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A Present Under The Tree Kapitel 1
Das Boot bewegte sich in der sanften Brandung leicht auf und ab, während die Brasstakelage leise im Ostwind klirrte. Der Himmel war größtenteils wolkenlos, außer einigen vorbeiziehenden bauschigen, weißen Wolken, die lange Schatten auf das blaugrüne Wasser warfen, während sich die Sonne gen Westen neigte. Auf dem Deck des Bootes waren verschiedene Tauchartikel drapiert, zwei Lungenautomaten, die zum Trocken ordentlich aufgehängt waren, neben Bleigürteln, Tarierwesten, Füßlingen und Taucherflossen, die in der Mitte lagen. Im Bug des Bootes lagen ausgebreitet zwei Gestalten, die die späte Nachmittagssonne in sich aufsogen. "Dar?" Kerry gähnte kurz mit geschlossenen Augen. "Mm?" Brummelte ihre größere Begleiterin. "Weißt du, es ist recht gewöhnungsbedürftig den Tag vor Weihnachten in meinem Badeanzug zu verbringen, um mir Sonnenbräune auf dem Atlantischen Ozean zu holen." "Ja?" Dar hob ein Augenlid, und ein kristallblaues Auge enthüllend schielte sie zu ihr. "Oh ja... Weihnachten verbringt man auf dem Schlitten und mit Schlittschuhlaufen auf dem See, und Väterchen Frost beißt an deiner Nase... Pullover... statische Elektrizität... du weißt was ich meine." Seufzte Kerry. "Ich glaube nicht, dass ich Weihnachten bei 30 Grad feiern kann." "Aha. Nicht kalt genug, wie?" Erwiderte Dar und öffnete ihr anderes Auge, um ihrer blonden Geliebten einen drolligen Blick zuzuwerfen. "Ich glaube, ihr Nordstaatler seid verrückt... da draußen bei unter 0 Grad zu singen... auf der Landstraße bei Glatteis einen Unfall zu verursachen, nachdem ihr eure Zufahrten geräumt habt... und unter trockener Luft in beheizten Räumen zu leiden..." Sie breitete ihre Arme aus, und ließ sie dann auf das weichgepolsterte Deck fallen, auf dem sie sich beide ausgestreckt hatten. "Nein... nein... du hast das Wesentliche vergessen..." Wandte Kerry ein. "An Weihnachten muss Schnee liegen... es muss kalt sein... der See muss zugefroren sein... Schnee muss von den Dächern hängen, wie in den Filmen... deine Nase muss prickeln... das ist ein Teil der Jahreszeit." "Alles klar... kein Problem... hier hast du's." Ein gewaltige Handvoll gestoßenes Eis landete auf Kerry's Körpermitte. "Wie gefällt dir das?" "Jaauuu!" Sich auf die Seite werfend wischte die Blonde über ihren Bauch und griff nach einem Handtuch. "Dar!" Johlte sie aufgebracht. "Das war kalt!" "War das nicht der entscheidende Punkt?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau ruhig. "Du hast dich gerade beklagt, das es zu heiß wäre, oder nicht?" Sie verbiss sich ein Grinsen, als plötzlich Augen in der Farbe des sie umgebenden Ozeans weniger als eine Fußbreite von ihr entfernt sich verengten und sie berechnend anstarrten. "Oh oh." "Oh oh ist richtig, du..." Kerry flitzte zu der Eiskiste und sich eine doppelte Handvoll Eis schnappend schaffte sie es, eine große Portion auf Dar's Rücken unterzubringen, als diese versuchte aus dem Weg zu rollen. "Ah ha... hab ich dich." Dar erhob sich kichernd und schüttelte das Eis ab, dann streckte sie sich träge. "Nun ja... es ist sowieso an der Zeit zu gehen... die Sonne geht unter, und ich habe noch drei Statusberichte zu überprüfen." Sie streckte eine Hand zu ihrer Freundin hinunter. "Ich habe das lange genug hinausgeschoben... auf geht's... es wird hier draußen ein wenig frisch." "Oh ja." Bemerkte Kerry, während sie die ihr angebotene Hand zum Aufstehen annahm. "Wenn wir nicht acht geben, wäre es möglich das die Temperatur unter 27 Grad fällt... das könnte gefährlich werden." Sie zog sich neben Dar hoch und fuhr mit einer Hand über den Körper der größeren Frau, der von einem weißen Badeanzug umhüllt war. "Er gefällt mir." Schmeichelte sie ihrer Begleiterin. "Ist er neu?" Dar schlenderte zur Kühlbox und verstaute sie. "Nein... tatsächlich ist das ein Alter, den ich gefunden habe, als ich neulich diese Kommode ausräumte." Erklärte sie. "Ich hab auch noch andere Dinge gefunden. Sachen die ich längst vergessen hatte... und einige Dinge von Tante May, die sie hier ließ, als sie das Haus übergeben hat." "Mm... nun ja, er ist hübsch und ich mag ihn." Kerry ging vorsichtig um den Bug herum und machte sich auf den Weg zu den Stufen, die zur Kajüte führten. "Ich zieh mir trockene Sachen an... ich glaube, das ich Seegras an Stellen habe, wo Seegras nun wirklich nicht hingehört." Die dunkelhaarige Frau kicherte. "Stell sicher, das du dir nicht wieder einen Tintenfisch eingefangen hast... du hast mich letzte Woche mit deiner Schreierei beinahe zu Tode erschrocken." Sie ließ ihre Augen über die schlanke Gestalt ihrer Geliebten wandern. "Übrigens, du siehst selbst sehr hübsch aus." Auf dem Weg die Stufen hinunter blieb Kerry stehen, und sah über ihre Schulter. "Danke... aber wenn du versuchen willst dich bei mir einzuschmeicheln, damit ich dich morgen nicht mit ein paar Dingen überrasche, dann vergiss es." Ihre grünen Augen funkelten verschmitzt. "Geburtstagsmädchen." Eine