werfend, als Kyle's Finger den Abzug betätigte. Sie halb in der Luft abfangend, wirbelte Dar herum, um ihren Körper vor dem Schuss zu schützen, als sowohl Kyle wie auch sein Partner gleichzeitig losfeuerten. Mit einem Protestgekreische flogen die Möwen davon, und es entstand eine merkwürdige Stille. Langsam erhob sich ein dunkler Kopf von der staubigen Oberfläche und schaute sich um. "Wa..." Dar blinzelte bei dem Anblick von zwei zusammengesunkenen Gestalten, nicht weit von ihnen entfernt. Sie sah auf Kerry hinunter, die sich, unter ihr kauernd mit beiden Händen fest an Dar's Shirt festklammerte. "Hey..." Langsam öffneten sich grüne Augen und sahen schockiert zu ihr hoch. "Was ist passiert?" Flüsterte sie. Dar rollte sich auf die Seite und blinzelte. "Ich..." Sie betrachtete die zwei leblosen Gestalten, und die sich unter ihnen ausbreitenden dunklen Lachen. "Ich... haben sie sich gegenseitig erschossen? Ich verstehe das ni..." Sich schnell umsehend, sah sie die verstohlenen Blicke aus dem Hinterfenster des Restaurants. "Ich rufe wohl besser die Polizei." Sie stand auf und half dann Kerry hoch. "Bist du in Ordnung?" Kerry wankte auf ihre Füße, und als sie erschrocken zu den zwei Männern blickte, fiel sie gegen Dar's Körper und hielt sich benommen an ihr fest. "Oh mein Gott." Flüsterte sie. Dar legte einen Arm um sie, bevor sie das Handy von ihrem Gürtel nahm und begann es aufzuklappen. Jedoch ein leises Schlurfen unterbrach sie, und sie schaute nach hinten, um eine große im Schatten befindliche Gestalt zu sehen, die an der Rückwand des Restaurants stand. Sie trug ein Kapuzen-Sweatshirt dessen Kapuze hochgezogen war und die Sicht auf das Gesicht verdeckte, doch... Sie ließ ihre Hand fallen und ging ein paar Schritte näher heran, um mehr Details erkennen zu können. Der Stoff bewegte sich, als die Gestalt Luft holte. "Mach langsam, Dardar." Kerry spürte wie der Körper ihrer Geliebten erstarrte und zu zittern anfing. Sie vergaß die zwei zusammengesunken Körper. "Dar?" Mühevoll ging die größere Frau noch ein paar Schritte weiter. "Dad?" Fragte sie mit heiserer, zweifelnder Stimme. "Wa…" Der Mann hielt seine Hände hoch. "Bleib einfach ruhig... ich wollte nicht, das dies geschieht... aber Wichser mit Waffen, du weißt ja wie das ist." Er ging einen Schritt zurück, als sie näher auf ihn zuging. "Bleib dort... stehen..." Völlig verwirrt blieb Dar stehen. "Wa... sie sagen das du... aber... wir waren auf der Be..." "Ich weiß." Seufzte er. "Ich weiß… in bin dort in einen Hinterhalt geraten… und schwer verletzt worden. Ich... nun ja, lass mich nur soviel sagen, ich biete keinen schönen Anblick, in Ordnung?" "Wen zum Teufel schert es wie du aussiehst?" Presste Dar mit zitternder Stimme heraus. "Wie..." "Mich." Kam die leise Antwort zurück. "Mir ist es wichtig, und ich könnte den Blick deiner Mutter nicht ertragen, wenn sie sieht was von mir übriggeblieben ist." Er schwieg einen Moment. "Also beschloss ich den Eintrag, gefallen im Kampf... nicht korrigieren zu lassen... so einfach ist das." Er schwieg wieder. "Wie geht es ihr?" "Ich weiß es nicht." Erklärte Dar mit gebrochener Stimme. "Sie hat seit der Beerdigung nicht mehr mit mir gesprochen." Ihre Knie wurden schwach und sie spürte wie Kerry stützend einen Arm um sie schlang. Ein leiser, bestürzter Ton kam von der verhüllten Gestalt. "Verdammt." Dar bewegte sich wieder langsam nach