dunkle Augenbraue schoss himmelwärts. "Junge, Junge." Murmelte Dar. "Ich stecke in argen Schwierigkeiten... wie konnte ich mich überhaupt dazu überreden lassen?" "Was... die Party, Geburtstag zu haben, oder mich ertragen zu müssen?" Fragte Kerry unschuldig, dann bekam sie Mitleid und kam die Stufen wieder hoch. "Ich werde nichts Schreckliches tun, ich verspreche es." Während Dar acht gab, das der Anker vollständig eingeholt wurde, nahm sie ihre Hand vom Gashebel und umfasste zärtlich Kerry's Kinn, hob es an und küsste sie mit inniger Leidenschaft. "Nur zu, mach was du willst." Murmelte sie, in ozeangrüne Augen blickend. "Doch denk daran... Rache ist süß." "Oha... was willst du mir antun?" Summte Kerry verführerisch. "Mmm... völlig nackte Stripteasetänzer durchs Büro marschieren lassen?" Schlug Dar vor und grinste über's ganze Gesicht. Während Kerry blinzelte war es kurz still. "Oho... das würdest du... nicht tun... oder doch?" Ein strahlendes Lächeln. "Herrje." Lachte Kerry, dann beugte sie sich nach vorne und küsste sie. "Mach dir keine Sorgen... ich habe nichts geplant, womit ich derartiges verdient hätte." Beruhigte sie ihre Begleiterin. "Ich dachte mehr daran, dir dein Lieblingsdessert für die Party zu machen." "Ach." Interessantere Dinge erblickend, die es auf dem burgunderfarben gekleideten Körper vor ihr zu erforschen gab, vergaß Dar den Steuerpult. "Ich wusste gar nicht das ich einen Favoriten habe..." An Kerry's Ohr knabbernd, hörte sie die leisen anerkennenden, Töne der blonden Frau. "Nun ja... das soll nicht heißen, das du es trotzdem auf der Party servieren könntest." "Du meinst..." Kerry schwieg einen Moment, um wieder zu Atem zu kommen. "Ich bin besser, als Tod durch Schokolade?" Als Antwort erhielt sie ein tiefes, verführerisches Glucksen, während Dar ihren linken Träger langsam über ihren Arm zog und mit einem Finger hauchzart über ihre sonnenerwärmte Haut strich. Über diese Erwiderung lächelnd, knabberte sich Kerry einen Pfad an Dar's Hals hinauf, und langsam einen Schritt nach hinten gehend, zog sie die größere Frau mit sich in die winzige Schlafkabine. Bereits mit ihren warmen Händen den anderen Träger von Kerry's feuchter Haut herunterstreifend, ging Dar bereitwillig mit. Die Aufmerksamkeit erwidernd streifte Kerry den dünnen Stoff über Dar's breite Schultern, zerrte ihn an ihrem Körper herunter und fuhr mit ihren Händen über den muskulösen Rücken der größeren Frau. Die Wärme der Bettdecke überraschte sie, als Dar weiter an ihr knabbernd, um ihre Taille griff, sie hochhob und sich mit ihr behutsam auf die weiche Oberfläche legte. Die Fenster in der Kabine standen offen und eine reichhaltige warme Brise wehte den salzigen Geruch des Ozeans zu ihr und streifte flüchtig über ihre nackten Schultern, während am Himmel eine einzelne Möwe schrie. "Denkst du noch immer, das wir Schnee brauchen?" Schnurrte Dar in ihr Ohr, mit ihren kräftigen Händen über ihre Hüfte zu ihren Schenkeln hinuntergleitend. "Oh nein." Kerry drückte ihre Begleiterin zärtlich auf ihren Rücken, und an ihrem Schlüsselbein anfangend begann sie, den Reichtum des Meeres auf ihrem Körper schmeckend, mit einer langsamen abwärtsführenden Erkundung. "Hoch im Norden möchte ich dies nicht versuchen." Die Strahlen der verblassenden Sonne eines tropischen Wintertages malten tiefgoldene Streifen über sie.
"Nun ja." Bemerkte Kerry, sich an das Kontrollpult lehnend, nun mit einer Jogginghose und einem übergroßen Poloshirt bekleidet. "Ich wollte schon immer die Skyline nachts aus diesem Blickwinkel sehen." Dank der kleinen Bordküche, schlürfte Dar frustriert an einer dampfenden Tasse Kaffee. "Glücklicherweise habe ich eine Positionsortung auf diesem Ding... wir sind weiter abgetrieben als ich dachte." Durch die völlige Dunkelheit des Atlantiks brausend, steuerte sie das Boot nach Nordwesten. "Ermahne mich daran zu denken, mich nicht ablenken zu lassen, nachdem ich den Anker gelichtet habe." Kerry verkniff sich zu lachen. "Eins kann ich dir sagen, ich habe noch niemals so viele Flüche hintereinander gehört." In die Dunkelheit schielend erspähte sie eine Reihe bunter Lichter. "Ist dies das Geschäftsviertel?" Dar kniff ihre Augen zusammen. "Ja... das ist der verdammte Centrust Tower..." Bestätigte sie, das große Bauwerk mit seiner blauen Beleuchtung und den eingestreuten weißen Lichtpunkten um ein Ornament zu imitieren, erkennend. "Und ich kann von hier aus die Metrogonowhere sehen." Die Hängebahn, die ein Geschäftsviertel überquerte in dem niemand wirklich wohnte, war einsäumt von regenbogenfarbenen Neonlichtern. Der Rest der Skyline mit seinen großen, hellbeleuchteten glitzernden Gebäuden kam in Sicht. "Nennt man ihn noch immer Centrust Tower?" Erkundigte sich Kerry, den Anblick genießend. "Ich glaube, sie haben Bankrott gemacht, oder nicht?" "Ja, richtig..." Dar hielt nach der Boje im Süden Ausschau. "Ich hab vergessen was es jetzt ist… seitdem hat er dreimal den Besitzer gewechselt... doch in meiner Erinnerung ist er noch immer der Centrust Tower." "Oh… dort ist die Bayside… irrsinnig... sie ist echt toll beleuchtet." Rief Kerry aus und zeigte in die Richtung. "Ist das auf dem Hard Rock ein Baum?" "Etwas in der Art." Erwiderte Dar kichernd. "Halt dich fest... ich mach jetzt eine Wende zum Government Kanal." Gehorsam schlang Kerry ihre Arme um die größere Frau und umarmte sie fest. "Okay... ich bin bereit." Verkündete sie, Dar's Kichern und die Wärme spürend als sie einen langen, Sweatshirt bekleideten Arm um Kerry's Schulter legte. "Es ist schön ein paar Tage frei zu haben, wie?" Das war es mit Sicherheit, sinnierte Dar, während sie das Boot in den Kanal steuerte und die Richtung zur Insel einschlug auf der sich ihr Apartment befand. Ich glaube, für alles gibt es ein erstes Mal... grübelte sie. Die Jahre zuvor hatte sie sogar an Weihnachten im Büro gesessen, und mit dem zur Arbeit verpflichteten mürrischen Reinigungspersonal ein Glas getrunken. Letztes Jahr hatte sie Eierpunsch mitgebracht und es war dann tatsächlich noch ein wenig vergnüglich geworden, es hatte ihr die lächelnden Gesichter der eingewanderten Arbeiter eingebracht, die nicht damit gerechnet hatten irgendjemanden vom Büropersonal zu sehen. Nicht so dieses Jahr. Sie waren gestern um siebzehn Uhr gegangen, und brauchten bis Montagmorgen um Acht nicht wieder zurück sein, und sie erkannte das sie sich darauf freute, obwohl sie Geburtstag hatte und eine Party für sie geschmissen wurde. "Klar... mir macht es viel Spaß... und dir?" Antwortete Dar grinsend. Ein Gähnen erstickend nickte Kerry. "Sehr sogar... auch wenn ich mich mit Palmen abfinden muss, die mit flamingorosa Lichtern geschmückt sind." Dar drosselte die Geschwindigkeit als sie in den Yachthafen einfuhr, und manövrierte mit lässigem Können durch die betonierten Docks. "Hey... Palmen sind für Lichter geradezu geschaffen." Sie zeigte auf eine lange Reihe buschig gekrönter Palmen, die die Zufahrtsstraße zum Yachthafen säumten. Irgendjemand hatte winzige weiße Lichter akkurat zwischen die Palmwedel geflochten. "Siehst du?" Kerry äugte in die Richtung. "Hey... das sieht gar nicht mal so schlecht aus." Seufzte sie. "Obwohl ich unseren Baum liebe." Ein echter. Dar hatte darauf bestanden, dass wenn sie schon genötigt wurde einen Baum aufzustellen, dann sollte er zumindest wie eine Kiefer riechen und nicht nach gepresstem Kunststoff. Also waren sie losgezogen und fanden eines von den überall verstreuten unzähligen Zelten, die die verdammten Dinger verkaufte, die in Schnee gepackt von North Carolina per LKW angeliefert worden waren, und suchte eine Douglas-Tanne heraus, die etwas größer als Dar war. Das Boot anlegend begaben sie sich auf den schlängelnden Pfad zum Apartment und winkten verschiedenen Nachbarn, von denen Dar nicht mal wusste das sie sie hatte, bevor Kerry, die von Natur aus freundlich veranlagt war, angefangen hatte die meiste Zeit mit ihr zu verbringen. Über ein ausgedehntes Lautsprechersystem erklangen über die gesamte Insel hinweg von Baum zu Baum leise Weihnachtslieder und Dar begann leise mitzusingen. "Entschuldige... das hab ich nicht verstanden?" Bemerkte Kerry ihren Kopf zu ihr neigend. "Hast du etwas gesagt?" "Ähm... nein... ich habe nur..." Dar zeigte mit einer Hand zu den Lautsprechern. "Mitgesungen... ich mag das eine." Erklärte sie, eine Hand auf Kerry's Rücken legend als sie den Pfad zu ihrer Tür hinaufgingen. "Ich glaube, das heute Abend Weihnachtsliedersänger herumziehen... möchtest du zuhören?" Die blonde Frau sah zu ihr auf. "Herumziehende Weihnachtsliedersänger? Jesus... ich hatte keine Ahnung das es die hier unten auch gibt… sicher… ich würde sehr gerne zuhören... Dar?" "Ja?" Dar öffnete die Tür und trat zurück, um sie eintreten zu lassen. Kerry holte tief Luft, und mit dem Wissen das sie unruhiges Gewässer betrat, wurde sie plötzlich leicht nervös. "Ich weiß, das du kein religiöser Mensch bist... aber würde es dir gefallen, heute Abend zu einem Gottesdienst zu gehen?" Die dunkelhaarige Frau blieb stehen und betrachtete sie. "Ich dachte, du hättest gesagt das es hier nirgendwo eine Einrichtung deiner Konfession gibt?" "Da gibt es auch keine... wirklich... ich... aber mein alter Pastor gab mir die Adressen einiger, von denen er dachte das sie mir zusagen würden... eine ist hier auf South Beach." Sie hielt inne. "Es ist... nicht sehr formal." Dar hob ihren Kopf und überlegte. "Du meinst, das es nichts ausmachen würde, wenn wir dort Händchen halten?" Fragte sie mit ihrer typischen Offenheit, und verkniff sich ein Grinsen als Kerry vom Hals bis zu ihrem Gesicht rot anlief. "Etwas in der Art, ja." Murmelte die blonde Frau. "Ähm... vergiss es... es war eine blöde Idee." Sie hob ihre Ausrüstung wieder auf ihre Schulter. "Ich geh jetzt diese Sachen waschen... soll ich deine auch mitwaschen?" "Kerry?" Dar hielt sie am Arm fest und drehte sie herum, damit sie sich ansehen konnten. "Dein… Glaube ist für dich wichtig, oder nicht?" Sie beugte ihren Kopf, um