vorne. "Sie braucht dich." Beinahe ihren Atem anhaltend, blieb Kerry beobachtend und abwartend zurück. Er drückte sich gegen die Wand. "Komm nicht hierher, Liebling... in meinem jetzigen Zustand braucht sie mich nicht." Erklärte er traurig. "Und ich will nicht, das du herkommst... Dar, bitte." Er wandte sich ab. "Geh schon, mach das du hier fortkommst... ich werde mich um den Abfall kümmern." Sie ging weiter, und nun war sie nah genug, um die halb unter der Kapuze verborgene, entstellte Haut zu sehen. "Daddy." Sagte sie mit gebrochener Stimme. "Ich vermisse dich." Als Antwort zuckte sein ganzer Körper zusammen. "Ach, Liebling... ich vermisse dich auch... ich vermisse euch beide... so sehr, das es mich verrückt macht... ich..." Zwei Schritte mehr, und bevor er reagieren konnte, war sie nah genug ihn berühren zu können, und seine erschrockene Abwehrhaltung umgehend, nahm sie zärtlich seinen Kopf zwischen ihre Hände. Blaue Augen trafen auf Blaue, und ohne zurückzuschrecken sah sie in sein, einmal gutaussehendes, nun verunstaltetes Gesicht. "Es ist in Ordnung." Sagte sie mit schmerzvoll leiser Stimme. Eine vernarbte Hand streichelte liebevoll über ihre Wange. "Es tut mir so verdammt leid, Dardar... es war nie meine Absicht dich zu verletzen... keine von euch beiden." Dar schüttelte nur ihren Kopf, und zärtlich ihre Arme um ihn legend, zog sie ihn eng an sich. "Ich bin einfach nur glücklich, das du lebst." Murmelte sie. Seufzend lehnte er seinen Kopf gegen ihren. "Die meiste Zeit, tu ich das sicherlich nicht." Er ließ sie los und schritt zurück. "Du verschwindest jetzt besser... lass mich, diesen Mist aufräumen." Er sah sie an, und strahlend blaue Augen trafen auf mit dunkelroten Narben umränderte. "Versprich mir, kein Wort zu deiner Mutter zu sagen." Dar holte Luft um zu protestieren, dann erinnerte sie sich mit wem sie es zutun hatte. "Unter einer Bedingung." Sie schaute ihn an. "Das du nicht wieder aus meinem Leben verschwindest." Er sah sie eine Weile an. "Du glaubst, das du meine Meinung ändern kannst, wenn du nur lange genug an mir dranbleibst." Ermahnte er sie liebevoll. Ein kurzes gequältes Lächeln. "Abgemacht?" Seinen Kopf beugend verdeckte er sein Gesicht wieder mit der Kapuze. "Ich bin erst seit ein oder zwei Monaten in Amerika... seitdem habe ich dich im Auge behalten." Er trat gegen einen Stein. "Mit all den Schwierigkeiten in die du dich scheinbar selber bringst... denke ich, das ich besser in der Nähe bleibe." Schnaubte er nachdenklich, und sah dann zu der schweigsamen Kerry hinüber. "Stellst du mich deiner Freundin vor?" Die Antwort akzeptierend, legte Dar einen Arm um Kerry's Schultern. "Das ist Kerry Stuart." Sagte sie leise. "Kerry, das ist mein Vater, Andrew." Kerry nahm seine Hände in ihre, und drückte sie. "Es freut mich wirklich, sie kennen zu lernen." Begrüßte sie ihn, mit einem liebevollen, anerkennenden Blick in sein verunstaltetes Gesicht. "Danke, dass sie..." Ihre Augen glitten zu den bewegungslosen Gestalten. "Uns gerettet haben." Seine Lippen verzogen sich leicht. "Sie müssen sehr mutig sein, um sich so vor Kugeln zu werfen, wie sie es getan haben, junge Dame." Bemerkte er. "Machte den Schuss verdammt schwierig." "Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht." Gestand Kerry ein, dann atmete sie aus. "Sollten wir nicht... ich meine, die Polizei rufen?" Ihre Augen schweiften wieder zu