der nun plötzlich verlegenen Frau in die Augen sehen zu können. "Kerry?" Widerwillig hoben sich die grünen Augen zu ihren. "Ich vermute, das es irgendwie albern ist, wie? Schließlich steht in der Bibel, das sich Gott von Menschen wie... mir... abwendet." Dar seufzte innerlich. "Kein Gott der etwas taugt, würde sich von einem liebevollen Herzen wie deinem abwenden." Sagte sie, zärtlich mit ihrem Daumen über die Wange ihrer Freundin reibend. "Ich würde mich freuen mit dir gehen zu können." Ein winziges Lächeln zog sich über ihr Gesicht. "Obwohl du mich anstoßen musst, wenn ich aufstehen oder was auch immer tun muss... ich kenn mich da nicht so aus." Kerry grinste sie von der Seite an. "Ich denke, das ich das tun kann... dieser Gottesdienst ist nicht so streng... wir gehen schließlich nicht zu einer katholischen Messe, oder so." "Ich hab es letztes Jahr im Fernsehen gesehen." Bemerkte Dar. "Diesen Papst. Es hat mich höllisch verwirrt." Kerry lachte nun etwas entspannter. "Oh ja... nachdem wir vom Abendgottesdienst zurück waren, hab ich mir die Wiederholung angesehen... es ist ein riesiges Gedöns." Sie stieß einen erleichterten Seufzer heraus. "Okay... nun ja, es fängt nicht vor 23 Uhr an, also... hast du Lust auf ein Abendessen?" "Nach acht Stunden Tauchen?" Schnaubte Dar. "Wenn du ein wenig A1 drauf gibst, könnte ich die Couch zum Abendessen verspeisen." Sie blickte nach draußen. "Es ist ein schöner Abend... könnte ich dich dazu überreden, mit mir an einen kleinen Tisch oben beim Mansion zu sitzen?" "Ohh... Sternenlicht, Kerzenschein und du... Ich glaube, das ich mich dazu überreden lasse." Lachte Kerry. "Jedoch zu der Bedingung, das du mich zahlen lässt." Sie hob einen Finger als Dar protestieren wollte. "Oh ha... erinnere dich an unsere Abmachung." Ein Aufseufzen. "In Ordnung." Murrte Dar. "Aber der Champagner geht auf mich." "Einverstanden." Gab die blonde Frau fröhlich nach. " Auf geht's … ich denke nicht, dass Jogginghosen und Polos die passende Kleidung für Heiligabend sind." "Jedenfalls nicht, wenn du mein Poloshirt trägst." Lachte Dar. "Aber wenn du einfach einen Gürtel drum bindest, dann könntest du es als Kleid tragen und es würde passen." Das Shirt ging der Blonden bis fast an die Knie. Kerry streckte ihrer Freundin die Zunge raus. "Ich mag es, wenn sie so sitzen, und bei keinem von meinen ist das der Fall." "Nun..." Sagte Dar gedehnt. "Jetzt weiß ich, dass ich dich glücklich machen kann, wenn ich deine Shirts zwei Nummern größer kaufe." "Das ist nicht das Gleiche." Erwiderte Kerry, leicht schüchtern. "Nicht?" Erkundigte sich die dunkelhaarige Frau. "Sie duften nicht nach dir." Gab Kerry zu, durch ihre hellen Wimpern zu ihr aufblickend. "Oh." Dar spürte, wie das aufsteigende Blut ihr Gesicht erhitzte. Sie räusperte sich. "Ich verstehe." Sie verspürte ein plötzliches, unerklärliches Déjà-vu Gefühl, doch sie war sich ziemlich sicher, dass vorher noch niemand ihre Kleidung wegen des Geruches tragen wollte. "Na gut." Kerry seufzte zufrieden.
"Also... bist du dir sicher, das dies die passende Kleidung ist?" Fragte Dar, während sie den Lexus geschickt von der Fähre und den Parkplatz des Terminals manövrierte. "Ich hab von der Kirche immer gedacht, das es wesentlich formeller ist... du weißt schon solche Dinge wie Hüte, Blumenschmuck usw." Kerry wischte eine Kiefernadel von ihrer frisch gebügelten Bluse, die akkurat in einer Dockers steckte und durch eine festliche, mit laufenden Rentieren und Stechpalmen bestickten Weste gekrönt wurde. "Nun, ich hab den dortigen Pastor angerufen... und er versuchte mich mit dem trag das in dem du dich wohlfühlst, abzuspeisen. Doch ich hab mich nicht drauf eingelassen und ihm gesagt, das wenn ich einen Badeanzug mit einer Nikolausmütze tragen würde, und dann alle lachen, ich mich nicht sehr glücklich fühlen würde." Dar lachte. "Oh mein Gott... um das zu sehen, würde ich Eintrittsgeld zahlen." "Dar." Kerry warf ihren einen Blick zu. "Jedenfalls sagte er, das die meisten Leute Jeans oder Baumwollhosen und etwas anderes als T-Shirts tragen würden, ein oder zwei Leute trügen Kleider oder Anzüge, und ein Bursche würde in einem Rentierkostüm kommen." "Mit Geweih oder ohne?" Fragte die Geschäftsführerin ernsthaft. "Dar." Lachte die blonde Frau. "Entschuldige... muss an diesen fünf Gläsern Champagner liegen." Entschuldigte sich Dar. "Geschweige diesen Grand Mariner Kuchen... Donnerwetter." Bemerkte sie ausatmend. "Ich fühle mich, als ob ich gleich explodiere." "Mm… hör mal." Kerry drehte ihren Kopf zur Seite und beobachtete das dunkle Wasser entlang der Dammstrasse, auf der sie fuhren. "Soll ich fahren?" Fragte sie ihre Begleiterin mit einem besorgten Blick. "Du schienst in Ordnung zu sein." "Nein... es ist in Ordnung." Dar schüttelte ihren Kopf. "Ich spür es nicht... ich neige nur dazu zuviel zu reden, wenn ich einige Gläser intus hab. "Erklärte sie, flüchtig mit ihren Schultern zuckend. "Entschuldige." Kerry tätschelte ihren Arm. "Es ist okay... ich finde es wirklich süß." Versicherte sie ihr. "Bieg dort links ab, und dann ist es drei Blocks weiter auf der rechten Seite. "Ich weiß." Murmelte Dar, durch den beträchtlichen Verkehr manövrierend. "Mein Gott, herrscht hier ein Chaos." Den dunkelgrünen Sweater bewundernd, den sie über eine Bluse trug, die in ihrer schwarze Hose steckte, beäugte Kerry ihre Geliebte aus den Augenwinkeln. Der Sweater war schlicht, doch hatte hübsche Stickereien in ausdrucksstarken, freundlichen Farben mit stilisierten sich verfolgenden Vögeln am Kragen und den Bündchen. "Dieser Sweater gefällt mir." Bemerkte sie, herüberreichend um über die Stickerei zu streichen. "Er steht dir wirklich gut." Figurbetont, doch nicht aufdringlich, sinnierte sie. "Danke... du siehst selbst großartig aus." Erwiderte Dar beiläufig. "Da wären wir." Sie zog auf einen kleinen Parkplatz neben einem altertümlichen, zweistöckigen Betongebäude. Die hintere Hälfte schien in eine Kirche umgebaut worden zu sein, dessen bunte Kirchenfenster zur Meerseite lagen. "Es muss während des Sonnenaufgangs hübsch im Inneren aussehen." "Mm." Stimmte Kerry zu, sich nun, da sie hier waren ein wenig nervös fühlend. War das eine so gute Idee? Sie hatte keine Ahnung wie sie sich, in Anbetracht der freien Gesinnung dieser Kirche verhalten sollte, und welche Glaubenrichtung oder Gottesdienst sie haben würden. Der Pastor hatte Musik erwähnt und als sie ihm erzählt hatte zu welcher Konfession sie gehörte, hatte er ihr gesagt, dass sie sich wohl fühlen würde, doch... Sie atmete aus. "Bist du in Ordnung?" Erkundigte sich Dar besorgt. "Klar..." Kerry verschränkte die Arme über ihrer Brust. "Ich war nur noch nie... ähm... das ich echt blöd, doch ich war noch niemals an einem Ort wo fast jeder Homosexuell ist." "Oh." Kicherte Dar. "Entspann dich... verhalte dich ganz normal... sie drücken dir beim Reingehen keinen Stempel auf die Stirn." Sie stieg aus dem Wagen, zog ihren Sweater gerade und wartete auf Kerry. "Du wirst das Gefühl haben, dass jeder dich ansieht, also entspann dich, weil sie es tun." "Tröstend. Danke." Nickte Kerry seufzend. "Denk einfach daran wie die ersten Tage auf der Arbeit waren." Beruhigte ihre Begleiterin sie. "Ich nehme an, dass du schon hier unten... in South Beach gewesen bist." Erkundigte sich Kerry als sie quer über den Parkplatz gingen und sich zu einer kleinen Schar anderer gesellten. "Ja." Antwortete Dar bereitwillig. "In meinen jungen Jahren pflegte ich hier unten einige Bars zu durchstreifen." Sie erwiderte die taxierenden Blicke, die ihnen von einigen der anderen Anwesen zugeworfen wurden. "Hast du da deinen Ring von der Hochschule abgenommen, Oma?" Flachste Kerry, sie liebevoll in die Seite stupsend. "Wenn man dich so reden hört... in meinen jungen Jahren... klar, wenn wir nochmal zur Schule hinaufgehen müssten, dann könnten wir das gemeinsam..." "Kerry..." Dar legte einen Arm um sie und beugte sich näher heran. "In Miami zu wohnen heißt, dass du niemals zur Schule hochgehen musst." Erinnerte sie sie. "Es sei denn, du wohnst unter der Highway-Überführung." Lachend betraten sie das Gebäude und nickten einem großen, jungen Mann zu, der die Tür für sie aufhielt.
Es war seltsam. Kerry bemerkte wie ihr Blick in der Kapelle herumschweifte und ihre Augen von den verschiedenen Pärchen und Singles gefesselt wurden, die sich dort versammelt hatten. Das Gotteshaus dessen fast quadratische Form, mit der erhöhten Plattform an einem Ende und den Reihen von Kirchenbänken am Anderen, ihr zumindest einigermaßen vertraut war. Sie erkannte das die Kirchenbänke Spenden von anderen Kirchenbauprojekten sein mussten, und zumindest in einem Fall von einem Tempel stammten. Sie bestanden aus einer Mixtur von verschiedenen Hölzern und Größen, doch niemand schien das zu beachten. Sie vermisste die typischen Bibeln, doch dafür waren Gesangbücher ausgelegt, sie nahm sich eins und blätterte durch die abgenutzten Seiten um alte Lieblingslieder und einige unbekannte zu entdecken. Sie und Dar saßen ungefähr in der Mitte auf der linken Seite, und als der Raum sich füllte beobachtete sie, wie die aufmerksamen und interessierten Blicke ihrer Geliebten alles begutachteten. Natürlich beäugte die Hälfte des Raumes, die weibliche Hälfte, auch sie. Bei den verschleierten, und in einigen Fällen auch nicht so verschleierten lustvollen Blicken, die ihrer Begleiterin zugeworfen wurden, verspürte Kerry eine Mischung aus Stolz und Bestürzung, doch Dar schien dem keine Aufmerksamkeit zu schenken. Oder vielleicht doch nicht. Als sich Dar, vorgebend das Gesangbuch zu studieren, näher zu ihr lehnte, spürte sie wie ein warmer Arm um ihre Schultern glitt. "Also. Was ist das?" Die Ankunft des Pastors unterbrach ihre etwas ausschweifende Beschreibung über die Vorgehensweise von Gottesdiensten an Feiertagen, und beide richteten ihre Aufmerksamkeit zu dem Mann. Er war mittelgroß mit sandbraunen Haaren, hatte helle Augen und war ungefähr in ihrem Alter. Er warf jedem ein freundliches Lächeln zu