den bewegungslosen Gestalten, die nun das Interesse der Vögel erweckten. Andrew Roberts zog eine Waffe aus der Tasche seines Sweatshirts. "Es dürfte schwer zu erklären sein, wie zwei Navy-Geschosse in ihre Köpfe kamen, heh? Lasst mich das erledigen... ich bin daran gewöhnt." Er stupste Dar liebevoll an. "Verschwinde von hier, mein Kind... ich werde mit dir in Verbindung bleiben." Zärtlich über seine Wange streichelnd, konnte Dar die Narben unter ihren Fingerspitzen fühlen. "Das würde ich dir auch raten." Sich wiederwillig zurückziehend spürte sie Kerry's Hand auf ihrem Arm, und sie ging rückwärts bis sie den Lexus erreicht hatten, und er nicht mehr zu sehen war. Ihr die Schlüssel abnehmend, öffnete Kerry die Beifahrerseite und schob sie hinein. "Steig ein, ich fahre." Sie war selbst recht wackelig auf ihren Beinen, doch Dar's benommener Gesichtsausdruck hatte Vorrang. Sie ging auf die andere Seite und setzte sich auf den Fahrersitz, justierte intuitiv die Beinlänge und startete den Motor. Gegen die Beifahrertür gelehnt, klebten Dar's Augen an der Gebäudeecke, die die Sicht auf den schmalen Durchgang versperrte. "Darf ich mich für einen Nervenzusammenbruch voranmelden?" Erkundigte sie sich erschöpft. Ihren Kopf drehend starrte Dar sie an. "Warte bis du dran bist." Antwortete sie mit einem ironischen Blick. "Lass uns heimfahren. Wir haben eine Menge Gesprächsstoff." Heim. Kerry atmete aus und fuhr los. Klingt großartig.
Es war eine äußerst schweigsame Rückfahrt. Sobald sie heil auf der Fähre waren lehnte sich Kerry schließlich zurück, und ihren Kopf zur Seite rollend betrachtete sie Dar's Profil. Sie seufzte. "Ich glaub, ich mag deinen Vater." Ihren Kopf drehend, blinzelt Dar sie an. "Oh ja?" Murmelte sie. "Ich habe niemals..." Sie ließ die Worte ausklingen. "Ich kann es nicht fassen, das er lebt." Kerry nickte kurz. "Ich kann Kyle's Tod nicht fassen." Nun nahmen die blauen Augen einen ernsten Blick an. "Es fehlte nicht viel, und ich wäre an seiner Stelle gewesen." Die blonde Frau atmete aus. "Ich weiß... obwohl ich glaube, das ich das noch nicht richtig registriert habe, weil ich noch nicht schreiend davongelaufen bin." Sie schwieg nachdenklich. "Ich denke, das ich mich bei dir entschuldigen sollte." Dar's Kinnlade fiel leicht runter. "Für... was?" "Dafür, das dein Leben in Gefahr war." Entgegnete Kerry leise. "Zweimal." "Ach das..." Dar zuckte mit ihren Schultern. "Mach dir darüber keine Sorgen." Sie tätschelte Kerry's Arm und ihre Hand dort liegen lassend zeichnete sie mit ihrem Daumen kleine Kreise auf der weichen Haut. "Du bist das Risiko definitiv wert." Sie lächelte flüchtig. "Außerdem... hast du dort deinen Hals für mich riskiert." "Nun... na ja." Errötend senkte Kerry ihren Blick. "Als ob ich einfach dasitzen und zusehen würde, wie dich jemand erschießt." Sie bedeckte mit ihrer Hand Dar's, und legte ihren Kopf gegen die Schulter der Frau. "Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben... ich habe nicht die Absicht dich zu verlieren." Sich nicht wagend Dar's Reaktion zu sehen, schaute sie auf den Ledersitz. Was schade war, da sie den kindlichen, vollkommen verwunderten Blick, den ihr ihre Begleiterin zuwarf, nicht sehen konnte. "Weißt du... irgendwie habe ich... gehofft das du so empfindest." Murmelte Dar. Das leise klirren der Wellen gegen das Fährgestänge strömte durch die offene Scheibe des