und begann dann mit einer kurzen Predigt. Es war… interessant. Kerry erkannte, dass der Kern dieser Predigt ein Apell für mehr Toleranz in der Welt war, und war der Meinung, dass dies wahrscheinlich besser außerhalb dieses Raumes gepredigt werden sollte, da ihr hier jeder recht tolerant zu sein schien. Doch sie schätzte den Grundgedanken, und er brachte mehrere gute Argumente über die Neigung von diskriminierten Menschen, ihre Wut derart herauszulassen, dass sie die gleichen Diskriminierungen begehen die sie selbst erleiden. Dann standen drei Leute auf, zwei Männer und eine Frau, und lasen einige selbstverfasste Gedichte. Kerry gefielen sie sehr, wie auch die Tatsachte, dass sie etwas zu den Feierlichkeiten beitrugen. Es schien ihr eine gute Idee zu sein, was die anderen Kirchen übernehmen sollten. Manchmal machte die übertriebene Ausübung alter Traditionen, ohne neue Ideen einfließen zu lassen eine Kirche… nun ja… sie erinnerte sich, das der Gottesdienst in ihrer Teenagerzeit recht langweilig war, und fand, das die verantwortlichen Leute keinen Schimmer hatten was in der Welt wirklich vor sich ging. Diese Menschen hatten etwas woran sie sich festhalten konnten… ihre Arbeiten sprachen von dem verlorenen Gefühl in der Menge herauszustechen, davon das sich ihre Familien von ihnen abgewandt hatten, und der letzte Vortrag, vorgetragen von einem kleinen, eulenhaft aussehenden Mann mit einer Hornbrille und kurzgeschorenen Haaren, sprach davon wie es sich anfühlte, gesagt zu bekommen das Gott dich hassen würde. Das eine empfand Kerry selber, doch in gewisser Hinsicht half es ihr, es zu hören, weil sie verstand dass sie nicht alleine war. Sie fragte sich, ob sie vielleicht eines Tage den Mumm haben würde dort zu stehen und eines ihrer eigenen Gedichte vorzutragen, dann beschloss sie, dass eher die Hölle zufrieren würde. Nachdem der Mann fertig war lehnte sich Dar zu ihr. "Das war nicht schlecht." "Mm." Stimmte Kerry leise zu. "Die Sachen die du schreibst sind besser." Vertraute ihr die dunkelhaarige Frau beiläufig an. Kerry fühlte sich, als ob plötzlich ein Eiszapfen in ihrer Magengrube gewachsen war. "Was?" Ihre Hand auf Dar's Arm legend drückte sie ihn. Es kam ihr ein Verdacht, der ihr Herz taumeln ließ. "Woher weißt du das?" "Oh…" Betroffen wurden die blauen Augen größer. "Du… hast ein paar Seiten auf dem Drucker liegen lassen, ich wollte nicht... ähm…" In der Menge raunte es, als sich der Chor vor ihnen aufstellte, und sie blickte sich kurz um. "Es tut mir leid… ich wusste nicht das du… oh…" Sie konnte eindeutig sehen, dass Kerry vollkommen durcheinander war. "Kerry, es tut mir Leid." Sehr langsam löste sie den schraubstockartigen Griff an Dar's Arm. "Nein… nein… Es ist mein blöder Fehler… ich hab sie auf dem Drucker liegen lassen." Brachte sie heraus. "Diese Sachen sind so persönlich… ich wollte einfach…" Dann hörte sie mitten im Satz auf und verzog ihre Augenbraue. "Moment mal… es hat dir gefallen?" Dar atmete erleichtert aus. "Aber ja… das eine über den Wind war großartig." Stimmte sie begeistert zu. "Und da war so ein langes… ähm…" Kerry senkte ihren Kopf. "Ja, das war über dich." Sie schielte zu ihrer Geliebten, die eindeutig rot wurde. "Es hat dir wirklich gefallen?" Dar nickte und richtete sich dann auf, als der Pastor seine Predigt fortsetzte. "Ich glaube das wir einiges zu bereden haben, wenn wir nachhause kommen, wie?" "Oh ja." Bemerkte Kerry lächelnd. "Ich denke, das haben wir." Sie spürte wie ein leises Glücksgefühl ihre Stimmung beträchtlich erhellte, und blätterte in dem Gesangbuch zu der vom Pastor angegebenen Seite. "Okay… es ist einfach. Sie singen, du singst." Erklärte sie Dar, während sie das Buch hochhielt. "Mir gefällt das Lied." Sie standen auf und warteten bis der Chor die erste Strophe gesungen hatte, und stimmten ein als der Pastor ihnen das Zeichen gab. Kerry begann zu singen, und hielt dann inne, als eine kristallklare Stimme direkt neben ihr erschallte. Sie merkte wie ihr der Kiefer runterfiel, ihren Kopf zur Seite drehend blickte sie zu Dar, die verzweifelt versuchte, nicht zu lachen. "Jesus!" Der Chor endete, und der Chor begann aufs Neue. "Stimmt etwas nicht?" Erkundigte sich Dar mit einem unverkennbarem Grinsen auf ihrem modellierten Gesicht. "Du kannst singen!" Wisperte Kerry ungläubig. "Ich meine, nicht einfach singen, es war wie… das klang unglaublich." Ein leichtes Schulterzucken. "Oh ja… nun, ich denke, dann haben wir beide verborgene Talente, wie?" Kommentierte Dar vergnügt, während sie ihre Hände hinter dem Rücken verschränkte und sich im Raum umblickte. Einige ihrer Nachbarn warfen ihr neugierige Seitenblicke zu, die sie mit hochgezogener Augenbraue erwiderte. Der Rest der Gesänge ging wie im Flug vorbei, und bevor sie es wusste befand sich Kerry in einem Pulk von Leuten, die alle versuchten aus dem kleinen Gebäude heraus, in die kühle Nachtluft zu kommen. Doch sie wurden festgehalten und fanden sich einer Vielzahl von weiblichen und männlichen Gesichtern