Lexus. "Warum." Flüsterte Kerry. Dar legte ihren Kopf gegen den der kleineren Frau. "Weil ich genauso empfinde." "Oh." Lächelnd schloss Kerry ihre Augen. "Ich vermute, das dann alles in Ordnung ist." Sie verharrten so, bis die Fähre andockte, und Kerry den Wagen über die Rampe, und dann durch die kurvenreichen Strassen auf den Parkplatz fuhr, den sie einige Stunden und eine Lebenszeit vorher, verlassen hatten. Sie half Dar die Lebensmittel und Tauchausrüstung reinzutragen, und räumten dann in behaglichem Schweigen die Sachen auf. Schließlich ließ sich Kerry auf die zweisitzige Couch fallen und blickte zur Decke, während Dar in der Küche rumhantierte. Sie hörte die Mikrowelle piepsen, und roch dann den erwarteten, vollen, charakteristischen Schokoladenduft. Dar enttäuschte sie nicht und sie lächelte, als die große, dunkelhaarige Frau ins Wohnzimmer geschlendert kam und ihr eine leicht dampfende Tasse mit heißer Schokolade reichte. Sie nahm neben ihrer Begleiterin Platz und legte ihre nackten Füße auf den Couchtisch. In ruhiger Übereinstimmung sahen sie sich eine lange Zeit an. "Das war vielleicht ein Monat." Bemerkte Dar, einen Schluck von ihrer Schokolade nehmend. "Oh ja." Stimmte Kerry zu. "Das war er mit Sicherheit." Sie schluckte einen Mundvoll des süßen Getränkes. "Wenn das Leben von nun an so weitergeht... dann sollte ich ein Tagebuch anfangen." Dar lachte besinnlich. "Jesus... ich hoffe doch nicht... es würde in einer der verrückten TV-Shows enden." Sie legte einen Arm um die Rückenlehne der Couch, und verflocht ihre Finger in Kerry's Haar. "Hör mal... ich weiß, das es ein raues Wochenende war..." Ihre Gedanken sammelnd hielt sie inne, und fuhr dann fort. "Und ich weiß, das du Zeit brauchst um dich an alles zu gewöhnen, aber ähm..." Kerry stellte ihre Schokolade ab, rutsche hinüber und ihre Arme um Dar's Körper schlingend lehnte sie sich gegen sie. "Aber ähm was?" Dar blinzelte sie an, dann stellte auch sie ihre Tasse ab und erwiderte die Umarmung. "Aber ähm..." Sie zog ihre Augenbrauen zusammen. "Ich glaube wirklich, das wir gut zusammenarbeiten." Kerry schnaufte nachdenklich. "Nun gut... das ist wahr... wir haben verschiedene Vorgehensweisen, aber generell kommen wir zum gleichen Ergebnis." Sie war sich ziemlich sicher, das Dar's Rede nichts mit der Arbeit zu tun hatte, aber sie ging bereitwillig auf die Scharade ein. "Du bist ein logischer Mensch, und gewöhnlich kommst du direkt zum Kern des Problems und löst es." "Sicher... richtig." Stimmte Dar zögernd zu. "Gewöhnlich." Wiederholte Kerry, ihren Kopf zurücklehnend und zu ihrer Begleiterin hochblickend. "Gewöhnlich was?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau vorsichtig. "Gewöhnlich kommst du direkt auf den Punkt." Sagte Kerry geduldig. "Oh... richtig... ja, das tu ich." Murmelte Dar. "Ich weiß, das ich das tue... in der Tat gibt es da einen Punkt und ich werde auf ihn kommen, wenn ich herausgefunden habe, was zum Teufel der Punkt war." Ihr Gesicht an Dar's Brust vergrabend, erstickte Kerry ihr Gelächter. Dar seufzte. "Du hast dieses Talent, mich wie einen liebeskranken Teenager fühlen zu lassen, weißt du das?" Grüne Augen schielten zu ihr hoch. "Ist das gut oder schlecht?" "Nun ja, es schießt mein Image wahrscheinlich zur Hölle." Erwiderte Dar, schwach lächelnd. "Also denke ich, das dich zu fragen, ob du hier einziehen möchtest, es auch nicht schlimmer machen kann." Kerry schluckte schwer. "Ich nehme an, du hast den Punkt gefunden, wie?" Fragte sie leise. "Ich vermute, ja." Gab die dunkelhaarige Frau zu. "Hör mal... ich weiß, dass du nicht einfach deine Wohnung kündigen kannst... schon deswegen, weil deine Adressänderung in der CAS, ein höllisches Tohuwabohu auslösen würde... aber... ich..." Sie nahm wieder ihren Mut zusammen. "Ich habe dich wirklich gerne um mich... und ich würde gerne versuchen mit dir ein gemeinsames Leben zu führen." Kerry spürte, wie eine tiefe, wahrhafte Wärme sie umhüllte. "Nun... das ist dir schon ähnlicher." Murmelte sie, und hielt dann schweigend inne, als sie über die Bitte nachdachte. "Die Arbeit wird extrem seltsam sein." Sagte sie schließlich. "Und du hast recht... ich kann meine Wohnung tatsächlich nicht einfach kündigen... zumindest jetzt noch nicht." Sie schwieg wieder. "Und wahrscheinlich brauchst du Zeit, um dich an die Invasion zu gewöhnen." Dar wiedersprach keiner der Aussagen. "Ich sag dir was... warum verbringen wir die Wochenenden nicht hier, und den Rest der Woche bleibe ich in Kendall... und mittwochs bleibst du nach dem Fitnessstudio bei mir." Es schien ein guter Kompromiss zu sein, der beiden einen kleinen Freiraum und die Zeit gab, sich aneinander zu gewöhnen. Dar blinzelte sie an. "Also... ist das ein Ja?" Kerry errötete ein wenig und nickte. "Ich würde sehr gerne ein gemeinsames Leben mit dir führen." Sie neigte ihren Kopf, und sie küssten sich zärtlich. "Dar?" "Ja?" Fragte die dunkelhaarige Frau liebevoll lächelnd. "Zeigst du mir das Zeug, das du über meinen Vater herausgefunden hast?" Die Bitte erwischte Dar kalt, und es zeigte sich an ihren hastig hochgezogenen Augenbrauen. "Puh... sicher..." Sie erhob sich und streckte ihrer Begleiterin eine Hand hin. "Entschuldige... ich hatte vergessen, das ich versprochen hatte es dir zu zeigen..." Sie führte Kerry in ihr Büro, und sich hinter ihren Schreibtisch setzend schaltete sie den Computer an und fuhr ihr E-Mail Programm hoch. "Mm... mir gefällt diese ISDN-Verbindung." Bemerkte Kerry, und mit einem Arm auf Dar's Schulter gelehnt, schielte sie zum Monitor. Dar tippte eine Anfrage ein und öffnete die E-Mail mit den Informationen. "Weißt du... dieses kleine Zimmer, oben in der Mitte, würde ein schönes kleines Büro abgeben." Erklärte sie unschuldig. "Ich könnte dort eine weitere Leitung legen lassen." "Dar?" Flüsterte Kerry. "Du musst mich nicht mit Spielsachen bestechen." Blaue Augen schielten zu ihr hoch. "Das war keine Bestechung... ich muss es wissen, damit ich der Telefongesellschaft sagen kann, wo sie den Anschluss installieren sollen, das ist alles." Ihre Schultern begradigend, zeigte sie zum Monitor. "Bist du sicher, das du das alles sehen willst?" Kerry betrachtete sie still. "Ja... ich bin ein grosses Mädchen, Dar. Ich möchte es lesen." "In Ordnung." Sagte die größere Frau sich erhebend und deutete zum Stuhl, dann ging sie zu dem Fenster, das sie während des Tropensturms geöffnet hatten, und sich auf die Fensterbank lehnend schaute sie hinaus, während Kerry las. Die Dokumente waren, selbst für Dar's abgeklärte und leicht abgestumpfte Augen, widerwärtig. Sie enthüllten jahrelange Annahme von Bestechungsgeldern, wie es eine Menge Politiker taten, doch es handelte sich um Bestechungsgelder, die zur Blockierung von Gesetzen dienten und damit Menschen verletzten und das