gegenüber, die sich alle vorstellten und recht freundlich zu sein schienen, und erhielten eine Menge Einladungen zum Kaffee, Unterhaltungen und in einem Fall, zu einer übersinnlichen Lesung am Strand. Jeder schien von Dar fasziniert zu sein, die ihr Geschäftsgesicht mit dieser kühlen Aufmerksamkeit und forschen Höflichkeit aufgesetzt hatte, bis der Pastor sie einholte, und ihnen die Hand reichte. "Ihr seid neu hier." Stellte er freimütig fest. "Oder ist dies nur ein günstig gelegener Ort um zum Gottesdienst zu gehen?" "Ähm… tatsächlich hab ich vorher angerufen… mich über die Kirche erkundigt." Antwortete Kerry leicht zögernd. "Oh ja… Badeanzug und Nikolausmütze… ich erkenne ihre Stimme." Erwiderte der Mann lächelnd und blinzelte ihr dann zu. "Liebes, ich garantiere ihnen, sie hätten hier so auftauchen können und niemand hätte sich daran gestört." Er schüttelte ihre Hand. "Ich bin David Argnot… der Pastor, Klempner und Mädchen für alles was diese Kirche betrifft." Das brachte die leicht verlegene Kerry zum Kichern. "Nett sie kennen zu lernen… ich heiße Kerry… und ähm…" Sie nickte mir ihrem Kopf zu Dar, die der Chorleiterin, einer bemerkenswerten Rothaarigen mit beinahe der gleichen Größe wie die Geschäftsführerin, eine Absage erteilte. "Das ist meine Freundin Dar." Ihren Namen hörend drehte sich Dar um und sah zu ihm, wobei ihre hellblauen Augen mit einer erschreckenden Klarheit leuchteten. "Es freut mich sie kennen zu lernen." Begrüßte sie ihn, ihre Hand ausstreckend. Er blinzelte. "Hat ihnen schon irgendjemand gesagt, dass sie fantastische Augen haben?" Er nahm ihre Hand und schüttelte sie behutsam. "Ganz zu schweigen von der mörderischen Stimme." Dar schenkte ihm ein kurzes Lächeln. "Danke… Das war eine nette Rede, die sie da gehalten haben." "Oh… das war nicht der Rede wert." Grinste er. "Sie sollten mich hören wenn es sich nicht um einen auf der ganzen Welt zelebrierten Feiertag handelt… da wir gerade davon sprechen… Gottesdienst ist immer Sonntags am späten Nachmittag… falls ich es noch nicht erwähnt habe." "Am späten Nachmittag?" Erwiderte Kerry lachend, von zu Hause gewöhnt, in der Morgendämmerung zum Gottesdienst zu gehen. "Wir sind Hedonisten und stehen dazu." Erzählte er ihr feierlich. "Ich habe Sonntagmorgens einen reservierten Platz am Strand, mit einer Decke und Picknick-Korb." Gab er, auf seinen Füssen vor und zurückschaukelnd, bekannt. "Also… wie sieht's aus? Kommt ihr Mädels wieder?" Dar grinste ihn von der Seite an. "Das hängt davon ab… werden Erfrischungen gereicht?" Ihre Augen funkelten vergnügt. Er wackelte mit seinen Augenbrauen. "Was… sehen wir wie Katholiken aus? All der Wein und Käse… ups… Oblaten…" Er ließ ein paar Frotzeleien von den Zuhörern in der Nähe über sich ergehen. "Nee… war nur Spaß… für gewöhnlich treffen wir uns nach dem Gottesdienst auf einen Kaffee beim gegenüberliegenden Café… sie sind an unseren Ansturm gewöhnt, und sie machen einen mörderisch guten Seven Layer Dip." "Ihr solltet dort unbedingt hingehen." Drängte sie die Chorleiterin. "Da gibt es eine Menge guter Gespräche, und Zeug… wir haben eine tolle Zeit dort." Sie drehte sich um, als eine kleine Frau mit haselnussbraunen Haaren zu ihr kam und ihr Kinn auf die Schulter der Rothaarigen legte. "Stimmt's Anne?" "Klar." Bestätigte die Frau. "Solange es Orangensaft beinhaltet und heiß hergeht." Bemerkte sie, ein spitzbübisches Grinsen zu Dar und Kerry werfend. "Ups… Ich bin in der Kirche… entschuldigt." Kerry hatte keine Ahnung, ob Dar die Gruppe mochte oder nicht, oder ob sie darüber ausflippte. "Klar doch. Hört sich lustig an." Sagte sie schließlich, sich ausrechnend, dass sie auf jeden Fall für sich selbst sprechen konnte. Es war ihr fremd und ganz und gar nicht, was sie gewohnt war, aber… die Leute schienen recht nett zu sein, und sie mochte den Pastor, der definitiv einen guten Sinn für Humor hatte. "Großartig… dann sehen wir euch Mädchen nächste Woche." Bemerkte Pastor David lächelnd und atmete aus, als er seinen Kragen öffnete. "He… Surf-Ttime… wer hat Lust auf ein Mitternachtsschwimmen?" Unter den glitzernden Sternen einer klaren tropischen Nacht machten sie sich auf den Weg zum leeren Parkplatz. Kerry wartete bis sie im Auto saßen, bevor sie sich räusperte. "Ähm… übrigens, es war nicht so gemeint für dich mit zu bestimmen… ich weiß… ich meine, auf eine Art ist es ein seltsamer Ort… du brauchst dich nicht verpflichtet zu fühlen dort wieder hinzugehen." Erklärte sie. "Ich kann einfach alleine wieder dort hingehen… vielleicht mit ein paar von den Leuten reden… zwei der Frauen sind von der gleichen Konfession wie ich, also…" Dar fuhr mit einer Hand durch ihr dunkles Haar und fuhr den Lexus vom Parkplatz, dann reichte sie hinüber und legte eine Hand auf Kerry's Arm. "Kerry, du weißt, dass ich dich liebe, richtig?" "Ähm… sicher, ja." Stimmte die blonde Frau zögernd zu. "Hast du jemals gesehen, was Piranhas mit einer Kuh in weniger als einer Minute tun können?" Erkundigte sich die größere