Gemeinwohl ignorierten. Zahlungen für Arbeiten, für Rechnungen, für Stimmen... alles war erbärmlich normal. Es war die Unterstützung von rechtsextremistischen Gruppen die Übelkeit bei ihr verursachte, Millionen von Dollars flossen über private Bankkonten, um die Interessen von Leuten zu unterstützen deren oberstes Ziel, Hass war. Das und die Heuchelei mit dieser anderen Familie... diese Frau und ihre Kinder wurden von dem Senator dadurch unterstützt, das er ihr und zwei von drei Kindern exzellente Jobs bei der Regierung verschaffte und großzügige Zuwendungen und Stipendien zukommen ließ. Ach ja, und der Steuerbetrug. Dar fragte sich, ob Kerry wusste, das sie und ihre Schwester noch immer als unterhaltsbedürftig aufgeführt waren, und sie noch in den Büchern einer Schule eintragen war? Ekelhaft. Sie hörte das Klicken der Tastatur, und sich umdrehend sah sie wie Kerry's Augen über den Monitor schnellten. "Ich sende das Dokument an meine Mailbox." Murmelte die blonde Frau. "Das zu lesen... war wirklich ekelhaft, Dar." Mitfühlend legte Dar ihre Hände auf Kerry's Schultern. "Ich weiß... die Vermerke über den United Klan's of America haben mich erschüttert." Kerry loggte aus, und sich dann unter ihrem eigenen Passwort wieder einloggend, erschien sofort ihre Benutzeroberfläche auf dem Monitor. Sie öffnete ihr Mailprogramm und öffnete die Dokumente wieder. "Dar... weißt du, ich habe eine Menge Zeit mit diesen Leuten für Öffentlichkeitsarbeit verbracht... und die Woche drauf gaben sie mir eine Einführung ihrer Vorgehensweise." Dar blinzelte verwirrt. "Ähm... ja... okay... was hat das damit zu tun?" Kerry selektierte die Dokumente, dann öffnete sie eine neue E-Mail-Mitteilung und fügte die ausgewählten Abschnitte ein. "Nun, eins von den Dingen die sie mir zeigten, war ihr Verteilernetz... es ist recht nett... sie können unter Verwendung einer Mailliste Informationen verschicken... siehst du? So wie dies." Sie adressierte die Mitteilung. "Du klickst nur... hier..." Sie drückte die Sendetaste. "Und es geht an sechzig verschiedene Nachrichtendienste." Völlig schockiert klappte Dar's Kinnlade runter. "Hast du gerade..." Grüne Augen sahen gelassen zu ihr hoch. "Ja, das hab ich." Sie hielt inne. "Du hast gesagt, es wäre meine Entscheidung, oder nicht?" "Wa… aber… ähm… ja, aber ich…" Dar setzte sich verblüfft auf den Schreibtisch. "Jesus, Kerry!" "Ich wollte es nicht." Sagte die blonde Frau leise. "Aber dann hat er nicht loslassen können... er konnte mich einfach nicht in Ruhe lassen, und musste mir diesen Scheißkerl hinterherschicken... weil er dachte, das wir bluffen." Nun sah sie Dar direkt in die Augen. "Du hast mir gesagt, wenn jemand sagt das du bluffst, dann muss man darauf reagieren. Also habe ich es getan." "Du... verstehst was das für Folgen haben wird." Sagte Dar leise. "Oder nicht?" "Ja." Entgegnete Kerry entschlossen. "Das tue ich." Sie sah auf den Monitor. "Ich werde Michael und Angela warnen." Ihre Augen hoben sich zur noch immer schockierten Dar. "Ich habe dich überrascht, wie?" Ein zaghaftes Nicken. "Ja, das hast du." Eine solche Unerbittlichkeit hatte sie bei ihrer Freundin nun doch nicht erwartet. "Ich dachte nicht, dass du... das tun würdest." Seufzend stützte sich Kerry mit ihrem Kinn auf ihre Hände. "Wenn nur ich die Betroffenen gewesen wäre... hätte ich es möglicherweise nicht getan, aber er ist auf dich losgegangen." Sie strich mit ihrem Daumen über ihre Lippe. "Das war zuviel, Dar... ich kann das nicht zulassen... vielleicht habe ich etwas von seiner, für mich augenscheinlichen Herzlosigkeit, geerbt." Sie blinzelte zum Monitor. "Im Augenblick fühle ich mich ziemlich unbarmherzig." Dar atmete aus und schlang ihre Finger um Kerry's, welche auf der Schreibtischoberfläche lagen. "Nein... was er getan hat... was Kyle getan hat... das war unbarmherzig. Du hast nur Gerechtigkeit ausgeübt." "Vielleicht." Murmelte Kerry. "Ich weiß, wie sehr dir deine Familie am Herzen liegt, Kerry... und das dies nicht leicht für dich war." Dar blickte sie mitfühlend an. "Auf eine Art, haben wir beide unsere Familien verloren." Ein zögerndes, fast konsterniertes Lächeln zog sich über das Gesicht der blonden Frau. "Aber Dar, es gibt zwei verschiedene Arten von Familien... die eine, in die du hineingeboren wirst, und die andere, die du dir selbst aufbaust..." Sie sah auf, und traf auf blaue Augen, die sie betrachteten. "Und unsere Freundschaft bindet uns enger, als Blut es jemals könnte." Auftauchende Erinnerungen läuteten so hell und klar, wie eine Glocke. Dar lächelte zustimmend und eine Hand ausstreckend sah sie, wie Kerry's Finger sich in ihre Handfläche legten. "Du bist meine Familie." Bestätigte sie, und griff dann in die Tasche ihres Shirts. "Übrigens... ich denke, das du dies zurückhaben möchtest." Sie drehte Kerry's Hand und legte einen goldenen Ring in ihre Handfläche. "Es ist ein interessantes Stück." Den Ring zwischen ihrem Daumen und Zeigefinger haltend betrachtete sie ihn. "Ich hatte immer das Gefühl, das etwas dahintersteckt... irgendeine Geschichte... verstehst du?" Sie drehte ihn herum. "Wahrscheinlich entspringt das nur meiner überaktiven Phantasie... obwohl es ein wenig seltsam war... als meine Großtante ihn mir gab. Sie hatte mich nicht mehr gesehen seit ich... Jesus, wahrscheinlich drei, oder vier Jahre alt war. Nach meinem Hochschulabschluss ging ich sie besuchen, und als sie mich sah... da hat sie mich ins Licht gedreht und... ohne ein Wort zu sagen... ungefähr zehn Minuten nur angesehen... dann hatte sie lachend diesen Ring hervorgeholt und ihn mir gegeben." "Das ist recht seltsam…" Stimmte Dar zu. "Was für ein Mensch war sie... machte sie etwas besonderes, oder..." "Hmm? Oh... sie war Schriftstellerin." Seufzte Kerry. "Poesie... und diese lyrischen, altertümlichen Geschichten über die Vergangenheit, über Ritter und solche Sachen." Sie schüttelte ihren Kopf. "Der größte Teil der Familie dachte, das sie ein wenig verrückt sei... doch ich hab ihre Sachen gern gelesen... sie hat sogar eine Geschichte über Paladine geschrieben." Bemerkte sie schelmisch zu Dar blinzelnd. Ihre Augen verrollend, kicherte Dar leise. Kerry schwieg einen Augenblick, dann schaute sie auf. "Was dein Vater macht, ist irgendwie recht furchteinflössend, oder?" Dar nickte nüchtern. "Ja... das ist es... es kann auch grauenvoll sein. Ich weiß, das es dir wahrscheinlich recht seltsam vorkam, das bei der ganzen Sache nicht die Polizei hinzugerufen wurde... und um ehrlich zu sein, ging es mir nicht anders." "Mm." Murmelte die blonde Frau zustimmend. "Ich meine... ich verstehe den Sinn dahinter... aber es macht mich irgendwie krank zu wissen, das sie einfach... ähm... verschwinden oder so ähnlich... können wir es wenigstens seiner Familie... ich meine Brian... mitteilen