Frau, als sie auf die Hauptstraße abbog. Kerry's Augenbrauen zogen sich zusammen. "Was in aller Welt hat das mit irgendetwas zu tun?" Fragte sie. "Und… ja ich habe dieses Special auf Animal Planet gesehen, danke." Sie verzog ihr Gesicht. "Sie haben beinahe einige Teile des Krokodilmannes gefressen." Dar hielt an einer roten Ampel und drehte sich zu ihr. "Gut… weil das die Menge dir antun würde… wenn du dort alleine hingehst." Bemerkte sie grinsend und streichelte Kerry's Kinn. "Sie erkennen einen arglosen Menschen wenn sie ihn sehen." "Ich bin nicht naiv." Protestierte die blonde Frau und hielt dann inne. "Bin ich? Ich dachte sie wären nett… sie schienen okay zu sein." "Sie waren sehr nett, und ich bin mir sicher, dass wir dort ein paar großartige Freunde finden werden." Versicherte ihr Dar. "Doch du musst erst die Grundregeln kennen, verstehst du?" Kerry dachte eine Minute darüber nach." Oh." Sie kaute auf ihrer Lippe. "Du meinst die soziale Seite der Dinge… klar, das gab es in unserer Kirche auch, aber das hier ist anders." Überlegte sie. "Sie tendieren mehr zu Steppdecken-Gruppen." Dar unterdrückte ein Kichern. "Nun ja, ich bin mir sicher das an einem bestimmten Punkt, einiges was diese Gruppe tut, eine Decke einschließt." Murmelte sie. "Aber es war ein schöner Gottesdienst… ich bin froh, das wir hingegangen sind… hat es dir geholfen dich besser zu fühlen?" Kerry lehnte sich zurück. "Oh ja… das hat es… vielleicht ist es nur die emotionelle Seite, ich weiß es nicht… doch die Gedichte waren gut, und mir gefiel seine Predigt… und der Chor ist nicht übel." Sinnierte sie. "Es war wirklich anders, aber ich hab es genossen." "Gut." Dar blickte durch die Windschutzscheibe auf den nun schwachen Verkehr. Eine kurze Zeit fuhren sie schweigend weiter, dann schaute Kerry auf ihre Uhr. "Hey… es ist nach Mitternacht." "Jawohl… es ist Weihnachten." Bemerkte Dar, als sie auf die Straße zur Anlegestelle der Fähre abbog. "Es ist dein Geburtstag." Korrigierte Kerry sie liebenswürdig. Der Lexus blieb an der Verladerampe stehen, als die Deckarbeiter damit begannen die Rampe zu senken, um an die gerade angekommene Fähre anzudocken. "So ist es." Sich auf das Lenkrad lehnend betrachte Dar das kräuselnde Wasser. "Ich kann nicht glauben, dass ich dreißig Jahre alt bin." "In Anbetracht was du alles vollbracht hast, kann ich es auch nicht glauben." Stimmte ihr Kerry bei. "Ich fühle mich so unvermögend." Dar sah blinzelnd zu ihr. "Was?" "Nun ja, Jesus Dar… du bist nur zwei… okay, drei Jahre älter als ich… und sieh was du bereits alles geschafft hast… Ich meine, du bist eine Direktorin, du hast eine exzellente Karriere, dieser fantastische Lebensstil… du bist großartig… du bist erfolgreich…" Sie warf ihre Hände hoch. "Es ist unglaublich." Ihre Freundin betrachte sie mit ernstem Gesichtsausdruck. "So habe ich noch nie darüber nachgedacht." Kerry lächelte halbherzig. "Ich weiß." Dar's Handy klingelte, seufzend zog sie es heraus und klappte es auf. "Ja?" "Guten Morgen, Dar." Erklang Mark's nervtötend fröhliche Stimme. "Fröhliche Weihnachten." "Ja ja… was ist los?" Grollte Dar. "Nichts." Sprach der MIS Chef gedehnt. "Ich ruf nur an, um meinem Lieblingshai der Gesellschaft alles Gute zum Geburtstag zu wünschen." Mit ihren Fingern aufs Lenkrad trommelnd warf Dar ihrer Begleiterin einen misstrauischen Blick zu. "Und wie hast du meinen Geburtstag herausgefunden, Mark?" Kerry blickte unschuldig aus der Windschutzscheibe. "Du meine Güte… sieh dir diesen Mond an, siehst du?" "Ein Vogel hat es mir erzählt." Erwiderte Mark, wobei das Grinsen in seiner Stimme deutlich zu hören war. "Oh ja… ist dieser Vogel ungefähr einssiebzig groß, mit blonden Haaren und grünen Augen?" Erkundigte sich Dar ironisch. "Tut mir Leid Dar… das ist eine vertrauliche Information." Kicherte der MIS Chef. "Jedenfalls… genieß deinen Geburtstag, okay? Ich seh' dich Morgen auf deiner… ähm… Weihnachtsparty." Jawohl. "Danke Mark... Ich werde mich daran erinnern." Drohte ihm Dar, und bekam dafür ein freches Kichern, bevor Mark auflegte. Anscheinend fasziniert von den Reflektionen der Wellen, schielte Kerry immer noch aus der Scheibe. Dar langte hinüber und ihre Rippen kitzelnd brachte sie Kerry zum Schreien und herumzappeln. "Kleiner Vogel, wie?" Das Handy klingelte wieder und Kerry erstickte ein Lachen, als Dar seufzend das Gespräch annahm. "Ja?" Eine Pause. "Oh, hallo Duks… ja danke… ich weiß das zu schätzen… ja… nein… was? Oh… sicher… Hallo Mariana… ich danke dir… nein, nun ja, wenn ich es dir sagen muss, okay… dreißig." Eine längere Pause. "Hör auf zu jammern… es ist nicht meine Schuld… okay, ja, ich seh' euch Burschen Morgen." Sie legte auf, während die Fähre an der Insel andockte. "Was hast du getan… eine Mitteilung an alle MIAMI-BEWOHNER rausgeschickt?" Wollte sie wissen. Kerry pfiff leise vor sich hin. Das Handy klingelte wieder.
~~~ ENDE - Kapitel 1 ~~~
Wie es weiter geht könnt ihr in Kapitel 2 lesen.
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