was geschehen ist?" "Ich..." Dar dachte kurz nach. "Ich glaube nicht..." Seufzte sie. "Obwohl ich mir wünschte, das es eine andere Lösung gäbe." "Oh ja." Kerry kaute an ihrer Lippe. "Ist das... ich meine, was er tut... ist das wirklich, was du auch tun wolltest?" Aufsehend blickte sie fragend in Dar's Gesicht. Ein Seufzen. "Ja, ich glaube, das ich das... für eine lange Zeit dachte." "Und wie ist es jetzt?" Über die Frage nachdenkend verharrte Dar schweigend. "Ich glaube... man erreicht einen Punkt, wo man... ich will damit sagen, als ich ungefähr Sechzehn war und diese Prüfungen abgelegt habe, da war ich heiß darauf... es schien das aufregendste und unglaublichste zu sein, was ich mir nur vorstellen konnte... ich wollte es mit allen Mitteln." Sie hielt inne. "Aber wenn ich jetzt zurückdenke... Jesus, war ich verrückt?" Dar seufzte. "Ich bin in mehr als einer Weise froh, das es anders gelaufen ist." "Ich auch." Kerry verschränkte ihre Finger mit Dar's und sah in ihre Augen. "Erstens, wären wir uns wahrscheinlich nie begegnet... und zweitens, denke ich, das diese Sache dein Gewissen sehr schwer belastet hätte... ich kann mir gar nicht vorstellen wie." "Nein... ich bin froh, diese Last nicht tragen zu müssen." Stimme Dar leise zu. "Das Leben ist hart genug... letztendlich bin ich glücklich, das ich diesen Weg nicht eingeschlagen habe." Der Blick der grünen Augen vertiefte sich, als Kerry aufstand und zärtlich eine Hand auf ihre Wange legte. "Das bin ich auch, Tiger." Dar fühlte, wie eine warme, zärtliche Faust ihr Herz umschloss. "Tiger?" Murmelte sie. "Bin schon lange nicht mehr so genannt worden." Ihre Hände um Kerry's Genick legend sah sie sie an und blinzelte etwas, als ein leichter Schleier kurz ihre Sicht zu trüben schien. "Das bringt eine Menge Erinnerungen zurück." "Ja, ist das so?" Flüsterte Kerry, die spürte wie ihre Knie zitterten, als ihre Körper enger zusammenrückten und ihre Lippen aufeinander trafen. Als sie innehielten lehnte sie sich zurück, und ein Gefühl, halb Freude, halb Erleichterung floss durch sie, als sie in sowohl unbekannte als auch sehr vertraute Augen sah. "Willkommen zu Hause." Nuschelte Dar leise und liebevoll, als sie sich in dem warmen Licht eines tropischen Wintertages erneut umarmten.
~~~ ENDE ~~~
Nun Leute, das ist der Schluss. Vorerst. Offensichtlich gibt es da eine Menge Dinge, die noch weiterverfolgt werden müssen... wie etwa... der Welpe und Jack... und wie die beiden an ihrem Arbeitsplatz überleben, und... nun gut, ihr wisst was ich meine. Danke, dass ihr bis zum Schluss bei dieser kleinen Überstory geblieben seid, und danke für das Feedback. Tropical Storm war nicht als lange Geschichte geplant... tatsächlich sollte sie mit Kapitel 2 enden. Jedoch... irgendetwas an den Charakteren fesselte mich, entweder war es, weil sie in einer Welt leben, die der meinen so ähnelt, oder das ich die Wiederspiegelungen meiner Versionen von Xena und Gabrielle in ihnen sah... wahrscheinlich war es ein bisschen von beidem. Ich fragte mich immer, wie Xena mit ihrem Kampfgeist, jedoch ohne den dunklen Pfad auf den Ares sie geführt hatte, gewesen wäre. Und somit sind sich Dar und Kerry ähnlicher, weniger ernsthaft, weniger traumatisiert... mehr wie wir.
Wenn ihr wissen wollt wie es mit Dar und Kerry weitergeht, dann lest A Present under the Tree.
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